IM FOKUS DES MAINSTREAMS                            FAKE-NEWS

Hexenverfolgungen. Inquisition. Kreuzzüge. Galileo Galilei.  Menschenrechte. Ordensgemeinschaften. Opus Dei. Jesuiten. Piusbruderschaft.

Einführung

Dr. Dipl.-Theol. Manfred Lütz bringt es in seinem neuesten Buch "Der Skandal der Skandale - Die geheime Geschichte des Christentums" auf den Punkt: Falschinformationen haben das Christentum in seinem Kern nachhaltig erschüttert und (für viele) absolut unglaubwürdig gemacht. Er spricht von grotesk falschen Informationen, von Fake News, von amateurhaften Fälschungen (die tatsächlich geglaubt werden), von harmlosen Schummeleien. Immer war auch die Politik im Spiel, gerne protestantische Fürsten und Könige.

 

Hannes Stein, Journalist der "Welt", räumt gleichermaßen mit einigen schlimmen Vorurteilen gegen die katholische Kirche auf. Stein schreibt gerne aus der Sicht eines jüdischen Mitbürgers, von daher völlig unverdächtig, wenn er einmal positiv über die katholische Kirche schreibt. So geschehen am 27. Juni 2018 mit der Überschrift: "Recht haben sie. Man kann der katholischen Kirche manches vorwerfen. Aber in puncto Abtreibung liegt sie zufällig einmal vollkommen richtig: Du sollst Kinder im Mutterleib nicht töten."

(...) „Allerdings zerkrümeln viele dieser Vorwürfe, wenn man sie bei Licht betrachtet: Die Kirche war im ‚finsteren‘ Mittelalter keineswegs die Feindin der Wissenschaften, im Gegenteil – sie hat die Wissenschaften (genau wie die schönen Künste) nach Kräften befördert. Der Prozeß gegen Galilei beweist nicht das Gegenteil.

Vertreter der Kirche (auch Protestanten haben Hexen verbrannt) haben nicht nur für, sondern auch gegen die Hexenverfolgung gepredigt – und überall dort, wo die Inquisition stark war, fanden weniger Hexenprozesse statt. Außerdem hat sie seit vielen Jahrhunderten keinen einzigen Krieg mehr gegen Ketzer geführt oder auch nur gepriesen. Die angeblich so sanften Buddhisten dagegen führen gerade (Stand 2017/2018) vor unseren Augen einen Ausrottungskrieg gegen die muslimischen Rohingya.

Der Antijudaismus der katholischen Kirche wiederum war keineswegs schlimmer als die Judenfeindschaft etwa eines Martin Luther oder Calvin. Um von den antisemitischen Ausfällen des Aufklärers Voltaire für dieses Mal zu schweigen. Und so fort."

Nachstehend werde ich zu einigen dieser teils seit Jahrhunderten tradierten Vorwürfen/Falschinformationen Stellung nehmen.

Tradierte Vorwürfe

VORWURF WISSENSCHAFTSFEINDLICHKEIT

am Beispiel Galileo Galileis1

Die katholische Kirche sei wissenschaftsfeindlich. Ein bis in die Jetztzeit tradierter Mythos des 16./17. Jahrhunderts, als protestantische Mächte wie England und Holland die katholische Kirche und das katholische Spanien angriffen, und eben diese Vorwürfe aus Machtkalkül in die Welt setzten.

