Geosteter Altar. Zelebrant (Priester), Ministranten (Meßdiener) und Gläubige schauen in Richtung Christus. Das Kruzifix im Blick.  Der Volksaltar hat keine Funktion.

MISSA TRIDENTINA. DIE MESSE ALLER ZEITEN.   Vergleich: Jetziger Gottesdienst und Alte Messe.

Einführung                                                        

Novus Ordo Missae (Neue Messe) und Ordo Missae (Alte Messe)

Santuario de Loyola. Foto aus 2014.

Der heilige Ignatius von Loyola bei der Feier der Heiligen Messe im 16. Jahrhundert: Gen Osten zum Herrn hin. Unten rechts zu erahnen der Ministrant, der ihm das Priestergewand hält, wie heute bei der Alten Messe, der Missa Tridentina, der überlieferten Messe aller Zeiten.

 

Novus Ordo - Neue Messe

Fast könnte man meinen, dass sich nur Äußerlichkeiten geändert hätten, wie die an manchen Stellen der Heiligen Messe gebeteten und/oder gesungenen lateinischen Texte oder die Ostung des Altares mit der gemeinsamen Blickrichtung von Priester/Zelebrant und Gläubigen gen Osten zur Sonne hin: hin zu Jesus Christus.

Das zu unterstellen, wäre geradezu töricht. Den „normalen“ Kirchgängern werden die substantiellen Veränderungen gar nicht aufgefallen sein, weil sie nicht nur nicht korrekt kommuniziert worden sind, nein, sie sind teils nach und nach quasi einer schleichenden Inflation gleich sukzessive - locker ausgedrückt - den Gläubigen untergeschoben worden.

 

NEUE MESSE FAND NICHT DIE VOLLE ZUSTIMMUNG

DER KONZILSBISCHÖFE

Die den Bischöfen in Rom im Oktober 1967 erste experimentweise vorgeführte Neue Messe fand nicht die volle Zustimmung der Synode, was dann auch von Kardinal Alfredo Ottaviani (erster Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre) und Kardinal Antonio Bacci  ansatzweise in ihrem Schreiben vom 25. September 1969 an Papst Paul VI. zum Ausdruck gebracht wurde.

 

Schon in 1967 hieß es:

  • „(Hier) will man mit der gesamten Theologie der Messe ‚tabula rasa‘ machen. Im Grunde nähert man sich hier der protestantischen Theologie, die das Messopfer zerstört hat.“

 

LITURGIEKOMMISSION SETZT SICH

RIGOROS DURCH

Es nützte alles nichts. Die (Liturgie-)Theologen, die katholischen wie die hinzugezogenen protestantischen, setzten sich radikal durch. Wer nicht spurte, machte sich verdächtig wie die Piusbrüder unter Erzbischof Lefebvre, die von Anfang an nicht alle Beschlüsse des Zweiten Vatikanums mittragen wollten/konnten und die bisherige überlieferte „Messe aller Zeiten“ unverdrossen weiter zelebrierten.  

 

Als die Arbeit getan war, die Liturgiereform unwiderruflich beschlossen, konstatierte einer der profiliertesten Vertreter der nachkonziliaren Liturgiereform in Deutschland, Emil J. Lengeling (1916-1986): 

  • "Manches mußte ... verklausuliert formuliert werden, ... (um) Türen zu Entwicklungen offen zu halten, für die auch in der letzten Konzilssession sicherlich keine 2/3 Mehrheit erreichbar gewesen wäre."

Man beachte, hier wird expressiv verbis beschrieben, wie die Liturgiekommission die Konzilsbischöfe hinters Licht geführt hat. Eine Entwicklung, die schon vor der Eröffnung des Konzils in 1962 ihren Anfang genommen hatte - unbemerkt von der Öffentlichkeit.

