Die Katholischen Könige: Ferdinand und Isabella (freigegebenes Foto). Kloster San Juan de la Peña. Aragón. 9./11.Jh., abseits des Camino Aragonés.

ISABELLA I. "DIE KATHOLISCHE"

Königin von Kastilien und León und Aragón. 15. Jahrhundert.         Für ihre Anhänger eine Heilige.

Einstimmung

Isabella I. „die Katholische“ - beinahe eine Heilige

 

Papst Johannes Paul II. war drauf und dran gewesen, Königin Isabella I. die Katholische von Spanien selig zu sprechen. Tausende Dokumente waren ausgewertet. Die Seligsprechung war nur noch eine Frage der Zeit. Dann aber ergaben sich innerkirchliche Widerstände maßgeblicher Kreise, die den christlich-jüdischen Dialog nicht gefährdet sehen wollten. Der Reihe nach.

 

Isabella die Katholische, Isabel la Católica, lebte vom 22. April 1451 bis zum 26. November 1504. Durch ihre Heirat mit Ferdinand II. war sie nicht nur Königin von Kastilien und León von 1474 bis 1504, sondern ab 1479 auch Königin von Aragón. Von ihren Landsleuten wurde sie jahrhundertelang „Gran Reina de la madre patria - große Königin des Vaterlandes“ genannt. Das änderte sich später, als es die Gegner Spaniens schafften, vor allem die protestantischen, sie zu diskreditieren, zu demontieren; Stichwort: Leyenda negra / Schwarze Legende 1.. Warum? Sie einte Spanien. Sie ordnete die Ausweisung der Juden an. Sie beendete die Reconquista, indem sie als letztes Bollwerk Granada von den Mauren zurückeroberte. Sie evangelisierte die Neue Welt. Für Ihre heutigen Anhänger ändern die Vorwürfe überhaupt nichts. Sie wollen schon in Kürze, ein Wiederaufnahmeverfahren scheint nicht ausgeschlossen, beten: Sancta Isabel - ora pro nobis / Heilige Isabella - bitte für uns.

ZU DEN FAKTEN

Zunächst ist es wichtig, sich in das 15. Jahrhundert zu versetzen. Prof. Meinhard Miegel schreibt in seinem 2014 herausgekommenen Buch HYBRIS: "Die Menschen, die damals in Europa lebten, dürften sich nämlich kaum einem finsteren Zeitalter zugehörig gefühlt haben. Im Gegenteil. Sie waren davon überzeugt, dass sich der Allerhöchste gerade ihnen in nie da gewesener Weise offenbart, sie durch seinen Sohn erlöst und ihnen den Heiligen Geist gesandt hatte." Einen Satz zuvor spricht er von der ignoranten und arroganten Betrachtungsweise der Nachgeborenen, also von uns Mainstreamfollower.

 

Königin Isabella I. die Katholische lebte ihren katholischen Glauben. Heute würde man sie wohl eine Fundamentalistin schelten, mindestens dem konservativen Lager zurechnen. Ist das etwa schlimm? Der spanische Kardinal Rouco Varela nannte Isabella im Jahre 2002 im Rahmen einer Tagung beim Heiligen Stuhl eine „große Christin und Vorläuferin für die Verteidigung der Menschenrechte." So führte das Königspaar die Santa Hermandad / Heilige Bruderschaft ein. Mit diesem landesweiten Polizei- und Justizsystem wurden die Rechte der lokalen Aristokratie erheblich eingeschränkt. 1494 verlieh Papst Alexander VI. dem Königspaar den Titel reyes católicos - Katholische Könige.

 

Isabella war überzeugt, dass alles Tun und Handeln Gott, dem höchsten Willen, untergeordnet sein müsse. Sie betrachtete die christliche Religion als die absolut wahre. Sie müsse unter allen Umständen geschützt werden. Mit anderen Worten wendete Isabella sich schon damals gegen den heute wild grassierenden Relativismus und Positivismus. Bewundernswert.

 

Zu jener Zeit konvertierten viele Juden zum katholischen Glauben, um gleichwohl ihren mosaischen Riten treu zu bleiben. Infolgedessen ließ sie die Juden ausweisen; aus heutiger Sicht ein schwerer Fehler. Zu berücksichtigen ist, dass ihre Ausweisung keinen rassistischen noch einen antisemitischen Hintergrund hatte, auch die Gier nach Reichtum war kein Grund, im Gegenteil, die Maßnahme führte zu erheblichen Einnahmeverlusten.