Zu den Prozessen Anno Domini 1616 und 1633. An sich reichte die Erklärung der atheistisch verfassten Giordano Bruno-Stiftung (Magier Giordano Bruno, abtrünniger Dominikaner, lebte von 1548 bis 1600. Er hatte versuchte seinen Lehren zur magischen Philosophie eine völlig neue Religion anzuheften), die vor gar nicht langer Zeit lapidar feststellte, dass Galileo kein großer Gelehrter gewesen und von der katholischen Kirche nicht verfolgt worden sei. Werner Heisenberg, der berühmte deutsche Physiker, postulierte ergänzend, dass die Position der Inquisition (vgl. Extrapunkt) vertretbar gewesen sei. James Hannam, ein englischer Autor (vgl. Punkt Inquisition), schreibt 2009 in etwa: "Wie sich jedoch herausstellt, ist nichts davon so richtig wahr. Galilei hat nie den Heliozentrismus bewiesen (Kepler war es), und sein Inquisitionsprozess hatte eher politische denn wissenschaftliche Hintergründe."

 

Was war geschehen? Kardinal Roberto Bellarmin (1542 bis 1621; ein brillanter Kopf, Jesuit und vormals Professor) hatte lediglich von Galileo Galilei verlangt, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse (Die Erde dreht sich um die Sonne) als Hypothese zu veröffentlichen, nicht als Diktum. Galileo fügte sich, veröffentlichte gleichwohl weiter entgegen dem angenommenen Urteil in italienisch (nicht in Latein); insbesondere nach der Wahl des neuen Papstes Urban VII., der selbst ein Mathematiker war. Er wurde daraufhin unter Hausarrest gestellt – in einer nicht ganz kleinen Villa, und publizierte munter weiter. Wer mehr über Kardinal Roberto Bellarmin wissen möchte, immerhin wird sein weiland herausgegebener Katechismus heute noch in Italien gelesen, de schlage bitte folgende Seite auf:

www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Roberto_Bellarmin.html

 

Fazit: Die katholische Kirche zu Zeiten Galileo Galileis war mit ihren Universitäten die einzige Institution von Format, die die allgemeinen Wissenschaften überhaupt förderte, wo geforscht werden konnte. So orientierte sich der nach Papst Gregor VIII. benannte und heute noch gültige Gregorianische Kalender schon 25 Jahre vor der Causa Galileo Galilei nach dem kopernikanischen Modell und seinen Berechnungen.

 

BEISPIELE VERQUICKUNG VON WISSENSCHAFT UND KIRCHE 

Heute steht die katholische Weltkirche in ständigem Kontakt zu namhaften Naturwissenschaftlern, vgl. dazu die von Papst Benedikt XVI. vor Jahren einberufene vatikanische Diskussionsrunde, zu der nach wie vor auch und gerade Atheisten und Agnostiker eingeladen werden. Die päpstliche Sternwarte in Castel Gandolfo nahe Rom, mit einem Ableger in Texas, derzeit geleitet von einem amerikanischen Jesuiten, untermauert das Gesagte.

 

An dieser Stelle weitere Beispiele für die Verquickung der katholischen Kirche mit den Wissenschaften: Die Vererbungslehre, die Mendelschen Gesetze, wurde/n 1865 nach Christus von einem Augustiner-Mönch entdeckt, von Gregor Johann Mendel (1822 – 1884). In acht Jahren führte er dazu 355 künstliche Befruchtungen durch, zog 12.980 Nachkommen heran und untersuchte dazu etwa 350.000 Erbsensamen. Jahrhunderte zuvor entwickelte Leon Battista Alberti (15. Jh.), der päpstliche Schreiber, die Lehre der Verschlüsselung von Nachrichten. Er gilt als Vater der Kryptografie. Die nach ihm benannte Alberti-Scheibe fand bis in die Neuzeit Verwendung. Von Andres de Laguna (1499-1560), dem Leibarzt Papst Julius`II., stammen Abhandlungen über die Anatomie und über die Behandlung der Pest. Der Seuchenforscher schlechthin war Girolamo Fracastoro, Leibarzt von Papst Paul III. (16. Jh.), ansonsten Gelehrter, Astronom und Dichter. Marcello Malphigi, er wirkte im 17. Jh. im Vatikan, zählt zu den Mitbegründern der mikroskopischen Anatomie. Ihm ist die Entdeckung der Kapillaren, der Verbindungen zwischen Arterien und Venen, zu verdanken. 

