LITERATUR. DVD. TV. PILGERREISEN. BERICHTE

Einstimmung

Jakobus der Ältere in einer modernen Fassung in der Basilika St. Clemens, Hannover.

 

Ein Blick ins Internet genügt. Welchen Buchhändler auch immer Sie gewählt haben mögen, Sie erwartet ein überbordendes Angebot an Reiseberichten, Büchern, Reiseführern, Bildbänden, Fachbüchern, et ecetera.

 

Ich habe an dieser Stelle eine kleine Auswahl für Sie vorgenommen. Bücher und DVD, die ich prinzipiell selbst gelesen resp. gesehen habe.

Bitte klicken Sie auch die nächste Seite an. Dort erwarten Sie Kurzbeschreibungen religiös motivierter Bücher; u.a. auch von einem areligiös geprägten Autor.

SEHENSWERT - NICHT IM EINZELNEN BESCHRIEBEN

  • THE MESETA. 2014. On the road to Santiago. 2014 YouTube. Nur musikunterlegt. Gute Einstimmung für alle Peregrinos.
  • LE PUY CAMINO. 2016. "Le-Puy-en-Velay to Saint-Jean-Pied-de-Port." 12min. YouTube-Film aus 2016. Nur musikunterlegt. Im Vordergrund Klöster und Kirchen.
  • PATHWAY TO THE SOUL. 2019. YouTube-Film 11 min. Englischsprachig.
  • CAMINO DE SANTIAGO. 2021. Nur mit Musik unterlegt. YouTube-Film 1Std.15. Wohltuend ruhige Kameraführung. Deckt alle Aspekte des Camino ab.
  • PRAY AND GO TO THE ENDS OF THE EARTH. 2021. Polnischer kath. Pilger von Krakau nach SdC, 3.500 km. 1Std2.

MEINE REZENSIONEN. Kritiken

DVD-Film Himmel über dem Camino - 2019

Der neuseeländische Film (2019/2021) CAMINO SKIES erzählt die Geschichte von sechs Menschen, die sich auf den 800 Kilometer langen Jakobsweg begeben, um nach Antworten des Lebens zu suchen. Die sehr beschwerliche aber auch meist beschwingte Reise bietet jedem von ihnen die Chance, die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit auszuloten und sich mit den jüngsten persönlichen Verlusten auseinanderzusetzen. Ein herzerwärmender und inspirierender Film über alltägliche Menschen, die das Außergewöhnliche tun. Soweit die offizielle Beschreibung.

 

Alle Protagonisten des Films sind mehr oder weniger vom persönlichen Leid gekennzeichnet. Die Frau mittleren Alters hat kurz hintereinander ihren Mann (Krebs) wie ihren Sohn (Unfall) verloren. Eine toughe Frau, die, so scheint es, erst am Kap de Finisterre am Ende der Welt direkt am Meer ihre Trauer überwindet. Eine über 70-jährige Frau mobilisiert fast schon übermenschlich ihre ganzen Kräfte, um in Santiago de Compostela anzukommen; herzerwärmend, wie sie das schafft. Sie hat letztlich die Trennung von ihrem Mann zu verdauen, der sie nach zig Jahren Ehe verlassen hatte. Ihr Showdown findet am Cruz de Ferro statt. Ein tolles Gespann: Schwiegervater (das zweite Mal auf dem Camino) und Schwiegersohn gehen gemeinsam den Camino, koste es was es wolle. Warum? Die Tochter resp. die Ehefrau noch nicht lange tot. Sehr berührend die Szene beider in der Kirche von Rabanal del Camino.

 

Der Film zeigt eine weitere Facette des Camino auf. Ich muß zugestehen, einige Vorab-Rezensionen hatten mich zunächst verstört dem Sinne nach, der Film käme zu mystisch herüber. Die DVD lag mehrere Wochen im Regal.

Und so kommen wir zur Machart, zum Ziel des Filmes. Im Vordergrund stehen die Protagonisten, nicht die Fragesteller, nicht andere Pilger. Von so tollen Städten und Kathedralen wie beispielsweise in Leon und Burgos erfährt man rein gar nichts. Alle Orte werden nahezu total ausgeblendet; desweilen zeigen Einblendungen zur Kilometerentfernung SdC dem Betrachter, wo sich die Pilger gerade aufhalten. In einer kurzen Sequenz wird - in der Vorschau - das Hauptschiff der Kathedrale von Santiago de Compostela gezeigt.

Zu Beginn des Films erläutert ein katholischer Ordensmann seine Sicht vom Camino de Santiago. Gut herausgearbeitet das Feeling auf der Meseta frei nach dem Motto: Ohne Meseta kein richtiger Jakobsweg. Die Filmemacher waren gleichwohl nicht versucht, die religiöse Dimension des Jakobswegs schlechtzureden.

 

Auf unseren Wegen seit 2006 in Spanien, Portugal und Deutschland hatten wir nahezu alle Typen des „Pilgers“ kennenlernen dürfen: den Öko-Wanderer, eine sich abschottende evangelikale Gruppe, den Peregrino mit christlichem Hintergrund, die Touri-Pilger; Pilger-Wanderer, die sich im Verlauf des Camino „häuteten“: vom Wanderer zum Pilger, je näher sie Compostela kamen und sich richtigerweise fragten, warum sie sie sich denn das antäten. Gerne die lauten Pilger-Wanderer, die draußen in Reichweite der Kirchen ihre Biere in sich hineinschütteten; Pilger, die sich über die katholische Kirche mokierten, das Angebot kirchlich geführter Herbergen gleichwohl annahmen; Pilger, die das sexuelle Abenteuer suchten. Ja, warum nicht, könnte man voreilig formulieren, etwas Substantielles vom Weg wird schon bei einigen Wanderer hängengeblieben sein. Und das wird offensichtlich auch so bleiben. 

 

Und das ist auch gar so schlimm nicht, wenn denn die Protagonisten der katholischen Kirche zu ihrem Camino de Santiago stünden, nicht die Oberhoheit den Tourismusmanagern überließen, oder dem Zeitgeist sich beugten, indem sie Statuen des Matamoros überdecken resp. im Fundus verstecken lassen.

 

Fazit: Letztlich muß man sich die Frage stellen, was Menschen bewegt, 20.000 Kilometer Luftlinie „in Kauf“ zu nehmen, nur einer Pilgertour wegen quer durch Spanien von St. Jean bis Santiago de Compostela. Warum nicht auf dem australischen Kontinent mit seinen unendlichen Weiten und einsamen wie belebten Gegenden, nahezu in der Nachbarschaft, gleichermaßen den Schmerz verarbeiten? Das stimmt irgendwie hoffnungsfroh, oder!?

 

Lassen Sie sich überraschen: 81 Minuten auf 800 Kilometer Camino Frances. Erhältlich als DVD und Blue-ray. Es lohnt.  

 

Camino Frances. 50 YouTube-Videos - 2015.16

Für den ersten Überblick im Schnelldurchgang. Auch für die Nachbetrachtung des bereits gegangenen Camino Frances.

Leicht zu finden: YouTube John Sikora. Die Protagonisten nehmen Euch mit im Schnelldurchgang von St.-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago de Compostela in 33 Stages / Etappen plus Alternativrouten. Published by Camino Guides, Scotland. Das verwendete Kartenwerk bezieht sich John Brierleys Pilgerführer, von mir schon vor Jahren empfohlen. Kameraführung Dave Bugg. Editing and composition by John Sikora.

 

Beschreibung

Stage 1 St Jean Pied de Port to Roncesvalles

Die ganze Etappe in 42 Minuten. Bemerkenswert zu Beginn seine Google Earth-Aufnahmen von den Pyrenäen, also aus der Vogelperspektive. Bis auf die wenigen Verschnaufpausen mit Vollbild und Schwenk auf die Pyrenäen und der Herberge von Orisson, sieht der Betrachter ein dreigeteiltes Bild: Links sein Video. Rechts vertikal die John-Brieley-Map von St. Jean bis Roncesvalles; das "X" zeigt den jeweils aktuellen Stand. Unten horizontal jeweils ein Teilabschnitt der Etappe.

 

Wichtig zu wissen. In der (jeweiligen) Einleitung geht der Verfasser auf die Highlights der Etappe ein; er nennt das BEST OT THE DAY. Mit den Fotos  dokumentiert er, erstens kein Kulturbanause zu sein und zweitens, dass er sich sehr wohl auch und gerade für die Gotteshäuser am Weg interessiert, was nicht selbstverständlich ist - mit schönen Fotos zum Beispiel der Altarretabel, etc. 

