MEDITATIONEN AUF DEM CAMINO

Sich Zeit nehmen. Am Wegesrand. In der Kirche. In der Pilgermesse. Den Glauben meditieren. Novene. Hymnus.

Einführung

Sich nicht wegducken. Zeit gibt es immer für ein Gebet, für eine stille Meditation am Wegesrand, in den vielen geöffneten Kapellen und Kirchen, wie in Eunate (Foto), sogar vor und/oder nach der Pilgermesse in Santiago de Compostela. Carpe diem, diesmal im wohlverstandenen Sinn. Spätestens auf der Meseta, auf dem echten Camino, wirst du eingeladen nachzudenken. Mit ihrer Einsamkeit, ihrer Eintönigkeit, der Hitze, der Stille; Gleichmut stellt sich ein. Fort die Sorgen des Alltags. Vielleicht erinnerst du dich an eine bestimmte Form des Gebetes, der Novene. Neun Tage lang ... unten mehr in der Anlage. Vielleicht

MEDITATIONEN

VATERUNSER-BITTE

- UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG

 

VATER UNSER, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name; zu uns komme Dein Reich; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! Unser himmlisches  / tägliches Brot 2)  gib uns heute; und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern; und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.  Amen.  

 

PATER NOSTER, qui es in caelis; sanctificetur nomen tuum. Adveniat regnum tuum. Fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra. Panem nostrum supersubstantialem 1 (cotidianum2) da nobis hodie. Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.

Et ne nos inducas in tentationem, sed libera nos a malo. Amen.

Anmerkung: Römisch-katholische Fassung (Schott-Meßbuch von 1930); vgl. auch Matthäus-Evangelium 6,5-1

 

Die Bitte

„und führe uns nicht in Versuchung“

ist nicht nur Papst Franziskus ein Dorn im Augen. Er deklamierte vor wenigen Jahren, Gott führe niemanden in Versuchung, niemanden in die Sünde.

Da liegt seine Heiligkeit nicht ganz richtig. Mehr dazu gleich. In Deutschland gab es gleichermaßen eine riesige Diskussion. Viele katholische Kleriker wollten sich dem Mainstream anpassen; Gott sei es gedankt widerstanden die Protestanten und beließen es bei dem überlieferten originären Text (vom Griechischen ins Lateinische übersetzt) - so wie Jesus ihn nach Matthäus gebetet hat.

 

Die französischsprachigen Bischöfe meinten dann 2017 in nachfolgendem Gehorsam, weltweit das Vaterunser ihrer Sprache abändern zu müssen, „leicht“ abzuändern, wie es die Online-Plattform der katholischen Kirche in Deutschland anmerkte. Nein: fundamental, wie ich hinzufüge. Und weiter heißt es im dortigen Text: Wie die Schweizer Bischofskonferenz am Donnerstag nach Abschluss ihrer Vollversammlung in Einsiedeln (29. bis 31. Mai 2017) mitteilte, heißt es statt "Et ne nous soumets pas à la tentation" (und führe uns nicht in Versuchung) ab dem ersten Adventssonntag (3. Dezember 2017) neu: "Et ne nous laisse pas entrer en tentation". Das französische Verb "soumettre" (unterwerfen) wird also durch "ne pas laisser entrer" (wörtlich: nicht eintreten lassen) ersetzt.

 

Warum meine ich,

dass der Pontifex „nicht ganz richtig liegt“?

Ganz einfach. Jesus selbst wurde von Gott - zu Beginn seines Wirkens - in der Wüste vom Satan verführt resp. sollte verführt werden; vgl. Matthäus 4,1-11:

 

  • „Danach wurde Jesus vom Geist ´Gottes` in die Wüste geführt,
  • weil er dort vom Teufel versucht werden sollte …“

 

Dieser expliziten Versuchung seitens seines Vaters wollte Jesus offenbar seinen Anhängern, Jüngern, Aposteln, Evangelisten, Heiligen, Gläubigen und allen Christen nachfolgender Jahrhunderte ersparen; sie sollten verschont bleiben. Das macht Sinn.

