Burgos. Kathedrale. König Ferdinand III. von León und Kastilien, ein Marienverehrer, förderte im 13. Jahrhundert den Bau der Kathedrale von Burgos. Saragossa.

SPANIENS KIRCHE IM HOCHMITTELALTER

KÖNIG FERDINAND III. VON LEON UND KASTILIEN, 13. Jh., heiliggesprochen im 17. Jh. HEILIGE TERESA VON AVILA, 16. Jh.; Kirchenlehrerin. Avila am Camino Levante.

Einführung                                                     Spaniens Kirche im Mittelalter

König Rodrigo. Eugene Delacroix, 1798 Charenton-Saint-Maurice 1863. Kunsthalle Bremen.

 

Der Einfluß der römisch-katholischen Kirche auf das gesellschaftliche Leben Spaniens, bis ins 20. Jahrhundert dominierend, nimmt rapide ab. Der im frühen Mittelalter gelegte Grundstock gerät nahezu in Vergessenheit.

 

SPANISCHE HEILIGE

MÄRTYRER ab 2. Jahrhundert

Jeder Pilger, der das Städtchen Sahagun passiert, wir taten es während der 20. Etappe von Terradillos de los Templarios bis nach Bercianos de Real Camino, wird mit zwei Märtyrern konfrontiert, nämlich Facundus und Primitivus. Sie ließen ihr Leben, weil sie sich weigerten, heidnischen Götzen zu opfern. Das geschah entweder um 170 nach Christus oder um 304 im heutigen Sahagun.

 

Nicht minder berühmt und verehrt wird der heilige Vinzenz von Saragossa, geboren im heutigen Huesca in Aragonien, als Märtyrer zu Tode gekommen am 22. Januar 304 in Valencia unter Datianus, dem Statthalter von Valencia. Datianus vollzog die grausame Tötung unter der Ägide von Kaiser Diokletian, dessen Macht und damit die Christenverfolgung über Rom hinaus strahlte.  Vinzenz wird im Ambrosianischen Hochgebet I und im spanisch-mozarabischen Hochgebet bedacht. Der heilige Augustinus (gestorben 430) sagte über ihn: "Wo gibt es eine Gegend, eine Provinz des Römischen Reiches oder der Kirche, wo nicht der Jahrestag des Vinzenz freudig gefeiert wird?" Am 22. Januar eines jeden Jahres. Quelle: Schott-Meßbuch.

 

Über den hl. Johannes von Sahagun, dessen Gedenktag der 12. Juni eines jeden Jahres ist, wird im Volksmissale berichtet, dem römischen Messbuch nach der Ordnung von 1962. Johannes, um 1430 in San Facundo, dem heutige Sahagun bei Leon, geboren, wurde bereits 1443 zum Priester geweiht. 1463 trat er bei den Augustiner-Eremiten in Salamanca ein.  Sein Wirken war begleitet von zahlreichen Wundern. Er hatte ein besonderes Charisma, Feinde miteinander zu versöhnen. Johannes starb am 11. Juni 1479 zu Salamanca.

 

Am 13. April eines jeden Jahres wird des hl. Hermenegild der Gote (auch: Ermengild; althochdt.: der Heermann der Vergeltung) gedacht: gebotener Gedenktag in Sevilla. Sohn des Westgotenkönigs Leovigild, geboren in Spanien, gestorben am 13. April 585 in Tarragona. Da er sich nicht dem Willen seines arianisch geprägten Vaters beugen wollte, er hatte sich zuvor auf Wunsch seiner Frau Ingundis und Bischof Leander von Sevilla dem römisch-katholischen Glauben angeschlossen, wurde er enthauptet. Der hl. Gregor von Tours (30.11.538 - 17.11.594) wie Papst Gregor I. (der Große; 540 - 12.03.604) berichteten von seiner Bekehrung. Sein Grab befindet sich in der ihm geweihten Kirche in Sevilla. Nach der Thronbesteigung seines Bruders Reccared schloss sich das gesamte Westgotenreich rasch dem katholischen Glauben an. 

 

SUEBEN - WESTGOTEN

- 5./6. Jahrhundert

Die Sueben (ein Sammelbegriff für viele Stämme in der Germani magna) drangen, nachdem sie Gallien (u.a. das heutige Frankreich) ausgeplündert hatten,  im Jahre 409 nach Hispanien vor. In Braga, Galicien, errichteten sie ihre erste Residenz. 585 wurden sie  von den Westgoten endgültig besiegt.  Die Westgoten  waren hauptsächlich christliche Arianer, das heißt, sie widersetzten sich der Trinitätslehre, wonach Jesus Gottes Sohn ist, die  dann aber doch ab 589 n. Chr. in Gänze auf der iberisches Halbinsel allgemein gültiges Glaubensgut wurde und sich damit Rom anpasste.

