GESCHICHTE NEU BEWERTET

DIE KREUZZÜGE. Kölner Bischöfe helfen den Juden. LEYENDA NEGRA - Die schwarze Legende. DER SPANISCHE BÜRGERKRIEG. Prof. Rodney Stark entlarvt Jahrhunderte-alten Anti-Katholizimus.

Einstimmung Geschichte heute betrachtet

"Historiker sind rückwärts gekehrte Propheten", sagt der deutsche Historiker schlechthin: Prof. Heinrich August Winkler in seinem Interview mit der Welt am Sonntag vom 17. Juli 2022: Die größte Bewährungsprobe in der Geschichte der Bundesrepublik. Bis zu seiner Emeritierung Lehrstuhlinhaber an der Berliner Humboldt-Universität. Lesenswert seine Studien "Der lange Weg nach Westen."


Das Betrachten vergangener Zeiten

unterliegt immer der Brechung durch unsere Gegenwartsperspektive. Die Gefahr anachronistischer Geschichts-Betrachtung ist dann nicht mehr fern. Wir können unsere Vorfahren gleich welcher Zeit nicht mit unseren Moral- und Wertvorstellungen beurteilen. Die Menschen und ihre Mentalitäten, Politiken wie Herrschaftsansprüche, haben sich fundamental verändert. Da hilft es auch nicht, wenn mir ein Chefredakteur einer Regionalzeitung 2019 sagt: das Mittelalter sei nun einmal finster gewesen. Das ist postmoderne Arroganz und letztlich auch Dummheit.

 

Wollten wir in diesem Zusammenhang tatsächlich die weiland gebauten hellen gotischen Kathedralen unseren dunklen Betonkirchen gegenüberstellen? Wollten wir tatsächlich die großartige Rezeption griechischer Philosophen in der mittelalterlich Theologie der Scholastik der heutigen einfallslosen, Christ-abgewandten Theologie gegenüberstellen?, Stichwort Nationalprotestantismus während des Dritten Reichs?, so bliebe fraglich, zu welcher Seite sich die Waage neigte. 

 

Die Sichtung angehäufter Generationendeutung sollte prima vista Gegenstand historischen Forschens sein und nicht - frei nach dem Standardsatz "Wir wissen heute" - den geneigten Lesern die eigene Wahrheit als die allgemeinverbindliche aufzudrücken. Ich bin kein gelernter Historiker, kein Forscher, wohl aber einer, der sich vieles über die vielen Jahre hinweg angelesen hat. Selbstverständlich bin auch ich jemand, der seine - nomen est omen - eigene Brille nichtwird absetzen können. Mir geht es letztlich darum, ein wenig mehr die katholische Sicht ins Spiel zubringen, häufig genug ist sie unter den Tisch gefallen, bei den Klerikern bis in die allerhöchsten Ränge inklusive.

 

Prof. Luise Schorn-Schütte unterstützt in etwa diesen Gedankengang in ihrem Büchlein Karl V. - Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit. (C.H. Beck, 2000; 3. aktualisierte Auflage 2006), wenn sie auf Seite 48 deklamiert, dass bisherige große Biographien die tiefe Frömmigkeit von Kaiser Karl V. (1500-1558; König von Spanien) ausblendeten, weil sie, so die Historikerin, konfessionell befangen waren; ich hingegen füge hinzu, weil sie  mit einem frommen tatsächlich an den dreifaltigen Gott glaubenden Kaiser/König/Menschen offensichtlich nichts anzufangen wußten/wissen, weil selber unkonfessionell und/oder agnostisch. Gut zu beobachten bei denjenigen Autoren, die sich mit der Re-Conquista Spaniens auseinandersetz(t)en, dabei zwangsläufig auf diverse katholisch geprägte und aus christlichem Verständnis heraus agierende spanische Könige stießen.

 

GESCHICHTE RICHTIG

VERSTANDEN IN KURZFORM

Also, ob man will oder nicht, Historiker bleiben Zeitgenossen. Die Protagonisten jeder Generation versuchen, ihre eigene Vergangenheit neu zu konstruieren. Auch und gerade die gegenwärtige historische Forschung folgt zeitgebundenen Leitbildern. Die Auflösung derart festgeschriebener Deutungsmuster ist nur über einen längeren Zeitraum möglich, Behutsamkeit ist gefragt, kollektiver Widerspruch umso mehr gegeben.

 

Deshalb ist es wichtig zu begreifen, was Geschichte eigentlich auszudrücken vermag, wie Historiker einzuordnen sind.

Geschichte ist ein System zwischen dem, was war, und dem, was, wie, wann von wem in welchem Kontext reflektiert wurde. Betrachtung der Geschichte ist also IMMER indivuell, persönlich, subjektiv, kann nicht objektiv sein. 

 

ZERRBILDER

Und damit sind wir schlußendlich beim eigentlichen Thema angelangt, nämlich bei den Kreuzzügen (Beginn 1096), der Schwarzen Legende (16. Jh. Stichwort Kaiser Karl V.) und letztlich dem Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Unser erster Blick wendet sich zu gerne dem (vermeintlich) finsteren Mittelalter zu, vergessen dabei gleichermaßen gerne unser 20./21. Jahrhundert mit zig Millionen Toten des Kommunismus wie des Faschismus, gespeist vom Humanismus, et ecetera. Wir sind keine besseren Menschen als diejenigen vergangener Zeiten - mitnichten; Glaubt es nicht den Moralisten.

Einführung Kreuzzüge

VORBEMERKUNGEN

Auch Bill Clinton *), vormaliger US-Präsident, meinte, sich zu den europäischen Kreuzzügen äußern zu müssen. Zwei Monate nach Nine Eleven (11.09.2001) wählte er dafür das Auditorium der Universität Georgetown/Washington und sagte in etwa: "Die Kreuzzüge seien ein Verbrechen gegen den Islam."

Clinton zitierte als Beleg einen mittelalterlichen Bericht über das - vermeintliche - Blutvergießen unter Gottfried von Bouillon 1099 bei der Eroberung Jerusalems.

*) Bitte nach unten durchscrollen

 

Die New York Times schrieb 1999: "Die Kreuzzüge seien mit Hitlers Gräueltaten vergleichbar."

 

Im selben Jahr marschierten

mehrere Hundert fromme Protestanten von Köln ins Heilige Land mit folgendem Schriftzug auf ihren T-Shirts:

„Ich entschuldige mich.“

 

WOFÜR SICH EIGENTLICH ENTSCHULDIGEN?

