KATHOLISCHE KIRCHE. KATHOLIZITÄT ²  

Einstimmung

Es ist kein Geheimnis. Wir leben seit Jahrzehnten, wenn nicht in den letzten 350 Jahren, mindestens seit der Französischen Revolution, in einer antireligiösen Gesellschaft. Die wenigen gewichtigen Gegenstimmen werden überhört, von der Politik, von den Medien. Die Kirchen selbst stemmen sich mehrheitlich nicht gegen die antireligiösen Auswirkungen, viele Repräsentanten dienern sich dem Staat an, richten sich in ihren Diözesen ein.

 

Hl. Claude de la Colombiere, 1641 bis 1682, Jesuit.

"All die Schwierigkeiten, von denen sich die Ungläubigen (inner- wie außerkirchlich) aufhalten lassen, all die Widersprüche, die ihnen in den Dogmen des Glaubens begegnen, all die scheinbaren Ärgernisse, die sie in ihnen finden, alles was ihnen neu, überraschend, gegen den gesunden Menschenverstand, gegen die Vernunft, unvorstellbar, unmöglich erscheint; all ihre Argumente, all ihre angeblichen Beweisführungen: All das – weit davon entfernt, mich zu erschüttern –, macht mich stärker, macht mich unerschütterlich in meiner Religion. […] Alle neuen Zweifel sind für mich lauter neue Gründe zu glauben." - Quelle: Evangelium Tag für Tag, 12.10.2020.

 

Bundesverfassungsrichter a.D. Ernst-Wolfgang Böckenförde in Münster 2004: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann."

 

Jürgen Habermas, ehedem neomarxistischer Soziologe, ein letzter Vertreter der linken Frankfurter Schule, diskutierte darüber mit Kardinal Joseph Ratzinger im legendär gewordenen Streitgespräch des Frühjahres 2004 in der Katholischen Akademie München. Unisono bekräftigten die Disputanten, dass eine tendenziell antireligiöse Gesellschaft abzulehnen sei. Die Religion könne Werte setzen, die dem Auftrag des Menschen zur Bewahrung der Schöpfung über den Tag hinaus gerecht werden. Schon zuvor hatte Habermas die bornierte Aufklärung, wonach Glaube und Religion unvernünftig seien, angeprangert. Zur jüdischen Gerechtigkeit und christlichen Liebesethik gäbe es keine Alternative. Es brauche offene, vernünftige Diskussionen der religiösen wie nicht religiösen Bürger. Das gelte auch für moralisch komplexe Fragen wie Abtreibung, Sterbehilfe oder vorgeburtliche Eingriffe in das Erbgut. Quelle: Peter Seewald. Benedikt XVI. ein Leben. 2020. S. 738/9.

 

Ein Jahr später wird Kardinal Joseph Ratzinger in einer seiner wichtigsten Predigten/Homilien anläßlich der Eröffnung des Konklaves am 18. April 2005 zum katholischen Glauben wie folgt Stellung nehmen:

  • "Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt,
  • wohingegen der Relativismus, das sich »vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen«, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint.
  • Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt."

 

Umso wichtiger scheint mir, dass wir christ-katholische Bürger unsere Religion kennen - in Ergänzung Volksfrömmigkeit. Den Katholizismus erklären können.

 

John Henry Kardinal Newman 3 sagte es so:

  • "Ich wünsche mir (...) Menschen, die ihre Religion kennen, die sich auf sie einlassen, die ihren Standpunkt kennen, die wissen,
  • woran sie festhalten und was sie unterlassen, die ihr Glaubensbekenntnis so gut kennen,
  • dass sie darüber Rechenschaft ablegen können, die über so viel geschichtliches Wissen verfügen, dass sie ihre Religion zu verteidigen wissen."

Quelle: The Present Position of Catholics in England, IX, 390. Ein nicht Geringerer als Papst Benedikt XVI. bezog sich auf diese Quelle, als er im September 2010 in Birmingham den Kardinal selig sprach.

 

"Wir werden uns entscheiden müssen. Wer Christus nachfolgen will, muß Ballast abwerfen. Entweder schließt der Christ einen Kompromiß um den anderen und verliert seine Redlichkeit oder er lebt Christsein konsequent und gerät dann (möglicherweise) in eine gewisse 'Emigration'. Auch Abraham war nur ein 'Paröke', ein Mitwohner im Land der Zukunft. (Pfarrei = Parökia). Ohne Widerspruch, ohne ein parökisches Element, gibt es Christsein nicht. Gerade wer die Rücksichten des Konformismus, die Unterwürfigkeit gegenüber dem Dikat des Zeitgeistes abgeworfen hat, wird frei, reif, fruchtbar. Er öffnet die Zukunft." - Prof. Joseph Ratzinger. Betrachtung zum 24. Sonntag im Jahreskreis. September 1976. Aus Gesammelte Schriften. Predigten. Band 14/2, Seiten 933,934.

 

Laudetur Jesus Christus.

In aeternum.4 Amen.

Zeugnis der Katholizität im Hochmittelalter

Glanzlicht der Buchkunst.

Goslarer Evangeliar, um 1240 nach Christus. 

Das Evangeliar gilt wahrscheinlich als die edelste und kultivierteste Handschrift, die im 13. Jh. hergestellt wurde. Sie thematisiert die vier Evangelientexte nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

 

Was ist hier zu sehen?

 

Szenen des Johannes-Evangeliums.

Links oben der Evangelist Johannes in seiner Schreibstube. Die Rolle, die er in der Hand hält, zitiert Joh 19,35: Dies ist geschrieben, damit ihr glaubt.

 

Rechts daneben Jesus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Bitte nachlesen unter Joh 4,7.

