Burgos. El Cid.

LEYENDA NEGRA - DIE SCHWARZE LEGENDE

Einführung

Manfred Lütz, der bekannte katholische Bestsellerautor, Psychotherapeut, Chefarzt und Theologe, brachte es im März 2014 in seinem Interview mit Radio Vatikan auf den Punkt: Der Mythos der Wissenschaftsfeindlichkeit der katholischen Kirche (es ging um Galileo Galilei) werde weiterhin wider besseres Wissen vehement tradiert, dabei habe selbst die atheistische Giordano Bruno-Stiftung postuliert, dass Galileo Galilei nicht von der katholischen Kirche verfolgt worden sei. Der weltberühmte Physiker Werner Heisenberg hatte zuvor ergänzt, dass die Position der Inquisition vertretbar gewesen sei. Galilei war weiland lediglich aufgefordert worden, seine Erkenntnisse vorläufig nur als Hypothese zu erklären.

 

Der Mythos der Leyenda negra ist analog zu sehen. Bis heute werden die Spanier unberechtigter Weise verdächtigt: Stichwort Inquisition, Hexenverfolgung. Lesen Sie selbst.

DIE SCHWARZE LEGENDE

Leyenda negra. Wer brachte den Mythos wann auf den Weg? Protestantische Mächte wie Holland und England und protestantische Kirchen im 16. Jahrhundert. Zwei protestantische Autoren taten sich hervor: John Foxe (Buch der Märtyrer, 1554) und Reginaldo Gonzales de Montes (Bericht über einige Listen der Heiligen Spanischen Inquisition, 1567). Warum? Aus Machtkalkül. Gegen wen? Gegen das katholische Spanien, die dominierende politische Macht des frühneuzeitlichen Europas. Gegen die katholische Weltkirche.

 

Die katholische Kirche bietet zugegebenermaßen eine profunde Angriffsfläche resp. Projektionsfläche der eigenen Vorstellungen. Die von den Päpsten angeführte katholische Kirche, mittlerweile 2.000 Jahre alt, ist die einzige Institution, die schon immer dem Mainstream widerstanden hat; in letzter Zeit allerdings nicht mehr.

 

Die eigenen Unzulänglichkeiten, wie die Behandlung der nordamerikanischen Ureinwohner durch die Angelsachsen oder der Eingeborenen Afrikas durch die Engländer, Holländer, Belgier wie Franzosen wurden natürlich ausgeblendet. Sie waren an Grausamkeiten nicht zu überbieten. Nicht minder heftig wurden die "Nigger" seitens der weißen Südstaatler der USA traktiert, wohlgemerkt noch im vergangenen 20. Jahrhundert.

 

UNHALTBARE VORWÜRFE GEGEN SPANIEN

Die Spanier wurden bezichtigt, „ihre“ Inquisition habe eine stringente Hexenverfolgung betrieben. Völlig falsch. Luthers evangelisches Deutschland der vielen Kleinstaaten war hier federführend -  noch bis ins 17. Jahrhundert. Die Reconquista, die Wiedereroberung des spanischen Kernlandes von den moslemischen Mauren, tue ein Übriges. Auch hier eine völlig einseitige Lesart. Mehr dazu unter den Menüpunkten JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE wie auch WIR.KATHOLISCHES. HISTORISCHES > Religiöses. So hat es die protestantische Seite geschafft, erfolgreich die Integrität von Königin Isabella I. die Katholische in Zweifel zu ziehen. Vor einigen Jahren wurde ein Heilsprechungsverfahren seitens des Vatikans in Erwägung gezogen.

 

VERFOLGUNG DER INDIOS

Die Behandlung der südamerikanischen Indios war, ist und bleibt weitestgehend unentschuldbar. Das brachte 1511 der Dominikanermönch Antonio de Montesino zum Ausdruck, als dieser mit scharfen Worten die verabscheuungswürdigen Kriege thematisierte und kritisierte. Sein  Dominikanerkollege, Bartolomé de Las Casas (1484 - 1566), Bischof in den spanischen Kolonien, wurde ob seines Einsatzes für die Ureinwohner des Kontinents Apostel der Indianer genannt. Bekannt sind überdies seine detaillierten Aufzeichnungen über die Conquista. Wer mehr über diese außergewöhnliche Gestalt wissen will, schlage im Internet nach. 