 

Auswahl weiterer Etappen (bitte anklicken)

 

Fazit: Ich war (zunächst) tief beeindruckt. Nicht nur für diejenigen Pilger zu empfehlen, die sich einen Gesamtüberblick des Camino Frances verschaffen wollen, ohne unnötige Plaudereien, ohne Selbstdarstellung der Protagonisten, sondern auch und gerade für diejenigen Pilger, deren Pilgerschaft auf dem Camino Frances schon längere Zeit zurückliegt. Mir jedenfalls sind viele Abschnitte erst wieder durch John Sikoras-Videos bewußt geworden.

 

Warum meine Einschränkung "zunächst"? In einigen Etappen, vor allem in einigen den ersten ist die Kameraführung ausgesprochen linkslastig, der rechte Wegesrand wurde fast überhaupt nicht erfaßt; später wurde es dann besser. Auch hatte der Protagonist Pech mit dem Wetter. Auf einigen Etappen war die Kamera ausgefallen.

Beeindruckend für mich die Etappe von Rabanal del Camino zum Cruz de Ferro und weiter nach El Acebo. Einerseits schöne Bilder, andererseits Pilgerwanderer en masse; wir waren weiland nahezu ungestört.

 

John Sikoras Einführung auf der YouTube-Webseite

Camino de Santiago Frances Day by Day GoPro Footage full day's walk

50 Videos. Zuletzt am 29.12.2020 aktualisiert (Stand: 05.01.2022)

 

This is a series of videos from the Camino de Santiago in 2015. Each video contains a google earth tour of the stage or part of stage, the altitude during the stage, selected pictures from the stage, and selected 5x speeded up sections of the actual walk showing the type of terrain and villages (slowed down from the original 8x in the first versions).

This is tracked on google earth images and pages from Brierley's Guide (permission received). The actual position on the moving X's is approximate so don't assume 100% accuracy.

Likewise, the video runs from fair to excellent depending on the lighting conditions, roughness of the trail, and weather. But I hope that it provides memories to those who have walked the Camino de Santiago as well as perhaps a preview to those who will or want to.

The first stage is in 4K while the others are in 1080p. Hopefully, in a few years I can walk it again and retake it in 4K. The version 2 of the videos is a re-edit with enhanced video, a much better altitude indicator and comments, and better editing to remove most of the "slant" effect from the version 1. Thanks for taking the time to watch.

Mythos Jakobsweg - 2004

Fakten - Kurioses - Geheimnisse

In der Bibliothek für Euch wieder entdeckt. Andreas Drouves Buch aus 2004, Verlag Tyrolia, "Mythos Jakobsweg " - Auf dem Buchrücken zu lesen: "Kommen Sie, haben Sie teil am Wunder!" - so der (vormalige) Slogan Spaniens für seinen bommenden "Himmelspfad."

 

Drouve, der Jakobsweg-Schriftsteller par exzellence, beginnt sein Buch mit der Geschichte vom Hospital de Santa Cristina am Camino Aragones hoch oben am Somportpass, streift Jaca, das  Monasterio de Leyre, geht auf den hl. Franz Xaver von Javier ein; Pamplona am Camino Frances ist gut für Die Knöchelketten des reuigen Spielmanns und Den Wandel des hl. Ignatius. Jeder dürfte von Puente la Reina Die rheinische Christusfigur kennen, den Wein des Monasterio de Irache sowieso, möglicherweise Die letzten Stunden des Cesare Borgia in Viana, Clavijo, San Millan de la Cogolla, von Santo Domingo de la Calzada ganz zu schweigen. Beim Hostienwunder von Fromista habe auch ich gestutzt, ich kenne dasjenige vom Cebreiro. Es geht weiter mit dem rätselhaften Hahn von San Isidoro in Leon, dem Tränensee der verstoßenen Nixe von Ponferrada, in Samos mit den vollbusigen Nymphen der Benediktiner, dem Geheimnis der verhexten Quelle Arzua betreffend und last but not least endet Drouve mit zwei Geschichten/Legenden von Santiago de Compostela: Der geborgte Esel und Der arme Köhler und Franz voin Assisi.

 

Fazit: Ein gelungenes Buch für diejenigen, die sich nicht nur der Wissenschaft ergeben, sich immer noch einen Blick für Legenden bewahren wollen, denn eines ist klar: in allen Legenden steckt Wahrheit; gut zu sehen an den Spuren des Franz von Assisi am Jakobsweg, gut zu sehen am Convento de San Francisco in Santiago, das seit dem 13. Jh. als dokumentiert gilt.

 

FRANZ VON ASSISI AUF DEM JAKOBSWEG

Der hl. Franz (1181-1226), spanisch San Francisco de Asis, dürfte um die Jahre 1213/14 von Italien nach Compostela gepilgert sein, für moderne Hobbyhistoriker natürlich unbewiesen. In der Nähe von Sangüesa am Camino Aragones richtete Franz seinen erkrankten Anhängern eine Bleibe her. Aus diesem Provisorium entwickelte sich das erste Ordenshaus der Franziskaner auf spanischem Boden; noch einzig erhalten ist die Ermita de San Bartoleme, bekannt auch unter dem Namen Oratorio de San Bartolome, ein Nachfolgebau des 17. Jhs. Noch heute erzählt man sich in der Gegend von vielen Wundern des Heiligen.

In Pamplona erhebt der Heilige sich auf der Plaza de San Francisco auf einem modernen Denkmal an der Seite eines Wolfs, im Museum der Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada ist eine Skulptur des Meisters Lopez de Gamiz aus 1590 zu sehen. Die Einheimischen von Villafranca del Bierzo deklamieren gerne, dass die dortige San-Francisco-Kirche vom Heiligen persönlich begündet worden sei.

 

Wie auch immer, der heilige Franz von Assisi erfreut sich nach wie vor großer Verehrung in Spanien. In deutschen Landen wird seine Bedeutung gerne heruntergebrochen auf seine Liebe zu den Tieren.

Kinofilm-Doku "El Gran Camino" - 2021

Zwei Galicier "erobern" die Welt: Mehrfach ausgezeichnete Doku über Pilgertouren dreier Kontinente. Inspiriert vom Jakobsweg wandte sich das   Ehepaar Alba Prol und Raul Garcia exponierten Trails zu: Vom gefährlichen Pacific West Trail in den USA, über den spirituellen Kumano Kodo in Japan und dem extremen Inka-Trail von Peru bis nach Santiago, nachdem sie die alte Route des Apostols gegangen waren.

 

Warum gehen wir? So die millionenfach gestellte Frage, der sich nun auch die Protagonisten aus Santiago widmeten. Jahrelang hatten sie, wenn sie täglich den Obradoiro-Platz querten, die Pilger beobachtet, die mit Tränen in Augen auf die Kathedrale blickten. Zu ergründen, was dahintersteckt, glücklich zu sein, eine anstrengende Tour beendet zu haben, zu sehen, wie sich fremde Mitpilger emotional umarmen, das war den späteren Filmemachern offensichtlich nicht greifbar, fremd.

 

Eine - vielleicht unbotmäßige - Anmerkung meinerseits. Es gibt so viele Publikationen, die diese Thematik behandeln: ein Blick in diese hätte gereicht, zu erahnen, was Menschen antreibt, ausgerechnet den Camino de Santiago zu gehen; DVD-Filme und -Dokus gehen gleichermaßen darauf ein.

 

Fazit: Der Journalist von El Correo Gallego ist schwer begeistert von "El gran Camino". Vielleicht gibt es ihn ja auch irgendwann deutsch synchronisiert, dann werde ich näher auf ihn eingehen.

Pilger-Doku Jakobsweg - 2019.20

Alexandre Amaral, Brasilien. Abspann: This Film was made along the traditional French Route of the Camino de Santiago from Saint-Jean-Pied-de-Port to Finisterre. 29th March – 30th April 2019. Englisch mit deutschen Untertiteln. Zum ersten Mal von mir gesehen Anfang April 2021. - YouTube

 

Das Eingangsstatement gibt die Vorlage:

PILGRIMS - The world reveals itself to those who travel on foot. - Werner Herzog *) Die Welt offenbart sich denen, die zu Fuß reisen.

