JAKOBSWEG-JOURNAL. JAKOBSWEG ADE?

Einstimmung

DER JAKOBSWEG WÄHREND CORONA

7. September 2020. Stellte ich mir in meinem ersten Journal noch die Frage, wie sich der Jakobsweg nach Corona verändern würde, ist diese Frage längst beantwortet. Er hat sich bereits fundamental verändert. Die Anzahl der Pilger ist dramatisch zurückgegangen. Kein Wunder: Auf den Caminos war der absolute Lockdown angesagt, die Menschen mußten zu Hause bleiben. Es herrschte Ausgehverbot. Für den März wurden seitens des Pilgerbüros in Santiago noch 1.710 Pilger und Pilgerinnen registriert, davon nur 304 aus Übersee. Der Juli sollte langsam aber sicher die Wende bringen. Letztlich waren es nur 9.752 Pilger, davon aus Nordamerika lediglich 66. Der Vergleichsmonat von 2019 notierte 53.319 Pilger und Pilgerinnen, davon aus Nordamerika 3.643, Asien 1.570, Süd-Amerika 1.398, Oceanien 564 und Afrika 278.

Für August liegen noch keine Zahlen vor. Da aber nunmehr Spanien allgemein zum Risikogebiet erklärt worden ist, muß davon ausgegangen werden, dass sich die Zahlen auf einem niedrigen Level einpendeln werden. Wer will denn schon mit Maske pilgern. Es herrscht Maskenzwang. In Galicien werden die staatlichen Vorgaben besonders stringent – nomen est omen - verfolgt. Viele Häuser (Herbergen wie Hostals) bleiben indes geschlossen, das Miteinander auf dem Weg wie in den noch geöffneten Herbergen ist auf ein Minimalmaß gesunken. Internationale Pilger-Gesellschaften raten ab, den Camino jetzt zu gehen; am besten ihn auf 2021 verschieben.

 

Europäische Tageszeitungen überschlagen sich mit ihren Corona-Meldungen. Man hat fast den Eindruck, dass sie, wenn die sog. Infiziertenzahlen einmal nicht steigen, es nicht verkraften können. Journalisten und TV-Moderatoren widersprechen vehement Ärzten, wenn diese ein differenziertes Bild zeichnen.  Korrekterweise sollten alle Beteiligten, Medien, Politiker, Institute (RKI) von positiv-getesteten Personen sprechen und nicht von akut-infizierten, denn mitnichten werden alle Getesteten krank resp. müssen im Krankenhaus behandelt werden. Und dann, bitte schön, alle Zahlen ins Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl des Landes setzen; die gerne beschworenen absoluten Zahlen sagen gar nichts aus. Die Süddeutsche veröffentlicht akzeptable Statistiken. Sie setzt zum Beispiel die Anzahl der Verstorbenen ins Verhältnis 1:100.000. Die Zürcher NZZ brachte im Sommer einen Aufsatz, der die gegenwärtige Situation gut beschreibt: Das Ende der Intellektuellen. Zu Claqueuren der Mehrheitsmeinung geworden, ohne es zu merken." Bitte ggfs. selbst recherchieren. Ich erwarte von unseren "Vorturnern" vorbehaltlos objektive Informationen und keine Panik.

Mir kommt eine Predigt von Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger in den Sinn. Gehalten am 15. September 1979 in München. Es gibt Parallelen. Der spätere Papst Benedikt XVI. hielt sie am am Fest der Sieben Schmerzen Marias, das in der schweren Pestepidemie der Jahre 1347 bis 1352, die in Europa 25 Millionen Tote gekostet hat, wie ein Klageruf aufgestiegen ist aus dem Inneren der Kirche. (…) Eine Religion (Anm.: durchaus übertragbar auf einen Teil unserer deutschen Bischöfe), und eine Weltanschauung, die den Menschen nichts zu sagen hätte, wenn sie im Leiden sind, hat ihnen überhaupt nichts zu sagen; denn wenn der Mensch nicht leiden kann und wenn sein Leiden keinen Sinn hat, kann er auch nicht leben. Und wenn er sein eigenes Leiden nicht annehmen kann, kann er auch nicht dass der anderen annehmen. Dann herrscht nur noch der Nutzen, dann herrscht die Barbarei in dieser Welt.“ 

Wohl wahr, eindringliche, für heutige Ohren fremd und hart anmutenden Worte. Laßt sie uns später meditieren, reflektieren. Nachzulesen in Joseph Ratzinger - Gesammelte Schriften. Predigten. Band 14/2, S. 935/7.

Meinen Camino Frances kennt ihr. Der Caminho Portugues inspiriert auch. Zeit genug, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Stehen die iberischen Jakobswege vor dem Aus? Wir werden sehen.

Der französische Teilabschnitt vom Marien-Wallfahrtsort Lourdes zum Somportpaß und weiter entlang dem Camino Aragones wird auch uns heutige Pilger spirituell erfassen. Der Abstecher zum Marien-Wallfahrtsort Fatima, wenige Kilometer vom Caminho Portugues entfernt, geht in die gleiche Richtung. Einige deutsche Etappen Richtung Osnabrück können auch dabei sein, wie vielleicht später einige Etappen entlang der Mosel. 

 

Corona wird unser ständiger Begleiter sein, werde dabei das Management unserer Bundes- und Landespolitiker reflektieren, das - bei nähererer Betrachtung - jedenfalls bislang suboptimal verlaufen ist. Zeit der Vorbereitung gab es genug. Bundestag wie Bundesregierung waren seit 2012/13 informiert. Das betreffende RKI-Papier wurde ignoriert: eine Blaupause für die heutige Corona-Epidemie. 

Camino-infiziert

Es ist wie beim Golfen. Wenn der erste Schlag so richtig gut gelungen ist, nicht ins Gras gehackt, nicht getoppt, der kleine Ball das Eisen Sieben flüssig geschwungen verlassen hat, der Pro anerkennend die Weite auf über einhundert Meter taxiert, ja, dann ist man bereits infiziert - fürs ganze Leben. Das Spiel läßt einen nicht mehr los. Und genauso ist es mit dem Camino de Santiago, dem Jakobsweg. Kaum waren wir von unserem ersten Jakobsweg zurückgekehrt, schon saß ich am Schreibtisch und plante den nächsten Camino, wobei nicht ganz klar war, welcher es denn sein sollte. Und vor allem wann. Wie immer im Leben, alles Gute braucht Zeit, will sagen, einige Jahre. Wenn schon den Caminho Portugues pilgern, dann muß Zeit sein für einige Tage in Lissabon, für einen Abstecher nach Fatima.

 

Fortsetzung

Porto zu Fuß. Nein danke. Ich weiß, ich werde mir jetzt untreu, hatte ich doch auf dem Camino Frances vor Jahren deklamiert: Die letzten Kilometer hätte man sich gut und gerne schenken können. Aber danach geht`s ja nicht, dennoch: nur Asphalt ab Villafria de Burgos, zwei Stunden, so prall war das nicht. Was wird der mittelalterliche Pilger gemacht haben? Hermann Künig von Vach wie Arnold von Harff werden sich das Pilgerleben, dessen bin ich mir gewiss, auch so angenehm wie irgend möglich gestaltet haben. Gleichwohl, die Vororte aller größeren Städte sind nicht einladend, trist. Da muss man durch. Ach, was soll ich mich aufregen. Es gibt solche und solche. Die einen wandern, die anderen pilgern, die einen überbrücken Unliebsames mit dem Bus, mit dem Taxi, die anderen versuchen, den Unbilden des ganzen Weges zu trotzen.“ Text 14. Etappe.

 

Wir konnten ja gar nicht anders. Unseren Mietwagen, in Lissabon übernommen, Stop in Fatima, mußten wir vertragsgemäß draußen am Flughafen abgeben. Fein raus, nicht wahr; Selbstbetrug nenne ich das. Wie in meinem ersten Journal werde ich auf die Schilderung der Sehenswürdigkeiten in den größeren Städten verzichten; die kennt ihr alle selbst.

Vor dem Brunnen, irgendwo in Porto. Verweile, staune über meine Aktivitäten, über meine Lebensträume. In den Fünfzigern begeisterte mich Thor Heyerdahl. Mit der Kon-Tiki, einem selbstgemachten Floß, schafften er und seine Crew es, mit den technischen Möglichkeiten des präkolumbianischen Perus vor der Zeit der Inka, nach Polynesien zu segeln. Das waren noch echte Abenteurer. Das imponierte mir. Auf seine politische Gesinnung während der deutschen Besatzung Norwegens gehe ich lieber nicht ein. Das Museum in Oslo bleibt interessant.

Meinen ersten Lebenstraum verwirklichte ich mit Gero, meinem Zweitgeborenen mit der Route 66 von Chicago aus. Die Traumstraße der Welt, die Panamericana von Alaska bis Feuerland, werde ich wohl nie in Gänze – nomen est omen – erfahren. Für mich reichte es nur für das Teilstück von Dawson Creek in British Columbia, Kanada entlang der Westküste der Vereinigten Staaten bis nach San Diego. Der dritte Lebenstraum wird gleichermaßen nicht zu realisieren sein: der Appalachian Trail von Georgia/USA, Springer Mountain, hoch bis Main, zum Mount Katadhin. Er soll mit etwa 3.500 km einer der längsten Fernwanderwege der Welt sein. Träume!

 

Nun stehe ich vor dem Brunnen in Porto, die Synapsen agieren, sinniere, horche in mich hinein: We`re doing our next Camino. Schon in wenigen Stunden wird er realiter beginnen: in Giao nahe dem Flughafen bis nach Arcos. Als Einstieg mit seinen 15 km gerade richtig.

Die Formalitäten an der Mietwagenstation waren schnell erledigt. Die Taxifahrt dauerte nur wenige Minuten. Stehen noch ein wenig verloren am Straßenrand, sortieren uns, die Wanderstöcke in der Hand; ich werde sie noch brauchen; anders als vermutet. Schauen uns an, sehen den gelben Pfeil am Mast. Endlich.

 

Fortsetzung 9. September 2020

Vergessen wir gerade den Tod, das Sterben? Geht es nur noch um die Gesundheit? Sowohl die Philosophen der Antike wie die Kirchenlehrer hielten es weiland für ihre Pflicht, die Menschen auf den Tod vorzubereiten, sich zumindest mit ihm vertraut zu machen. Er stellt sich uns sowieso - zu 100%. Wir hingegen pflegen den Ruf des Lebens. Das allgemeine Wohl, durchaus ein sittliches Ziel, entfaltet sich in einem Gesundheitssystem, das uns als rettende Kraft erscheint. Alexis de Tocqueville, ein Liberaler und ein Katholik zugleich, fürchtete 1840, wenn der Geist der Freiheit unter dem Sicherheitsbedürfnis der Demokraten erschlaffe, den unvermeidlichen Übergang aus der Demokratie in einen totalen Interventionsstaat. Quelle: Aufsatz Eberhard Straub in der Tagespost vom 3. September 2020. Ist das so? Einige deutsche Staatsrechtler haben bereits erste Befürchtungen ausgesprochen. Laßt uns später darüber diskutieren.

 

Fortsetzung

Mittwoch im Mai 2011, 11 Uhr 15. Giao de Cima. Wenige Kilometer vom Airport Porto entfernt. Sind irgendwie unschlüssig, stehen herum. Menschenleer. Auch keine Pilger zu sehen. Das Pilgerfeeling hat sich (noch) nicht eingestellt. Es ist halt nur der Caminho Portugues – nicht der Camino Frances. Ich weiß, dass viele diese meine Einschätzung nicht teilen. That`s my opinion, nothing else. Der Sixt-Mitarbeiter hatte ohnehin ungläubig geschaut, gefragt, ob wir denn wirklich den Caminho gehen wollen. Bis Vilarinho nur Straße, der Gehweg, wenn überhaupt vorhanden, sehr schmal, wenig einladend. Die Autos rasen vorbei. Der Wanderstock, gen Straßenseite etwas ausgestreckt, hilft, die Autofahrer und -fahrerinnen sind jetzt vorsichtiger. Bewege mich dabei wohl auf glattem Terrain.

In Arcos erwartet uns der Tod. Der 82-jährige Vater des Inhabers der Quinta Sao Miguel de Arcos war kurz zuvor verstorben. Jetzt werden die Jahrhunderte-alten Riten vollzogen. Nachbarn wie Familienangehörige versammeln sich um den Sarg, beten ununterbrochen das Ave-Maria, wechseln sich nach einigen Stunden ab, Tag und Nacht. Für uns Glück im Unglück: die Kirche war nicht verschlossen, wir dürfen hinein, sollen uns vorsichtig und leise bewegen. Der jetzige Chef sieht es pragmatisch. Das sei nun einmal der Lauf der Zeit, besser so, als wäre er als Sohn vor dem Vater verstorben. Da schluckt man erstmal, denkt über den sehr sachlich formulierten Satz nach, kapiert, versteht. Es ist nicht immer so. Weiß ich. Wie wird dieser Mann, ich schätze ihn auf Mitte Fünfzig, heute über den Tod sprechen, über Corona? Über die überbordenden Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit, nicht wenige Male zu Lasten der sonst Schwersterkrankten? Wie viele alte und nicht so alte Menschen scheu(t)en den Weg ins Krankenhaus, verschoben/verschieben nach wie vor aus Angst vor dem Corona-Virus ihre Krebs-OP, versterben vorzeitig!? Auf der Berliner Demo am 29. August 2020 interviewte irgendein „Covidiot“, irgendein „Corona-Leugner“, so werden ja diese Leute von vielen Medien und Politikern qualifiziert, eine angehende Ärztin aus Süddeutschland, die mit flammenden Worten dafür warb, „Leute, verschiebt nicht eure Operationen, kommt zu uns, dafür werde ich doch Ärztin, um Menschen zu helfen, für euch da zu sein.“

  

Es wird lustig. Zwei ältere Damen, ja, das sind sie wohl, wohlsituierte Witwen, zwei Freundinnen, die, obschon ihr Reisebüro die komplette Reise vorgebucht hat, uns in distinguierter Haltung erzählen, wie der richtige Pilger pilgern sollte. Den beiden anderen aus Dithmarschen und Wolfsburg werden wir des öfteren begegnen, miteinander eine Strecke gehen, im Pilgerrestaurant zusammen den Abend verbringen. Stelle `gerade fest, während ich meine Aufzeichnungen von 2011 durchblättere: durch geschicktes Fragen und Zuhören erzählen die Menschen - fast – alles aus ihrem Leben. Ich bin zurückhaltender. Neben mir liegt ein Artikel aus der „Welt“ mit der Überschrift: Früher war mehr Strafe Gottes. Er thematisiert die Pest-Epidemie Sommer 1679 in Wien und wie der Augustinerpater und Schriftsteller Abraham a Sancta Clara (1644 bis 1709) selbige christlich gedeutet, gleichwohl den Ablauf exakt beschrieben hat. Der Kaiser nebst Gefolge war geflohen; nicht die Priester. Sie versahen weiter ihren Dienst, nahmen die Beichte ab, einige starben für ihre Gläubigen. 40.000 Exemplare umfaßte seine Abhandlung Mercks Wienn; eine enorme Zahl, vielfach weitergegeben. Die Wiener Bevölkerung sollte es sich merken: auch die Reichen werden nicht verschont, die  Gelehrten wie die Politiker auch nicht; sie versagten damals, und heute? Zum Schluß deklamiert der Autor, warum denn eigentlich heute die Kirchen schweigen, warum sie sich um eine christliche Deutung herumdrücken? Warum gibt es keinen neuen Abraham a Sancta Clara? Da müßte sich jemand schon sehr trauen, sagt er. Schon in Kürze werde ich das Buch in Händen halten.

 

Prof. Norbert Bolz, Philosoph und Medienexperte, formuliert es in der Tagespost vom 10. September 2020 in etwa so: Statt "Was darf ich hoffen?" - eine Frage, auf die man früher von der christlichen Religion eine Antwort erwartete, fragt die heutige Wohlstandsgesellschaft: "Was muß ich fürchten?"

 

Morgen werde ich auf einen YouTube-Filmer und Pilger eingehen, der just in diesen Tagen im August/September den Corona-Caminho Portugues gegangen ist. Tui: gespenstisch leer.

 

Fortsetzung

Der angesprochene YouTube-Filmer (Stand: 02.09.2020) scheint seriös zu sein. Kurz gesagt, die Corona-Vorschriften in Portugal, wie noch mehr in Spanien, sind sehr strikt. Die Herbergsbetten sind maximal pro Raum zu 50% in Portugal und zu 1/3 in Spanien belegt. In Spanien herrscht danach quasi überall Maskenpflicht, auch auf dem Weg; Desinfizierung beim Betreten der Gebäude ist obligatorisch. Die Anzahl der Pilger ist stark zurückgegangen, nahezu 90% Einheimische. Viele der Pilger auf dem Caminho Portugues kehren an der spanischen Grenze wieder um. In Portugal sollte man vorsichtshalber den Herbergsplatz reservieren, in Spanien hatte der Autor keine Probleme. Zur Pilgermesse um 19:30h Einlaß erst um 19:00h – nur mit Sitzplatzkarte, für 100 Pilger.

 

Zum Zahlenwerk ein Ausschnitt meiner Webseite:

Im Juli 2020 ließen sich 9.752 Pilger registrieren, davon 81% Spanier; 336 Deutsche darunter. Im Juli 2019 waren es 53.319 Pilger und 2.391 Deutsche.

Der August verzeichnete einen Schub auf 19.812 Pilger, davon 15.168 Spanier, 1.203 Italiener, 732 Portugiesen und 642 Deutsche. Der Vergleichsmonat 2019 konnte mit 62.813 Pilgern aufwarten, davon 2.383 Deutsche. Interessant ist, dass der Anteil der nicht-religiös motivierten Wanderer stark zugenommen hat.

Fortsetzung

15. Sonntag nach Pfingsten, 13. September 2020

Die Kirche von Arcos wird der Jungfrau Maria und Muttergottes geweiht sein. Die sehr schönen Statuen sind ein Beleg. Links und rechts ehemals genutzte wunderschön gestaltete Seitenaltäre. Mir gefällt der Altarraum, hell ausgemalt, die Abendmahlszene im Blick. Der Tabernakel im Hochaltar (nicht wie in einigen Kirchen Norddeutschlands in ein Seitenschiff „verfrachtet“), dem ein geschnitzter Tisch vorgesetzt ist. Auch hier hat man die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1962 bis 1965 fehlinterpretiert. Mitnichten war weiland davon die Rede gewesen, unbedingt den Volksaltar zu plazieren. Auch sollte die lateinische Liturgiesprache nicht abgeschafft werden. Schon sehr schnell in den Siebzigern erkannten katholische Würdenträger und namhafte Theologie-Professoren, die mit der Katholizität noch etwas anfangen konnten, daß einiges aus dem Ruder gelaufen, nicht im Sinne des Konzils, nicht im Sinne von Papst Paul VI. umgesetzt worden war. Eine Schande. Wenigstens hat man den Hochaltar nicht abgerissen, wie vielfach in Norddeutschland geschehen – analog des Bildersturms zur Reformationszeit. Wer sich für dieses Thema interessiert, der schlage bitte meine Webseite Missa Tridentina auf. Der angegliederte Friedhof ist ein Juwel, erhaben schön.

Wenige Kilometer hinter Arcos die nächste Kirche, in S. Pedro de Rates, ganz anderen Zuschnitts. Wuchtig, dunkel, aus groben Steinen gehauen. In ihr wieder eine Marienfigur, der Jungfrau von Fatima nachempfunden mit der typischen Krone. Auch im Inneren dunkel, vorne kniet ein junger Mann in Front des schlichten Volksaltars. Das direkt über dem ehemaligen Hochaltar einfallende Licht bescheint das hängende Kreuz, man erahnt den Corpus Christi. Irgendwie mystisch. Nur wenige Minuten der Stille verbleiben, Christa aus Dithmarschen möchte weiter.

 

Barcelos bleibt aus mehreren Gründen in Erinnerung. Zum einen durch die „tolle“ Igreja do Senhor Bom Jesus da Cruz und ihren Kacheln. Kurz nach der Erscheinung eines Kreuzes aus schwarzer Erde im Dezember 1504 errichteten die Bürger auf diesem Marktplatz eine kleine Kapelle, die dann 1704 von einer achteckigen Kirche abgelöst wurde. Involviert war der bekannte Architekt Joao Antunes. Die schwere Granitkuppel hat einen Durchmesser von 10 Metern. Hervorzuheben ist der Altar mit dem Bildnis des gekreuzigten Heilands aus dem 16. Jahrhundert sowie die im 18. Jahrhundert von Joao Neto, dem bekannten Kachelkünstler aus Lissabon, an die Wände gebrachten Azulejos – eindrucksvoll gestaltete religiöse Bibelmotive. Anfang Mai jeden Jahres feiern die Einwohner das 5-tägige Kreuzfest Festa das Cruzes. Der gesamte Kirchenfußboden ist dann mit herrlichen Blumenteppichen ausgelegt. Wir durften einige der Blumenteppiche bewundern, waren just zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Diese Kirche ist ein Juwel.

Zum anderen bleibt mir Barcelos auch deshalb in Erinnerung, alldieweil ich mit einem Einheimischen am Nachbartisch ins Gespräch kam, der irgendwie schwäbisch brabbelte, er schaffe bei Daimler in Sindelfingen, sei nur auf Besuch des Kreuzfestes wegen. Der Hahn von Barcelos tut ein übriges. Erinnert sei an die Geschichte von Santo Domingo de la Calzada. Der Kundige wird`s schon wissen.

Für die teils schöne Strecke von Arcos bis Barcelos (19 km) benötigten wir drei Pilger relativ entspannt gegangene 6 Stunden, inklusive einer längeren Pause in Pedra Furade. Genug Zeit und Gelegenheit für mich der Stille, der Meditation, hingegen die Damen unaufhörlich redeten. Der kommende Tag wird uns herausfordern, 34 km werden es wohl sein oder inkl. eingerechneter Höhenkilometer 38,8. Christa wird uns an der Brücke Ponte das Tabuas verlassen, sie hat eine vorgebuchte Reise mit kürzeren Intervallen. So genießen wir das Pilgermenü im Restaurant Vera Cruz nicht bis zur letztmöglichen Stunde im Kreise weiterer Pilger, erfahrenen wie einem Newcomer.

Fortsetzung

15. September 2020. Fest der Sieben Schmerzen Mariens.

Derzeit wird die Diskussion in Deutschland, weniger in Europa, von der prekären Situation der Flüchtlinge in Griechenland bestimmt.

Zum Einstieg die ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI. beim Neujahrsempfang für die Mitglieder des beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps am 7. Januar 2013:

"Meine Damen und Herren Botschafter, ich bitte Sie, Ihre Regierungen weiter dafür zu sensibilisieren, daß dringend die unerläßlichen Hilfen bereitgestellt werden, um der ernsten humanitären Lage entgegenzutreten." Der Papst erwähnte explizit Syrien, Irak, Libanon, Nordafrika, Ägypten, Nigeria, Mali.

 

Seit dem hat sich nichts getan! Nichts seitens der deutschen Bundesregierung! Nichts seitens der Europäischen Union resp. der Europäischen Kommission! Nichts seitens der Arabischen Liga resp. der Staaten der OIC! Nichts seitens der USA! Warum hat sich nichts getan? Warum nur Worthülsen? 

Fortsetzung

John Brierley’s Etappen-Beschreibung Barcelos nach Ponte de Lima ist an sich nichts hinzufügen. Die Etappe ist herausfordernd, die beiden Hügelpässe Alto de Portela wie Portela Vitorino tun ihr übriges, wobei wir unser persönliches Inferno am nächsten Tag mit dem Erklimmen des Portela Grande und dem Cruz dos Franceses erleben werden.

Inclusive Einberechnung der Höhenmeter werden wir 38,8 Kilometer gegangen sein, von kurz nach 8 Uhr bis 16:45h. An der Ponte das Tabuas hatte uns, wie angedeutet, Christa verlassen. Sie reihte sich ein in die vielen dort verweilenden Buspilger, ein Geschnatter sondergleichen, ältere Damen mit ausladendem Strohhut auf dem Kopf und einem Rucksäckchen vor sich liegend, das endlich ersehnte Pausenbrot verzehrend. Das klingt jetzt ein wenig hart, ist nicht so gemeint, beschreibt aber die Situation, die wir immer wieder erleben werden: Lärmende Pilgertouristen, das Bier in der Hand, leere Kirchen.

 

Mitpilger, die offensiv erzählen, daßs sie mit Gott und der katholischen Religion nichts am Hut haben, den Caminho als europäischen Wanderweg begreifen. Eine ungute Entwicklung. Ich weiß auch nicht, wie sie zu stoppen ist, ob sie überhaupt, wirtschaftlicher Gründe wegen, gestoppt werden soll. Folgt man der Studie der Jakobusbruderschaft Trier, mehr auf meiner Webseite ANALYSE, so bestimmen sich über 31% der Jakobspilger als nicht-religiös und 18% als nicht-spirituell. Meine in 2011 gesammelten Erfahrungen kommen in dieser Studie des Jahres 2017 voll zur Geltung. In 2006, unserem ersten Camino de Santiago, stellte sich die Situation, so jedenfalls von uns erlebt, anders dar. Sehr wahrscheinlich spielt die generelle mediale Gottferne eine Rolle, in Deutschland, in Europa, nicht in Übersee.

 

Ich führe diese Gottferne auf den sich ausbreitenden Relativismus innerhalb der katholischen Kirche und den Kirchengemeinschaften zurück. Viele Kleriker wie Theologen passen sich - teils im vorauseilendem Gehorsam - dem veröffentlichten Mainstream, dem Zeitgeist an. Der Modernismus hat uns alle in den Klauen; Papst Pius X. hatte davor am 8. September 1907 mit seiner Enzyklika Pascendi Dominici gregis gewarnt. Heute wird er „natürlich“ auch kirchenintern angefeindet.

Dennoch, will die katholische Kirche nicht vollends zu einer x-beliebigen NGO verkümmern, sollten wir uns daran erinnern, was die katholische Kirche einst ausmachte, warum sie über Jahrhunderte Bestand hatte, allen Anfeindungen inner- wie außerkirchlich zum Trotz. Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936, englischer Schriftsteller, TV-Autor von Father Brown; engagierter Katholik) hat es einmal prägnant formuliert: DIE KATHOLISCHE KIRCHE IST DIE EINZIGE INSTITUTION, DIE DEN MENSCHEN VOR DER SKLAVEREI BEWAHRT, EIN KIND SEINER ZEIT ZU SEIN. 

Irgendwo am Caminho Portugues, in irgendeinem Restaurant. Wir kommen mit zwei sympathischen Holländern ins Gespräch. Sie gehen den Caminho von Lissabon aus. Tauschen Erinnerungen aus, Lissabon ist voller Sehenswürdigkeiten, noch vor wenigen Tagen durchstreiften wir das Gelände des Castelo S. Jorge, schauten uns die Kirchen an, etc. Warum erwähne ich die Holländer? Man lernt ja ständig Mitpilger kennen. Diese beiden „retteten“ mir die Reise. Ohne sie wäre ich ohne mein Portemonnaie losgelaufen, es war mir aus der viel zu kleinen Hosentasche gerutscht. Warum hatte ich mir nur diese Wanderhose gekauft, die von 2006 hätte es auch noch getan. Wer weiß, wie sich ein anderer Finder verhalten hätte!

 

Wenn ich an das (Pilger-) Restaurant Gaio in Ponte de Lima denke, geht mir nachträglich noch die Hutschnur hoch. Ober wie Inhaber zeigten kein Einsehen, sie wollten unseren Pilgerausweis sehen. Einerseits kann ich ihr Verhalten nachvollziehen, andererseits war Elke und mir sehr deutlich anzusehen, daß wir keine Touristen, vielmehr Pilger waren. Was soll`s. Im nahegelegenen Restaurant Encanada war es teurer, dafür a la Card und gut.

 

Fortsetzung

Es wird Zeit, dass ich auf den Abstecher nach Fatima eingehe. Überall am Weg ist die Jungfrau von Fatima zu sehen. Als Statue, auf Kacheln gemalt, ...

 

Unsere Werte in Europa

Camino de Santiago inclusive - Cancel Culture

- bitte sich einfach einmal die Zeit nehmen, eine Gedankenwelt kennenzulernen, die Sie hier in dieser stringenten Diktion sicherlich nicht unbedingt erwarten dürfen.

 

Anläßlich des Festaktes zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland am 15. September 2020 zeigte sich die Bundeskanzlerin zutiefst besorgt über ein Erstarken des Antisemitismus in Deutschland. Drei Tage später erscheint in der „Welt“ am 18. September 2020 auf Seite 2 der Bericht „Wie die EU noch immer Judenhaß in Schulbüchern finanziert“. Die deutsch-israelische Autorin impliziert dabei ausdrücklich das Hilfswerk der UNO, nämlich das UNRWA. Die deutsche Bundesregierung beteiligt sich an der Finanzierung.

 

Ich möchte in diesem Zusammenhang gar nicht näher auf die von der deutschen Bundesregierung genehmigten Waffenexporte in die Krisengebiete der Welt sprechen. Nur so viel: Über zwischengeschaltete deutsche Tochterfirmen auf Sardinien wie in Süd-Afrika werden Rüstungsfabriken auf der arabischen Halbinsel gebaut, deren dort erstellte Waffen dann u.a. im Jemen eingesetzt werden. Über welche Werte sprechen wir da eigentlich? Ich möchte auch nicht näher darauf eingehen, daß unsere Wirtschaftsleistung unter anderem auf "billige" Arbeitskräfte Ost-Europas (Rumänen, Bulgaren, Ost-Polen) beruht; und nicht nur das, wir locken auch noch die jungen Ingenieure und Ärzte zu uns nach Deutschland, bluten dortige Landstriche aus. Sind das deutsche und europäische Werte, auf die wir stolz sein können? Gelebtes Christentum sieht anders aus.

 

SITUATION IN EUROPA

Die spanische Regierung unter Pedro Sanchez tut alles, das einstmals urkatholische Spanien zu entchristianisieren. Erinnerungen an 1932 werden wach. Viele spanische Bischöfe fügen sich, sind offenbar dankbar, dass man ihnen noch Raum läßt, wenigstens als NGO zu wirken. Das Königspaar hält sich vornehm zurück, auch wenn es den Würdenträgern von Santiago de Compostela am Jakobustag 25. Juli 2020 einen Besuch abgestattet hatte.

 

Die französische Regierung unter Präsident Macron tut nichts, sich den nahezu täglich stattfindenden Überfällen auf katholische Kirchen und Priester entgegenzustemmen, Abbrennen inklusive.

