Irgendwo am Camino Frances hinter Airexe. Franz von Sales, Patron der katholischen Schriftsteller. *)

Impressum

Franz von Sales, Patron der Journalisten. Joseph Kardinal Ratzinger zum Ethos  der Journalisten. Seitenaufrufe.

Peter A. Schulze

28816 Stuhr

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Franz von Sales. Patron des katholischen Schrifttums - 16./17. Jahrhundert

Fotos (frei gemäß Wikipedia resp. Ökumenisches Lexikon, Joachim Schäfer, s.u.)

Der heilige Franz von Sales, geboren am 21. August 1567, gestorben am 28. Dezember 1622, jeweils in Frankreich. Zuletzt Bischof von Lausanne-Genf-Fribourg. Ein großer Mystiker des 17. Jahrhunderts, von tiefer marianischer Gläubigkeit; Ordensgründer und großer Prediger.

Bereits 1665 von Papst Alexander VII. heiliggesprochen, von Papst Pius IX. 1877 zum Kirchenlehrer und von Papst Pius XI. 1922 zum Patron des katholischen Schrifttums resp. der katholischen Schriftsteller und Journalisten ernannt. 

 

Warum Patron des Schrifttums?

Er nutzte die damals modern gewordenen Flugbätter. Warum? Es war ihm im calvinistischen Genf unter Strafe verboten gewesen, katholisch zu predigen. Auch traf die Strafe die Gläubigen; also verteilte er seine Predigten auf besagte Flugblätter, die er an Bäumen, Tore und Haustüren heftete und somit den Calvinisten ein Schnippchen schlug. Letztlich erreichte er eine Re-Katholisierung.

Sein Gedenktag wird jeweils am 24. Januar begangen. Franz`Bücher zählen auch heute noch zu den wichtigsten der christlichen Weltliteratur: Anleitung zum frommen Leben (Philothea) resp. Abhandlung über die Gottesliebe oder Theotismus.

Das Wort Presse kommt vom mittellateinischen pressa resp. französischen presse: Gesamtheit aller verbreiteten Druckerzeugnisse.

Joseph Kardinal Ratzinger zum Ethos der Journalisten

ETHOS DES JOURNALISTEN

Das Stehen über dem Zwang der Mächte, das innere Freisein auch von der Gesetzlichkeit der Ware und des Erfolgs, zu dem die Ehrfurcht vor der Wahrheit gehört, die immer und vor allem Ehrfurcht vor dem Menschen und Ehrfurcht vor Gott ist. Quelle: Joseph Ratzinger. Gesammelte Schriften. Predigten. Das Ethos des Journalisten, 29. Oktober 1980, S. 1651.

 

DAS GUTE IM MENSCHEN

UND IN DER WELT SICHTBAR MACHEN!

Die neue Gerechtigkeit ist das Anklagen, das Denunzieren. Es genügt sich selbst; es wird sozusagen zum eigentlich moralischen Akt des Menschen. Wer könnte leugnen, dass ein nicht ganz geringer Teil des Journalismus heute von diesem Ethos geleitet ist? Quelle:Joseph Ratzinger. Gesammelte Schriften. Band 14/3 Predigten,

Heilige Messe für die Journalisten, Rom, 27. Januar 1984, Seite 1341 ff. 

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ANLAGE

Das Gute im Menschen und in der Welt sichtbar machen!

Predigt Joseph Kardinal Ratzinger im Rahmen der Heiligen Messe für die Journalisten, Rom, 27. Januar 1984.

 

Zusammenfassung

Zwei geistige Grundentscheidungen stehen sich gegenüber, verkörpert in den Personen des heiligen Franz von Sales (1567 bis 1622): Fürstbischof von Genf, Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer, Patron der Schriftsteller, Journalisten und der Gehörlosen;  und Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778): Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung.