 

Ein ungewöhnliche Doku, die viele Pilger aus über 16 Ländern (s.u.) zu Wort kommen läßt. Die nachfolgenden Statements verraten die Richtung; auf jeden Fall nicht diejenige von fun, fun, fun:

 

„ So einfach es klingt, ich fühlte mich wirklich erst als Teil des Jakobswegs, als ich zum ersten Mal ein Stück Brot mit einem Mitpilger geteilt habe“. „Ich wußte, dass ich ihn vielleicht nie wiedersehen würde.“ „Alle halfen sich gegenseitig. Wir sprachen, es war eine Atmosphäre…“ „ Es war perfekt. Sie alle hatten einen Grund für ihren Weg.“

 

*) ja, es ist derjenige Filmemacher, der so großartige Worte über den emeritierten Papst Benedikt XVI. gesprochen hat. Bitte dazu  auf Seite 1 der Homepage zurückblättern und nach unten scrollen.

 

Fazit: Eine ungewöhnliche Doku, die nicht das Ziel Santiago de Compostela thematisiert, nur den Weg. Protagonisten/Mitpilger aus England. Deutschland. Frankreich. Neu-Seeland. Litauen. Nomaden. Mexiko. Belgien. Argentinien. USA. Rußland. Australien. Italien. Brasilien. Süd-Korea. Spanien.

Doku. The Temple of the Stars - 2015

Written and Directed by Jesus Sanchez Romeya, Planet Doc; 21.03. 2015. - Discover in depth the Temple of the Stars; inside, the Camino de Santiago - 49Min.05. - YouTube,

 

Englischsprachig mit deutschen Untertiteln: gewöhnungsbedürftig, da Google-Übersetzung.

Romeya läß immer wieder sehr wirkungsvoll mittelalterlich gekleideten Pilgern den Vortritt, so schafft er dem heutigen Pilger einen guten Einstieg. Zum Schluß streift er den Besuch von Papst Benedikt XVI. um den 6. November 2010 herum in Santiago.

 

Mit anschaulichen Bildern und Videoszenen referiert der Autor seinen von ihm eruierten geschichtlichen Hintergrund. Er beschreibt die einzelnen Bauphasen, beginnend im 9. Jahrhundert, geht auf die phantastischen Baumeister der einzelnen Epochen ein, wie auf deren Auftraggeber. Er streift auch die Überfälle der Sarazenen; wohltuend dabei sein nicht erhobener moralischer Zeigefinger, der sich sonst üblicherweise bei dieser Thematik breitmacht. Denn: auch gut-christ-katholische Exegeten reihen sich nämlich ansonsten gerne in den veröffentlichten Mainstream ein. Der dann eingenommene historisch-kritische Blick, wohlgemerkt aus der heutigen Sicht, handelt dann nach der Maxime "Was nicht sein darf, kann auch auch nicht geschehen sein." Für diese Exegeten ist Numinoses ein Fremdwort nomen est omen.

 

Für diesen Protagonisten ist die Sache allerdings klar. Das päpstliche Dokument von 1884, das Leo XIII. den wieder aufgefundenen Gebeinen des Apostels Jakobus Authenzität beigemessen hat, war auch für ihn der Schlüssel zur Wiederbelebung der Pilgerschaft zum Grab des Santiago nach Compostela.

 

Fazit: Geschichtsinteressierte sollten sich unbedingt das Video anschauen.

Crunch, scrunch, crunch. YouTube - 2015.16

Santiago de Compostela. Camino de Finisterre.

Ein ungewöhnlicher Titel. Er spielt wohl auf die Härte des Camino an.

Der englischsprachige Documentary Film "Camino de Santiago - Camino de Finisterre" spricht auch und gerade ältere Pilger an. Der nicht mehr ganz junge Protagonist Chris Patkowski pilgerte den Weg 2015: 45 Tage, 1.010 Kilometer. Sein - nicht muttersprachliches - Englisch ist gut zu verstehen. Von seinen Zusehern verlangt er ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit und Beharrungsvermögen, erstreckt sich doch seine Doku auf über 2 Stunden und 47 Minute. Offensichtlich hat er gleichwohl den Nerv der Zuseher getroffen: Stand 17. Januar 2021: über 204.100 Aufrufe. 2. Mai 2022: 328.828 Aufrufe.

 

This film documents the precise, minute detail journey of the people on the Camino de Santiago and the Camino de Finisterre in 2015 and their experience, whether spiritual or physical, across 1000 km of northern Spain. Although I am providing narratives or storytelling of events, thoughts, feelings and observations I simply represent all people walking el Camino. A chief theme of a narrative is whether people walking el Camino are pilgrims or trekkers. Is a pilgrimage seeking something missing inside of ourselves? The film also shows constant changes taking place in nature and within us while walking el Camino and enduring hardship through unknown physical challenges on the way.

 

Der Vorspann macht klar, was den Betrachter erwartet:

  • The mysterious energy of the Camino de Santiago,
    a spiritual and physical route across Northern Spain
  • May 7 - June 20, 2015.
  • Europe was made on the pilgrim road to Compostela.

 

Der Protagonist geht "seinen" Weg, nicht den der Walker, die mit Headphones auf dem Kopf von Herberge zu Herberge hasten, vorbei an den historischen Bauten, Kathedralen und Landschaften, beim abendlichen Pilgerdinner die "gelaufenen" Kilometer thematisieren: to cover miles.

Seine langsame Kameraführung ist wohltuend, ob in den Kirchen - ob die Landschaften. Wohltuend auch sein Hinweis, dass die Meseta auf keinen Fall ausgespart werden sollte, was offensichtlich viele Jakobsweg-Wanderer nach wie vor tun und den "langweiligen" Abschnitt mit Bus und/oder Taxi überbrücken. So kann der Zuseher schon nach relativ kurzer Zeit erahnen, dass wir es hier mit einem Peregrino autentico zu tun haben.

 

Fazit: Lohnenswert anschauen; via TouTube leicht zu finden.

Der Reisebericht des Hieronymus - 15. Jh.

Ein Nürnberger Arzt flieht vor der Pest 1494. Auf seiner Suche nach der Wahrheit, Aristoteles folgend, führt ihn der Weg durch die Schweiz nach Frankreich, Spanien, Portugal, Santiago de Compostela und zurück über Toledo, Madrid, Pamplona, Toulouse, Brügge, Antwerpen, Köln, Worms, Würzburg nach Nürnberg. Münzer, er sieht sich als Humanist, verfasste keinen üblichen Pilgerbericht, geht aber auf die Pilgerorte und Reliquien ein, ebenso auf die anzutreffende Frömmigkeit. Er spricht vor den Katholischen Königen in Madrid.

 

Autor: Prof. Klaus Herbers, Verlag Narr Francke Attempto Tübingen, 2020.

Eine ausführlichere Beschreibung folgt.

Doku. Hessisches Fernsehen - 20. Oktober 2020

SELBSTVERSUCH PILGERN - AUF DEM JAKOBSWEG VON FULDA NACH FRANKFURT. WÄHREND CORONA.

Der Protagonist, ein Nicht-Religiöser, lernt auf dem 5-tägigen Jakobsweg von Fulda nach Frankfurt, was das Pilgern vom Wandern unterscheidet x). Er wird jeweils von unterschiedlichen (Profi-) Jakobswegpilgern begleitet; an einem Tag trägt er gar - in einer Gruppe - kilometerlang das nicht unbedingt leichte geschmückte Holzkreuz. In Fulda wird Danny Morgenstern von einem katholischen Geistlichen verabschiedet, in Frankfurt von einer Mitarbeiterin der ältesten katholischen Kirche der Stadt, St. Leonhard, empfangen.  x) Beim Pilgern hat man Gott im Rucksack.

 

Fazit. Empfehlenswert. Das Video, knapp 45 Minuten, ist verfügbar an sich bis zum 21.10.2021. Bitte prüfen, ob verlängert.

Werner Bergengruen. Sankt Jakob - 1953

Werner Bergengruen (geb. 16.09. 1892 in Riga, gest. 4. September 1964 in Baden-Baden), deutsch-baltischer Schriftsteller, ist bekannt als großer Erzähler -   mit religiösem Hintergrund. So behandelt er in seiner Novelle Die Verheißung Erfundenes mit Wahrem, nämlich die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahre 1453.

 

Auf Seite 15 seines Buches Die Sultansrose und andere Erzählungen, herausgegeben 1953 by Benno Schwabe & Co., Basel, geht er mit der Novelle Die Krone auf eine fiktive, wiewohl wahre spanische Geschichte ein. Kurz gesagt, es geht um spanische Thronstreitigkeiten. Auf Seite 24 sagt einer der Protagonisten, ein Wildhüter, zu einem der Königin verpflichteten Don Gonzalo: "Ich schwöre es bei Gott, seiner Mutter und dem allerheiligsten Sakrament, dazu bei Sankt Jakob von Compostela."