 

In England wird die anglikanische Kirche bald keine gesellschaftlich relevante Rolle mehr spielen - dafür Black Lives Matter, Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Aussterben), Deplatforming (Betrebungen, nicht genehme Personen aus den sozialen Netzwerken nicht zu Wort kommen zu lassen, sie auszuschließen), Silencing (Andersdenkende ruhig stellen), Cancel Culture (Boykott von Personen und Organisationen, gerne auch historische): Run auf die Statuen. Run auf die Schriften und Musiken der Vorfahren. Jetzt ist übrigens Ludwig van Beethoven dran; seine 5. Sinfonie stehe für den Elitismus der weißen Kultur, behaupten neuerdings (18.09.2020) zwei US-Journalisten. Komplettiert wird das Ganze durch den Genderismus, die Political Correctness schlechthin. Diese Schlagwörter bestimmen das gesellschaftliche Leben, das der Medien - in Germany as well.

 

Deutsche Bischöfe, österreichische leider auch, dienen sich mehrheitlich dem Staat, den Medien, dem Zeitgeist an, schließen vorauseilend gehorsam die Kirchentüren, verbieten die Mundkommunion, erzwingen das Maskentragen – alles deutlich manifestiert Corona sei Dank!? Was und/oder wen soll ich fürchten, so lautet die Maxime des Corona-Virologen, des RKI, der Regierung!

Der Glaube an den trinitarischen Gott implodiert. Folgerichtig wird in weiten Kreisen der Gesellschaft die Frage „Was kann ich hoffen?“ nicht mehr gestellt.

 

HOFFNUNGEN. GEWISSHEITEN

Natürlich wird die von Jesus Christus gestiftete Kirche niemals untergehen, dessen bin ich gewiß. Hoffnungsvoll stimmen mich Berichte aus China, wo sich trotz rigider Gegenmaßnahmen der KPI und der Staatsregierung viele Chinesen christlich taufen lassen. Die Christianisierung auf dem afrikanischen Kontinent stimmt gleichermaßen hoffnungsvoll; leider nimmt parallel in mehreren Ländern Afrikas die Christenverfolgung zu, in den OIC-Staaten sowieso, was wiederum in Europa keinen interessiert.

 

Hoffnungsvoll stimmen mich back home die vielen, teils neu gegründeten, katholischen Kommunitäten, die unter anderem mit den Gläubigen die über 1.500 Jahre alte Messe aller Zeiten feiern (Missa Tridentina) - in Deutschland, Frankreich, England wie vor allem in den USA. Die Mitglieder dieser päpstlich anerkannten Gemeinschaften (Ordensleute, Padres wie Nonnen) glauben noch an den dreifaltigen Gott, glauben und vertrauen den Evangelisten, stehen zu ihrem Christ-Katholisch-Sein.

 

Hoffnungsfroh stimmen mich Orte wie die Basilika Sacre Coeur auf dem Pariser Montmartre (Berg der Märtyrer). Die weltberühmte Kirche gilt als Zentrum der Herz-Jesu-Verehrung und der Eucharistischen Anbetung - 24 Stunden lang. Jeden Tag werden vier heilige Messen (Liturgie) gefeiert, die letzte um 22:00h. Vor allem junge Menschen besuchen diese abendlichen Messen, auch werktags. Täglich werden acht Stunden Beichte gehört.

 

In Deutschland sagte vor nicht langer Zeit der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ein CDU-Politiker: er kenne keinen aus seinem Kreis, der beichte. Ohnehin sollen, so der Bericht in der Tagespost vom 17. September 2020, ganz unterschiedliche Menschen den Weg in die Pariser Basilika finden: Professoren, einfache Menschen, Studenten, Wallfahrer und Pilger, überhaupt viele junge Menschen. Papst Benedikt XVI. deklamierte bei seiner Deutschlandreise 2011 zu Recht: Die Kirche lebt. Der Synodale Weg von 2019/2020 ist ein falscher Weg, er führt vom Glauben weg - hin zur Protestantisierung.

 

SORGE UM DEN CAMINO DE SANTIAGO

Wann werden weitere Kleriker und Politiker umfallen, und weitere Matamoros-Statuen der political correctness wegen zerstören lassen? Einige Bildnisse hat es ja schon vor Jahren getroffen. EU-Kommission wie Bundesregierung werden nicht intervenieren.

 

Fazit: Auf der einen Seite gibt es die subtile Christenverfolgung in Europa, USA, Kanada, Australien/Neuseeland inklusive, den Relativismus und Subjektivismus unserer Eliten, inner- wie außerkirchlich.

Auf der anderen Seite aber auch Streifen der Hoffnung am Firmament, wie sie sich, neben Asien und Afrika, gerade in den europäischen Wallfahrtsorten Lourdes wie Fatima am Rande des Jakobswegs zeigen. Das wird den Camino de Santiago positiv beeinflussen. Was nützt den Pilgern, den Wanderern ein Jakobsweg, der sich schlußendlich von seinem Namensgeber gelöst haben wird? Ein stinknormaler europäischer Wanderweg wird`s dann sein, ohne Nimbus, ohne Fluidum, ohne Mysterium, ohne geschichtlichen Hintergrund. Insoweit stimmen mich die Maßnahmen der betreffenden Bürgermeister am Camino in Kastilien und Galicien hoffnungsvoll, die, natürlich auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus, die Via Küng entdeckt haben. Nicht wenige Pilger und Pilgerinnen werden sich mit dem Leben des 1495 von der Werra über Einsiedeln nach Santiago gepilgerten Hermann Künig von Vach beschäftigen und damit mit dem christlich-katholischen Hintergrund des Camino de Santiago. Ein richtiger Schritt.

 

Fortsetzung

400 Meter Anstieg, Geröll, Felsen, auf allen Vieren hoch zum ….

Es regnet. Wir betreten die Ponte de Lima, eine Brücke römischen Ursprungs, erst im 14. Jahrhundert wurde sie auf Geheiß des Königs erneuert. Die Igreja Matriz ist um viertel vor neun Uhr noch nicht geöffnet. So memorieren wir das Innere des Gotteshauses, den Marienaltar mit der Jungfrau von Fatima und die Figur des unter dem Holzkreuz leidenden Christus, sprechen ein Ave Maria, bekreuzigen uns. Wie viele Gläubige werden wohl sonntags noch die Hl. Messe besuchen?

Ich bereite mich auf den Aufstieg zum Alto de Portela Grande vor. Habe Elke bewußt verschwiegen, wie anstrengend es werden wird; verschwiegen auch, dass es einen anderen Weg gegeben hätte, auf der Straße, das Cruz dos Franceses umgehend. Die Pause am Fischteich (Forellenzucht) war viel zu kurz bemessen, wir gehen weiter, trotz des Regens. Eindreiviertel Stunde später. Das Drama beginnt. Der steilste Anstieg hinauf zum Alto de Portela Grande; das Cruz dos Franceses fünfunddreißig Geh-/Kriechminuten zuvor. Auch ich bin total gestreßt. 400 Meter Hammertour steil hinauf, nur Geröll und felsiger Untergrund, muß mich mit den Händen abstützen, auf allen Vieren also, habe Angst, daß ich nach hinten wegrutsche, umkippe. Ich kann Elkes Unmut verstehen. Was ist zu tun? Zurück geht`s nicht, viel zu gefährlich. Wir beißen uns durch, tragen immer noch das verschwitzte Regencape, sind total erschöpft, es nervt jetzt alles, auch das Fotografieren, lasse nicht locker. Das Cruz dos Franceses, das Kreuz der Franzosen, erinnert an die Geschehnisse der französischen Besatzungszeit um 1809. Ein wenig erinnert es auch an das Cruz de Ferro am Camino Frances, soweit man den geschichtlichen Hintergrund ausblendet. Wir sind uns einig, schließen die Übernachtung in einer Herberge aus. Wir brauchen ein Bett, eine Dusche nur für uns, ausreichend Platz zum Trocknen der Kleidung und Wäsche. Das finden wir in San Roque. Die Tortur ist endlich vorbei, lernen abends im Hostal zwei ausgesprochen nette Pilger aus Kanada kennen - beide eigentlich aus Europa.  Er, der Harold ist aus England und sie, die Irene aus Deutschland. Ein Glücksfall. Später mehr über dieses interessante Paar. Die Buspilger mit Koffer und kleinem Rucksack nehmen wir zur Kenntnis, ebenso die Pilger der evangelischen Bruderschaft, die sich bewußt von den anderen fernhalten, abschotten. Why not? Zu den Daten: Laut John Brierley ist die Etappe 18,1 km lang, inclusive der Anstiege 20,4 Kilometer. Der Alto de Portela Grande liegt 405 Meter hoch. Es regnet immer wieder.

 

Heute Abend soll es auf Servus TV, so die Anzeige in der Welt vom Vortag, 19. September, eine Diskussion geben, die ein wenig aus der Rolle fallen dürfte, vergleicht man sie mit den üblichen Talkshows von ARD und ZDF. Drei Professoren werden zu Wort kommen, die sich nicht dem Mainstream angeschlossen haben, die, so das Format der Sendung, nicht sofort ausgebremst werden. Zur Klarstellung. Covid-19 ist ernstzunehmen. Es gilt die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Anordnungen zu diskutieren - vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abstiegs und steigender Arbeitslosenzahlen.

 

Fortsetzung

Politiker, Journalisten und Virologen scheint es nicht zu kümmern. Sie alle sind sich offenbar sicher, dass ihre Gehälter und Bezüge keinen Schaden nehmen werden, frei nach dem Motto: der Strom kommt aus der Steckdose. Sollte es nicht wenigsten einige Betriebs- und Volkswirtschaftler geben, die sich den Blick für das Ganze nicht vollends verstellt haben? Die Steuereinnahmen sinken um mehrere Hundert Milliarden. Steuererhöhungen sind in der Pipeline.

Der Bundestag hat sich quasi verabschiedet, er kontrolliert die Regierung nicht mehr. In den sechzehn Landtagen sieht es nicht viel besser aus. Man regiert mit Verordnungen. Welche Partei wird es wagen, beim Bundesverfassungsgericht ein Normenkontrollverfahren einzuleite?. Wir attestieren einigen osteuropäischen Präsidenten mangelndes Demokratieverständnis; sieht´s bei uns viel besser aus?

 

Die Reisebranche liegt danieder. Wer mag sich noch in das Auto setzen, wie wir drei (Mutter, Vater, Sohn) es im Mai 2018 getan haben? Von Norddeutschland über Lourdes und den Col du Tourmalet (von der Tour de France bekannt) nach Saint-Jean-Pied-de-Port und weiter bis kurz vor Burgos. Fotos schießen, zu denen wir auf unserem Camino Frances keine Zeit hatten, zu müde waren, Kirchen verschlossen vorfanden. Wer wird sich noch in den Zug setzen, vielleicht mit dem TGV und der Metro M4 nach Paris-Montparnasse weiterfahren, um endlich – via Bayonne - in St. Jean den langersehnten Camino Frances starten zu können? Bitte jetzt nicht reklamieren, dass selbiger ja eigentlich erst in Puente la Reina beginnt. Wer steigt noch in den Flieger - Destination Bilbao -, wenn er/sie doch weiß, dass gerade der Norden Spaniens von der Epidemie betroffen ist? Wenn er/sie doch weiß, dass er/sie anschließend in die Quarantäne muss. Vor einigen Tagen habe ich mich bei mehreren nordspanischen Zeitungen eingeloggt. Es geht nur um Neuinfizierte.

 

Und dennoch. Es gibt noch Tapfere, Pilger, die sich nicht schrecken lassen, zumeist wohl Spanier. Macht es aber Freude, wenn man sich gewiß sein muss, dass hinter der Kurve, hinter der Biegung möglicherweise ein Polizeiwagen steht und kontrolliert? Macht es Freude, wenn Einheimische Pilger bedrängen, sie doch bitteschön nicht anzustecken, wenn die Maske nicht angelegt ist?

 

Unser nächster Camino de Santiago wird auf sich warten lassen. Im Frühjahr / Sommer 2021 wird es noch keinen vertrauenswürdigen und verträglichen Corona-Impfstoff geben. Normalerweise dauert eine Testung 5-10 Jahre. Die Bundesregierung vertraut einer kürzeren Erprobungsphase, bestellte schon `mal auf Verdacht zig Millionen Dosen des berühmten AstraZeneca-Impfstoffs der Universität Oxford. Steuergeld.

Von Valenca bis nach Tui, bis nach Spanien, sind es nur wenige Schritte über den Minho. Die Ponte de Valenca oder Puente de Tuy, wir sprechen von der 1882 bis 1884 erbauten Gitterträgerbrücke, ist exakt 318 Meter lang. Das Parador de Tui ist leicht zu finden. Jetzt bis 75% sparen, so eine  Anzeige im September 2020. Der Deskmanager des Parador schaute  skeptisch drein. Na so was, verschwitzte Pilger in unserem ****Hotel. Erinnerungen an Villafranca del Bierzo werden wach. Hingegen das Parador von Santo Domingo de la Calzada – jedenfalls damals – auf Jakobspilger eingestellt ist. Und wenn er dann noch gewußt hätte, dass wir in seinem von uns für eine Übernachtung gebuchten Zimmer diagonal von der Tür bis zum Fenster eine Wäscheleine spannen werden, ein leichter Herzinfarkt hätt`s schon sein können. Wir waren auch nahe dran, hätte der Zimmerservice an die Tür geklopft. So machen wir uns gleichwohl in Ruhe fein, frisch geduscht und gekämmt, ordentliches Zeug an, gehen wir nach unten in die Bar, schlürfen ein Getränk, bereiten uns auf das Dinner vor. Es wird nicht preisgünstig sein, es ist ja kein Pilgermenü. Die Etappe von Sao Roque/Rubiaes ist schnell abgehakt, oder vielleicht doch nicht? Ich weiß es noch nicht. Schaue morgen in die Unterlagen.

 

Fortsetzung

Harold und Irene aus Calgary/Kanada sind liebenswürdige Menschen; they accepted our limited English knowledgement. Harold, 79 Jahre alt, ist Professor, kommt ursprünglich aus England, unterrichtete Englisch und Spanisch; hat 6 Kinder, 15 Enkel und 13 Urenkel. Seit 1957 ist Harold begeisterter Jakobspilger, ein Freund aus Logrono hatte ihm davon erzählt. Irene, 57 Jahre alt, ursprünglich aus Deutschland (hat Verwandte in der Nähe unseres Wohnortes), ist nach wie vor als Nurse tätig. Sie betreut, wie sie es formulierte, dem Tod geweihte Menschen. Ein ungewöhnliches Paar, nicht nur wegen des Altersunterschiedes, kontaktfreudig, man hört ihnen gerne zu, ist hilfsbereit, wie ich später noch merken werde. Back home wohnen sie in einem 200qm großen Condominium, ohne Garten. Harold ist durchtrainiert, geht bei jedem Wetter in kurzen Hosen; er ist zig Caminos gegangen, Strecken bis zu 48 km am Stück. Ich wünschte, ich hätte seine Kondition. Die Zeit mit ihnen verging wie im Fluge, am Abendtisch wie an der Bar, ich spreche immer noch von Rubiaes, während am Nachbartisch die deutsche (evangelische) Gruppe für sich dinierte, wenig Interesse zeigte, mit anderen Pilgern zu kommunizieren. Kurz vor Santiago sehen wir Harold und Irene ein letztes Mal, frühmorgens, noch im Dunklen in Padron beim Kaffee und Croissant im Stehen; in Santiago leider nicht mehr. Hoffentlich ist ihnen nichts passiert.

 

Samstag, 26. September 2020. Der bayerische MP Markus Söder, so die Meldung vom 21. September, will die Einhaltung der Maskenpflicht nicht nur von der Polizei, sondern ggfs. auch von der Bundeswehr kontrollieren lassen; in Spanien und Israel schon der Fall, in England ebenfalls geplant. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz beabsichtigt, sich von seinem Nationalrat das Corona-Durchregieren - ohne erneute Einschaltung des Bundesparlaments - bis letztlich 31. Dezember 2021 genehmigen lassen. Das heuer modifizierte deutsche Infektionsgesetz ist übrigens zeitlich un-limitiert; es beinhaltet unter anderem das Durchgriffsrecht des Bundes gegenüber den Landesregierungen: Polizeien der Länder könnten dem Bund unterstellt werden. Ich will nicht hoffen, dass Frau Bundeskanzlerin und Herr Bundesgesundheitsminister dieses Procedere je durchgespielt haben gar umsetzen wollen. Da vertraue ich auf die Gegenwehr einiger Ministerpräsidenten - wohl nicht auf die von Daniel Günther, MP aus Schleswig-Holstein. Er übt schon `mal den Schulterschluß mit Jens Spahn und warnt die Bürger davor, in die Herbst- resp. Winterferien zu fahren. Volker Bouffier, MP von Hessen, hält von dieser Ansprache gar nichts - a la bonheur.

 

Unser Chefvirologe Prof. Christian Drosten, von Bundespräsident Steinmeier mit dem höchsten zivilen Ordens des Landes bedacht, bezweifelt offensichtlich die Wirksamkeit von Alltagsmasken auf die Krankheitsschwere? So von ihm vor dem Gesundheitsausschuß des deutschen Bundestages am 9. September 2020, ab Minute 8:18h, geäußert. "Wir wissen nicht, ob nicht die Verwendung von Alltagsmasken in großer Verbreitungsweite, ob das nicht dazu führt, dass im Durchschnitt die erhaltene Virusdosis in einer Infektion geringer ist und dass im Durchschnitt der Krankheitsverlauf auch weniger schädlich sein könnte, aber das ist eine reine Spekulation. Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Und es gibt umgekehrt eben Länder, in denen man sagen kann, es wurde von Anfang an durchgängig Maske getragen, dazu gehören sehr viele asiatische Länder und trotzdem ist es zu großen Ausbrüchen gekommen.” Haben die öffentlich-rechtlichen Medien darüber berichtet? Quelle: Vera Lengsfeld, 23. September 2020.

 

Angst regiert das Land. Ältere Bekannte gehen nicht mehr vor die Tür, steigen nicht mehr in fremde Autos, sagen die Teilnahme am Bibelkreis der örtlichen katholischen Gemeinde ab, befürchten Bergamo-Verhältnisse. Es ist traurig. Das Gros der Menschen vertraut den Autoritäten bedenkenlos, rercherchiert nicht selbst, hinterfragt nicht. Ein Anwaltsteam geht zum Gegenangriff über. Über ein juristisches Konstrukt wollen die Advokaten Bundesbürgern und Unternehmern ermöglichen, sich Sammelklagen in den USA gegen den Virologen Prof. Drosten anzuschließen; es geht um die PCR-Tests. Ich bin traurig, darf nicht mehr ins Altenheim, darf als Ehrenamtlicher den Bewohnerinnen samstags nichts mehr aus der Zeitung vorlesen, darf nicht mehr der Männerrunde beistehen. Fünf Jahre von 2015 bis Corona, nahezu jede Woche. 

Fortsetzung

Die gegenwärtige Situation des Camino de Santiago ist gut ablesbar an den YouTubern von BDE-Travel. Der Protagonist, er bewegt sich offensichtlich beruflich auf dem Camino Frances, startete mit seiner Familie in 2019. Seine täglichen an US-Amerikaner gerichteten Videos, zumeist in der Hand das Steuerungsgerät für seine Drohne, wurden mehrere Tausend Mal angeklickt. Seine Luftbildaufnahmen sind sehenswert, verdeutlichen sie nicht nur die Schönheit der Landschaften, sie zeigen gleichermaßen, welche Qualen man weiland auf sich genommen hat, zum Beispiel in den Pyrenäen mit den steilen Anstiegen von Saint Jean via Cisa-Paß nach Roncesvalles. Der Blick des Gehenden verengt natürlicherweise.

Jetzt während der Pandemie bewegen sich seine Klickzahlen im Hunderter Bereich. Dass Interesse scheint rapide gesunken, festzumachen auch an den wenigen Pilgern, die er trifft; einige Dörfer versinken gar in den Dornröschenschlaf. Kann sich der Camino de Santiago davon erholen?

Kehren wir zurück zum Caminho Portugues. Einige Hostals waren ihr Geld nicht wert. Der Jakobspilger wird vielfach als normaler Gast betrachtet, so ist auch das Frühstück: Instantkaffee, Wasser, Milch, zugeteilte Marmelade, zugeteilte Brötchen. In O Porrino verlangte die Hotelwirtin von uns am Vorabend ihr aufzugeben, ob wir zum Frühstück ein Toastbrot mit einem Stück Butter und Marmelade oder ein Croissant mit Marmelade wünschten. Nur im Ausnahmefall werden wir jemals ein portugiesisches Zweisternehotel aufsuchen. Das Kasse machen, das Abzocken war zu evident. Vorboten der kommenden Entwicklung?

 

Wehmütige Erinnerungen an Astorga des Camino Frances kommen hoch. Das morgendliche Pilgerfrühstück in der Pilgerherberge war gut und mehr als ausreichend. Lebendig die parallel geführten Pilgergespräche. Ich bin wahrscheinlich ungerecht. Bei mir schwingt unterschwellig wohl das (Vor-) Urteil mit, dass ich mich nie so richtig mit dem Caminho Portugues anfreunden konnte. Die Bewohner am Weg waren sehr wohl freundlich und hilfsbereit, viele der englischen Sprache mächtig; beeindruckend auch die vielen Statuen und Fliesenbilder mit der Fatima-Jungfrau und den drei Seherkindern. Die Wanderer gingen vorüber, in der Regel nicht in die Kirchen hinein, wenn sie dann überhaupt geöffnet waren, geschlossen auch in Tui. Nicht die Kathedrale.

 

Der  wuchtige Eingang mit den vielen Figuren des AT und NT der Bibel überzeugt. Ganz oben die Muttergottes mit Kind. Wir treten in das Gotteshaus, stehen vor dem Bildnis von Papst Johannes Paul II. Hoch oben schwebt die umkränzte Muttergottes, das einfallende Licht im Rücken. Die mittelalterlichen Baumeister waren genial. Die Kathedrale (Baubeginn im 12. Jh.) ist Jesu Mutter geweiht. Das Internet gibt weitere Informationen. Das Museum ist geschlossen. Kreuzgang wie Garten mit der hohen Zypresse entschädigen, ebenso der Blick von dem angeschlossenen Burgbereich auf die Stadt wie auf die Kathedrale. Ich sitze auf einer Bank, hinter mir das Polizeigebäude. Die Gedanken schwirren, interagieren, gehen zurück bis nach Fatima, dem Highlight unserer Reise, wenige Tage zuvor. Fatima besticht durch eine einmalige Atmosphäre: junge Frauen rutschen auf den Knien zum Sanctuarium, viele junge Familien, junge Männer tragen riesengroße Kerzen in der Hand, verfolgen andächtig die heilige Messe, und zum Abschluß der einmalig intensive Kreuzweg. Bitte meine Webseite aufrufen. Jahre später werden uns in Lourdes, einem der größten Marien-Wallfahrtsorte schlechthin, zwei Padres im Nonnenkloster sagen, daß, wer nach Fatima pilgere, auf tiefgläubige Menschen treffe. Lest selbst.

Fortsetzung, 1. Oktober 2020

CORONA-PANDEMIE TRIFFT SPANIEN MIT VOLLER WUCHT

Vom Überflieger zum Sorgenkind. So lautet die Artikelüberschrift der „Welt“ vom heutigen 1. Oktober 2020. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im 2. Quartal des Jahres um 20 Prozent in die Tiefe gerauscht, im ersten Quartal seien es nur fast sechs Prozent gewesen. Die zweite Infektionswelle befördere den Abwachs. Eine Bankenkrise sei nicht mehr auszuschließen. Die Zahl der Kreditausfälle werde steigen; der IWF dazu: “Im schweren Streßszenario drohen Solvenzprobleme.“ Gut ein Viertel der spanischen Beschäftigten soll nur befristete Arbeitsverträge haben. Die Jugendarbeitslosigkeit sei auf 42% hochgeschnellt, noch höher als die in Griechenland. Noch sei unklar, wann die geplanten 140 EU-Rettungs-Milliarden dem Land zufließen. Kurzum: die Pandemie habe den einstigen wirtschaftlichen Überflieger zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend entzaubert.

 

Die Tourismusindustrie trage fast 15% zum BIP bei; mit dabei das Geld der Jakobspilger. Deutschland hat Spanien zum Corona-Hotspot erklärt. Zugegeben, die sog. Infiziertenzahlen im Großraum Madrid wie im Norden Spaniens sind besorgniserregend. Spaniens Zentralregierung (sozialistisch-kommunistisch) wie die Autonomen Regionen werden zu ggb. Zeit ihren Wählern Rechenschaft abgeben müssen; in Deutschland 2021. Die Ausreden, wir haben es nicht besser gewußt, wir mußten ständig dazulernen, die Pandemie hat uns überrollt, werden dann hoffentlich hinterfragt werden – in Germany as well.

 

EINREISE-QUARANTÄNE der Bundesrepublik Deutschland

de facto zweiter Lockdown für die Reisebranche

Die neuen von Bund und Bundesländern Ende September 2020 beschlossenen Einreiseregelungen, wirksam ab 15. Oktober 2020, besagen, daß sich alle Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet verpflichtend in eine fünftägige Quarantäne begeben müssen. Erst danach könne sie der Corona-Test ggfs. entlasten. Laut RKI kamen im Zeitraum 17.08. bis 13.09.2020 nur 5,5% der Reiserückkehrer aus Spanien. Nur 0,26% seien positiv getestet worden: Die „Welt“ subsumiert am 1. Oktober folgerichtig: Der Irrtum vom Urlauber als Risiko.

 

Ergo: Es sieht nicht gut aus. Für Spanien nicht. Für den Camino de Santiago nicht. Für die Bewohner und Gewerbetreibenden am Jakobsweg nicht. Für die Jakobspilger nicht. Mitnichten eine Schwarzmalerei.

 

Fortsetzung. Montag, 5. Oktober 2020

Ich mag mir das gar nicht ausmalen, was auf uns Europäer in der kalten Jahreszeit zukommt. In Madrid wurden letzte Woche besonders von der Epidemie betroffene Stadtteile abgeriegelt, jetzt ist die ganze Stadt dran und die Folge ist, dass die Menschen der zuvor abgeriegelten Stadtteile wieder Zugang zu den übrigen Stadtteilen inkl. City haben und reziprok. Wer soll das verstehen? Zentralregierung und Regionen bekämpfen sich munter.

 

Harter Schnitt. Wir befinden uns in der spanischen Grenzstadt Tui. Eine große französische Reisegruppe hat das Buffet leer geräumt. Wir sind die Dummen, die Uhr zeigt  8 Uhr40. Kein Renommee für ein Parador. Auch das ist zu akzeptieren.

Ein letzter Blick aus dem Hotelfenster stimmt hoffnungsfroh, Nebelschwaden ziehen am Bergrücken vorbei, auf ihm Sendemasten, vor ihm im Tal schemenhaft zu sehende Wohnhäuser. Ein heißer Tag kündigt sich an. Die Igrexa de San Bartolomeu ist noch geschlossen. Wenige Minuten weiter wird uns bewußt, daß wir uns auf historischem Boden befinden. Vor uns der Markierungsstein „VIA ROMANA XIX“, dahinter eine mittelalterlich anmutende Brücke. Und es wird noch mystischer. Im verwunschenen Wald ein alter Grenzstein, neben ihm ein mit Blumen geschmücktes mittelalterliches Kreuz, er verweist auf San Telmo, eigentlicher Name Petrus Gonzales, Telmo sein Beiname, der Bekenner. Wer sich für seine Bekehrung vom prunkvoll lebenden spanischen Adligen zum Einsiedler, Priester und Ordensmann  interessiert, schlage bitte auf der Plattform des Heiligenlexikon.de nach. Petrus, geboren am 9. März 1190 in Fromista bei Palencia, starb am 15. April 1246 in Tuy/Tui. San Telmo dürfte in den Augen heutiger Puristen und Culture Cancel-AnhängerInnen nicht gut wegkommen. Er bewog nämlich König Ferdinand III. zum Feldzug gegen die Mauren in Andalusien und begleitete seinen Herrn bei der Rück-Eroberung von Cordoba und Sevilla. Später ging er nach Asturien und Galicien, besuchte auch die entlegensten Orte, um dort zu predigen und sich der Armen anzunehmen. Nicht zu vergessen sein Einsatz für die Seeleute. Da diese in der Regel nicht die Kirchen aufsuchen konnten, besuchte er sie auf ihren Schiffen und verkündete dort das Evangelium. Kurz vor dem Industriegebiet O Porrinos, eine Palme weist auf eine Bar hin: Bar – Snack – Bocatas – Sello Pellegrino. Die Besitzer sind Elvis-Fans, anders ist das große Foto im Inneren nicht zu erklären. Jeder Stadt ist ein Industriegebiet vorgelagert, so auch hier. In meinen Aufzeichnungen steht „ätzend, heiß“; ebenso, daß wir auf dem Weg dorthin fast nur deutsche Wander-Rentner und eine deutsche Großfamilie trafen, sie nutzten einen Gepäckservice.    

 

Fortsetzung

Transformation Europas. Vor wenigen Tagen äußerte sich EU-Wirtschafts-Kommissar Paolo Gentiloni (italienischer Politiker der Partito Democratico) der britischen BBC gegenüber. Das wäre an sich nicht erwähnenswert, hätte er nicht mehrmals davon gesprochen, daß es nach Corona keine Rückkehr zur Normalität geben würde. Das Ziel sei, die entstandene Lage zu nutzen, um in Europa eine andere Gesellschaft zu etablieren: grüner, nachhaltiger, inklusiver. Unser ehemaliger Außenminister Joschka sieht das ähnlich, so sein Gastkommentar im Juni des Jahres im deutschen Handelsblatt. Was versteht Gentiloni beispielsweise unter „inklusiver“? Sollten wir nicht alle wachsamer sein? Von der pluralistisch verfaßten parlamentarischen Demokratie über die Expertokratie *) zur Neuen Normalität.

 

Jakobsweg ade? Mitnichten ein Unkenruf, keinesfalls herbeigeredet; im Gegenteil. Unumkehrbares Faktum? Ich weiß es nicht, befürchte es. Im August wagten sich 19.812 Pilger auf die Loipe (31,54% von 62.813 des Vorjahres), im September nur 10.441 (22,87% des Vorjahres mit 45.653).

Manche sprechen von einer Bereinigung, die dem Camino de Santiago an sich guttun würde. Knapp 350.000 Pilger in 2019 seien einfach zu viel gewesen. 2006, unser 1. Jakobsweg, verzeichnete 101.189 Pilger (59% männlich, 41% weiblich) . In 2019 drehte sich das Verhältnis zugunsten der Pilgerinnen mit 51,15%.

Jetzt in den Corona-Monaten scheinen die Damen vernünftiger, weniger risikofreudig zu sein: nur 44,1% zu 55,9%.