 

Nachtrag August 2019

Westgotische Kirche entdeckt. Quelle: katholisches.info

 

ISIDOR VON SEVILLA

LEON - 6./7. Jahrhundert

Das Christentum hat sehr früh in Hispania Fuß fassen können. Der weltweit bekannte Erzbischof von Sevilla und letzte lateinische Kirchenlehrer und Verfasser einer heute noch beachteten Enzyklopädie, Isidor von Sevilla, ist einer jener beredten Zeugen; geboren um 560 in der Provinz Cartagena, gestorben am 4. April 636 in Sevilla. Seine letzte Ruhestätte hat er in in der Basilika Isidoro in Leon gefunden.

 

Sidestep. Als erstes christianisiertes Reich gilt das Königreich Armenien, nordöstlich von der Türkei, gegründet  um 301 resp. 314/315. Das Christentum wurde zur Staatsreligion erhoben. In Mitteleuropa übernahmen vor allem iro-schottische Mönche die Christianisierung inklusive Englands, Irlands und Schottlands. Als die Hauptprotagonisten werden angesehen der Nationalheilige Irlands, Patrick von Irland (400-461 resp. 491) und Columban (540-615).

 

MOSLEMISCHE MAUREN

ÜBERRENNEN HISPANIA - 8. Jahrhundert

Das Westgotenreich wurde 712 von den Mauren besiegt, zur Bedeutungslosigkeit reduziert, geknechtet, unterjocht . Der sich rettende Teil der Bevölkerung emigrierte in den hohen Norden der Insel vornehmlich ins heutige Galicien wie Asturien. Auch die Konzile von Toledo, beginnend mit dem Jahr 400 n. Chr. und endend mit dem von 702 n. Chr., änderten nichts daran. Wer mehr wissen will, der schlage bitte bei Wikipedia nach. Die 11. Synode von Anno Domini 675 ging bevorzugter Weise in die Geschichte ein, äußerte sie sich doch zur schwierigsten Glaubensüberzeugung überhaupt, zur Trinität. Der weiland verabschiedete Glaubenssatz hat heute nach wie vor prinzipiell seine Gültigkeit - in der römisch-katholischen Kirche.

 

IN ASTURIEN FORMIERT SICH

ERSTER WIDERSTAND - 8. Jahrhundert

Heute, zumindest in der westlich orientierten Welt, ist die damals praktizierte Verwobenheit von Staat und Kirche nicht mehr denkbar. Aus der damaligen Sicht gleichwohl nachvollziehbar. Bischöfe wie Könige agierten religiös wie weltlich/profan. Es ging um Einfluss, Macht, Konsolidierung.  Von Asturien aus formierte sich der Widerstand gegenüber den Moslems.

 

Fürst Pelayo (gestorben um 731) gründete das Königreich Asturien. Asturien sah sich als das von Gott auserwählte christliche Volk, mit starkem Bezug zum Alten Testament. Nach seiner von ihm angestoßenen Reconquista, sein Sieg über die Mauren in der legendären Schlacht von Covadonga 722 ließ ihn zum Helden Spaniens werden, dauerte es noch über 750 Jahre, bis Spanien letztlich wieder vollumfänglich unter katholischer Königsherrschaft stand.

 

Der Jakobsweg wurde mittel- wie unmittelbar tangiert, der Pilgerstrom ließ gleichwohl nicht nach. Im Gegenteil. Am Rande des Camino de Santiago entstanden prachtvolle, wunderschöne Kathedralen wie Klosteranlagen, die zum Welterbe zählen.

 

MADRID RETTET MARIENFIGUR

VOR DEN MAUREN - 8. Jahrhundert

Maria mit dem Christuskind. Kathedrale Almuneda, Madrid. Versteckt vor den Moslems im Jahr des Herrn 712. Der Gothenkönig Don Rodrigo war bekanntlich von den Mauren unter Tarik in der Schlacht von Guadalete besiegt worden. Die Legende besagt, dass ein Schmied die wundersame Marienfigur vor den einfallenden moslemischen Mauren hat verstecken können. Parallelen tun sich auf zu den Ereignissen um das Versteck der Gebeine des Apostels von Compostela vor dem Einfall englischer Piraten in der frühen Neuzeit.

