MEIN JOURNAL. JAKOBSWEG ADE?

Einstimmung

DER JAKOBSWEG WÄHREND CORONA

7. September 2020. Stellte ich mir in meinem ersten Journal noch die Frage, wie sich der Jakobsweg nach Corona verändern würde, ist diese Frage längst beantwortet. Er hat sich bereits fundamental verändert. Die Anzahl der Pilger ist dramatisch zurückgegangen. Kein Wunder: Auf den Caminos war der absolute Lockdown angesagt, die Menschen mußten zu Hause bleiben. Es herrschte Ausgehverbot. Für den März wurden seitens des Pilgerbüros in Santiago noch 1.710 Pilger und Pilgerinnen registriert, davon nur 304 aus Übersee. Der Juli sollte langsam aber sicher die Wende bringen. Letztlich waren es nur 9.752 Pilger, davon aus Nordamerika lediglich 66. Der Vergleichsmonat von 2019 notierte 53.319 Pilger und Pilgerinnen, davon aus Nordamerika 3.643, Asien 1.570, Süd-Amerika 1.398, Oceanien 564 und Afrika 278.

Für August liegen noch keine Zahlen vor. Da aber nunmehr Spanien allgemein zum Risikogebiet erklärt worden ist, muß davon ausgegangen werden, dass sich die Zahlen auf einem niedrigen Level einpendeln werden. Wer will denn schon mit Maske pilgern. Es herrscht Maskenzwang. In Galicien werden die staatlichen Vorgaben besonders stringent – nomen est omen - verfolgt. Viele Häuser (Herbergen wie Hostals) bleiben indes geschlossen, das Miteinander auf dem Weg wie in den noch geöffneten Herbergen ist auf ein Minimalmaß gesunken. Internationale Pilger-Gesellschaften raten ab, den Camino jetzt zu gehen; am besten ihn auf 2021 verschieben.

 

Europäische Tageszeitungen überschlagen sich mit ihren Corona-Meldungen. Man hat fast den Eindruck, dass sie, wenn die sog. Infiziertenzahlen einmal nicht steigen, es nicht verkraften können. Journalisten und TV-Moderatoren widersprechen vehement Ärzten, wenn diese ein differenziertes Bild zeichnen.  Korrekterweise sollten alle Beteiligten, Medien, Politiker, Institute (RKI) von positiv-getesteten Personen sprechen und nicht von akut-infizierten, denn mitnichten werden alle Getesteten krank resp. müssen im Krankenhaus behandelt werden. Und dann, bitte schön, alle Zahlen ins Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl des Landes setzen; die gerne beschworenen absoluten Zahlen sagen gar nichts aus. Die Süddeutsche veröffentlicht akzeptable Statistiken. Sie setzt zum Beispiel die Anzahl der Verstorbenen ins Verhältnis 1:100.000. Die Zürcher NZZ brachte im Sommer einen Aufsatz, der die gegenwärtige Situation gut beschreibt: Das Ende der Intellektuellen. Zu Claqueuren der Mehrheitsmeinung geworden, ohne es zu merken." Bitte ggfs. selbst recherchieren. Ich erwarte von unseren "Vorturnern" vorbehaltlos objektive Informationen und keine Panik.

 

Warum kommt mir just eine Predigt von Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger in den Sinn? Gehalten am 15. September 1979 in München. Es gibt Parallelen. Der spätere Papst Benedikt XVI. hielt sie am am Fest der Sieben Schmerzen Marias, das in der schweren Pestepidemie der Jahre 1347 bis 1352, die in Europa 25 Millionen Tote gekostet hat, wie ein Klageruf aufgestiegen ist aus dem Inneren der Kirche. (…) Eine Religion (Anm.: durchaus übertragbar auf einen Teil unserer deutschen Bischöfe), und eine Weltanschauung, die den Menschen nichts zu sagen hätte, wenn sie im Leiden sind, hat ihnen überhaupt nichts zu sagen; denn wenn der Mensch nicht leiden kann und wenn sein Leiden keinen Sinn hat, kann er auch nicht leben. Und wenn er sein eigenes Leiden nicht annehmen kann, kann er auch nicht dass der anderen annehmen. Dann herrscht nur noch der Nutzen, dann herrscht die Barbarei in dieser Welt.“ 

Wohl wahr, eindringliche, für heutige Ohren fremd und hart anmutenden Worte. Laßt sie uns später meditieren, reflektieren. Nachzulesen in Joseph Ratzinger - Gesammelte Schriften. Predigten. Band 14/2, S. 935/7.

Meinen Camino Frances kennt ihr. Der Caminho Portugues inspiriert gleichermaßen. Zeit genug, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Stehen die iberischen Jakobswege vor dem Aus? Wir werden sehen.

Der französische Teilabschnitt vom Marien-Wallfahrtsort Lourdes zum Somportpaß und weiter entlang dem Camino Aragones wird auch uns heutige Pilger spirituell erfassen. Der Abstecher zum Marien-Wallfahrtsort Fatima, wenige Kilometer vom Caminho Portugues entfernt, geht in die gleiche Richtung. Einige deutsche Etappen Richtung Osnabrück können auch dabei sein, wie vielleicht später einige Etappen entlang der Mosel. 

 

Corona wird unser ständiger Begleiter sein, werde dabei das Management unserer Bundes- und Landespolitiker reflektieren, das - bei nähererer Betrachtung - jedenfalls bislang suboptimal verlaufen ist. Zeit der Vorbereitung gab es genug. Bundestag wie Bundesregierung waren seit 2012/13 informiert. Das betreffende RKI-Papier wurde ignoriert: eine Blaupause für die heutige Corona-Epidemie. 

Camino-infiziert

Es ist wie beim Golfen. Wenn der erste Schlag so richtig gut gelungen ist, nicht ins Gras gehackt, nicht getoppt, der kleine Ball das Eisen Sieben flüssig geschwungen verlassen hat, der Pro anerkennend die Weite auf über einhundert Meter taxiert, ja, dann ist man bereits infiziert - fürs ganze Leben. Das Spiel läßt einen nicht mehr los. Und genauso ist es mit dem Camino de Santiago, dem Jakobsweg. Kaum waren wir von unserem ersten Jakobsweg zurückgekehrt, schon saß ich am Schreibtisch und plante den nächsten Camino, wobei nicht ganz klar war, welcher es denn sein sollte. Und vor allem wann. Wie immer im Leben, alles Gute braucht Zeit, will sagen, einige Jahre. Wenn schon den Caminho Portugues pilgern, dann muß Zeit sein für einige Tage in Lissabon, für einen Abstecher nach Fatima.