 

KREUZZÜGE

Moslemische Fatimiden unter Kalif el-Hakim schändeten 1009 nach Christus die Heiligen Stätten Jerusalems. In Folge wurden über 30.000 Kirchen außerhalb Jerusalems im Heiligen Land enteignet, geplündert, die Christen aus den öffentlichen Ämtern gedrängt oder zur Annahme des Islam gezwungen. Erst dann, und zwar aufgrund der Bitte des Kaisers von Byzanz/Konstantinopel, die muslimische Streitmacht stand nur wenige Kilometer vor seiner Stadt, machten  die Kreuzritter sich auf den Weg.

 

Die Kreuzzüge sind mitnichten Vorläufer des später ausgeprägten europäischen Kolonialismus gewesen. Sie sind nicht wegen Land, Beute oder aus Bekehrungsabsichten geführt worden, sondern ausschließlich aus religiösen Gründen (Befreiung der Heiligen Stätten) und als Buße für begangene Sünden. Die Kreuzritter waren keine Barbaren, die die vermeintlich kultivierteren Moslems schlecht behandelten - vgl. dazu meine Ausführungen Verlinkung JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. >Die Ritterorden. Mauren. Reconquista. > Jakobuspilger und Verfolgungen (Kreuzzüge). Eine ausführliche Abhandlung finden Sie unter ÜBER UNS > Lesenswertes. Geschichtliches.

 

 

HEXENVERBRENNUNGEN

Weltliche Prozesse vor allem in protestantischen Gegenden

Die mittelalterlichen Hexenverbrennungen waren in Deutschland zunächst bei den städtischen Autoritäten angesiedelt; auch und gerade in protestantischen Gebieten verbreitet. Zu der Zeit stand der strafende Gott im Vordergrund, nicht der liebende. Gleichwohl sollten wir alle, ob Laien wie Klerikale, es Jesus Christus überlassen, uns zu richten. Gerade das Johannesevangelium spricht zu uns von Liebe, von Nächstenliebe. Nicht von ungefähr hatte Jesus eine besondere Vorliebe für die Kleinen (Leute), für die Ausgegrenzten, die Aussätzigen, für die großen Sünder. In den zentral regierten romanischen Ländern wie Frankreich gab es relativ wenige Hexenverbrennungen; sie mussten nämlich jeweils vom König genehmigt sein. Selbstverständlich hat es nicht wenige Geistliche gegeben, die die Hexenjagd mit "ihrer" Theologie unterfüttert haben.

 

Der Jurist Peter Beer hat für seine Doktorarbeit über die Hexenprozesse im niedersächsischen Loccum die Gerichtsprotokolle der dortigen Klosterbibliothek verwendet. Er kommt zu folgendem wissenschaftlich fundierten Urteil: Entgegen der weit verbreiteten Annahme seien die Hexenverbrennungen weltliche Prozesse gewesen, keine kirchlichen. Sie würden fälschlicherweise stets mit der Inquisition der katholischen Kirche in Verbindung gebracht. Hexen wurden jedoch bevorzugterweise in protestantischen Ländern gejagt, wie beispielsweise in Loccum, nachweislich mit Beginn des 17. Jahrhunderts. Strafmaß und Verfahren waren durch die Gerichtsordnung von Kaiser Karl V. genau geregelt; Folter war ein legales Mittel, um Geständnisse zu bekommen. Damals war Hexerei ein ganz normales Strafdelikt. Quelle: Zeitungsbericht Weser-Kurier, 18.12.2015: "Die dunkle Seite des Klosters. Eine Gedenktafel in Loccum erinnert an die Opfer der Hexenprozesse."