Diese Art der Beschuldigungen geht auf die Zeit der Aufklärung zurück, als französische und britische Intellektuelle das finstere Mittelalter erfanden, um das eigene Zeitalter zu glorifizieren und die katholische Kirche zu diffamieren. Erst ab jenem Zeitpunkt nahm die große Mehrheit der Moslems überhaupt von den Kreuzzügen Notiz. Von den arabischen Zeitgenossen des späten 11. bis 13. Jahrhunderts waren die Kreuzzüge in weiten Teilen der islamischen Welt noch nicht einmal wahrgenommen worden, weil zu unbedeutend, und wenn, dann nur unter der machtpolitischen Überschrift und nicht als Angriff auf den Islam.

 

AUFKLÄRER SCHIESSEN

SICH AUF KATHOLISCHE KIRCHE EIN

Voltaire (1694-1778) verglich die Kreuzzüge u.a. mit einer epidemischen Raserei.1)

David Hume (1711-1776), schottischer Philosoph, Historiker und Ökonom, schloss sich Voltaires Argumentation an.

Denis Diderot (1713-1784), französischer Aufklärer, Philosoph und Schriftsteller, setzte allem die Krone auf und sprach von einer Ära tiefster Finsternis und größter Verblendung, etc.

 

Johann Lorenz von Mosheim (1693-1755), lutheranischer Kirchengeschichtler,  hatte wohl den Papst als Antichrist vor Augen, als er deklamierte: "Kreuzfahrer seien die ersten Imperialisten, die unter religiösem Vorwand Land und Beute suchten; die Päpste seien zuerst aus Aberglauben beteiligt, dann aus Gier."

 

RIDLEY SCOTTS MANIPULATION IN 2005

Noch im Jahre 2005 meinte ein Ridley Scott, diese Fake-News filmisch in Szene setzen zu müssen. Im "Königreich der Himmel" "manipulierte er seine ZuschauerInnen mit den Aussagen: Die Kreuzfahrer waren wild und grausam, die Muslime hingegen kultiviert und tolerant. Die europäischen Imperialisten überfielen friedliche Muslime. Sultan Saladin war ein Gentleman und die Kreuzritter Schurken. Seither hassen uns die Muslime mit gutem Grund.  

 

 1 ) Voltaire

Der französische Schriftsteller Voltaire, eigentlich François-Marie Arouet (1694–1778), gilt als „Vater der Aufklärung“ und als „Papst des Laizismus“.

 

Ganz anderer Ansicht ist die französische

Schriftstellerin und Historikerin Marion Sigaut: Voltaire habe „die Wirklichkeit verzerrt, um seine fixen Ideen zu rechtfertigen. Sein Anliegen war nicht die Wahrheit, sondern die Zerstörung des Christentums; vor allem die katholische Kirche und die Katholiken würden in den Geschichtsbüchern, wie sie an den Schulen benützt werden, verzerrt dargestellt. Auch das sei, unter anderem, ein Erbe der Aufklärung.“ Das dazu gehörige Buch aus dem Jahre 2014 trägt den französischen Titel "Voltaire - Une Imposture Au Service Des Puissants" - Voltaire, der aufgeklärte Betrüger im Dienst der Mächtigen. Quelle: Katholisches.Info. Magazin für Kirche und Kultur, 27.01.2016. 

 

Prof. Rodney Stark, US-Religionssoziologe,

zu Voltaire und den Reformatoren

"Voltaire und seine Kollegen hätten das finstere Mittelalter erfunden, um verkünden zu können, dass sie die Zivilisation von religiöser Rückständigkeit befreien."

 

Und folgerichtig geht Stark auch auf anti-katholische Mythen ein, gestreut von Reformatoren, die sich im Mainstream nach wie vor größter Beliebtheit erfreuen.

 

„Die Reformation und die darauf folgenden Religionskriege haben bitteren Haß und falsche Anschuldigungen hervorgebracht, die sich über die Jahrhunderte gehalten haben. Zu viel davon ist noch im kollektiven Gedächtnis der protestantischen Länder vorhanden. Im Gegensatz dazu sind mir keine vergleichbaren bösartigen anti-protestantischen Mythen in den katholischen Ländern bekannt.“

DIE KREUZZÜGE

Antwort der Christen auf jahrhundertelange islamische Provokationen: Reise ins Heilige Land. Prof. Rodney Stark verteidigt katholische Kirche gegen Geschichtsfälschungen.

ZUR BEGRIFFLICHKEIT "KREUZZUG"

Der Begriff wurde erst im 13. Jahrhundert geprägt, also lange nach dem ersten sog. Kreuzzug. Die zeitgenössischen Protagonisten sprachen von einer Reise ins Heilige Land oder von einer bewaffneten Pilgerfahrt: "expeditio, iter in terram sanctam" bzw. "peregrination" und drückten damit ihre wahre Intention aus, wie wir später sehen werden. Okzitanisch um 1213: "crozada". Französischer Begriff "croisade" - 15. Jh.

 

Bei meinen nachfolgenden Ausführungen beziehe ich mich unter anderem auf das in 2009 in den USA erschienene Buch God`s Battallions – The Case for the Crusades.“ In Deutschland erstmalig im April 2013 publiziert unter dem Titel: „Gottes Krieger – Die Kreuzzüge in neuem Licht.“ 

 

PROF. RODNEY STARK

(8. Juli 1934 - 21. Juli 2022), ein amerikanischer Religionssoziologe der University of Washington, hatte nichts anderes getan, als eine Vielzahl von Publikationen verschiedener Jahrhunderte in eine Zusammenschau zu bringen. Herauskommen ist eine Abhandlung, die nachhaltig beweist, dass die Kreuzzüge das Ergebnis vorangegangener Provokationen seitens der Moslems waren. Ihren Ursprung, also die der moslemischen Provokationen, sieht Stark bereits in den moslemischen Eroberungskriegen des 7. Jahrhunderts, beginnend mit Mohammed.

 

Ein Lutheraner als Apologet

der katholischen Kirche - verstorben in 2022.

Aufgewachsen im Glanz der Reformation. "Wie alle Lutheraner" sei er jeden Sonntag im Gottesdienst "über die Perversion der Katholiken aufgeklärt (worden)."

Wenn Rodney Stark sich dazu entschlossen habe, das Buch „Bearing False Witness: Debunking Centuries of Anti-Catholic History“ („Falsches Zeugnis geben. Die Entlarvung Jahrhunderte-alter anti-katholischer Geschichte) zu schreiben, dann nicht aus einem parteiischen Impuls heraus, um eine Flagge zu verteidigen, die nie die seine war - sondern:

„Ich habe dieses Buch

geschrieben, um die Geschichte zu verteidigen.“

Quelle: katholisches.de + catholicleague.org

 

Leider ist dieser brillante Kopf 88-jährig im Juli 2022 verstorben. An anderer Stelle werde ich noch näher auf seine Vita eingehen. In den USA hoch angesehen, in Europa kennen ihn nur wenige.