Zurück zu den Septemberzahlen. 70% Spanier. Nur 486 Pilger, rund 4,9%, aus Übersee. Der Flugbetrieb wird bald nur noch ein Schatten seiner selbst sein. Was soll`s? Wir kennen doch alles, vom eigenen Erleben vor Ort, vom Fernsehen fast jeden Winkel des Planeten, nicht wahr! Hingegen die deutschen Bundestagsabgeordneten (Regierung inklusive) nach wie vor mobil bleiben, von den Reisebeschränkungen innerorts nicht betroffen sein sollen. Exekutive und Legislative müssen ja weiterhin funktionieren; nicht anders die EU-Kommission nebst Parlament und Verwaltung. In den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts hatten wir das Vergnügen, uns die ehemalige Waldsiedlung Wandlitz anzuschauen.

*) Michel Friedmann und Harald Welzer (Soziologe) in der „Welt“ vom 7. Oktober 2020, Feuilleton, Seite 22: „Der Shutdown war ein großes Sozialexperiment“ mit dem Untertitel: "Eine gesunde Gesellschaft lebt vom Pluralismus ihrer Perspektiven. Über Mißverständnisse der Meinungsfreiheit, verantwortungslose Politiker und das Totalitäre der Expertokratie." Na, denn.

Virologe Christian Drosten im Interview mit "Zeit-Online" am 6. Oktober 2020:

"Ein weitgehend freies, möglichst ungestörten Leben mit dem Virus, wie Schweden es anstrebt, ist nicht tragbar." Seine coronapolitische Ethik formuliert unser Chefvirologe und einflußreichste Berater des Kanzleramts wie folgt: "Elementarste Rechte dürfen nicht nur, sie müssen sogar auf Dauer ausgesetzt werden, wenn es eine virologische Bedrohung gibt - sei es durch Corona, sei es durch jedes andere Virus mit ähnlicher Mortalität und Infektiosität." Quelle: Die Welt Online, 07.10.2020: Ausnahmezustand für immer.

 

Fortsetzung, 10. Oktober 2020

Elke und ich sind begeistert. Von Redondela. Von der Stadt am Ria de Vigo. Vom See. Von der Promenade. Vom heißen Wind. Wir genießen die Stunden, sitzen auf der Hotel-Terrasse in Cesantes, wenige Kilometer vom Ortskern. Vergessen die Imponderabilien des Weges, knappe 20 Kilometer, die öden Industriegebiete O Porrinos, das mäßige Zimmer der Stadt, einziger Lichtblick das Pilgermenü und der engagierte Wirt; und die Kapelle am Marktplatz, zwei Seitenaltäre luden zum Beten ein. Keiner außer uns hierinnen. Die geschmückten Bänke zeugen von einer Feier, einer Hochzeit vielleicht. Vergessen die mehrmals zu überquerende verkehrsreiche N-550, der steile Anstieg zum Monte Cornedo. Der von John Brierley versprochene erste Blick von hier auf den See, den gab es für uns nicht. Hinter dem Drahtzaun Geröll, einige kleinere Häuser in der Senke, dahinter in der Ferne eine im Bau befindliche Hochstraße. Rechts der Weg hinunter in die Stadt.

 

Das Bier zischt, der Salat schmeckt vorzüglich. Taxis fahren vor, entladen drei Pilgerinnen. Wir bestellen derweil das Dinner. Wir versuchen es. Irgendwann klappt es. Es ist unser Fehler, dass wir kein Spanisch sprechen. Die Damen der Bedienung sprechen halt nur spanisch, kein Englisch. Wohl aber die Chefin, sie zeigt sich verständnisvoll, erläßt uns mit den Worten „For your inconvenience“ die Bezahlung des Mineralwassers. Ein feine Geste. Auf dem Meer zig Boote. Auf der anderen Seite der kleine Yachthafen. Hier ist es auszuhalten. Vielleicht hätten wir ja doch in der Herberge übernachten sollen. Sie sei durchaus passabel gewesen, so die Info von Harold und Irena aus Kanada. Um halb eins war sie allerdings noch geschlossen und warten ist nicht so mein Ding, wenn es nicht unbedingt sein muß. Mußte es nicht in dieser Hitze.    

Ein schöner Ort zum Verweilen. Direkt am Wasser. Zeit zum Nachdenken, wie gut es doch einen im Leben getroffen hat. Man setzt sich in den Flieger, besichtigt Lissabon, hält inne im Marien-Wallfahrtsort Fatima, besichtgt die alten Ruinen von Batalha, setzt sich wieder in den Mietwagen, fährt weiter nach Porto, pilgert. Mehr oder weniger ohne Sorgen. Einfach so. Die Seeleute vergangener Zeiten hatten es definitiv nicht so gut getroffen, oder vielleicht doch? Wir stehen vor einer Marienstatue, die Muttergottes hat das Jesuskind auf dem Arm, davor ein geschmückter Rettungsring mit zwei Paddel. Ein Dankeschön für ihre Hilfe - ganz sicher.

Pilger des Glaubens und Zeugen des auferstandenen Christus: so ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort, um mit Gott ins Gespräch zu kommen; er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen und durch Christus befreit zu fühlen, und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen.– Erzbischof Juan Barrio Barrio von Santiago de Compostela zum Heiligen Compostelanischen Jahr 2010.

 

Die Nachrichten überschlagen sich. Unser vor Corona gebuchter Kurztrip an die Ostsee wird gecancelt werden müssen. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommerns ist sehr rigoros. Reisende aus Corona-Risikogebieten wollen sie nicht. Was ist bloß los? Dazu Ulf Poschardt - Chefredakteur der "Welt" in seinem Kommentar vom 10. Oktober 2020 Maske oder Maulkorb:

"Innerdeutsche Reisebeschränkungen setzen den autoritären Gesten beim Umgang mit der Corona-Krise eine weitere Krone auf. - Die stoische Hinnahme der Einschränkung fundamentaler Freiheitsrechte hat ein Ausmaß angenommen, das schockierend ist. - Alle die nicht in den Kontroll- und Überwachungsfetisch einwilligen, gelten als 'Covidioten', auch die(jenigen), die die wissenschaftlichen Erkenntnisse explizit nicht in Abrede stellen - aber sich wünschen, daß über die Konsequenzen diskutiert wird."

 

Fortsetzung

Auf dem Jakobsweg vergewaltigt. Schmerzhaft zu lesen. "Rettung suchte sie - vergeblich - im Kloster und in neuen Jobs. Es folgten neue Demütigungen und eine 'Nacht der Seele'. Auf dem Jakobsweg in Spanien wurde sie brutal vergewaltigt." - Eine junge Frau auf der Suche nach ihrem Ich - Irrwege zu Gott - Umkehr aus tiefster Seelennot. Aufgeschrieben in der Tagespost vom 24. September 2020. Unser erster Jakobsweg 2006 konfrontierte uns mit einer in etwa analogen Situation. Eine deutsche Pilgerin mittleren Alters, wir lernten sie näher kennen, berichtete fast emotionslos, offensichtlich ihre Art der Verarbeitung, daß sie wenige Wochen zuvor auf dem Silberweg, Via de la Plata, beinahe in toto von einem Bauern vergewaltigt worden sei. Letztlich hatte sie sich aber retten können.

 

Wie soll man als Außenstehender mit dieser Situation umgehen? Abschütteln, weitergehen? Natürlich nicht! Nachfragen? Zuhören? Sich Zeit nehmen? So wie mich die Mißbrauchsfälle in der Kirche zutiefst beschämen und ich mich frage, wie kann es geschehen, daß sich Priester, Bischöfe und Ordensleute in dieser Form versündigen, ich kapier es einfach nicht, haben sie sich doch Jesus Christus versprochen, so will mir eigentlich nicht in den Kopf, daß sich, in diesem Fall ein Einheimischer auf einem christlich grundierten Pilgerweg an einer schwächeren Frau vergreift. Anderserseits, und das beschönigt vorgenanntes überhaupt nicht, wird auf dem Camino 'auf Deubel komm raus' geflirtet, geschmust, getrunken, geliebt. Der Jakobsweg als Kennenlern- und Anmachmeile. Traurig. 

 

Fortsetzung, 15. Oktober 2020

SEHEN. STILL WERDEN. HÖREN. SICH RUFEN LASSEN. ANTWORTEN.

 

Was sehe ich?

Was spricht mich an?

Was ist mir als erstes aufgefallen?

Wohin richtet es mein Auge immer wieder?

Was löst das Bild für Reaktionen aus?

Gibt es etwas, wo ich mich wiederfinde?

Woran erinnere ich mich?

Was ist mir auf diesem Bild wichtig?

Welchen Namen würde ich diesem Bild geben?

Text: Hermann Rieke-Benninghaus, 2020.

 

 

 

SCHWEIGEN. INNEHALTEN. DEN JAKOBSWEG MEDITIEREN. 

Dazu paßt sehr schön der Text des heiligen Rafael Arnáiz Barón, Mystiker, Trappistenmönch aus Spanien; geb. 1911 in Burgos, gest. 1938 in Palencia:

„Gott ist in allem, aber dieses alles ist nicht Gott. Die Menschen, die daran gewöhnt sind, den Schöpfer in den unscheinbarsten Dingen der Schöpfung zu erkennen, in den Wundern der Natur, in der Harmonie des Introitus einer heiligen Messe oder im Herzen eines Menschen, empfinden zweifellos tiefe Freude an Gott, und Gott bedient sich recht häufig all dessen, um eine schlafende Seele aufzuwecken!


Dass die Seele Gott tatsächlich sieht, daran zweifelt niemand; aber es geschieht auf unvollkommene Weise; denn bevor sie die Landschaft erkennt, hat sich ihr Blick mit dem Nebel aufgehalten oder auch mit einem Insekt oder mit der Sonne, einem Musikstück oder mit der Großartigkeit eines Herzens. …


Wie deutlich erkennt man schließlich, dass es in der totalen Einsamkeit ist, in der man Gott wirklich findet! Wie groß ist Seine Barmherzigkeit, wenn sie, indem sie uns über alles Geschaffene hinwegblicken lässt, uns in diese unendlich weite Ebene versetzt, wo es weder Steine noch Bäume, weder Himmel noch Sterne gibt, in diese Ebene, die kein Ende hat, wo es keine Farben gibt, wo nicht einmal Menschen anzutreffen sind, wo nichts ist, was die Seele von Gott ablenken könnte!“ -  Quelle: Heiligenlexikon - Bitte hier nachschlagen:

Fortsetzung 17. Oktober 2020

Ist es normal, dass sich eine Gesellschaft nur auf eine einzige Krankheit fokussiert? Not, Elend und Hunger beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent negiert? Überraschenderweise ist dort nur ein moderater Corona-Ausbruch zu konstatieren. Eine Randnotiz für die Leitmedien, wenn überhaupt. Menschen, die täglich an Krebs, Lunge, schwerer Grippe qualvoll sterben, über sie wird nicht  berichtet. Nicht berichtet über den Marsch für das Leben in Warschau im September: 5.000 Demonstranten plus der polnische Präsident Duda. Nicht berichtet auch über Präsident Macrons Grundsatzrede am 2. Oktober 2020 gegen den radikalen Islam. Wichtiger sind die Infektionszahlen in Berlin, in den Hotspots, den Risikogebieten der Republik. Ein Unheil komme auf uns zu, so die Bundeskanzlerin.

 

Dramatik und Verunsicherung pur. Corona-Einsamkeit, Corona-Kummer, Corona-Leid. Wen interessiert`s? Die Wirtschaft geht den Bach runter. Wen interessiert`s? Der monatliche Lohn, die Gehälter fließen - wie beim Strom, der aus der Steckdose kommt. Die Steuereinnahmen werden aber  einbrechen, die Arbeitslosenzahlen in die Höhe schnellen. Aber es gibt doch Kreditaufnahmen – in Billionenhöhe. Das wirtschaftliche „Sterben“ der Tourismusgewerbetreibenden wird bewußt hingenommen. Gut, dass es noch einige mutige Verwaltungsgerichte gibt, die den Landesregierungen und damit auch dem Bund die Grenzen aufzeigen. Die Zürcher-NZZ titelte am 16. Oktober 2020: „Die Regelungswut der Politik ist Ausdruck von Hilflosigkeit“, und weiter: „Dass sich Bund und einzelne Länder bedenkenlos über Selbstverständlichkeiten der Verfassungsordnung hinwegsetzten (Beherbergungsverbot), zeigt einmal mehr, welche negativen Auswirkungen die Seuchenbekämpfung auf das Rechtsempfinden hat. (…) Staatliche Beinahe-Allmacht. Die Exekutive nutzt die Krise, um die Gewichte zwischen den Verfassungsorganen zu verschieben. Es ist eine schleichende Amtsanmaßung.“ Und die Parlamente schauen nahezu regungslos zu, wie Bundes- und Landesregierungen willkürlich Freiheitsbeschränkungen verkünden, einführen, durchzusetzen versuchen.

Das hält unsere Regierung, unsere Medien, wie die EU-Kommission gleichwohl nicht ab, weiterhin Ungarn wie Polen ob deren mangelndem Demokratieverständnis zu maßregeln.

Der Wallfahrer nach Chartres sucht das wohl bekannteste Fußbodenlabyrinth mit einem Durchmesser von 12,8 Metern und elf Umgängen. Ein Kranz mit 112 regelmäßig angeordneten Zacken bildet die Außenkante. Das Zentrum entspricht dem mit einem Durchmesser von 3,1 Metern dem inneren Teil des Fensters in der Hauptfassade der berühmten Kathedrale. So möchte der Wallfahrer auf Knien dem Muster folgen, seine Gebete sprechen. Innig ist der Wunsch des Pilgers, durch die Erfahrung des Labyrinths den eigenen Lebensweg mit seinen Verschlingungen zu überdenken. Wird hier nicht der Weg der Seele zur Erlösung spürbar?

Aber: Sind wir nicht die ganze Zeit auf dem Weg? Nicht immer finden wir den direkten Weg, biegen an Weggabelungen ab, entscheiden uns für die falsche Strecke. Oft muß man umkehren, den richtigen Weg wiederzufinden. Auf dem Jakobsweg scheint es uns einfacher zu sein: Westwärts nach Santiago de Compostela – immer der Sonne nach; auf mehr oder wenige geraden Wegen, Schilder, die uns führen. Nicht immer stört das Geschnattere der Mitpilger, und falls doch: Lassen wir uns zurückfallen, suchen ein Gotteshaus, eine Kapelle auf, verharren im Gebet, in der Meditation. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ – Joh 14,6. Unser Weg führt uns zum Apostel Jakobus, zur Kathedrale des Santiago de Compostela, entlang den Marienstatuen zum Sohn Gottes. Was gibt es Schöneres? Inspiriert durch einen Text von Hermann Rieke-Benninghaus, Dinklage.

 

Fortsetzung, 20. Oktober 2020

Einmal im Jahr erhält die Statue von der Jacobus-Gesellschaft einen Blumenschmuck umgehängt. Warum? In 1369 hatte der Magistrat von Bremen in schwerer Zeit gelobt, alljährlich einen Pilger zum Grab des heiligen Jakobus zu entsenden. Was war geschehen? Der schwarze Tod hatte Bremen Anno Domini 1350 erreicht: Siebentausend (7000) Tote bei einer Einwohnerzahl von rund 15000. Zweihundertsiebenundsiebzig Jahre später in 1627 starben 10000 Menschen; fünfzig Jahre zuvor in 1577 beklagte man (nur) 1500 Tote, 1655/56: 1600. Sieben Jahre später in 1667: 62 und zuletzt in 1712 fünfzehn (15) an der Zahl.

 

What about 2020? La nueva pest negra? Die neue schwarze Pest namens Covid 19?

 

Noch einmal zu Verdeutlichung: Schon 4800 bis 3800 vor Christus; danach wiederkehrend. 165 bis 186 nach Christus - 542 - 746 - 1350 – 1577 – 1627 – 1655/1656 – 1667 – 1712 – 1889/1890 - 1896 - 1918 bis 1920 - 2020/2021.

Das heißt doch wohl, dass es Pest- und analoge Epidemien resp. -Pandemien zu allen Zeiten gegeben hat. Wir in Europa fühlten uns doch immun. Welch`ein Trugschluß.

Welches Bild verbinden wir mit dem Mittelalter? Auf jeden Fall nicht erster Linie  das der genialen Baumeister, die uns die majestätischen Dome und Kathedralen geschenkt haben. Nein: Wir assoziieren mit ihm Schmutz und Unrat, fehlende Hygiene. Wie sieht`s heute aus? Neben Abstand halten und Alltagsmasken tragen, heißt es allerorten HYGIENEREGELN beachten. Die  Eliten bringen dem Volk das Händewaschen bei. Mindestens 20 bis 30 Sekunden unter fließendem warmen Wasser, et ecetera. Na ja, geht mal in eine öffentliche Toilette, wenn`s nicht zu vermeiden ist, und beobachtet en passant …

 

Heute würde kein Magistrat, kein Gemeinderat, kein Stadtparlament auf die Idee kommen, über eine Wallfahrt nachzudenken; der Glaubensabfall ist geradezu körperlich spürbar.

Kehren wir zurück nach Bremen, Anno Domini 2017, Pfingstmontag. Ein herrlicher Tag um viertel nach acht Uhr. Der Marktplatz nahezu menschenleer. Stehe vor dem Dom: seit der Reformation nicht mehr katholisch. Meditiere. Spreche ein kurzes Gebet, wie weiland die mittelalterlichen - katholisch grundierten - Pilger. Später wird dann der Herr Luther die Pilgerreisen wie Wallfahrten als Narrenwerk bezeichnen: „Allein aus dem Glauben kommt ein Christ zu Gott und nicht durch das >Geläuff<. Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt", spottete er über den Pilgerweg nach Santiago de Compostela.

 

Drehe mich um, fotografiere das Weserrenaissance-Rathaus, den Bremer Roland, Symbolfigur für Freiheit und Rechte der Stadt, wende mich dem Schütting zu, Sitz der Bremischen Kaufmannschaft, sehe die Steinplastik des Stadtpatrons Bremens, das heißt ein Fragment einer Steinplastik (1480), beginne langsam den Weg, die Schritte führen mich über die Weserbrücke, links an der kleinen Weser entlang bis schlußendlich nach Barrien, perfekt ausgezeichnet. Die Welt ist nicht stehengeblieben. Die Etappe wird mich herausfordern. Elke ist nicht dabei. Ich pilgere zum ersten Mal allein. Bin nach an sich läppischen 23 Kilometern groggy. Das Alter zehrt halt, ob ich es wahrhaben will oder nicht. Vor elf Jahren und einem Monat stand ich mit Elke vor der Westfassade der Kathedrale des Sant`iago, 23 Kilometer im Schnitt pro Tag, nacheinander. Glücklich, zufrieden, geschafft. Aber nicht groggy, wie jetzt in 2017. Dennoch: Ich will die Etappe Richtung Osnabrück nicht missen; die gesammelten Erfahrungen waren es wert: Ruhe. Nur Sonne. Der Rucksack zwackte zwar, die Beine schwer, die Klamotten durchnäßt. Jedoch Wege, die ich nie zuvor gegangen bin mit Wald und Wiesen. Keine Pilger weit und breit. Anfangs, an der kleinen Weser, nur joggende junge Leute, so mancher von ihnen schaute mich verständnislos an, nicht abweisend, hin und wieder freundlich lächelnd. Wie war`s auf dem Caminho Portugues? Sechs Jahre ist es her. Freundliche, hilfsbereite Pilger aus Andorra, aus Kanada. Die deutschsprachigen Rentnerwanderer brillierten mit ihren Fernwanderkenntnissen.

St. Johann in Bremen. Schmuckloser geht`s nimmer. Der Hochaltar abgerissen. Der weiße Volksaltar ohne Kruzifix darauf.  Im linken Seitenschiff der Tabernakel dem Blickwinkel der Gläubigen entzogen, der Seitenaltar im rechten Seitenschiff besticht durch eine preiswerte Plastikfigur.

 

Elke wird mich in wenigen Minuten abholen, muß mich sputen, drücke die Türklinke der evangelischen Kirche, sie ist: zufällig offen, der Organist probt. In der Apsis steht ein schöner Altar, die Kanzel ist gleichermaßen nicht abgerissen. Sie ist sehr schön; wie so häufig mit den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes bemalt, nicht zu vergessen der Petrus. Wehmut kommt auf. Vor rund 50 Jahren war es. Der Bildersturm der Katholiken, derjenige der Protestanten des 16. Jahrhunderts schien vergessen. Deutsche Bischöfe, Pfarrer und Pfarrgemeinderäte maßten sich an, die Konzilsergebnisse von 1962-1965 mehr oder weniger willkürlich auszulegen: Kirche neu erfunden. Die über 1000 Jahre alte Liturgie, die Heilige Messe aller Zeiten, wurde im Handstreich abgeschafft, die geosteten, historisch wertvollen Altäre und Kanzeln entfernt, mancherorts gar demoliert, zertrümmert; ein schmuckloser Volksaltar in die Mitte gestellt. Eine Schande. Später, auf der Etappe von Visbek nach Vechta, eine katholische Gegend, werde ich allerdings schöne Hochaltäre  bewundern können. Der Weg hat mir gutgetan, die Schritte teils schwer, der Rucksack sowieso, die Klamotten durchnäßt, der Blick in die Bartholomäuskirche. Ich mache weiter. Nicht so sofort, muß regenerieren. Wer ruft dich? Pilger! welch` geheime Macht lockt dich an? Weder ist es der Sternenhimmel, noch sind es die großen Kathedralen ... Jeder Pilger, der von von Navarrete nach Najera geht, kennt die Tafeln. Ich will`s wissen.

 

Fortsetzung, 23. Oktober 2020

Pilgern, wallfahren nach Jerusalem, wo Jesus Christus gekreuzigt wurde. Nach Rom, wo der Apostel Petrus die Kirche etablierte. Nach Compostela, von wo aus Europa bekehrt wurde.

  • Der Jerusalem-Pilger hieß ‚Palmer‘: er kehrte mit Palmenzweigen zurück;
  • der Rom-Pilger ‚Romero‘
  • und nur derjenige, der die gefährliche Wallfahrt nach Compostela wagte, durfte sich schlicht und einfach 'Pilger' nennen.

Quelle: James A. Michener. Iberia. Reisen und Gedanken, 1968.

Der gestrige Weg nach Lüneburg zur Doppelausstellung 2020 PILGER SPUREN - Von Lüneburg an das Ende der Welt hat sich gelohnt. Stade mit der Überschrift Wege in den Himmel wird folgen; Zeit bis zum 14. Februar 2021, sofern Corona es zuläßt. Lüneburg thematisiert nicht nur, wie Stade, die Wallfahrt nach Compostela, auch Rom und Jerusalem.

Die Ausstellung folgt den Spuren von Reisenden aus Lüneburg und anderen norddeutschen Städten - anhand vielfältiger Exponate, darunter herausragende Objekte von rund 40 auswärtigen Leihgebern: Motive für den Antritt der Fernwallfahrt, der Aufbruch, die Ausrüstung von Pilgern, die teilweise abenteuerlichen Bedingungen des Unterwegsseins und der Aufenthalt vor Ort; Briefe, Wegekarten, Muscheln, Pilgerzeichen aus Rom, Modelle der heiligen Stätten in Jerusalem; Schrift- und Bildzeugnisse von bezahlten oder gescheiterten Reisen, falschen Pilgern oder dem Tod (Mord aus Habgier durch Begleiter) auf der Reise, natürlich mit dem Hinweis, dass es sich um fiktive Berichte handelt.

 

"PILGERN NICHT ZU STÄRKUNG DES GLAUBENS"

"Auch ich habe mir Pilgerstempel geben und eine Urkunde in Compostela ausstellen lassen, aber nicht zur Stärkung meines Glaubens oder als Zeichen von Absolution, sondern als touristisches Andenken oder Kuriosität des modernen Pilgerns" - Silke Ideker, Pastorin der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis und Hochschulpastorin der EHG/KHG Lüneburg, so manifestiert auf dem Plakatständer: Pilgern in den Weltreligionen: Stimmen aus Lüneburg.

 

Fortsetzung folgt

Kommen wir auf vorgenannte Pastorin aus Lüneburg zurück. Weiß sie eigentlich, was sie da formuliert hat, wenn sie als Pastorin von der Kuriosität des modernen Pilgerns schreibt? Merkwürdiges, Seltsames, Komisches, Skurriles, Wunderliches. Wahrscheinlich war sie letztlich selbst verblüfft, zwiegespalten, den spanischen Jakobsweg gewandert zu sein, weicht er doch von der Vorstellungswelt ihres Religionsgründers Martin Luther völlig ab. Luther verabscheute das Pilgern, das Wallfahren nach Compostela. Hier wird meines Erachtens deutlich, in welcher Zwickmühle überzeugte protestantische Christen stecken, wenn sie einerseits allen Heiligen ihre Bedeutung absprechen, andererseits aber auch einmal Hape Kerkeling und der Masse folgen wollen.

 

La nueva pest negra?

Die neue schwarze Pest namens Covid 19?

 "WIR VERLETZEN IM GRUNDE ALLE GRUNDRECHTE VON ARTIKEL 1 BIS ARTIKEL 19. Die Leute sterben, ohne dass sie besucht werden können."   - Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin am 25. Oktober 2020 in der ARD-Talkshow Anne Will.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez hat am Wochenende (25. Oktober 2020) den landesweiten Gesundheits-Notstand ausgerufen, einhergehend mit der Einschränkung der Grundrechte. Er soll bis Mai 2021 verlängert werden. Die 19 Regionalpräsidenten werden ermächtigt, die Zeiten der Ausgangssperren (23:00h bis 06.00h) noch strikter auszuformulieren. In keinem Land sind die sogenannten Infektionszahlen so hoch wie in Spanien; der erste Lockdown, die ersten Notstandsmaßnahmen wenige Monate zuvor haben, so scheint es, nicht den Erfolg gezeitigt, der erwünscht war, und dennoch verfährt man wieder so. Das verheißt für den Camino de Santiago nichts Gutes.

Beim Caminho Portugues ist alles anders. Wir übernachten vorzugsweise in Hostals/Hotels. Ein Jahr später werden wir wieder auf „unserem“ Camino Frances sein, selbstverständlich in Herbergen nächtigen, selbstverständlich früh aufstehen. In Cesantes gibt`s das Frühstück erst um acht Uhr. Ganz gemütlich. Sind fast allein, die anderen Pilger frühstücken offensichtlich am Weg. Die englischsprachige Chefin des Hotels gibt uns wertvolle Hinweise, wie vom Hotel am besten den Camino erreichen; zudem spendiert sie uns noch eine Flasche Mineralwasser der gestrigen Probleme wegen mit ihrem Personal, das sich nicht gerade servicegerecht ausgezeichnet hatte. Wir wollen Pontevedra erreichen, inklusive Höhemeter 20 Kilometer, variantenreiche Strecke entlang der Ria de Vigo und der Ria Pontevedra; der Blick auf das Wasser ist phantastisch. Einige steile Felsenaufstiege, wie zum Canicouva, sind nicht ohne; die Hitze drückt, erschöpft die Glieder - bei 30° Celsius.

Die Capela Sta. Marta ist gut ausgestattet mit mehreren Bänken zum Ausruhen, Beten. Der schlichte Altar ist Blumen-geschmückt, an den Wänden Heiligenfiguren, ein Kruzifix. Ein freundlicher Postbote sieht uns Erschöpfte, stoppt sein Motorrad, bietet sich an, uns beide vor dem Steinbau zu fotografieren, muntert uns mit Händen und Füßen auf. Fünfundsiebzig Minuten später endlich im Hotel, nach einigen Umwegen, jeder der Befragten gab eine unterschiedliche Beschreibung, es zu finden. Pause bis ca. 17:00h: Ausruhen, Blasen behandeln. Die tollen Kirchen entschädigen, vor allem die Marienkirche. Zeit auch, mich noch einmal bei Harold aus Calgary zu bedanken. Selbstlos hatte er mir Stunden zuvor sein Cap mit dem Sticker von Jasper *) geschenkt, meine Mütze war schwupp di wupp verlorengegangen. *) Im Rahmen unserer Kanadatour 1997 hatten wir u.a. den in den nördlichen Rockies gelegenen Jasper Nationalpark besucht, empfehlenswert.

 

Fortsetzung

Das Pilgern in Deutschland wie europaweit dürfte jetzt endgültig zum Erliegen gekommen sein: Lockdown/Gesundheitsnotstand in Spanien und Frankreich. (Teil-) Lockdown in Deutschland ab 2. November 2020 - beschlossen am gestrigen Mittwoch, dem 28. Oktober 2002, von der Kanzlerin und in ihrem Gefolge die ihr ergebenen Ministerpräsidenten und -präsidentinnen. Euphemistisch werden die Maßnahmen als Wellenbrecher-Lockdown resp. Shutdown light bezeichnet. Reiner Etikettenschwindel. Die Frage, die sich stellt, ist doch, wann sich die ersten Verwaltungsrichter trauen, Recht zu sprechen, weil sie den massiven Eingriff in die Grundrechte nicht goutieren wollen, ansonsten wir uns sonst langsam aber sicher hin zu einer autokratisch geführten Zentralregierung bewegen.

 

Man könnte fast meinen, so die dramatischen Statements von Kanzlerin und Ministerpräsidenten während der Pressekonferenz, dass unser Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht, unsere Pandemieerkrankten, nicht wie weiland im Mittelalter auf den Straßen krepieren, wohl aber in den Krankenhäusern massenhaft versterben werden.

Der heilige Rochus bittet die Gottesmutter Maria um Heilung für Pestkranke; geb. 1349 in Montpellier, gest. am 16. August 1379 in Voghera, Italien. Jacques-Louis David. Museum des Beaux-Arts, Marseille.

 

Rochus wird gerne als Pilger (u.a. nach Rom) dargestellt, so seine Statue in der Kathedrale von Oviedo am Jakobsweg. Er erkrankte an der Pest, wurde wundersam geheilt. Fortan kümmerte er sich um die Pestkranken; heutzutage gar nicht denkbar.

 

Ich gehe vielmehr davon aus, dass schon bald unsere Bischöfe, gerne diejenigen aus Limburg, München, Osnabrück, Münster, Hamburg und Hildesheim, die Daumenschrauben wieder anziehen werden, sich vorauseilend gehorsam den Wünschen der Regierungen beugen, die Gläubigen aus den Kirchen verbannen werden.

 

29.10.2020. Eilmeldung: Drei Tote (eine Frau geköpft) zum Fest Allerheiligen in der Kirche Notre-Dame von Nizza. "Christen dürften nicht zum symbolischen Schlachtopfer werden", deklamiert die französische Bischofskonferenz. Frankreich ruft höchste Terror-Warnstufe aus. Was wird sich ändern? Die Bundeskanzlerin zeigt sich tief erschüttet. Lippenbekenntnisse reichen nicht.  CHRISTENVERFOLGUNG HEUTE. Im Westen ein Tabu-Thema.

"Weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt." - Joh 15,18.