 

Neueste Grabungen (Stand Juli 2017) in Mexiko-Stadt werfen ein neues Licht auf die Kultplätze der Azteken (1371-1521) in vorchristlicher Zeit. Die Entdeckung der Reste eines ungewöhnlichen Azteken-Tempels bestätigen die grausamen Menschenopfer für den Windgott Ehecat! und damit die ältesten Erzählungen spanischer Chronisten. Sie, die 1519 nach Mexiko kamen, waren entsetzt über die blutrünstigen Kulte. Insoweit ist es mehr als verständlich, dass die "bösen" Spanier die Azteken christianisierten. Die Ausgrabungen bestätigen also die ältesten Erzählungen spanischer Chronisten. Diese Fakten werden gerne verschwiegen.  

 

Es geht an dieser Stelle nicht darum, das Verhalten des katholischen Spaniens zu euphemisieren. Das liegt mir völlig fern. Andere Mächte müssten allerdings gleichermaßen am selben Pranger stehen. Warum stehen sie dort nicht? Eine gute Frage.

Schwarze Legende / Leyenda negra

nach James A. Michener. Iberia – Reisen und Gedanken, 1968 *

 

Das Beispiel schlechthin,

wie durch skrupelloses Fakten-Verdrehen ein Land, eine Religion in Verruf gebracht werden kann.

 

ALS ALLES BEGANN

Felipe II. (1527-1598), einziger legitimer Sohn des Habsburger Kaisers und spanischen Königs Karls V. mit Isabella von Portugal, war ein gläubiger Katholik, der den um sich greifenden Protestantismus zurückdrängen wollte. „Bevor ich zulasse, dass der Religion und dem Dienst an Gott der kleinste Schaden zugefügt wird, möchte ich lieber alle meine Länder verlieren und hundert Leben, wenn ich sie besäße“.

 

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts loderte die spanisch-englische Feindschaft wieder auf. Beide Länder versuchten, die jeweils eigene Konfession auch über die Landesgrenzen hinaus durchzusetzen. Das wirkte sich auch auf die Niederlande aus. Ein persönlicher Gegner König Felipes war ins Ausland geflohen und hatte dort haarsträubende Gerüchte über den spanischen Hof verbreitet. Diese Gerüchte nutzte Wilhelm von Oranien, auch Wilhelm der Schweiger genannt, seine aufrührerischen niederländischen Landsleute hinter sich zu scharren. Bedenkenlos stempelte er dabei seinen katholischen Kontrahenten Felipe II. als skrupellosen und schrecklichen Herrscher ab. Leider mischten auch die katholischen Italiener mit, die aus reinem Machtkalkül Spanien desavouierten.

 

DIE SCHWARZE LEGENDE WAR GEBOREN. 

Fake-News wurden also in die Welt gesetzt. Sie halten sich nicht nur nach wie vor, sie werden je nach Gelegenheit gerne auch heute genüsslich zitiert – immer dann, wenn es der katholischen Kirche an den Kragen gehen soll.

 

  1. Die katholische Kirche habe Spanien geknebelt und das Land absichtlich in Unwissenheit gehalten.
  2. Von Spanien aus wolle sie die ganze Welt unterjochen.
  3. Um die eroberten Gebiete zu überwachen, hätten die spanischen Katholiken die Inquisition erfunden, die sie auch in allen unterworfenen Ländern einzuführen trachteten.
  4. Urheber allen Übels sei König Felipe II.
  5. Er sei ein gemeiner Mensch, der seine Ziele skrupellos auch mit verbrecherischen Mitteln durchsetze.

 

Die Spanier sehen gleichermaßen als Mit-Urheber der Verbreitung der Leyenda negra die Verschwörung protestantischer Wissenschaftler, die ihr Land, das katholische Spanien, bewusst verleumdet und zu diesem Zweck die geschichtlichen Tatsachen verdreht hätten; heute noch tun.

