MEINE JOURNAL-NEWS

Jakobsweg. Kirche. Gesellschaft. Nachdenkenswertes

Einstimmung

“In den einfachsten Herbergen“, fuhr sie jetzt mit einer merkwürdigen Fröhlichkeit fort, „stellt man dir eine Pritsche zur Verfügung.“ Freundlich aber bestimmt werde sie einem zugewiesen, ohne Widerspruch zu akzeptieren. Man dürfe Waschräume und Toiletten benutzen; eine Nacht Unterschlupf, Schutz vor Kälte oder Hitze finden, geschundene Füße pflegen können, morgens ein kleines Frühstück zu sich nehmen. Danach wieder der gleiche Trott, das gleiche Ritual: sich wieder auf den Weg machen, Ruhe finden, wohltuende Ruhe für die im Leben gebeutelten – auf tausenderlei Arten – verlorenen Seelen. Wer mag, findet Gesellschaft, findet Stille, wie auf dem Weitermarsch am nächsten Tag.Quelle: Wege und Umwege nach Compostela – Ein literarischer Jakobsweg in Castilla y Leon: Der Lichtstrahl im Gesicht. J.A. Gonzalez Sainz.

 

Im Folgenden verwende ich prinzipiell der Einfachheit halber das generische Maskulinum. Die Leserinnen mögen sich bitte immer angesprochen fühlen. Danke.

Jakobsweg. Kirche. Gesellschaft. Nachdenkenswertes. Philosphisches

17. März 2021. SPANISCHE KIRCHE RÜHRT SICH

Endlich. Die Katholische Kirche rührt sich, wird sich wieder ihrer Bedeutung bewußt, die sie in den vergangenen Jahrhunderten für Abermillionen Jakobspilger gehabt hat.  Die Corona-Pandemie macht es möglich: der Jakobsweg liegt brach, die Pilger bleiben aus. In den letzten Jahren schien es, als wären ihre Repräsentanten abgetaucht, als hätten sie den Pilger nichts mehr zu sagen; es boomte ja. Man schloß die Kirchen aus Angst vor Vandalismus, anstatt sie für die Pilger offenzuhalten. Nein, die Kirche, ihre Priester, Pastoren und Pfarrer müssen auf die gläubigen Pilger zu gehen, ihnen zeigen, dass sie willkommen sind, nicht nur im Rahmen der Pilgermesse,  auch, indem sie zum Beispiel den Pilgern Anbetungsstunden offerieren, also die Aussetzung des Allerheiligsten. Ja, alles eine Frage des Wollens, des Interesses und der Organisation. Warum nicht Hand in Hand gehen mit den Wirtschaft, beides übereinbringen.

 

FORTBILDUNG JAKOBSWEG

PRIESTER DES BISTUMS LEON

Offensichtlich gibt es viele Priester, die sich der Bedeutung des Jakobsweges gar nicht bewußt waren, vielleicht weil sie auch mit ihren Alltagssorgen überreichlich beschäftigt waren. Nur so kann ich es mir erklären, dass das Bistum Leon seine Priester zu einer Tagung zum Jakobsweg aufrief. Ein Franziskaner referierte vor rund 50 Geistlichen, er verdeutlichte ihnen eben jene Bedeutung des Jakobsweges, von der ich sprach. Die vom Referenten benannten Werte des Camino de Santiago kann jeder nachvollziehen, als da sind: Spiritualität, Religiosität, Begrüßung, Gastfreundschaft, Brüderlichkeit, Universalität. MEHR LESEN via spanischer Webseite caminosantiago.org, 16. März 2021.

In meiner Heimatstadt, hoch oben im Norden der Bundesrepublik, hat offensichtlich noch kein katholischer Priesters, kein Pfarrer, kein Propst etwas vom Jakobsweg gehört: Null-Reaktion. Die evangelische Domgemeinde sieht es anders, sie ist aktiv, bietet Andachten und Bet-Wanderungen an. Eigentlich verwunderlich, war es doch ihr Religionsgründer Martin Luther, der von der Wallfahrt nach Santiago de Compostela abgeraten hatte; dort lägen möglicherweise nur Hundeknochen. Times changes.