 

Fortsetzung

Der Gang zu den Gräbern liegt hinter uns. Am morgigen Fest Allerheiligen werden wir noch einmal dort sein. Der Pfarrer segnet die Gräber. Ein schöner Brauch. Hoffentlich hält er sich. Die Begräbniskultur hat sich ja total verkehrt, frei nach dem Motto, tot ist tot, ich lebe ….

 

Die Hansestädte Hamburg wie Bremen, Lübeck, Danzig, Stralsund und Riga pflegten eine besondere Beziehung zum Apostel. Nach dem Sieg der Stadt über den legendären Seeräuber Klaus Störtebeker unternahm Ratsherr Klaus Schocke, Führer der Hamburgischen Flotte, namens und auf Kosten der Stadt im Jahre 1402 eine Dankwallfahrt zum Grab des heiligen Jakobus. Überhaupt: lange Zeit lief Jahr für Jahr im März von Hamburg aus ein Pilgerschiff nach Compostell mit bis zu 200 Personen. Knapp sechs Jahrhundert zuvor, Anno Domini 850, hatten friesische Pilger den langen Weg nach Compostell auf sich genommen.

Mein Ziel, mehr oder weniger durchgängig, heuer zumindest Osnabrück anzusteuern, habe ich nicht geschafft. Die Imponderabilien des Lebens machten einen Strich durch die Rechnung. In fünf Etappen von Bremen bis nach Vechta, mehr lag nicht drin.

 

Die heutige Wegstrecke, von Barrien nach Harpstedt, wird neunzehn Kilometer lang sein. Der Weg ist gut ausgeschildert. „El Camino 2013“, so steht`s auf den Schildern geschrieben. Ein einfach zu gehender Weg, durch die norddeutsche Tiefebene, von der Reformation geprägt. Die Hinweisschilder Kirchseelte, Klosterseelte verweisen auf eine christ-katholische Vor-Vergangenheit. Gut auch zu sehen am Gedenkstein in Dünsen „Dunnessen 1189“, nicht weit von Harpstedt entfernt. Ein weiterer Gedenkstein ist der Rede wert, kurz nach der Wassermühle von Barrien: Heinrich Schmidt-Barrien, Heimatschriftsteller (1902 bis 1996), bekanntgeworden durch seine in niederdeutscher Sprache, man kann durchaus von Plattdeutsch sprechen, verfaßten Romane, Erzählungen, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele.

 

Die evangelische Christuskirche von Harpstedt ist natürlich geschlossen, im Jahre 1242 erstmals erwähnt. Interessant ist der angrenzende Christusgarten, der die berühmte ICH-BIN-WORTE Jesu Christi bildlich umgesetzt hat. Für mich überraschend die christologisch formulierten Sätze der Station 8 – Pfingsten, kumulierend in dem Schlußsatz: Pfingsten gilt als Geburtstag der Kirche.

 

Wer sich an die teils überlaufenen Strecken des Camino Frances erinnert, manche sprechen gar von einer Autobahn, ab Sarria dürfte es im Sommer auf jeden Fall zutreffen, der wird hier das Gegenteil erleben: absolute Stille, wenig Autoverkehr, wenige Radfahrer, keine Pilger, keine Wanderer. Die eingerichteten Rastplätze gut gepflegt, die Papierkörbe wenig befüllt, Platz für mich allein. Für mich an diesem Tag optimal, den Gedanken freien Lauf lassen.

 

Alles geschehen vor drei Jahren. Kein Lockdown im Gespräch, Epidemien gibt es doch nicht in Europa. Der Vorsitzende der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, schließt lt. Spiegel vom heutigen 31. Oktober eine Verlängerung des November-Lockdowns in den Dezember hinein nicht mehr aus; das nennt man Politiker-Ehrlichkeit. Ministerpräsident Markus Söder „faselt“ von der baldigen Ausrufung des Notstands in Bayern, auch ist die Schleierfahndung im Gespräch, was mit verdachtsUNabhängigen Personenkontrollen einhergeht. Frau Merkel konnte letzten Mittwoch offensichtlich nur vom Hesssischen MP Bouffier gehindert werden, Kontrollen auch in den Wohnungen anzustreben: "Angela, laß`es, das führt ins Elend." Mir wird mulmig. Schon sprechen Leute von der "DDR-2" mit Flankenschutz der Medien; vor allem sind es diejenigen, die die DDR noch selbst bewußt im Alltag erlebt haben. Was noch viel schlimmer ist. Derzeit zählt nur das Leben der Covid-19-Erkrankten. Diese Zahl muß auf jeden Fall, koste es, was es wolle, niedrig gehalten werden. Das Leben und Sterben der vielen vornehmlich alten Menschen, der Schwersterkrankten (Herz, Leber, Lunge, Krebs), es zählt nicht mehr viel. Auch das Sterben und Verhungern von Millionen Kindern in der Dritten Welt, Afrika an erster Stelle, interessiert uns nicht. Eine kalte, egoistische Gesellschaft sind wir geworden.

 

Fortsetzung, 4. November 2020

Die „verdammten“ Corona-Sondersendungen der Öffentlich-Rechtlichen, in diesem Fall der ARD, haben mir meine Aufnahme vom 20. Oktober 2020 versemmelt; die letzten 15 Minuten fehlen. Müssen denn nun wirklich auch alle Regionalprogramme das Hauptprogramm übernehmen? Ich kann mir nur insoweit einen Reim daraus machen, als dass die Fernsehmacher uns „dumme“ Konsumenten dazu bringen wollen, ihre Corona-Sondersendungen auf keinen Fall nicht zu verpassen. Ein Erziehungsauftrag? *) Gut, es gibt ja noch die Videothek.  

 

„Gott im Rucksack“ – so beantwortete ein Mitpilger die Frage nach dem Unterschied von Wandern und Pilgern. Der Protagonist, eigenen Angaben zufolge ein Nicht-Religiöser, unternimmt seinen persönlichen Selbstversuch Pilgern auf dem Jakobsweg – während Corona – auf dem Teilabschnitt des Jakobswegs von Fulda nach Frankfurt. Er läßt sich darauf ein, nicht nur von christ-katholischen (ProfI-) Mitpilgern begleitet zu werden, jeweils unterschiedliche, er trägt gar an einem Tag das blumengeschmückte Holzkreuz der ihn begleitenden Pilgergruppe. Am Schlußtag wird Danny Morgenstern ein positives Resümee ziehen. Das Video des Hessischen Fernsehens ist bis zum 21.10.2021 abrufbar.

Für mich einmal mehr die Bestätigung meiner Intention: Pilgern verbindet – mit dem Herrgott im Rucksack.

  • If you walk as a tourist, shopping all the time spending money,
  • you will be the same person, no changes.
  • Then El Camino was worthless.
  • It`s an incredible experience.

So das Fazit der Doku LOOKING FOR INFINITY: EL CAMINO. Auf der Suche nach Unendlichkeit. An Introduction into the Journey of a Lifetime. Camino de Santiago Documentary. 2017. Mehr über diesen Film vgl. Webseite LITERATUR. DVD. KINOFILME.

 

*) ARD und ZDF, die Öffentlich-Rechtlichen, sollen, so ihr Sendeauftrag, ausgewogen berichten. Den ARD-Nachwuchs (Volontäre) scheint es nicht zu interessieren, so letztlich das Ergebnis der Umfrage ihrer eigenen Verbandszeitschrift "Der Journalist". Mit ihrer politischen Grundeinstellung 92% für Grün-Rot-Rot entfernen sie sich geradezu diametral von den Interessen der sie tragenden Gebührenzahler: 57,1% Grüne; 23,4% Die Linke; 11,7% SPD: 3% CDU/CSU: 1,3% FDP. Quelle: Die Welt, 4. November 2020.

 

Fortsetzung

Protokoll Freitag, 6. November 2020. Weg mit dem Auto nach Hasbruch, vierundzwanzig Kilometer. Ein herrlicher Gang beginnt um viertel vor elf Uhr. Neunzig Minuten fast ganz allein den herbstlichen Wald genießen. Der knapp  sechsundeinhalb Kilometer lange Rundweg ist gut ausgeschildert. Neuntausendzweihundert Schritte für mich, für Elke einige Hundert mehr. Wir sind ein Team, wie auf unseren Jakobswegtouren. Reden, schweigen, fabulieren, reden, meditieren, schweigen, nachdenken, News reflektieren, nicht die über die US-Präsidentenwahl, die deutschen Leitmedien sind ohnehin festgelegt, nein, ich denke da an den Kommentar des Chefredakteurs der "Welt" vom heutigen Tag: Arroganz spaltet *)  ; ich denke da an den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung Felix Klein, der die Berliner Pacelli-Allee umbenennen möchte. Das zeugt von historischer Unkenntnis und nervt. Er schlägt die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir für die Pacelli-Allee vor, ausgerechnet jene Politikerin, die sich ausweislich mehr als lobend über Papst Pius`II. und seiner Rettung jüdischer Bürger geäußert hatte. „Wer wissen will, kann wissen. Alles andere ist bösartig, unhistorisch und falsch“, sagt, so die Tagespost vom 17. September 2020, der Philosoph Armin Schwibach über Zweifel am Handeln des Papstes während des Nationalsozialismus.

 

Reden, schweigen, fabulieren, reden, meditieren, schweigen, reden - genau der richtige Mix für uns beide. Wer weiß denn schon, was sich die uns Regierenden noch im Verlauf des Monats November einfallen lassen? Deshalb die Gunst der Stunde nutzen, die umliegenden Forste aufsuchen, sich auf den kommenden Jakobsweg einstimmen. Er kommt bestimmt. Auch für uns. Darüber sind wir uns einig. Die Frage ist nur, wie hinkommen nach Bilbao, mit dem Auto, der Bahn, dem Flugzeug? Vielleicht werden wir uns vom ökologischen Fußabdruck beeinflussen lassen. In einigen europäischen Ländern wurde bereits der absolute Lock-/Shutdown ausgerufen: Keine unnötigen Kontakte mehr, auch nicht in über 1-2 Kilometer von der Wohnung entfernt gelegenen Wäldern.

 

Die Webseite VIVE EL CAMINO gibt den Zustandsbericht für Spaniens November. Die galicische Xunta (das spanische Wort für Regierung/Verwaltung, nicht für eine faschistische Organisation) verfügte danach, dass ab dem 6. November, also ab heute, das Gastgewerbe seine Pforten schließen muss. Die Xunta denkt gleichwohl daran, dass der Xacobeo vor der Tür steht, die Organisation der Feiern zum Heiligen Compostelanischen Jahr 2021 weitergehen müssen. So plant die Regierung, den Tourismus auf dem Jakobsweg durch verschiedene bereits festgelegte Pläne wiederzubeleben. Man versucht alles, um den Camino absolut Covid-19-sicher zu machen. Das hört sich prinzipiell gut an, mir gefällt in diesem Zusammenhang nur nicht die Begrifflichkeit Tourismus. Alles ist um Fluß. Was heute gilt, ist morgen bereits obsolet. Würde ich persönlich heutzutage den spanischen Camino gehen wollen? Wohl kaum, es ist derzeit überhaupt nicht sichergestellt, ohne weiteres das Land wieder verlassen zu können.

 

*) Arroganz spaltet. Ideologie verhindert Realismus. Warum wählen die Amerikaner Donald Trump?“, fragte die „Tagesschau“-Moderatorin ungläubig eine deutsche Kollegin, und der fiel dazu ziemlich wenig ein. So ratlos reagierte wieder einmal ein großer Teil der deutschen Medien, als Trump bei der Präsidentschaftswahl deutlich stärker abschnitt, als erwartet worden war.
Die „Tagesschau" war hier nur exemplarisch: Generell flüchtet das links-„liberale“ Establishment in Deutschland sich gerne in einen selten kaschierten Antiamerikanismus, der überall dort Kaputtheit, Staatsstreich-Dystopien und Niedertracht vermutet, wo es nicht so läuft, wie sich das die Meinungsbildner in Deutschland vorstellen. Donald Trump war nur ein Ausrutscher der Geschichte? Nein, diese Wahl hat gezeigt, dass er auch in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft Zustimmung erhält, auch wenn er die Wahl am Ende verlieren sollte. Journalisten müssen versuchen zu verstehen, warum Menschen eine solche Gestalt wählen. Sonst stellen sie nur ihre Haltung zur Schau, und das ist nicht ihr Job. Die links-liberalen Eliten in den USA müssen sich fragen, welche Verantwortung der ganze Gender-Identitäts-Cancel-Culture-Quark an der Spaltung hat. Und auch die Jakobiner hierzulande müssen sich das fragen, füge ich hinzu. Arroganz spaltet. Ideologie verhindert Realismus. Gut übertragbar auf die gegenwärtige Diskussionskultur in Deutschland. Wir müssen wieder miteinander reden – vorbehaltlos, meinetwegen auch streiten, auf jeden Fall die Coronamaßnahmen der uns Regierenden hinterfragen dürfen. Vor gar nicht langer Zeit kam eine Bertelsmannstudie zur Konklusion, dass Krankenhausbetten abgebaut werden müßten, einhergehend mit der Reduzierung des Personals.   

Müßig zu erklären, daß ich von "Beiden", Trump wie Biden, nichts halte.

Die dritte Etappe Harpstedt nach Wildeshausen, nicht mehr als 13 km, weiland 2017 gegangen, ähnelt der heutigen Strecke. Norddeutsche Tiefebene: Wiesen, Felder, Waldgebiete. Keine Handvoll Menschen war mir im Hochsommer begegnet. Ein gepflegt gekleidetes Damenduo schien völlig perplex, einem leibhaftigen Jakobswegpilger entgegenzutreten, mit ihm kurz zu plaudern, über die Wegbeschreibung. Der abseits gelegene Gedenkstein „Sturmkatastrophe 1972“ ließ die Synapsen interagieren: Katastrophales, von Menschen nicht beherrschbare Nuturgewalten; stimmte aber auch auf das Ziel ein: auf Vergangenes, auf Mittelalterliches, auf die spätromanisch-frühgotische Alexanderkirche von Wildeshausen. Vor ihr der mittelalterliche Gedenkstein „Wilshusen 1429“; die Tafel beschreibt das mittelalterliche Recht. Das Ende des 13. Jahrhunderts gebaute Gotteshaus hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich; so hatten die Reformatoren offenbar nichts Besseres zu tun gehabt, als den Großteil der mittelalterlich-katholischen Einrichtung zu zerstören; erhalten blieb u.a. das Triumphkreuz und Wandmalereireste. Na, immerhin.

 

"Der Pilgerweg ist überwuchert, zugewachsen. Sie müssen zurück. Später werden Sie dann wieder vereinzelte Pilgerwegzeichen sehen, spätestens am Landgasthaus Auetal an der Bundesstraße." Was habe ich geflucht, der Herrgott wird`s mir verziehen haben. Dreiundeinhalb Kilometer Umweg – auf der Pilgerstrecke von Wildeshausen nach Visbek. Ein andermal mehr.

 

Fortsetzung

Wir West-Europäer kümmern uns doch nur um uns selbst. Wieder werden Armenier getötet, vertrieben und die Welt schaut zu - wie weiland 1915/16. Unsere Bischöfe, evangelisch wie katholisch, kümmern sich - gerne werbewirksam - um die Mittelmeerflüchtlinge, richtig, vergessen darüber aber die Hungersnot in Afrika, vergessen darüber die Christenverfolgungen in Nahost. Kein Wort darüber, dass mittlerweile hunderte Mediziner Rumänien und Bulgarien verlassen haben; sie retten unsere Corona-Kranken: und die medizinische Versorgung in ihren Heimatländern geht den Bach runter.

 

Philosophie-Prof. Julian Nida-Rümelin, ehemaliger Staatsminister im Kabinett von Gerhard Schröder, hat "meine" Gedanken sehr gut zu Papier gebracht - in seinem "Welt"-Artikel vom 9. November 2020.

 

Aber wenn die Welthungerhilfe

dreißig Millionen zusätzliche Hungertote durch die Unterbrechung von Lieferketten und das Herunterfahren der Wirtschaft in weiten Teilen der Welt, auch des Globalen Südens, erwartet, wenn alle Erfolge zur Bekämpfung extremer Armut seit den 1990er-Jahren in den zehn Monaten der Corona-Krise zunichtegemacht wurden, wenn die Erfolge der mühsamen Konsolidierung der europäischen Staatshaushalte und die Senkung der Arbeitslosenzahlen nach der Weltfinanzkrise im Feuer stehen und wenn Autoritarismus, Nationalismus und Verschwörungstheorien in der Krise erstarken, dann besteht Grund zur Sorge. - "Welt"-Artikel: Der Lockdown ist unumgänglich? Die Daten sprechen eine andere Sprache.

 

Fortsetzung

Cesantes > Pontevedra. Es wird immer heißer, knappe 30°, kein Schutz, teils keine Bäume, ich ohne Hut. Die Aufstiege werden steiler, entweder Felsen oder wenig befahrene Straßen: Wenige Möglichkeiten einzukehren, probieren das kalte Brunnenwasser, die beiden Pilger aus Andorra rieten uns zu. Es sind sehr freundliche junge Männer, sie sprechen leider nur sehr wenig Englisch; in Santiago werden wir uns im Pilgerhotel per Handschlag verabschieden, als würde es ein baldiges Wiedersehen geben. Der nette Postbote bei der Capela Sta. Marta hatte uns erschöpften Menschen Mut zugesprochen: es seien ja nur noch drei Kilometer bis ins Zentrum. Der Pilgerführer sagt uns ergänzend, nur den Pfeilen folgen. Wir wissen es besser, fragen Passanten, werden hin und her geschickt. Fazit: mehrere Hundertmeter umsonst. Sind down, haben Blasen, die Hitze macht zu schaffen. 17:00 Uhr. Eine tolle Altstadt. Marienkirche wie die Basilika Maria la Mayor (16. Jh.) beindrucken. In ihr viele Marienstatuen; beeindruckend diejenigen, die der seligen Gottesmutter von Fatima gewidmet sind. Die Klosterkirche San Francisco aus dem 14. Jahrhundert besticht durch phantastisch schöne Glasfenster. Wir treffen sie alle, die Kanadier, die aus der Eifel, die Evangelischen, und, und, und.

 

Von unserem Sitzplatz draußen vor der Bar überblicken wir den großen Praza mit vielen spielenden Kindern, die ihre Bälle gegen die Schaufenster schießen, keiner schimpft; links Burger King, vis a vis Cafes, Restaurants. Polizeiwagen queren den Platz, keiner kümmert sich darum.  Die Kinderliebe der Spanier scheint sehr groß zu sein, nicht nur der vielen spielenden Kinder wegen, es gibt so unendlich viele Geschäfte für Braut- und Kinderbekleidung.

 

Komme ins Sinnieren, erinnere mich an den Deutschschweizer aus Karlsruhe, der die spanischen Caminos als stinknormale europäischen Wanderrouten begreift.

Ich will auch mal für mich sein, nicht nur für die Familie.“ - so eine Wandersfrau, die der Santiagoer Kathedrale überhaupt nichts abgewinnen kann; für Kenner das  Gotteshaus par excellence. „Ich will mit meinen Problemen ins Reine kommen!“ - „Habe ich noch Lust, mich für andere aufzureiben?“ - „Meine Ehe ist am Nullpunkt angelangt.“ - „Ich will Menschen fremder Kulturen kennenlernen.“ - „Ich suche die sportliche Herausforderung.“ - „Nein, die Institution Kirche lehne ich ab, will eigentlich austreten.“ Wenn wir dann frisch, fröhlich, frei zum Ausdruck bringen, dass wir Katholiken Bewunderer von Papst Benedikt XVI. sind, gar uns im weltbekannten Marienwallfahrtsort Fatima wohl fühlten, unsere Reise ist nicht nur auf den Jakobsweg  ausgerichtet, spürt man geradezu körperlich, wie es im Gehirn des  Gegenüber rattert frei nach dem Motto, was sind das denn für komische Typen. Noch drei Etappen bis Santiago.

Fortsetzung, 12. November 2020

Weltweit stehen die Katholiken unter Beschuß. In allen Kontinenten, Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Afrika, Australien. Meine Menüpunkte WELTKIRCHE... und CHRISTENVERFOLGUNG HEUTE gehen darauf näher ein. Die Thematik wird verdrängt, man will es auch nicht wahrhaben. Leider schweigen viele unserer verantwortlichen Kleriker, Rom und die Bischöfe nicht ausgenommen. In den USA wird künftig ein katholischer Präsident die Abtreibungskliniken, die Tötung ungeborenen Lebens, wieder finanziell unterstützen wollen. Ihm zur Seite seine künftige Vizepräsidentin Kamala Harris, die sich als vormalige kalifornische Attorney General (Justizministerin und Generalstaatsanwalt deutscher Prägung in einer Person) ausgesprochen intensiv für die Organisation Unplanned Parenthood stark gemacht hat. Ob der designierte Präsident und seine Vize die US-Amerikanische Webseite von My Catholic Life! Inc. 3503 Deep Wood Drive, Crystal Lake, IL, 60012 kennen? Sollten sie. Zum Beispiel die Perikope zum 14. November 2020: https://www.youtube.com/embed/-hasjZ3BWkA

 

Die nachfolgende Novene-Gebete sind an sich auf die derzeitige Coronasituation ausgerichtet. Sie lassen sich problemlos erweitern.

 

NOVENE *) auf die Fürsprache der Heiligen Corona

Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren. O Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit Deinem Sohne, empfiehl uns Deinem Sohne, stelle uns vor Deinem Sohne. Amen.

 

Stoßgebet für den Tag

Tag 1: Herr, nimm uns die Angst und schenke uns Vertrauen auf Dich.

Tag 2: Herr, lehre uns ein verantwortliches Umgehen mit den Anderen.

Tag 3: Herr, schenke allen Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche Weisheit und Besonnenheit.

Tag 4: Herr, sei allen nahe, die in Quarantäne sein müssen und sich einsam fühlen.

Tag 5: Herr, schenke allen Helfern im medizinischen Dienst Deine Kraft, Mut und Zuversicht.

Tag 6: Herr, lehre uns die Dankbarkeit für das Leben und gib uns Deinen Frieden.

Tag 7: Herr, tröste alle, die durch die Krise erheblichen Schaden erleiden.

Tag 8: Herr, stärke alle, die leiden müssen, und nimm von uns die Plage der Epidemie.

Tag 9: Herr, nimm alle bei Dir auf, die gestorben sind.

 

*) Was ist eine Novene? Unter einer Novene versteht man nach dem Vorbild der Urkirche ein Gebet, das man 9 Tage hindurch täglich verrichtet. Eine Novene ist ein sehr intensives Gebet. Dabei sollen nicht nur die wenigen Minuten des gesprochenen Gebets geheiligt sein, sondern die ganze Zeit dieser 9 Tage soll unter dem Anliegen stehen, um das man bittet. Man versucht, diese Tage mit Umkehr und innerer Ausrichtung auf Gott zu gestalten, die Sünde besonders zu meiden. Vielleicht ist es sinnvoll in dieser Zeit einmal ein kleines Opfer zu bringen oder eine Kerze anzuzünden - verbunden mit einem Gebet oder auf das ein oder andere zu verzichten. Das gibt unserem Gebet Kraft und Festigkeit! – Quelle: Fatima-Aktion e.V, Kißlegg.

 

Fortsetzung

Man mag es gar nicht glauben, dass sich im Oktober so viele Pilger nach Spanien getraut haben: unter anderem 590 Portugiesen, 386 Franzosen, 330 Deutsche, 311 Italiener, 172 Süd-Amerikaner, 116 Briten, 100 Polen, 99 Nord-Amerikaner (51 USA), 91 Holländer, aus Asien 34, Afrika 13 und Oceanien 11.

 

Der Löwenanteil der 6.418 Pilger (3.816 - 59,5%) und Pilgerinnen (2.602 - 40,5%) geht auf das Konto der Spanier mit 3.825 - 59,6%.

Selbst 839 Ältere denn 60 Jahre trauten sich - 13,1%. Bis zum Alter 30: 1.306 - 20,34%. 30-60 Jahre alt: 4.273 - 66,6%.

Knapp 30% der Pilger dieses Monats bezeichneten sich als nicht-religiös - 1.891.

 

Unglaublich, dass sich 786 Pilger von den Pyrenäen aus auf den Weg gemacht haben: 613 von St. Jean und 173 von Roncevalles. Was für ein Risiko?

 

Ob wir im nächsten Jahr das Vor-Vorjahresniveau erreichen werden, nämlich 36.118 Pilger (17.316) und Pilgerinnen (18.802)?

 

Fortsetzung folgt

Pilgern auf dem Jakobsweg Bremen – Köln. Vierte Etappe von Wildeshausen nach Visbek. Laut Outdoor-Pilgerführer Klaus Engel 19,2 Kilometer. Start bei der Alexanderkirche von Wildeshausen, durch den Stadtwald Richtung Visbeker Braut. Die Ausschilderung des Wegs ist mäßig, im Gegensatz zu den Etappen zuvor. Ich folge den Pfeilen und stoße dennoch auf unüberbrückbare Hindernisse; will schon verzweifeln, umkehren, abbrechen. Nur erste unnötige Gedanken.

Kurz von Aumühle, ein freundlicher Anwohner klärt mich auf: „Der Pilgerweg ist überwuchert, zugewachsen. Sie müssen zurück. Später werden Sie dann wieder vereinzelte Pilgerwegzeichen sehen, spätestens am Landgasthaus Auetal an der Bundesstraße.

Na prima. Der zweite Gedanke, was sind das denn für Leute, die diesen Weg betreuen, verflog ebenso schnell. Es sind Ehrenamtliche. Obwohl, so ganz kann man sie nicht entlasten. Vielleicht liegt es auch daran, dass man den Jakobsweg einfach auf den lange existierenden „Pickerweg“ resp. den „Geestweg“ aufgepfropft hat. Was soll`s, jetzt kommen der Schrittzähler wie die Navigations-App zum Einsatz; ganz neue Erfahrungen. 3 ½ Kilometer umsonst, 3 ½ Kilometer Umweg, 3 1/2 Kilometer Frust. Und doch: Es gehört halt dazu; erinnere mich an die Route 66 in 2005, zusammen mit Gero, meinem Zweitgeborenen aus Ungarn. Wie häufig hatten wir uns verfahren; viele der Schilder waren hinter den Kreuzungen angebracht. Mit dem Auto alles machbar, zu Fuß sieht`s natürlich anders aus.

 

Kein Mensch vor mir, die Anwohner in ihren Häusern, kein Wanderer, kein Pilger zu sehen, nur ein Dutzend glückliche Kühe auf dem saftigen Grün der Weide. Überwiegend Wald, Wiesen- oder Feldwege. In der Ferne ein Traktor, er entschwindet dem Blickfeld. Einziges Highlight am Weg die rund 5.000 Jahre alten Grabsteine. Wer sich für die Sage interessiert, warum diese Steine Visbeker Braut genannt werden, möge bitte den Pilgerführer aufschlagen resp. im Internet recherchieren.

 

Die Etappe endet an der St. Vitus-Kirche in Visbek. Endlich einmal eine katholische Kirche, deren alter, geosteter Hochaltar, noch dazu ein wunderschöner, nicht abgerissen und / oder zerstört worden ist. Ein Wunder. Davor gesetzt allerdings der seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil übliche Volksaltar, aber immerhin: nicht räumlich getrennt von ihm. Ich frage mich jedesmal, wenn ich eine evangelische Kirche betrete, warum dieser Rundumschlag der damaligen verantwortlichen katholischen Kleriker, Papst Paul VI., (Konzils-)Bischöfe wie Pfarrer und Priester? Warum wollte man sich den protestantischen Kirchengemeinschaften anpassen, wenn diese diesen Unsinn mit der Installierung des „Volksaltars“ doch gar nicht mitgemacht haben? Die Evangelischen wollten offenbar den Fehler der Bilderstürme der unmittelbaren Nach-Luther-Zeit nicht wiederholen, beließen es bei ihren häufig geosteten Altären der vormals katholischen Gotteshäuser. Hinweis. Ich weiß, ich habe diese Thematik schon häufiger angesprochen. Sie bleibt evident.

 

Einschub. Am morgigen Mittwoch, 18. November 2020 will sich die Bundesregierung eine Neufassung des sog. Infektionsschutzgesetzes vom Bundesstag genehmigen lassen, nichts anderes denn eine  Selbstentmachtung der Volksvertreter. Sie werden hoffentlich nicht dem Passus zustimmen, wonach die Regierung in Pandemiezeiten das Abhalten von Gottesdiensten verbieten kann.

 

Betrachte in Ruhe das obige Altarfoto, die hohen farbigen Fenster im Chorbereich. Was ist zu sehen? Wer ist zu sehen? Man wird unweigerlich ruhig(er), setzt sich auf eine Bank, läßt noch einige Sekunden den Blick wandern, schweigt auch innerlich, versucht zu meditieren, formuliert schlußendlich ein Dankgebet.

Was ist Kirche? Ein Gotteshaus zur Ehre, zur Glorie des dreifaltigen Gottes. Ein Ort der Stille. Ein Ort der Heiligen Messfeier. Ein Ort des Gebetes, der Andacht, der Nähe zu Christus Jesus. Auf jeden Fall kein Flachdachgebäude ohne Kreuz darauf, kein hohles, schmuckloses Innere, keine kalte Atmosphäre, kein schmuckloser Volksaltar darin, zuweilen auf ihm noch nicht einmal ein Kruzifix.

 

Fortsetzung

 

Freitag, 20. November 2020. "Wenn von Schutz die Rede ist, meinen sie WEGSPERREN", so lautet die Artikelüberschrift auf Seite 6 der "Welt" vom gleichen Tag. Das Interview mit dem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Sachverständigenrates Gesundheit, Medizinprofessor Matthias Schrappe, ist lesenswert. Schrappe schlägt einen konkreten Strategiewechsel vor, festgezurrt in einem Papier, das er mit acht weiteren Wissenschaftlern am Sonntag veröffentlichen wird. "Was halten Sie vom neuen Infektionsschutzgesetz?" - so die letzte an ihn gestellte Frage im Interview. Seine Antwort: "Damit wächst die Kontrollmacht des Staates, die ärztliche Schweigepflicht ist in Gefahr. Wir gefährden einen wichtigen, historisch bewährten Grundwert unserer Gesellschaft."

 

Namhafte Verfassungsrechtler attestierten schon dem Entwurf des Gesetz nicht hinnehmbare Grundgesetz-Eingriffe. Insbesondere die Begrifflichkeit "Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite" wirft Fragen auf. Was heißt epidemische Lage? Was heißt nationale Tragweite?

 

Nur das eigenverantwortliche Recherchieren verhilft zu Erkenntnissen, die die Leitmedien nicht unbedingt thematisieren. Beispiel portugiesisches Urteil zu den PCR-Tests. Am 11. November 2020 hat das Berufungsgericht in Lissabon die mangelnde Zuverlässigkeit des PCR-Tests festgestellt. Nachzulesen bei reitschuster.de. Boris Reitschuster ist nach Ansicht des "Focus"-Gründers Hellmut Markwort ein herausragender deutscher Journalist.