 

Johannes von Avila / vom Kreuz (16. Jh.; Beichtvater von Teresa von Avila) stützt insofern meine These, als dass er zu seinen Glaubenszweifeln *) und denen der hl. Therese von Lisieux einige Gedanken zu Papier gebracht hat, die Christian Feldmann wie folgt zusammenfaßte: 

 

  • Unter dem Bildwort „dunkle Nacht des Gei­stes“ beschreibt er (Johannes von Avila) den für ein geistli­ches Leben notwendigen Prozeß der „Reinigung“ der Erkenntniskraft und des Gedächtnisses von allen Vorstel­lungen und Denkgewohnheiten, die Gott und seine Geheimnisse festma­chen und domestizieren wollen.
  • Nach seiner Erfahrung und Lehre ist es Gott selber, der den Menschen in den „Zweifel“ führt – um ihn einzuladen, der Grenzenlosigkeit und Herrlichkeit seiner Liebe zu begegnen, die „alle Er­kenntnis übersteigt“ (Eph 3,19).
  • Die Frucht solchen Zweifels ist ein Glaube, der Gott als Gott anerkennt, der Gott zugesteht, fern und unbegreif­lich zu sein, wo er unbegreiflich sein will, und nah und erleuchtend, wenn er Einsicht in seine Geheimnisse schenken möchte.

 

Ein in Deutschland nicht unbedeutender Pfarrer und Medienmann bestätigte und ergänzte mir gegenüber im Mai 2022 das Vorgesagte zur Versuchung Jesu und den generellen Aussagen der Mystiker zu dieser Thematik wie folgt: „Vor etlichen Jahrzehnten gab es an unseren Hochschulen noch Lehrstühle mit der Thematik „Aszese und Mystik“. Mit der Umwandlung in Fundamentaltheologie hat auch eine inhaltliche andere Ausrichtung stattgefunden, bei der der von Ihnen beschriebene Weg der Mystik so gut wie ganz verschwunden ist. Das ist ein großes Defizit heutiger Theologie. In der Seelsorge kann das gravierende Folgen haben, wenn etwa nicht erkannt wird, dass Dunkelheiten und sogar depressive Verstimmungen Phänomene der Reinigung auf dem Weg zu Gott sind und nicht von Sünden herrühren.“

 

*) Mein Diktum: Im Prinzip kann also gesagt werden, dass jeder große Heilige, dass jede große Heilige irgendwann von Glaubenszweifeln befallen worden ist. Erst, wenn er oder sie bereit und willens ist, geistige tiefe Täler (gilt auch im Sport) zu durchschreiten, wird an seinem Glauben an den trinitarischen Gott wachsen.

GLAUBE AN DEN DREIFALTIGEN, TRINITARISCHEN GOTT

VERSUS VERNUNFT. Hilarius, 4. Jh.

 

Evangelium nach Johannes vom 26. April 2022: Joh 3,7-15

"In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus erwiderte ihm: Wie kann das geschehen? Jesus antwortete: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht? Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir, und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an. Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche? Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat."

 

Reflexion Hilarius (315-367)

Allmächtiger Gott, „dein Heiliger Geist“ – so der Apostel Paulus – „ergründet und kennt die Tiefen deines Wesens“ (vgl. 1 Kor 2,10–11) und tritt für mich ein und spricht statt meiner zu dir mit „Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“ (Röm 8,26). […] Nichts, was außerhalb deiner ist, ergründet dein Mysterium; nichts, was dir fremd ist, ist mächtig genug, die Tiefe deiner unendlichen Majestät zu ermessen. Alles, was in dich eindringt, ist von dir; nichts, was außerhalb deiner ist, hat die Macht, dich zu ergründen. […]

 

Ich glaube fest, dass dein Heiliger Geist durch deinen einzigen Sohn von dir kommt; auch wenn ich dieses Mysterium nicht begreife, bin ich doch von seiner Wahrheit zutiefst überzeugt. Denn in den geistlichen Wirklichkeiten, die dein Bereich sind, ist mein Geist beschränkt. Dein einziger Sohn bezeugt ja: „Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Denn der Heilige Geist weht, wo er will; du hörst seine Stimme, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Wasser und dem Geist geboren ist“ (vgl. Joh 3,7–8).

