LITERATUR                                              PILGERREISEN. REISEBERICHTE.

Einstimmung

Ein Blick ins Internet genügt. Welchen Buchhändler auch immer Sie gewählt haben mögen, Sie erwartet ein überbordendes Angebot an Reiseberichten, Büchern, Reiseführern, Bildbänden, Fachbüchern, et ecetera. Ich habe an dieser Stelle eine kleine Auswahl für Sie vorgenommen. Bücher, die ich selbst gelesen habe. Bitte klicken Sie auch die nächste Seite an. Dort erwarten Sie Kurzbeschreibungen religös motivierter Bücher; auch von einem areligiös geprägten Autor.

Bettina Selby. Der Jakobsweg - Mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela - 1994

Englische Originalausgabe Pilgrim`s Road, 1994. Für alle diejenigen interessant, die nur ein wenig zurück in die Geschichte des Pilgerns eintauchen wollen, ins letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.

Ein gelungenes Buch. 

I`ll push you - 2017

Der Jakobsweg, zwei beste Freunde und ein Rollstuhl

Vorweg, Patrick Gray und Justin Skeesuck vollbrachten auf ihrem Jakobsweg von St. Jean bis nach Santiago nahezu Übermenschliches, physisch, psychisch, mental. Eine solche Freundschaft wird man wohl auf dem Erdball suchen müssen. Aber: nun kommen meine Einschränkungen, weshalb ich auch viele Seiten des Buches überblättert habe. Sehr wahrscheinlich wäre es sinnvoller für die beiden Protagonisten gewesen, ihr Psychogramm nicht in einem Jakobspilgerbuch auszubreiten, sondern auf der Couch ihres Psychiaters. So thematisieren Patrick wie Justin (der Rollstuhlfahrer), neben ihren Versäumnissen gegenüber Ehefrau und Kinder, immer wieder ihre mit ihrem siebten Lebensjahr begonnene Sucht nach Pornos. Auf Seite 165 wird es deutlich, was die beiden vom Jakobsweg erwarten: „(…) Erst im College vertrauten wir einander unsere Nöte (gemeint ist ihre Pornosucht) an, (…) bis wir bei der Offenheit angelangt waren, die hier auf dem Camino normal zu sein scheint.“

Die Beiden haben aus ihrer Sicht Glück gehabt, sie lernten Menschen kennen, die suchten, die ihr bisheriges, unglücklich verlaufenes Leben auf den Kopf stellen wollten. Die Hilfsbereitschaft fremder Pilger war andererseits enorm.

 

Ich durfte auf unseren Caminos, beginnend in 2006, mehrere Pilger und Pilgerinnen kennenlernen, die sich aus Dankbarkeit für ihr bisheriges Leben, manche ganz bewusst auch gegenüber Ihrem Herrgott, auf dem Weg gemacht haben, die Sinn hatten für die vielen schönen und beeindruckenden Sakralbauten längs des Caminos, für die mittelalterlich anmutenden Dörfer und Ruinen, für die Geschichte. Wir trafen Pilger, die nicht nur - quasi als ein Muß - die Pilgermesse in Santiago besuchten. Ich sehe beispielhaft einen Engländer, der noch in Carrion de los Condes das große Wort geschwungen hatte, dann aber in der Leonesischen Kathedrale in sich versunken minutenlang betete, meditierte.

 

Fazit für mich: Daumen nach unten.

Gonzalo Torrente Ballester - 1948                            Santiago de Compostela - Ein Pilgerlesebuch

Die Originalausgabe erschien 1948 unter dem Titel Compostela y su angel. 2007 sorgte der Verlag Ludwig aus Kiel für die deutsche Übersetzung. Torrente Ballester, ein Cervantes-Preisträger, verschweigt nicht, dass er gläubiger Katholik ist: "(...) wer sich jedoch einzig und allein auf wissenschaftliche Erklärungen verlässt, wird nur sehr wenig über (Santiago de) Compostela erfahren."

 

Torrente geht detailliert auf die Chronik derjenigen Könige, Bischöfe und Architekten ein, die Compostela erbauten, er erwähnt berühmte königliche Pilger, für ihn sind auch die Ordensgründer Dominikus und Franzi von Asissi in Santiago gewesen. Er beschreibt die Stadt zu Zeiten des Verfassers des Codex Calixtinus, geht auf die schönsten Jakobswunder ein, stellt sich romanhaft eine mittelalterliche Pilgerfahrt vor, beschreibt das Besondere der Jakobsmuschel, und last but not least gibt er dem Pilger ein Vademekum, eine Reisehandbuch an die Hand, darunter sechs spirituelle Hinweise, et ecetera.

 

Für Prof. Javier Gomez-Montero von der Uni Kiel ist dieses erstmalig in 1948 editierte Buch nicht nur nach wie vor aktuell, noch mehr sei es als eine Fundgrube lokalgeschichtlicher, städtebaulicher und volkskundlicher Episoden zu betrachten. Gonzalo Torrente Ballester bediene den zeitgenössischen Gusto, wenn er sich an den Schatz mittelalterlicher Erzähltraditionen anlehne, um uns deren Reiz auf seine Art genießen zu lassen.

 

Mein Diktum. Diejenigen, die sich abseits der Mainstreamliteratur bewegen wollen, sollten unbedingt das Buch kaufen: "Denn das Mittelalter war herrlich."