 

DIE RECHTLICHE SITUATION

DER JUDEN VON KASTILIEN

Die rechtliche Situation der damaligen Juden von Kastilien war „geduldeten Ausländern“ gleichzusetzen. Deshalb kann man eigentlich nicht von Vertreibung sprechen. Heutige Asylsuchende werden des Öfteren auch zunächst nur geduldet, dann unter Umständen ausgewiesen.

Jose Maria Zavala, ein intimer Kenner der Zeit, drückte es vor kurzem in einem Interview (Quelle: www.katholisches.info) wie folgt aus: „Um genau zu sein, in der Sprache von heute, (handelte es sich um) die Nicht-Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung in Spanien, ohne dass damit irgendeine Beleidigung verbunden war und ohne dass es, rechtlich gesehen, ein Unrecht darstellte, wie der Postulator des Seligsprechungsverfahrens, Anastasio Gutierrez, feststellte. Im Dekret der Könige ist ausschließlich vom 'großen Schaden, Nachteil und der Schande für unseren heiligen katholischen Glauben' die Rede. Es ist daran zu erinnern, dass Isabella, zum Zeitpunkt ihrer Ausrufung zur Königin, in Anwesenheit des Apostolischen Nuntius einen Eid leistete, ihre Untertanen zu regieren, 'wie Gott es ihr am besten zu verstehen gab'. Bald darauf weihte sie in der Kirche von San Miguel de Segovia ihr Reich Gott, sodass sie mit ihrem Ausweisungsdekret nichts anderes tat als die Pflicht und die Erfüllung ihres Eides.“

 

RECONQUISTA

Auf die Re-Conquista bin ich an anderer Stelle eingegangen. Für Isabella I. und Ehemann König Ferdinand II. war die Sache von Anfang klar gewesen, da in den sogenannten Ehekapitulationen vereinbart und gesetzlich 1480 von der Cortes (Parlament) von Toledo beschlossen: Die Wiederherstellung des christlichen Iberiens auf der Grundlage des Ideals der Renaissance von der nationalen Einheit unter der Herrschaft eines modernen Staates. Die 718 n. Chr. in Covadonga begonnene Rückeroberung / Befreiung von den maurischen Eroberern mit deren (muslimischen) teils sehr grausamen Verfolgungen hatte nun endlich - 1492 -  nach rund sieben Jahrhunderten ein Ende gefunden. Abgeschlossen wurde sie mit der Kapitulation Boabdils, dem letzten Sultan von Granada, hoch zu Ross den Schlüssel der Stadt an die katholischen Könige übergebend.

 

CHRISTANISIERUNG LATEINAMERIKAS

Ausgewerteten Dokumenten zufolge soll es der Königin ausschließlich um die Verbreitung des christlichen Glaubens gegangen sein. Sie hat dafür sogar einen Teil ihrer eigenen Juwelen als Sicherheit für ein Darlehen zwecks Finanzierung des Unterfangens zur Verfügung gestellt. Auch Christoph Kolumbus hätte ohne Isabellas  Generosität seine Vorhaben nicht umsetzen können.  Was sich allerdings ihre Soldaten dann vor Ort an Grausamkeiten haben einfallen lassen, um an das Gold der Einheimischen zu gelangen, steht auf einem anderen „unrühmlichen“ Blatt der spanischen Geschichtsschreibung. Letztlich ist die Neue Welt maßgeblich vom westlichen Kulturkreis beeinflusst worden, und die Christianisierung Amerikas ist der der Mittelmeervölker und der der germanischen Völker durchaus vergleichbar.

 

Kaiser Karl V. um 1542. Gemeinfreies Foto.

 

Kaiser Karl V. / König von Spanien untersagt

im 16. Jahrhundert Versklavung der Indios

Kaiser Karl (1500 bis 1558), ab 1517 König von Spanien, einer der  Nachfolger von Königin Isabella die Katholische, profitiert zunächst vom Reichtum der Neuen Welt: "Goldkastilien". Bereits in den 1540-Jahren setzte bei ihm ein Umdenken ein, er gibt dem Dominikanermönch Bartolome de Las Casa die Gelegenheit, seine Positionen gegen die Ausbeutung der Kolonien vorzutragen. Er setzt sogar neue Expeditionen aus, um die rechtlichen wie theologischen Grundlagen für die Behandlung seiner indianischen Untertanen in Lateinamerika zu klären.