 

Ich glaube, dass ich von neuem geboren bin, ohne es zu verstehen, und im Glauben halte ich fest, was sich meinem Verstand entzieht. Ich weiß, dass ich die Macht habe, von neuem geboren zu werden, aber ich weiß nicht, wie das vor sich geht. Dem Geist sind keine Schranken gesetzt; er spricht, wann er will; er sagt, was er will und wo er will. Der Grund seines Gehens und Kommens bleibt mir unbekannt, aber ich bin zutiefst überzeugt von seiner Gegenwart.

Quelle: Evangelium Tag für Tag, 26. April 2022. Hl. Hilarius. Bischof von Poitiers und Kirchenlehrer. Die Dreifaltigkeit, 12,55 ff.; PL 10, 472 (La Trinité, vol. 3, Le Christ et l'histoire, coll. Les Pères dans la foi n°21, DDB 1981, p. 152–153, rev.; ins Dt. übers. © Evangelizo.

 

KATHOLISCHE KIRCHE:

NICHT VON MENSCHENHAND GEMACHT - Einstiftung durch Jesus Christus, durch den Hl. Geist zu Pfingsten

Rainer Kardinal Woelki geht in seiner Pfingstpredigt vom 5. Juni 2022 im Dom zu Köln darauf ein. YouTube. Dauer: 14,19 Minuten.

NOVENE ZU PFINGSTEN. Veni creator Spiritus. (bitte scrollen)

REFLEXIONEN BLAISE PASCAL, 1623-1662 *)

MEMORIAL - nach Pascals Tod entdeckt; das Blatt im Futter seiner Weste von seinem Diener eingenäht.

 

FEUER

Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewissheit, Empfindung, Freude, Friede.

Gott Jesu Christi.

(...)

Er wird nur auf den Wegen gefunden, die im Evangelium gelehrt sind (...). Dies ist das ewige Leben, dass sie Dich erkennen, den einzig wahren Gott, und den Du gesandt hast.

Jesus Christus.

Jesus Christus.

Ich habe mich von ihm getrennt, ich bin vor ihm geflohen, ich habe ihn verleugnet, gekreuzigt. Möge ich nie von ihm getrennt sein. (...)

Ewig in der Freude für einen Tag der Plage auf Erden.

Quelle: Matthias Hilbert. Gottfinder. 2021. Steinmann Verlag.

*) einer der ganz großen Philosophen, Mathematiker, Physiker, Literaten. Kurz um: ein Genie. Berühmt seine unvollendeten "Pensees" (Gedanken) und seine sog. Gottes-Wette.

Die Stille ist der Ort des Wortes Gottes

  • Die Stille ist der Ort des Wortes Gottes, und der Pilger muss auf dem Weg seiner Pilgerschaft meditieren, wie es auch die Pilger von Emmaus taten. 
  • Im Wort Gottes begegnen wir einer Art und Weise, uns verschiedene menschliche Erfahrungen aufzeigen zu lassen auf der Suche nach dem Guten und der Wahrheit,
  • und um die Zusammenhänge zu erkennen,

so Erzbischof Julian Barrio, Santiago de Compostela, in seinem Pastoralbrief zum Heiligen Compostelanischen Jahr 2010.

Stille. Die Lippen verschlossen

Bruno von Köln (1027 bis 6. Oktober 1101) gibt den Kartäusern *) das Geschenk der großen Stille.

  • Sie schweigen. Die Lippen sind verschlossen.
  • Der Mensch kann mit verschlossenen Lippen nur den Buchstaben "M" sagen.
  • Die Erfahrung göttlicher Wirklichkeit läßt sich nicht in Worte fassen.
  • Und wenn die Lippen sich öffnen, beginnen sie, mit Worten das Unsagbare zu stammeln:
  • Jesus Christus hat das Reich Gottes verkündet.

 

Mitten in der Nacht rufen sie (die Kartäuser) zu Gott:

  • Herr, öffne meine Lippen. Damit mein Mund Dein Lob verkünde. - Psalm 51,17.
  • Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn. - Psalm 95.
  • Und dann öffnen sie ihre Lippen zum großen Lobgesang.