 

26. März 2021. OFFENE GESELLSCHAFT IN GEFAHR

Intellektuelle fordert freiere Debatte über Corona-PolitikWEITERLESEN NDR KULTUR 25.03.21

Es will schon was heißen, wenn sich die Tochter von Rudolf Augstein, Spiegel-Gründer, sich zu Wort meldet, eine Debattenkultur fordert: sie sei nicht die Einzige, die das Gefühl habe, sich nicht mehr äußern zu können.

 

Das sehen offensichtlich viele Prominente aus Wissenschaft, Politik und Kultur (Schauspieler, Regisseure, Schriftsteller, Intendanten. Musiker, Galerist, Professoren, Journalisten, Historiker, Opernsänger, Kabarettist) ebenso. Sie alle, inklusive Franziska Augstein, unterstützen das von der "Welt"  am 25. März 2021 veröffentlichte Manifest der offenen Gesellschaft, zu lesen auf Seite 21 - Feuilleton. Mit dabei u.a. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Bundesjustizministerin a.D.), Jan Josef Liefer (Schauspieler, Musiker, Regisseur),  Ulrike Guerot (Professorin für Europapolitik). Zwei Beiträge haben es mir besonders angetan:

 

"Das Schlimme am Totalitarismus ist ja nicht, dass Böse Böses vorhaben, sondern, dass das Gutgemeinte maßlos ausgedehnt wird, bis es schließlich alles andere in der Gesellschaft verschlingt. Der oder die 'total Gute' ist auch deswegen so gefährlich, weil die total Guten bis zum letzten Momant glauben, sie seien auf der richtigen Seite." - Rebecca Niazi-Shahabi, Publizistin.

 

"Am Anfang der Corona-Zeit wollte man wegen Überlastung nicht entscheiden müssen, wen man überleben läßt und wen nicht. Heute warnen Schäuble und Welthungerhilfe wegen unerbrochener Lieferketten für Bauern aufgrund der Maßnahmen vor Millionen von Hungertoten. Läßt man also Millionen verhungern, damit Zehntausende nicht an Corona sterben? Das ist hoher politischer Sarkasmus. Der ergänzt wird, wenn beliebige Politiker anmerken, man wolle nicht, dass Menschen sterben. An Corona. Man entscheidet also doch. Denn an allem anderen dürfen sie verenden." - Mathias Richling, Satiker und Kabarettist.

 

DER EINZIGARTIGE CAMINO DES SANTIAGO

- Versuch einer philosophischen Betrachtung

Jeder Pilger, jede Pilgerin (im weiteren verwende ich nur das generische Maskulinum, die Pilgerinnen mögen sich bitte prinzipiell gleichberechtigt und gleichwertig angesprochen fühlen); also jeder Pilger wird seine persönliche Sicht einfließen lassen: Die einen den Camino als Wanderweg begreifen, die anderen als Pilgerweg, wiederum andere als Mischung von beidem. Stichworte: Selbstfindung, Wunsch nach Verbesserung der Lebenswirklichkeit, Gastfreundschaft, Solidarität, Respekt für andere, Empathie, Toleranz, Spiritualität.

 

Auch wenn der Durchschnittsbürger (nicht abwertend gemeint) mit der Begrifflichkeit Mittelalter zunächst nichts Gutes in Verbindung bringt, was intellektuell überhaupt nicht nachvollziehbar ist (dazu an anderer Stelle mehr), wird er nicht umhin kommen, die mittelalterliche Geschichte des Jakobswegs in seine heutigen Betrachtungen des Camino miteinzubeziehen. Ohne den Apostel Jakobus kein Jakobsweg. Ohne das Grab des Heiligen keine Kathedrale in Santiago de Compostela. Ohne die mittelalterlichen Pilger kein Jakobsweg. Das sich einzugestehen, sollte selbstverständlich sein, auch wenn es schwerfallen sollte. In der Regel führt der moderne Mensch sein Dasein ja maximal auf seine Großeltern zurück.