 

Obige Figur soll 38 n. Chr. von einem Jünger des Jakobus nach Hispania gebracht worden sein. 1085, nach der Rückeroberung Toledos und Madrids durch den kastilischen König Alfonso VI., wurde die kostbare Statue nach 373 Jahren ihres Verschwindens wiederentdeckt; das Wissen um ihr war allerdings nie versiegt. Sinnigerweise war die Figur in einer von den Mauren erstellten Mauer an der heutigen Cuesta de la Vega eingelassen worden. Über mehrere Umwege landete die Statue letztlich in/an der Kathedrale Unserer Lieben Frau von der Almuneda (arabisch: Zitadelle) resp. Santa Maria la Real de la Almuneda. Am 1. Juli 1977 von Papst Paul VI. zur Patronin der Diözese Madrids erhoben resp. schon von Papst Pius X in 1908.

 

Die Fachwelt ist sich - natürlich - nicht sicher, ob um 712 überhaupt Christen in der heutigen Metropole Madrid gelebt haben. Man kann es nicht ganz ausschließen. Als gegebenen Fakt nimmt man dafür umso sicherer an, dass Emir Mohamed I. um 865 n. Chr. die erste Mauer hat bauen lassen. Die Frage ist also, stammt die Statue aus der Zeit vor dem Einfall der Mauren oder erst aus 1085.

Quellen: madridpedia.com (09.10.21) und Artikel Jose Garica, Ein Bild als Grundstein. Unterwegs im "alten" Madrid, Die Tagespost vom 16. September 2021.

 

GROSSE HEILIGE

16. und 20. Jahrhundert

Das katholische Spanien ließ große Heilige und Orden zur Weltgeltung kommen wie eine Theresia von Avila, Johannes von Avila, Ignatius von Loyola Der Ignatiusweg / Camino Ignaciano und Franz Xaver  (Gründer des Jesuitenordens) und in der Neuzeit Bischof Josemaria Escriva (Gründer von Opus Dei).

Einführung                                                         KÖNIG FERDINAND III., 13. Jahrhundert

Ferdinand (althochdeutsch: der friedliebende Kühne), geboren 1199 oder am 24. Juni 1201 im heutigen Zisterze Valparaiso bei Salamanca, gest. am 30. Mai 1252 in Sevilla, wurde 1671 nach Christus von Papst Clemens X. heilig gesprochen. Er versuchte stets, auch als König als Christ zu leben. Wie viele bedeutende heilige Männer/Gelehrte wandte auch er sich insbesondere der Muttergottes zu. Sein Gedenktag ist der 30. Mai. Die aufgeklärten, dem derzeitigen Zeitgeist folgenden Menschen werden die Stirn runzeln. Wie konnte das passieren? Zumal er ja auch noch gegen die Mauren gekämpft haben soll?

Zur Vita des Königs

König Ferdinand III. als Ferdinand el Santo auf einer Miniatur aus dem 13. Jahrhundert.  Freigegebenes Foto.

 

Die Website des Heiligenlexikons 

vermerkt unter anderem:

 

Ferdinand war der Sohn von König Alfons IX. von Leon und der Königin von Kastilien. Mit siebzehn Jahren bestieg er den Thron und vereinigte zunächst die beiden Landesteile. Mit Beatrix, der Tochter Philipps von Schwaben, hatte er sieben Söhne und drei Töchter. Ferdinand starb nach seiner Lebensbeichte und wurde im Gewand der Franziskaner-Tertiare, denen er angehörte, in der Kathedrale von Sevilla bestattet.

 

Ferdinands Sinn für Gerechtigkeit wurde selbst von seinen Gegnern anerkannt; er versuchte, auch als König als Christ zu leben. So habe er die Virgin de los Roses, eine Marienfigur, die er der Überlieferung nach von seinem Vetter Ludwig IX. von Frankreich erhalten hatte, bei kriegerischen Auseinandersetzungen immer mit sich geführt; die Figur steht heute in der Kathedrale von Sevilla als Schutzpatronin der Stadt.

 

Mit der Macht beider Königreiche kämpfte Ferdinand gegen die Mauren und eroberte Südspanien zurück, 1235 das Königreich Córdoba und verleibte es seiner Herrschaft ein; es folgten bis 1244 das Guadalquivir-Tal, von 1244 bis 1246 die strategisch wichtigen Stützpunkte Arjona, Priego de Córdoba und Jaén und 1248 das Reich von Sevilla mit allen bedeutenden Städten der andalusischen Küste.