Quelle: Betrachtungen von Hermann Rieke-Benninghaus, 2020. *) Kartäuser: Ordo Cartusiensis - von Bruno gegründet mit äußerst strenger Lebensweise/Askese. Der Film Die große Stille aus 2005, ausgezeichnet mit dem bayerischen Filmpreis 2005 und dem europäischen Filmpreis 2006, dokumentiert das Leben der Mönche recht anschaulich; gedreht in der Großen Kartause bei Grenoble.

Lass mich achtsamer gehen

GEBET AUS SÜDAFRIKA

LASS MICH ACHTSAMER GEHEN, HERR!

  • "Lass mich achtsamer gehen, Herr.
  • Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele.
  • Lass meine hastigen Schritte stetiger werden mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.
  • Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages die Ruhe der ewigen Berge.
  • Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln durch die sanfte Musik der singenden Wasser, die in meiner Erinnerung lebendig sind.
  • Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
  • Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
  • Lass mich achtsamer gehen, um eine Blume zu sehen, ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
  • Lass mich achtsamer gehen, Herr, und
  • gib mir den Wunsch,
  • meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken, damit ich empor wachse zu meiner wahren Bestimmung."

Quelle: Webseite Bistum Mainz

Nimm dir Zeit für Gott

Manchmal ist es einfach gut, da zu sein und in die Stille zu hören.

Gönn Dir einen Moment der Ruhe, entzünde eine Kerze und suche Dir anschließend einen Platz in der Kirche, an dem Du Dich wohl fühlst und gut sein kannst. Wenn Du magst, kannst Du beten.

 

Ein alter Mann konnte stundenlang still in der Kirche sitzen. Eines Tages fragte ihn der Priester, worüber Gott mit ihm spräche. 

 

"Gott spricht nicht. Er hört nur zu", war die Antwort.

"Was redest Du dann mit Ihm?"

"Ich spreche auch nicht. Ich höre nur zu!"

 

Quelle: Anthony de Mello (geb. 4.9.1931 in Mumbai, Indien; gestorben 2.6.1987 in New York). Leider hat sich der Jesuit im Laufe seines Lebens u.a. von der Lehre der Trinität entfernt, so der Heilige Stuhl (Vatikan) in 1998, sodass Teile seiner Lehren mit dem katholischen Glauben unververeinbar sind.

Auf dem Weg sich selbst erkennen

AUF DEM JAKOBSWEG SICH

SELBST ERKENNEN

A. JESU ANSPRUCH "Tut Buße! Kehrt um!"

ist weitgehend in Vergessenheit geraten; bei Klerikern, Bischöfen wie Priestern, bei den Gläubigen. Warum? Man stört sich an der Begrifflichkeit "Buße". Man setzt Buße mit Strafe gleich. Völlig falsch. Richtig verstanden, so die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes Μετάνοια für Buße, bedeutet Buße Um-Denken, den Blick wenden, Sinnesänderung: Sich selbst sehen, wie man ist. Sich selbst ins Gesicht sehen müssen.

 

Und dieser Weg zur Selbsterkenntnis fängt an mit der zumindest temporären Abkehr von der Welt, die uns auf sich fokussiert und uns hindert, uns selbst wahrzunehmen. Notger Slenczka, Professor für Systematische Theologie an der evangelisch-theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, führt weiter aus, dass wir diesen Weg schmerzhafter Selbsterkenntnis gerne bei anderen sehen, manifestiert in den politischen und kirchlichen und persönlichen Tribunalen der Gegenwart. Nein, nicht andere zur Selbsterkenntnis treiben, so dass alle sehen, wie sie sind.

 

Er schließt mit den schönen Worten: "Ego te absolvo." - Christi Leib, für dich (für mich) gegeben, zur Vergebung der Sünden. Oder: "Der Gekreuzigte ist auferstanden." Quelle: Die Welt, 27. März 2021, S. 2. Fasten, eine Gebrauchsanweisung.

