St. Jean. Bahnhof. Somportpass. Camino Aragones. Jakobswegkarte.

AN- UND ABREISE. RÜCKKEHR NACH HAUSE. 

Einführung

Jeder weiß um die Möglichkeiten, die das Internet bietet. Wer es billig und anstrengend mag, der reist mit dem Überlandbus an. Wer die Zugfahrt vorzieht, hat den Vorteil, sich in Ruhe im Liegewagen auf die kommenden Tage einstellen zu können. Ansonsten bietet sich der Gabelflug an. Wer mit dem eigenen Pkw anreist, wird sich Gedanken über geeignete Parkmöglichkeiten machen müssen. Mehr hierüber vgl. Pkt. Anreise - Parken in St. Jean.

 

Erfahrungsgemäß sollte man den Rückflugtag von Santiago so bestimmen, dass man auf keinen Fall dem Terminstress verfällt und einige Etappen mit Bahn oder Bus überbrücken muss. Das wäre an sich sehr schade, ist gleichwohl gängige Praxis.

 

Für die "große" Strecke, üblicherweise von St.-Jean-Pied-de-Port oder vom Somportpass, beide in den Pyrenäen gelegen, benötigt man mindestens 30/35 Tage; wir lagen mit vierunddreißig Etappen für rund Kilometer im Schnitt - je Tag also gut 23 Kilometer. Die Strecke vom Somportpass, beginnend auf dem Camino Aragones, ist mit rund 860 km etwas länger. 

 

In den Hauptreisemonaten Juli/August ist auf dem Camino Frances der Bär los, nicht nur auf den letzten 100 Kilometern. Zuweilen wird`s  schwierig, eine Unterkunft zu finden. Hinzu kommt die Hitze, die nicht jedermanns Sache ist.

Anreise St.-Jean-Pied-de-Port                                  Navarrischer Weg - Camino Frances

Die Anreise nach St. Jean ist problemlos: Von Bilbao mit dem Bus nach Bayonne, von dort weiter mit der Eisenbahn. Entweder übernachtet man in St. Jean, besichtigt die Zitadelle und die Kathedrale, und geht ausgeruht den nächsten Tag die volle, sehr anstrengende erste Etappe nach Roncesvalles (27 km bei 1250 m Anstieg) oder man entschließt sich, die Strecke zu teilen, geht nachmittags nach Huntto oder Òrisson, 6-8 km. Beide französischen Herbergen sind empfehlenswert, der Nachfrage wegen sollte das Bett rechtzeitig reserviert sein.

 

Parken in St. Jean. Für Sie/Euch am 31. Dezember 2017 im Pilgerforum (simsin) gelesen. Danach soll es eine kostenlose Abstellmöglichkeit auf einem Langzeitparkplatz für Autos geben. Man lässt das Autokennzeichen bei der Ortspolizei eintragen (Kopie vom Fahrzeugschein), hinterlässt für den Notfall die eigene Telefonnummer. Da die Polizei ab und an nach den Autos schaut, soll es bislang noch keine Beschädigungen resp. Diebstähle gegeben haben.

Anreise Col du Somport                                  Camino Aragones - Camino Frances

Es bieten sich mehrere Möglichkeiten.

a) Von Lourdes als Pilger, dem Marien-Wallfahrtsort in den Pyrenäen, auf dem Pyrenäenweg von Narbonne kommend. Für die Strecke von 122 km benötigt man in den Pyrenäen etwa 5 Tage; bei Regen und Matsch beschwerlich bis gefährlich.

Von Lourdes gibt es natürlich auch eine Zugverbindung bis Oloron.

 

b) Aus dem französischen Hinterland kommend mit dem Zug bis Ste.-Marie-Oloron. Von dort mit dem Bus, morgens oder mittags, zum Col du Somport, sodass man auf jeden Fall noch ein gutes Stück am selben Tag in Richtung Jaca auf dem Camino Aragones absolvieren kann.

 

c) Oder beispielsweise vom spanischen Flughafen Saragossa mit dem Bus oder Mietwagen (dürfte nicht billig sein) Richtung Somportpass.

 

d) Die Busverbindungen von Pamplona via Jaca zum Somportpass sind - je nach Gusto - etwas umständlich.

Rückkehr nach Hause

Die Webseite der Cathedrale von Santiago bietet folgendes Dankgebet an. Meine freie Übersetzung ist unten abgedruckt.

Dear Lord! Today I return home. I return happy and content. My heart is full of wonderful experiences. I never imagined that the Way of St. James could give so much meaning to my life. I most certainly leave a very different person than when I arrived. I am so thankful to you and to so many people that I have encountered and who have helped me. I ask that you allow me to repay you in the best way possible: to be a witness to the values of your Gospel and to be a devout follower of St. James. I humbly pray to you by the Passion, the Death and Resurrection of your Son Jesus Christ and the intercession of Mary and the Apostle St. James. Amen.