 

James A. Michener schildert eindrucksvoll, wie er und seine Schulkameraden von protestantischen Professoren – offensichtlich bewusst – fehlinformiert wurden:

Während es zunächst hieß, hätte Spanien nicht den Islam an den Pyrenäen im 8. Jahrhundert zurückgedrängt, wäre heute der Westen moslemisch, hieß es später, hätte in 1588 nicht die englische Flotte die spanische Armada besiegt, wäre der Westen jetzt katholisch.

 

Als weiteres Beispiel der Indoktrinierung nannte Michener das in 1901 von Rider Haggards verfasste Buch Lysbeth, a Tale of the Dutch. Es zeichne seiner Meinung nach ein völlig verzerrtes Bild von Spanien und habe auch hässliche Bilder hinzugefügt, die beweisen sollten, wie gefangengenommene  protestantische Führer von den katholischen Spaniern physisch und psychisch misshandelt worden seien.

Fatalerweise trug gar ein Friedrich Schiller zu diesem Zerrbild bei. Mit seinem Drama Don Carlos aus 1785 stellt er Felipe II. als krankhaft eifersüchtigen Herrscher dar, der lt. Schiller seinen eigenen Sohn aus Angst, selbiger könnte zum Protestantismus konvertieren, sowie aus dem Argwohn heraus, er unterhalte blutschänderische Beziehungen zu seiner Steifmutter Elisabeth von Valois, hat ermorden lassen. In Giuseppe Verdis Oper Don Carlos 1767 schneidet Felipe II. auch nicht viel besser ab.

Mich erinnert das an Rolf Hochmuths Theaterstück Der Stellvertreter, in welchem der Autor gleichermaßen das Publikum täuschte, um die katholische Kirche, vertreten durch Papst Pius XII. zu desavouieren.

 

Für Michener ist evident, und das hätten die neuesten Forschungen bewiesen, dass nicht Felipe II. die Inquisition eingeführt habe, er habe sie sogar weniger rigoros eingesetzt als seine Vorgänger. Außerdem hielten die Mordbeschuldigungen einer genaueren Prüfung nicht mehr stand.

 

 *) Der US-amerikanische (1907-1997) Schriftsteller, Pulitzer-Preisträger, schrieb mehrere historische Romane basierend auf historisch korrekten Informationen.

 

MAINSTREAMFOLLOWER BEKLAGEN                     SANTIAGO MATAMOROS

Heute schlagen die Mainstreamfollower sich an die Brust ob des „fürchterlichen“ Santiago Matamoros (Sankt Jakobus der Maurentöter), der einer Legende zufolge  auf einem weißen Pferd reitend durch sein plötzliches Erscheinen die Schlacht von Clavijo Anno Domini 844 gegen die Mauren entschieden haben soll. Überall am Camino de Santiago ist diese Skulptur zu sehen, zum Beispiel in/an den Kathedralen von Logrono, Burgos und Santiago de Compostela.

 

Kein Wort der Gutmenschen darüber, dass es sich hier um eine Re-Aktion gehandelt hat, von den grausamen Verfehlungen der Besatzer-Mauren abgesehen; vgl. dazu den Hauptmenüpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE.

 

Nach den Ereignissen von 9/11 von New York und Washington und den muslimischen Terroranschlägen auf die Vorortzüge von Madrid 2004 empfahlen Berater des Dompropstes der Kathedrale von Santiago de Compostela, die abgeschlagenen Köpfe zu Füßen von Jakobus` Pferd unsichtbar zu machen, und die Skulptur heißt fortan nur noch Santiago, nicht mehr Matamoros. Alles aus Furcht vor den Islamisten resp. aus Sorge, besagte Darstellung könnte seitens der Moslems als Provokation aufgefasst werden. Ein Treppenwitz der Geschichte. Moslemische Terroristen legen die New Yorker Twin Towers in Schutt und Asche, dabei werden über 3.000 Unschuldige getötet, und der Santiagoer Dompropst schämt sich für den Matamoros.