 

Fortsetzung

Porto zu Fuß. Nein danke. Ich weiß, ich werde mir jetzt untreu:

Die letzten Kilometer hätte man sich gut und gerne schenken können. Aber danach geht`s ja nicht, dennoch: nur Asphalt ab Villafria de Burgos, zwei Stunden, so prall war das nicht. Was wird der mittelalterliche Pilger gemacht haben? Hermann Künig von Vach wie Arnold von Harff werden sich das Pilgerleben, dessen bin ich mir gewiss, auch so angenehm wie irgend möglich gestaltet haben. Gleichwohl, die Vororte aller größeren Städte sind nicht einladend, trist. Da muss man durch. Ach, was soll ich mich aufregen. Es gibt solche und solche. Die einen wandern, die anderen pilgern, die einen überbrücken Unliebsames mit dem Bus, mit dem Taxi, die anderen versuchen, den Unbilden des ganzen Weges zu trotzen.“ Text 14. Etappe.

 

Wir konnten ja gar nicht anders. Unseren Mietwagen, in Lissabon übernommen, Stop in Fatima, mußten wir vertragsgemäß draußen am Flughafen abgeben. Fein raus, nicht wahr; Selbstbetrug. Wie in meinem ersten Journal werde ich auf die Schilderung der Sehenswürdigkeiten in den größeren Städten verzichten; die kennt ihr alle selbst.

Vor dem Brunnen, irgendwo in Porto. Verweile, meditiere. Staune über meine Aktivitäten, über meine Lebensträume. In den Fünfzigern begeisterte mich Thor Heyerdahl. Mit der Kon-Tiki, einem selbstgemachten Floß, schafften er und seine Crew es, mit den technischen Möglichkeiten des präkolumbianischen Perus vor der Zeit der Inka, nach Polynesien zu segeln. Das waren noch echte Abenteurer. Das imponierte mir. Auf seine politische Gesinnung während der deutschen Besatzung Norwegens gehe ich lieber nicht ein. Das Museum in Oslo bleibt interessant.

Meinen ersten Lebenstraum verwirklichte ich mit Gero, meinem Zweitgeborenen mit der Route 66 von Chicago aus. Die Traumstraße der Welt, die Panamericana von Alaska bis Feuerland, werde ich wohl nie in Gänze – nomen est omen – erfahren. Für mich reichte es nur für das Teilstück von Dawson Creek in British Columbia, Kanada entlang der Westküste der Vereinigten Staaten bis nach San Diego. Der dritte Lebenstraum wird gleichermaßen nicht zu realisieren sein: der Appalachian Trail von Georgia/USA, Springer Mountain, hoch bis Main, zum Mount Katadhin. Er soll mit etwa 3.500 km einer der längsten Fernwanderwege der Welt sein. Träume!

 

Nun stehe ich vor dem Brunnen in Porto, die Synapsen agieren, sinniere, meditiere, horche in mich hinein: We`re doing our next Camino. Schon in wenigen Stunden wird er realiter beginnen: in Giao nahe dem Flughafen bis nach Arcos. Als Einstieg mit seinen 15 km gerade richtig.

Die Formalitäten an der Mietwagenstation waren schnell erledigt. Die Taxifahrt dauerte nur wenige Minuten. Stehen noch ein wenig verloren am Straßenrand, sortieren uns, die Wanderstöcke in der Hand; ich werde sie noch brauchen; anders als vermutet. Schauen uns an, sehen den gelben Pfeil am Mast. Endlich.

 

Fortsetzung 9. September 2020

Vergessen wir gerade den Tod, das Sterben? Geht es nur noch um die Gesundheit? Sowohl die Philosophen der Antike wie die Kirchenlehrer hielten es weiland für ihre Pflicht, die Menschen auf den Tod vorzubereiten, sich zumindest mit ihm vertraut zu machen. Er stellt sich uns sowieso - zu 100%. Wir hingegen pflegen den Ruf des Lebens. Das allgemeine Wohl, durchaus ein sittliches Ziel, entfaltet sich in einem Gesundheitssystem, das uns als rettende Kraft erscheint. Alexis de Tocqueville, ein Liberaler und ein Katholik zugleich, fürchtete 1840, wenn der Geist der Freiheit unter dem Sicherheitsbedürfnis der Demokraten erschlaffe, den unvermeidlichen Übergang aus der Demokratie in einen totalen Interventionsstaat. Quelle: Aufsatz Eberhard Straub in der Tagespost vom 3. September 2020. Ist das so? Einige deutsche Staatsrechtler haben bereits erste Befürchtungen ausgesprochen. Laßt uns später darüber diskutieren.

 

Fortsetzung

Mittwoch im Mai 2011, 11 Uhr 15. Giao de Cima. Wenige Kilometer vom Airport Porto entfernt. Sind irgendwie unschlüssig, stehen herum. Menschenleer. Auch keine Pilger zu sehen. Das Pilgerfeeling hat sich (noch) nicht eingestellt. Es ist halt nur der Caminho Portugues – nicht der Camino Frances. Ich weiß, dass viele diese meine Einschätzung nicht teilen. That`s my opinion, nothing else. Der Sixt-Mitarbeiter hatte ohnehin ungläubig geschaut, gefragt, ob wir denn wirklich den Caminho gehen wollen. Bis Vilarinho nur Straße, der Gehweg, wenn überhaupt vorhanden, sehr schmal, wenig einladend. Die Autos rasen vorbei. Der Wanderstock, gen Straßenseite etwas ausgestreckt, hilft, die Autofahrer und -fahrerinnen sind jetzt vorsichtiger. Bewege mich dabei wohl auf glattem Terrain.