Der Islam im Heiligen Land. Christen unter Druck.

MOSLEMS GEGEN CHRISTEN IM HEILIGEN LAND

Zur Einstimmung einige Zitate des 4. Kapitels: "Pilger und Verfolgte". Rodney Stark beschreibt die damalige Situation im Heiligen Land, knapp 100 Jahre vor Beginn des ersten Kreuzzugs. 

  • Zerstörung des Heiligen Grabes durch fatimidische Moslems am 18. Oktober 1009; vgl. auch www.kath-info.de/islamgeschichte.html  .
  • Mehr als 30.000 Kirchen wurden auf Geheiß des Kalifen al-Hakim geplündert, eingeäschert; Christen umgebracht, zur Konversion gezwungen. 
  • Christen mussten zwecks Identifikation auf Geheiß des Kalifen ein fast zwei Kilo schweres Kreuz am Hals tragen,
  • die Juden ein ebenso schweres geschnitztes Kalb.
  • Christliche Pilger wie der Abt von Saint-Florent les Saumur, Gerald de Thouars, wurden 1022 hingerichtet;
  • 1026 ein Richard von Saint-Vanne zu Tode gesteinigt, weil er auf islamischem Gebiet die heilige Messe gelesen hatte, etc.
  • 1064 geriet eine große Pilgergruppe unter der Führung von Bischof Gunther von Bamberg bei Caesarea in einen Hinterhalt. Zwei Drittel wurden getötet. Alles im Namen Allahs.
  • 1187. Sultan Saladin enthauptete eigenhändig Rainald von Chatillon. Alle überlebenden Ordensritter (100-200) wurden geköpft, da sie nicht zum Islam konvertieren wollten.

GLEICHE SITUATION IN ÄGYPTEN

Das hier für das Heilige Land Beschriebene kann man auf das koptisch-christliche Ägypten übertragen - relativ früh nach der moslemischen Eroberung Ägyptens des Jahres 640 n. Chr. beginnend. Christen durften keine Kreuze tragen, aus Trotz tätowierten sie sich dann ihr Kreuz auf die Hand, wie heute. Christen durften nur auf Eseln reiten, keine Waffen besitzen. Sie mussten schwarze Kleidung tragen. Der Besitz von (Mess-)Wein für den Gottesdienst war verboten. Vor Gericht waren Christen nur bedingt als Zeugen zugelassen. Die Steuern für Mönche wurden ins Unermessliche getrieben, etc..

 

Sechs Aufstände wurdeN von den Moslems in der Zeit von 725 und 829 blutig niedergeschlagen, ganze Dörfer und Hunderte Kirchen von den Arabern niedergebrannt, die Männer hingerichtet, Frauen und Kinder versklavt. Schließlich knickten viele Christen ein - bis zum 9. Jahrhundert war mehr als die Hälfte aller Ägypter zum Islam übergetreten.  

 

El-Hakim, oben bezeichneter Fatimiden-Kalif von 996-1021, ließ auch in Ägypten Tausende Kirchen abbrennen, seinen koptischen Wesir köpfen, den koptischen Papst Zacharias den Löwen vorwerfen. Einiges erinnert an den römischen Kaiser Nero, der im 1. Jahrhundert die Christen als Straßenfackeln verbrennen, und andere Christen seinen Zirkuslöwen als Fraß zuwerfen ließ.

 

GOLDENES ZEITALTER

Und dennoch sprechen viele modernen Wissenschaftler vom "goldenen Zeitalter" eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Moslems und Kopten während der Fatimidenzeit. Die Fatimiden gehörten übrigens der Schia an, der zweitgrößten Konfession des Islam. Sie führten ihre Herkunft und Legitimation auf Fatima, der Tocher des Propheten, zurück. 988 gründeten sie im heutigen Kairo die al-Azhar Universität, heute noch das geistige Zentrum der sunnitisch-moslemischen Welt. 

Nicht wenige Wissenschaftler attestieren El-Hakim eine gewisse Schizophrenie, um so von seinem islamischen Hintergrund abzulenken-

Fotos.

lks.: Burg Krak-des-Chevaliers, 1187 von Saladin eingenommen.

re.:  Saladin enthauptet Rainald de Chatillon.  

ALTABT GREGOR HENCKEL DONNERSMARCK WIDERSPRICHT DER GÄNGIGEN MEINUNG ÜBER DIE KREUZZÜGE -2015

Saladin entreißt dem fliehenden König Guido von Lusignam das Heilige Kreuz. Freies Foto.

 

Saladins Bedeutung ist mehrfach überhöht; zu verdanken der Parabel von Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) Natan der Weise. Wer sich näher mit Saladin beschäftigt, kommt nicht umhin, ihm viele Grausamkeiten attestieren zu müssen. Niedergeschrieben von seinem Schreiber; vgl. oben.

 

Es ist schon überraschend, dass sich der Altabt des Zisterzienser Stiftes Heiligenkreuz in Österreich *) so dezidiert gegen die tradierten Vorstellungen des Mainstreams wendet. Geschehen im Rahmen einer Veranstaltung vom 26. November 2015 in Heiligenkreuz zum Thema "Das Ritterideal" - ausgerichtet von der Statthalterei Österreich des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

 

Der Redner beklagte in seinem Vortrag "Die Gründungscharismen der Ritterorden und der Einfluss des heiligen Bernhard von Clairvaux " (1091 - 20. August 1153), dass wir heute nicht genügend Verständnis für die damalige Situation aufbrächten, vielmehr das Mittelalter aus der der Sicht des 20./21. Jahrhunderts deuten wollen.

Sein Diktum, das ich später ausführlicher behandeln werde: Der Kreuzritter handelte allein aus religiösen Gründen, um die heiligen, christlichen Stätten Jerusalems von den moslemischen Seldschuken zu befreien.

 

Zum Autor: Er ist laut Autorenverzeichnis des unten bezeichneten Büchleins Prälat, Dipl.-Kfm. (Einschub: in seinem früheren Arbeitsleben), Mag. theol., Altabt des Stiftes Heiligenkreuz, Ehrenkonventualkaplan im Souveränen Malteser-Ritter-Orden und Spiritual des Großpriorats von Österreich, Aumonier-Vicaire des Ordens vom Goldenen Vlies. Quelle: Karl Lengheimer (hg.) Das Ritterideal - Von Bernhard von Clairvaux bis in die Gegenwart -, Be&Be-Verlag, Heiligenkreuz im Wienerwald, 2016.