Mit den "Leyes Nuevas" von 1542 untersagte er schließlich die Versklavung der Indios. Leider ließ sein Sohn, Philipp II. die Ausbeutung wieder zu. Quelle: Interview die "Welt" mit Prof. Heinz Schilling vm 16. Mai 2020: Der verkannte Kaiser.

 

ERGÄNZUNG AUGUST 2019

KONQUISTADOREN UNTERBINDEN RITUELLES MORDEN. Archäologen publizieren die Entdeckung der größten bislang bekannten Menschenopferstätte von 1400 bis 1450 nach Christus - gelegen in einem Vorort der peruanischen Provinzhauptstadt Trujillo. Danach töteten die Opferpriester des Chimu-Reiches 140 Kinder in einem äußerst grausamen rituellen Verfahren. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, daß die Christianisierung dazu beigetragen hat, die sadistischen Praktiken der Inkas, Mayas, Azteken und eben dieses indigenen Volkes unterbunden haben. Quelle: Die Tagespost, 05.09.19

 

Wer darüber hinaus an einem differenzierterem Bild über die Christianisierung Süd-Amerikas interessiert ist, der lese bitte zum Beispiel die Vita des heiligen Toribio Alfonso de Mogrovejoa, zum Beispiel bei kath.-info.de oder auf der Webseite des Heiligenlexikons.

 

BESCHÜTZERIN DES JERUSALEMER ZIONSBERGES

Sicherlich wird bei ihrer Beurteilung nicht unter den Tisch fallen, dass sie auch die Franziskaner auf dem Zionsberg in Jerusalem unterstützte. Im Jahre 1479 stellte sie entsprechende Mittel aus ihrem königlichen Schatz zur Verfügung, offensichtlich keine Staatsgelder. Vor ihr hatten die franziskanische Kustodie des Heiligen Landes gefördert König Jakob II. von Aragon in 1327, Robert von Anjou (König von Neapel)und Gemahlin Sancha um 1350 und Johanna von Neapel 1363 (Königin von Neapel; Titularkönigin von Jerusalem und Ungarn) und Philipp dem Guten, Herzog von Burgund Anno Domini 1467.

Isabella Catolica. Isabellas sterblichen Reste und die ihres Ehemannes Ferdinand befinden sich in Granada, in der Krypta der Königlichen Kapelle (Capilla Real) mit der Grabinschrift (übersetzt): „Die Vernichter der Mohammedanischen Sekte und Auslöscher der ketzerischen Falschheit, Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien Gemahl und Gemahlin, allerseits die Katholischen geheißen, umschließen dieses marmorne Grab.“ 

Es wird wieder eine Zeit geben, in der man Isabellas und Ferdinands Bedeutung neu und fair bewertet, in Analogie zum Matamoros. Von den gegenwärtigen Kritikern der Katholischen Kirche ist dies nicht zu erwarten. Sie übergehen gerne die muslimische Eroberung der iberischen Halbinsel, beginnend mit dem 8. Jahrhundert, beschönigen deren Herrschaft, die in Wahrheit eine brutale war; greifen die Katholischen Könige an.

Isabella die Katholische und ihr christliches Politikverständnis

Isabella I. von Kastilien. Freigegebenes Foto.

Im Wesentlichen beziehe ich mich im nachfolgenden Text auf Regina Einigs Bericht in der Die Tagespost vom 31.10.2018: „Liebe Deinen Nächsten mit politischem Verstand.“

Überschneidungen mit obigen Texten sind nicht nur nicht auszuschließen, vielmehr als Zusammenfassung gewollt.

 

EINFÜHRUNG

Wie oben schon deutlich gemacht, wird Isabella die Katholische von heutigen Meinungsmachern gerne desavouiert, allein schon ihrer Katholizität wegen, natürlich ob der von ihr veranlaßten Ausweisung der jüdischen Mitbürger resp. ihrer (vermeintlichen) Expansionspolitik in Lateinamerika.

 

Ein in 2018  im spanischen Erzbistum Valladolid abgehaltenes Symposion hat versucht, Licht ins Dunkle zu bringen – auch und gerade in Bezug zur heutigen spanischen Situation (durchaus übertragbar auf die deutsche) mit den Stichworten vermeintliche Toleranz, Verdrängung der Religion ins Private, Kolumbusdenkmäler vom Sockel geholt, Che Guevara hingegen, vielfacher Mörder, verklärt, alles im Sinne der political correctness, etc..