 

Er ließ die von den Moslems zurückeroberten Gebiete wieder durch Christen besiedeln und unterstützte die Verbreitung der Dominikaner und Franziskaner in seinem Reich, förderte den Kirchenbau, z. B. die Kathedrale von Burgos, und gründete die Universität von Salamanca, die eine der größten und berühmtesten des Mittelalters wurde. Quelle: www.heiligenlexikon.de/BiographienF/Ferdinand_III_von_Leon.html

 

Exkurs ins 11. Jahrhundert

Ferdinands gleichnamiger Vorgänger, Ferdinand I. von Leon, muss gleichermaßen fromm gewesen sein. So wird von ihm berichtet, dass auf seine und seiner Frau Dona Sancha Initiave hin im Jahr 1063 ein besonderes Kreuz geschnitzt worden ist mit der Inschrift: FERDINANDUS REX SANCIA REGINA - in seiner in Leon ansässigen Elfenbeinschnitzerei.

 

Das 54,2 cm hohe Kreuz (heute im Achäologischen Nationalmuseum Madrids zu sehen) zeigt auf der Vorderseite Christus mit weit geöffneten Ausgen am Kreuz als Retter der Menschheit, die Adam, der klein zu seinen Füßen liegt, ins Verderben stürzte. Die Menschen steigen bei der Wiederkehr Christi zum Gericht aus ihren Gräbern. Die Rückseite zeigt die vier apokalyptischen Wesen, die die Dimension des Jüngsten Gerichts als Ziel der Heilsgeschichte ankündigen. Quelle: Kunibert Bering, Kunst-Epochen, Romanik, Reclam 2004.  

TERESA VON AVILA. Faszinierende Gestalt der europäischen Geschichte - 16. Jahrhundert

Die heilige Teresa von Avila. Iglesia Navarrete,16.Jh.

 

Eine der faszinierendsten Frauengestalten der europäischen Geschichte. Neben Ignatius von Loyola die bedeutendste Gestalt der katholischen Gegenreformation. Auf der Rückseite der deutschen Diogenes-Ausgabe ihres berühmten Buches "Die innere Burg" steht geschrieben: "An Teresa darf nicht das Normalmaß gelegt werden. Sie ist ein Phänomen, wie es nicht in jedem Jahrhundert vorkommt. Ein wahres Wunder an Tapferkeit und Opfermut, als Schriftstellerin unter den Meistern spanischer Sprache."

 

Papst Johannes Paul II. unterstrich die Bedeutung dieser großen Frau und Heiligen durch seinen Besuch Avilas und seines Nonnenklosters am 1. November 1982. Seine Rede kann nachgelesen werden; es lohnt; ebenso seine Predigt zum 400sten Todestag der Heiligen.

Avila. Convento de la Anunciacion de Madres Carmelitas, Alba de Tormes. Hier befindet sich der Leichnam der Heiligen.

 

Info für den Jakobspilger: durch Avila führen zwei Wege: Camino de Levante (Valencia - Zamora) und der Camino del Sureste (Alicante - Benavante). 

 

Seit 2018 gibt es an der "Universität der Mystik" von Avila den neuen Lehrstuhl "Johannes Paul II." in Erinnerung und Würdigung Karl Wojtylas enge Verbindungen zum Karmeliterorden mit den Schriften der Hauptprotagonisten jener Zeit des 16. Jahrhunderts Teresa und Johannes vom Kreuz. Der spätere Papst schrieb in Rom seine Doktorarbeit über die Theologie und Mystik des heiligen Johannes von Avila. Gerade das kontemplative Gebet beider hatte großen Einfluß auf seine Spiritualität. Quelle: Andrea Schultz, Die Tagespost von 22. November 2018.

 

Zurück zu Teresa. Gedenktag: 15. Oktober. Geboren am 28. März 1515 in Avila als Teresa Sanchez de Cepeda y Ahumada eines adligen Vaters und jüdischen Großvaters, gestorben am 4. Oktober 1582 und einen Tag später beerdigt. Das war der 15. Oktober 1582! Warum?

Just zu dieser Zeit trat die Reform des bis dahin geltenden Julianischen Kalenders in Kraft. Papst Gregor XIII. hatte kurzerhand für den den neuen Gregorianischen Kalender zehn Tage gestrichen. Obwohl ihr Leib in der Erde begraben war, fand man ihn nach zwei Jahren noch völlig unverwest. Die Bewunderung für diese große Heilige war so groß, daß man sogleich viele Reliquien verteilte, einschließlich ihrer Hände. Heute ruht der Leichnam in einem Schrein in der Klosterkirche von Alba de Tormes.

