Pilgerwegzeichen. Stilisierte Muschel. Im Boden eingelassene Muschelzeichen.

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Einstimmung

Ohne den Pilgerpass, die Credencial del Peregrino, geht gar nichts, will man nicht ständig auf Hotels oder Hostals ausweichen. Für die Übernachtung in den Pilgerherbergen ist der Pass unerlässlich, wie gleichermaßen für die Ausstellung der Pilgerurkunde, der "La Compostella " in Santiago de Compostela.

 

Die Jakobsmuschel begleitet den Pilger den ganzen Weg, ob nun befestigt am eigenen Rucksack oder als Pilgerwegzeichen.

Pilgerpass

Pilgerpass der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V., Aachen.

 

Jakobspilger erhalten den Pass entweder in Deutschland, was ich anraten würde, zum Beispiel bei der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft in Aachen, oder vor Ort in St.-Jean-Pied-de-Port oder in Jaca, 30 km vom Somportpass entfernt; natürlich auch in anderen Orten. Nicht alle Pilger starten in den Pyrenäen. 

 

Mitglieder der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft kommen außerdem in den Genuß eines Empfehlungsausweises, der Carta de Recomendacion. Überall, wo der Pilger Hilfe braucht, wird man ihm helfen. 

 

Mir scheint, dass die St. Jakobusbruderschaft Trier e.V. besondere Erwähnung verdient. Auf dem mir vorliegenden Flyer ist folgendes zu lesen: "(...) sorgt sich im christlichen Sinne um Pilger. (...) Die Bruderschaft unterhält in der Dom-Information beim Trierer Dom ein Pilgerbüro." Der deutsch-luxemburgische Jakobusweg, so die gewählte Bezeichnung, führt von Echternach über Trier bis Perl/Schengen im Dreiländereck.

Pilgerurkunde

Pilgerbüro Santiago. Meine Pilgerurkunde vom Mai 2006: Petrum Augustum Schulze.

 

Der Pilgerpass ist unerlässlich für die Ausstellung der Pilgerurkunde (La Compostella) im Pilgerbüro in Santiago de Compostela. Sie bescheinigt dem Pilger, soweit er dieses anhand der Stempel nachweisen kann, dass er die letzten 100 Kilometer vor Santiago zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer per Fahrrad oder Pferd zurückgelegt hat.

 

Da offensichtlich mehr denn je getrickst wird, verlangt das Santiagoer Pilgerbüro mittlerweile nicht mehr nur einen sondern zwei Stempel je Tag, ausgestellt von Herbergen, Hostals, Hotels, Cafés, Restaurants, Kirchen, Klöstern, Rathäusern.

 

Zwischenzeitlich (Stand August 2016) hat das Pilgerbüro  eine weitere Urkunde entsprechend der gewanderten/gepilgerten Kilometer herausgegeben; vgl. dazu den Untermenüpunkt PILGERBÜRO SANTIAGO. Bitte links anklicken. 

 

Eine Compostela des Jahres 1980...

 

... gefunden in einem alten Bildband. Vielleicht von der Vorbesitzerin vergessen worden. Es zeigt eine Pilgerurkunde mit dem Namen des Weihbischofs von Santiago, nämlich Antonio Rouco Varela, dem späteren Erzbischof der Stadt und Kardinal von Madrid.

 

Fazit: Nahezu identisch mit der heutigen Compostela.

 

Jakobsmuschel

León. Auf den Fußgängerwegen eingelassene Jakobsmuscheln weisen den Weg hinaus aus der Stadt zur alten Pilgerbrücke westwärts nach Galicien. 

 

Heute demonstriert der Pilger mit der überall zu kaufenden und zumeist am Rucksack befestigten Jakobsmuschel, dass er Jakobspilger ist, gen Santiago de Compostela strebt.

 

So hat sich die Muschel in stilisierter Form folgerichtig auch als unerlässliche Wegbeschreibung des Camino de Santiago durchgesetzt - wie der gelbe Pfeil. 

 

Jakobsmuschel mit dem Kreuz des Santiagoordens.

 

Mehrere Legenden ranken sich um die Jakobsmuschel. In allen Fällen war der heilige Jakobus involviert, ob nun die Geschehnisse auf der Anhöhe zwischen Pamplona und Puente la Reina gemeint sind, oder die an der Küste Galiciens, oder die an der Anlegestelle in Iria Flavia, dem heutigen Padron.

 

Vgl. auch Menü-Hauptpunkt: JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. Unterpunkt: Auf den Spuren des hl. Jakobus > Die Translation. Eine Legende.