 

*) Der monastische Orden der Zisterzienser, Abkürzung OCist für Ordo Cisterciensis, fühlt sich dem geistlichen Erbe des Mutterklosters Citeaux in Frankreich (gegründet 1098), verpflichtet - an sich entstanden als Reformkloster aus der Tradition der Benediktiner, namentlich des Klosters in Cluny.

Papst Urban II. - 1095 in Clermont

Clermont-Ferrand. Kathedrale.

 

Jedes Ereignis hat eine Vorgeschichte. Jedoch: Diese Vorgeschichte ist offensichtlich vielen zu kompliziert und letztlich doch so einfach, sie stört gleichwohl die vorherrschende Sicht heutiger Wissenschaftler.

 

Also beginnen fast alle Historiker mit der Rede Papst Urbans II., die er am 27.11.1095 im Rahmen einer Bischofssynode (Konzil) vor den Toren des französischen Clermont gehalten hat.

 

 

WARUM SCHEUEN SICH DIESE WISSENSCHAFTLER, DIE GESCHICHTE NICHT VON ANFANG AN ZU ERZÄHLEN? Warum nicht mit MohamAds Eroberungsfeldzügen? Warum nicht mit dem moslemischen Überfall auf das christlich-jüdische Jerusalem im Jahr 638 n. Chr.? Warum nicht mit der Zerstörung der christlichen Heiligtümer wie der Jerusalemer Grabeskirche im Jahr 1009? Heute würde man von Terroranschlägen sprechen.

 

Warum erwähnen Mainstream-Wissenschaftler nicht den (moslemischen) Sarazenenangriff auf Rom in 846 nach Christus mit der Entehrung des Altares von St. Peter (Petersdom)? Mehr hierüber auf der nächsten Seite unten. 

 

Dabei gibt es ernstzunehmende Aufzeichnungen mehrerer Chronisten besagter Zeit wie die des Fulcher von Chartres, des Ekkehard von Aura und des Benediktinermönchs Robert von Reims.

 

Welche Rede Papst Urban II. nun wirklich wortgetreu gehalten hat, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Danach soll der Papst nicht ausdrücklich zur Befreiung Jerusalems aufgerufen haben, wohl aber die Anwesenden mit flammenden Worten ermahnt haben, den verfolgten Christen im Osten zur Hilfe zu eilen.  Warum?

 

KAISER ALEXIOS I. KOMNENOS ERBITTET HILFE

Der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos hatte Papst Urban II. über Graf Robert von Flandern ein Sendschreiben übermitteln lassen mit der Bitte, ihm und dem  bedrohten Konstantinopel beizustehen. Die zum Islam übergetretenen seldschukischen Türken stünden rund einhundertfünfzig Kilometer vor der Stadt; zuvor hätten sie Jerusalem erobert. Der Kaiser schildert die Situation drastisch und detailliert. Er spricht von grausamen Folterungen, denen die christlichen Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land ausgesetzt wären. Davon, dass Christen von den Moslems vergewaltigt und ihre Bäuche aufgeschlitzt, ihre Kirchen einschließlich der Altäre und Taufbecken geschändet worden seien.

 

Einschub im September 2014: Geschichte wiederholt sich eben doch - vgl. die Gräueltaten der moslemischen IS-Terrororganisation im Irak und in Syrien mit dem Ziel der vollständigen Ausrottung der dort lebenden Christen.

 

BISCHOFSSYNODE VON CLERMONT

VORRANGIG MIT INNERKIRCHLICHEN THEMEN BESCHÄFTIGT

Die vom 18. bis 28. November 1095 von Urban II. geleitete Bischofssynode hatte in erster Linie innerkirchliche Themen auf der Agenda, wie die Zerrüttung der Kirche, die weiland auch das politische System Europas tangierte. Die Bischofssynode vom Frühjahr des selben Jahres in Piacenza hatte nämlich kein Ergebnis erbracht.

 

So mahnte der Papst, völlig unabhängig von seinem Aufruf, den Bedrängten zu helfen, mit eindringlichen Worten seine Brüder, in ihren Ländern den von den heiligen Vätern eingeführten Gottesfrieden zu erneuern, ihn in jeder Diözese strikt durchzusetzen.

 

  • "Doch wenn einer, der von Habgier oder Hochmut befallen ist, diesen Frieden bereitwillig bricht, möge er sich kraft Gottes Amtsgewalt und mit Billigung der Entscheide des Konzils unter die Exkommunizierten einreihen." 

 

Ebenso sollen die Sätze gefallen sein: "Danach müssen wir besonders erwägen, wie schwer derjenige bestraft werden muss, der einem anderen etwas stiehlt, ob er etwa zu Höllenstrafen verdammt ist, weil er mit dem eigenen Besitz nicht freigiebig umgegangen ist."

 

Papst Urbans II. generelle Einnstellung wird am besten mit diesem seinem Diktum unterstrichen:

  • "Haltet die Kirche in all ihren Rängen gänzlich frei von weltlicher Macht."

Rom. Patriarchalbasilika St. Paul vor den Toren, 2010. Bildnis Papst Urban II. (1088-1099). Er starb vor der Eroberung Jerusalems durch das christliche Heer.

 

Papst Urban II. in Clermont zu den Anwesenden:

„Werdet Soldaten des lebenden Gottes.“

Die Antwort der Anwesenden: "Deus lo vult!" - Gott will es!

 

PAPST URBAN II. MAHNT FRIEDEN AN

In diesem Zusammenhang appellierte Urban II. an die Verwalter geistlicher Ämter, ehrlich und frei von Heuchelei zu sein. "Ihr seid das Salz der Erde. Seid wahre Hirten, wachet nach jeder Seite über die Herde, die Euch anvertraut ist. Seid klug, weitblickend, maßvoll, gelehrt, friedensstifend, wahrheitssuchend, fromm, gerecht, unparteiisch und rein. Denn wie sollen Ungelehrte andere zu Gelehrten machen, Maßlose andere maßvoll und Unreine andere rein machen? Wie kann einer, der den Frieden hasst, Frieden herbeiführen?"

 

ADELSFAMILIEN ZAHLTEN

Vielfach wird seitens der Historiker konstatiert, dass die Kreuzzüge von unversorgten Söhnen des Adels organisiert worden seien. Das war mitnichten so, schlichtweg falsch. Die Kreuzzüge wurden organisiert von den Häuptern bedeutender Familien unter dem Einsatz immenser persönlicher Kosten. Für viele bedeutete es den Ruin. Die später im Heiligen Land gegründeten christlichen Königreiche konnten sich nur durch enorme Zuschüsse am Leben erhalten. 