 

Fazit: Es wird nicht ganz einfach sein, das betreffende Büchlein zu erwerben. In meinem über ein Antiquariat erworbenen Exemplar steht mit Füllfederhalter geschrieben: Herrrn ... anlässlich seines Übergangs von der Schule zur Universität mit herzlichen Wünschen von Tante ... und Onkel ..., Cuxhaven, 16. Mai 1955.

Schön, nicht wahr?

Poesie auf dem Jakobsweg - 2020

DER WEG UMARMT MICH WIEDER.

Inspirationen und Gedichte für Pilger. Wolfgang Maximilian Schneller. Kunstverlag Josef Fink, 2020, 132 Seiten.

 

"Steh auf und geh, / denn dieses eine Mal / genügt vielleicht / für immer." 

 

"Zieh aus - in weite, freie Räume / auf Wegen, die dich anziehen, / doch bleib in ihnen nicht zu Haus. / Entflieh dem Labyrinth / der Mauern, Zäune, Einbahnstraßen, / lass dich mit ungehemmten Schritt / nur noch vom Ziel umarmen, / das dich sich auserwählt."

Quelle: Die Tagespost vom 08.10.2020, Andreas Droueve, Der Weg umarmt sie wieder.

Looking for Infinity. El Camino - 2017

Aaron C. Leaman. Auf der Suche nach Unendlichkeit. An Introduction into the Journey of a Lifetime. Camino de Santiago Documentary. 2017.  - YouTube

 

Diese Dokumentation sprengt die üblichen Erwartungen eines Jakobswegfilms. Sie folgt nicht den einzelnen Etappen – im Gegenteil, die Szenen wechseln mitunter, so scheint es, willkürlich. Es geht nicht um einen Reisebericht, wie ich ihn formuliert habe. Der Film dokumentiert persönliche Eindrücke, Sichtweisen und Emotionen von Pilgern, die offensichtlich sich auf der Suche nach der Unendlichkeit befinden. Bemerkenswert auch, daß viele der befragten Protagonisten nur im Hintergrund zu hören sind. Die Filmemacher erhebt keinen Zeigefinger, will nicht missionieren, läßt den Gefühlen der Befragten freien Lauf: Sinnsuche, Aufarbeitung, Sinnerfüllung mit/ohne Gott, Spiritualität.   

 

Der Camino vereint über jegliche Grenzen hinweg. Es kommen Menschen zusammen, die eigentlich nicht zusammenpassen, extrem unterschiedlich sind oder im Alltag wahrscheinlich gar nicht zusammengekommen wären. Das alles widerspiegelt die eigentliche Seele des Camino de Santiago. Kein anderer Wanderweg vermag es.

 

Einige Statements.

  • It was meant to be a sort of spiritual experience,
  • an introspective path.
  • You walk towards the sunset, always to the west.
  • You can walk during the day or even the night if you wish,
  • but at the end you just walk.
  • It`s metaphoric.
  • You are waiting for your soul.
  • Every step you take, is a step closer to freedom.
  • Yet the only thing that matters is honesty,
  • walking with honesty in every step.
  • If you walk as a tourist, shopping all the time spending money,
  • you will be the same person, no changes.
  • Then El Camino was worthless.
  • It`s an incredible experience.

 

Fazit. Wer sich einigermaßen angesprochen fühlt, bitte unbedingt auf YouTube anschauen. Weitere Infos auf: www.caminomovie.com

Kinofilm The Way - Dein Weg. Martin Sheen - 2010

Aus Trauer und zu Ehren seines auf der ersten Etappe des Camino Frances in den Pyrenäen tödlich verunglückten Sohnes Daniel, pilgert Tom Avery den kompletten Camino. Ab St.-Jean-Pied-de-Port immer dabei der Kasten mit Daniels Asche. In Muxia, am Ende der Welt, verstreut er den letzten Rest. THE WAY – DEIN WEG wurde 2010 gedreht. Regisseur ist Martin Sheens Sohn Emilio Estevez, der auch im Film die Rolle des Sohnes übernimmt. Martin Sheen wurde als Ramon Estevez geboren. Vater und Sohn sind bekennende Katholiken - in Hollywood eine Rarität. Sein Künstlername Martin Sheen ist als Hommage an Erzbischof Fulton Sheen zu begreifen.

 

THE WAY ist ohne seinen religiösen Hintergrund nicht zu verstehen, gedreht zu Ehren des Jakobswegs und Förderung der traditionellen Wallfahrt. Emilio Estevez ließ sich vom Jack Hitt inspirieren und seines in 2005 editierten Buches Off the Road. A Modern-Day Walk Down the Pilgrim’s Route into Spain. Neben Martin Sheen beeindrucken die Hauptprotagonisten Deborah Kara Unger, Yorick van Wageningen und James Nesbitt.

Fazit: Bitte anschauen. Kein 08/15-Film. Mit teils bewegende Szenen ohne herabsetzenden Einschlag, ohne Veralberung, kein Wanderfilm. In diesem Film wird der gängige Ausspruch bestätigt, der da lautet:

Vom Wanderer zum Pilger - spätestens in Santiago de Compostela am Grab des Apostels.

Chronicle of Pseudo-Turpin - 2014

The Chronicle of Pseudo-Turpin. Book IV of the Liber Sancti Jacobi (Codex Calixtinus). Italica Press, New York, 2014.

 

Englischsprachig. Nach der Introduction (Einleitung) behandelt der Autor und Übersetzer Kevin R. Poole folgende Themen.

> The Pseudo-Turpin Manuscript

> The Chronicle of Pseudo-Turpin

> The Historical Context

> Charlemagne and the Camino de Santiago

> The Pseudo-Turpin in Later Years

> The Chronicle of Pseudo-Turpin. 26 Chapter *)

and so on.

 

*) Beispiele.

Chapter 3: About the Names of the Cities of Spain

Chapter 18. About the Battle of the Masks 

Chapter 21: About the Battle of Roncesvalles

Chapter 25: Pope Calixtus

Journey to Saint James. Pilgrims Guide - 1993

JOURNEY to SAINT JAMES. A Pilgrims Guide 1993. The Metropolitan Museum of Art, New York. Written and Directed by Jerrilynn Dodds. Auf Basis The Pilgrim`s Guide to Santiago de Compostela by William Melczer. 1993. Courtesy of Italica Press, New York.

 

Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht heraus. Bin Christoph Kühn (Pilgerbibliothek) von den Santiagofreunden Köln - indirekt - für seinen Tipp dankbar, die Webseite des MetMuseums anzuklicken.

Der beeindruckende Kurzfilm, knapp 18 Minuten lang, wurde anläßlich des Heiligen Compostelanischen Jahres 1993 gedreht. In jenem Jahr verzeichnete das Pilgerbüro 99.436 Pilger, in 1992 waren es lediglich 9.764 und im Folgejahr 1994 bereits 15.863 PilgerInnen.

 

These are the words and stories of twelfth-century pilgrims to Santiago de Compostela. Mit diesen Worten startet der Film. Im ganzen Verlauf spürt man, dass die Filmemacher von ihrem Film überzeugt sind. Dazu tragen schon die gesetzten Stimmen der Sprecher Roger Babb und Beatrice Roth bei.

 

Die Journey to Saint James beginnt am Somportpaß mit dem Hospiz Santa Cristina, weiter dem Camino Aragones entlang über Canfranc nach Jaca, auf dem Camino Frances ab Puente la Reina, sie streifen die Monasterien de Leyre und Santo Domingo de Silos, zeigen San Martin von Fromista, San Isidor von Leon, um schließlich ausführlich auf die ganze Pracht der Kathedrale (Basilika) von Santiago de Compostela einzugehen. Heilige Messe mit Mundkommunion und Botafumeiro. Der Umzug zu Ehren des Heiligen mit fasziniert und andächtig zuschauenden Wallfahrern und jugendlichen Pilgern rundet den Film ab, nicht ohne auch auf einige der an den Außenwänden plazierten Heiligenfiguren eingegangen zu sein. Zwischendurch berichten die Sprecher – völlig selbstverständlich – immer wieder von den Wundern (miracles) des Apostels Jakobus.

 

Fazit: Bitte unbedingt anschauen. Es sei denn, Sie bevorzugen die üblichen

Jakobswegfilme, also die Ich-zentrierten Filme, in denen im Vordergund der sportive Wanderer und sein abendliches Pilgermenü steht, in denen, wenn überhaupt, nur Fassaden von Kirchen gezeigt werden, dann sollten Sie „Journey to Saint James“ nicht unbedingt anschauen.