 

Rousseau: Mann des anarchischen Aufbegehrens gegen die eingerichtete Welt. Man könnte in ihm den Vater eines bestimmten Journalismus sehen, dem die Anklage alles Bestehende zur Hauptsache geworden ist. In seinen Bekenntnissen absolviert Rousseau sich am Ende selbst. Er greift das Wort Jesu auf: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“ – Joh 8,7; er wendet es auf sich an und sagt: „Wer wagt es hervorzutreten und zu sprechen: Ich war besser als dieser Mann?“

Die Rechtfertigung des Menschen ist, dass alle schlecht sind. Und darum besteht seine Gerechtigkeit darin, die Schlechtigkeit aller unerbittlich herauszustellen. An die Stelle der Buße tritt die literarische Selbstreinigung durch die Anklage. Die neue Gerechtigkeit ist das Anklagen, das Denunzieren. Es genügt sich selbst; es wird sozusagen zum eigentlich moralischen Akt des Menschen. Wer könnte leugnen, dass ein nicht ganz geringer Teil des Journalismus heute von diesem Ethos geleitet ist?

  

Von Sales: Von der Kirche zum Patron der Journalisten erhoben. Keine fromme Äußerlichkeit; die Kirche drückt mit diesem Mann eine Option aus, die kraftvoll im Raum der europäischen Geschichte steht. Sie ist der Meinung, dass von dieser Option aus Journalismus sich wirklich als Dienst an Fortschritt und Menschlichkeit entfalten, seine große und wahre Bestimmung finden kann. Zwei ihn charakterisierende Grundentscheide, die zugleich den Weg angeben, auf den er weist, sind in den Begriffen coraggio und fiducia manifestiert.

 

Fiducia. Nicht der allgemeinen Devise folgen: Vertrauen ist gut, Kontrolle (Mißtrauen) ist besser. Franz vertraut. Sein Grundvertrauen findet seinen tiefsten Grund und seine größte Bestätigung in der Gestalt Jesu Christi. Wenn wir das Grundvertrauen, ob Christ oder Nichtchrist, dass es das Gute gibt, nicht mehr haben dürfen, geliebt zu sein und selbst lieben zu dürfen, wird auch die Anklage leer. Auch sie hat kein „Wozu“ mehr. Eigentlich ist Rousseaus Vorstellung einer Welt ohne Wozu, eine säkularisierte Abwandlung der Prädestination zur Hölle; vgl. dazu Calvins (1509 bis 1564; Genfer Reformator) Prädestinationslehre: Gott entscheidet von Ewigkeit her, wen er für die Hölle prädestiniert. Wir hingegen müssen versuchen, immer wieder den Menschen zu sehen, nicht mit dem Pilatusblick, sondern mit dem Blick Jesu selbst.

 

Coraggio. Freiheit und Offenheit. Steht im Griechischen besonders auch für die Unerschrockenheit Höhergestellten gegenüber. In der alten griechischen Demokratie ist damit gemeint, das Recht des Freien, in der demokratischen Versammlung alles sagen zu dürfen. Die Gemeinschaft braucht den Mut, dass auch das Unbequeme gesagt wird. Freimut muss Tugend bleiben, er muss an die Verantwortung des Freien gebunden sein, der selbst auch für die Folgen einsteht. Es ist nicht wahr, dass alles Erfahrbare in gleicher Weise öffentlich werden muss. Aber es ist natürlich auch nicht wahr, dass Negatives nicht öffentlich benannt werden dürfe; weder in der Kirche noch im Staat gilt dies. Die Diskretion ist grundlegend Tugend der Freiheit und der Freien; Freimut ohne Diskretion wird zur bloßen Geschwätzigkeit.

 

Wir brauchen gewiß immer den Mut, Mißstände offen anzuklagen, um auf Besserung zu dringen. Aber wir brauchen heute fast mehr noch den Mut, das Gute im Menschen und in der Welt sichtbar zu machen. Franz von Sales fügte zu seiner Zeit die Milde hinzu. Er hat eine Kultur der Güte entwickelt, die als Zeichen der inneren Weite und der Erlösungszuversicht dem katholischen Christentum eine neue Würde gab.

Quelle: Joseph Ratzinger. Gesammelte Schriften. Band 14/3 Predigten, Seite 1341 ff.

 

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*) Franz von Paola übergibt Franz von Sales und Johanna von Valois den Ordensgürtel. Marcantonio Romoli, um 1753, Kirche Sant`Andrea, Rom.

Quelle: Joachim Schäfer: Artikel Franz von Sales, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon - https://www.heiligenlexikon.de/BiographienF/Franz_von_Sales.htm, abgerufen am 8. 10. 2019.