 

RELIGION KEINE PRIVATSACHE

Weihbischof Luis J. Arguello Garcia von Valladolid: Für Königin Isabella die Katholische (1451-1504) war Religion eben keine Privatsache, im Gegenteil. Die Motivation für die von ihr mitinitiierten Entdeckungsreisen nach Lateinamerika sei die Mission gewesen. Der Kulturtransfer in die Neue Welt immens. Bereits 1536 habe es in „Neuspanien“, so nannte man damals Südamerika, sieben (7) Universitäten gegeben. Ihr Anspruch: Neben jeder Kirche solle auch eine Schule gebaut werden. Frage des Weihbischofs: Hätten die Engländer in Nord-Amerika gleiches geleistet? Nein.

 

MENSCHENRECHTE - CARTA MAGNA

EVANGELISIERUNG - SCHWARZE LEGENDE

Europa verleugne gegenwärtig seine griechisch-römischen und christlichen Grundlagen, Europa befände sich auf dem Gipfel der Dekadenz. In der Frage der Verteidigung der Carta Magna, der im Testament der Königin Isabella festgelegten Werte, wäre nicht nur spanische Regierung eingeknickt; sondern auch die katholische Kirche Spaniens.

 

Wie schon erwähnt, ging es Isabella nur um die Evangelisierung Spaniens, nicht um finsteres Machstreben, nicht um Rassismus, wie es die sog. Schwarze Legende behaupte. Die Königin habe selbst dem Dritten Orden der Franziskaner angehört, sie habe sich um ihr eigenes Seelenheil gesorgt und das ihrer Untertanen.

 

Mit ihren letzten Verfügungen habe Isabella die „Anerkennung der Menschenrechte in Europa“ dokumentiert. Bereits in 1500 hatten die Katholischen Könige die Versklavung der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas verboten und die Freilassung verschleppter Indios angeordnet. 1503 genehmigten sie die Mischehen zwischen Spaniern und Indios. Die Indios seien schließlich freie Vasallen der spanischen Krone. Eine Nachfahrin brasilianischer Ur-Einwohner fügte hinzu, daß die Missionierung Lateinamerikas letztlich das Ende der Polygamie bedeutete und die Stellung der Frauen in den indigenen Völkern damit aufgewertet worden sei.

 

GRAUSAME RITUALE

DER EINHEIMISCHEN ABGESTELLT

Die Azteken feierten äußerst grausame und brutale Opferrituale zugunsten verschiedener Götter. Herhalten mußten zumeist die Gefangenen: Aufschneiden des noch lebendigen Körpers, namentlich der Brust mit einem Feuersteinmesser, Häutungen, Schädel, Kanibalismus, etc. Alles aufgeschrieben vom Franziskanermönch Berhardinio de Sahagun 1569 in seiner 12-bändigen "Allgemeinen Geschichte der Verhältnisse in Neuspanien", und jetzt lt. Berthold Seewald (Die Welt, Artikel vom 04.01.19:"Priester schneiden ihnen die Brust mit einem Messer auf" von mexikanischen Wissenschaftlern bestätigt. Sahaguns Niederschriften wurden übrigens 2015 auf die Weltdokumentenliste der Unesco aufgenommen.

Wer mag nach diesen Schilderungen noch davon sprechen, daß die (bösen) Spanier den Einheimischen ihre Naturreligion genommen hätten? Zyniker.

 

SELIGSPRECHUNG KÖNIGIN ISABELLA

SPANISCHE MÄRTYRER

Das 1957 in Valladolid eingeleitete Seligsprechungsverfahren für Isabella, durchaus mit wohlwollender Zustimmung von Papst Pius XII. begleitet, sei letztlich aufgrund der Initiative des 2007 verstorbenen Pariser Kardinals Jean-Marie Lustiger von Papst Johannes Paul II. auf Eis gelegt worden. Man kann das insoweit nachvollziehen, als daß der Kardinal jüdischer Abstammung war und er Irritationen der jüdischen Seite befürchtete. Warum? Immer noch stehe das Edikt von Granada des Jahres 1492 im Raum, daß die Ausweisung der Juden beschlossen hatte.