In Arcos erwartet uns der Tod. Der 82-jährige Vater des Inhabers der Quinta Sao Miguel de Arcos war kurz zuvor verstorben. Jetzt werden die Jahrhunderte-alten Riten vollzogen. Nachbarn wie Familienangehörige versammeln sich um den Sarg, beten ununterbrochen das Ave-Maria, wechseln sich nach einigen Stunden ab, Tag und Nacht. Für uns Glück im Unglück: die Kirche war nicht verschlossen, wir dürfen hinein, sollen uns vorsichtig und leise bewegen. Der jetzige Chef sieht es pragmatisch. Das sei nun einmal der Lauf der Zeit, besser so, als wäre er als Sohn vor dem Vater verstorben. Da schluckt man erstmal, denkt über den sehr sachlich formulierten Satz nach, kapiert, versteht. Es ist nicht immer so. Weiß ich. Wie wird dieser Mann, ich schätze ihn auf Mitte Fünfzig, heute über den Tod sprechen, über Corona? Über die überbordenden Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit, nicht wenige Male zu Lasten der sonst Schwersterkrankten? Wie viele alte und nicht so alte Menschen scheu(t)en den Weg ins Krankenhaus, verschoben/verschieben nach wie vor aus Angst vor dem Corona-Virus ihre Krebs-OP, versterben vorzeitig!? Auf der Berliner Demo am 29. August 2020 interviewte irgendein „Covidiot“, irgendein „Corona-Leugner“, so werden ja diese Leute von vielen Medien und Politikern qualifiziert, eine angehende Ärztin aus Süddeutschland, die mit flammenden Worten dafür warb, „Leute, verschiebt nicht eure Operationen, kommt zu uns, dafür werde ich doch Ärztin, um Menschen zu helfen, für euch da zu sein.“

  

Es wird lustig. Zwei ältere Damen, ja, das sind sie wohl, wohlsituierte Witwen, zwei Freundinnen, die, obschon ihr Reisebüro die komplette Reise vorgebucht hat, uns in distinguierter Haltung erzählen, wie der richtige Pilger pilgern sollte. Den beiden anderen aus Dithmarschen und Wolfsburg werden wir des öfteren begegnen, miteinander eine Strecke gehen, im Pilgerrestaurant zusammen den Abend verbringen. Stelle `gerade fest, während ich meine Aufzeichnungen von 2011 durchblättere: durch geschicktes Fragen und Zuhören erzählen die Menschen - fast – alles aus ihrem Leben. Ich bin zurückhaltender. Neben mir liegt ein Artikel aus der „Welt“ mit der Überschrift: Früher war mehr Strafe Gottes. Er thematisiert die Pest-Epidemie Sommer 1679 in Wien und wie der Augustinerpater und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara (1644 bis 1709) selbige christlich gedeutet, gleichwohl den Ablauf exakt beschrieben hat. Der Kaiser nebst Gefolge war geflohen; nicht die Priester. Sie versahen weiter ihren Dienst, nahmen die Beichte ab, einige starben für ihre Gläubigen. 40.000 Exemplare umfaßte seine Abhandlung Mercks Wienn; eine enorme Zahl, vielfach weitergegeben. Die Wiener Bevölkerung sollte es sich merken: auch die Reichen werden nicht verschont, die  Gelehrten wie die Politiker auch nicht; sie versagten damals, und heute? Zum Schluß deklamiert der Autor, warum denn eigentlich heute die Kirchen schweigen, warum sie sich um eine christliche Deutung herumdrücken? Warum gibt es keinen neuen Abraham a Sancta Clara? Da müßte sich jemand schon sehr trauen, sagt er. Schon in Kürze werde ich das Buch in Händen halten.

 

Prof. Norbert Bolz, Philosoph und Medienexperte, formuliert es in der Tagespost vom 10. September 2020 in etwa so: Statt "Was darf ich hoffen?" - eine Frage, auf die man früher von der christlichen Religion eine Antwort erwartete, fragt die heutige Wohlstandsgesellschaft: "Was muß ich fürchten?"

 

Morgen werde ich auf einen YouTube-Filmer und Pilger eingehen, der just in diesen Tagen im August/September den Corona-Caminho Portugues gegangen ist. Tui: gespenstisch leer.

 

Fortsetzung

Der angesprochene YouTube-Filmer (Stand: 02.09.2020) scheint seriös zu sein. Kurz gesagt kann man sagen, dass die Corona-Vorschriften in Portugal wie noch mehr in Spanien sehr strikt eingehalten werden müssen. Die Herbergsbetten sind maximal pro Raum zu 50% in Portugal und zu 1/3 in Spanien belegt. In Spanien herrscht danach quasi überall Maskenpflicht, auch auf dem Weg; Desinfizierung beim Betreten der Gebäude ist obligatorisch. Die Anzahl der Pilger ist stark zurückgegangen, nahezu 90% Einheimische. Viele der Pilger auf dem Caminho Portugues kehren an der spanischen Grenze wieder um. In Portugal sollte man vorsichtshalber den Herbergsplatz reservieren, in Spanien hatte der Autor keine Probleme. Zur Pilgermesse um 19:30h Einlaß erst um 19:00h – nur mit Sitzplatzkarte, für 100 Pilger.

 

Zum Zahlenwerk ein Ausschnitt meiner Webseite:

Im Juli 2020 ließen sich 9.752 Pilger registrieren, davon 81% Spanier; 336 Deutsche darunter. Im Vergleichsmonat 2019 waren es 53.319 Pilger und 2.391 Deutsche.

Der August verzeichnete einen Schub auf 19.812 Pilger, davon 15.168 Spanier, 1.203 Italiener, 732 Portugiesen und 642 Deutsche.  Der Vergleichsmonat 2019 konnte mit 62.813 Pilgern aufwarten, davon 2.383 Deutsche. Interessant ist, dass der Anteil der nicht-religiös motivierten Wanderer stark zugenommen hat.