 

Der berühmt-berüchtigte Niccolo Machiavelli (1469-1527) schreibt dazu:

"(...) wandte er (Papst Urban II.) sich zu einer ehrenvollen Unternehmung, ging mit dem ganzen Klerus nach Frankreich und versammelte zu Clermont eine große Menge Volkes, der er eine Rede gegen die Ungläubigen hielt, wodurch er die Gemüter so sehr entflammte, daß sie Asien den Sarazenen zu entreißen beschlossen. (...) Viele Könige und viele Völker trugen durch Geld dazu bei, und viele Privaten dienten ohne allen Sold, so viel vermochte damals über die Gemüter der Menschen die Religion und das Beispiel ihrer Oberhäupter. (...) Auch der Orden der Templer entstand, der vor kurzer Zeit durch ihre schlechten Sitten unterging. (...)" - Quelle: Gesammelte Werke in einem Band, Wunderkammer  Verlag, Neu-Isenburg 2008 für Zweitausendeins, Hrg. Dr. Alexander Ulfig.

Papst Urban II. betet auf dem Konzil von Clermont 1095. Freigegebenes Foto. Autor: Jean Colombe (1430-1493). Zurzeit in der Bibliotheque nationale de France.

 

Manfred Lütz, der bekannte Bestseller-Autor, bestätigt in seinem neuesten Buch Der Skandal der Skandale (2018), dabei die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigend, dass Papst Urban II. in Clermont mitnichten zur Missionierung aufgerufen habe, sondern nur zur Sicherstellung des freien Zugangs zu den heiligen christlichen Jerusalemer Stätten.

KÖLNER ERZBISCHÖFE HELFEN JUDEN

Zeitgenössische Historiker wie die Leit-Medien implizieren, wenn sie über die Kreuzzüge sprechen/schreiben, prinzipiell das Leid der jüdischen Bevölkerung, und das ist zunächst völlig richtig. Aber nicht zu jeder Zeit und nicht seitens aller Kleriker, Päpste wie Bischöfe. Beispielhaft sei hier das Kölner Judenprivileg benannt. Eine Steinurkunde aus 1266, zu sehen im Kölner Dom, dokumentiert das Verhalten von Bischof Engelbert II. Falkenburg. Im zweiten Fall geht es um Bischof Arnold I., der bereits über einhundert Jahre zuvor, 1146, erfolgreich unter Anwendung eines für allen Seiten annehmbaren Deals der jüdischen Bevölkerung Kölns helfen konnte. Dazu unten mehr - Die Juden auf der Wolkenburg.

 

KÖLNER JUDENPRIVILEG

IN KÜRZE

Das Kölner Judenprivileg ist ein in eine Steinplatte gehauenes Privileg für die jüdische Bevölkerung der Erzdiözese Köln aus dem Jahr 1266, das sich im Kölner Dom befindet. Als Quelle dokumentierte es die Gewährung von Rechten für Juden durch den Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg.

 

Während Urkunden zu dieser Zeit üblicherweise auf Pergament ausgefertigt wurden, ist die hier gewählte Form der öffentlich ausgestellten Steinurkunde eher eine Seltenheit. Geregelt wurden – teils durchaus im Sinne  der jüdischen Bevölkerung - das Friedhofs- und Bestattungsrecht, Zollbestimmungen und das Geldleihmonopol. Das Judenprivileg ist somit eine bedeutende Quelle für die jüdische Geschichte in Köln und für das Verhältnis von Christen und Juden in dieser Zeit.

 

Das Judenprivileg sicherte beispielsweise dem jüdischen Handel zu, nicht stärker belastet zu werden als christliche Kaufleute; wenngleich nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Erzbischof zwar eine weitreichende Förderung jüdischer Wirtschaftstätigkeit betrieb, nicht zuletzt sicher auch, um die Kapitalkraft jüdischer Geschäftsleute in seinem Sinne nutzen zu können; aber zu sagen, die Juden seien prinzipiell drangsaliert worden, stimmt eben nicht. Päpste wie Bischöfe setzten sich für sie ein.

 

DIE JUDEN

AUF DER WOLKENBURG

Interessant auch diese Geschichte, die 2018 im Rahmen eines Vortrages in Bad Honnef rekapituliert wurde. Das Internetportal honnef.heute (Rhein-Sieg-Kreis) berichtete darüber voller Stolz – zu recht.

 

Beleuchtet wird ein unbekanntes, eher helles Kapitel in der sonst so düsteren Geschichte der Juden in Deutschland. Es ist ein Zeugnis institutionalisierter Selbstverteidigung der Juden. Dies ist in der europäischen Geschichte einmalig und wirkt wie ein kurzfristiger Vorläufer des heutigen Staates Israel.

 

Worum geht es? Der Kölner Erzbischof Arnold I. versuchte, die Übergriffe an der jüdischen Bevölkerung zu verhindern. Diese waren auch 1146 bei der Sammlung der Teilnehmer am zweiten Kreuzzug im Rheinland wieder aufgeflammt; genauso wie fünfzig Jahre zuvor, als bei der Sammlung zum ersten Kreuzzug das erste große europäische Pogrom stattgefunden hatte.

 

Darum übergab Arnold I. im Jahr 1146 die Wolkenburg der jüdischen Bevölkerung bis zum Abzug der Kreuzfahrer in den Orient im Mai 1147. Die Burg war 1118 erbaut worden und galt als stärkste Festung des Erzstifts. Nach Abzug der erzbischöflichen Besatzung konnten sich die Juden dort selbst erfolgreich gegen Übergriffe der gewaltbereiten Kreuzfahrer verteidigen. Der Erzbischof erhielt als Hypothek den gesamten Besitz der Juden in Köln, auch die Synagoge. Damit waren Besitz und Synagoge als temporäres Kircheneigentum unter der Strafe der der Exkommunikation vor Plünderungen und Zerstörung etwas geschützt.“ – Textübernahme des kursiven Textes.

 

Fazit. Mit beiden Geschichten soll mitnichten die Verharmlosung des Leids, das den Juden seitens vieler Christen zugefügt worden ist, erreicht werden. Bitte aber berücksichtigen, dass es die Christen waren, eine Abspaltung (Sekte) von der jüdischen Mehrheitsgesellschaft also, die zuerst von eben jenen mehrheitlichen jüdischen Gemeinschaften, wo auch immer sie sich befanden (Rom inklusive) teils sehr rigide verfolgt worden sind; der Apostel Paulus hat vieles erleiden müssen. Wer tiefer einsteigen möchte, möge bitte im Neuen Testament aufmerksam die Apostelgeschichte lesen. Dennoch entschuldigt nichts in der Welt den teils sehr ausgeprägten Judenhaß, gestern wie heute.