 

Im Nachfolgenden gehe ich unter anderem ein auf die Abhandlung von Anton Pombo von der spanischen Internetplattform gronze.com vom 21. Februar 2021. Pombo zieht die oben benannten Stichworte hinein in die Frage, was den Camino so reizvoll macht, was den Camino-Pilger der Nachkriegszeit so radikal vom Wanderer oder Touristen unterscheidet. Sie, die Werte, basierten seiner Meinung nach auf den Prämissen des mittelalterlichen Christentums. Sie seien also immer noch abrufbar, rudimentär gestützt auf Familie, Bildung und dem soziokulturellen Umfeld - trotz Aufklärung und Französischer Revolution und den aus beiden ableitendem Rationalismus, und wie ich hinzufüge Relativismus, Subjektivismus und teils offener Gegnerschaft, wenn nicht Feindschaft der (katholischen) Kirche gegenüber; auf jeden Fall die Säkularisation.

 

Der christliche Beitrag konzentriere sich auf die theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung, (Nächsten-)Liebe, wie auf die Kardinaltugenden Stärke, Mäßigung, Gerechtigkeit und Klugheit – verzahnt mit dem Mandat der vierzehn Werke der Barmherzigkeit, den sieben geistigen und den sieben leiblichen.

Wer kennt sie?

 

Die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit

  1. Dem Hungrigen zu essen geben,
  2. den Durstigen zu trinken geben,
  3. die Nackten zu bekleiden,
  4. die Fremden aufzunehmen,
  5. den Kranken beizustehen,
  6. die Gefangenen zu besuchen und
  7. die Toten zu begraben.

 

Die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit

  1. Dem Rat geben, der ihn braucht;
  2. den lehren, der nichts weiß;
  3. den korrigieren, der irrt;
  4. den Traurigen trösten;
  5. die Beleidigungen verzeihen;
  6. die unangenehmen Menschen mit Geduld ertragen; und schließlich
  7. beten.

Je mehr ich den Aufsatz von Anton Pombo lese, verarbeite, durchdringe, je mehr bringe ich ihm meine Hochachtung entgegen. Interessante Gedankengänge aus der Sicht eines offensichtlich christlich geprägten Spaniers.

 

Welche Werte setzt die Französische Revolution dagegen? Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Antagonistische Werte? Nachahmenswerte Ansprüche? Humanistische Werte? Man kommt leider nicht umhin zu konstatieren, so mein Diktum, das unter diesem Rubrum die fürchterlichsten Kriege und Vernichtungskämpfe aller Zeiten geführt worden sind: 1. und 2. Weltkrieg, Leninismus, Stalinismus, Hitler-Deutschland, et ecetera. Die Kriege, die dem Christentum zugeschrieben werden, sollen nicht vergessen werden, jedoch: in erster Linie waren sie initiiert von christlichen Staatslenkern, Königen, Kaisern, Landesherren. Sie waren nicht unbedingt konfessionell gebunden: Der katholische König von Frankreich verbündete sich einst während des 30-jährigen Krieges mit dem schwedischen, protestantischen König gegen den deutschen, katholischen Kaiser. Pombo verortet den Camino als Schmelztiegel, der alles absorbiere, verarbeite, also Geschichte annimmt, keine Gewinner und Verlierer beider Seiten sieht. Alte und moderne Schule seien sich einig, alle genannten Werte mehr oder weniger überzeugend anzuerkennen, umzusetzen Richtung Faszination des Abenteuers Camino de Santiago.