 

Fortsetzung

Nur noch drei Etappen bis Santiago.   65 Fußkilometer. Wie wird uns Compostela empfangen? Wie werden wir die Stimmung auf dem Praza de Obradoiro erleben? Wird sie die gleiche sein wie Anno Domini 2006: Tränen in den Augen, Erschöpfung, Freude pur, Umarmung? Es wird anders werden.

 

Die Strecke, 23 km lang, verlangt uns an sich nicht viel ab, keine nennenswerten Steigungen, abwechselnd viel Geröll und mittelalterlich anmutende felsige Wege, gute Gespräche mit Harold und Irene aus Calgary und Hajo aus der Nähe Wolfsburgs. Caldas de Reis ist berühmt für seine heißen Thermalquellen, so der Name der Stadt. Im Hotel gibt es keine Klimaanlage, das Zimmer ist von der unerträglichen Hitze dermaßen aufgeheizt, dass man schon sehr müde sein muss, es dort längere Zeit auszuhalten. Was soll das Lamentieren! Rückblickend gesehen war alles halb so schlimm. Eine halbe Stunde Ruhe genügte, der Puls beruhigte sich. Es gab eine Dusche, nur für uns. Die Wäsche ging dann doch flott von der Hand; kein Anstehen, viel Platz zum Trocknen. Nachts keine schnarchenden Mitpilger. Auch die Menschen in der Stadt waren durchweg freundlich, auf dem Camino sowieso, hilfsbereit, uns den Weg zu weisen. Nun ja, die Pilger sind ja nicht ganz unwichtig für die Prosperität der Stadt.

 

Der Supermercado befindet sich in der Nähe des Hotels, unterbrochen von einem Abstecher in eine Bar, das kalte Bier zischte; es mußte sein. Die drei Deutschen aus Cesantes werden ihrem Ruf gerecht, sie grüßen nicht: das abendliche Pilgermenü schmeckt dennoch.

 

Ein Thema am Abendtisch: die verwaisten Rohbauten am Weg. Was geschieht hier gerade? Keine Aktivitäten, dafür Gerümpel, Unkraut. Der Bauboom scheint geplatzt zu sein – Symbol der (damaligen) Malaise Spaniens. Sieht es heute viel besser aus? Die Jugendarbeitslosenquote lag im September 2020 bei 40,4%, die in Portugal bei 24%, in Deutschland bei 8,5%.  

 

Die 10. Etappe nach Padron wird uns direkt mit dem heiligen Apostel Jakobus konfrontieren. Ein Highlight des Camino. Das Jaköbchen vom Berge. Eine Freude, sich daran zu erinnern. Wartet es ab.

 

Fortsetzung

Worüber soll man zuerst nachdenken. Über Frau Margot Käßmanns (ehemalige evangelische Bischöfin) unsinnige Deklamation im Deutschlandfunk, dass "Weihnachten überhaupt kein Glanz- und Gloria-Fest war" und dass ein "abgespecktes" Fest eine "Chance" gewesen wäre. Robin Alexander von der "Welt" nahm dazu am heutigen 26. November 2020 gekonnt Stellung: "Das Evangelium nach Margot".

 

Oder über die von der Ministerpräsidentenrunde inkl. der Frau Bundeskanzlerin am gestrigen Mittwoch, 25. November 2020, beschlossenen Corona-Maßnahmen: Weitere Einschränkungen (Gaststätten, Restaurants, Hotels bleiben geschlossen wie auch Freizeiteinrichtungen), aber dichtgedrängte Busse, Bahnen weiterhin. Die Verfassung sieht dieses Gremium überhaupt nicht vor. Nur die jeweiligen Parlamente, auf Bundes- wie auf Länderebene, können beschließen. 

 

Oder darüber, dass Spanien ab Mitte Januar 2021 durchimpfen will? Sie rechnen mit einer Erfolgsquote von 70%. Das könnte möglicherweise den Camino Frances retten, wiederbeleben, wenn dann alle Herbergs-/Hostal-Mitarbeiter, etc. sich impfen lassen würden. Sehr wahrscheinlich werden sie dann im Laufe des Jahres 2021 auch nur geimpfte Pilger ins Land lassen, was an sich einer Zwangsimpfung nahekäme. Fluggesellschaften wie die Quantas haben solches schon angekündigt.

 

Oder darüber, dass ein kanadischer Pathologe und CEO eines Biotech-Unternehmens, das COVID-Tests herstellt, ein Dr. Roger Hodkinson in Alberta während einer Zoom-Konferenzschaltung zum Ausdruck brachte, dass die Pandemie herbeigetestet werde? "Es gibt eine völlig unbegründete öffentliche Hysterie, die von den Medien und Politikern angetrieben wird." Das sei  empörend, was jemals eine ahnungslosen Öffentlichkeit angetan wurde.

 

Fortsetzung, 1. Dezember 2020

Lourdes 2018.

Die Corona-Epidemie überlagert alle anderen Themen. Es zählt nur Corona. Es stimmt traurig. Die Situation der Armenier in Bergkarabach nimmt dramatische Formen an. Wenn es so weitergeht, wird sich 1915 mit dem Genozid wiederholen. Putin hilft den Armeniern nur bedingt; auf der anderen Seite unterstützt die Türkei das moslemisch geführte Aserbaidschan bei der Vertreibung tiefreligiöser Christen-Menschen.

Ihre Vorfahren hatten der Überlieferung nach im Jahr 301 nach Christus den ersten christlich geprägten Staat der Welt gegründet. Wie in Ungarn, vor allem in Polen hielt und hält das Christentum (katholisch / armenisch-apostolisch) die Menschen und die Nation zusammen. Das scheint unseren liberalen EU-Politiker nicht in das Konzept zu passen, so scheint es. Nur Lippenbekenntnisse.  Vier Stunden Flugzeit von uns entfernt werden Menschen zuhauf getötet, ausgebombt, vertrieben. Es ist eine Schande. Leider interessieren sich auch unsere Kleriker nicht; auch sie schweigen öffentlich.

 

Die WHO berichtet, so der heutige Kurzartikel in der „Welt“, dass in diesem Jahr zwischen 20.000 und 100.000 mehr Malaria-Tote erwartet werden. Die WHO-Experten kritisieren, dass Malaria nicht annährend soviel Aufmerksamkeit und Finanzmittel bekomme wie das Coronavirus. Ich wiederhole mich. Es ist traurig, wie ignorant wir alle geworden sind. Uns interessiert nur das eigene Wohlergehen.

 

Das fällt es schwer, mir nichts dir nichts zur Tagesordnung überzugehen, dem Anspruch des selbst gewählten Themas folgend, den Caminho Portugues von 2011 nicht nur in der Rückschau zu betrachten, nein: auch einen Blick in die Zukunft des Camino de Santiago zu wagen. Die Erlebnisse der Jahre 2014 mit dem Camino Aragones (ausgangs Lourdes bis nach Puente la Reina), 2017 (Bremen Richtung Osnabrück) und 2018 (wieder von Lourdes aus, dann aber als Pilgertourist überleitend zum Navarrischen Weg), fließen mit ein.  

 

Fortsetzung

STILLE. Bruno von Köln (1027 bis 6. Oktober 1101) gibt den Kartäusern das Geschenk der großen Stille. Sie schweigen. Die Lippen sind verschlossen. Der Mensch kann mit verschlossenen Lippen nur den Buchstaben M sagen. Die Erfahrung göttlicher Wirklichkeit läßt sich nicht in Worte fassen. Und wenn die Lippen sich öffnen, beginnen sie, mit Worten das Unsagbare zu stammeln: Jesus Christus hat das Reich Gottes verkündet.

 

Mitten in der Nacht rufen sie (die Kartäuser) zu Gott: "Herr, öffne meine Lippen. Damit mein Mund Dein Lob verkünde" - Psalm 51,17. "Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn" -Psalm 95. Und dann öffnen sie ihre Lippen zum großen Lobgesang.

Quelle: Betrachtungen von Hermann Rieke-Benninghaus, 2020.

 

Ist das nicht ein herrlicher Text, der die Pilger auf die Pilgermesse in der Kathedrale von Santiago den Compostela vorbereitet? Die Lesungen an jenem Tag: Apostelgeschichte 2,14a, 36-41. Erster Petrusbrief 2,2. Das Evangelium nach Johannes 10,1 -10: Ich bin die Tür. Der Bischof von Benin (Afrika) wird deutsch predigen. Noch ist es nicht soweit. Zwei Etappen trennen uns.

 

Fortsetzung

Heute ist Benedetto-Tag. Vor zwei Jahren am 13. Mai 2010 besuchte Papst Benedikt XVI. den berühmten Marien- Wallfahrtsort Fatima, vor wenigen Tagen waren wir ja selbst noch dagewesen. 400.000 Gläubige hatten seiner Predigt gelauscht, fühlten sich vor allem die Leidenden von ihm verstanden.

 

Für uns steht heute auch eine Wallfahrt auf dem Programm. Wallfahren im Rahmen einer Pilgertour. Warum nicht? Keine Tautologie. Nur wir Zweibeide. Keine Anwohner, keine Pilger zu sehen, keine Prozession, keine Priester. Wir spüren dem Apostel Jakobus nach: fünfhundert Meter, einhundertvierzehn Stufen zum Monte de San Gregoria resp.  dem Santiaguino do Monte, um fünf Uhr nachmittags ist es immer noch sehr heiß. Die deutsche Übersetzung mit Jaköbchen vom Berge klingt ein wenig lustig, unangebracht. Auf einem Hügel hochaufgeschichtete Quadersteine, sieben Stufen bis zum Steinkreuz, davor die Statue des heiligen Jakobus. Wir halten inne, nicht nur für das obligatorische Foto. Im Mittelalter kamen die Pilger nach Padron, um einen Ablass erwerben, dessen Ausgestalltung Papst Gregor III. (731-741) zugeschrieben wird. Wir erkunden die Gegend. Immer noch kein Mensch zu sehen. Beamen uns zurück, rund zweitausend Jahre zurück. Geht das überhaupt? Viele unserer Historiker tun es offensichtlich nicht. Betrachten Geschichte mit der heute aufgesetzten Brille.

 

Hier an dieser Stelle soll der Apostel seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten haben. Hieronymus Münzer, ein Arzt aus Nürnberg, beschreibt seine Eindrücke von El Padron in seinem Reisebericht der Jahre 1494/95 wie folgt: "Wir traten zuerst in die sehr alte Jakobskirche und sahen unter dem Hauptaltar die konklave Steinsäule (Foto unten), wo der Leichnam des heiligen Jakobus geruht haben soll. (...) Wir erblickten auch, als wir auf den Berg jenseits der Brücke stiegen, den Ort, wo er den Heiden predigte. Es findet sich eine Ansammlung größerer Steine in der Art der Pyramiden, und auf dem Gipfel gibt es einen flachen Stein in Form eines Stuhles. Dort sahen wir auch die Kapelle, unter der die Quelle entspringt, die der selige Jakobus durch die Berührung mit seinem Stab zum Fließen gebracht haben soll. Es ist weiches und süßes Wasser, das wir tranken und das uns gut bekam".  Quelle: Klaus Herbers. Der Reisebericht des Hieronymus Münzer "Auf der Suche nach der Wahrheit" in Westeuropa 1494/95. 2020. Narr Francke Attempto Verlag Tübingen.

 

Wer hat sich wohl für seine eindringlichen Worte über Jesu Christi-Gottesreich dies- und jenseits interessiert? Es heißt, dass Jakobus dort auch die heidnische Königin Lupa getauft haben soll. Wen noch? Wie viele Menschen waren es? Sind es Menschen gewesen, die wie wir einen längeren Marsch hinter sich bringen mußten? Rund 20 Kilometer von Caldas de Reis aus? Es werden mehrheitlich Waldwege gewesen sein, Landstraßen gab es nicht. Die Topographie wird die gleiche geblieben sein: Aufstieg nach Cortinas, Abstieg ins Valga-Tal. Hatten die Bewohner von ihm gehört? Wie ist der Heilige auf sie zugegangen? Einfach so? Hat man ihn sofort als Fremden erkannt, an seiner Kleidung, seinem Habitus; haben sie ihn angesprochen? Wieviele haben den neuen christlichen Glauben angenommen? Was erwartet der Herr von uns - heute?

  

Sind wir Fremde? Oder willkommene Gäste, die als Jakobspilger ihr Geld in der Stadt lassen? Sie sitzen in Reichweite der Jakobuskirche, trinken ihr Bier, lachen, schwatzen, fabulieren; werden sie sich noch für den Pedron interessieren? Mit uns im Gotteshaus zwei Frauen. An diesem Stein, dem Pedron, dem wertvollsten Stück der Jakobustradition, der Stein stand ursprünglich am nahe gelegenen Flußufer von Ulla und Sars, machte der Legende zufolge das Boot mit dem Leichnam des Heiligen Jakobus fest, bevor dieser mit einem Ochsenkarren dann seinen letzten Weg nach Compostela nahm. Bevor Ihr stutzt, der Überlieferung nach ist der Apostel zweimal auf der iberischen Halbinsel gewesen, vor und nach seiner Enthauptung in Jerusalem.  

 

Padron ist kinderfreundlich. Wie selbstverständlich spielen Mütter mit ihren Kindern – draußen. Keiner stört sich daran. Morgen um sechs Uhr in der Früh werden wir vor Pepes Tür stehen, im Dunklen. Pepe wird uns einen Croissant verkaufen mit einer Tasse Kaffee dazu.

Fortsetzung

Was soll man davon halten? Die Bundestagsverwaltung zahlt gemäß Beschluss des Ältestenrates den rund 4.500 Mitarbeitern der 709 Abgeordneten einen steuerfreien Bonus wegen Mehrbelastung durch die Coronakrise. Bis zu 600 Euro. Unverständnis bei einigen Abgeordneten.  WEITERLESEN 

Die Leitmedien berichten, wenn überhaupt, nur auf den hinteren Seiten. Die TV-Sender gar nicht. Es bleibt unbegreiflich. Die Krankenschwestern der Intensivstationen hätten es verdient, die Betreuerinnen in den Altenheimen ebenso. Sie alle arbeiten am Limit.

 

FORTSETZUNG, 8. Dezember 2020

Bei uns sagt man Lurdes-Grotte“ – nicht Lourdes, französisch ausgesprochen. Visbek. Am Rande der St. Vitus-Kirche. Erkundige mich in einem angrenzenden Geschäft nach der Lourdes-Grotte; sie soll mittelbar am Jakobsweg Richtung Vechta liegen. Ihr merkt, ich betrete gerade katholisches Gebiet. Zur Ehre Gottes (und der Jungfrau Maria) ließ der Visbeker Rendant Clemens Engelmann 1906 aus Dankbarkeit für die Genesung seiner Ehefrau diese Lourdes-Grotte errichten. Er ließ extra dafür die Natursteine aus den Pyrenäen/Südfrankreich liefern. Lourdes-Grotten gibt es als Nachbildung überall, in den Vatikanischen Gärten, immer wieder von Papst (em.) Benedikt XVI. aufgesucht,  im Kloster Maria Engelport nahe der Mosel, u.v.a.m.  Die Kirchen der Reformation haben es nicht so mit den Heiligen, schon gar nicht mit der Jungfrau und Gottesmutter Maria.

 

Am 11. Februar 1858 geht die vierzehnjährige Bernadette Soubirous in Begleitung ihrer Schwester und einer Freundin zum Holzsammeln zur nahegelegenen Felsenhöhle Massabielle von Lourdes. Nur sie sieht - nach einem Windstoß aufmerksam geworden - eine weißgekleidete Dame, wie sich später herauskristallisieren wird, die Jungfrau und Gottesmutter Maria. Auch der örtliche Pfarrer glaubt ihr zunächst nicht, bis sie ihm am 25. März 1858 von der Dame ausrichten läßt: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ Wie kann dieses ungebildete junge Mädchen, es konnte nicht lesen und schreiben, von dem vier Jahre zuvor von Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 feierlich verkündeten Dogma (Seit den Anfängen der Kirche übrigens stets von den Christen geglaubt) wissen? So des Pfarrers Gedanken. Und so mutiert Lourdes zu einem der größten Marien-Wallfahrtsorte. Mehr dazu.

Fühle mich wohl. In dieser Gegend. Nicht mehr nur Wald- und Wiesenwege. Katholisch geprägt. Die Kirchen nicht mehr verschlossen. Viele Kruzifixe am Wegesrand. Sockelinschriften wie: „Es ist vollbracht“ – „JHS“ – „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, et ecetera.

In der Jakobus-Kirche von Lutten hole ich mir den Pilgerstempel ab. Die Jakobusfigur zeigt den Heiligen mit Muschel, Tasche und Santiagoschwert. Rechts neben ihr eine Jakobuskerze mit der Inschrift: „Hl. Jakobus – bitte für uns.“

Eine willkommene Unterbrechung. Spreche mangels Gelegenheit - bis kurz vor Vechta  - mit keinem Anwohner, geschweige denn mit einem Pilger. Herrlich still. Volle Konzentration auf sich selbst, ohne sich anstrengen zu müssen. Daniel Richter von der Gemeinde Vechta war mein einziger Gesprächspartner, er bremste sein Fahrrad ab, erkundigte sich nach mir und meinem Vorhaben. Er kannte sich aus. Aber das war es auch schon. Nach rund 20 km ist auch diese Etappe beendet, beendet vor den Türen der Vechataer Propsteikirche St. Georg, Sitz des bischöflichen Offizialatsbezirks mit einem Weihbischof an der Spitze. Das martialisch anmutende Altarbild mit dem hl. Georg, er zählt zu den vierzehn Nothelfern, beschäftigt mich noch ein wenig, aber nur bis zum Parkplatz (Elke wird mich abholen). Angrenzend irgendeine Vechtaer Verwaltungsstelle. Erinnere mich an die freundlichen Anwohner des Camino Frances, gehe hinein, frage eine Mitarbeiterin, ob ich mich kurz auf der Toilette frisch machen könne, wäre total verschwitzt, befürchte eine Erkältung. „Nein!“ Kurz und schmerzlos wie hart ihre Antwort. That`s makes the difference. Sie hatte kein Mitleid mit einem in die Jahre gekommenen Pilger: „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen“ – Matthäus 25, 43.

 

Fortsetzung

Auf dem Pyrenäenweg von Lourdes zum Somportpass.

In 2010 sind die Protagonisten das erste Mal im Marienwallfahrtsort gewesen, in Erinnerung an die Lourdes-Pilgerreise der Mutter vom Herbst 1961. Und da konnte doch gar nichts mehr schiefgehen: Dreiundfünfzig Jahre später sich auf den Weg machen - mit der Fürsprache der Jungfrau und Gottesmutter Maria Unserer Lieben Frau von Lourdes im Gepäck – zunächst über Betharram und Oloron-Ste-Marie zum Col du Somport; weiter entlang dem Aragonesischen Weg. 

 

In 1858 ist, wie oben angemerkt, dem jungen Mädchen Berndadette Soubirous an der Grotte von Massabielle in Lourdes die Jungfrau und Gottesmutter erschienen. Seit dem pilgerten, besuchten Millionen von Menschen, einzeln oder in organisierten Gruppen, in den vormals kleinen Pyrenäenort. Knapp 70 von einer unabhängigen Kommission bestätigte Wunder lassen den jährlichen Pilgerstrom nicht abreißen. Jetzt zu Coronazeiten ist er fast versiegt. Die in 2014, und dann nochmal in 2018, vor Ort erlebte Hilfsbereitschaft Hunderter von sog. Hospitalitern (HelferInnen) ist unbeschreibbar, weltweit einzigartig. Sie schieben die Krankenstühle behinderter Pilger zu den heiligen Stätten, sie helfen ihnen bei den Mahlzeiten, sie bringen sie ins Bett: Jugendliche, Ältere, Männer, Frauen, Pfadfinder, Kleriker, aus vielen europäischen Ländern: Spanier, Italiener, Portugiesen, Franzosen, US-Amerikaner, Holländer, auch viele Deutsche darunter. In ihrer Freizeit versammeln sie sich auf den großen Freifläche vor dem Sanktuarium in landsmannschaftli organisierten  Gruppierungen, singen und beten, viele beichten (abgeschirmt von anderen). Das sollte man selbst erlebt haben, sofort würden die negativen Stimmen verstummen, die hier nur Tourismus vermuten.

 

Die beiden Pilger übernachten folgerichtig im Haus der Nonnen der Communaute Saint-Joseph in der Avenue de Vizens. Soer (Schwester) Marie Marc. spricht deutsch. Die abendliche Marien-Prozession mit dem Rosenkranzgebet, gesprochen in mehreren Sprachen, unter anderem in Deutsch, ist beeindruckend. Es sind nicht nur ältere Semester vertreten. Mitnichten: junge Menschen zuhauf.

Bis zum Puerto de Somport sind es rund 130 Kilometer, gut in fünf Pilgeretappen zu schaffen. 

 

Fortsetzung

Gedanken zum Advent. "Nur noch ein Gott kann uns retten."

Martin Heidegger, der große Philosoph des 20. Jahrhunderts (1889 bis 1976) in seinem Spiegel-Interview vom 23. September 1966; es durfte erst nach seinem Tod erscheinen. Er deklamierte: "Nur ein Gott kann uns retten. Uns bleibt die einzige Möglichkeit, eine Bereitschaft vorzubereiten für die Erscheinung des Gottes oder für die Abwesenheit des Gottes im Untergang. Wir können ihn nicht herbeidenken. Wir vermögen höchstens die Bereitschaft der Erwartung zu wecken. (...) Die Philosophie ist am Ende. Die Philosophie und der Einzelne können nichts tun, außer der Vorbereitung der Bereitschaft, das sich Offenhaltens für die Ankunft oder das Ausbleiben des Gottes."

 

Professor Joseph Ratzinger, ein Jahr später wird er Erzbischof von München-Freising sein, führt in seiner Mediation zum 2. Adventssonntag am 5. Dezember 1976 weiter aus:

"Bereitung der Bereitschaft für das Ankommen Gottes: ich glaube, dass darin erschütternd groß gesagt ist, was eigentlich Advent heißt und was er bedeutet für diese Welt und für unser Leben." Quellen: Joseph Ratzinger. Gesammelte Schriften. Predigten. Band 14/1, S. 120/21.  "Only a God Can Save us" - The Spiegel Interview.

 

Fortsetzung

Wir befinden uns auf dem ältesten französischen Jakobsweg, dem Pyrenäenweg von Narbonne am Mittelmeer Richtung Somportpaß, dem Col du Somport, 450 Kilometer. Diesen Weg dürften die italienischen Pilger bevorzugt haben. Warum den großen Umweg über St. Jean wagen? Der Somportpaß liegt näher. Die Infrastruktur ist gut, Pilgerhospize säumen den Cammino.

Von Lourdes sind es noch 126 km über Asson, Arudy, Oloron Saint-Marie, Bedous. Zunächst gilt es, sich mit dem Kreuzweg (VIA CRVCIS) von Betharram auseinanderzusetzen, kurz hinter Lourdes. Ein sehr beschwerlicher, steiler Weg führt hoch oben zur Chapelle de Resurrection, zur Auferstehungskapelle.

 

Der Pilgerweg führt entlang dem Fluß Gave de Pau Richtung Oloron-Sainte-Marie. Man muß schon sich bemühen, Herbergen wie Hotels ausfindig zu machen. Oloron-Sainte-Marie ist von jeher ein Knotenpunkt, für die aus dem Norden Ankommenden, wie für den weiteren Weg zum Paß, zu Fuß oder per Bus. Der Weg durch die Pyrenäen mutiert zu einem Risiko-behafteten Pfad, wenn es zuvor geregnet hat. Die Waldwege führen rechts wie links der Paßstraße. Wir nehmen die Paßstraße, es ist sicherer. Ca. 60 Kilometer sind es von Oloron bis zum Col du Somport. Dort beginnt der eigentliche Aragonesische Camino. Wir passieren Orte mit den schönen Namen Sarrance, Bedous, Borce.

 

Eine herrliche Gegend. Dem mittelalterlichen Pilger wird grenzenloses Staunen überkommen sein, als er hoch oben das Hospiz Santa Cristina erblickte. Schon die römischen Legionen unter Pompeius nutzten diesen Paß, den sie Summus Portus Asperi nannten, die Einheimischen hingegen nannten ihn Port d`Urdos. Nach der Wiedereroberung von den Arabern wurde 1078 besagtes Hospiz Santa Cristina erbaut. Es waren die Augustinermönche, die die Jakobuspilger umsorgten. Der erste Bericht hierüber aus dem 11. Jahrhundert thematisiert den Besuch des Königs Sancho Ramirez.

 

Der Codex Calixtinus (12. Jahrhundert) zählt das Hospiz neben Jerusalem und Mont Joux am San Bernado-Paß zu den drei wichtigsten der Christenheit. 1605 n. Chr. wurde es aufgelöst. Heute zeugen einige wenige Ruinen von der immensen Bedeutung des Krankenhauses, das dieses für die Jakobspilger einmal hatte. Ich blättere in Bettina Marten`s Kunst- und Kulturführer, lese von der Legende mittelalterlicher Ritter, die, vom langen Marsch völlig erschöpft und hungrig, beschließen, eine kleine Unterkunft zu bauen. Überraschend kommt eine weiße Taube mit einem Kreuz aus Gold im Schnabel geflogen, legt das Kreuz an der Stelle ab, an der die Ritter eine Kirche bauen sollen. Tatsächlich sollen die Ursprünge des Hospizes um 1078 nach Christus auf ein Gasthaus zurückzuführen sein.  Es geht abwärts Richtung Jaca. Jaca widerstand dem Maurenansturm, 760 nach Christus. Darüber später mehr. Dort wurde Geschichte geschrieben.

Fortsetzung

Der mittelalterliche Pilger war Monate unterwegs auf seinem Weg zum Grab des Apostels. Von zu Hause in Deutschland, England, Frankreich, Italien, der Schweiz. Mitunter mehr als 3.000 Kilometer. Das schaffen heute nur wenige Pilger. Die Intention bleibt. Pilgern auf den Spuren vergangener Zeitzeugen - der mittelalterlichen Epoche nachspüren. Pilgern im Mittelalter bedeutete: das Kreuz tragen, wie die Ritter. Von Lourdes auf dem Pyrenäenweg via Somportpaß zum Camino Aragones bis nach Puente la Reina.

 

Der Camino Aragonés besticht durch seinen Reichtum an Kulturellem, Religiösem, und Geschichtlichem. Ein Muß für den Interessierten. Hoch oben in den Pyrenäen, auf dem Puerto de Somport, 1.640 m, eine Rast einlegen, sich mental einstellen; weiter nach Candanchu, Canfranc-Estación, Jaca, Puente la Reina de Jaca, Ruesta, Sangüesa, Rocaforte, Monreal, Eunate, Puente la Reina. Die Abstecher nach San Juan de la Pena, dem Sanctuarium Javier und in die Schlucht Foz de Lumbier betrachte ich als obligatorisch. 

Überall am Wegesrand sind schöne wie schreckliche Figuren an den Kirchen zu sehen, das Chrismon oberhalb der Eingangstüren, Christus als Pantokrator (Weltenherrscher) wie auch die Madonna. In späteren Jahrhunderten wird der Gekreuzigte, der leidende Christus im Vordergrund stehen. Christus Jesus wie die Gottesmutter vermitteln Trost und Sicherheit. Denn: Wer nach Compostela geht, weiß nicht, ob er unterwegs stirbt und wo er begraben wird. Nahe Santa Maria de Eunate, kurz vor Puente la Reina, sind Gräber gefunden worden - mit Jakobsmuscheln.

 

Das Chrismon - Omega und Alpha - war das Erkennungszeichen der frühen Christen. Die gekreuzten griechischen Buchstaben Chi und Rho XP stehen für den Anfang des Namens Christus. Es lädt den gläubigen Christen ein, einzutreten in das Gotteshaus, der Liturgie beizuwohnen oder einfach nur einen Moment zu verweilen, zu meditieren, zu beten.

Jaca. Die Pilger haben es eilig. Schnell ein Foto von der Burg geschossen. Die Kathedrale San Pedro von Jaca, Anno Domini 1063 geweiht, ist eine der vier ältesten romanischen Kirchen am Camino de Santiago neben San Martin in Fromista, San Isidoro in Leon und der Kathedrale von Santiago de Compostela.

Das Tympanon des Eingangsportals. Im Zentrum des Chrismon ist  zu lesen (übersetzt): "Leser, auf dieser Skulptur erkenne mit Sorgfalt, dass das P der Vater, das A der Sohn und der Doppelte (O=Omega) der Heilige Geist ist. Alle drei sind in Wahrheit der eine und gleiche Herr."

Links und rechts ist Christus als Löwe zu sehen, als Beschützer und Bezwinger. Am unteren Rand steht: "Der Löwe weiß den Flehenden zu verschonen, wie Christus den Bittenden - der starke Löwe zertritt das Reich des Todes (...) Wenn du, gehalten vom Gesetz des Todes, verlangst zu leben, komm hierher zu flehen, giftigen Speisen absagend. Reinige das Herz von Lastern, damit du nicht des zweiten Todes stirbst." Das Stufenportal zeigt Daniel und die Löwengrube. 

Quelle: Bettina Marten. Der spanische Jakobsweg. Ein Kunst- und Kulturführer. Reclam, 2011.

 

Am Vorabend des 4. Advent 2020. Nur noch wenige Tage bis zum Christfest. Erzbischof Don Julian Barrio Barrio wird in Santiago de Compostela am Heiligen Abend die Christmette um 24:00h zelebrieren - nicht in der Kathedrale, sie wird erst am 31. Dezember mit den Feierlichkeiten zum Heiligen Jahr 2021 wieder geöffnet, nein: er wird die Heilige Messe in der Kirche San Francisco feiern. Seine Eminenz wird nahezu jeden Tag involviert sein. In Bayern hat Markus Söder, machtvoller Regent, eine Ausgangssperre für die Zeit ab 21:00h verhängt. Das fordert Widerspruch heraus. Ausgerechnet im katholisch grundierten Bayernland wird es heuer keine Christmetten geben. Ein Sakrileg. 

 

Fortsetzung, 20. Dezember 2020

MEHRHEIT DER DEUTSCHEN

WILL KEINE WEIHNACHTSGOTTESDIENSTE

Lust am Lockdown. So lautet am 20. Dezember 2020 die Artikelüberschrift des Focus-Kolumnisten Jan Fleischhauer, vormals Spiegel. Da ist was dran. Befördert von den einschlägigen Medien ARD, ZDF, Süddeutsche, Tagesspiegel und ZEIT, geht es für die überwiegende Mehrheit der Deutschen nur noch darum, wie hart der Lockdown nur wirklich sein muss: Keine unnützen Einkäufe mehr, keine Treffen mehr zu Hause, am besten auch nicht mehr ins Büro fahren müssen, keine unnützen Gänge in die City mehr, et ecetera.