Fortsetzung

15. Sonntag nach Pfingsten, 13. September 2020.

Die Kirche von Arcos wird der Jungfrau Maria und Muttergottes geweiht sein. Die sehr schönen Statuen sind ein Beleg. Links und rechts ehemals genutzte wunderschön gestaltete Seitenaltäre. Mir gefällt der Altarraum, hell ausgemalt, die Abendmahlszene im Blick. Der Tabernakel im Hochaltar (nicht wie in einigen Kirchen Norddeutschlands in ein Seitenschiff „verfrachtet“), dem ein geschnitzter Tisch vorgesetzt ist. Auch hier hat man die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1962 bis 1965 fehlinterpretiert. Mitnichten war weiland davon die Rede gewesen, unbedingt den Volksaltar zu installieren. Auch sollte die lateinische Liturgiesprache nicht abgeschafft werden. Schon sehr schnell in den Siebzigern erkannten katholische Würdenträger und namhafte Theologie-Professoren, die mit der Katholizität noch etwas anfangen konnten, dass einiges aus dem Ruder gelaufen, nicht im Sinne des Konzils, nicht im Sinne von Papst Paul VI. umgesetzt worden war. Eine Schande. Nun denn, wenigstens hat man den Hochaltar nicht abgerissen, wie vielfach in Norddeutschland geschehen – analog des Bildersturms zur Reformationszeit. Wer sich für dieses Thema interessiert, der schlage bitte meine Webseite Missa Tridentina auf. Der angegliederte Friedhof ist ein Juwel, erhaben schön.

Wenige Kilometer hinter Arcos die nächste Kirche, in S. Pedro de Rates, ganz anderen Zuschnitts. Wuchtig, dunkel, aus groben Steinen gehauen. In ihr wieder eine Marienfigur, der Jungfrau von Fatima nachempfunden mit der typischen Krone. Auch im Inneren dunkel, vorne kniet ein junger Mann in Front des schlichten Volksaltars. Das direkt über dem ehemaligen Hochaltar einfallende Licht bescheint das hängende Kreuz, man erahnt den Corpus Christi. Irgendwie mystisch. Nur wenige Minuten der Stille verbleiben, Christa aus Dithmarschen möchte weiter.

Barcelos bleibt aus mehreren Gründen in Erinnerung. Zum einen durch die „tolle“ Igreja do Senhor Bom Jesus da Cruz und ihren Kacheln. Kurz nach der Erscheinung eines Kreuzes aus schwarzer Erde im Dezember 1504 errichteten die Bürger auf diesem Marktplatz eine kleine Kapelle, die dann 1704 von einer achteckigen Kirche abgelöst wurde. Involviert war der bekannte Architekt Joao Antunes. Die schwere Granitkuppel hat einen Durchmesser von 10 Metern. Hervorzuheben ist der Altar mit dem Bildnis des gekreuzigten Heilands aus dem 16. Jahrhundert sowie die im 18. Jahrhundert von Joao Neto, dem bekannten Kachelkünstler aus Lissabon, an die Wände gebrachten Azulejos – eindrucksvoll gestaltete religiöse Bibelmotive. Anfang Mai feiern die Einwohner das 5-tägige Kreuzfest Festa das Cruzes. Der gesamte Kirchenfußboden ist dann mit herrlichen Blumenteppichen ausgelegt. Wir durften einige der Blumenteppiche bewundern, waren just zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Diese Kirche ist ein Juwel.

Zum anderen bleibt mir Barcelos auch deshalb in Erinnerung, alldieweil ich mit einem Einheimischen am Nachbartisch ins Gespräch kam, der irgendwie schwäbisch brabbelte, er schaffe bei Daimler in Sindelfingen, sei nur auf Besuch des Kreuzfestes wegen. Der Hahn von Barcelos tut ein übriges. Erinnert sei an die Geschichte von Santo Domingo de la Calzada. Der Kundige wird`s schon wissen.

Für die teils schöne Strecke von Arcos bis Barcelos (19 km) benötigten wir drei Pilger relativ entspannt gegangene 6 Stunden, inklusive einer längeren Pause in Pedra Furade. Genug Zeit und Gelegenheit für mich der Stille, der Meditation, hingegen die Damen unaufhörlich redeten. Der kommende Tag wird uns herausfordern, 34 km werden es wohl sein oder inkl. eingerechneter Höhenkilometer 38,8. Christa wird uns an der Brücke Ponte das Tabuas verlassen, sie hat eine vorgebuchte Reise mit kürzeren Intervallen. So genießen wir das Pilgermenü im Restaurant Vera Cruz nicht bis zur letztmöglichen Stunde im Kreise weiterer Pilger, erfahrenen wie einem Newcomer.

Fortsetzung

15. September 2020. Fest der Sieben Schmerzen Mariens

Derzeit wird die Diskussion in Deutschland, weniger in Europa, von der prekären Situation der Flüchtlinge in Griechenland bestimmt.

Zum Einstieg die ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI. beim Neujahrsempfang für die Mitglieder des beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps am 7. Januar 2013:

"Meine Damen und Herren Botschafter, ich bitte Sie, Ihre Regierungen weiter dafür zu sensibilisieren, daß dringend die unerläßlichen Hilfen bereitgestellt werden, um der ernsten humanitären Lage entgegenzutreten." Der Papst erwähnte explizit Syrien, Irak, Libanon, Nordafrika, Ägypten, Nigeria, Mali.

 

Seit dem hat sich nichts getan! Nichts seitens der deutschen Bundesregierung! Nichts seitens der Europäischen Union resp. der Europäischen Kommission! Nichts seitens der Arabischen Liga resp. der Staaten der OIC! Nichts seitens der USA! Warum hat sich nichts getan? Warum nur Worthülsen? 

Fortsetzung

John Brierley’s Etappen-Beschreibung Barcelos nach Ponte de Lima ist an sich nichts hinzufügen. Die Etappe ist herausfordernd, die beiden Hügelpässe Alto de Portela wie Portela Vitorino tun ihr übriges, wobei wir unser persönliches Inferno am nächsten Tag mit dem Erklimmen des Portela Grande und dem Cruz dos Franceses erleben werden.

Inclusive Einberechnung der Höhenmeter werden wir 38,8 Kilometer gegangen sein, von kurz nach 8 Uhr bis 16:45h. An der Ponte das Tabuas hatte uns, wie angedeutet, Christa verlassen. Sie reihte sich ein in die vielen dort verweilenden Buspilger, ein Geschnatter sondergleichen, ältere Damen mit ausladendem Strohhut auf dem Kopf und einem Rucksäckchen vor sich liegend, das endlich ersehnte Pausenbrot verzehrend. Das klingt jetzt ein wenig hart, ist nicht so gemeint, beschreibt aber die Situation, die wir immer wieder erleben werden: Lärmende Pilgertouristen, das Bier in der Hand, leere Kirchen.