 

1944 erhob Papst Pius XII. die Heilige zur Patronin der Schachspieler und Paul VI. verlieh ihr 1970 der Titel "Kirchenlehrerin".

Teresas Credo kann wie folgt zusammengefasst werden: "Nicht viel denken, sondern viel lieben." "Beten heißt, bei einem Freund zu verweilen." Sie suchte die Askese. Ihr berühmtestes Wort: "Solo Dios. Basta. " - Gott allein genügt. Das hinderte sie nicht, gleichwohl ihren Herrn zu kritisieren. Gelegentlich eines Unfalls auf ihrer Reise nach Burgos (Gründung eines neuen Klosters) soll sie zu Jesus gesagt haben:"Wieso das, Herr? Bin ich nicht Deine Freundin?" Und Christus habe geantwortet:"So geht Gott mit seinen Freunden um, damit sie das Kreuz tragen." Frech erwiderte Teresa: "Genau deswegen hast Du so wenige davon."

Nicht umsonst wird sie "die große Teresa von Jesus" genannt. Eine außergewöhnliche Frau und Nonne.

 

Teresas zweite Bekehrung

Wie viele große Heilige musste auch Teresa ein geistiges Tal durchschreiten. Obwohl: schon als 9 jährige zeigt sie viel Sinn für Gottes Ehre, will den Heiligen und Märtyrern nacheifern, will zusammen mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Rodrigo zu Fuß Heiden bekehren. Ein Onkel greift sie allerdings rechtzeitig auf ihrem Weg zu den Mauren auf. Als junges Mädchen legt sie später viel Wert auf ihr Äußeres, pflegte sorgfältig ihr Haar, parfümiert sich, ist eigenen Angaben ‚putzsüchtig. ‘

Mit 16 Jahren, am 31. Juli 1531, verlässt sie das Elternhaus, ihre Mutter war gestorben, tritt in ein Kloster ein. Sie lernt Selbsterkenntnis, Selbstvergessenheit, begeistert sich für das persönliche Gebet und für die gemeinsame Liturgie, der Heiligen Messfeier der 150 Nonnen, liest viele frommer Bücher. Jedoch:  Nach und nach schleichen sich auch bei ihr Nachlässigkeiten ein, nicht zuletzt hervorgerufen durch die vielen Gespräche mit der bürgerlichen Gesellschaft im sog. Besuchszimmer des Klosters. Die Nonnen pflegten seinerzeit sehr wohl den Kontakt zu Außenwelt. Teresa besticht durch ihre Intelligenz, ihre gewinnende Art, die banalen Plaudereien nehmen zu. Kurzum: Es stellt sich das unklösterliche Leben einer Klosterfrau ein. Wir sprechen vom Jahr 1553, dem Tiefpunkt ihrer Verweltlichung.

 

Teresas fundamental neuer Anfang

Jedoch: Gott gibt nicht auf, so formuliert es Paul Josef Kardinal Cordes in seinem neuesten Buch aus 2017 „Dein Angesicht Gott suche ich“ im Media Maria Verlag, Illertissen.  Eines Tages triff sie der Schlag, sie ist erschüttert bei dem Anblick einer Statue, die Jesus Christus geschunden  als Schmerzensmann an der Geißelsäule darstellt. Dieses einschneidende Erlebnis verändert ihr Leben radikal. Sie liest Augustinus, insbesondere die damals schon sehr verbreiteten „Bekenntnisse“ , vertieft sich immer wieder in dessen Beschreibung der berühmten Gartenszene, die bekanntlich Augustinus` Leben von Grund auf verändert hatten - auf Jesus Christus hin.

Gott, Jesus Christus, wird für sie bestimmende Mitte. Nach zwanzig Jahren Mittelmaß tritt ihre einmalige Begabung zu Tage. Mit ihr beginnt die katholische Kirche einen grandiosen Aufbruch, erneuert sich, gilt fortan als wegweisende Mystikerin, scheut sich nicht, Luthers Reformation scharf zu verurteilen.

 

Stellvertretend für die vielen Bewunderer dieser großen Frau nenne ich hier Blaise Pascal (1623-1662), der von ihr in seinen berühmten „Pensees“ schreibt. Er bewunderte vor allem Teresas Demut.