 

Quer die Kreuzigung. Es zeigt das grüne Kreuz als Lebensbaum, an ihm Christus als Toter, sein Kopf auf die rechte Schulter herabgesunken, die Augen geschlossen. Vorne zur Rechten (vom Betrachter aus links) Maria und Johannes, neigen sich im stillen Schmerz einander zu. Auf einer Felsstufe eine gleichgekleidete Frau, klagend ihr Gesicht vom Kruzifix abwendend, sie stellt Maria Magdalena dar. Zur Linken (rechts im Bild) drei römische Soldaten: der Hauptmann mit den Goldborten am Gewand, der sagen wird, dass jener tatsächlich Gottes Sohn gewesen ist, Longinus mit der Lanze und dem Schuppenpanzer, der dritte faßt einen Dreizack, eine Gladiatorenwaffe. Über dem Bild die Engel. Sie halten wie schwebend das Kreuz, so wie sie in Weltgerichtsbildern neben den Leidenswerkzeugen auch das Zeichen des Menschensohns (Mt 2,30) vom Himmel herabtragen und weisen. 

 

Wie also ist die Miniatur zu lesen? Eine Triumphkreuzgruppe vor dem Chor: einerseits das Mysterium der Erlösung, andererseits der Vorausweis auf den Jüngsten Tag, wenn der Menschensohn kommt, zu richten die Lebenden und Toten. Das letzte Bild deutet auch das Ende der Zeit an, den Tag, an dem die Toten auferstehen, wie an der Szene (re. Blatt) mit dem Lazarus gut zu sehen ist.

 

Die Deutung des rechten Blatts, die Initialseite zu Johannes, wird den Betrachter herausfordern. Es soll vier Geschichten des Johannes-Evangelius enthalten: die Ehebrecherin vor Christus, die Speisung der 5000, die Vertreibung der Wechsler und die Auferweckung des Lazarus (Joh Kap. 8, 6, 2 und 11).

Quelle: Glanzlichter der Buchkunst, Band 1. Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz/Austria, 2. Auflage 1999.

Überblick 

Bildnis des Heiligen Apostels Petrus, erster Stellvertreter Jesu Christi. Petersdom.

 

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  • Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Papststum, Tradition, Petrus, Unfehlbarkeit, Marienfrömmigkeit, Dogmen, Konzile, Zölibat, Inquisition, Sakramente (Beichte), Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Galileo Galilei, Orden, Papst Pius XII. rettet Juden.

  • Im Fokus der Kritiker. Gestern wie heute. Fake-News. Hexenverfolgungen. Inquisition. Kreuzzüge. Ordensgemeinschaften.

  • Die Konzilien. Eine Auswahl der wichtigsten Konzile der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit incl. Vatikanum 2 von 1962-1965.

  • Das Glaubensbekenntnis der katholischen Kirche: Das Credo des Volkes Gottes. Das Apostolische und das Große Glaubensbekenntnis. Wissenschaft und Glaube. Iesus Dominius: Über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche.

Die Informationen zur Spanischen Kirche im Mittelalter und zu den spanischen Königen Ferdinand III. und Isabella I. die Katholische runden das Bild über das uns hier an dieser Stelle interessierende spanische Mittelalter ab.

 

Die Kurzartikel

Weltweite Christenverfolgungen HEUTE

Papst Franziskus: "Jetzt sind wir an der Reihe" 

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Anmerkungen

2 Katholizität ist ein theologischer Begriff, der die Einheit und Ganzheitlichkeit der Kirche sowie das Einswerden all ihrer Gläubigen unter Jesus Christus als dem Haupt der Kirche betont; vgl. dazu das Buch des großen französischen Theologen des letzten Jahrhunderts Henri de Lubac: Katholizismus als Gemeinschaft.

3 John Henry Kardinal Newman, geboren 21.02.1801 in London, gestorben  11.08.1890 in Birmingham; anglikanisch getauft; berühmter englischer Professorentheologe.

 

Ebenso berühmt sein in 1865 publiziertes Buch „APOLOGIA PRO VITA SUA - Geschichte meiner religiösen Überzeugungen.“ Kritiker zählen das Buch zu einem der größten literarischen und spirituellen Klassiker. Newman beschreibt darin seinen Versuch, die Staatskirche Englands nach dem Vorbild der Alten Kirche zu reformieren und vor dem beginnenden religiösen Liberalismus zu bewahren. Sein Weg führte ihn in einem langen und tiefgründigen Denkprozess zur katholischen Kirche, der letztlich mit seiner Konversion am 9. Oktober 1845 endete.Was aber waren letztlich die Gründe, die Wahrheiten, die Newman zum Übertritt veranlaßten?

Vier Fundamente der katholischen Kirche:

  • Eine klare, fortlaufend bis in die Gegenwart erbaute Dogmatik, welche die sich immer weiter ausfaltenden Wahrheiten Christi sicherte.
  • Die sieben Sakramente einer umfassenden Heilslehre, vor allem der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie, der in den protestantischen Kirchen erschüttert war.
  • Verehrung der Heiligen und der jungfräulichen Mutter Christi. Newman sah fortan keine vermeintliche „Vergöttlichung“ der Heiligen mehr.
  • Der Papst als Garant der Einheit und Wahrheit.

Quelle: Die Tagespost, 20.12.18, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Martyrium der Wahrheit.

 

Am 14. März 1879 ernannte ihn Papst Leo XIII. zum Kardinal. Zwischenzeitlich, von 1851-1857, war Newman erster Rektor der Katholischen Universität von Dublin. Am 19. September 2010 wurde er von Papst Benedikt XVI. in Birmingham seliggesprochen. Nunmehr im Jahre 2019 steht die Heiligsprechung an.

 

 4 Laudetur Jesus Christus. In aeternum. Amen.

Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.