 

MOSLEMISCHE EXPANSIONEN AB DEM 7. JAHRHUNDERT

Katar. Fanar, Quatar Islamic Cultural Centre, Eigenaufnahme 2009: Karte zur Ausdehnung des Islam.

 

RODNEY STARK BEGINNT seine Geschichtsschreibung mit dem

7. Jahrhundert, nicht wie viele pro-islamisch motivierte westliche Historiker mit dem 1. Kreuzzug unter der Ägide von Papst Urban im 11. Jahrhundert. 

 

Der Autor beginnt mit den islamischen  Expansionen im Nahen Osten, Ägypten, Nordafrika, Spanien, Süditalien, Sizilien, Korsika, Zypern, Rhodos, Kreta, Sardinien.

Der Gegenangriff der Christen erfolgte im 8. Jahrhundert mit dem Ergebnis, dass manche Gebiete rückerobert werden konnten und zuvor praktiziertes christliches Leben wieder Einzug hielt.

 

VORBEMERKUNG - MOHAMADS DIKTUM

Mohamed (570 - 632) hatte seine Kämpfer kurz vor seinem Tod wie folgt motiviert: "Mir wurde aufgetragen, alle Männer so lange zu bekämpfen, bis sie anerkennen: Es gibt keine Gottheit außer Allah."

Dieser Satz ist kongruent mit Sure 9,5: "Tötet die Götzendiener (…) und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf."

 

SYRIEN

In der Schlacht am Jarmukdie im August 636 n. Chr. sechs Tage dauerte, wird das syrische Damaskus vollständig unterworfen. Kenner des Neuen Testaments wissen um die Bedeutung der Stadt für die Christenheit - Stichwort: Saulus/Paulus. Der moslemische Kalif (Kalif bedeutet Nachfolger) machte Damaskus  zur Hauptstadt des islamischen Reichs.

 

JERUSALEM 

638 nach Christus eroberte Kalif Umar ibn al Chattab die Heilige Stadt der Christen und Juden. Die Christen dürfen in Jerusalem bleiben, die Juden zunächst nicht. Später wird das Ansiedlungsverbot aufgehoben.

 

ÄGYPTEN

Das ägyptische Alexandrien fällt 645 n. Chr. ohne Gegenwehr an die Moslems, begünstigt durch den Verrat eines Offiziers. Sie richten ein Massaker unter den Einwohnern an, legen Brände, bis die halbe Stadt zerstört ist.

 

AFRIKA - KARTHAGO

EINE  CHRISTLICHE STADT FÄLLT DEN MOSLEMS ZU

Zwischen 698 und 705 erobern moslemische Berber mit einer Armee von 40.000 Kämpfern die Stadt Karthago. Hier, im heutigen Tunesien und Algerien, hatte im 4./5. Jahrhundert einer der größten Kirchenlehrer der Christenheit gewirkt: der heute noch in den Universitäten oft zitierte Philosoph Augustinus von Hippo. Nicht zu vergessen der Afrikaner Tertullian, der Ende des 2. und Beginn des 3. Jahrhunderts die christliche Literatur in lateinischer Sprache begündete, wenige Jahrzehnte später der heilige Cyprian von Karthago, dem "ersten Bischof, der in Afrika die Krönung durch das Martyrium erhielt". Er litt wie viele seiner christlichen Zeitgenossen unter der grausamen Verfolgung der römischen Kaiser Decius (250) und Valerian (257-258). Cyprian schrieb übrigens über die Einheit der katholischen Kirche, die ihr Fundament in Petrus habe und ihre vollkommene Verwirklichung in der Eucharistie finde (Brief 63,13).

 

HISPANIA/SPANIEN

Anno Domini 711 wird das heutige Spanien von rund 7.000 bis 10.000 moslemischen Kriegern unter der Befehlsgewalt des Berbers Tariq ibn Ziyad überrannt. Nach ihm wird Gibraltar benannt; es bedeutet nichts anderes denn Felsen des Tariq.

 

Wer mehr über die Schlachten in Spanien, insbesondere die von Tours und Poitiers 721 resp. 732 und über die Reconquista (Rückeroberung) lesen will, den bitte ich, den Pkt. Die Ritterorden. Mauren. Reconquista. aufzuschlagen.

 

 

ITALIEN - ROM

Seeschlacht von Ostia 849. Paolo Veronese. Der dritte arabisch-moslemische Angriff auf Rom.

 

ITALIEN. ROM. St. PETER - 9.  Jh.

In dem von Klaus Herbers in 2011 herausgebenen Buch Pilger, Päpste, Heilige, Narr Verlag, wird auf Seite 25 über die (moslemischen) Sarazenenangriffe auf Rom berichtet. Sie verwüsteten und plünderten danach in 846 besonders das Viertel um St. Peter, entehrten den Altar von St. Peter, sodass die Christen, so heißt es dort, den Apostelfürsten nicht in angemessener Weise mehr verehren konnten. Als Folge ließ Papst Leo IV. (847-855) Mauern um St. Peter errichten, nach dem Vorbild der aurelianischen Mauern, nicht nur als Schutz vor feindlicher Bedrohung, sondern auch um die Pilgerverehrung gerade in unruhigen Zeiten sicherzustellen.

 

ITALIEN - SAN DAMIANO

Auch die heilige Klara (1193 in Assisi geboren, Bewunderin von Franz von Assisi, Ordensfrau seit 1212, gestorben am 11. August 1253) wurde von moslemischen Sarazenen bedroht. Als um das Jahr 1240 sarazenische Truppen das Tal von Spoleto mit dem Kirchlein von San Damiano stürmten, flehte sie unter Tränen ihren Herrgott an, sie doch zu verschonen. Die Sarazenen ergriffen die Flucht, als sie die ihnen entgegen getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten Sakrament sahen.

Parallelen gibt es in Santiago de Compostela, als die Truppen des Almanzor bei ihrem Angriff auf Stadt und Kathedrale das Grab des Apostels unangetastet ließen. die Reliquien waren allerdings schon zuvor entnommen, also gerettet worden.

Situation Jerusalems

Moslemische Überfälle 8.-10 Jh. Kalif el-Hakim. Sultan Salazin.

Christliche Chronisten verzeichnen für fast jede Generation Verfolgungen, Schikanen, Massaker, Verwüstungen, denen sie seitens der moslemischen Herrscher ausgesetzt waren. Moslemischen Quellen zufolge waren an den Pogromen gegen die Christen leider auch Juden beteiligt.