 

 

B. WARUM DER SOHN GOTTES JESUS CHRISTUS

SEIN LEBEN FÜR UNS HINGEGEBEN HAT

Der heilige Cäsarius vor Arles (470-543)

Mönch und Bischof, geht in seiner Predigt darauf ein, was der Gottesohn Jesus Christus just für dich ganz persönlich auf sich genommen hat. Aber bitte lies selbst. Nimm`dir Zeit, der Text ist nicht sehr einfach zu verstehen. Du wirst ihn mehrere Male lesen.

Der erste Abschnitt behandelt das Paradies mit der Erbsünde von Adam und Eva. Der zweite Absatz geht auf Jesu Geburt durch die Jungfrau und Gottesmutter Maria ein; der dritte auf seine Leiden während der Passion. Im vierten und fünften Absatz faßt der Herrgott zusammen, stellt dir Fragen. 

 

1. „Der Herr wird zu denen, die seine Barmherzigkeit missachtet haben, sagen: „Mensch, ich habe dich mit meinen Händen aus Schlamm geformt, ich habe deinem Erdenleib den Geist eingehaucht, ich habe dir unser Bild und Gleichnis verliehen und dir einen Platz inmitten der Wonnen des Paradieses gegeben.

Du aber hast die Gebote des Lebens missachtet und bist lieber dem Verführer als dem Herrn gefolgt.“ […]

 

2. „Später dann, als du aus dem Paradies vertrieben und durch die Sünde in den Fesseln des Todes gefangen warst, bin ich, von Erbarmen bewegt, in einen jungfräulichen Schoß eingetreten, ohne seine Jungfräulichkeit zu verletzen, um in die Welt zu kommen.

 

Ich wurde in eine Krippe gelegt und in Windeln gewickelt; ich ertrug die Unannehmlichkeiten der Kindheit und die menschlichen Leiden, durch die ich dir ähnlich wurde, in der alleinigen Absicht, dich mir ähnlich zu machen.

 

3. Ich ertrug die Schläge und den Speichel derer, die mich verhöhnten, und trank den Essig mit Galle. Mit Geißeln geschlagen, mit Dornen gekrönt, ans Kreuz geschlagen, von der Lanze durchbohrt, habe ich unter Qualen meine Seele hingegeben, um dich dem Tod zu entreißen.

 

4. Sieh an die Male der Nägel, an denen ich hing; siehe meine durchbohrte Seite. Ich habe deine Leiden auf mich genommen, um dir meine Herrlichkeit zu geben.

Ich habe deinen Tod auf mich genommen, damit du in Ewigkeit lebst. Ich habe im Grab gelegen, damit du im Himmel herrschest.“

 

5. „Warum hast du verscherzt, was ich für dich gelitten habe? Warum hast du die Gnade deiner Erlösung ausgeschlagen? […]

Gib mir dein Leben zurück, für das ich das Meine hingegeben habe; gib mir dein Leben zurück, das du unaufhörlich durch deine Sünden verletzt und zerstörst.“

 

Quelle: Hl. Cäsarius von Arles (470-543).  Predigten an das Volk, Nr. 57, 4 (Sermons au peuple, SC 330, Tome III, Éds du Cerf 1986, p. 25 rev.; ins Dt. übers. © Evangelizo)

 

 

Gebet der Hingabe. Charles de Foucauld

Gebet der Hingabe - in Erinnerung gerufen von der US-Amerikanischen Webseite Catholic Daily Reflections am Sonntag, 11. Juli. Der seliggesprochene Charles de Foucauld (1858-1916): Vom Nichtgläubigen zum Priester, Mönch, Eremit und Mätyrer, in Algerien von Senussi ermordet. Text englisch wie deutsch.

 

Prayer of Abandonment

Father,
I abandon myself into your hands; do with me what you will.
Whatever you may do, I thank you: I am ready for all, I accept all.

Let only your will be done in me, and in all your creatures –
I wish no more than this, O Lord.

Into your hands I commend my soul: I offer it to you with all the love of my heart,
for I love you, Lord, and so need to give myself,
to surrender myself into your hands without reserve,
and with boundless confidence, for you are my Father.