 

BEISPIEL SCHWEDEN NACH DER REFORMATION

„Es ist bezeichnend, daß Vorstellungen vom ‚Hexensabbat‘ und Satanismus in Schweden erst überhandnahmen, nachdem das Land zum Protestantismus übergetreten war.“ So die Analyse des US-Historikers Rodney Stark in seinem Werk: "For the Glory of God. How Monotheism Led to Reformations, Science, Witch-Hunts, and the End of Slavery", Princeton 2003.

 

Zur Erinnerung. Schweden wechselte zum Luthertum, als König Gustav I. beschloß, nach einem Tauziehen mit Rom über die Bischofsernennungen und die von ihm begehrten Kirchengüter, das englische Beispiel Heinrichs VIII. nachzuahmen. Er trennte die Kirche des Landes von Rom, führte Luthers Lehre ein und machte sich selbst zum Kirchenoberhaupt.

 

Die eigentliche „Hexenjagd“ hatte in Schweden weder mit der katholischen Kirche noch mit der Inquisition zu tun. Sie begann erst 1668. Nach 51 Hinrichtungen im Jahr 1670 wurde eigens eine "königliche Kommission" eingerichtet. Quelle: Internetportal katholisches.info

INQUISITION

Lateinisch für „eine gerichtliche Untersuchung." Bevor Sie weiter lesen, vorschnell die katholische Kirche verurteilen, sollten Sie sich vergegenwärtigen, was im vergangenen 20. Jahrhundert, also in der Neuzeit geschah. Sowohl das Nazireich Hitlers, die Sowjetherrschaft Lenins und Stalins, wie auch die DDR-Herrschaft der SED, zeichneten sich unter anderem dadurch aus, dass sie das Bespitzelungssystem, das Denunziantentum bis zur Perfektion ausbauten. Wer nicht mit der herrschenden Parteimeinung übereinstimmte, wurde denunziert, bespitzelt, eingekerkert, zum Tode verurteilt. Die Verhörmethoden waren anfangs an Grausamkeit nicht zu überbieten. Ich empfehle den Besuch des DDR-Gefängnisses Hohenschönhausen in Berlin.

 

KAISER FRIEDRICH II. FÜHRT DEN SCHEITERHAUFEN EIN

Wie bei den Hexenverbrennungen spielte auch der „Staat“ bei den mittelalterlichen Inquisitionsprozessen eine tragende Rolle. Kaiser Friedrich II. bekämpfte aus machtpolitischen Gründen die Häretiker in Oberitalien und führte dabei 1224 n. Chr. den Scheiterhaufen ein. Papst Gregor IX. (geboren 1167, Papst vom 19.03.1227 bis zu seinem Tod 22.08.1241) kam dem Inquisitionsanspruch des Kaisers zuvor, in dem er die Franziskaner wie Dominikaner 1231 zu Inquisitoren machte, da diese über die besten Kenntnisse der kirchlichen Lehre verfügten. Die im Mittelalter eingerichtete Behörde der katholischen Kirche, die Inquisition, begriff ihre Aufgabe in der Verfolgung der Ketzer, der Abweichler vom katholischen Glauben, sie vor Gericht zu stellen und ggfs. zu verurteilen. Die Todesstrafe konnten sie nicht verhängen. Das übernahmen die staatlichen Autoritäten.

 

STRAFFÄLIGE UNTERWERFEN SICH BEWUSST DER INQUISTION

Es gibt Berichte, wonach sich Straffällige bewusst der Inquisition unterwarfen, weil sie dort - im Gegensatz zur staatlichen Gerichtsbarkeit - einen faireren Prozess erwarten durften. Wie immer: jede Medaille hat zwei Gesichter.