 

PROTAGONISTEN EINES NEUEN WELT- UND GOTTESBILDES

Jeder kommt in den Himmel

Als Protagonisten zu nennen sind die Jesuitenpatres de Lubac und Teilhard de Chardin aus Frankreich und der deutsche Karl Rahner. Sie, die "geistigen Väter" des Konzils, schufen ein neues Welt- und Gottesbild mit dem Mensch im Zentrum. Er als anonymer Christ ist, bereits weil er als Mensch auf Gott bezogen ist, erlöst. Der der Mensch werde mit Sicherheit nach/mit dem Tode zu Gott eingehen. Wenn das so ist, (Anm.: in völliger Negierung der Aussagen Jesu Christi in den Evangelien), kommt es in der Tat nicht mehr auf die Gottesdienstbesuche, die Beichte und die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche an. Anything goes.  Ein fataler sog. Fortschrittsglaube, der sich langsam aber stetig in den Köpfen der Kleriker und der Gläubigen manifestiert hat.

 

ANALYSE

Staatsrechtler Carl Schmitt (1888-1985) zur nachkonziliaren Kirche, zitiert von Martin Mosebach zum 90. Geburtstag Papst Benedikts XVI.:

  • Alles fließt, lehrt Heraklit.
  • Der Felsen Petri, der fließt mit.“

Quelle: Aufsatz Steffen Wiegand in Una Voce Korresponenz 4. Quartal 2018:Kirchlicher Strukturwandel.

Änderungen

Nachstehend die wichtigsten Änderungen, die die von Papst Paul VI. eingesetzte  Liturgiekommission zu verantworten hat - teils im Widerspruch der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils, teils als logische Folge der im Konzilsdokument Sacrosanctum Concilium (Konstitution über die heilige Liturgie) nicht leicht erkennbar festgehaltenen Ergebnisse. Unten mehr. In dieser Kommission waren auch Nichtkatholiken involviert.

Bamberg. April 2018. Missa Tridentina.

Zum Abschluß des feierlichen Pontificalamtes vor dem Kirchentor.

 

ZU DEN ÄNDERUNGEN

  • Die Heilige Messe wird nicht mehr explizit als Meßopfer gefeiert.
  • Die von Papst Paul VI. eingesetzte Liturgiekommission hat die heilige Messe zu einer Mahlfeier im Rahmen eines Gottesdienstes umfunktioniert. 
  • Der Priester fungiert nicht mehr als Zelebrant; er ist fortan Versammlungsleiter.
  • Deutlich zu erkennen am Schott-Meßbuch des Jahres 1984 für die Sonn- und Festtage der Lesejahre A, B und C: "Einführung zum Meßbuch" (S. 17 und folgende) mitr der Rubrik: "Die Feier der Gemeindemesse" ab Seite 341. Der Autor, Odo Haggenmüller OSB, schreibt u.a.: "Das neue Meßbuch widerspricht nicht dem Beschluß des Konzils von Trient (...)": 
  • Das ist eine bewußte irreführende Fehldeutung und -interpretation. 

 

DIE WICHTIGSTEN ÄNDERUNGEN

VOM MESSOPFER ZUR MAHLFEIER:

  • Der unmittelbare Zweck der Heiligen Messe, der des Sühnopfers, steht nicht mehr im Vordergrund.
  • Der letzte Zweck, nämlich das Lobopfer an die Heiligste Dreifaltigkeit - gemäß der ausdrücklichen Erklärung Jesu Christi - ist verschwunden.
  • Nunmehr heißt es: „Das Herrenmahl oder die Messe ist die heilige Zusammenkunft oder die Versammlung des Volkes Gottes, die unter dem Vorsitz eines Priesters zusammenkommt, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern."
  • Nur noch bei der Wandlung sollen sich die Gläubigen hinknien.
  • Das doppelte Confiteor (Schuldbekenntnis) wurde abgeschafft.
  • Der Meßkanon mit der Wandlung, das zentrale Ereignis der Eucharistiefeier, hat seine Bedeutung verloren, dafür wurden 4 (vier) Hochgebete zugelassen, wobei das zweite als kürzestes und nichtssagendes allgemein präferiert wird.
  • Jeder Zelebrant entscheidet nach eigenem Gusto - as he likes it. Bitte den Pfarrer nach dem 1. Hochgebet befragen.

 

DER ALTAR JETZT EIN TISCH

  • Der Altar, jetzt zum Volk gerichtet, wird nunmehr als Tisch bezeichnet. Anders sieht er auch nicht mehr aus.
  • Häufig fehlt das Kruzifix. 
  • Viele geostete Hochaltäre und Seitenaltäre wurden nach 1970/72 willkürlich zerstört.
  • Die Protestanten hingegen haben ihre Hochaltäre in der Regel behalten, nicht zerstört - wie im 16. Jahrhundert nach Luthers Reformation.