 

GEBET DER HINGABE

Mein Vater,

ich überlasse mich dir, mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.
Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.
In deine Hände lege ich meine Seele; ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe,
und weil diese Liebe mich treibt, mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen, ohne Maß, mit einem grenzenlosen Vertrauen;
denn du bist mein Vater.

Dekalog der Gelassenheit. Lebensweisheiten

- nach Papst Johannes XXIII., geb. 25. November 1881 als Angelo Guiseppe Roncalli; Papst vom 25. Oktober 1958 bis 3. Juni 1963

ZEHN LEBENSWEISHEITEN

Ich denke, Papst Johannes XXIII.-Wahlspruch: "Angelo, nimm dich nicht so ernst!", kann gut als Überschrift seiner Lebensweisheiten herangezogen werden. Seine zehn Grundsätze kann jeder Mensch auf sich wirken lassen, auch und gerade diejenigen Pilger, die, gestreßt vom Camino de Santiago, geistig wie körperlich, sich immer wieder neu motivieren müssen. Die nachgenannten mentalen Aufbauspritzen der "Litanei der Entschlossenheit" wirken.

 

1. Leben

Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

 

2. Sorgfalt

Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern... nur mich selbst.

 

3. Glück

Nur für heute werde ich in der Gewißheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin ... nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.

 

4. Realismus

Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

 

5. Lesen

Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

 

6. Handeln

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.

 

7. Überwinden

Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.

 

8. Planen

Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

 

9. Mut

Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.

 

10. Vertrauen

Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

 

Fazit

Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld.

Quelle: Johannes XXIII.: Für das Glück geschaffen: Die zehn Regeln der Gelassenheit. St. Benno, Leipzig 2006. Inspiriert durch das Büchlein Papst Johannes XXIII. - Für jeden Tag seine zehn Grundsätze, Herausgeber Alfons Bitterwolf, Atlas Verlag Elschesheim-Illing

Hymnus auf den Heiligen Geist - Veni creator Spiritus - Hrabanus Maurus, 9. Jahrhundert

Als Novene *) vor Pfingsten

1. Komm, Heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein: Nun hauch uns Gottes Odem ein.

2. Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut, gu gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

3. Dich sendet Gottes Allmacht aus in Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund und machst der Welt die Wahrheit kund.

4. Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut in deiner Kraft das Gute tut.

5. Die Macht des Bösen banne weit, schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn, dass Unheil uns nicht schaden kann.

6. Lass gläubig uns den Vater sehn, sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt und uns das Leben Gottes bringt.

7. Den Vater auf dem ewgen Thron und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heilger Geist, auf ewig Erd und Himmel preist.
Amen.

 

1. Veni, creátor Spíritus, mentes tuórum vísita: imple supérna grátia, quae tu creásti péctora.

2. Qui díceris Paráclitus, donum Dei altíssimi, fons vivus, ígnis, cáritas et spiritális únctio.

3. Tu septifórmis múnere, dextrae Dei tu dígitus, tu rite promíssum Pátris sermóne dítans gúttura.

4. Accénde lumen sénsibus, infúnde amórem córdibus, infírma nostri córporis virtúte firmans pérpeti.

5. Hostem repéllas lóngius pacémque dones prótinus; ductóre sic te práevio vitémus omne nóxium.

6. Per te sciámus da Patrem noscámus atque Fílium, te utriúsque Spíritum credámus omni témpore.

7. Déo Pátri sit glória, et Fílio, qui a mórtuis surréxit, ac Paráclito, in saeculórum sáecula. Amen.

Quelle: kathpedia.com

*) WAS IST EINE NOVENE? Auf jeden Fall typisch katholisch.

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WEITERE GLAUBENSSÄTZE meditieren

Ostern. Die Auferstehung Christi

Der Text von Abt Benedikt der Abtei Maria Laach ist geeignet, den Peregerino autentico zu animieren, tiefer in das Geheimnis der Auferstehung Jesu Christi einzusteigen. Seien wir uns gewiß, das "Skandalon" der Auferstehung zu begreifen, ist ein tiefer Glaubensakt, bezeugt von Frauen, Aposteln und Hunderten von Jüngern und Jüngerinnen. Alle vier Evangelien berichten.