Nur die Füße tun mir leid. Kinofilm - 2019

Dokumentation von Gabi Röhrl. 900 Kilometer Jakobsweg. Emotionen. Begegnungen. Freiheit. Ankommen. Von St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela und letztlich zum Kap Finistere.

Ein bemerkenswert guter Jakobswegfilm, 2019. Im Vordergrund diesmal keine locker fabulierenden Pilgertouristen, die im Sinne eines profan ausgerichteten Autors antworten, also kirchlich-abwertend. Frau Röhrl scheut sich nicht, mit Sympathie auch christ-katholische Feste ins Bild zu bringen. Zusammenschnitt  ihrer Wege aus 2017 und 2018.

 

Mittelbayerische Zeitung (sie ist also Bayerin): "Ehrlich, uneitel, packend - entstanden ist ein buchstäblich bewegender Film."

 

Wir haben den Film in 2019, kurz vor Epidemiebeginn, im Rahmen ihrer Promotiontour in Bremen gesehen. Beide Vorstellungen waren ausverkauft. Das ist insoweit bemerkenswert, als dass der Jakobsweg-Hype eigentlich vorbei sein gewesen dürfte. Frau Röhrl war übrigens erklärend dabei.

 

Fazit: Bitte anschauen. Jetzt auch als DVD erhältlich.

Jakobus. Apostel der Ibero-Kelten. Hans Jürgen Arens - 2012/2017.

Der Autor nimmt die Legende vom Jakobusgrab ernst und legt sie nicht sogleich in das Reich der Fabeln ab, wie es die Mainstream-Medienautoren tun. 1. Auflage 2012; 2. Erweiterte Auflage 2017, Verlag Main, Aachen

 

„Jede bejahende Feststellung über das Wahre ist, wenn sie aus menschlichem Mund kommt, immer nur Mutmaßung. Die Erfassung des Wahren lässt sich stets vermehren, aber nie ausschöpfen.“

Wie wahr. Die Offenbarung Jesu Christi ist absolute Wahrheit – für immer und ewig.

 

Arens will den mainstreamorientierten Interessierten nahelegen, das bislang Tradierte über den Apostel Jakobus und dessen Wirken im heutigen Spanien zumindest zu hinterfragen, frei nach dem Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht geschehen sein. Auch ich habe den Eindruck, dass die modernen Wissenschaftler einen bedenklichen Fehler begehen, wenn Sie Geschichtliches ausschließlich mit ihren Augen und mit dem heutigen, vermeintlichen Wissensstand betrachten. Das ist so falsch wie unredlich, wird den Altvorderen nicht gerecht.

Für Hans Jürgen Arens gibt es gute Gründe anzunehmen, dass Jakobus tatsächlich in Galicien gewirkt hat, dass seine Gebeine (ohne Kopf) tatsächlich unterhalb der heutigen Kathedrale von Santiago de Compostela begraben sind. So glaubt er auch den Worten des heiligen Bischofs und Kirchenlehrers Isidor von Sevilla. Lesen Sie selbst.

 

Mein Fazit: Der Buchkauf lohnt, unbedingt.

Der Teufel fährt Taxi. Birgit Kelle - 2019

Jesus und dem Selbst entgegen: Eine winterliche Wanderung auf dem Jakobsweg.

Die bekannte Autorin, Gast in Talkshows, schreibt u.a. für die "Welt", startete ihren Pilgerweg von Leon aus. Im Winter. In der Adventszeit. Kälte, Regen. Eindrucksvoll. ""Aber bist du denn nun Gott begegnet auf dem deinem Weg", die Frage des Freundes blieb unbeantwortet. Ich bin mir selbst begegnet. Das war schon aufwühlend genug." Quelle: www.die-tagespost.de; Ausgabe 19.12.19, Feuilleton, S. 18.

Iberia. James A. Michener - 1968/69

Iberia. Reisen und Gedanken. James A. Michener. US-Schriftsteller von Weltruhm. Pulitzer-Preisträger. Mehr via Internet. Seine Reiseberichte gelten als gut recherchiert. Copyright in Deutschland by Random House. Dromerische Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München, 1969.

Was macht das Buch für uns so interessant? Der Autor schreibt im XIII. Kapitel ausführlich über Santiago de Compostela - Seiten 615 bis 695. Darüberhinaus behandelt er auf den vorangegangenen Seiten sehr eindrücklich die spanische Geschichte gestern wie heute, geht dabei auf berühmte Gestalten ein, natürlich auch auf die Protagonisten des Spanischen Bürgerkriegs, der Re-Conquista, der Schwarzen Legende, etc., sowie auf die verschiedenen Landstriche Spaniens, den Hochebenen Kastiliens undsoweiterundsofort. Michener hatte Spanien erstmals in 1932 besucht.

 

Mein Fazit: Wer sich für die spanische Geschichte interessiert, und damit für den Camino de Santiago, und dies nicht aus dem Blickwinkel des heutigen veröffentlichten Mainstreams, der wird mit dem Buch gut bedient sein. Es wird nicht einfach sein, es sich zu besorgen. 

Nach Santiago. Paolo Asolan - 2002

Tagebuch eines (italienischen) Priesters auf dem Jakobsweg

Zum Zeitpunkt seiner Pilgertour in 2002 ist der Protagonist 35 Jahre alt. Geprägt von tiefer Religiosität (obligatorisch: nahezu jeden Tag Feier der heiligen Messe, mehrmaliges Beten des Rosenkranzes) geht er den Camino mit seinem Bruder Mario – von Lourdes über den Somportpaß über Puente la Reina bis letztlich nach Finisterre.

 

Allein das mehrere Seiten umfassende Vorwort des italienischen Erzbischofs und späteren Kurienkardinals Gianfranco Ravasi des Jahres 2004 lohnte den Kauf des Buches. Seine Exzellenz beschreibt die Pilgerschaft mit den Bereichen Theologie und Geschichte, also mit starkem Bezug zum Alten und Neuen Testament, zu den Psalmen, zu Israel, zu Jesus Christus.

 

Natürlich geht Don Paolo auf seine normalen, teils auch skurillen, Erlebnisse des Camino ein. Seine tiefen geistlichen Reflexionen machen das Buch so lesenswert; seine letzte Etappe von Palas de Rei nach Santiago de Compostela völlig verrückt. Wenn Sie nachrechnen, werden Sie wissen, warum!

 

Mein Fazit: Sehr zu empfehlen. Ich habe das Buch über den Fe-Verlag in Kißlegg bezogen.

Mein härtester Weg. ZDF-Doku - 2019

ZDF-Doku Pfingstmontag: MEIN HÄRTESTER WEG. Drei Frauen und zwei Männer auf ihrem beschwerlichen Weg von St. Jean bis Santiago/Finisterre, sechs Wochen.

 

Fazit. Eine schöne Doku von bemerkenswerter Ernsthaftigkeit; gedreht in 2019. Das Video soll bis zum 10.06.2024 verfügbar sein.

El Camino. DVD-Film - 2005

EL CAMINO  - The Way - Der Weg von Ferenc Tolvaly.

Auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit. Im Gepäck die Bibel und ein  Buch der heiligen Teresa von Avila (1515-1582)

Der Film beginnt mit einem dunklen Bild, das sich zu einer Maske formt, wir sehen einen Tunnel, der am Ende helles Licht ausströmt, gleichsam in die Erkenntnis Gottes übergeht, der Suchende entledigt sich seiner Maske, er streift alles Dagewesene ab, er findet Gott.

 

Der Pilger sieht den 800 Kilometer langen Weg vor sich, von St.-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago de Compostela, wo er an der Kathedrale einen Stein ablegen wird. Und immer wieder streifen seine Gedanken ab zur heiligen Teresa von Avila, zu ihren mystischen Erfahrungen und Beschreibungen. Für mich mit am eindrucksvollsten die Bilder zu den Umzügen der Karwoche in Burgos und Leon, wie auch der Karfreitagsritus in der Kathedrale des hl. Jakob in Compostela.

 

Die Zuseher mögen sich bitte nicht an den kleinen Rucksack des ungarischen Protagonisten stören, wie einige Pilgerforum-User es vor Jahren taten. Hier geht es um etwas anderes, nicht einen einen profanen Jakobsweg, um Mystik. Man beachte gleichermaßen, dass die Doku vor Erscheinen Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" auf den Markt gekommen ist. Ein ganz anderes Klientel schien den Machern vor Augen gewesen sein.