Paulo Coelho                                                           Auf dem Jakobsweg - 1991

Dieses Buch hat mich, es war um die Jahrtausendwende, schlussendlich bewogen, mich näher mit dem Jakobsweg zu beschäftigen. Es faszinierte mit jeder Zeile. Paulo Coelho beschreibt seine persönlichen Pilgererlebnisse des Jahres 1986, in erster Linie seinen Kampf mit dem alter ego, mit Petrus, so nennt er ihn. Lesen Sie bitte selbst. 1987 erschien die Originalausgabe als "O Diario De Um Mago", 1991 als deutsche Erstausgabe mit dem Titel "Die heiligen Geheimnisse eines Magiers"; später dann, als das Pilgerfieber ausgebrochen war, trug es den Namen "Auf dem Jakobsweg - Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela." Mir liegt die Ausgabe von 1999 vor, Diogenes Verlag AG Zürich.

 

Ein empfehlenswertes Buch, auch wenn der Autor mittlerweile zugegeben hat, nicht alle Strecken wirklich selbst gegangen, gepilgert zu sein. Das ist unerheblich.

Paolo Cauci von Saucken, Hrsg.                Pilgerziele der Christenheit. Jerusalem. Rom. Santiago de Compostela - 1999

Zu Wort kommen Autoren vom Range eines Manuel C. Diaz y Diaz, Robert Plötz, Klaus Herbers, dem Herausgeber u.a.m.

Die Überschriften: Die Pilgerfahrt/Peregrinatio - Die Pilger/Peregrini - Die Pilgerwege/Itinera und die Heiligen Orte/Loca Sancta.

Für den Geschichtsbewußten von großem Interesse.

Gideo Lewis-Kraus                                                 Die irgendwie richtige Richtung - 2013

Interview in der Literarischen Welt, Ausgabe vom 5. Oktober 2013, Seite 10:

 

Ich bin dann mal zurück. Wo geht`s nach Heute?

Fragen an den Amerikaner Gideon Lewis-Kraus, der auf zeitgemäße Weise pilgert - von Jan Küveler. (Suhrkampverlag, 384 Seiten) 

Für Lewis-Kraus ist die Sache klar, es kommt auf die Rückkehr an. Deshalb machte er sich dreimal auf den Weg, einmal nach Santiago de Compostela.

 

Reisen als Suche, Abenteuer oder Flucht und Vermeidung?

"Ich stellte die vertraute Struktur der Pilgergeschichte auf den Kopf. Wenn du nur über eine Reise schreibst, bist du versucht, mit der freudigen Erregung der Ankunft aufzuhören. Du schreibst nie darüber, was passiert, wenn du in deinen Alltag zurückkehrst. Etwa ob es dir gelingt, dieses neue Gefühl der Erregung und Ausgeglichenheit mitzunehmen. Dass passt zur typischen Abenteuergeschichte: Man zieht mit einem klaren Ziel los, überwindet Widrigkeiten und kehrt glorreich heim."

 

Es kommt also auf die Rückkehr an?

"Ja, denn erst da wird deutlich, ob es sich tatsächlich um eine erfolgreiche Suche gehandelt hat oder doch nur um eine Flucht. (…)"

 

Kann ein Ort einen Menschen verändern?

"(…) kaum jemals so, wie sich dieser Mensch das vorgestellt hat. Die besten Erfahrungen, die man an einem Ort machen kann, regen uns zu der Frage an, für welche unserer Hoffnungen die neue Umgebung eigentlich die Verantwortung übernehmen sollte."

Rachel Joyce - 2102                                                    Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry. 4. Auflage: Juli 2012. Deutsche Ausgabe: S. Fischer Verlag, Frankfurt.

 

Zitat Einband Rückseite: "Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht er 1000 Kilometer zu Fuß. Von Südengland bis an die schottische Grenze - eine Reise fürs Leben, eine Geschichte von Tapferkeit, Betrug, Liebe, Loyalität und einem ganz unscheinbaren Paar Segelschuhen."

 

Ein berührender, lesenswerter Roman.

Elke und Peter Schulze                            Reisebericht Westwärts nach Galicien - 2006

Pilger auf den Spuren vergangener Zeitzeugen                            nach Santiago de Compostela

Westwärts nach Galicien

Pilger auf den Spuren vergangener Zeitzeugen

nach Santiago de Compostela

 

Achthundert Kilometer Faszinierendes, Eindrucksvolles, Meditatives, Spirituelles, Mythisches, Traumhaftes, Leichtes, Anstrengendes, Schmerzhaftes, Liebevolles, Unvergessliches, Geschichtliches, Religiöses, Mystisches, Kulturelles. 

 

Von den Pyrenäen bis zum Grab des heiligen Jakobus nach Compostela. Achthundert Kilometer reich an Historie, (mittelalterlichen) Geschichten und Heiligenlegenden. Von Navarra, durch die Rioja, via Burgos und León, den Provinzstädten von Kastilien-León, durch unendlich scheinende Getreidefelder der Meseta, der heißen spanischen Hochebene, durch das Land der Maragatos, über die Montes de León mit dem Cruz de Ferro, auf dem Camino duro nach O Cebreiro, durch mittelalterlich anmutende, verarmte Bauerndörfer ins hügelige, grüne, bewaldete, häufig regnerische Galicien.

Die skizzierten persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle werden immer wieder von eingestreuten Berichten aus (mittelalterlicher) Geschichte, Kultur und Religion unterbrochen, aufgelockert; vgl. dazu den Menü-Hauptpunkt REISEBERICHT WESTWÄRTS.