 

An dieser Stelle sollen mehrere Autoren zu Wort kommen, die die Thesen untermauern resp. erweitern. James Hannam, Promotion an der britischen Universität Cambridge in Geschichte und Wissenschaftstheorie. Sein 2009 in England editiertes Buch „God`s Philosophers. How the Medieval World Laid the Foundation of Modern Science - Die vergessenen Erfinder - Wie im Mittelalter die moderne Wissenschaft entstand“ (2011) räumt mit vielen Mythen, Märchen und Falschinformationen auf. Er bezog sich in seinen Recherchen unter anderem auf Prof. Henry Charles Lea (Edward Peters), Professor of Medieval History at the University of Pennsylvania (19.09.1825 bis 24.10.1909, Protestant/Unitarier) und dessen Abhandlung zur „Inquisition“ , das 1988 von der University of California Press, Berkeley and Los Angeles, erneut herausgebracht wurde.

 

Er bringt zum Ausdruck, dass die katholische Kirche die bis dahin leider üblichen und grausamen Gottesurteile missbilligte und sogar ihren Geistlichen 1215 n. Chr. verboten hatte, daran teilzunehmen. Das bis dahin gängige Anklageverfahren, mehr oder weniger willkürliche Strafanklage aus dem Volk heraus initiierte, wurde abgeschafft. Zwecks Urteilsfindung und vorheriger Aufklärung (Befragung der Zeugen, etc.) wurde ein Richter eingesetzt. Im Falle der Häresie fungierte der Richter dann als vom Papst berufener Inquisitor. Dieses verbesserte Justizsystem setzte sich nach und nach auch in der weltlichen Justiz durch; es gilt bis auf den heutigen Tag als Rückgrat der strafrechtlichen Ermittlungen in Kontinentaleuropa.

 

FAKE-NEWS VON PROTESTANTISCHEN

SCHRIFTSTELLERN VERBREITET

Weiterhin räumt der Autor mit dem Märchen auf, dass die per se feuchtkalten Inquisitionsverliese mit einer Menge von Folterinstrumenten ausgestattet gewesen seien. Dieser Mythos sei nach der Reformation im 16. Jahrhundert von protestantischen Schriftstellern verbreitet worden.

Einschub: Das schlimme an diesen Fake-News der Protestanten ist jedoch, dass nicht im katholische Rom und nicht im katholischen Spanien die meisten Hinrichtungen stattfanden - sondern im protestantischen Deutschland während der heute vielbewunderten Renaissance-Zeit, also nicht im sog. finsteren Mittelalter; Quelle. Marina Montesano, Uni Genua, 2012, Hexenjagd/Caccia alle streghe.

In die gleiche Kerbe haut der britische Historiker Christopher Black mit seiner Geschichte der Inquisition Italien (The Italian Inquisitio, 2012), der mit Bezug auf Adriano Prosperi (1996: Gewissenstribunale. Inquisitoren, Beichtväter und Missonare / Tribunali della coscienza. Inquisitori, confessori e missionari) die antiklerikale Geschichtsschreibung widerlegt, wonach es in Rom blutrünstige Tribunale gegeben habe. Im Gegenteil, den Angeklagten wurden konkreten Möglichkeiten geboten, einen gerichtlichen Vergleich zu finden. Die amerikanische Historikerin Anne Jacobson Schutte zwiederum eigte mit stichhaltigen Argumenten auf, daß das System der Inquisition die „bestmögliche Strafgerichtsbarkeit“ im Europa der Neuzeit bot; vgl. dazu auch den unten erwähnten Prozess von Montaillou. 

 

NUR RELATIV WENIGE HINRICHTUNGEN

Es gab nicht viele Hinrichtungen. Die erhaltenen Urkunden sprechen von 5% aller Fälle, in denen der/die Verurteilte den qualvollen Tod auf dem Scheiterhaufen erleiden musste.

Der Einsatz dieser neuen juristischen Verfahren war übrigens der Universität von Bologna geschuldet. Dort hatte man das römische Recht als Lehrfach wieder entdeckt. Hans Conrad Zander fügt hinzu, vgl. seinen Aufsatz im Vatican Magazin, 10.2017, S. 64, dass die Kirche und damit der katholische Glaube dasjenige einigende Band darstellte, wie es heute die freiheitlich-demokratische Grundordnung tut. So wie heute der Verfassungsschutz tätig wird, den Feinden der Demokratie das Handwerk zu legen, so tat es damals die Inquisition.