 

Aus seiner Webseite: Meine spirituellen Reisen haben mich gelehrt: Wer nach außen schaut, schläft, wer nach innen schaut, erwacht. Ich erlebe Momente, in denen ich die Zeit besiege, denn ich glaube und erlebe , dass die Ewigkeit genau hier ist! - Es gibt mittlerweile auch ein Buch gleichen Namens: El Camino - Zwanzig Jahre danach, Camino Ignaciano.

 

*)  "Die innere Burg", das Grundlagenwerk der mystischen Theologie; Weltliteratur zudem.

 

Fazit: Ein eindrucksvoller Film abseits der Klischees. Mir vorliegend als Dreier- DVD als Mitschnitt eines TV-Senders.

Wege und Umwege nach Compostela. Ein literarischer Jakobsweg in Castilla y León - 2010

Erzählungen, Gedichte, Essays und Erinnerungen von 25 spanischen Autoren - 2010/2017

... allesamt Träger des EL Premio Castilla y León de las Letras (Preis für Briefe). Erstausgabe 2010, deutsche Übersetzung Verlag Ludwig, Kiel in 2017. Herausgeber Javier Gomez-Montenero.

 

Das Jakobsland - die autonome Region Kastilien-Leon - macht mehr als die Hälfte des 800 km langen Pilgerwegs aus. Die Autoren begeben sich auf Spurensuche nach den Ursprüngen der Pilgerfahrt. Kindheitserinnerungen wie Landeskundliches und Sprachgeschichtliches fließen in die einzelnen Erzählungen ein, wobei immer der Apostel Jakobus wie Santiago de Compostela eine dominierende Rolle einnimmt –  der aktuellen Säkularisierung und dem Massentourismus zum Trotz.

 

  • Gar sehr wollte Gott Spanien ehren, als er den heiligen Apostel dorthin sandte, besser als England und Frankreich wollte er es stellen, denn dort gab es nirgends einen Apostel. *)
  • Seit die Spanier Christus kennenlernten, seit sie nach seinem Gesetz die Taufe empfingen, wollten sie nie mehr unter einem anderen Gesetz leben, und weil sie sich zu ihm bekannten, litten sie manche Pein. *)

*) S. 59. Literarischer spanischer Text um 1250, des Poema de Fernán González.

 

Fazit: Lohnenswert.

Fluch der Mesata. Karl Otto Nouvertne - 2013

Die Jakobusbeichte Band 3. 2013, Verlag DeBehr, Radeberg  

Der Protagonist Bernhard durchlebt auf seiner Pilgerwanderung von Navarra bis nach Santiago de Compostela gleich mehrere Jahrzehnte: Den Baubeginn der Kathedrale von Burgos 1221, kurz darauf den bereits eingesetzten Neubau der Kathedrale von Leon des Jahres 1255, um dann zum Schluß mit der Pest in Santiago konfrontiert zu sein, die frühestens um 1333 das spanische Festland erreicht haben dürfte. Zu Beginn des Romans führt der Autor die Leser in die Wirren der Thronbesteigung von Pamplona/Navarra ein, tatsächlich geschehen nach dem Tod von König Sancho VII. im Jahr des Herrn 1234 nach Christus. Unnötig hinzuzufügen, daß Bernhard, der Protagonist des Romans, natürlich kein „normaler“ Pilger ist. Nein: er ist, zurückhaltend ausgedrückt, schlicht und einfach „Superman“. So rettet er u.a. die Thronbesteigung in Pamplona und selbstredend den fälschlich des Diebstahls bezichtigten jungen Deutschen vor dem Galgentod vor den Toren Santo Domingos de la Calzada. Die originäre Geschichte des Galgen- und Hühnerwunders von Toulouse des Jahres 1090 erreichte Santo Domingo erst im 13./14. Jahrhundert.

Fazit: Daumen runter, nicht zu empfehlen.

Footprints. Kino-Film - 2016

Der Weg deines Lebens

Jetzt auch als DVD in deutscher Sprache erhältlich beim fe-medienverlag, 88353 Kißlegg. Kurzbeschreibung Vorder-/Rückseite der DVD: 

  • Ein Reiseführer zum wahren Glück. (Frederico)
  • Eine Ode an die Hoffnung. (Elvira)
  • Ein Geschenk für Augen und Seele. (Fini).

Also: kein Wanderfilm, kein Egotrip. YouTube ist voll davon.

 

Die Protagonisten, 10 junge amerikanische Männer, allesamt gläubig und fromm, pilgern unter der Leitung eines katholischen Priesters (gut zu erkennen an seinem Priesterkragen) Gott sei`s gedankt nicht den Camino Frances - sondern im wesentlichen den nicht überlaufenen, umso schwierigeren Camino del Norte (Küstenweg) und den Camino Primitivo inklusive mehrerer Abstecher u.a. nach Loyola zum heiligen Ignatius (Gründer der Jesuiten) und in den Picos de Europa nach Santo Toribio de Liebana mit der Kreuzreliquie Jesu, später nach Covadonga, dem berühmten Marien-Wallfahrtsort und selbstverständlich auch nach Oviedo mit dem Schweißtuch Jesu.

 

  • Hubert Liebherr: „Leichter Einstieg in tiefe Wahrheiten des Glaubens."
  • Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien: „Menschliche Grenzerfahrungen voller Humor, Kameradschaft und Bewunderung."

 

Fazit. Ein beeindruckender Film. Unbedingt anschauen.

Bettina Selby - 1994

Der Jakobsweg. Mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela

Englische Originalausgabe Pilgrim`s Road, 1994. Für alle diejenigen interessant, die nur ein wenig zurück in die Geschichte des Pilgerns eintauchen wollen, ins letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.

Fazit: Ein gelungenes Buch. 

I`ll Push You. Kinofilm - 2017

Der Jakobsweg, zwei beste Freunde und ein Rollstuhl

Fazit für mich: Daumen nach unten.

Domenico Laffi - 1660

A Journey to the West - 1997

Übersetzt von James Hall. Laffi (italienischer Priester) pilgerte 3 x, jeweils mit verschiedenen Begleitern, nach Santiago in 1666, 1670 und 1673.

Immer von seinem Heimatort Bologna aus. Für ihn begann der Camino Frances in Pamplona. Bitte auch nachblättern via Menüpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE > Weg des Domenico Laffi.

 

Meine Bewertung: Für geschichtlich Interessierte unerläßlich.

Gonzalo Torrente Ballester - 1948                 

Santiago de Compostela. Ein Pilgerlesebuch 

Die Originalausgabe erschien 1948 unter dem Titel Compostela y su angel. 2007 sorgte der Verlag Ludwig aus Kiel für die deutsche Übersetzung. Torrente Ballester, ein Cervantes-Preisträger, verschweigt nicht, dass er gläubiger Katholik ist: "(...) wer sich jedoch einzig und allein auf wissenschaftliche Erklärungen verlässt, wird nur sehr wenig über (Santiago de) Compostela erfahren."

 

Torrente geht detailliert auf die Chronik derjenigen Könige, Bischöfe und Architekten ein, die Compostela erbauten, er erwähnt berühmte königliche Pilger, für ihn sind auch die Ordensgründer Dominikus und Franzi von Asissi in Santiago gewesen. Er beschreibt die Stadt zu Zeiten des Verfassers des Codex Calixtinus, geht auf die schönsten Jakobswunder ein, stellt sich romanhaft eine mittelalterliche Pilgerfahrt vor, beschreibt das Besondere der Jakobsmuschel, und last but not least gibt er dem Pilger ein Vademekum, eine Reisehandbuch an die Hand, darunter sechs spirituelle Hinweise, et ecetera.

 

Für Prof. Javier Gomez-Montero von der Uni Kiel ist dieses erstmalig in 1948 editierte Buch nicht nur nach wie vor aktuell, noch mehr sei es als eine Fundgrube lokalgeschichtlicher, städtebaulicher und volkskundlicher Episoden zu betrachten. Gonzalo Torrente Ballester bediene den zeitgenössischen Gusto, wenn er sich an den Schatz mittelalterlicher Erzähltraditionen anlehne, um uns deren Reiz auf seine Art genießen zu lassen.

 

Mein Diktum. Diejenigen, die sich abseits der Mainstreamliteratur bewegen wollen, sollten unbedingt das Buch kaufen: "Denn das Mittelalter war herrlich."

Vera und Hellmuth Hell - 1964                            

Die große Wallfahrt des Mittelalters - 1964 /1979

Im Vordergrund des Bildbands (Dritte überarbeitete und ergänzte Auflage 1979) steht die Kunst an den romanischen Pilgerstraßen durch Frankreich und Spanien nach Santiago de Compostela - natürlich die des Mittelalters. Gerade der französische Teil besticht durch detaillierte Beschreibungen der Kathedralen von beispielsweise Nevers, Clermont, Conques, Toulouse. Mehrere Stiche gehen komplettierend auf den religiösen Aspekt ein.