 

Mitpilger, die offensiv erzählen, dass sie mit Gott und der katholischen Religion nichts am Hut haben, den Caminho als europäischen Wanderweg begreifen. Eine ungute Entwicklung. Ich weiß auch nicht, wie sie zu stoppen ist, ob sie überhaupt, wirtschaftlicher Gründe wegen, gestoppt werden soll. Folgt man der Studie der Jakobusbruderschaft Trier, mehr auf meiner Webseite ANALYSE, so bestimmen sich über 31% der Jakobspilger als nicht-religiös und 18% als nicht-spirituell. Meine in 2011 gesammelten Erfahrungen kommen in dieser Studie des Jahres 2017 voll zur Geltung. In 2006, unserem ersten Camino de Santiago, stellte sich die Situation, so jedenfalls von uns erlebt, anders dar. Sehr wahrscheinlich spielt die generelle mediale Gottferne eine Rolle, in Deutschland, in Europa, nicht in Übersee.

 

Ich führe diese Gottferne auf den sich ausbreitenden Relativismus innerhalb der katholischen Kirche und den Kirchengemeinschaften zurück. Viele Kleriker wie Theologen passen sich - teils im vorauseilendem Gehorsam - dem veröffentlichten Mainstream, dem Zeitgeist an. Der Modernismus hat uns alle in den Klauen; Papst Pius X. hatte davor am 8. September 1907 mit seiner Enzyklika Pascendi Dominici gregis gewarnt. Heute wird er „natürlich“ auch kirchenintern angefeindet.

Dennoch, will die katholische Kirche nicht vollends zu einer x-beliebigen NGO verkümmern, sollten wir uns daran erinnern, was die katholische Kirche einst ausmachte, warum sie über Jahrhunderte Bestand hatte, allen Anfeindungen inner- wie außerkirchlich zum Trotz. Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936, englischer Schriftsteller, TV-Autor von Father Brown; engagierter Katholik) hat es einmal prägnant formuliert: DIE KATHOLISCHE KIRCHE IST DIE EINZIGE INSTITUTION, DIE DEN MENSCHEN VOR DER SKLAVEREI BEWAHRT, EIN KIND SEINER ZEIT ZU SEIN. 

Irgendwo am Caminho Portugues, in irgendeinem Restaurant. Wir kommen mit zwei sympathischen Holländern ins Gespräch. Sie gehen den Caminho von Lissabon aus. Tauschen Erinnerungen aus, Lissabon ist voller Sehenswürdigkeiten, noch wenigen Tagen durchstreiften wir das Gelände des Castelo S. Jorge, schauten uns die Kirchen an, etc. Warum nun erwähne ich die Holländer? Man lernt ja ständig Mitpilger kennen. Nun, diese beiden „retteten“ mir die Reise. Ohne sie wäre ich ohne mein Portemonnaie losgelaufen, es war mir aus der viel zu kleinen Hosentasche gerutscht. Warum hatte ich mir nur diese Wanderhose gekauft, die von 2006 hätte es auch noch getan. Wer weiß, wie sich ein anderer Finder verhalten hätte!

 

Wenn ich an das (Pilger-) Restaurant Gaio in Ponte de Lima denke, geht mir nachträglich noch die Hutschnur hoch. Ober wie Inhaber zeigten kein Einsehen, sie wollten unseren Pilgerausweis sehen. Einerseits kann ich ihr Verhalten nachvollziehen, andererseits war Elke und mir sehr deutlich anzusehen, dass wir keine Touristen, vielmehr Pilger waren. Was soll`s. Im nahegelegenen Restaurant Encanada war es zwar teurer, a la Card schmeckt es halt doch besser.

 

Fortsetzung

Es wird Zeit, dass ich auf den Abstecher nach Fatima eingehe. Überall am Weg ist die Jungfrau von Fatima zu sehen. Als Statue, auf Kacheln gemalt, ...

 

Unsere Werte in Europa

Camino de Santiago inclusive - Cancel Culture

- bitte sich einfach einmal die Zeit nehmen, eine Gedankenwelt kennenzulernen, die Sie hier in dieser stringenten Diktion sicherlich nicht unbedingt erwarten dürfen.

 

Anläßlich des Festaktes zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland am 15. September 2020 zeigte sich die Bundeskanzlerin zutiefst besorgt über ein Erstarken des Antisemitismus in Deutschland. Drei Tage später erscheint in der „Welt“ am 18. September 2020 auf Seite 2 der Bericht „Wie die EU noch immer Judenhaß in Schulbüchern finanziert“. Die deutsch-israelische Autorin impliziert dabei ausdrücklich das Hilfswerk der UNO, nämlich das UNRWA. Die deutsche Bundesregierung beteiligt sich an der Finanzierung.

Ich möchte in diesem Zusammenhang gar nicht näher auf die von der deutschen Bundesregierung genehmigten Waffenexporte in die Krisengebiete der Welt sprechen. Nur so viel: Über zwischengeschaltete deutsche Tochterfirmen auf Sardinien wie in Süd-Afrika werden Rüstungsfabriken auf der arabischen Halbinsel gebaut, deren dort erstellte Waffen dann u.a. im Jemen eingesetzt werden. Über welche Werte sprechen wir da eigentlich? Ich möchte auch nicht näher darauf eingehen, daß unsere Wirtschaftsleistung unter anderem auf "billige" Arbeitskräfte Ost-Europas (Rumänen, Bulgaren, Ost-Polen) beruht; und nicht nur das, wir locken auch noch die jungen Ingenieure und Ärzte zu uns nach Deutschland, bluten dortige Landstriche aus. Sind das deutsche und europäische Werte, auf die wir stolz sein können? Gelebtes Christentum sieht anders aus.

 

SITUATION IN EUROPA

Die spanische Regierung unter Pedro Sanchez tut alles, das einstmals urkatholische Spanien zu entchristianisieren. Erinnerungen an 1932 werden wach. Viele spanische Bischöfe fügen sich, sind offenbar dankbar, dass man ihnen noch Raum läßt, wenigstens als NGO zu wirken. Das Königspaar hält sich vornehm zurück, auch wenn es den Würdenträgern von Santiago de Compostela am Jakobustag 25. Juli 2020 einen Besuch abgestattet hatte. Die französische Regierung unter Präsident Macron tut nichts, sich den nahezu täglich stattfindenden Überfällen auf katholische Kirchen und Priester entgegenzustemmen, Abbrennen inklusive. In England wird die anglikanische Kirche bald keine gesellschaftlich relevante Rolle mehr spielen - dafür Black Lives Matter, Extinction Rebellion, Deplatforming, Silencing, Cancel Culture: Run auf die Statuen. Run auf die Schriften und Musiken der Vorfahren. Jetzt ist übrigens Ludwig van Beethoven dran; seine 5. Sinfonie stehe für den Elitismus der weißen Kultur, behaupten neuerdings (18.09.2020) zwei US-Journalisten. Komplettiert wird das Ganze durch den Genderismus, die Political Correctness schlechthin. Diese Schlagwörter bestimmen das gesellschaftliche Leben, das der Medien - in Germany as well.

