PILGERN AUF DEM JAKOBSWEG. REISEBERICHT WESTWÄRTS NACH GALICIEN.

Pilger auf den Spuren vergangener Zeitzeugen nach Santiago

Vorbereitung

"Zunächst, wenn du aufbrechen willst, sollst du Gott um seine Hilfe bitten, danach Maria, die Gnadenreiche, damit sie beide bereit sind, dich unbeschwert dorthin zu bringen, wo du Sankt Jakob mit Andacht finden mögest." Hermann Künig von Vach, 1495 (1) 

 

"Dann singt ihr Lieder wie in der Nacht, in der man sich heiligt für das Fest. Ihr freut euch von Herzen wie die Pilger, die unter dem Klang ihrer Flöten zum Berg des Herrn, zu Israels Felsen, hinaufziehen."  Jesaja 20,29

800 KILOMETER VON SAINT-JEAN-PIED-DE-PORT nach SANTIAGO DE COMPOSTELA

Der Reisebericht Westwärts nach Galicien - dem Schatten nach ist strukturiert. Der Prolog stellt den Interessierten gedanklich auf die vierunddreißig Etappenberichte ein. 

 

Die Kapitel-Überschrift beschreibt den Tenor der jeweiligen Etappe. Der zweite Teil der Headline geht auf die Länge der Etappe und die passierten Orte ein; mögen sie im Einzelfall dreizehn oder achtunddreißig Kilometer lang gewesen sein. Letztlich pilgerten wir nach unserer Berechnung 802 Kilometer, pro Etappe im Schnitt gut 23 Kilometer. 

 

Die skizzierten persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle werden von eingestreuten Berichten aus Geschichte, Kultur und Religion unterbrochen, aufgelockert. 

 

KEIN NORMALER WANDERWEG

Der Camino ist, jedenfalls für uns, kein normaler Wanderweg. Die bestens gespurten Wege der Mittelgebirge oder der Alpen sind dafür ideal geeignet.

 

Der Reisebericht wendet sich an Menschen, die sich für den christlichen Hintergrund des Jakobuswegs interessieren, die sich für die am Wegesrand befindlichen imposanten Kathedralen wie schlichten Marienkapellen begeistern können, die staunend wunderschöne Altarretabeln bewundern.

 

Der Reisebericht wendet sich an Menschen, die bereit sind, sich mit den Worten des Erzbischofs von Santiago, Juilan Barrio, auseinanderzusetzen

 

  • So ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort,
  • um mit Gott ins Gespräch zu kommen;
  • er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen durch Christus befreit zu fühlen,
  • und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen.

MIT PILGERSTAB, HUT und Kalebasse nach Compostela

Mittelalterliches Pilgerpaar auf der Landstraße.

Der Kupferstich des Niederländers Lucas van Leyden 

(1494-1533) um das Jahr 1508 herum zählt zu den berühmtesten seiner Epoche. 

Der Protagonist der Renaissance orientierte sich bei seinen Werken vorwiegend an biblischen Vorlagen.

Im Prolog gehe ich indirekt auf diesen mittelalterlichen Kupferstich ein. Das Thema einer Uni-Veranstaltung in Bremen, kurz nach der Jahrtausendwende, hatte gelautet: Vaganten, PilgerInnen und Beginen im Mittelalter.

 

Stellvertretend für die vielen Menschen, die sich seit dem 9./10. Jahrhundert auf den Weg gemacht haben, lassen wir Hermann Künig von Vach, Arnold von Harff und Domenico Laffi zu Wort kommen. Mag doch sein, dass sie den Pilgerführer Liber Sancti Jacobi kannten, vielleicht auf ihren Wegen das Lied Wer das elent bawen wel summten.

 

Hermann Künig von Vach

Spross einer angesehenen Familie in Vacha an der Werra, nahe Fulda. Er brachte 1495 den Pilgerführer Die walfahrt und straß zu sant Jacob heraus.

 

Ritter Arnold von Harff vom Niederrhein

Ritter Harff berichtete 1499 als 27-jähriger von seiner Pilgerreise nach Compostela, die ihn zunächst nach Rom und Jerusalem geführt hatte.

 

Domenico Laffi 

Laffi, ein italienischer Priester und Reiseschriftsteller, pilgerte dreimal (1666, 1670 und 1673) ausgehend von Bologna nach Compostela. Sein Tagebuch Viaggio in Ponente a San Giacomo di Galitia e Finisterrae war lange Zeit in Vergessenheit geraten, bis James Hall es 1988 wieder entdeckte und als A Journey to the West 1997 neu übersetzt herausgab.

 

Liber Sancti Jacobi / Codex Calixtinus

Der im 12. Jahrhundert lateinisch verfasste Pilgerführer geht unter anderem detailliert und kenntnisreich auf einzelne Tagesstrecken nach Compostelle ein. Ebenso detailgenau seine Beschreibung der Basilika des heiligen Jakobus in Santiago. Zunächst wurde Papst Calixtinus II. (1119-1124) als Autor verortet. Wahrscheinlich wird es ein Mönch von Cluny gewesen sein. Als Herausgeber wird Aymeric Picaud genannt, Kanzler des Papstes Calixtinus und vormaliger Abt der berühmten Abtei Cluny. 

 

Wer das elent bawen wel

Nach wie vor bekannt ist das mittelalterliche Lied Wer das elent bawen wel aus dem 13. Jahrhundert. Es vertont in eindrucksvoller Weise die im Ausland, dem elent, erlebten Gefahren, geht auf die notwendige Ausrüstung des Pilgers ein, thematisiert die sprachlichen Barrieren wie die schönen Landschaften. 

Hinweis

vgl. auch Haupt-Menüpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. Unterpunkt: Pilgern im Mittelalter. Pilgerwege mittelalterlicher Zeitzeugen. 