 

DER PROZESS VON MONTAINLLOU, 13./14. Jh.

Berühmt ist der Prozess von Montaillou, einem Dorf im südlichen Frankreich. Emmanuel LeRoy Ladurie zeichnete diesen Prozess von 1294 bis 1324 gegen abtrünnige Katharer nach – anhand der von Jacques Fournier zwischen 1318 und 1325 detailliert erstellten Prozessprotokolle. Die Süddeutsche Zeitung charakterisierte den Prozess wie folgt: „Ein einzigartiges Beispiel vorsozialwissenschaftlicher Befragungskunst.“ Den Angeklagten wurde ausreichend Zeit eingeräumt, sich zu verteidigen. Der Inquisitor von Montaillou, Bischof Jacques Fourniers, ließ seine Gefangenen mitnichten foltern, um Geständnisse zu erpressen. Das Buch "Montailllou" erschien in Frankreich 1975 und 1980 in der deutschen Erstausgabe im Ullstein Verlag.

 

Juni 2018.

Zwei Artikel regen zum Nachdenken an.

Wer kennt die Wahrheit über die Inquisition?

Wahrheit und Legenden: Vor 20 Jahren öffnete die Glaubenskongregation ihre Archive. Was die Wissenschaftler fanden: Das passt nicht zu den landläufigen Legenden, oder doch? Quelle: Catholicnewsagency.

 

20 Jahre Öffnung des Vatikanischen Geheimarchivs

Kollektives Bild der Inquisition ist eine Fake News

Anna Foa (jüdische Forscherin) beklagt das Zerrbild der Inquisition, das sich im kollektiven Gedächtnis festgesetzt hat. Quelle: katholisches.info.

 

 

DIE SPANISCHE INQUISITION

... weist eine Besonderheit auf. Obwohl sie einen religiösen Hintergrund hatte, agierte sie relativ unabhängig von Papst und katholischer Kirche. Die Katholischen Könige Fernando und Isabella bündelten mit ihrer Heirat die Königreiche Aragons und Kastiliens. Im Anschluss beendeten sie die Reconquista, die Rückeroberung moslemisch besetzter Gebiete, mit der in 1492 erfolgten Eroberung Granadas – Grundlage für das heutige Spanien.

Um ihre Macht abzusichern, sie befürchteten nach wie vor den Einfluss und Eingriffe muslimischer Araber und auch der Juden, ließen sie sich Anno Domini 1478 von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis geben, die Inquisition in Spanien einzuführen. Sixtus IV. soll nur widerstrebend seinen Segen gegeben haben. Nicht einmal 2% der Angeklagten von Toledo endeten auf dem Scheiterhaufen, 9 von 10 Verfahren wurden mangels Beweise eingestellt, weil die Beweise unsicher und/oder die Zeugen unzuverlässig erschienen.

Gleichwohl, alle Nicht-Katholiken mussten entweder zum Katholizismus konvertieren oder das Land verlassen. Das traf verhängnisvoller Weise vor allem die jüdischen Mitbewohner; vgl. dazu Menüpunkt Königin Isabella I. die Katholische.

 

Ich betreibe an dieser Stelle keinen Euphemismus, wenn ich festhalte, dass die Muslime Gleiches an gleicher Stelle, nur Jahrhunderte zuvor, initiiert hatten: Massenkonversionen, Massenhinrichtungen; vgl. dazu Verlinkung: JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. > Die Ritterorden. Mauren. Reconquista. > Jakobuspilger und Verfolgungen.