 

KOMMUNION. SCHLUSSEVANGELIUM

  • Die Hostien werden nur noch auf die Hand gelegt.
  • Mancherorts verweigern Priester den Gläubigen die nach wie vor gültige Mundkommunion.
  • Priester verweigern Gläubigen die Kommunion bei knienden Haltung, wie im August 2018 in Argentinien seitens eines Bischofs geschehen: 
  • ein eklatanter Verstoß gegen das Motu Proprium Summorum Pontificum von Papst Benedikt XVI. in 2007.  
  • Das Schlußevangelium nach Joh 1,1-14 wurde ersatzlos gestrichen.
  • Das „Ite missa est“ („Geht, Ihr seid gesendet) zum Schluss der Messe heißt jetzt nur noch: "Geht in Frieden."
  • Der ursprüngliche Gedanke, die Gläubigen mögen draußen in der Welt ihren Glauben (Mission) bekennen, ist damit entfallen.

 

AUSWÜCHSE MITTLERWEILE ÜBLICH

Vielerorts bestimmen die Gemeinde- und Pastoralreferenten den Ablauf der Gottesdienste: singen, spielen, musizieren, predigen. *)

  • Ein Pfarrer verzichtet auf die Feier der Heiligen Messe, weil Frauen ihren Wortgottesdienst selbst gestalten wollen.
  • Ein Landpfarrer zelebriert mit einer evangelischen Pastorin eine „ökumenische“ Messe im römisch-katholischen Ritus, sprechen gemeinsam die Wandlungsworte und teilen dann die Hostien und den Wein aus.
  • Ein evangelischer Bischof hält in einer katholischen Stiftskirche während des Hochamts im Advent die Predigt.
  • Auch Kardinäle und Bischöfe scheuen sich nicht, der Profanisierung der Heiligen Messe das Wort zu reden.
  • Ich sehe ein Foto eines deutschsprachigen Kardinals vor Augen, wie er mit einem Luftballon in der Hand in seinen Dom einzieht, gleich einer Polonaise. *)
  • Ich sehe einen Pastoralreferenten vor Augen, der sich bei seiner Predigt am Ambo herumlümmelt, um "mir" dann zu erzählen, wie die gegenwärtige politische Weltlage zu verstehen und welche Partei in den USA resp. in Deutschland nicht wählbar sei. 
  • Ich sehe KommunionhelferInnen vor mir, die sich nicht scheuen, die Kommunion in sehr lockerer, kurzberockter Freizeitzeitkleidung auszuteilen.
  • Ich sehe Lektoren vor Augen, die die Lesungen, das Wort Gottes, in verwaschenen Jeans und in T-Shirts mit Werbeaufdrucken vortragen.
  • Ich sehe KommunionausteilerInnen und Ministranten zusammen mit dem zelebrierenden Priester in einer Reihe auf gleicher Höhe hinter dem Altar stehen: „Seht, der Priester ist doch nur Versammlungsleiter, mehr nicht!“
  • Ein österreichischer Pfarrer fordert die Gläubigen nach dem Sanctus auf, nicht mehr zu knien, nur noch zu stehen - also auch bei der Wandlung. *)
  • Ein italienischer Gemeindepfarrer läßt im Juli 2018 während der Messe einen Imam predigen - entgegen dem ausdrücklichen Wunsch der Gemeindemitglieder. "Aufsässige" Gläubige werden von der gerufenen Polizei namentlich notiert.
  • Gottesdienst an einem italienischen Strand in Bikini.
  • Ich erlebte im September 2019 einen Gottesdienst, in welchem der junge Pianist am Klavier (nicht Orgel) während der Austeilung der heiligen Kommunion einen Beatles-Song spielt. *)
  • Zusammenfassung: Vom Meßopfer Christi - der Zelebrant wird nicht mehr als Vikar Jesu Christi gesehen - zur reinen, profanen Mahlfeier. Alles ist möglich.