 

EINE EPISODE ZEIGT,

WIE TERESA MIT IHREM HERRGOTT RANG.

Nach einem Kutschunfall fragt sie den Herrgott: "So viele Strapazen für Dich, Jesus. Und nun auch noch das – warum?" Die Antwort: "So etwas mute ich nur meinen Freunden zu." Daraufhin Theresa: "Darum hast Du auch so wenige." *)

Die Szene zeigt ihre Energie, ihren unmittelbaren Christusbezug, ihre Spontaneität. Diesen Mut einer solchen Gesprächsführung mit Jesus Christus muß man erst einmal aufbringen. Jedoch: Teresa weiß, dass dieses Wort nicht das letzte in ihrem Lebensgespräch mit Jesus ist. Das letzte Wort hat er, das akzeptiert sie; trotzdem lässt sie sich nicht den Mund verbieten. Teresa ist sich sicher, daß nur so das Gespräch weitergehen kann, nur so könnten Klarheit und Vertrauen wachsen.

GEBET TERESA *2)

Mein Gott, du bist doch König in Ewigkeit […] Wenn wir im Credo sprechen: „Seiner Herrschaft wird kein Ende sein“, so empfinde ich dabei fast immer eine ganz besondere Freude. Ich lobe dich, Herr, und preise dich in Ewigkeit, denn deine Herrschaft wird ewig währen. Lass darum nie zu, Herr, dass man sich damit begnügt, nur mit dem Mund zu dir zu reden. […] Ja, mit einem Fürsten dürfen wir auch nicht so leichthin ein Gespräch beginnen wie mit einem Bauern oder einem Armen, wie wir selbst es sind; denn uns gegenüber ist jede Redeweise gut.

Die Demut dieses Königs ist allerdings so groß, dass er mich, obwohl ich in meiner Unwissenheit nicht in der rechten Weise mit ihm zu reden verstehe, dennoch anhört und mich nicht daran hindert, mich ihm zu nahen, und seine Wachen mich nicht wegjagen. Denn die Engel, die ihn umgeben, kennen genau die Gesinnung ihres Königs und wissen, dass ihm die Einfalt eines demütigen kleinen Hirten, der, wie der König weiß, gern mehr sagen würde, wenn er nur könnte, besser gefällt als die geschliffensten Redensarten der größten Gelehrten, denen es an Demut fehlt.

Wir dürfen uns doch deshalb, weil er gut ist, nicht ungebührlich benehmen! Um ihm wenigstens unsere Dankbarkeit dafür zu beweisen, dass er den üblen Geruch unserer Gegenwart erträgt, wenn er jemanden wie uns in seiner Nähe duldet, wäre es angebracht, uns um die Erkenntnis seiner Reinheit und seines Wesens zu bemühen. Man erkennt ihn allerdings schon gleich, wenn man sich ihm nähert […] Ja, wenn ihr vor ihn hintretet, so bedenkt und begreift, mit wem ihr nun sprechen wollt! Erwägt und erkennt, vor wem ihr steht! Auch wenn wir tausendmal leben würden, wir könnten nie genug begreifen, wie der Herr es verdient, behandelt zu werden – er, vor dem die Engel erzittern! Alles lenkt er, alles vermag er, sein Wille ist Tat. Es ist also wohl begründet, Töchter, wenn wir danach trachten, uns an der Erhabenheit unseres Bräutigams zu erfreuen und zu erkennen, wem wir angetraut sind und was für ein Leben wir deshalb führen müssen. *2) Entnommen Evangelium Tag für Tag, 21. November 2021 - Hochfest Christkönig. Aus Weg der Vollkommenheit, 22,1.34.7.

 

*) GEISTLICHE AUF KONFRONTATIONSKURS. Es gibt gerade in der heutigen Amtskirche (Stand: 2019/20) immer weniger Geistliche, die noch vorbehaltslos glauben. Stattdessen wollen sie die Kirche im Sinne einer NGO verändern, reformieren. Kardinäle, Bischöfe wie Pröpste, wie Priester gehen auf Konfrontationskurs, nicht nur üblicherweise gegen den Vatikan, nicht nur gegen die Kurie, nicht wie früher üblich gegen die Päpste Johannes Paul II. und vor allem Benedikt XVI.; NEIN: jetzt auch gegen Papst Franziskus, der ihre Reformideen zur Gemeindereform (pro Laien zu Lasten der Pfarrer) nicht mitmachen will: Stand: 30.08.2020.