 

Deutsche Bischöfe, österreichische leider auch, dienen sich mehrheitlich dem Staat, den Medien, dem Zeitgeist an, schließen vorauseilend gehorsam Kirchen, verbieten die Mundkommunion, erzwingen das Maskentragen – alles deutlich manifestiert Corona sei Dank!? Was und/oder wen soll ich fürchten, so lautet die Maxime: dem Corona-Virologen, dem RKI, der Regierung! Der Glaube an den trinitarischen Gott implodiert. Die Frage „Was kann ich hoffen?“ wird nicht mehr gestellt – in weiten Kreisen der Gesellschaft jedenfalls nicht.

 

HOFFNUNGEN. GEWISSHEITEN

Natürlich wird die von Jesus Christus gestiftete Kirche niemals untergehen, dessen bin ich gewiß. Hoffnungsvoll stimmen mich Berichte aus China, wo sich trotz rigider Gegenmaßnahmen der KPI und der Staatsregierung viele Chinesen christlich taufen lassen. Die Christianisierung auf dem afrikanischen Kontinent stimmt gleichermaßen hoffnungsvoll; leider nimmt parallel in mehreren Ländern Afrikas die Christenverfolgung zu, in den OIC-Staaten sowieso, was wiederum in Europa keinen interessiert.

 

Hoffnungsvoll stimmen mich back home die vielen katholischen Communitäten, die u.a. mit den Gläubigen die über 1.500 Jahre alte Messe aller Zeiten feiern (Missa Tridentina) - in Deutschland, Frankreich, England wie vor allem in den USA. Die Mitglieder dieser päpstlich anerkannten Gemeinschaften (Ordensleute, Padres wie Nonnen) glauben noch an den dreifaltigen Gott, glauben und vertrauen den Evangelisten, stehen zu ihrem Christ-Katholisch-Sein.

Hoffnungsfroh stimmen mich Orte wie die Basilika Sacre Coeur auf dem Pariser Montmartre (Berg der Märtyrer). Die weltberühmte Kirche gilt als Zentrum der Herz-Jesu-Verehrung und der Eucharistischen Anbetung - 24 Stunden lang. Jeden Tag werden vier heilige Messen (Liturgie) gefeiert, die letzte um 22:00h. Vor allem junge Menschen besuchen diese abendliche Messe, auch werktags. Täglich werden acht Stunden Beichte gehört. In Deutschland sagte vor nicht langer Zeit der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ein CDU-Politiker: er kenne keinen aus seinem Kreis, der beichte. Ohnehin sollen, so der Bericht in der Tagespost vom 17. September 2020, ganz unterschiedliche Menschen den Weg in die Pariser Basilika finden: Professoren, einfache Menschen, Studenten, Wallfahrer und Pilger, überhaupt viele junge Menschen. Papst Benedikt XVI. deklamierte bei seiner Deutschlandreise 2011 zu Recht: Die Kirche lebt. Der Synodale Weg 2019/2020 ist ein falscher Weg, er führt vom Glauben weg - hin zur Protestantisierung.

 

SORGE UM DEN CAMINO DE SANTIAGO

Wann werden weitere Kleriker und Politiker umfallen, und Matamoros-Statuen der political correctness wegen zerstören lassen? Einige Bildnisse hat es ja schon vor Jahren getroffen. EU-Kommission wie Bundesregierung werden nicht intervenieren.

 

Fazit: Auf der einen Seite gibt es die subtile Christenverfolgung in Europa, USA, Kanada, Australien/Neuseeland inklusive, den Relativismus und Subjektivismus unserer Eliten, inner- wie außerkirchlich.

Auf der anderen Seite aber auch Streifen der Hoffnung am Firmament, wie sie sich, neben Asien und Afrika, gerade in den europäischen Wallfahrtsorten Lourdes wie Fatima am Rande des Jakobswegs zeigen. Das wird den Camino de Santiago positiv beeinflussen. Was nützt den Pilgern, den Wanderern ein Jakobsweg, der sich schlußendlich von seinem Namensgeber gelöst haben wird? Ein stinknormaler europäischer Wanderweg wird`s dann sein, ohne Nimbus, ohne Fluidum, ohne Mysterium, ohne geschichtlichen Hintergrund. Insoweit stimmen mich die Maßnahmen der betreffenden Bürgermeister am Camino in Kastilien und Galicien hoffnungsvoll, die, natürlich auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus, die Via Küng entdeckt haben. Nicht wenige Pilger und Pilgerinnen werden sich mit dem Leben des 1495 von der Werra über Einsiedeln nach Santiago gepilgerten Hermann Künig von Vach beschäftigen und damit mit dem christlich-katholischen Hintergrund des Camino de Santiago. Ein richtiger Schritt.

 

Fortsetzung

400 Meter Anstieg, Geröll, Felsen, auf allen Vieren hoch zum ….

Es regnet. Wir betreten die Ponte de Lima, römischen Ursprungs, erst im 14. Jahrhundert wurde sie auf Geheiß des Königs erneuert. Die Igreja Matriz ist um viertel vor neun Uhr noch nicht geöffnet. So memorieren wir das Innere des Gotteshauses, den Marienaltar mit der Jungfrau von Fatima und die Figur des unter dem Holzkreuz leidenden Christus, sprechen ein Ave Maria, bekreuzigen uns. Wie viele Gläubige werden wohl sonntags noch die Hl. Messe besuchen?