Abt. Benedikt schrieb den Text 2021. Ihr solltet daher auch und gerade die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine mit in eure Meditiation implizieren.

 

Das ist die Botschaft von Ostern. Vielleicht ist uns gerade an diesem Ostern mit Pandemie und der Situation der Kirche nahegelegt, den Osterjubel nicht zu laut hinauszuposaunen? Ostern bringt das Kreuz ja nicht zum Verschwinden – Ostern hilft denen, die glauben, das Symbol und die Realität des Kreuzes zu verstehen.

 

Das Kreuz steht für die Erlösung, ohne jeden Zweifel. Wir sind erlöst und die ganze Welt ist erlöst. Sie ist Gottes Welt, die er liebt. Aber Ostern darf uns nicht dazu verleiten, die tatsächliche Situation zu überspielen und nicht ernst zu nehmen. Ungerechtigkeit, Gewalt, Hass, Lüge, Leid und Tod existieren weiterhin. Die Auferstehung Jesu hat das alles nicht ausgelöscht. Wir müssen ja nur unser eigenes ganz persönliches Leben anschauen.

 

Aber was bedeutet dann Ostern? JESUS CHRISTUS LEBT! Er lebt in seiner Kirche – trotz allem, was es da gibt – und er lebt in der Welt. Er gibt den Seinen die Kraft zu lieben und in seinem Sinne in dieser konkreten Welt zu wirken. Darauf sollten wir, die wir an ihn glauben, uns jetzt besinnen und das realisieren! Jesus lebt, und in der Taufe hat er sein Leben in uns eingesenkt.

 

Wir glauben, dass er bei uns ist bis zum Ende der Welt. Diese Gegenwart des auferstandenen Jesus ist unsere Kraft und unsere Hoffnung. Wir leben aus ihr und hoffen, dass der wiederkommende Herr am Ende der Zeit unsere Welt endgültig neu machen wird. „Dann wirst du alle Tränen trocknen, und wir werden dich, unseren Gott, schauen wie du bist und dein Lob singen ohne Ende.“

 

Zum Nachlesen hier die Texte der Evangelisten

Ostersonntag wird das Johannes-Evangelium gelesen: Joh 20,1-18

Matthäus 28, 1-10

Markus 16,1-8

Lukas 24,1-12

 

In der Osternacht: Lukas 24,1-12

Lesejahr A: Matthäus 28,1-10. Lesejahr B: Markus 16,1-7.

Gründonnerstag - Die Fußwaschung: Johannes 13,1-15.

Karfreitag - Die Leiden unseres Herrn Jesus Christus: Johannes 18,1-19,42

DIE BERUFUNG DES APOSTELS PETRUS

ALS STATTHALTER JESU CHRISTI nach Matthäus 16,18-19.

 

DIE UNFEHLBARKEIT DES PAPSTES

- immer wieder falsch verstanden, mißinterpretiert: bewußt oder in Unkenntnis.

Fakt ist, der Papst kann durchaus private Meinungen äußern, die eben seine privaten Meinungen bleiben, die nicht ex cathedra *) gesprochen sind.

*) Der Ausdruck ex cathedra bedeutet von der Kathedra aus, vom Bischofsstuhl aus, also eine bischöfliche, insbesondere päpstliche Amtshandlung, bei der eine verbindliche (dogmatische) Entscheidung getroffen wird. Heute wird der Begriff fast nur noch für Fragen der 1870 definierten päpstlichen Unfehlbarkeit verwendet. (Ein Ökumenisches Konzil, je entsprechend seiner Aussageabsicht, spricht sozusagen immer "ex cathedra".) Quelle: kathpedia.com

 

Prof. Dr. Karl Wallner, Professor für Dogmatik

an der Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz bei Wien, Nationaldirektor Missio Österreich, übersetzt *) das lateinische Wort „infallilbilitas“ nicht mit „Unfehlbarkeit“ sondern mit „Untäuschbarkeit. Das mache einen großen Unterschied: das über Jahrhunderte hinweg tradierte, erhaltene, bestehende Glaubensgut könne sich nicht täuschen lassen.