Lieber Gott. Heute werde ich glücklich und zufrieden nach Hause zurückkehren. Ich hätte nie gedacht, dass der Jakobsweg meinem Leben so viel Sinn hat geben können, mit diesen wundervollen Erlebnissen.

Ich verlasse Santiago als neuer Mensch, als ein anderer, als der ich vor Wochen den Camino begann. Ich bin Dir dankbar, dass ich so vielen Menschen begegnen durfte, die mir auch so manches Mal auf dem Camino haben helfen können. 

Aus Dankbarkeit verspreche ich Dir, künftig die Werte des Evangeliums hoch zu halten. Der heilige Jakobus wird mir helfen.

In Gedenken an den Tod und die Auferstehung Deines Sohnes Jesus Christus bete ich zu Dir und vertraue mich der Fürsprache der seligen Muttergottes Maria und des Apostels Jakobus an. Amen.

Fotos:

St. Johann, Bremen.

Heilige Messe mit Pfarrer Dr. Matthew Nwoko.

Reflektionen back home

Das Besondere am Camino de Santiago ist doch, daß es immer noch viele Pilger gibt, die ganz bewußt alle Mühsal des Weges akzeptieren, die Entbehrungen, die einfachsten Herbergen mit einer Pritsche, nicht getrennt nach Geschlechtern, auch nicht in den Nonnenherbergen, mit einer Toilette für alle, Wasch- und/oder Duschräume für alle; häufig ohne Frühstück frühmorgens auf die nächste Etappe, vielleicht einige Kekse oder Süßigkeiten in der Hand, irgendwann dann eine Bar, wo es etwas zu essen gibt. Der Geruch vom Schweiß der Mitpilger noch an den Klamotten, die fürchterlichen Schnarchgeräusche noch im Ohr. Alles das, was man zu Hause und/oder im Urlaub schon gar nicht, nicht akzeptieren würde. Warum nur diese Akzeptanz?

 

Und das Ungewöhnliche setzte sich ja auf dem Weg fort. Man half sich untereinander, gerne mit einem Pflaster plus Ratschlag, ging in den Pilgergottesdienst, wo immer möglich, sprach mit einander, hörte zu, auch wenn einem einiges gestochen, überhöht vorkam. Wo gibt es das heute noch? In der U- und Straßenbahn jedenfalls nicht. An der Kreuzung sieht man doch im Gegenteil wild und böse gestikulierende Verkehrsteilnehmer. Das Eigeninteresse, ob man es nun zugeben will oder nicht, der Egoismus steht im Vordergrund – häufig zu Lasten Anderer. Weitere Stichworte könnten sein: Desinteresse am anderen, Rücksichtslosigkeit, Kälte, Verachtung …..  

 

Auf dem Camino rechnete man nicht auf - frei nach dem Motto: so wie du mir – so ich dir;nein, so war das nicht. Man ging eine Strecke zusammen - freiwillig. Fragte sich die ganze Zeit, warum bloß komme ich mit so wenig Klamotten aus, zusammengedrängt in einem viel zu schweren Rucksack, wenn ich doch üblicherweise mit einem großen Roll-Reisekoffer unterwegs bin. Wusch meine Unterwäsche selbst, suchte eine freie Wäscheleine, pflegte jeden Abend meine Füße, war fast jeden Abend von den Anstrengungen einfach kaputt, ging früh zu Bett, schon vorbereitet für die kommende Etappe; also jeden Abend das gleiche Procedere. Jeden Morgen das Gleiche: früh aufstehende Mitpilger, nicht immer geräuschlos; man mußte ja mindestens gegen Mittag in der Herberge sein, sonst gab`s keine Pritsche mehr. Und dann die schwierigen Etappen erst, die Pyrenäen hoch und runter, zum Cruz de Ferro auf über 1.500 m, über den Camino duro von Villafranca del Bierzo über La Faba nach Molinaseca, eine Hammerstrecke war es. Ich hab`s geschafft, Zufriedenheit hatte sich eingestellt.

 

Natürlich ist und war nicht alles Gold, was glänzte, aber das habe ich ja oben schon beschrieben. Der Jakobsweg zeigte sich unerschöpflich, neu, aufbauend. Immer war jemand auf dem Weg, er war für mich nie verlassen. Und dabei habe ich über die Gotteserfahrung noch nicht gesprochen. So ist, so war es und so wird es immer bleiben – auf dem Camino de Santiago, auf dem Weg zum Apostel Jakobus nach Compostela. Ich hoffe es.

Inspiriert durch div. Aufsätze von Wege und Umwege nach Compostela. Ein literarischer Jakobsweg in Castilla y Leon, 2010. Verlag Ludwig, Kiel.