 

Gesamteindruck: Die alles relativierende wissenschaftliche Exegese hat hier noch keinen bestimmenden Einfluß genommen. Inwieweit der Bildband heute noch zu beziehen ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe ihn vor Jahren gebraucht erwerben können mit dem schönen Beiwerk einer beglaubigten Compostela / Urkunde einer Pilgerin vom 22. Juli 1980.

 

Fazit: Kann man immer wieder durchblättern.

Auf den Jakobsweg. Paulo Coelho - 1991 

Dieses Buch hat mich, es war um die Jahrtausendwende, schlussendlich bewogen, mich näher mit dem Jakobsweg zu beschäftigen. Es faszinierte mit jeder Zeile. Paulo Coelho beschreibt seine persönlichen Pilgererlebnisse des Jahres 1986, in erster Linie seinen Kampf mit dem alter ego, mit Petrus, so nennt er ihn. Lesen Sie bitte selbst. 1987 erschien die Originalausgabe als "O Diario De Um Mago", 1991 als deutsche Erstausgabe mit dem Titel "Die heiligen Geheimnisse eines Magiers"; später dann, als das Pilgerfieber ausgebrochen war, trug es den Namen "Auf dem Jakobsweg - Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela." Mir liegt die Ausgabe von 1999 vor, Diogenes Verlag AG Zürich.

 

Mein Diktum: Ein empfehlenswertes Buch, auch wenn der Autor mittlerweile zugegeben hat, nicht alle Strecken wirklich selbst gegangen, gepilgert zu sein. Das ist unerheblich.

Shirley Maclaine - 2000

Der Jakobsweg - Eine spirtuelle Reise - 2000/2001

The Camino - A Journey of the Spirit, 2000. Deutsche Ausgabe 2001, Goldmann.

Die Autorin, wer kennt sie nicht in der Rolle der Irma La Douce, mag Esoterik, mag die östliche Philosophie, die die spirituelle Lebenskraft der Erde Prana nennt, beschreibt sich als nicht-religiös. Sie war/ist auf der Suche nach der Spiritualität, die sie auf dem Jakobsweg und seiner Energie der Ley-Linien zu finden suchte. Als weiteres Kriterium fügt sie die Herausforderung des fast 500 Meilen / 800 Kilometer langen fußläufigen Weges an. Ach ja, die Reise der Shirley MacLaine führt sie nicht nur in die Vergangenheit, nein, es muß schon bis zum Beginn der Menschheit zurückgehen; sie streift die Bedeutung von Geschlecht, Sexualität und einer allumfassenden Liebe. Allesamt gute Voraussetzungen.

 

Es kam, wie es kommen mußte, die Presse bekommt Wind von ihrem Vorhaben, verfolgt die arme Schauspielerin auf Schritt und Tritt, mit teils sehr grenzwertigen Methoden. Wie sie unter diesen Vorzeichen zu ihren spirituellen Erfahrungen kommen wollte, sie mußte ja die Paparazzi eingeplant haben, bleibt schleierhaft.

 

Fazit: Für EsoterikerInnen möglicherweise interessant.

Paolo Caucci von Saucken, Hrsg. - 1993           

Bildband Pilgerwege Santiago de Compostela - 1993/95

Zu Wort kommen Autoren vom Range eines Manuel C. Diaz y Diaz, Robert Plötz, Klaus Herbers, Derek Lomax, Serafin Moralejo, Carlos Villanueva, Lucia Gai, dem Herausgeber u.a.m.

I. Ursprünge und Formen der Pilgerfahrt nach Compostela: u.a. Pilgerfahrt zum heiligen Jakobus. Der Liber Sancti Jacobi. Santiago, eine Stadt für den Apostel. Cluny und der Jakobsweg. Musik und Pilgerwesen.

II. Jakobswege: Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland, Holland, England, von der Ostsee aus..

 

Meine Bewertung. Ein toller großformatiger Bildband, 388 Seiten. Nicht zu toppen. Wundervolle Fotos in großer Reinheit und Klarheit. Eine Fundgrube für den Geschichtsbewußten. Geschrieben vor dem großen Run Anfang des Jahrtausends.

Millan Bravo Lozano                                               

Der Jakobsweg. Ein Reiseführer für Pilger - 1993

Vermutlich werden viele Autoren bei der Abfassung Ihrer Reiseführer auf Millan Bravo Lozano zurückgegriffen haben. Besonders jene, die sich auch und gerade für die Zeugenberichte mittelalterlicher Pilger interessieren, wie mich. Lozano verstarb bereits in 1997. Die vorliegende Sonderausgabe ist sodann 1998 im Auftrag des Turespana (Tourismusbüro) editiert worden.

 

Bemerkenswert an diesem Führer ist, dass der Autor auch an die Autofahrer gedacht hat, die ihrerseits Pilger mit ihrem Auto begleiten;  also inkl. Angaben, wie man von der Landstraße immer wieder auf den Pilgerweg gelangt.

 

Fazit: Ein toller Reiseführer.

Edilesa - 1999 / 2. Ausgabe 2002

Der Pilgerweg nach Santiago

Über 500 Farbfotos. Der Leser wird auf diesen Seiten die verschiedenen Landstriche und Gegenden, sowie die Schönheiten, Kunst, Geschichte und die Legenden und Traditionen, die der Mensch im Laufe der Zeit geschaffen hat, kennelernen. Zu Fuß, im Auto oder Fahrrad. So die Beschreibung auf der Rückseite des von uns in 2006 in Santiago gekauften Bildbands.

 

Meine Bewertung: Ein inspirierender Bildband mit tollen Texten.

Gioia und Nando Lanzi                                             

Der Jakobsweg. Geschichte und Kultur - 2012

Einband Rückseite: Wer sich nicht nur für die spirituelle Bedeutung des Jakobswegs interessiert, sondern auch für die kulturellen und historischen Hintergründe, sollte zu diesem reich bebilderten Buch greifen.

Der Bildband beschreibt natürlich den Camino Frances, aber auch den Camino de la Plata, auch mozarabischer Weg genannt, von Sevilla bis Alija del Infantado, den nördlichen oder kantabrischen Weg von Irun bis Oviedo, den katalanischen Weg von Barcelona bis Saragossa. Die Fotos/Abbildungen sind durchweg spitze.

 

Meine Bewertung: Ein klasse Bildband. Nicht umsonst ist das Werk von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt (WBG) resp. vom Primus Verlag 2012 in Deutschland editiert worden; in Italien 2011.

Das italienische Autorenpaar veröffentlichte zahlreiche Bücher zur Geschichte der Religiösität und zum Pilgerwesen, die in mehreren Sprachen übersetzt wurden.

Klaus Herbers und Robert Plötz - 20./21. Jh.

PILGERFÜHRER LIBER SANCTI JACOBI, 12. Jh.

Wer sich intensiv mit der Geschichte des Camino de Santiago auseinandersetzen will, kommt an diesen Autoren nicht vorbei. Sie übersetzten den Liber Sancti Jacobus /Codex Calixtinus ins Deutsche. Davon zeugt u.a. die im Auftrag der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft herausgegebene Reihe der Jakobus-Studien (Narr Verlag). An dieser Stelle seien nur zwei Bücher erwähnt: Band 8 (1. Auflage 1997, 2. Auflage 2018) mit dem Titel Libellus Sancti Jacobi mit Auszügen aus besagtem Jakobusbuch des 12. Jahrhunderts und Band 19 mit der Überschrift Pilgerheilige und ihre Memoria (2012).

 

Der 2008 bei Reclam verlegte Pilgerführer aus dem 12. Jh. - Der Jakobsweg - geht zunächst intensiv auf die Predigt des Papstes Calixtinus (Veneranda dies) ein, beschreibt in Folge des Papstes Niederschriften zu den  Tagesstrecken des Jakobswegs, Orte, Landschaften, Erbauer, Basilika/Kathedrale in Compostella, etc.

 

Mein Fazit: Erwerben, sofern man über das Mainstreamwissen hinaus in die mittelalterliche Geschichte des Camino de Santiago einsteigen will, ungeachtet der Tatsache, dass die genannten Protagonisten vieles gerne durch ihre heutige, wissenschaftlich gefärbte Brille sehen. - Unten mehr dazu -

 

DEUTSCHE JAKOBSPILGER UND IHRE BERICHTE

Jakobus-Studien 1 aus 1988. Gunter Narr Verlag Tübingen.