Fleischhauer nennt das: Die Volksgemeinschaft ist zurück. Es zählt kein Eigensinn, kein Egoismus, es zählt nur noch das Virus-Kollektiv. Hatten wir nicht schon einmal diese Zeiten? Alles einem Ziel unterordnen. Wie deklamierte weiland Kaiser Wilhelm II. für die damalige Zeit so unwahr wie unrichtig: „ Ich kenne keine Partei mehr, ich kenne nur noch Deutsche.“ Haben wir denn gar nichts aus der Geschichte unseres Landes gelernt?

So richtig es auch sein mag und ist, Corona ernstzunehmen, so darf doch selbst in Pandemiezeiten der helle Verstand nicht ausgeschaltet werden, müssen doch die Entscheidungen der Regierenden auf ihre Verhältnismäßigkeit hinterfragt werden.

Es zählen nur noch die Coronatoten, nur noch die an und/oder mit Corona Erkrankten. Dass unser Hinunterfahren der Wirtschaft die Drittländer, vor allem die Afrikas, massiv schädigt, die Lieferketten werden ja unterbrochen, interessiert hier keinen. Ich nenne das Egoismus pur.  

Dass jährlich zigtausende Menschen elendig an Krebs oder sonstigen Erkrankungen sterben, zählt nicht. Dreitausend  Menschen jährlich im Straßenverkehr, 380.000 werden verletzt: unerheblich. Dass prinzipiell, bis jetzt jedenfalls, die Altenheimbewohner nicht besonders geschützt werden: unerheblich. Nur noch die Volksgemeinschaft der von Covid-19 nicht Befallenen zählt.

 

Das Kollektiv ordnet sich bereitwilligst unter. Und die Regierenden, die Journalisten verspüren Lust daran, die Masse Mensch zu steuern; als Erziehungsberechtigte. Spätestens 2008 wurde ich stutzig, als Senator Barack Obama die deutsche Hauptstadt besuchte, im Vorwahlkampf. Die „Welt“ titelte am 24. Juli 2008: Obama in Berlin – eine Stadt im Rausch. Über 200.000 Tausend sollen es gewesen sein.   

 

Jan Fleischhauer schließt seine Kolumne mit den Worten, dass er hofft, dass diejenigen, die jetzt den Lockdown feiern, nicht die ersten im kommenden Frühjahr sind, die die Verödung der Innenstädte beklagen. Ich füge hinzu, die nicht die Insolvenzen beklagen. Der Italiener um die Ecke: ihn gibt es nicht mehr. Die Disco in der Nähe: sie gibt es nicht mehr. Das Hotel in Brandenburg: es gibt es nicht mehr. Berlin ist öde geworden, nicht mehr sexy.  

 

Fortsetzung

CAMINO DE SANTIAGO 2021. Wie werden wir ihn vorfinden? Die Diskussionen sind in vollem Gange. Wer wird sich letztlich durchsetzen? Die Tourismusexperten? Die Jakobswegpilger? Der Turigrino? Der Peregrino autentico?

 

Stichworte: Pilgerweg oder Wanderweg? Christlich grundiert oder profan ausgerichtet? Der Jakobusweg als Lebensphilosophie? Auf der Suche nach dem Wahren und Guten? Wunderschöne Sakralbauten oder Kneipen? Oder Beides? Pilgermessen am Weg? Christliche Spiritualität oder Relativismus? Einsamkeit der Meseta genießen oder Massentourismus? Pilgerherbergen oder (Disco-) Hotels? Pilger-Solidarität oder Tourist-Selbstbezogenheit? Rucksack oder Koffer (Taxiservice)?

 

Spanische Diskussionen im Netz: Suchen wir die traditionellen Pilger oder die Turigrinos? Werden sich die Gesetze des Marktes durchsetzen, die künftigen Pilgerrouten bestimmen? Werden die Protagonisten des kommerziellen Wettbewerbs die Geschichte der Jakobspilgerschaft überhaupt in ihre Überlegungen implizieren? Zählt nur das Hier und Heute? Alles über Bord werfen? Immerhin: Die Jakobspilgergeschichte wurde im 9. Jahrhundert geschrieben. Sie hat die Iberische Halbinsel geprägt.

Der Autor einer spanischen Webseite beklagt, dass von der Kirche keine Hilfe zu erwarten sei, sie kämpfe nicht um den Camino de Santiago. Die privaten Initiativen seien es, die helfen könnten. Menschen, die sich derart vom Camino haben prägen lassen, dass sie ihm etwas wiedergeben wollen. Ehemalige aktive Pilger, die, so seine pathetischen Worte, sich mit Leidenschaft engagieren und die Flamme dieses heiligen und spirituellen Weges mit Werten am Leben erhalten wollen. Unterstützen wir diese Menschen. 

Die Debatten sind eröffnet. In Spanien. Wer wird die Oberhand gewinnen? Wer wird sich durchsetzen?

 

Fortsetzung

Samstag, 14. Mai 2011. Padron. Aufbruch um 6Uhr 15. Ankunft Santiago de Compostela 12:35h. Für uns von Padron 23,5 Kilometer. Frühstück bei Don Pepe. Pepe weiß um die Eile der auswärtigen Pilger, er öffnet um sechs. Die Croissants schmecken, der heiße Cappuccino tut gut. Harold und Irene aus Calgary sind im Anmarsch, leider sind wir schon zu weit weg, um umzukehren. Was soll`s? Wir werden sie doch in Santiago wiedersehen, denken wir; ein Trugschluß. Es ist noch kühl, windig dazu. Wir gönnen uns zwei Pausen: um 8Uhr30 und um 10Uhr20, sprechen mit zwei jungen Frauen, die ohne Sprachführer sind; glaubten sie doch tatsächlich, nur mit Englisch weiterzukommen.

 

Der nahe gelegene Friedhof liegt noch im Dunklen, auf den Grabflächen Stein- resp. Keramik-Grabkammern in Form des uns bekannten Sarges mit beschrifteter Grabplatte. Nach der sog. „Ägyptischen Initiation“, bekannt aus der Antike, im Mittelmeerraum weit verbreitet, wird der Leichnam, wie in der Bibel nachzulesen, als Jesu-Leichnam nach seinem Kreuzigungstod einbalsamiert in Tücher gewickelt in die begehbare Grabkammer gelegt wurde, so wird auch heute noch in einigen Gebieten Spaniens entsprechend verfahren. Zudem dürfte der Verwesungsprozeß der Leichen im Erdreich das Brunnenwasser vergiften, Seuchen und Epidemien eingeschlossen. Auf unseren Caminos sind wird vielen Friedhöfen begegnet. Friedhöfe faszinieren mich, sagen sie doch etwas über die Wertschätzung der eigenen Kultur wie des Verstorbenen aus. Leben und Sterben, nicht zu trennen. In Corona-Zeiten mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit. Seitdem die Kirche infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962-65 vor dem Zeitgeist eingeknickt ist, sie kirchliche Urnenbestattungen zuläßt, an sich nur unter bestimmten Voraussetzungen, deren Bestimmungen aber geflissentlich von den Klerikern und Gläubigen überlesen werden, sind die Erdbestattungen stark zurückgegangen, die Urnenbestattung hingegen en vogue geworden. Ich frage mich, ob sich das Christentum überhaupt hätte entwickeln können, hätte sich Christus Jesus verbrennen lassen? Definitiv nicht.

 

Der erste Markierungsstein, wir passieren ihn um 6Uhr48, signalisiert uns, dass wir noch 22,519 km vor uns haben. Der zweite Stein um 11Uhr15. Er zeigt uns noch zu gehende 4,600 km an. Es geht uns gut. Jeder hängt seinen Gedanken nach, denkt an die erste Ankunft in Santiago Anno Domini 2006, weiland emotional hoch aufgeladen. So wird`s heuer nicht sein. Und dennoch. Die Fotos sollen 2006 nachempfunden sein: vor der Kathedrale, einzeln auf den Stufen. Ein kurzer Blick in die Kathedrale genügt: Vor uns stehen breitschultrige junge Männer, verfolgen die bereits begonnene Pilgermesse. Die Mitnahme der Rucksäcke ist noch nicht verboten worden. Wir werden uns am morgigen Sonntag rechtzeitig um einen guten Platz bemühen. Die Säule des sog. Kopfstoßheiligen mit der Figur von Meister Matteo ist abgesperrt, leider, eine Berührung nicht mehr wie in 2006 möglich. Jetzt gilt es, sich im Pilgerbüro die (zweite) Compostela abzuholen. Wir stehen an, endlos die Schlange auf der Treppen. Spreche den Peter aus dem Saarland an, so stellt er sich vor. Er verhilft uns zu einer guten Unterkunft. Dazu später mehr.

Fortsetzung - 4. Januar 2021.

"Wir erleben seit Monaten eine Art von Obrigkeitsstaat." Deutschland mutiert – vom einstigen Musterschüler - zum Corona-Hotspot. Bundes- wie Landesregierungen und EU-Kommission scheinen überfordert; ihnen entgleitet das Heft das Handelns, das offensichtlich nur noch darin besteht, Lockdowns zu beschließen: sehr einfallsreich. Nach wie vor sterben vor allem Heimbewohner an Covid-19. SPD-Coronaexperte Karl Lauterbach will Corona-Beschränkungen auch auf andere Politikfelder (Klimawandel) ausweiten. Leitmedien üben sich in Servilität. Die Bundeskanzlerin schaltete offensichtlich Gesundheitsminister Spahn aus, so die BILD vom 4. Januar 2021, und übertrug die Beschaffung der Impfdosen der EU-Kommission. Ein Desaster, wie sich jetzt herausstellt. Die Frage, die sich stellt, ist, wie lange ARD und ZDF ihre servile Berichterstattung aufrechterhalten können, und die Frau Bundeskanzlerin weiterhin exkulpieren, somit Jasper von Altenbockums Kommentar in der FAZ vom 02.01.2021 folgen „Es sei nicht ganz fair, der EU und Deutschland vorzuwerfen, dass….“. Und die Heimbewohner werden nicht rechtzeitig geimpft. Leben werden aufs Spiel gesetzt.

 

Lisa Eckarts Worte, Kabarettistin und Romanautorin, in der Tagespost vom 24. Dezember 2020 sind es wert, hier zitiert zu werden: Großmutters Sterblichkeit sei ja quasi ein Befehl, sie nicht zu besuchen. Diese Menschen glaubten an die frohe Botschaft von Krimis und Gesundheitsexperten: Der Tod sei immer Menschenwerk. Ganz im Sinne des Neoliberalismus werde der Tod privatisiert und somit angeblich „vermeidbar“ (Karl Lauterbach). Er unterliege nicht der Biologie und erst recht nicht dem Plan Gottes, sondern allein der eigenen Verantwortung. Wer scheitert, sei selbst schuld. Wer verscheidet, ebenfalls.

 

Die Kirche schweigt, wo sie doch hätte zur Höchstform auflaufen müssen. Bleibt den Bischöfen nicht aufgetragen, voranzugehen, wieviel es auch kosten mag - gegen den Mainstream, nicht in Servilität verharren? Papst Johannes Pauls II. Worte 2001 in der Ukraine bleiben gültig, auch wenn sie in einem anderen Zusammenhang gesagt worden sind: "Schwimmt nicht mit dem Strom!"

Also: Menschen Trost spenden. Gläubigen Hoffnung vermitteln. Unverdrossen Jesu Christi-Evangelium predigen / verkünden. Bitt-Gottesdienste und besondere Eucharistiefeiern anbieten, nicht absagen (wie heuer zu Weihnachten). Kirchen ganztags geöffnet, nicht geschlossen lassen. Ein Trauerspiel.

 

Die Weisen aus dem Morgenland, besser bekannt als Heilige Drei Könige als Vorbild nehmen. Als die Weisen das Kind fanden, freuten sie sich sehr. Jedes Opfer hatte sich gelohnt! Alle Mühen waren vergessen! Sie waren die Beschenkten! Und sie taten rasch ihre Schätze auf. Die Weisen brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Das Gold bedeutet: Du bist unser König! – Der Weihrauch bedeutet: Du bist unser Gott! – Die Myrrhe bedeutet: Du bist unser Erlöser!  Quelle: P. Martin Ramm FSSP, 06.01.2021. Vgl. auch Lk 6, 45: Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und der böse Mensch bringt aus dem Bösen das Böse hervor. Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund.

 

Fortsetzung, 6. Januar 2021

15. Mai 2011. Kathedrale de Santiago. Das Gotteshaus ist gerammelt voll, schon um viertel vor elf Uhr, die 10Uhr-Messe ist noch nciht beendet. Spanische Frauen drängeln sich resolut in die Bankreihen, junge Pilger setzen sich auf den kalten Fußboden oder auf ihre Rucksäcke. Ach, was wäre das doch schön, würden einige dieser jungen Pilger auch back home die Gottesdienste besuchen. Wenn es denn wirklich so sein sollte, dass einem das örtliche Bodenpersonal (Predigten inklusive) nicht „gefällt“, warum sich nicht eine andere Gemeinde suchen? Elke und ich verfahren schon seit Jahren so, ohne den Kontakt zur Heimatgemeinde zu verlieren. Der Radius beschränkt sich im allgemeinen auf 10 bis 20 km. Für den Besuch der Messe aller Zeiten, der Missa Tridentina, der sog. Alten Messe, sind uns gleichwohl 120 km Weg (hin wie zurück) nicht zu viel. Wer mehr über die Missa Tridentina wissen will, schlage bitte die entsprechende Webseite auf. Du wirst dann sofort spüren, was diese Messe auszeichnet.

 

Ein Bischof aus dem westafrikanischen Benin zelebriert die 12Uhr-Pilgermesse. Das ist insoweit interessant, als er nach seiner spanischen gehaltenen Predigt sich den deutschsprachigen Pilgern zuwendet, in deutsch das Evangelium vom 4. Sonntag der Osterzeit auslegt: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden – Johannes 10,1-10. Ein Highlight. Ein weiteres Highlight, absoluter Höhepunkt, die Heilige Messe Montagmorgen um halb neun Uhr direkt am Schrein des Jakobus, extra gelesen von Pater Fidelis Pezzei, einem Ladiner, jetzt in der Oberpfalz tätig, für vierzehn deutschsprachige Pilger; organisiert von der Pilgerseelsorge resp. -betreuung der Diözese Rottenburg-Stuttgart; deren Protagonisten hatten auch für das Pilgertreffen verantwortlich gezeichnet.   

  

Es muss nicht immer das Paradores sein, die Hospederia San Martin, ein ehemaliges Priesterseminar, hatte auch ihren Charme, das Frühstück war wirklich gut. Nun ja, das Gästehaus mit dem Paradores-Hostal de los Reyes Catolicos zu vergleichen, würde beiden Unterkünften nicht gerecht werden. Wir gönnten es uns Anno Domini 2006. Sein Ambiente zu beschreiben, sprengte diesen Bericht. Einfach sich `mal eine Übernachtung oder zwei davon gönnen. Das tut gut - nach einer strapaziösen Pilgertour mehr als gerechtfertigt.

Fortsetzung

Samstag, 9. Januar 2021. Drei Tage nach dem "Sturm auf das Capitol".

Thomas Chatterton Williams, US-Amerikaner (1981 geb.), Sohn eines Afroamerikaners, schreibt u.a. für The New York Times Magazine und Harper`s Magazine, Kritiker der in den USA dominierenden Identitätspolitik. In 2020 "A Letter on Justice and Open Debate." Darin kritisiert er mit weiteren 152 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eine Kultur der "Intoleranz gegenüber vom Mainstream abweichenden Ansichten."

 

Williams zu Twitter und Facebook, die Donald Trumps Accounts gesperrt haben: "Das mag notwendig gewesen sein, um die Stabilität vor der Amtsübergabe zu gewährleisten. Aber ich will ehrlich sein: Ich glaube nicht, dass die Sicherheit unserer Republik in der Verantwortung von Mark Zuckerberg liegen sollte. Dass wir die Herrschaft über unsere Öffentlichkeit, den Diskurs und sogar die Demokratie an eine kleine Handvoll Tech-Oligarchen abgetreten haben, ist zutiefst beunruhigend und wird mit ziemlicher Sicherheit unerwünschte Folgen haben."  Quelle: Die Litararische Welt vom 9. Januar 2021: Die USA sind zu einem Pulverfass geworden.

Ähnlich argumentierten die NZZ wie Mathias Döpfner von Axel Springer SE.

 

Fortsetzung

IN WELCHER GESELLSCHAFT LEBEN WIR EIGENTLICH?

Eigentlich sollte ich jetzt wieder über den Camino de Santiago schreiben, über den Camino Aragones, unsere Erfahrungen mit dem Caminho Portugues zu Ende bringen, den Camino Frances 2021 beleuchten. Was ist dazwischengekommen? Das derzeitige Denunziantentum, von Ingolf Bossenz in der Tagespost bereits am 9. April 2020 beklagt.

 

Das Prozedere der Denunziation war von jeher ein bevorzugtes Vergnügen des Volkes. Es zieht sich bis heute durch Geschichte, Völker und Kulturen. Von Herodes zu Zeiten Jesu über die antijüdischen Pogrome und Hexenverfolgungen bis in die Neuzeit, die Terrorkulte von Maximilien de Robespierre, Georges Danton und Jean Paul Marat während der Französischen Revolution ab 1789 (Schreckens-herrschaft der Jakobiner, Guillotine, zig Tausend Tote/Ermordete, Versuch der Ausrottung der katholischen Kirche ), Pol Pot (1975-1997, Rote Khmer in Kambodscha, Genozid mit 2 Mio. Hinrichtungen), Mao Zedong (China, 40-80 Mio. Tote),  Josef Stalin (Sowjetunion, Gulag, Millionen Verhungerte und Ermordete) und Adolf Hitler (Euthanasie, Völkermord ungeahnten Ausmaßes). Auch im Unrechtsstaat DDR war die Denunziation erwünscht und gängig. Viele Stasi-Akten zeugen davon. In ihren schaurigen Dimensionen waren sie nur möglich durch die pflichteifernde Kollaboration der Untertanen.

 

Der Wunsch „gut“ zu sein und dieses Gutsein bescheinigt zu bekommen, ist ein mächtiges Motiv menschlichen Handelns. So ist auch im begrenztem Maße nachvollziehbar, dass das Denunziantentum heute zu Pandemiezeiten ein Revival erfährt. Bürger zeigen ihre Nachbarn anonym bei der Polizei an, die willfährig prüft, warum denn mehrere Pkw fremden Kennzeichens vor dem Haus stehen, et ecetera. Diese BürgerInnen wähnen sich auf der guten Seite, tragen sie doch ihrer Meinung nach dazu bei, dass der Corona-Ausbreitung Einhalt geboten wird. Politik, Behörden, Ämter, Polizei wie ein Großteil der Gesellschaft akzeptieren es wohlwollend. In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? In keiner guten mehr. Nicht mehr wie vor Corona.

 

Fortsetzung, 14. Januar 2021

Gibt es Hoffnung für den Camino de Santiago 2021?

Die Fakten im Überblick. Der Ausnahmezustand in Spanien dauert noch (mindestens) bis zum 9. Mai 2021, was infektionsbedingte Sperrungen ganzer Regionen nach sich ziehen kann.  Der Verlauf des Jakobswegs ist bereits mehrfach unterbrochen worden. Wer mit dem Flugzeug anreist und keinen selbstfinanzierten negativen PCR-Test vorweisen kann, muss mit einer Strafe von € 6.000 rechnen. Spanien steht auf der Liste der Risikogebiete. Es besteht Maskenpflicht auch auf dem Jakobsweg. Viele Unterkünfte, Herbergen wie Hostals, sind geschlossen.

Erzbischof Julian Barrio Barrio schöpft Hoffnung, will Mut und Zuversicht den Pilgern geben. In seinem spirituellen Begleitbrief zum Compostelanischen Jahr 2021 „Die Hoffnung, nach Santiago zu pilgern“, die letzten datieren von 2004 und 2010, geht er davon aus, dass sich Pilger aufmachen, auch in 2021 trotz der Pandemie nach Compostela zu pilgern. Zur Entscheidung Papst Franziskus`, das Heilige Jahr auf 2022 auszudehnen, komme ich noch zurück.

 

Also, was schreibt der Erzbischof? „Viele von euch, die ihr nach Santiago kommt, werden vielleicht mit Tränen in den Augen wandern. Aber eure Schritte werden fest sein, wissend, dass Christus uns sagt: ‚Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben‘ (Johannes 14,6). Der Apostel Jakobus erwartet euch in diesem Heiligen Jahr, um euren Schmerz zu umarmen und von euch umarmt zu werden.“ Die Pandemie habe unsere “Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit“ bewußter gemacht. Die „durch diese Situation verursachten Leiden“ würden sich für viele „in einen Teil ihres Gepäcks für den Weg“ verwandeln. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unser Geist schwach wird. In diesem Sinne denke ich, dass die Pilgerschaft zu Gott, zu einem selbst und zu den anderen – ausgedrückt in der jakobäischen Pilgerschaft – uns helfen wird, unser Spiritualität zu stärken.“ Das JA zu Gott nicht in Zweifel ziehen, den Spuren des Gekreuzigten folgen. Gott sei „wahrhaftig gegenwärtig in jenen, die den Boden, auf den sich ihr Leben gestützt hat, aufreißen sahen.“ Quelle: Andreas Drouve in Die Tagespost vom 8. Januar 2021: Jakobsweg im Ausnahmezustand.

 

Ja, dann wollen wir alle hoffen, dass unsere Regierungen nicht weiter verrückt spielen, ständig Lock- und Shutdowns verhängen – in Ermangelung durchdachter Konzepte. Eines dürfte klar sein, das Corona-Virus und seine Mutationen werden uns noch lange begleiten. Alles auf den Covid-19-mRNA-Impfstoff zu setzen, scheint mir zu euphorisch zu sein. Ich empfehle den geneigten Lesern, sich auf die Internetseiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur (www.ema.europa.eu) zu verlinken. Die dortigen Ausführungen zu den Punkten Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bedenkenswert. Mir liegt eine 33-seitige Unterlage der EMA vor.  

 

Die eingangs gestellte Frage: Gibt es Hoffnung für den Jakobsweg 2021? kann ich nicht beantworten, nur bangen und hoffen. Die Imponderabilien sind halt nicht abzuschätzen.

 

Fortsetzung

Ich mach`jetzt einfach mal Werbung für zwei YouTube-Filme. Beide englischsprachig. Beide betreffen den Camino Frances. Beiden Protagonisten merkt man ihre echte Begeisterung für den Camino an. Der eine, ein schon etwas älterer Herr pilgerte 2015, betont die Anstrengungen und das Mysterium des Weges. Achtung: Die Doku dauert 2 Stunden 47 Minuten. Bitte dazu die Menüseite LITERATUR aufschlagen/anklicken.

 

Der andere, ein US-Amerikaner von BDE-Travels, spricht vor allem seine Landsleute an: entsprechend seine lockere Redeweise und die vielen kurzen Video-Sequenzen.

Er reist mit seiner mehrköpfigen Familie - vor Corona und während der Epidemie, nicht nur einmal, immer wieder neue Abschnitte. Nicht nur dabei seine Kamera, er lässt immer wieder seinen kleinen Flieger, man kann auch Drohne zu ihem sagen,  nach oben gleiten und zeigt phantastische Panoromabilder aus luftiger Höhe.

Sehenswert die Etappe von Astorga zum Cruz de Ferro. Zum ersten Mal habe ich diesen lockeren US-Amerikaner mit Tränen in den Augen gesehen. Seine Emotionalität am Cruz de Ferro schien überbordend, emotional, really touching. Warum? Wie bekannt, hinterlegen die Pilger am Kreuz nicht nur ein Steinchen (mehr darüber vgl. ETAPPE 26), sie klemmen auch eine Botschaft zwischen die Steine, berührende Zeilen von Pilgern, die mit diesem ihrem Weg eine spezielle Aufgabe, einen speziellen Dank an die Familie, an Verstorbene verbinden. Diese kleinen Zettel, stories, photos, müssen so intensiv in ihrer Ansprache gewesen sein, dass sie den BDE-Travels-Protagonisten durcheinander brachten. Ich werde mir nun auch seine anderen Videos anschauen.

 

Fortsetzung, 20. Januar 2021

„Wenn wir uns auf die Spuren des Apostels begeben, verlassen wir unser eigenes Ich. Wir haben ein klares Ziel: Wir sind keine Wanderer, die immer um sich selbst kreisen, ohne irgendwo anzukommen."

Worte Papst Franziskus` zur Eröffnung des Heiligen Jahres 2021 an seine Exzellenz Monsignore Julian Barrio Barrio, Erzbischof von Santiago de Compostela. Klare Worte. Richtige Worte. Wegweisende Worte. Christuszentrierte Worte. Der Walker (Wanderer) wird sich vermutlich nicht angesprochen fühlen. Jedoch: Ohne den Schrein des Apostels Jakobus kein El Camino, kein Jakobsweg. „Europe was made on the pilgrim road to Compostela“ – so stehts geschrieben auf den Steinen des Praza Obradoiro Blickrichtung Westfassade/Haupteingang der Kathedrale von Santiago de Compostela.

 

Chris Patkowski, ein bemerkenswert guter Camino-Filmemacher, ihn und seine YouTube-Filme habe ich erst heuer im Januar 2021 entdeckt, geht auf die Thematik Pilgrim or Walker mit überzeugend wirkmächtigen Worten ein. Patkowski erreicht mit seinen jeweils über 2 ½ Stunden langen Dokus zum Camino Frances, Via de la Plata, Camino del Norte ein internationales Publikum mit mehreren Hunderttausend Aufrufen. Der Filmemacher, nicht mehr ganz jung, wurde in den USA für seinen Via de la Plata-Film ausgezeichnet. Im Abspann heißt es: „This documentary has been nominated for the 2019 Great Lakes International Film Festival awards for Best Documentary Feature – Erie. Pennsylvania. USA. September 19 – 28, 2019.“ Ich habe nie darüber nachgedacht, meine Home-Videos ins Netz zu stellen. Der Aufwand wäre zu groß. Eine abgespeckte Form hat gleichwohl, und darauf bin ich ein wenig stolz, für ein volles Haus in der hiesigen Kirchengemeinde geführt – 2007. Hinzu kommt, dass mein eigentlicher Ansatz Pilger auf den Spuren mittelalterlicher Zeitzeugen wohl nicht der große Reißer wäre. So verbleibt es bei meiner nahezu täglich zu pflegenden Homepage mit weit über 200 Seiten zum und über den Camino den Santiago, zur katholischen Weltkirche, zur mittelalterlichen Geschichte, etc.: in 2020 weit über 200.000 Aufrufe, ein Mirakel. Die von Patkowski vorgenommene Unterscheidung pilgrim or walker ist natürlich nicht ganz neu, wurde auch von mir geäußert (vgl. unter anderem Etappe 8 des Caminho Portugues); in den einschlägigen Pilgernetforen allerdings mit teils sehr harscher Kritik bedacht.

Pilgrim or Walker, Peregrino autentico oder Wanderer. Patkowskis Erfahrungen der Jahre 2015, 2017 und 2018 sind, wie gesagt, nahezu deckungsgleich mit den unsrigen der Jahre 2006 bis 2018. Pilger, die beten, die noch Fragen beantwortet haben möchten, die den Herrgott bitten, dass er sie auf ihrem El Camino zu ihm und dem Apostel nach Compostela führt, ihnen zuhört. Pilger, die sich für die historischen Bauten am Weg interessieren, Kathedralen, Kapellen, Klöster, Ruinen inklusive.  

 

Ist es allzu despektierlich, von Wanderern auf der „Flucht“ von einer Herberge zu anderen zu sprechen, they cover miles, Headphones auf dem Kopf, nicht dem Wind lauschen, Musik hören. Dieser Ansatz bestimmt dann auch die Diskussionen der abendlichen Pilgerdinner, jeden Tag nach dem gleichen Muster ablaufend: Wie viele Kilometer hast du geschafft, den Übertreibungen sind keine Grenzen gesetzt. Wo bist du gestartet?, ich gehöre keiner Kirche an. Viele der auf YouTube eingestellten Ich-bezogenen-Jakobswegwanderer-Filme dokumentieren diesen Ansatz recht gut. Religion und Glaube spielt keine Rolle. Folgerichtig, dass dann auch nur der Fun im Focus steht, nicht der Besuch der Kirchen, geschweige denn das Gebet. Ganz anders Chris Patkowski. Er gewinnt, wie wir, der Meseta eine spirituelle Seite ab: peace and balance; umfährt sie nicht wie viele mit Bus und/oder Taxi. Er dankt Gott dafür, dass er ihn auf seinen El Camino begleitet hat, deklariert Santiago, die Kathedrale mit dem Praza Obradoiro als sacred place, wo Gott sich Pilgern offenbart. Berührend seine Worte zur Via de la Plata. Für Patkowski war es sein Weg des Kreuzes. Diesmal quer durch Spanien entlang dem vertikalen Balken des Kreuzes vom tiefen Süden des Landes (Sevilla) zum hohen Norden. Die imaginäre Schnittstelle zum horizontal verlaufenen Kreuzbalken von Ost (in 2015 auf dem CF von St. Jean aus) nach West wird er mit sich selbst ausgemacht haben. Ein interessanter, ungewöhnlicher Gedankengang. Er erinnert mich an einen englischen  Pilgerführer-Autor, der seine 33 Tage auf dem Jakobsweg mit dem 33 Jahre alt gewordenen Jesus Christus in Verbindung bringt. 33 x dem Wirken des Sohnes Gottes gedenken. Beide, der Filmemacher wie der Autor, scheinen tiefgläubig zu sein. Und das hebt beide irgendwie heraus aus dieser unserer areligiösen, ungläubigen gewordenen westlichen Hemisphäre. Looking for Infinitiv, vgl. Webseite LITERATUR, bringt es mit einem Satz auf den Punkt: If you walk as a tourist, shopping all the time, spending money, you will be the same person, no changes. Then El Camino was worthless.

 

Fortsetzung, 23. Januar 2021

Es wird alles noch viel schlimmer, als befürchtet. Da beißt die Maus nicht den Faden ab. Der Camino Frances wird umfunktioniert – langsam aber sicher zu einem Magnet für Touristen, Pilgerkommerz ist das Stichwort: Mit oder ohne Auto, mit Parkplätzen für Pkw, Wohnwagen und Busse.

Die letzte Maßnahme, initiiert von „geschäftstüchtigen“ Bürgermeistern oder Stadträten, lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen. Am 5. Juni 2019 titelte Anton Pombo von gronze.com: Foncebadon, der x-te Angriff auf das Erbe des Camino Frances. Der Bürgermeister, der alle Naturschutzgesetze ignoriert, hat die Calle Real (von Foncebadon) mit Beton gepflastert. Im weiteren Verlauf seines Berichts zeigt der Autor ein Foto von Peñalba de Santiago, das sehr schön dokumentiert, wie eine neue Pflasterung stattdessen aussehen kann.