Im Konzilsdokument Sacrosanctum Concilium (SC) notierte Forderungen und Beschlüsse

  • SC 14: die zu beachtende „volle und tätige Teilnahme“ des ganzen Volkes (Volk Gottes anstatt Christi Leib; zu Lasten des Priesters am Altar, der ja an sich an Christi Stelle fungieren sollte)
  • SC 27: Feiern mit Gläubigen haben Vorrang vor den von Einzelnen gleichsam privat vollzogenen Messen (gemeint sind wohl die sog. täglichen Stillmessen der Priester)
  • SC 29: Auch Ministranten, Lektoren, Kirchenchöre vollziehen „liturgischen Dienst“; allerdings in geziemenden Ordnung (weg vom Priester, hin zu Laien in Freizeitlook)
  • SC 34: Forderung nach Vereinfachung der Riten (frei von unnötigen Wiederholungen, der Fassungskraft der Gläubigen angepaßt; Folge: fast keine Kniebeugen mehr)
  • SC 36: Zulassung der jeweiligen Muttersprache – neben Latein (in der Praxis nahezu völliger Wegfall der weltweit verbindenden lateinischen Sprache)
  • SC 48: Darbringung der unbefleckten Opfergabe der Christgläubigen „nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm“; sich selbst darbringen (das Volk steht jetzt im Focus)
  • SC 53: Wiederbelebung der Fürbitten – auch Allgemeines Gebet oder auch Gebet der Gläubigen genannt (heute vor allem seitens der Pastoralreferentinnen politisch formuliert)
  • SC 55: Zulassung der Kommunion in beiderlei Gestalt nach Ermessen der Kleriker und der Laien (zusätzlich zur Hostie)
  • SC 57 und 58: Forderung nach einem Konzelebrationsritus (Einbeziehung weiterer Zelebranten am Altar; der Priester, der einzeln zelebrieren möchte, darf das dann nicht mehr zur selben Zeit)

Quelle: Aufsatz Steffen Wiegand in Una Voce Korresponenz 4. Quartal 2018:Kirchlicher Strukturwandel.

Konsequenzen - Neue Messe

  • "Ich frage mich vielmehr, warum die zehn Prozent, die noch da sind, sich eine lieblos, ohne jede ästhetische und theologische Qualität heruntergefeierte Liturgie überhaupt noch antun."

 

Dieses Statement des bekannten Liturgiewissenschaftlers Martin Stuflesser faßt die ganze Malaise der sog. neuen Messe zusammen.

 

Und weiter heißt es in der "Tagespost" vom 24.06.19 resp. bei Vaticannews am 25.06.19:

Der Würzburger Liturgiewissenschaftler Martin Stuflesser sieht den Umgang mit der Eucharistie in der katholischen Kirche als „großes Problem“. Im Gespräch mit der Münsteraner Bistumszeitung „Kirche + Leben“ fordert er, dass alles dafür getan werden müsse, damit es genügend Vorsteher für die Eucharistie gebe.

 

Nur zehn Prozent der Gläubigen gehen sonntags zur Messe. Für den Liturgiewissenschaftler Martin Stuflesser liegt das an der „heruntergefeierten" Liturgie. Auch der Kölner Liturgiereferent Alexander Saberschinsky sieht Luft nach oben. Im Interview mit dem Kölner Domradio erläutert er, warum er den Begriff der „heruntergefeierten Liturgie“ bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar findet.

ERLÄUTERUNGEN

*) ZUR FEIER DER LITURGIE

"Deshalb darf niemand dabei eigenmächtig etwas hinzufügen, weglassen oder ändern" (ca 846 § 1 CIC), "auch wenn er Priester wäre." (SC 22 § 3)

 

ZUM GESETZBUCH KIRCHENRECHT

CIC: Codex Iuris Canonici, Kodex des kanonischen Rechts - Gesetzbuch des Kirchenrechts der katholischen Kirche.

Zuletzt von Papst Johannes Paul II. in 1983 promulgiert. Die erste Fassung des Kirchenrechts stammt aus 1917 als Ergebnis der Diskussionen während des 1. Vatikanischen Konzils.

SC: Sacrosanctum Concilium - Konstitution über die heilige Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils; von Papst Paul VI. in 1963 promulgiert.

 

Die Instruktion REDEMPTIONIS SACRAMENTUM der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 25.03.2004 unterstreicht die obige Bestimmung.