Zur Zeit Papst Pauls VI. (1963-1978), der als Gegner Francos galt, waren Kanonisierungen / Heiligsprechungen spanischer Märtyrer der kommunistischen Kirchenverfolgung der 19-dreißiger Jahre nicht möglich gewesen. Seine Nachfolger sahen das völlig anders. Tausende Märtyrer wurden kanonisiert, auch und gerade von Papst Franziskus.

  

FAZIT

Die Christen kennten ihre eigene Religion nicht, so Manfred Lütz in seinem neuesten Buch Der Skandal der Skandale, glaubten mehr dem veröffentlichten Mainstream, die Spanier wüßten nicht (viel) um ihre eigene Geschichte, so die Teilnehmer des Symposions in Valladolid. Auf den Punkt gebracht von einer spanischen Teilnehmerin: „Die Protestanten haben die Schwarze Legende in die Welt gesetzt. Und das Schlimme ist: Wir glauben ihnen.“

Granada 1492. Die Kapitulation.

Sultan Muhammad XII. ergibt sich den Königen Ferdinand II. und Isabella I.    Palace of Spain (1882). Freies Fotos Wikipedia.

 

 

EINSCHUB JULI 2020. Manchmal scheint es, dass Berthold Seewalds (Journalist der "Welt") Lebensaufgabe darin besteht, das Christentum zu beschädigen, wann immer möglich, erst recht, wenn katholische Fürsten, Könige und Politiker im Spiel sind. So beruft sich der  Protagonist in seinem Artikel vom 30. März 2020 "Warum die Katholische Könige Granada den Garaus machten" auf einen kleines Büchlein des Mediävist Nikolas Jaspert (128 Seiten, € 9,95), wonach es den Königen nur um Macht gegangen sei, nicht um christ-katholische Überzeugungen.

Diese Einstellung ist nicht singulär anzutreffen. Heutige, ach so moderne, Historiker können resp. wollen es sich nicht vorstellen, dass Könige aus christlichen Motiven handeln. So deklamiert Berthold Seewald denn auch gleich in seiner Zweitüberschrift: " Die Eroberung des muslimischen Emirats markierte 1492 den Endpunkt der "Reconquista" der iberischen Halbinsel. Doch es ging dabei weniger um die christliche Sache, sondern um einen Machtkampf, dem auch die Juden zum Opfer fielen." Welche Fehleinschätzung, kann man da nur sagen.

1 Leyenda negra - Schwarze Legende. Auszug Wikipedia:Der Begriff bezeichnet ein seit dem 16. Jahrhundert verbreitetes antispanisches Geschichtsbild, das die Spanier als fanatisch, brutal, menschenverachtend, faul und rückständig darstellt und im Zusammenhang mit der spanischen Dominanz im frühneuzeitlichen Europa von politischen Gegnern im vorwiegend nord- und mitteleuropäischen Ausland in diversen Medien verbreitet wurde. 

Vgl. auch Punkt Lesenswertes. Geschichtliches neu bewertet.

Baldige Seligsprechung? - Stand April 2022

Für viele, vor allem für die Mainstream-geleiteten Historiker, ob von Profession oder als Hobby-Unterfangen, ist die Isabella I. „Die Katholische“ (22. April 1451 bis 26. November 1504) ein rotes Tuch. Entweder weil Sie angeblich brutal die Juden des Landes verwiesen haben soll, weil sie zusammen mit ihrem königlichen Ehemann Ferdinand II. (10. März 1452 bis  23. Januar 1516) den katholischen Glauben gelebt hat, das macht sie per schon einmal verdächtig, weil sie verantwortlich sei für die Expansionspolitik Lateinamerikas (Stichwort Leyenda negra – Schwarze Legende). Für die woken US-Amerikaner ohnehin, weil Isabella I. die Schiffsreisen Kolumbus`  finanziert habe, und der wiederum sei eben laut dieser woken Amerikaner verantwortlich, dass die die indigenen Völker (Indianer) auch heute immer noch, jedenfalls teilweise, unterdrückt werden, sodass man gar plant, seine Statuen zu schleifen, mindestens den Kopf abzuschlagen. Und last but least hat es das Königspaar doch tatsächlich gewagt, die Re-Conquista 1492 zu Ende zu bringen, in dem sie das letzte Bollwerk der moslemischen Besatzer(seit 711 n. Chr.), nämlich Granada, von den Mauren zurückzuerobern.   