Ich bereite mich auf den Aufstieg zum Alto de Portela Grande vor. Habe Elke bewußt verschwiegen, wie anstrengend es werden wird; verschwiegen auch, dass es einen anderen Weg gegeben hätte, auf der Straße, das Cruz dos Franceses umgehend. Die Pause am Fischteich (Forellenzucht) war viel zu kurz bemessen, wir gehen weiter, trotz des Regens. Eindreiviertel Stunde später. Das Drama beginnt. Der steilste Anstieg hinauf zum Alto de Portela Grande. Das Cruz dos Franceses fünfunddreißig Geh-/Kriechminuten zuvor. Auch ich bin total gestreßt. 400 Meter Hammertour steil hinauf, nur Geröll und felsiger Untergrund, muß mich mit den Händen abstützen, auf allen Vieren also, habe Angst, daß ich nach hinten wegrutsche, umkippe. Ich kann Elkes Unmut verstehen. Was ist zu tun? Zurück geht`s nicht, viel zu gefährlich. Wir beißen uns durch, tragen immer noch das verschwitzte Regencape, sind total erschöpft, es nervt jetzt alles, auch das Fotografieren, lasse nicht locker. Das Cruz dos Franceses, das Kreuz der Franzosen, erinnert an die Geschehnisse der französischen Besatzungszeit um 1809. Ein wenig erinnert es auch an das Cruz de Ferro am Camino Frances, soweit man den geschichtlichen Hintergrund ausblendet. Wir sind uns einig, schließen die Übernachtung in einer Herberge aus. Wir brauchen ein Bett, eine Dusche nur für uns, ausreichend Platz zum Trocknen der Kleidung und Wäsche. Das finden wir in San Roque. Die Tortur ist endlich vorbei, lernen abends im Hostal zwei ausgesprochen nette Pilger aus Kanada kennen - beide eigentlich aus Europa.  Er, der Harold ist aus England und sie, die Irene aus Deutschland. Ein Glücksfall. Später mehr über dieses interessante Paar. Die Buspilger mit Koffer und kleinem Rucksack nehmen wir zur Kenntnis, ebenso die Pilger der evangelischen Bruderschaft, die sich bewußt von den anderen fernhalten, abschotten. Why not? Zu den Daten: Laut John Brierley ist die Etappe 18,1 km lang, inclusive der Anstiege 20,4 Kilometer. Der Alto de Portela Grande liegt 405 Meter hoch. Es regnet immer wieder.

Heute Abend soll es auf Servus TV, so die Anzeige in der Welt vom Vortag, 19. September, eine Diskussion geben, die ein wenig aus der Rolle fallen dürfte. Drei Professoren werden zu Wort kommen, die sich nicht dem Mainstream angeschlossen haben, die, so das Format der Sendung, nicht sofort ausgebremst werden. Zur Klarstellung. Covid-19 ist ernstzunehmen. Es gilt die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Anordnungen zu diskutieren - vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abstiegs und steigender Arbeitslosenzahlen.

 

Fortsetzung

Die Politiker, Journalisten und Virologen scheint es nicht zu kümmern. Sie alle sind sich offenbar, dass ihre Gehälter und Bezüge keinen Schaden nehmen werden, frei nach dem Motto: der Strom kommt aus der Steckdose. Sollten nicht wenigsten einige Betriebs- und Volkswirtschaftler dabei sein, die sich den Blick für das Ganze nicht vollends verstellt haben? Die Steuereinnahmen sinken um mehrere Hundert Milliarden. Steuererhöhungen sind der Pipeline.

Der Bundestag hat sich quasi verabschiedet, er kontrolliert die Regierung nicht mehr. In den 16 Landtagen sieht es nicht viel besser aus. Man regiert mit Verordnungen. Irgendeiner wird doch wohl noch in der Lage sein, ein Normenkontrollverfahren einzuleiten. Wir attestieren einigen osteuropäischen Präsidenten mangelndes Demokratieverständnis; sieht´s bei uns viel besser aus?

 

Die Reisebranche liegt danieder. Wer mag sich noch in das Auto setzen, wie wir drei (Mutter, Vater, Sohn) es im Mai 2018 getan haben? Von Norddeutschland über Lourdes und den Col du Tourmalet (von der Tour de France bekannt) nach Saint-Jean-Pied-de-Port und weiter bis kurz vor Burgos. Fotos schießen, zu denen wir auf unserem Camino Frances keine Zeit hatten, zu müde waren, Kirchen verschlossen vorfanden. Wer wird sich noch in den Zug setzen, vielleicht mit dem TGV und der Metro M4 nach Paris-Montparnasse weiterfahren, um endlich – via Bayonne - in St. Jean den langersehnten Camino Frances starten zu können? Bitte jetzt nicht reklamieren, dass selbiger ja eigentlich erst in Puente la Reina beginnt. Wer steigt noch in den Flieger - Destination Bilbao -, wenn er/sie doch weiß, dass gerade der Norden Spaniens von der Epidemie betroffen ist? Wenn er/sie doch weiß, dass er/sie anschließend in die Quarantäne muss. Vor einigen Tagen habe ich mich bei mehreren nordspanischen Zeitungen eingeloggt. Es geht nur um Neuinfizierte.

Und dennoch. Es gibt noch Tapfere, Pilger, die sich nicht schrecken lassen, zumeist wohl Spanier. Macht es aber Freude, wenn man sich gewiß sein muss, dass hinter der Kurve, hinter der Biegung möglicherweise ein Polizeiwagen steht und kontrolliert? Macht es Freude, wenn Einheimische Pilger bedrängen, sie doch nicht anzustecken, wenn die Maske nicht angelegt ist?

 

Unser nächster Camino de Santiago wird auf sich warten lassen. Im Frühjahr / Sommer 2021 wird es noch keinen vertrauenswürdigen und verträglichen Corona-Impfstoff geben. Normalerweise dauert eine Testung 5-10 Jahre. Die Bundesregierung vertraut einer kürzeren Erprobungsphase, bestellte schon `mal auf Verdacht zig Millionen Dosen des berühmten AstraZeneca-Impfstoffs der Universität Oxford. Steuergeld.