*) im Rahmen seiner Predigt zum 22. Februar 2022 „Kathedra Petri / Thronfest des Hl. Apostels Petrus.“

 

Die US-Autoren von Catholic Daily Reflections

bringen eine – für mich – neue Sicht ins Spiel, als dass sie Petri-Infallibiltät mit der Perikope von Matthäus 16; 18-19 zusammenbringen. Lesen Sie selbst, allerdings in Englisch.

 

The Infallible Gift from Jesus

Tuesday, February 22, 2022

Feast of the Chair of St. Peter

Readings for Today

 

 

“And so I say to you, you are Peter (Petrus), and upon this rock I will build my Church, and the gates of the netherworld shall not prevail against it.  I will give you the keys to the Kingdom of heaven.  Whatever you bind on earth shall be bound in heaven; and whatever you loose on earth shall be loosed in heaven.”  Matthew 16:18-19

 

This passage should give us great comfort.  Why?  Because in this passage Jesus lays the foundation of His Church.  He gives to Peter the keys to the Kingdom of Heaven.  And, in so doing, He establishes what has come to be known as the gift of “infallibility.”

 

Think about it.  What does it mean to be given “the keys to the Kingdom of Heaven?”  This is quite a statement.  But by speaking it clearly and definitively, Jesus entrusted an incredible spiritual power to Peter.  Peter may not have understood what this exactly meant at the time, but he would have been changed as he was entrusted with such authority.

 

By “infallibility” we mean that Peter was guaranteed to teach only that which was true in the areas of faith and morality.  Faith and morality are what live on forever in the Kingdom of Heaven and so it is with authority in these areas that Peter is entrusted.

 

Furthermore, we know that the Apostles had successors.  Peter went to Rome and became the Bishop of Rome.  He was succeeded by Linus, then Cletus, then Clement, and so forth until the Bishop of Rome today.  This is important to note because this spiritual authority that Jesus gave to Peter did not end with his death.  Rather, it continued with his successors and will continue on until the end of the world.

 

Today, in celebrating the great Feast of the Chair of St. Peter, we not only honor the Pope, we also rejoice in the spiritual authority that the Holy Father has been entrusted with.  And knowing that Jesus is alive in such a way, through the certain teaching authority of the Keys of Heaven, we should be comforted and at peace knowing that the gates of hell will never prevail against the Church.  Popes are sinners, but they are also visible and infallible instruments of Christ Himself every time they exercise their sacred role.

 

Reflect, today, upon your faith in the Church.  We do not put our faith in persons, we put our faith in Christ, His Church and in the spiritual authority entrusted to the Church.  Reflect upon your own faith in this regard and if it is lacking in any way, renew it in honor of this great Feast of the Chair of St. Peter.

 

(Let us pray)

Lord Jesus, You entrusted Your power and authority to St. Peter and to all of his successors.  I thank You for the gift of our Pope.  I pray for him and offer him to You for Your guidance and protection.  I renew my faith in the gift of the Holy Father and in Your promise to lead us always through him.  May my faith in Your Church bring me consolation and hope as we all move forward to the goal of our salvation, the glorious Kingdom of Heaven.  Jesus, I trust in You.

 

ANHANG Einführung

NOVENE. Unter einer Novene versteht man nach dem Vorbild der Urkirche ein Gebet, das man neun Tage hindurch täglich verrichtet. Eine Novene ist ein sehr intensives Gebet. Dabei sollen nicht nur die wenigen Minuten des gesprochenen Gebets geheiligt sein, sondern die ganze Zeit dieser neun Tage soll unter dem Anliegen stehen, um das man bittet.

Man versucht, diese Tage mit Umkehr und innerer Ausrichtung auf Gott zu gestalten, die Sünde besonders zu meiden. Vielleicht ist es sinnvoll, in dieser Zeit einmal ein kleines Opfer zu bringen oder eine Kerze anzuzünden verbunden mit einem Gebet oder auf das ein oder andere zu verzichten. Das gibt dem Gebet Kraft und Festigkeit!

Quelle: Fatima-Aktion, Kißlegg.