 

Für Jorge Fernandez Diaz, Journalist des „La Razon“, ist Isabel la Catolica eine Vorreiterin der Menschenrechte. Warum? Zunächst einmal schuf das Königspaar Ferdinand II. und Isabella I. die Einheit von Aragon und Kastilien. Ihr Testament läßt sie mit ihrem Einsatz  für die Reform des weltlichen Klerus und des Ordensleben als Vorreiterin des Trienter Konzils (1545 – 1563) erscheinen, also zu jener Zeit, als Martin Luthers Schisma Europa teilte. Wie später die große Heilige und Kirchenlehrerin Teresa von Avila (28. März 1515 bis 4. Oktober 1582) war sie zutiefst davon überzeugt, den katholischen Glauben gegen die neuen protestantischen Religionen verteidigen zu müssen.

 

Isabella I. war weiterhin überzeugt, dass alles Tun und Handeln Gott, dem höchsten Willen, untergeordnet sein müsse. Sie betrachtete die christ-katholische Religion als die absolut wahre. Sie müsse unter allen Umständen geschützt werden. Mit anderen Worten wendete Isabella I. sich schon damals gegen den heute wild grassierenden Relativismus und Positivismus. Bewundernswert. An sich war ihre Seligsprechung schon unter Papst Johannes Paul II. (gestorben 2005) ein Selbstgänger. Maßgebliche Kreise des Vatikans hinderten letztlich den Papst daran, da sie den christlich-jüdischen Dialog nicht gefährdet sahen.

 

In mehreren spanischen Städten waren anläßlich ihres Geburtstages (22. April 2022/1451) mehrere Veranstaltungen organisiert worden. Schön zu lesen, dass es vielerorts im anti-christlich geworden Spanien, die sozialistische Regierung tut alles in dieser Richtung, noch Menschen gibt, die ihrem katholischen Glauben treu bleiben.

 

Während heutzutage nur Mainstream-konforme Minderheiten geschützt und protegiert werden, ragt Isabella als Gestalt des 16. Jahrhunderts wohltuend heraus – als Vorreiterin für die Anerkennung der Gleichheit aller Menschen in Würde und Rechten, unabhängig von Rasse und Geschlecht. Sie gewährte den Eingeborenen Lateinamerikas den gleichen Status den der ihrer Spanier, sicherte ihnen den Schutz in den Indio-Gesetzen zu – ein Präzedenzfall für die Entwicklung in der Schule von Salamanca, der eine bestimmte Auslegungsmethode des spätscholastischen Naturrechts (Thomas von Aquin, 1225 – 1274) zuzuschreiben ist. Zu den Protagonisten dieser Theologie, also der der von  Schule von Salamanca, wären viele Franziskaner und Dominikaner, wie Kirchenrechtler des 15. und 16. Jahrhunderts zu nennen; bitte selbst recherchieren. Auch spielt die Schule der portugiesischen Universität von Coimbra eine nicht unerhebliche Rolle. Das bis dahin geltende mittelalterliche Recht wurde mehr oder weniger ersetzt durch mehr Freiheitlichkeit: Recht auf Leben, Recht auf Privateigentum, Meinungsfreiheit, menschliche Würde. Das Konzept des Naturrechts wurde neu formuliert. Dies alles wurde, wie oben schon erwähnt,  auch den Ureinwohnern Amerikas zugestanden; ihnen wurde nicht nur das Eigentumsrecht zugebilligt, sondern auch das Recht, sich gegen eine gewaltsame Missionierung zu wenden.

 

Nach mehr als zwei Dekaden erließ die spanische Krone letztendlich in den Jahren 1530 und 1543 betreffende und umfassende Gesetze zum Schutz der Ureinwohner, lange vor auch nur entfernt ähnlichen Regelungen in den Kolonien anderer Länder.

 

Außerdem schaltete sich auch Papst Paul III. (1468 – 1549, Papst vom 13. Oktober 1534) ein, der in 1538 eine aufsehenerregende Bulle (bestimmtes päpstliches Schriftstück) herausgab, in der er nicht nur die Rechte der Indios formulierte, sondern auch die aller anderen Völker. Man kann mit Fug und Recht von einer der ersten Menschenrechtsdeklarationen sprechen. „Harte Kost“ für die mainstream-orientierten Historiker. Sie werden zu knabbern haben.

Inspiration und teilweise Quelle: Tagespost vom 28. April 2022, Rubrik Pressestimmen, Vorreiterin der Menschenrechte. Jorge Fernandez Diaz, La Razon.