 

Moshe Gils, israelischer Mediävist und Wirtschaftshistoriker (1921-2014), nennt in seiner Abhandlung "History of Palestine", die die Jahre 634 bis 1099 umfasst, nachstehend kurz skizzierte Vorfälle:

  • Frühes 8. Jahrhundert: Der Gouverneur von Saesura lässt siebzig Pilger aus Kleinasien hinrichten - bis auf sieben, die zum Islam konvertiert waren.

  • Kurze Zeit später werden sechzig Pilger in Jerusalem gekreuzigt.

  • Im späten 8. Jahrhundert wird von einem moslemischen Überfall auf das Kloster Theodosium bei Bethlehem berichtet. Sie töteten die Mönche und zerstörten zwei Kirche.

  • Im Jahre 776 des Herrn wurden zwanzig Mönche des Klosters von Mar Saba bei lebendigem Leib verbrannt - von den Moslems.

  • 809 gab es mehrfache Überfälle in der Heiligen Stadt: Klöster und Kirchen werden zerstört, die Klosterangehörigen getötigt, vergewaltigt.

  • Ebenso Anno Domini 813.

  • Am Palmsonntag des Jahres 923 wird von einer neuen Welle moslemischer Greueltaten berichtet.

Symbolische Darstellung der Eroberung Jerusalems - in England des 12. Jahrhunderts begonnen und in Spanien zwei Jahrhunderte später fertiggestellt.

 

Die Bilder zeigen oben: Jesus in Jerusalem und die Zerstörung des Tempels; in der Mitte die Enthauptung der Juden durch die Feinde des Herrn und unten die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer.

JERUSALEM 11. bis 13. Jahrhundert

KALIF AL-HAKIM, 1009

Das Fass zum Überlaufen brachte der schon erwähnte fatimidische Kalif al-Hakim, der es 1009 nach Christus nicht mehr bei der nur den Christen auferlegten Religionssteuer beließ. Er veranlasste die Zerstörung der konstantinischen Auferstehungskirche. Das Heilige Grab, damals eine komplett erhaltene Felsenhöhle, ließ er schleifen und dem Feuer aussetzen. In seinem Reich wurden in den Folgejahren dreißigtausend (30.000) Kirchen enteignet, geplündert, die Christen aus den öffentlichen Ämtern gedrängt oder zur Annahme des Islam gezwungen. Wer mag es den Christen verdenken, dass sie sich wehrten?

 

SULTAN SALADIN

DIE TEMPLER. KAISER FRIEDRICH II.

Die Templer, 1119 von Hugo de Payens gegründet mit dem Ziel, das Heilige Land vor den Moslems zu schützen, schafften es, diesem hehren Anspruch nur bis 1291 gerecht zu werden. In der Schlacht von Akkon am 8. Mai wurden sie schlußendlich von den moslemischen Mamelucken vernichtend besiegt; vgl. auch Etappe 25.

 

Dazu schreibt der moslemische Chronist Abu `l-Mahasin :

  • "(...) die Mamluken hielten nicht ihr Wort, dem Kommandeur und den Templern war sicheres Geleit zugesagt: sie wurden enthauptet."

 

Bestätigt wird diese Verfahrensweise durch Saladins Sekretär, Imad ad-Din. Er schreibt über das Schicksal der im 12. Jahrhundert gefangengenommenen Kreuzritter, Templer wie Johanniter:

  • Er [Saladin] gab Befehl, alle zu enthaupten. Er zog es vor sie zu töten, anstatt zu Sklaven zu machen.
  • Bei ihm war eine ganze Schar von Gelehrten und Sufis, und mehrere fromme und asketische Männer: Jeder von diesen bat ihn, zumindest einen umbringen zu dürfen“.

 

SALADINS EROBERUNGEN

Knapp einhundert Jahre zuvor, am 2. Oktober 1187, war die Heilige Stadt bereits trotz furiosen Widerstands von wenigen Rittern und sehr vielen Flüchtlingen in die Hände Saladins gefallen - mit Hilfe des Verrats der griechischen Bevölkerung; sie hatten die Tore geöffnet. Als Dank dafür ließ Sultan Saladin alle lateinischen Kirchen in griechisch-orthodoxe umwidmen.

 

Zur Vorgeschichte von Saladins

angeblicher friedlicher Einnahme Jerusalems. Die moslemische Garnison Jerusalems hatte in 1099 beim Angriff der Kreuzfahrer den Widerstand nicht aufgegeben, was ihre Plünderung durch das christliche Heer zu Folge hatte. Saladin wollte später ursprünglich gleichermaßen verfahren, ließ sich aber auf ein Friedensabkommen ein, weil der Stadtverteidiger ihm gedroht hatte, die etwa 5.000 Moslems töten und auch den Felsendom zerstören zu lassen.

1183 ließ Saladin 170 gefangen-genommene Abendländer auf ihrem Weg zum Roten Meeer trotz Zusage, sicher abziehen zu können, zum Tode verurteilen mit der Begründung, dass Ungläubige, denen der Weg zu den heiligsten Stätten des Islams (Mekka, Medina) bekannt seien, kein Recht auf Leben hätten. Zwei von ihnen ließ er symbolträchtig exekutieren: auf einem Hof von Mekka von einer wütenden Pilgermenge wie Tieropfer abschlachten.

 

SALADINS MOTIVE

Seine Kriege gegen die Kreuzfahrer führte Saladin unter dem Vorwand der Selbstverteidigung. Wie dieser sein Vorwand mit seinen Träumen einhergehen kann, den Dschihad gegen die Christen nach Europa auszuweiten und den Papst in Ketten zu legen, bleibt erklärungsbedüftig, wenngleich er damit der Logik der islamischen Expansionsbestrebungen seit/nach der Zeit Mohammeds folgte, die schon im 9. Jahrhundert zur kurzzeitigen Besetzung und Plünderung der Ewigen Stadt (Rom) führten.

 

Saladins Behauptung, Rainald von Chatillon, ein französischer Ritter und Heerführer, habe eine moslemische Karawane bei Medina überfallen, entbehrt jeglichen Wahrheitsgehaltes. Dieser Überfall fand mehrere hunderte Kilometer von Medina entfernt statt; es hatte sich um eine Handelskarawane, nicht um eine Pilgerkarawane gehandelt. Gleichwohl nutzte Saladin den Überfall als Auslöser seines entscheidenden Angriffs auf das Königreich Jerusalem.