Von Valenca bis nach Tui, bis nach Spanien, sind es nur wenige Schritte über den Minho. Die Ponte de Valenca oder Puente de Tuy, wir sprechen von der 1882 bis 1884 erbauten Gitterträgerbrücke, ist exakt 318 Meter lang. Das Parador de Tui ist leicht zu finden. Jetzt bis 75% sparen, so eine aktuelle Anzeige. Der Deskmanager schaute  skeptisch dein. Na so was, verschwitzte Pilger in unserem ****Hotel. Erinnerungen an Villafranca del Bierzo werden wach. Hingegen das Parador von Santo Domingo de la Calzada – jedenfalls damals – auf Jakobspilger eingestellt ist. Und wenn er dann noch gewußt hätte, dass wir in seinem/unserem gebuchten Zimmer diagonal von der Tür bis zum Fenster eine Wäscheleine spannen werden, ein leichter Herzinfarkt hätt`s schon sein können. Allerdings auch auf unserer Seite, hätte der Zimmerservice an die Tür geklopft. So machen wir uns gleichwohl in Ruhe fein, frisch geduscht und gekämmt, ordentliches Zeug an, gehen nach unten in die Bar, schlürfen ein Getränk, bereiten uns auf das Dinner vor. Es wird nicht preisgünstig sein, es ist ja kein Pilgermenü. Die Etappe von Rubiaes ist schnell abgehakt, oder vielleicht doch nicht? Ich weiß es noch nicht. Schaue morgen in die Unterlagen.

 

Fortsetzung

Harold und Irene aus Calgary/Kanada sind liebenswürdige Menschen; they accepted our limited English knowledgement. Harold, 79 Jahre alt, ist Professor, kommt ursprünglich aus England, unterrichtete Englisch und Spanisch; hat 6 Kinder, 15 Enkel und 13 Urenkel. Seit 1957 ist Harold begeisterter Jakobspilger, ein Freund aus Logrono hatte ihm davon erzählt. Irene, 57 Jahre alt, ursprünglich aus Deutschland (hat Verwandte in der Nähe unseres Wohnortes), ist nach wie vor als Nurse tätig. Sie betreut, wie sie es formulierte, dem Tod geweihte Menschen. Ein ungewöhnliches Paar, nicht nur wegen des Altersunterschiedes, kontaktfreudig, man hört ihnen gerne zu, ist hilfsbereit, wie ich später noch merken werde. Back home wohnen sie in einem 200qm großen Condominium, ohne Garten. Harold ist durchtrainiert, geht bei jedem Wetter in kurzen Hosen; er ist zig Caminos gegangen, Strecken bis zu 48 km am Stück. Ich wünschte, ich hätte seine Kondition. Die Zeit mit ihnen verging wie im Fluge, am Abendtisch wie an der Bar, ich spreche immer noch von Rubiaes, während am Nachbartisch die deutsche (evangelische) Gruppe für sich dinierte, wenig Interesse zeigte, mit anderen Pilgern zu kommunizieren. Kurz vor Santiago sahen wir Harold und Irene ein letztes Mal, frühmorgens, noch im Dunklen in Padron beim Kaffee und Croissant im Stehen; in Santiago leider nicht mehr. Hoffentlich war ihnen nichts passiert.

 

Samstag, 26. September 2020. Der bayerische MP Markus Söder, so die Meldung am 21. September 2020, will die Einhaltung der Maskenpflicht nicht nur von der Polizei, sondern ggfs. auch von der Bundeswehr kontrollieren lassen; in Spanien und Israel schon der Fall, in England ebenfalls geplant. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz beabsichtigt, sich von seinem Nationalrat das Corona-Durchregieren - ohne erneute Einschaltung des Bundesparlaments - bis letztlich 31. Dezember 2021 genehmigen lassen. Das heuer modifizierte deutsche Infektionsgesetz ist übrigens zeitlich un-limitiert; es beinhaltet u.a. das Durchgriffsrecht des Bundes gegenüber den Landesregierungen: Polizeien der Länder könnten dem Bund unterstellt werden. Ich will nicht hoffen, dass Frau Bundeskanzlerin und Herr Bundesgesundheitsminister dieses Procedere je durchgespielt haben gar umsetzen wollen. Da vertraue ich auf die Gegenwehr einiger Ministerpräsidenten - wohl nicht auf die von Daniel Günther, MP aus Schleswig-Holstein. Er übt schon `mal den Schulterschluß mit Jens Spahn und warnt die Bürger davor, jetzt in dieser Zeit in die Herbst- resp. Winterferien zu fahren. Volker Bouffier, MP von Hessen, hält von dieser Ansprache gar nichts - a la bonheur.

 

Unser Chefvirologe Prof. Christian Drosten, von Bundespräsident Steinmeier mit dem höchsen zivilen Ordens unseres Landes bedacht, bezweifelt offensichtlich die Wirksamkeit von Alltagsmasken auf die Krankheitsschwere? So von ihm vor dem Gesundheitsausschuß des deutschen Bundestages am 9. September 2020, ab Minute 8:18h, geäußert. "Wir wissen nicht, ob nicht die Verwendung von Alltagsmasken in großer Verbreitungsweite, ob das nicht dazu führt, dass im Durchschnitt die erhaltene Virusdosis in einer Infektion geringer ist und dass im Durchschnitt der Krankheitsverlauf auch weniger schädlich sein könnte, aber das ist eine reine Spekulation. Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Und es gibt umgekehrt eben Länder, in denen man sagen kann, es wurde von Anfang an durchgängig Maske getragen, dazu gehören sehr viele asiatische Länder und trotzdem ist es zu großen Ausbrüchen gekommen.” Quelle: Vera Lengsfeld, 23. September 2020.

 

Angst regiert das Land. Ältere Bekannte gehen nicht mehr vor die Tür, steigen nicht mehr in andere Autos, sagen die Teilnahme am Bibelkreis der örtlichen katholischen Gemeinde ab, befürchten Bergamo-Verhältnisse. Es ist traurig. Das Gros der Menschen vertraut den Autoritäten bedenkenlos, rercherchiert nicht selbst, hinterfragt nicht. Ein Anwaltsteam geht zum Gegenangriff über. Über ein juristisches Konstrukt wollen die Advokaten Bundesbürgern und Unternehmern Sammelklagen in den USA gegen den Virologen Prof. Drosten ermöglichen; es geht um die PCR-Tests. Ich bin traurig, darf nicht mehr ins Altenheim, darf als Ehrenamtlicher den Bewohnerinnen samstags nichts mehr aus der Zeitung vorlesen, darf nicht mehr der Männerrunde beistehen. Fünf Jahre von 2015 bis Corona, jede Woche.  

 

Fortsetzung folgt