Und nun ist die Umgebung des Cruz de Ferro dran. In Kurzform: Zypressen-Allee, Treppen, Rampen, Rastplatz, Parkplatz für Wohnmobile. So der Plan des zuständigen Bürgermeisters, der schon den Weg von Foncebadon mit Beton hat pflastern lassen.

Bitte beachten. Es wird sich wahrscheinlich der spanische Text öffnen. Bitte selbst den Translator aktivieren.

 

Natürlich bleibt die Zeit nicht stehen. Natürlich darf man nicht nur im Gestern verharren, gleichwohl die Tradition hochhalten. Was würde beispielsweise passieren, begradigte und betonierte man längere Passagen des wohl schwierigsten US-Trails, den Appalachian-Trail von Georgia nach Maine? Er verlöre sofort seinen Reiz und viele seiner Trekker.

 

Wenn erstmal der Damm gebrochen ist. Der Camino Frances verliert nach und nach seine emblematischen, mittelalterlich anmutenden Pilgerorte. Ich stelle mir das grauslich vor. Einem Langstreckenlauf, einem Marathon gleich erreichen die Pilgerwanderer das Ziel Cruz de Ferro: Mit einem Reiserucksäckchen auf dem Rücken, das Steinchen in der linken Hand, in der anderen der beschriebene, noch zu hinterlegende Zettel. Die von Zypressen umrandete betonierte Allee gibt das Ambiente. Camper beklatschen den Einlauf, geben ihr Urteil ab, wenden sich wieder ihrem Bier und dem Gegrillten zu.  Schauen Sie sich einmal das digitalisierte Bild an. Grauslich.

 

Andreas Drouve, Journalist und bekannter Jakobsweg-Buchautor, ergänzt insoweit das Zuvorgesagte in seinem heutigen (23. Januar 2021) Zeitungsartikel in der „Welt“: Der UNGEWISSE Weg nach Santiago, als dass er darin auf die geplanten organisierten Pilger- und Studienreisen eingeht. Das erste Halbjahr 2021 könne man wohl vergessen: ein „gefühltes 2020“. Ein einschlägiges Reiseunternehmen plane aber bereits für Ende Mai 2021 die Tour „Sagenhafter Jakobsweg“ – zu einem erhöhten Preis, weil eine verminderte Platzzahl vorgeschrieben sei. Leider seien mögliche Quarantäneauflagen ein No-Go, wie auch der verpflichtende höchstens 72 Stunden alte PCR-Test, ansonsten eine Strafe bis zu € 6.000 drohe. Seine Schlußworte stimmen versöhnlich, sie zielen auf das Heilige Jakobusjahr 2021 ab: Innere Erneuerung der Gläubigen einhergehend mit einer Art äußerer Erneuerung des Camino de Santiago: Weg von ungebremster Massenbewegung und gnadenlosem Pilgerkommerz, hin zum „Ich bin dann mal weg“ in elitärer Form. Rekorde werden nicht mehr fallen, jedenfalls nicht so schnell. In 2020 knapp 54.000 Pilger im Vergleich zu 2019 mit registrierten 347.578 Pilgern.

Mein Diktum: Der christ-katholisch grundierte Camino de Santiago wird auch die Corona-Epidemie überstehen.

 

Fortsetzung. Caminho Portugues, 14. Mai 2011.

So gegen 12:45h, sitzen in der Kathedrale, verfolgen gebannt dem Hin- und Herschwenken des Botafumeiro, über uns hinweg; für uns nicht das erste Mal, es bleibt imposant. Papst Johannes Paul II. sieht in dem Botafumeiro mehr als nur das Schwenken eines Fasses: "Der Ritus des Botafumeiro, des Rauchfasses der Kathedrale, ist Zeichen der inneren Reinigung der Pilger, die durch ihre Wallfahrt nach Santiago zu neuen Menschen geworden sind. Der dargebrachte Weihrauch, der zur Gegenwart des Herrn aufsteigt, versinnbildlicht das neue Sein."

2006. Seitenkapelle, direkt vor dem Altar, es ist still, die Gedanken schwirren, die Gebete schon lange gesprochen, drehe mich ein wenig, sehe über die Schulter hinweg kniende Gläubige, ältere wie jüngere. Denke an die gestrige Ankunft.

"Jetzt endlich sind wir angekommen, sind am Ziel, stehen auf dem Praza do Obradoiro, Westfassade, 12 Uhr 41: Vor uns die Kathedrale in voller Pracht, leicht überzogen mit grüner Patina. Ich drehe mich, schaue staunend, lasse die Kamera arbeiten, ringsum nur interessante Gebäude, wende mich Elke zu, nehme sie in den Arm, viel zu spät. Bemerke allmählich, dass sie weint — vor Glück. Ich bin zu sehr mit dem Fotografieren beschäftigt gewesen. Jetzt fällt auch von mir alle Last ab. (…) Das war nicht einfach. Hitze, Berge, Matsch, Regen, Einsamkeit, überfüllte Herbergen, Erschöpfung pur, aber eben auch Freude, Genugtuung, Gottvertrauen - zusammen im Gleichschritt und Gleichklang. Das muss uns erst `mal einer nachmachen."

 

Es nimmt mich mit, auch heute, erinnere mich nahezu an jede Sequenz: "Steigen die Stufen hinauf, fotografieren einander, Elke kann ihre Anspannung noch immer nicht verbergen, durchschreiten den Portico de la Gloria, den Portikus der Herrlichkeit, ein Meisterwerk von Meister Mateo des 12. Jahrhunderts. Ich bin überwältigt, wirklich. Wir werden nicht gestört, werfen einen ersten Blick in das Gotteshaus, Elke verharrt minutenlang bei der Marienstatue." Erinnere mich an den Mexikaner. Warum? "Er steht neben mir mit einem großen Stein im Arm, fast schon krampfhaft festhaltend, scheint mir. Denkt er an frühere Zeiten, als die Pilger noch riesige Kreuze mitschleppten, um dem Herrn zu gefallen? Welche Bürde hat er wohl zu tragen?" 

 

Pilgerbüro am Vormittag. Zig Pilger warten wie wir auf Compostela. Zehn Jahre später wird Raimund Joost, Autor der Outdoor-Pilgerführer, im Pilgerforum von einem "Wisch" sprechen, den man nicht unbedingt erwerben müsse. Das scheinen diese Pilger anders zu sehen, wie wir. Vor fünf Jahren marchierten wir mir nichts dir nichts direkt zum Schalter. Heute ist also Warten angesagt. Spreche Peter an. Er hat einen Hut auf, kommt aus dem Saarland, erzählt uns von der Hospederia San Martin. Es soll dort ein phantastisches Frühstück geben – es ist ein ehemaliges Priesterseminar. Er hat Recht. Und überhaupt, seine Geschichten vom Weg, vom Camino Frances, sind phantastisch glaubwürdig, voller wundersamer Begegnungen. Wir verabreden uns zum abendlichen Pilgermenü; er rät uns, sich an den Nachbartisch zu setzen. Je Tisch, ob zu Zweit oder zu Dritt, gibt`s eine Flasche Rotwein, umsonst. Das muss doch ausgenutzt werden. Monsignore Julian Barrio, Erzbischof der Stadt, rückt meine gleichlautenden Gedanken zurecht, mit seinem Pastoralbrief, zugegebenermaßen erst im Zimmer, kurz vor dem Einschlafen: "Die Jakobuspilgerschaft unternimmt man nicht um einer besonderen Erfahrung willen, sondern um sich auf eine unverhoffte Weise verändern zu lassen, und so mit neuen Einstellungen ins gewohnte Leben zurückzukehren."

 

Buen Camino. E Ultreia! E sus eia! Deus aia nos y Sant`iago.

Weiter! Auf geht`s! Gott steh uns bei und Sankt Jakob.

 

Fortsetzung. Mittwoch, 3. Februar 2021

Ausgerechnet im letzten Winkel West-Europas, in Finisterre, am sogenannten Ende der Welt*), arm und verlassen, trägt sich eine der wirkmächtigsten Geschichten Europas zu, mit weltweiter Ausstrahlung. Später werden wir sehen, dass sich auch die Gottesmutter und Jungfrau Maria niemals den Herrschenden zeigen wird, immer den Ärmsten, ob in Lourdes 1858, in Fatima 1917 oder Jahrhunderte zuvor im mexikanischen Guadalupe 1531 oder anderswo.

*) Ende der Welt: Auch für die Mehrzahl der mittelalterlichen Pilger nur eine Metapher. Den meisten war schon klar, dass die Erde keine Scheibe ist, sondern einer Kugel gleich. Der heilige Bischof Isidor von Sevilla, seine Gebeine befinden sich in der Basilika San Isidor von Leon, sprach im 7. Jahrhundert von einem Globus.

Die Kathedrale von Santiago de Compostela wird niemals komplett zu Ende gebaut sein. Sie ist fortlaufend im Umbruch, ob- An- und/oder Umbauten, in ihr steckt eine positive Dynamik. Ob nun die Bauherren zu jeder Zeit die richtigen Ideen, oft auch Ich-zentrierten Ideen, gehabt haben, bleibt dahingestellt. Ihre Erbauer, Baumeister und Architekten, seit dem 9. Jahrhundert, kamen aus ganz Europa, von den wichtigsten Orten des Christentums. Ihr Ziel war es über die Jahrhundert hinweg, nicht die vollkommenste Pilgerkirche zu bauen, sondern Compostela, Kirche wie Ort, zu einem religiösen und künstlerischen Zentrum für die ganze christliche Welt zu machen, analog Rom und Jerusalem.

 

Die Wege, die die Baumeister zu ihrem neuen Arbeitsplatz Compostelle zurücklegen mussten, von wo auch immer, sind noch heute Bestandteil des Camino de Santiago. Und das ist weltweit einzigartig. Jakobspilger aller Zeiten auf den Spuren mittelalterlicher Baumeister und Pilger, ....

 

Bitte weiterlesen vgl. Menüpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE > JAKOBUSLAND

Fortsetzung, 10. Februar 2021.

Christliche Pilger sind fokussiert. Für christliche Pilger ist nicht der Weg das Ziel. Christliche Pilger sind auf ein Ziel fokussiert. Beim Camino de Santiago ist es das Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Das Ankommen in Santiago hat seine Bedeutung, einerseits das gewollte Ende einer langen christbezogenen Wanderschaft, andererseits spiegelt sich in ihr unsere Pilgerschaft wider auf der Durchreise hin zum Ende unseres Lebens, an dem der Herrgott steht. Der Berg der Verklärung, versinnbildlicht mit der Kathedrale von Santiago, steht für die Sehnsucht nach einer zukünftigen Welt, in der keiner mehr weinen muss, außer vor Freude. Was bleibt, sind die Bilder eines Himmels, der sich zuweilen öffnet.

Marienstele. Mezkiritz.

Der Jakobspilger verehrt den heiligen Apostel und Jünger Jesu Christi, auf dem Weg gibt es viele Momente dafür. Er verehrt gleichermaßen die überall am Weg auf ihn schauende Gottesmutter und Jungfrau Maria. Letztlich wird er aber seinen Blick seinem Herrgott zuwenden, denn: In allen Heiligen, Jakobus wie Maria und die vielen Tausend der vergangenen Jahrhunderte wie der Jetztzeit, die Teil des Leibes Christi sind, wird Gott sichtbar. (...) Bitte weiterlesen unter Menüpunkt CHRISTLICHES PILGERN HAT IMMER EIN ZIEL

 

(...) Die Pilger spüren: Der Jakobusweg ist besonders. Nirgendwo sonst haben sie diese Emotionen erleben dürfen. Nirgendwo sonst als vor der Kathedrale von Santiago de Compostela ist ihnen klargeworden, was ein Pilgerweg an ihnen bewirken kann. Jetzt, nach der Pilgermesse in der Kathedrale, zählt in der Gesamtschau nur noch die tiefe Dankbarkeit über das Erreichte.

Fortsetzung, Sonntag, 14. Februar 2021

Herman Mchedelis (promovierter Philosoph und freier Publizist) Artikel in der "Tagespost" vom 11. Februar 2021: Der andere Saladin - Was ein moderner Mythos verschweigt - bringt mich dazu, tiefer darüber nachzudenken, in welcher Zeit wir gerade leben. Mehr über Saladin vgl. meine Webseite Geschichte neu bewertet.

 

In der Süddeutschen schreibt ein ehemaliger DDR-Bürger und jetziger Intellektueller über seinen Wunsch nach einer Corona-Diktatur, damit das Problem endlich gelöst werde; die WHO meldet einen globalen Einbruch der Corona-Zahlen, die Leitmedien berichten nicht; das neue Insektenschutzgesetz trifft in erster Linie die Landwirte, die es richten sollen, über die Windkrafträder, verantwortlich für die Vernichtung Milliarden Insekten, wird kein Wort verloren; der Bundestag beraubt sich seiner eigenen Gestaltungsrechte, erst heute im Weser-Kurier am Sonntag vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zurückhaltend angesprochen, die Bürger sind gleichwohl zufrieden mit dem - vorerst temporären - Fortfall von Grundrechten. Wann endlich werden Medien ihrer Aufgabe gerecht? Zielführend recherchieren, insistieren, nachfragen, problematisieren; sich nicht gemeinmachen mit einer "Sache", was für Journalisten laut Hanns-Joachim Friedrichs, ehemaliger Moderator der Tagesthemen, ohnehin nicht sein darf. Mein Diktum: Eine Problemlösung wird nur im Diskurs erreicht: These - Antithese - Synthese.

 

Wenn es nach Karl Lauterbach wie dem MP von Sachsen, Michael Kretschmer, ginge, wird heuer der Osterurlaub ausfallen müssen. Also, kein Tourismus im Frühjahr, in Deutschland nicht, in Frankreich oder Spanien dann wohl auch nicht. Der Camino de Santiago als mehrtägige Tour muss warten. Warum nicht die frische Luft im nahe gelegenen Wald genießen, fast überall anzutreffen, wie auch Einzeletappen deutscher Jakobswege gehen, die mehr oder weniger an der eigenen Haustür vorbeiführen? Die Lungenflügel werden durchlüftet, die Kondition wird trainiert, beste Voraussetzungen für den nächsten Camino, der kommen wird, so oder so. Der "Welt"-Artikel vom 15. Februar DER TÄGLICHE FREIGANG beschreibt die gegenwärtige Situation recht gut.

 

Fortsetzung, 19. Februar 2021. Einfach mal so in den Flieger steigen, Gleichgesinnte auf dem Camino treffen?

Im Januar haben sich 45 Pilger und 15 Pilgerinnen im Santiagoer Pilgerbüro die Compostela abgeholt. Sechzig Pilger gut verteilt auf mehr oder weniger allen bekannten spanischen Caminos, nicht nur auf dem Camino Frances. Lass es einige mehr gewesen sein, die, wie bislang auch schon, nur Abschnitte gegangen sind. Es bleibt erschreckend wenig. Am gestrigen Donnerstag, 18. Februar 2021, ist ausweislich des Pilgerbüros kein einziger Pilger angekommen, wie an vielen Tagen zuvor.

 

Optimismus zeugt von Lebenskraft, sie ist auf Hoffnung und Zukunft ausgerichtet. Andere resignieren, ihnen scheint der Pessimismus klüger zu sein, allemal in Zeiten wie dieser. Wie steht es aber mit dem Realismus?

 

Werden wir eines Morgens, vielleicht in wenigen Monaten oder gar erst in 2022, wenn der ganze Spuk Corona vorbei ist, aufwachen und uns eingestehen, dass es Zeiten, wie diejenigen vor 2020, nicht mehr geben wird? Reguliertes Reisen mit Impfpaß? Einfach `mal so in den Flieger nach Bilbao, Madrid oder Pamplona steigen, lospilgern, Gleichgesinnte auf dem Camino treffen, abends gemeinsam singen, essen, fabulieren, in trauter Runde ohne 1,50 Meter Abstand?

Ich zähle mich - jedenfalls in diesem Fall - zu den Realisten. Mein bislang in manchen kniffligen Situationen locker dahergeredetes Diktum: Kommt Zeit, kommt Rat, kommt viel Zeit, kommt viel Rat, kann ich wohl knicken. Europa wird sich verändern – der Camino de Santiago wird sich verändern.

 

Europa hat sich bereits verändert.

Vor einem Jahr war ich neidisch auf Deutschland – jetzt bin ich irritiert, sagt eine in Rom lebende deutsche Journalistin. Obwohl sich die Inzidenzzahl doppelt so hoch darstelle, in Italien derzeit 199 pro 100.000 Einwohner, in Deutschland 86, verfahre Italien wesentlich moderater. In Deutschland Komplett-Lockdown, in Italien je nach Gebiet geöffnete Restaurants und Geschäfte. Quelle: Virgina Kirst. Vor einem Jahr war ich neidisch …, „Welt“, 19. Februar 2021.

 

Massive Vorwürfe von Heribert Prantl, Publizist, bis 2019 Mitglied der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“, in der „Welt“ vom 19. Februar 2021: „AUTORITÄR alternativlos. Noch nie wurde das Leben in der Bundesrepublik so rigoros reglementiert wie in Zeiten von Corona: Der Präventionsstaat wird zu einem Big Brother, den sich viele fast schon wünschen.“

Mit begründungslosen Verordnungen, vom Bundestag billigend in Kauf genommen, habe die Verwaltung (Bundes- wie Landesregierungen) die Versammlungs- und Religionsfreiheit aufgehoben, die Freizügigkeit abgeschaltet, gewerbliche Tätigkeiten massiv beeinträchtigt, das Recht auf Bildung und Erziehung verdünnt; alte und behinderte Menschen nur noch unzureichend versorgt.

 

Man muß nicht mit allem einverstanden sein, was der Herr Prantl schreibt, ein ernstzunehmender Diskussionsbeitrag ist es allemal, niedergeschrieben in seinem neuesten Buch „Not und Gebot: Grundrechte in Quarantäne“, Verlag CH. Beck. Wichtig bleiben seine Zuspitzungen. Leider folgen ihm bislang nur wenige ernstzunehmende Journalisten seines Ranges.

 

Interessant sein Verweis auf den israelischen Historiker Yuval Noah Harari, der in die Zukunft schaut: “In fünfzig Jahren werden sich die Menschen gar nicht so sehr an diese Epidemie erinnern; stattdessen werden sie im schlimmsten Fall sagen, dass im Jahr 2020 mithilfe der Digitalisierung die allgegenwärtige Überwachung durch den Staat begann.“ Lasst uns wachsam sein.

 

Fortsetzung

Herbert von Karajan, wer kennt nicht den genialen Dirigenten, sagte 1957 anläßlich der Salzburger Festspiele auf die Frage, warum er so wenig Werke zeitgenössischer Komponisten in sein Programm aufgenommen habe: Die meisten ließen zu sehr den positiven Blick in die Zukunft vermissen und stattdessen weiter nichts als Reportagen der Zerstörung. Prof. Josef Ratzinger brachte dieses Bonmot im Rahmen seines Vortrags 1957 zur Krise der Verkündigung. Gemünzt nicht nur auf alle denkbaren Lebensbereiche, das Vergnügen, sich in der Krise selbst zu bespiegeln, sei auch die Theologie von dieser Erscheinung nicht verschont geblieben, Stichwort Verkündigungskrisis.

 

Reden von der Krise sei dann eine wirkliche Gefahr, wenn man bei der Feststellung der Krise stehen bleibe, statt den positiven Schritt zu ihrer Überwindung zu tun. So sei auch das Gespräch über die Krise nur insoweit berechtigt, als es geschehe, um der positiven Arbeit ein solides Fundmament zu schaffen, also als Vorbesinnung auf die Aufgaben, die gestellt seien.

Quelle: Joseph Ratzinger. Gesammelte Schriften. Glaube in Schrift und Tradition. Band 2, S. 854.

 

Nun, bezogen auf die Corona-Epidemie, sollten sich die  Verantwortlichen von Staat und Gesellschaft: Exekutive, Juridikative, Legislative und vor allem die 4. Gewalt (Medien, Presse) dieses Diktum zu eigen machen.

 

Aber auch uns Jakobspilger trifft dieser Anspruch. Was können wir persönlich tun, dass unser Camino de Santiago wieder zu dem wird, der er einmal bis 2019 war? Ideen sammeln, den europäischen Jakobusweg-Verbänden zustellen, Gesprächskreise gründen, dialogisch kontrovers disktuieren/disputieren, et ecetera. Uns also als Jakobspilger aktiv einbringen, es nicht den Tourismusexperten überlassen, nicht den Verbänden und Organisationen, die möglicherweise den Wald voller Bäume nicht sehen oder nur ihre singulären Interessen vertreten. Packen wir`s an.

 

Das impliziert gleichwohl, dass die europäischen Regierungen und ihr jeweiliges Volk mitmachen. Zweifel sind angebracht, zumindest in Deutschland. Ende 2020 sprach man/frau vom 50-ziger Inzidenzwert, über  35" jetzt zum 10er-Wert, bis wir dann schlußendlich bei Zero-Covid angelangt sein werden.

Die Welt am Sonntag titelte am 21. Februar 2021: "IN DER CORONA-REPUBLIK. Berichterstattung am Kanzlerhof: Wie Journalisten die Regierung bejubeln." Dirk Schümer ergänzt auf Seite 45 wie folgt: "Alles Gute kommt von oben. In der Corona-Krise erscheinen wir Deutsche wieder einmal als besonders obrigkeitshörig und staatsfromm."  Zur nochmaligen Klarstellung: Es geht nicht um die Negierung der schlimmen Krankheit.

 

Fortsetzung

Camino Sanabres. Es ist noch gar nicht lange her, dass ich auf diesen Teilabschnitt des Camino de Santiago gestoßen bin. Die Via de la Plata, die den Sanabres bekanntlich aufsaugt, hatte ich bis dato eigentlich außen vorgelassen. Er war mir schon ein Begriff, einen Bildband nenne ich auch mein Eigen, eine Mitpilgerin in 2006 hatte uns einiges von ihrem Silberweg (so nennt man auch die Via) erzählt. Dann war er quasi vergessen.

Zurück zum Sanabres. Wieder so ein von den Tourristenmanagern erfundener Jakobsweg, mein erster Gedanke. Mitnichten. Der Sanabres geht mindestens auf das 9. Jahrhundert zurück. Er steckt voller Sehenswürdigkeiten, er verfügt über die älteste erhaltene Jakobsfigur, "angezogen" einem typischen Pilger jener Zeit (12./13. Jh.) gleich. Also, was habe ich gemacht? Recherchiert, gelesen, Berichte verglichen, et ecetera. Herausgekommen ist meine Abhandlung zum Camino Sanabres, wie immer durch "meine mittelalterliche" Brille betrachtet. Bitte die entsprechende Webseite anklicken.

 

Fortsetzung 28. Februar 2021.

In Lissabon leben, in Porto arbeiten, in Braga beten. 

Braga liegt nur knapp 20 Fußkilometer von Barcelos entfernt. Während ich in die Tasten haue, es ist viertel vor neun abends, zeigt mir G.-Maps an, dass es um 21:00h noch eine Zugverbindung zwischen diesen beiden Städten gibt: 37 Minuten.

 

Auf unseren Caminho Portugues in 2011 hatten wir uns, vom Abstecher nach Fatima und Batalha abgesehen, für keine abseits gelegenen Orte interessiert. Ein Fehler, wie sich jetzt herausstellt. Braga wäre ein Abstecher wert gewesen. So wie man in Spanien die Städte Toledo (reich), Oviedo (heilig), Salamanca (stark) und Leon (schön) charakterisiert/e, so gilt Braga als die betende Stadt, hingegen man in Lissabon lebt und in Porto arbeitet, für Israel könnte man hinsichtlich Jerusalem (beten), Haifa (arbeiten) und Tel Aviv (leben) ähnliches konstatieren.

 

Braga kann mit einer weiteren Steigerung aufwarten, nämlich mit dem Nimbus, das portugiesische Rom zu sein. Braga, im Jahre 3 vor Christus als römische Stadt „Bracara Augusta“ gegründet, Ähnlichkeiten mit Astorga tun sich auf: Asturica Augusta, ist Sitz des Erzbischofs, zur Zeit Jorge Ferreira das Costa Ortiga, zugleich Primas von Portugal. Braga: 150 Kilometer von Santiago de Compostela entfernt;

Braga: Weltkulturerbe, reich an historischem Kulturerbe, viele Kirchen mit reich geschnitzten Kostbarkeiten, kunstvoll bemalten, glasierten Keramikfliesen, vielen Cafés, und einem Wallfahrtsort, der seinesgleichen sucht, nämlich „Bom Jesus du Monte.“ Zwei Säulen, mächtig und hoch, bestimmen das Bild: auf der einen das Allerheiligste, auf der anderen ebenfalls imposanten Säule die Statue der heiligen Jungfrau Maria. Portugal ist marianisch geprägt, spätestens seit den Fatima-Ereignissen des Jahres 1917; Deutschland in weiten Teilen überhaupt nicht, im „ökumenischen“ Norden sowieso nicht.

 

In Spanien wie in Portugal gehört das Rosenkranzgebet zum Alltag der Gläubigen, zu Hause wie in der Kirche. Wir durften in Astorga wie in Bercianos de Real Camino dabei sein, in Porto leider nur temporär. Für diejenigen, die den Rosenkranz richtig verstanden haben, als ein meditatives, marianisches Gebet, das zu Christus führt, werden es nicht mehr missen wollen. Mehr hierüber via Webseite Literatur für ...

Braga. Girls dressed as Our Lady of Sameiro in Procession of the Saints of Month of June.

 

Die Hinwendung zur Jungfrau und Gottesmutter hat natürlich Konsequenzen für den eigenen Glauben. Automatisch, ohne dass die Gläubigen tiefer darüber nachdenken, wird an der Trinität festgehalten, am dreifaltigen Gott, an der Heilsbotschaft des Sohnes Gottes Jesus Christus. Eine katholische Gemeinde einer norddeutschen Großstadt hat kürzlich (Februar 2021) eine Werbeaktion gestartet, Flyer wie via Zeitung, mit der Intention, die Kirche attraktiver zu gestalten. „Mit keiner Silbe wird darin auf Jesus Christus, Stifter der Kirche, verwiesen, mit keiner Silbe seine Heilsbotschaft thematisiert, die zu verkünden sich der geweihte, gläubige Geistliche mit Überzeugung verpflichtet fühlt, auch und gerade in der Heiligen Messe, nicht nur sonntags. Stattdessen ist von künftiger kirchlicher Arbeit die Rede, von Gottesdiensten als Kerngeschäft von Ressourcen. Kirche soll sich also dem Votum befragter Leser und Kirchenmitglieder stellen. In welchen Zeitabständen? Alle fünf, alle zehn Jahre sich dem Zeitgeist und dem Mainstream anpassen? Christkatholiken können sich ob der „Protestantisierung“ der Katholischen Kirche nur noch schaudernd abwenden.“ Leserbrief in der örtlichen Zeitung, Februar 2021.

 

Warum gehe ich hier an dieser Stelle so eindringlich auf die letztlich in Deutschland festzumachende Ent-Christianisierung ein, die auch auf der iberischen Halbinsel zu finden war und wieder zu finden ist? Für die Protagonisten im Zeichen der Vernunft: Unsinn. Braga scheint von diesem Bazillus noch nicht heimgesucht worden zu sein, so sieht es jedenfalls Paul Baldauf in seinem Essay in der Tagespost vom 18. Februar 2021. Die Ent-Christianisierung berührt den Camino de Santiago. Die Werbemanager und Tourismusexperten übernehmen das Ruder. Das sehen auch die Macher der spanischen Internetplattform gronze.com so:

  • PETITION GEGEN NEUGESTALTUNG DES CRUZ DE FERRO  WEITERLESENDer Pilgerort soll zu einem Touristen-Highlight umfunktioniert werden.
  • ENTWEIHUNG DER KATHEDRALE VON BURGOS? Eingangsbereich Westfassade mit Selbstporträt des Künstlers. WEITERLESEN

 

Sobald uns die Regierenden wieder die grundrechtlich verbriefte Reisefreiheit zubilligen, werden wir uns wahrscheinlich in den Flieger nach Porto setzen, Fatima ein zweites Mal besuchen, den Abstecher nach Braga einplanen, vielleicht noch einige weitere geschichtsträchtige Orte abseits des Caminho Portugues ansteuern, die uns 2011 nicht in den Sinn kamen, weil zeitlich verplant; vielleicht sogar den Grenzübertritt nach Spanien wagen, nach Zamora zum Camino Sanabres. Warum nicht?

Fortsetzung, 4. März 2021 - Rückblick 1917

Warum 1917? Die Geschehnisse von Fatima, beginnend mit dem 13. Mai, veränderten die Welt, für gläubige Katholiken allemal, für viele "mariologische" Päpste gleichermaßen, wie Pius XII., Johannes XXIII., Benedikt XVI. und vor allem für seinen Vorgänger Johannes Paul II., der sein Überleben am 13. Mai 1981 der Gottesmutter Maria zuschrieb.

 

Fatima liegt in Reichweite des Caminho Portugues.

Überall am Weg sieht der Pilger Marienstatuen, Marienkapellen, kunstvolle Fliesen-Marienbilder mit Maria und drei Kindern. Er und sie werden sich fragen, warum gerade hier in dieser Fülle? Auf dem Camino Frances in abgespeckter Form; und warum mit diesem Motiv? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Verehrung der Jungfrau und Gottesmutter Maria auf die Zeit der Ur-Christen zurückgeht. Diese Verehrung, keine Anbetung, übertrug sich auf den mittelalterlichen Pilger ganz selbstverständlich; er war geradezu "verliebt" in die Jungfrau und Gottesmutter: Überall am Wegesrand lächtelte sie ihm zu, überallen entstanden Marien-Wallfahrtsorte. Die Protagonisten der französischen Revolution von 1789unterbanden nicht nur die Verehrung, sie wollten glerch die Katholische Kirche in Gänze vernichten, was sie natürlich nicht schafften. Der Widerstand im eigenen Land war zu groß. Eine Parallele gab es später insoweit zu Deutschland, als dass Reichskanzler Bismarck 1871 bis 1878 vergeblich versucht hatte, die deutschen Katholiken vom römischen Einfluß zu trennen. Auch dieser Kulturkampf scheiterte, diesmal am Widerstand romtreuer Katholiken, den Umtramontanisten.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfinsterte sich ein weiteres Mal die Situation der Christengläubigen, in traditionell katholischen Ländern wie Mexiko, Spanien und Portugal. Heute geht man in West-Europa subtiler vor, in außereuropäischenen Ländern, vor allem im Nahen Osten, Afrika, Fernost werden Christen umso heftiger bekämpft. Lassen wir CNA vom 13. Juli 2020 zu Wort kommen.