 

Auch seine Glaubsbrüder verschonte Saladin nicht. Das bezeugt sehr anschaulich seine Machtergreifung von Kairo. So ließ er das gesamte Al-Manurah-Viertel der Stadt, in dem sich die Frauen und Kinder rebellierender schiitischer Truppen aufhielten, in Brand stecken. Vertrauend auf seine Waffenstillstands-Zusage zogen die Sudanesen ab, wurden dann aber außerhalb Kairos von Saladins Truppen angegriffen, praktisch ausgelöscht.

 

SCHLACHT VON HATTIN

In der Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187, kurz vor seinem Angriff auf Jerusalem, griff Saladin, um die Kreuzfahrer aus ihren Burgen zu locken, die Stadt Tiberias an; was sie dann auch taten. Sie eilten den Belagerten zur Hilfe, mußten dafür - in der  Sommerhitze - eine öde Hochebene queren. Die Wasserquellen der Gegend hatte Saladin allerdings zuvor zuschütten lassen; sodann versperrte er mit seinen Truppen in der Ebene unterhalb zweier Bergkuppen den Christen den Weg, setzte das Buschwerk in Flammen. Von allen Richtungen eingeschlossen, erschöpft, ausgedurstet, beinahe erstickt, wurden die Abendländer faktisch niedergemetzelt. Nach der Schlacht enthauptete Saladin persönlich Rainald von Chatillon, den Heerführer der Christen, weil dieser es abgelehnt hatte, zum Islam zu konvertieren. Mit Ausnahme des Templermeisters ließ Saladin alle 200 gefangenen Templer und Johanniter töten, die übrigen Gefangenen in die Sklaverei verkaufen.

 

In der Schlacht von Lepanto 1571 wurde eine analoge Kriegsführung angewandt, nur mit dem Unterschied, dass später die christlichen Mittelmeermächte, organisiert unter Papst Pius V., letztlich den Sieg davon trugen.

Quelle u.a.: Herman Mchedeli, Philosoph und freier Publizist in der "Tagespost" vom 11. Februar 2021: Der andere Saladin - Was ein moderne Mythos verschweigt.

 

KAISER FRIEDRICH II.

Der im Jahre 1229 von Kaiser Friedrich II. mit Sultan Al-Kamil ausgehandelte Vertrag, wonach Jerusalem, Bethlehem und Nazareth wieder unter christlicher Herrschaft kommen sollte, hielt nur 15 Jahre. Am 23. August 1244 überrannten türkische mit dem Sultan verbündete Nomaden aus Asien die schwache Verteidigungskraft, töteten alle Franken und entweihten die heiligen christlichen Stätten.

 

 

ZUSAMMENFASSUNG

Die 1095 n. Chr. von Papst Urban II. initiierten Kreuzzüge fanden also, so Prof. Stark, nicht ohne vorhergehende Provokationen seitens der Moslems statt, und sie hatten auch noch hernach, wie oben ausgeführt, ihre volle Berechtigung. Korrekterweise sollte man nicht von Kreuzzügen sprechen. Dieser Begriff wurde erst sehr viel später kreiert. Die zeitgenössischen Protagonisten sprachen von einer Reise ins Heilige Land oder von einer bewaffneten Pilgerfahrt: "expeditio, iter in terram sanctam" bzw. "peregrination" und drückten damit ihre wahre Intention aus.

 

Diese Tatsachen, die Kreuzzüge wie die Figur Saladins betreffend, rücken die Geschichte jener Zeit in ein anderes Licht, als es die heutigen Aufklärer in der Kulturindustrie vorwiegend darstellen, es den den Mainstreamlesern weismachen wollen. Das Gebot der Stunde kann nur heißen, sich nicht verdrießen zu lassen, gegen den Strom der Zeit den eigenen Verstand nicht mit den neuen, eigentlich schon seit langem tradierten Myten, kirre machen zu lassen. Das fordert durchaus Mut und Selbstbewußtsein.

  • Sie sind nicht die erste Runde des europäischen Kolonialismus gewesen.

  • Sie sind nicht wegen Land, Beute oder aus Bekehrungsabsichten geführt worden, sondern aus religiösen Gründen und als Buße für begangene Sünden.

  • Die (sog.) Kreuzritter waren keine Barbaren, die die - vermeintlich - kultivierten Moslems schlecht behandelten.

  • Es gab auf beiden Seiten nicht akzeptable Auswüchse. Diese aber nur den Christen anzulasten, ist schlichtweg Geschichtsklitterung.

  • Sultan Salafin, der in Lessings Parabel Nathan der Weise als honoriger Herrscher beschrieben wird, tötete eigenhändig mehrere Ritter, obwohl er ihnen zuvor sicheres Geleit zugesichert hatte.

SITUATION HEUTE - PRÄSIDENT ERDOGAN

Ergänzung am 2. Juni 2015. "Erdogan will über Jerusalem die Fahne des Islam wehen lassen." Und weiter heißt es im gleichlautenden Artikel in der "Welt" vom 01.06.15: "Eroberung heißt Mekka. Eroberung heißt Sultan Saladin, heißt, in Jerusalem wieder die Fahne des Islam wehen zu lassen. (...) Alle, die behaupten, Jerusalem sei die heilige Stadt der Juden, sollen sich noch einmal dafür schämen. Saladin ist das Symbol unserer Einigkeit. (...) um (mit ihm und) mit Gottes Hilfe diese Botschaft zu senden: Jerusalem gehört für immer den Kurden, den Türken, den Arabern, den Muslimen."

 

Besonders empfehle ich das Studium des Kapitels 3 des oben beschriebenen Buches, in welchem Autor Stark nachvollziehbar beschreibt, dass die moslemischen Araber mitnichten den Europäern überlegen waren. Die meisten von uns plapperten Tradiertes nach und sprächen vom finsteren Mittelalter. Für Rodney Stark ein Mythos, ein Märchen; vgl. dazu auch den Menühauptpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. > Hell leuchtendes Mittelalter.

 

*) Zu Bill Clintons Bemerkungen über die Kreuzzüge. In diesem Kontext passt gut die Aussage seiner Frau Hillary Clinton während ihrer Präsidentschaftskandidatur in 2015: "Tiefverwurzelte kulturelle Codes, religiöse Überzeugungen und strukturelle Phobien haben sich zu ändern. Die Regierungen müssen ihre Möglichkeiten nützen, um die überlieferten religiösen Dogmen neu zu definieren." Quelle: Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, Oktober 2016.  Und sie redete prinzipiell nicht nur der westlichen Säkularisierung das Wort, sondern suchte jede Gelegenheit, den Islam positiv darzustellen.

 

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Die nächste Seite beschäftigt sich mit den ersten vier sog. Kreuzzügen, beginnend in 1096 nach Christus.