 

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen bzw. als Nachweis für die erfolgreiche Absolvierung des Pilgerwegs bekannt. Der mittelalterliche Pilger konnte die Jakobsmuschel demzufolge auch erst in Santiago erstehen. Der Jakobsstern: Wegweiser und Symbol des Jakobsweges. Gelb auf blauem Grund mit Strahlen, die die Wege durch Europa symbolisieren, aus elf Richtungen kommend: im westlichsten Punkt zusammenlaufend - in Santiago de Compostela.

 

Der Muschel (spanisch: Veira) wurden immer wieder wundersame Heilkräfte zugeschrieben. Schon in der Antike galt die Muschel als Heil- und Glücksbringer, als ein Symbol der Liebe. 

Gelber Pfeil

Doppelt hält besser. Stilisierte Muschel und Gelber Pfeil als Wegmarkierung kurz vor Santiago de Compostela; mit den typischen Steinchen darauf.

 

Der Gelbe Pfeil als Wegmarkierung soll auf Don Elias Valina Sampedro (1929-1989) zurückgehen. Don Elias wirkte als Pfarrer in O Cebreiro. Er markierte weite Strecken des Camino Frances neu und soll so letztlich die moderne  Jakobswallfahrt in Schwung gebracht haben.

Pilgerführer im Vergleich

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Für mich ist das Handbuch von Dietrich Höllhuber das beste, übersichtlichste und informativste. DUMONTaktiv nennt es Wandern auf dem Spanischen Jakobsweg. Dr. Dietrich Höllhuber ist gleichermaßen zusammen mit Dr. Werner Schäfke verantwortlich für die Herausgabe des DUMONT Kunstreiseführers Der Spanische Jakobsweg - Landschaft, Geschichte und Kunst auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Mir liegt die 6. aktualisierte Auflage 2008 vor. Wer sich auf seinen Jakobsweg intensiv vorbereiten möchte, wird viel Freude an diesem Buch haben. Man merkt den studierten Autoren an, dass sie ihre Fachgebiete Geographie, Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte, katholische Theologie verstehen, beherrschen.

 

Was zeichnet Höllhubers Wanderführer für mich aus? 

Je Etappe gibt es einen kurzen Überblick über den Charakter der Strecke, also ob schwer, mittelschwer oder leicht; über die Gehzeit; über Länge und Anstieg; über die gegebenen Markierungen; über Einkehr und Verpflegung; über Verkehrsanbindungen. Weitere Informationen runden den ersten Eindruck ab. Seinen Wegbeschreibungen habe ich bislang jedes Mal vertrauen können. Das jeweilige Höhenprofil ergänzt die extra für dieses Buch entwickelten präzisen Wanderkarten; für größere Orte gibt`s eine Straßenkarte. Eine jede Etappenbeschreibung endet mit speziellen Informationen zu den Sehenswürdigkeiten, zur Geschichte, zu den Kathedralen und natürlich zu den Pilgerherbergen mit ihren Fazilitäten , zu den Hotels resp. Hostales und den Jugendherbergen.

 

Viele Pilger, so die Äußerungen in den Pilgerforen, bevorzugen offensichtlich das Outdoor-Handbuch von Raimund Joos beziehungsweise den Rother Wanderführer von Cordula Rabe.  Ich persönlich habe beide ausprobiert, bin aber immer wieder auf den Pilgerführer von Dumont zurückgekommen. Meiner Meinung nach hat sich der Outdoorführer auch nach Tode des Co-Autors Michael Kasper verändert. Das Handbuch von Cordula Rabe ist mir zu unübersichtlich. Während der Pilgertour möchte ich nicht erst lange suchen und blättern müssen. Das Outdoor Handbuch von Raimund Joos ist abgestellt auf kleinere, kürzere Streckenabschnitte, geht auf die Anforderungen für die Radpilger ein. Der geschichtliche und religiöse Hintergrund wird zurückhaltend dargestellt - man merkt dem Autor an, dass er hier fremdelt - ausgerichtet am Mainstream. Das Wandern steht eindeutig im Vordergrund.

 

Eine gute Alternative

scheint mir John Brierleys Handbuch zu sein: Jakobsweg - Camino de Santiago. Der weltberühmte Pilgerweg - Information und Inspiration für die äußere und innere Reise; auf Deutsch zuletzt 2014 vom Schweizer Terzium Verlag editiert - erstmalig 2003 in Schottland erschienen. Brierley benennt nicht nur die üblichen Distanzen, er geht auch auf die höhenbereinigten Entfernungen ein. Eine interessante Variante. Mit 286 Seiten sehr umfangreich und relativ schwer. Ich nutzte weiland seinen Pilgerführer auf dem Caminho Pourtugues von Porto nach Santiago de Compostela: kurz gehalten wie unsere Tour, gutes Kartenwerk, damals noch viersprachig.