 

Was immer noch nicht geglaubt werden will.            Katholische Kirche - CHARTA DES VÖLKERRECHTS

PAPST VERTEIDIGT MENSCHENRECHTE INDIANISCHER UREINWOHNER

 

Sublimis Deus - Charta des Völkerrechts

Mit der päpstlichen Bulle „Sublimis Deus“ (benannt nach den lateinischen Anfangsworten: Der erhabene Gott), verbot Papst Paul III. am 2. Juni 1537 die Versklavung der indianischen Ureinwohner Amerikas und aller anderen Menschen.

 

Was soll man anderes dazu sagen, als dass schon zu jenem Zeitpunkt universale Menschenrechte festgezurrt wurden - nicht von den staatlichen Autoritäten, nein: von der katholischen Kirche. Papst Paul III. verdammte die Erniedrigung der Ureinwohner und sprach ihnen das Recht auf Freiheit und Eigentum zu. Kaiser Karl V., König von Spanien, machte sich diese Prinzipien zu Eigen; von den Siedlern und Konquistadoren allerdings immer wieder missachtet. Hans-Jürgen Prien (evangelischer Theologe und em. Professor für Kirchengeschichte u. a. mit Gastprofessuren in Süd-Amerika) betrachtet die Bulle des Papstes folgerichtig als Charta des Völkerrechts.

Der alte bis 1968 gültige Meßritus, auch als Tridentische Messe bekannt, beinhaltete ein Gebet aus dem 5. Jahrhundert, das schon damals den Begriff der Menschenwürde betonte: "Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar geschaffen und noch wunderbarer erneuert (...)." Quelle: Martin Mosebach, Der Ultramontane - Alle Wege führen nach Rom; 2012 Sankt Ulrich Verlag, Augsburg.

 

Ordensgemeinschaften

JESUITEN

Die Jesuiten wurden vom Spanier Íñigo López de Loyola gegründet. Mehr über den heiligen Ignatius vgl. Haupt-Menüpunkt ANDERE PILGERWEGE. > Camino Ignaciano. Derzeit (2014) hat sich die Problematik um den Orden ein wenig beruhigt. Die Wahl von Papst Franziskus in 2013, vormals Chef der argentinischen Jesuiten, hat es möglich gemacht.

 

Der seit Oktober 2016 amtierende neue Jesuitengeneral Arturo Sosa aus Venezuela, Vertrauter von Papst Franziskus, fordert zu einer "Neuinterpretation" von Jesus auf. In seinem kürzlich im Februar 2017 dem Tessiner Journalist Giuseppe Rusconi gewährten Interview deklamierte Sosa: "Zunächst müsste man eine schöne Überlegung darüber beginnen, was Jesus wirklich gesagt hat. Zu jener Zeit hatte niemand ein Aufnahmegerät, um die Worte festzuhalten." (...) "Ich identifiziere mich mit dem, was Papst Franziskus sagt. Man stellt nicht in Zweifel, man unterscheidet" - der Einzelne bewerte - nicht die Kirche (...)"  

Quelle: Summorum Pontificum, 23.02.2017. Dort heißt es in der Konklusion: Es zähle also (für den Jesuitengeneral) nicht mehr die Heilige Schrift, wie sie da steht und von den Kirchenlehrern ausgelegt und von den Konzilien erläutert worden sei - es zähle das, was wir seit hundert Jahren darin erkennen und unterscheiden wollen. Es komme allein auf uns an. Wir seien der Herr unser Gott. Die Zeit, in der die Jesuiten als intellektuelle Elite der Kirche angesehen werden konnten, sei wohl lange vorbei. Diejenigen, die dort heute das große Wort führen, seien wohl nur noch ganz gewöhnliche kleinkarierte Apostaten. Apostasie: griechisch für Abfall, Abwendung vom ursprünglichen Sitz.