 

"1917: Während der Krieg in Europa wütet, während Russland dabei ist, in die Hände der Bolschewiken zu fallen, während Portugal selbst eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte durchlebt, durchzogen von den Machenschaften antiklerikaler Bewegungen, erscheint die allerseligste Jungfrau in Fatima und richtet an drei Hirtenkindern eine Botschaft zur Bekehrung, die auch heute noch gilt.

 

Brutaler Kampf gegen Kirche und Glauben

Die Kirche war vorrangiges Ziel der portugiesischen Revolution, die die Monarchie gestürzt und die Republik ausgerufen hatte. Man plünderte Kirchen, griff Konvente an, verfolgte Ordensleute. Vor allem aber erließ man antiklerikale Gesetze: man hob Konvente, Klöster, Orden auf, man wies Ordensleute aus, konfiszierte ihre Güter, zwang die Jesuiten, auf die portugiesische Staatsbürgerschaft zu verzichten.

Es folgten weitere neue Gesetze in verschiedenen Bereichen, eines nach dem anderen: Scheidung, Einäscherung, Säkularisierung der Friedhöfe, Abschaffung der Ordensgelübde, Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen, Verbot der Priesterkleidung, Einschränkungen zum Glockengeläut, Verbote zur öffentlichen Feier religiöser Feste, Einmischung sogar in den Priesterseminaren, bei denen die Regierung sich herausnahm, die Professoren zu ernennen, bis hin zum Gesetz der Trennung von Staat und Kirche, durch das dessen Urheber – Alfonso Costa – beabsichtige "im Zeitraum von zwei Generationen" den Katholizismus in Portugal komplett auszulöschen.

Ein kleines Dorf wird zum übernatürlichen Mittelpunkt

Fatima war damals ein kleines Dorf, in dem die drei Hirtenkinder geboren wurden, alle in einer kinderreichen Familie: Lucia, geboren 1907, ihr Cousin Francisco (1908) und ihre Cousine Jacinta (1910). Zu ihren Aufgaben gehörte es, die Herden zu hüten. Bereits 1916 erschien ihnen ein leuchtender Engel. Er stellte sich als Engel des Friedens vor und lud sie ein, zu beten. Das geschah drei Mal. Der Engelszyklus, wie Lucia ihn nannte.

Im Jahr 1917 begannen die marianischen Erscheinungen.

 

 

Es war so ein wunderschöner Tag, der 13. Mai, dass die drei Kinder sich entschlossen, bis zur Cova da Iria zu gehen. Auf halbem Weg erstrahlte ein Licht und dann erschien eine schöne Frau, weißgekleidet, mit einem goldenen Gürtel und einem Rosenkranz in den Händen. Lucia war es, die das Wort ergriff und sie fragte, woher sie käme. Die Frau antwortete, dass sie vom Himmel käme und sie bitte, sechs Monate lang an jedem 13. wiederzukommen. Sie bat die Kinder auch, jeden Tag den Rosenkranz zu beten und ihre Leiden für die Bekehrung der Sünder aufzuopfern.

Die drei Kinder kamen am 13. Juni mit 14 Freunden wieder. Am 13. Juli hatten sich dann schon 5.000 Menschen versammelt. Das war der Tag, an dem die Hirtenkinder die Vision der Hölle hatten, den ersten Teil der Geheimnisse.

 

Vom Bürgermeister eingesperrt

Die Nachrichten über Fatima machten die Runde. Das konnte den antiklerikalen Kreisen, die Portugal regierten, nicht gefallen. Als die drei Kinder am 13. August wieder zu ihrer Verabredung gehen wollten, wurden sie von Arturo Oliveira Santos, dem Bürgermeister von Vila Nova de Ourem entführt und eingesperrt.  Das setzte die Kinder psychisch stark unter Druck: Entweder mussten sie zugeben, gelogen zu haben, oder die Geheimnisse der Frau preisgeben. Santos war ein Freimaurer der Loge von Leiria und gründete eine weitere Loge in Vila Nova de Ourem, während die Loge von Santarem der Stützpunkt für jene wurde, die atheistische Aktionen gegen die Erscheinungen organisierten und sogar die kleine, improvisierte Kirche zerstörten, die Gläubige errichtet hatten.

Die nächste Erscheinung fand dann am 19. August statt und die Frau versprach den Hirtenkinder für Oktober ein für alle sichtbares Zeichen, um die Echtheit der Erscheinungen zu bestätigen.

Viele kamen, um die Erscheinung zu "entlarven"

Am 13. September hatten sich 30.000 Personen in der Cova da Iria versammelt, darunter viele Kranke. Die Gottesmutter bat die Kinder, an diesem Ort ein Heiligtum zu errichten und dafür die Spenden zu verwenden, die reichliche kommen würden.

Dann kam der 13. Oktober. Die Cova da Iria füllte sich mit einer riesigen Menschenmenge (70.000), darunter viele Journalisten und antiklerikale Gegner, entschlossen zu beweisen, dass alles nur eine Zurschaustellung sei. Damals geschah das Sonnenwunder.

 

Avelino de Almeida, Chefredakteur von "O Seculo", der bekanntesten und einflussreichsten liberalen Tageszeitung aus Lissabon, berichtete:

 

"Von der Straße aus, wo die Kutschen eng zusammengedrängt standen, und wo hunderte von Menschen standen, die nicht den Mut hatten, sich durch den vom Regen schlammig gewordenen Boden weiter zu nähern, sahen wir, wie sich die riesige Menschenmenge der Sonne zuwandte, die - strahlend zwischen den Wolken - senkrecht am Himmel stand. Sie schien eine silberne Scheibe zu sein und es war möglich, sie problemlos anzusehen. Sie brannte nicht in den Augen. Sie blendete nicht. So als wäre eine Sonnenfinsternis. Dann hörte man laute Schreie und die Leute begannen zu rufen: 'Ein Wunder! Ein Wunder! Wie wunderbar! Wie wunderbar!' Vor den staunenden Augen der Leute, deren Verhalten uns in biblische Zeiten zurückversetzte und die, verblüfft und mit unbedecktem Haupt, den klaren Himmel betrachteten, zitterte die Sonne, sie machte seltsame und abrupte Bewegungen, entgegen allen wissenschaftlichen Gesetzen – die Sonne 'tanzte', wie die Bauern mit einem typischen Ausdruck sagen."

 

Das ist die Geschichte der sechs Erscheinungen von Fatima. Die Geschichte der drei kleinen Zeugen. Francisco und Jacinta starben früh: Francisco an der Spanischen Grippe im Jahre 1918, umgeben von seiner Familie, Jacinta 1920 an einer schweren eitrigen Rippenfellentzündung im Krankenhaus von Lissabon, in das man sie gebracht hatte, um sie zu operieren. Weit weg von Lucia, weit weg von ihren Eltern. Sie opferte alles für die Bekehrung der Sünder auf.

Francisco und Jacinta wurden von Papst Johannes Paul II im Jahr 2000 seliggesprochen und von Papst Franziskus in Fatima zur Ehre der Altäre erhoben.

Schwester Lucia überlebte, ging ins Kloster und starb 2005 im Alter von 98 Jahren."

Zigtausend Gläubige mit Papst Benedikt XVI. am 13. Mai 2010.

 

So wenig wie die Kirche Jesu Christi zerstört werden kann, so wenig wird der berühmteste Pilgerweg, der Camino des Apostels Jakobus, von der Landkarte verschwinden resp. seines Nimbus` beraubt werden.

 

Mein Diktum geht auch an die religiös unmusikalisch geprägten Pilger. Fühlt euch angesprochen, tragt euren Teil dazu bei, dass der Camino de Santiago erhalten bleibt. Warum sich nicht in einer der oben beschriebenen Petitionen einbringen?

 

Fortsetzung, 9. März 2021

„Wer sich intensiv mit dem Camino de Santiago auseinandersetzt, sich vom genius loci ergreifen läßt, bereit ist, das Zeugnis der frühen Pilger wahrzunehmen, der wird automatisch ein Faible haben für (mittelalterliche) Geschichte, Politik und Theologie / Katholizität“, so mein Statement Hauptmenüpunkt WIR ÜBER UNS. KATHOLISCHES. HISTORISCHES.

 

Umgekehrt wird an sich ein Schuh daraus. Wer sich wie ich intensiv mit mittelalterlicher Geschichte, Politik und Theologie (Katholizität) auseinandersetzt, wird automatisch auf den Camino de Santiago aufmerksam, auf die Wallfahrtswege nach Rom und Jerusalem. Je mehr er liest, je mehr läßt er sich vom Zeugnis der frühen Pilger ergreifen. Ende der Neunziger des vergangenen Jahrhunderts war es soweit. Das Mittelalter mit seinen Protagonisten stand wieder auf meiner Agenda. Paulo Coelhos Buch über seinen Jakobsweg (1986) mag sicherlich eine Rolle gespielt. Elke ahnte nicht im geringsten von meinen Plänen. Die Vorarbeiten waren noch nicht weit genug gediehen.

Sie wußte zwar von der Uni-Seminarreihe Vaganten, PilgerInnen und Beginen im Mittelalter, wurde aber nicht hellhörig; das Thema war ja auch sehr allgemein gehalten. Das änderte sich rapide - wenige Jahre später. „Du, Herr Hillermann ist den Jakobsweg gegangen. Stell` dir das mal vor. Kennst du den Weg? Wäre das nichts für uns?“ Blicke sie staunend an, unfaßbar, das „Problem“ löst sich ja von alleine, hätte nicht im entferntesten damit gerechnet, dass Elke Lust verspürt, wochenlang mit schwerem Rucksack karg eingerichtete Herbergen anzusteuern. Na ja, wenn ihr Chef den Camino geschafft hat, allerdings mit dem Fahrrad, dann werden auch wir das schaffen, so die erste Überlegung.

 

Der Countdown läuft. Diverse Bücher, Bildbände und Pilgerführer werden besorgt, das Internet durchforstet, relevante, themenbezogene Ausstellungen in Norddeutschland besucht, zufälligerweise werden sie gerade angeboten, trainieren, mit und ohne Rucksack, der ja erstmal angeschafft werden mußte, wie eigentlich alles für den Outdoortrip. Dreimal je eine Strecke von zehn bis fünfzehn Kilometern müssen reichen; sind völlig erschöpft, an einem Tag gleichermaßen durchnäßt. Die ersten Zweifel kommen; werden verdrängt. Als Jugendlicher hatte ich viel gezeltet, mit vollbepacktem Fahrrad über 250 Kilometer in den Harz geradelt, an einem Tag, wohlgemerkt.

Traue noch immer nicht dem Braten, verabrede mich mit Herrn Hillermann. Er bestätigt mir alles. Seine Augen funkeln vor Freude über das Erlebte. Dass er immer der letzte war, der in den Herbergen ankam, auf der Erde seine Matte ausrollte, der häufig auch der letzte war, der morgens wach wurde, das eine und andere Mal gar genötigt worden war, nun endlich die Herberge zu räumen. Was soll`s, so herrlich unkompliziert ist er halt. Sind oder werden wir das auch sein? Werden wir nicht auch frühmorgens aufstehen, um mittags einen Herbergsplatz zu ergattern? Wir werden; nicht immer. Sauge seine Tipps auf. Nicht alle werden wir verwerten können. Wir werden in Kontakt bleiben, mit seiner Sekretärin as well, die gleichermaßen den Camino Frances gegangen ist. Das Telefonat mit ihr, es war am Monte do Gozo, werde ich so schnell nicht vergessen: „Oh, da haben Sie aber noch ein langes Stück zu gehen, der Weg ziiiiiieht sich.“ Ich zu ihr: „Erzählen Sie das bloß nicht meiner Frau!“ Herrn Hillermanns Affinität ist geblieben; er ging auch den Caminho Portugues, schwärmte von Batalha und Coimbra. Wir werden 2011 Coimbra durch Lourdes ersetzen.

 

Wenige Monate später. Sitzen in der Wartelounge von Palma de Mallorca, warten auf den Weiterflug nach Bilbao, die schweren Wanderstiefel nach wie vor geschnürt. Sind froh, in Hannover mit viel Glück den Flughafen erreicht zu haben, der Zug hatte sich verspätet. Es kribbelt. Immer wieder die gleichen Gedanken: Sind wir fit?, physisch?, psychisch? Wollen wir das eigentlich? So jung sind wir ja nicht mehr. Was ist, wenn uns das Ganze überfordert? Die Flüge sind doch gebucht; unsere Spanischkenntnisse als rudimentär zu betrachten. Haben wir alles dabei? Zu viel? Zu wenig? Freunde, Kollegen, Verwandte, Geschäftspartner, sie alle hatten mit dem Kopf geschüttelt: „Ihr seid verrückt!“ „5 Kilometer am Stück, das lass` ich ja noch gelten, aber 10, 15 Kilometer tagelang?“ Tja, es wurden letztlich im Schnitt knapp 23 Kilometer am Tag, darunter Etappen mit bis zu 38 km.

 

Hatte ich anfangs unseren Camino Frances noch als sportiven Trip angesehen, ich gebe es zu, übrigens: von Hape Kerkeling war überhaupt noch nicht die Rede, so änderte sich das rasch. Nicht mehr nur der Weg war das Ziel, wie der Zeitungsmacher seinen Artikel über uns ein Jahr später untertitelte, mehr denn je rückte das Ziel in den Fokus, der heilige Apostel Jakobus, sein Grab in der Kathedrale von Santiago de Compostela, das Zwiegespräch mit dem Herrn, die herrlichen, sich ständig abwechselnden Landschaften, die schönen Marien-Kapellen und imposanten Kathedralen, Zeugen der Christgläubigkeit vergangener Zeiten. Für Herrn Hillermann war der Weg alone gerade richtig für ihn, für Elke und mich nur zu Zweit denkbar. Eine tolle, nicht mehr wegzudenkende Erfahrung.

 

Pilger vergangener Zeiten

Heilige aus Dank nach Santiago de Compostela

1540. Granada. Johannes von Gott zu Montemor-o-Novo hat gerade seinen gesamten Besitz verschenkt, die Predigt des Johannes von Avila, auch Johannes vom Kreuz genannt, gehalten am 20. Januar 1539, hatte ihn tief beeindruckt, sein Leben umgekrempelt. Fortan widmet er sich nur noch der Krankenpflege, revolutioniert sie, gründet ein Hospital, sammelt Almosen. In anderen Teilen Europas hatte man vielerorts die christlichen Orden beseitigt, es war ja  Reformationszeit, den Schulunterricht für die Mädchen verschwinden lassen, wie die Armenpflege, wie die öffentliche Krankenpflege: alles zuvor Aufgabe der davon gejagten Ordensleute gewesen. Gut 260 Jahre später werden die gleichen Fehler gemacht werden, zu Zeiten der Säkularisation, man lernt einfach nicht aus der Geschichte. Johannes widmet sich vor allem den Geistesgestörten.

 

Warum erwähne ich das eigentlich? Viele Menschen jener Zeit, es herrschte Krieg allerorten, waren gleichermaßen uneigennützig, halfen Mitmenschen. Nun, Johannes, geboren am 8. März 1495 nahe Lissabon, war nach Beendigung seines Militärdienstes den Jakobsweg gegangen, hatte Kraft geschöpft aus ihm, hatte Dank empfunden, dass er seinen Militärdienst mehr oder weniger körperlich unversehrt überstanden hatte. Das war nicht selbstverständlich gewesen. Zusammen mit dem 17.000 starken Kreuzfahrerheer hatte er 1529 die moslemischen Osmanen vor Wien zurückschlagen können, einer feindlichen Übermacht von 300.000 Mann gegenüber gestanden - unter Süleyman I. Nicht auszudenken, hätten die Osmanen gesiegt. Über einhundertfünfzig Jahre später (1683) werden es die Osmanen noch einmal versuchen, wieder ohne Erfolg.

 

Durch den Bischof von Cordoba erhält er den Namen „von Gott“ (geschickt). Der Bischof verleiht dem Heiligen und seinen Helfern, aus denen der Orden der Barmherzigen Brüder entstanden war, einen eigenen Habit, ein sie auszuweisendes Gewand. Am 8. März 1550, seinem Geburtstag, verstirbt Johannes von Gott zu Granada. Ein ¾-Jahr vor seinem Tod hatte er noch persönlich bei einem Brand des königlichen Hospitals viele Kranken aus den Flammen gerettet.

Ein ungewöhnlicher Mensch, vom Hirten und Landsknecht Karls V., vom Buchhändler zum heiligmäßen, entsagungsreichen Leben. Das Meßformular der Missa Tridentina, der Heiligen Messe aller Jahrhunderte, gedenkt seiner zu Recht am 8. März jeden Jahres, nachzulesen im Volksmissale von P. Martin Ramm FSSP resp. im 2008 editierten Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus, herausgegeben von Ralf Oppermann – Der Widerschein der Herrlichkeit.

 

FORTSETZUNG, 12. März 2021

ERZBISCHOF JULIAN BARRIO: DER APOSTEL ERWARTET EUCH.

DER EINZIGARTIGE CAMINO DE SANTIAGO.

Jeder Pilger, jede Pilgerin (im weiteren verwende ich nur das generische Maskulinum, die Pilgerinnen mögen sich bitte prinzipiell gleichberechtigt und gleichwertig angesprochen fühlen); also: jeder Pilger wird in die Bewertung des Camino seine persönliche Sicht einfließen lassen, sich von seinen Erfahrungen leiten lassen. Die einen werden ihn als Wanderweg begreifen, die anderen als Pilgerweg, wiederum andere ihn als Mischung von beidem sehen; den ergänzenden kulturellen Aspekt dabei nicht außer Acht lassen. Einige Stichworte zu Beginn: Selbstfindung, Wunsch nach Verbesserung der Lebenswirklichkeit, Gastfreundschaft, Solidarität, Respekt für andere, Empathie, Toleranz, Spiritualität.

 

Auch wenn der Durchschnittsbürger (nicht abwertend gemeint) mit der Begrifflichkeit Mittelalter zunächst nichts Gutes in Verbindung bringt, was intellektuell überhaupt nicht nachvollziehbar ist (dazu an anderer Stelle mehr), wird er nicht umhin kommen, sich mit der mittelalterliche Geschichte des Jakobsweges auseinanderzusetzen. Ohne den Apostel Jakobus kein Jakobsweg. Ohne das Grab des Heiligen keine Kathedrale in Santiago de Compostela. Ohne die mittelalterlichen Pilger kein Jakobsweg. Das sich einzugestehen, sollte selbstverständlich sein, auch wenn es schwerfallen sollte. In der Regel führt der moderne Mensch sein Dasein ja maximal auf seine Großeltern zurück.

 

Im Nachfolgenden gehe ich unter anderem ein auf die Abhandlung von Anton Pombo von der spanischen Internetplattform gronze.com vom 21. Februar 2021. Pombo zieht die oben benannten Stichworte hinein in die Frage, was den Camino so reizvoll macht, was den Camino-Pilger der Nachkriegszeit so radikal vom Wanderer oder Touristen unterscheidet. Sie, die Werte, basierten seiner Meinung nach auf den Prämissen des mittelalterlichen Christentums. Sie seien also immer noch abrufbar, rudimentär gestützt auf Familie, Bildung und dem soziokulturellen Umfeld - trotz Aufklärung und Französischer Revolution und den aus beiden ableitendem Rationalismus, und wie ich hinzufüge Relativismus, Subjektivismus und teils offener Gegnerschaft, wenn nicht Feindschaft der (katholischen) Kirche gegenüber; auf jeden Fall die Säkularisation.

 

Der christliche Beitrag konzentriere sich auf die theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung, (Nächsten-)Liebe, wie auf die Kardinaltugenden Stärke, Mäßigung, Gerechtigkeit und Klugheit – verzahnt mit dem Mandat der vierzehn Werke der Barmherzigkeit, den sieben geistigen und den sieben leiblichen.

Wer kennt sie?

 

Die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit

  1. Dem Hungrigen zu essen geben,
  2. den Durstigen zu trinken geben,
  3. die Nackten zu bekleiden,
  4. die Fremden aufzunehmen,
  5. den Kranken beizustehen,
  6. die Gefangenen zu besuchen und
  7. die Toten zu begraben.

 

Die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit

  1. Dem Rat geben, der ihn braucht;
  2. den lehren, der nichts weiß;
  3. den korrigieren, der irrt;
  4. den Traurigen trösten;
  5. die Beleidigungen verzeihen;
  6. die unangenehmen Menschen mit Geduld ertragen; und schließlich
  7. beten.

Je mehr ich den Aufsatz von Anton Pombo lese, verarbeite, durchdringe, je mehr bringe ich ihm meine Hochachtung entgegen. Interessante Gedankengänge aus der Sicht eines offensichtlich christlich geprägten Spaniers.

 

Welche Werte setzt die Französische Revolution dagegen? Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Antagonistische Werte? Nachahmenswerte Ansprüche? Humanistische Werte? Man kommt leider nicht umhin zu konstatieren, so mein Diktum, das unter diesem Rubrum die fürchterlichsten Kriege und Vernichtungskämpfe aller Zeiten geführt worden sind: 1. und 2. Weltkrieg, Leninismus, Stalinismus, Hitler-Deutschland, et ecetera. Die Kriege, die dem Christentum zugeschrieben werden, sollen nicht vergessen werden, jedoch: in erster Linie waren sie initiiert von christlichen Staatslenkern, Königen, Kaisern, Landesherren. Sie waren nicht unbedingt konfessionell gebunden: Der katholische König von Frankreich verbündete sich einst während des 30-jährigen Krieges mit dem schwedischen, protestantischen König gegen den deutschen, katholischen Kaiser. Pombo verortet den Camino als Schmelztiegel, der alles absorbiere, verarbeite, also Geschichte annimmt, keine Gewinner und Verlierer beider Seiten sieht. Alte und moderne Schule seien sich einig, alle genannten Werte mehr oder weniger überzeugend anzuerkennen, umzusetzen Richtung Faszination des Abenteuers Camino de Santiago.

 

Derjenige Pilger, der die Fernroute des Jakobswegs wählt, zum Beispiel von St. Jean aus, wird sich darüber im klaren sein, dass er auf dieser heiligen und historischen Route bewußt die Hektik des modernen Lebens abstreifen wird, das Gehetztsein des Alltags, die Kurzlebigkeit mit ihren Marktgesetzen eintauscht gegen ein Pilgerdasein, das sich ihm neue Horizonte erschließt, durch Langsamkeit Neues erkennen, vielleicht im Zwiegespräch mit dem Herrn. Dabei werden ihm Mit-Pilger, Freiwillige der Herbergen und gastfreundliche Anwohner helfen: in dieser geballten Form auf keinem anderen Wanderweg anzutreffen. Neugierige und wißbegierige Pilger saugen Landschaft wie Infrastruktur auf, eine über Jahrhunderte alte sich entwickelnde christ-katholische Infrastruktur. Pombo fragt sich zu Recht, wie es eigentlich angehen könne, dass beispielsweise ein amerikanischer oder ein deutscher Geschäftsmann, zu Hause nur allerbeste Hotels gewohnt, nun plötzlich bescheidene Herbergen und Hostels ansteuert, Gastfreundschaft und brüderliches Zusammenleben sucht; dies alles offensichtlich als wesentlichen Bestandteil des Camino begreift, zu Hause dies niemals auch nur in Erwägung ziehen würde. Alle Pilger sind halt Pilger, unterschiedlich, unabhängig von Geschlecht, Beruf, Einkommen, Status, Herkommen, Hautfarbe. Kurzum, ist das die Magie des Camino? Stimmt das wirklich?

 

Soziologen und Psychologen stellten schon in den 70ziger Jahren Verschiebungen fest. Alte Pilgerwege des Westens erfuhren eine neue Interpretation, gestützt auf den Individualismus des Einzelnen: introspektive Prozesse, Reflexion und persönliche Vorstellungen, gepaart mit einer diffusen Spiritualität. Irgendwie die alte Art und Weise des Pilgerns mit den eigenen Vorstellungen in Verbindung bringen, geleitet von leichtverständlichen Codes oder deren Rituale in der Art einer Therapie zu (be-) nutzen. Der so individuell gesteuerte Pilger werde nicht unbedingt das Kontemplative suchen, er suche irgendwie auch immer das Compostela-Abenteuer: die Gemeinschaft der Mitpilger, die Interaktion mit den Hospitaleros, kurzum, nicht in völliger Einsamkeit durch die Felder streifen. Wer kann schon die völlige Ruhe und vor allem die absolute Stille ertragen? Offensichtlich muß diese Fähigkeit neu erlernt werden. Dazu verhilft in abgespeckter Form ein mehrtägiger Aufenthalt in einem kontemplativen Kloster. Zum Abschluß zieht der Autor einen interessanten Vergleich zu Papst Johannes XXIII. und dessen berühmten Ausspruch Aggiornamento (auf den Tag bringen / Anpassung an die Gegenwart). Der Papst meinte allerdings nicht damit, was viele nach wie vor glauben, das Zurückdrängen traditioneller Werte und vor allem nicht das Negieren überlieferter Glaubensinhalte. In keiner anderen heiligen wie religiös geprägten Route sei diese große Lehre gespiegelt – denn in diesem Camino de Santiago. Der Jakobsweg sei also mutmaßlich der einzige Weg, der ein wirksames Aggiornamento durchlaufen habe, bei dem christliche und profane Werte zusammengeführt wurden und übergehen in einen globalen Geltungsbereich, somit verständlich auch für Menschen anderer Kulturen denn nur der westlichen.

 

Zusammenfassung. Die Pilgerreise gleiche einem gut gefilterten Kompendium der Lehren der westlichen Philosophie, Religion und Geschichte. Sie ermögliche, viele der gute Prinzipien und Einstellungen zu erkennen und zu praktizieren, die einen Menschen tugendhaft machen, in einem linear verlaufenen Raum offen sein, mit anderen interagieren zu können. Mithin ein Anreiz für die persönliche Entwicklung learning by doing. Jede der Herausforderungen stelle eine Prüfung dar, bei der eine Metapher weiterentwickelt werde und deren Werte das Rezept für Wachstum darstelle. Wie die Guten von Star Wars sagen würden, sind und bleiben die Werte des Camino die Kraft, die die Pilger immer begleiten.

 

Ich hingegen möchte schließen mit einem Rekurs auf Javier-Gomez-Montero`s in 2010 herausgegebenem Buch „Wege und Umwege nach Compostela – Ein literarischer Jakobsweg in Castilla y Leon“:

  •  Gar sehr wollte Gott Spanien ehren, als er den heiligen Apostel dorthin sandte, besser als England und Frankreich wollte er es stellen, denn dort gab es nirgends einen Apostel. *)
  • Seit die Spanier Christus kennenlernten, seit sie nach seinem Gesetz die Taufe empfingen, wollten sie nie mehr unter einem anderen Gesetz leben, und weil sie sich zu ihm bekannten, litten sie manche Pein. *)

*) S. 59. Literarischer spanischer Text um 1250, des Poema de Fernán González.

 

Erzählungen, Gedichte, Essays und Erinnerungen von fünfundzwanzig spanischen Autoren des Zeitraumes 2010/2017; allesamt Träger des El Premio Castilla y León de las Letras (Preis für Briefe). Erstausgabe 2010. Deutsche Übersetzung Verlag Ludwig, Kiel 2017.

 

Das Jakobsland - die autonome Region Kastilien-Leon - macht mehr als die Hälfte des 800 km langen Pilgerwegs aus. Die Autoren begeben sich auf Spurensuche nach den Ursprüngen der Pilgerfahrt. Kindheitserinnerungen wie Landeskundliches und Sprachgeschichtliches fließen in die einzelnen Erzählungen ein, wobei der Apostel Jakobus wie Santiago de Compostela eine dominierende Rolle einnehmen –  der Säkularisierung und dem Massentourismus zum Trotz.

 

Ich beschränke mich auf die Erzählung von J. A. Gonzales Sainz. Sie hat mich besonders angesprochen. Zwei Protagonisten, unterschiedlicher sie nicht sein können, kommen vor der Kirche von San Juan de Ortega ins Gespräch. Sie eine Top-Managerin, er ein Angestellter, ein Durchschnittsbürger. Ohne der Geschichte vorgreifen zu wollen, sie lohnt es, in Gänze gelesen zu werden, thematisiert sie doch sehr das von Anton Pombo angesprochene Faszinosum, dass back home erfolgreiche Manager sich auf dem Camino wohlfühlen, offensichtlich nur dort ihre Probleme reflektieren.

 

Bewegend wie Gonzalez Sainz sein Narrativ einläutet. 23. September. Tag der Vollkommenheit, der Reinheit, mit der der Lichtstrahl am Morgen die Tagundnachtgleiche durch das Fenster der Kirche fallen läßt auf die Szene "Mariä Verkündigung" mit Gabriel, dem Verkündigungsengel: Begegnung und Erfüllung. Schwärmend beschreibt er Hände wie Gesichter. Sie besäßen eine unglaubliche Ausdruckskraft: Verkündigung der Vollkommenheit und Verheißung einer denkwürdigen Gabe. Unglaublich einfühlsam formuliert. Ein außergewöhnlicher Schriftsteller halt.

 

Eine äußerst erfolgreiche und kühl bis kalt agierende Managerin verliebt sich geradezu in die Einfachheit des Pilgerdaseins – auf dem Camino Frances gen Santiago de Compostela. “In den einfachsten Herbergen“, fuhr sie jetzt mit einer merkwürdigen Fröhlichkeit fort, „stellt man dir eine Pritsche zur Verfügung.“ Freundlich aber bestimmt werde sie einem zugewiesen, ohne Widerspruch zu akzeptieren. Man dürfe Waschräume und Toiletten benutzen; eine Nacht Unterschlupf, Schutz vor Kälte oder Hitze finden, geschundene Füße pflegen, morgens ein kleines Frühstück zu sich nehmen. Danach wieder der gleiche Trott, das gleiche Ritual: sich wieder auf den Weg machen, Ruhe finden, wohltuende Ruhe für die im Leben gebeutelten – auf tausenderlei Arten – verlorenen Seelen. Wer mag, findet Gesellschaft, findet Stille, wie auf dem Weitermarsch am nächsten Tag.

 

„Wissen Sie, mein Leben lang erreiche ich alles, indem ich es befehle, klipp und klar, denn ich verfüge über genügend Mittel und Unmengen von Mitarbeitern, und die Ziele, die ich verfolge, zeigen mir, wenn sie erreicht sind, neue auf. Doch hier suche ich genau das Gegenteil: über nichts zu verfügen, nicht zu befehlen, ohne Abhängigkeiten oder Hast, ohne Überfluß, Berechnung, Interessen oder Luxus.“ Traum? Ja. Wunschvorstellung? Ja. Realität? Ja. Ein wunderbarer Abschluß meines Jakobsweg-Journals:Jakobsweg ade? Nein, natürlich nicht. Er lebt.

 

ENDE