 

REISEBERICHTE

Westwärts nach Galicien. 2006...

Broschüre

Westwärts nach Galicien

Pilger auf den Spuren vergangener Zeitzeugen

 

Prolog plus 34 Etappen mit der Ankunft in Santiago de Compostela - unterbrochen von den Berichten und Eindrücken mittelalterlicher Pilger.

 

Mit den Punkten Epilog. Ausblick. Register und Etappenverlauf. Quellen/Verweise. Literatur. Pilgerstatistik. Auswahl der Jakobswege. Die Compostela. Mittelalterliches Gebet zur Segnung der Pilger. Pilger, wer ruft dich?

beschließt das Autorenpaar den Reisebericht.

 

Es wendet sich bewußt an die Menschen, die den Jakobsweg nicht nur als Ergänzung eines europäischen Wanderwegs begreifen, die mehr wissen wollen. Über die mittelalterlichen Protagonisten, über den religiösen und geschichtlichen Hintergrund, über die beeindruckend schönen und wuchtigen Sakralbauten.

 

Im Vordergrund stand also der Camino de Santiago - nicht diverse Farbfotos der Autoren - mit dem Apostel Jakobus und der Jungfrau Maria als ständige Begleiter der Pilger - gestern wie heute.

Reisen und Gedanken. 1932...

„Und während ich stand und schaute, legte ich fast unbewußt den Arm um die steinerne Schulter Santiagos, meines Namenspatrons, des Schutzheiligen Spaniens.“

Wer sich für spanische Geschichte interessiert, damit für den Camino de Santiago, und dies nicht aus dem Blickwinkel des Mainstreams tun will, der wird James A. Micheners Buch aus 1968/69 Iberia. Reisen und Gedanken lesen wollen. Es wird nicht einfach sein, es sich zu besorgen. Copyright in Deutschland by Random House. Dromerische Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München, 1969.

James A. Michener (1907-1997) war ein US-Schriftsteller von Weltruhm, Pulitzer-Preisträger. Seine Reiseberichte gelten als gut recherchiert

 

Im XIII. Kapitel schreibt der Autor ausführlich über Santiago de Compostela, wie über seine Wallfahrt im Sommer 1966 von Pamplona aus, eingedenk seines Gelübdes, nach der Genesung seines schweren Herzanfalls in 1965 nach Santiago zu pilgern. Sein Buch endet mit den Worten: „Und während ich stand und schaute, legte ich fast unbewußt den Arm um die steinerne Schulter Santiagos, meines Namenspatrons, des Schutzheiligen Spaniens.“

 

Auf den vorangegangenen Seiten geht Michener sehr eindrücklich und ausführlich auf die spanische Geschichte ein, beschreibt berühmte Gestalten, nähert sich den Protagonisten des Spanischen Bürgerkriegs, der Re-Conquista, der Schwarzen Legende, etc., ist begeistert von den zauberhaften maurischen Palästen und Gärten von Cordoba, Sevilla und Granada, nicht weniger von den verschiedenen Landstrichen Spaniens, den hitzeflimmernden Hochebenen Kastiliens undsoweiterundsofort; kurzum vom im ursprünglichen Wortsinn „eigenartigsten“ Land Europas.

 

Auszug Seite 137: „Einst wurde die Kluft (zwischen Moslems und Christen) durch eine in der Moschee (von Cordoba) aufbewahrte Reliquie noch vertieft: Mohammeds Arm. Es war der heiligste Gegenstand im ganzen moslemischen Spanien, den die maurischen Feldherren anriefen, ehe sie gegen die Christen loszogen. Mohammeds starker Arm flößte den Muslimheeren Kampfesmut ein, schreckte die Gegner und siegte fast ein Jahrhundert lang in allen Schlachten – bis dann die Christen in ihrer Not einen mächtigen Beistand fanden, der ihnen Unbesiegbarkeit verlieh.“ (Anm.: Santiago Matamoros)

 

Auszug Seite 149 zur Alhambra von Granada: „Nur zwei kleine Details möchte ich erwähnen.  In einer Nische entdeckte ich zu meinen Vergnügen die Jakobsmuschel als Schmuckelement, das Wahrzeichen jener Macht, die den Islam aus Spanien vertreiben sollte. Da war sie in den Palast mit eingefügt, gerade als hätten die Mauren ihr Schicksal schon geahnt.“

 

Warum diese beiden Zitate? Sie zeigen, dass es sich lohnt, sich einmal mit der Gedankenwelt eines anerkannten Schriftstellers auseinanderzusetzen, der eben nicht mainstreamkonform dachte und schrieb, der allerdings dafür verschiedene Denkprozesse durchlief (beschrieben im letzten Satz), unterschiedlichen Ansichten auf sich wirken ließ, verglich, vor Ort recherchierte, zu eigenen Konklusionen kam, nichts nachplapperte.

 

Michener durchlief eine Metamorphose: Vom Bewunderer der Alhambra analog der ihn zunächst prägenden Werke der Schriftsteller Alexander Slidell Mackenzie (1803-1848) und Washington Irving (1783-1859), über die Besuche Spaniens, (erstmalig in 1932) und dem Studium konkurrierender  Werke (zum Beispiel der Schriftsteller vom Range eines Louis Bertrand (1866-1941; Mitglied der Akademie francaise) und Sir Charles Petrie (1895-1977) -  The History of Spanien –), bis hin zu selbst eruierten neuen Erkenntnissen, die heute nicht mehr Gegenstand der Diskussionen sind. Warum? Political incorrect.

Die Figur des Matamoros in der Kathedrale von Santiago de Compostela wurde zwischenzeitlich (2021) entfernt.

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