Meine Ergänzung. Eine deutliche Konfrontation gegenüber Papst em. Benedikt XVI., der noch in seiner letzten Jesus-Trilogie eindeutig zum Ausdruck gebracht hat, dass er den Evangelisten vertraue, und der, wie wir alle wissen, seine Theologie auch auf die Erkenntnisse der Kirchenväter, auf die Tradition aufgebaut hat. Diese des Jesuiten Sosas Haltung und Auffassung, hoffentlich nicht in Gänze auch die von Papst Franziskus, ist Protestantismus pur, Relativismus pur, der schleichende Beginn der Abschaffung des Papstamtes und der Weltkirche: anything goes. In diesem Zusammenhang ist leider festzustellen, dass Papst Franziskus offensichtlich dabei ist, wichtige Entscheidungen seiner Vorgänger Paul VI. und Benedikt XVI. zu korrigieren. Mehr dazu später. Er hält es mehr mit dem schon vor Jahrhunderten geläufigen Ausspruch:"Omne malum a clero - Jedes Übel kommt vom Klerus." Nicht anders sind seine Äußerungen in 2013 und 2015 zu und über die Vatikan-Kardinäle zu erklären.  

OPUS DEI

dt.: „Werk Gottes“. Alles, was fremd ist, wird verdächtigt, also auch Opus Dei. Für viele ein Geheimorden, der vermeintlich die modernen Gesellschaften unterwandern will. Opus Dei wurde 1928 vom spanischen Geistlichen Josemaria Escriva in Madrid gegründet, als Laienorganisation mit den Prämissen Seelsorge und geistlicher Bildung von Laien, um inmitten alltäglicher Aufgaben ein frohes Christsein in lebendiger und persönlicher Beziehung zu Gott zu leben. Opus Dei ist heute in 65 Ländern tätig, hat eigenen Angaben zufolge 90.000 Mitglieder, zumeist verheiratete; knapp ein Drittel davon lebt als zölibatärer Laie, weitere 1.800 gehören als Priester der "Priestergemeinschaft vom Heiligen Kreuz" an. 

 

Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás hat offensichtlich die Liturgiereform in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht mitmachen wollen. Er ließ sich, wie einige wenige Priester auch, eine Sondererlaubnis zusichern und zelebrierte prinzipiell weiterhin den überlieferten römischen Ritus - Die Messe aller Zeiten. Seine Schüler folgten ihm überraschenderweise nicht. Erst im Rahmen einer Messfeier an Mariä Lichtmeß am 2. Februar 2018 in einer Opus Dei-Kirche in Santiago de Chile wurde es publik. Die dortigen Studenten hatten darum gebeten, nicht die übliche, sondern die Messe aller Zeiten feiern zu dürfen.  

Übrigens: In der von Opus Dei betreuten römischen Stadtpfarrei Sant`Eugenio wird die Messe nach dem außerordentlichen römischen Ritus 14-tägig am 2. und 4. Samstag um 08:00h gefeiert - nach Papst Benedikts XVI. Motu proprio Summorum Pontificum in 2007.  Quelle für den zweiten Absatz: www.katholisches.info (09.02.18).

 

PIUSBRUDERSCHAFT

Ohne die Piusbruderschaft keine Heilige Messe aller Zeiten. Ohne die Piusbruderschaft (benannt nach dem heiligen Papst Pius X.) keine Priesterbruderschaft St. Petrus FSSP.

Mehr in Kürze.

 

 

 

1  Galileo Galilei zeitlebens tiefgläubiger Katholik

Er sagte: "Die Bibel zeigt den Weg in den Himmel, nicht den Weg, den die Himmel beschreiten... Ich danke Gott unendlich, der mich zum ersten Beobachter wunderbarer Dinge gemacht hat...ich fühle mich nicht verpflichtet zu glauben, dass der gleiche Gott, der uns mit den Sinnen, der Vernunft und dem Intellekt ausgestattet hat, beabsichtigte, dass wir auf deren Verwendung verzichten."  Quelle: Church POP/CNA Deutsch, Denver 15. März 2017.