 

Die Kapitelüberschriften

Robert Plötz: Deutsche Pilger nach Santiago de Compostela bis zur Neuzeit.

Klaus Herbers: Der erste deutsche Pilgerführer: Hermann Künig von Vach.

Hartmut Beckers: Die Reisebeschreibung Arnolds von Harff.

Volker Honemann: Sebastin Ilsung als Spanienreisender und Santiagopilger.

Michael Stolz: Die Reise des Leo von Rozmital.

Karl Zaenker: Wirklichkeit und Fiktion in der spätmittelalerlichen Reiseliteratur.

Hans-Wilhelm Klein: Karl der Große und Compostela.

Josel Nolte: Wege und Wandlungen.

 

Die Autoren sind sich kuiroserweise einig, dass die mittelalterlichen Berichte sich der scharfen heutigen wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen haben. Manchmal übertreiben Sie`s halt ein wenig. Ich werde ohnhin immer stutzig, wenn ausgerechnet katholische oder christliche Autoren schlechthin meinen, besonders kritisch die Altvorderen beurteilen zu müssen, ihnen die Hinzufügung Legendenhaftem anzuhaften.

 

Was ist Wissenschaft überhaupt?

  • Das Wesen der Wissenschaft ist Streit um die bessere Theorie.
  • Wissenschaftliche Theorien müssen immer widerlegbar sein.
  • Der Philosoph Karl Popper nennt es das Kriterium der ‚Falsifizierbarkeit‘.
  • Eine Theorie kann brillant sein, aber sie ist niemals wahr.
  • Sie ist nur im Moment noch nicht widerlegt.

 

Mein Fazit: Gleichwohl positiv.

Gideo Lewis-Kraus                                                

Die irgendwie richtige Richtung - 2013

Interview in der Literarischen Welt, Ausgabe vom 5. Oktober 2013, Seite 10:

Ich bin dann mal zurück. Wo geht`s nach Heute?

Fragen an den Amerikaner Gideon Lewis-Kraus, der auf zeitgemäße Weise pilgert - von Jan Küveler. (Suhrkampverlag, 384 Seiten) 

Für Lewis-Kraus ist die Sache klar, es kommt auf die Rückkehr an. Deshalb machte er sich dreimal auf den Weg, einmal nach Santiago de Compostela.

 

Reisen als Suche, Abenteuer oder Flucht und Vermeidung?

"Ich stellte die vertraute Struktur der Pilgergeschichte auf den Kopf. Wenn du nur über eine Reise schreibst, bist du versucht, mit der freudigen Erregung der Ankunft aufzuhören. Du schreibst nie darüber, was passiert, wenn du in deinen Alltag zurückkehrst. Etwa ob es dir gelingt, dieses neue Gefühl der Erregung und Ausgeglichenheit mitzunehmen. Dass passt zur typischen Abenteuergeschichte: Man zieht mit einem klaren Ziel los, überwindet Widrigkeiten und kehrt glorreich heim."

 

Es kommt also auf die Rückkehr an?

"Ja, denn erst da wird deutlich, ob es sich tatsächlich um eine erfolgreiche Suche gehandelt hat oder doch nur um eine Flucht. (…)"

 

Kann ein Ort einen Menschen verändern?

"(…) kaum jemals so, wie sich dieser Mensch das vorgestellt hat. Die besten Erfahrungen, die man an einem Ort machen kann, regen uns zu der Frage an, für welche unserer Hoffnungen die neue Umgebung eigentlich die Verantwortung übernehmen sollte."

 

Fazit: Allein die Behandlung seiner Deklamation: Es kommt auf die Rückkehr an, lohnt, sich näher mit dem Buch zu beschäftigen.

Losgehen, um anzukommen - 2008

DIE FASZINATION DES PILGERNS. Für Pilger und solche, die es werden wollen. Eindrucksvolle frühe Zeugnisse bis zu modernen Erzählungen - das Beste aus der Literatur, so der Einband des Buches, herausgegeben von Bettina Feldweg, www.malik.de, im Piper Verlag München, 2008.

  • Geoffrey Chaucer: Auf dem nach Canterbury
  • Ignatius von Loyola: Reise nach Jerusalem
  • Robert Louis Stevenson: Mit dem Esel durch die Cevennen
  • Franz Werfel: Anstatt des Wunders ein Ärgernis
  • Gonzalo Torrente Ballester: Der Jakobsweg
  • Cees Nooeteboom: Noch immer nicht in Santiago
  • Paulo Coelho: Die Hochzeit
  • Shirley MacLaine: Mutig voran
  • Bettina Selby: Eine Stadt voller Freuden
  • Matilde Asensi: Das Gold der Templer
  • Carmen Rohrbach: Im Zeichen von Kreuz und Muschel
  • Tim Moore: Eine große Familie
  • Brigitte Riebe: Auf dem Weg zum Kloster San Juan de Ortega, August 1563
  • Hape Kerkeling: 26. Juni 2001 – Castrojeriz und Fromista
  • Christian Jostmann: Von Florenz nach Rom
  • Iny Lorentz: Kampf um Kastilien
  • Coline Serreau: Pilgern auf Französisch

 

Fazit: In Epedemiezeiten wieder entdeckt. Eindrucksvolle Pilgerberichte, die gleichermaßen eindrucksvoll die Intensität der körperlichen, vor allem aber die der seelischen Erfahrungen beim Pilgern spiegeln.

Lesenswert für diejenigen, die pilgern wollen und nicht wandern.

Rachel Joyce                                                

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - 2012

The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry. 4. Auflage: Juli 2012. Deutsche Ausgabe: S. Fischer Verlag, Frankfurt.

 

Zitat Einband Rückseite: "Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht er 1000 Kilometer zu Fuß. Von Südengland bis an die schottische Grenze - eine Reise fürs Leben, eine Geschichte von Tapferkeit, Betrug, Liebe, Loyalität und einem ganz unscheinbaren Paar Segelschuhen."

 

Fazit: Ein berührender, lesenswerter Roman.

Abenteuer Pilgern. Interdisziplinär erforscht.

Herausgeber: St. Jakobusbruderschaft Trier, Echter Verlag, 2017.

 

Nicht nur für wissenschaftlich Interessierte von Bedeutung. Verschiedene Autoren kommen zu Wort Bereiche historisch-systematische Aspekte des Pilgerns und  soziologisch-psychologische Aspekte des Pilgerns. Pilgern als Selbstfindung oder religiöse Pflicht. Spiritualität. Soziale Gemeinschaften. Sinnsuche. Pilgern oder Wallfahren. Pilgernde Kirche.

 

Fazit. Mir brachte der Band einige wichtige neue Erkenntnisse.

Elke und Peter Schulze                           

Reisebericht Westwärts nach Galicien - 2006

Pilger auf den Spuren vergangener Zeitzeugen                            nach Santiago de Compostela

Westwärts nach Galicien

Pilger auf den Spuren vergangener Zeitzeugen

nach Santiago de Compostela

 

Achthundert Kilometer Faszinierendes, Eindrucksvolles, Meditatives, Spirituelles, Mythisches, Traumhaftes, Leichtes, Anstrengendes, Schmerzhaftes, Liebevolles, Unvergessliches, Geschichtliches, Religiöses, Mystisches, Kulturelles. 

 

Von den Pyrenäen bis zum Grab des heiligen Jakobus nach Compostela. Achthundert Kilometer reich an Historie, (mittelalterlichen) Geschichten und Heiligenlegenden. Von Navarra, durch die Rioja, via Burgos und León, den Provinzstädten von Kastilien-León, durch unendlich scheinende Getreidefelder der Meseta, der heißen spanischen Hochebene, durch das Land der Maragatos, über die Montes de León mit dem Cruz de Ferro, auf dem Camino duro nach O Cebreiro, durch mittelalterlich anmutende, verarmte Bauerndörfer ins hügelige, grüne, bewaldete, häufig regnerische Galicien.

 

Die skizzierten persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle werden immer wieder von eingestreuten Berichten aus (mittelalterlicher) Geschichte, Kultur und Religion unterbrochen, aufgelockert; vgl. dazu den Menü-Hauptpunkt REISEBERICHT WESTWÄRTS.

 

Fazit: Für diejenigen Pilger interessant, die immer einmal wieder ins Mittelalter eintauchen wollen, den Pilgerweg nicht als Wanderweg begreifen, und dennoch an den persönlichen Erlebnissen der Protagonisten interessiert sind.