 

Derjenige Pilger, der die Fernroute des Jakobswegs wählt, zum Beispiel von St. Jean aus, wird sich darüber im klaren sein, dass er auf dieser heiligen und historischen Route bewußt die Hektik des modernen Lebens abstreifen wird, das Gehetztsein des Alltags, die Kurzlebigkeit mit ihren Marktgesetzen eintauscht gegen ein Pilgerdasein, das sich ihm neue Horizonte erschließt, durch Langsamkeit Neues erkennen, vielleicht im Zwiegespräch mit dem Herrn. Dabei werden ihm Mit-Pilger, Freiwillige der Herbergen und gastfreundliche Anwohner helfen: in dieser geballten Form auf keinem anderen Wanderweg anzutreffen. Neugierige und wißbegierige Pilger saugen Landschaft wie Infrastruktur auf, eine über Jahrhunderte alte sich entwickelnde christ-katholische Infrastruktur. Pombo fragt sich zu Recht, wie es eigentlich angehen könne, dass beispielsweise ein amerikanischer oder ein deutscher Geschäftsmann, zu Hause nur allerbeste Hotels gewohnt, nun plötzlich bescheidene Herbergen und Hostels ansteuert, Gastfreundschaft und brüderliches Zusammenleben sucht; dies alles offensichtlich als wesentlichen Bestandteil des Camino begreift, zu Hause dies niemals auch nur in Erwägung ziehen würde. Alle Pilger sind halt Pilger, unterschiedlich, unabhängig von Geschlecht, Beruf, Einkommen, Status, Herkommen, Hautfarbe. Kurzum, ist das die Magie des Camino? Stimmt das wirklich?

 

Soziologen und Psychologen stellten schon in den 70ziger Jahren Verschiebungen fest. Alte Pilgerwege des Westens erfuhren eine neue Interpretation, gestützt auf den Individualismus des Einzelnen: introspektive Prozesse, Reflexion und persönliche Vorstellungen, gepaart mit einer diffusen Spiritualität. Irgendwie die alte Art und Weise des Pilgerns mit den eigenen Vorstellungen in Verbindung bringen, geleitet von leichtverständlichen Codes oder deren Rituale in der Art einer Therapie zu (be-) nutzen. Der so individuell gesteuerte Pilger werde nicht unbedingt das Kontemplative suchen, er suche irgendwie auch immer das Compostela-Abenteuer: die Gemeinschaft der Mitpilger, die Interaktion mit den Hospitaleros, kurzum, nicht in völliger Einsamkeit durch die Felder streifen. Wer kann schon die völlige Ruhe und vor allem die absolute Stille ertragen? Offensichtlich muß diese Fähigkeit neu erlernt werden. Dazu verhilft in abgespeckter Form ein mehrtägiger Aufenthalt in einem kontemplativen Kloster.

 

Zum Abschluß zieht der Autor einen interessanten Vergleich zu Papst Johannes XXIII. und dessen berühmten Ausspruch Aggiornamento (auf den Tag bringen / Anpassung an die Gegenwart). Der Papst meinte allerdings nicht damit, was viele nach wie vor glauben, das Zurückdrängen traditioneller Werte und vor allem nicht das Negieren überlieferter Glaubensinhalte. In keiner anderen heiligen wie religiös geprägten Route sei diese große Lehre gespiegelt – denn in diesem Camino de Santiago. Der Jakobsweg sei also mutmaßlich der einzige Weg, der ein wirksames Aggiornamento durchlaufen habe, bei dem christliche und profane Werte zusammengeführt wurden und übergehen in einen globalen Geltungsbereich, somit verständlich auch für Menschen anderer Kulturen denn nur der westlichen.

 

Zusammenfassung. Die Pilgerreise gleiche einem gut gefilterten Kompendium der Lehren der westlichen Philosophie, Religion und Geschichte. Sie ermögliche, viele der guten Prinzipien und Einstellungen zu erkennen und zu praktizieren, die einen Menschen tugendhaft machen, in einem linear verlaufenen Raum offen sein, mit anderen interagieren. Mithin ein Anreiz für die persönliche Entwicklung learning by doing. Jede der Herausforderungen stelle eine Prüfung dar, bei der eine Metapher weiterentwickelt werde und deren Werte das Rezept für Wachstum darstelle. Wie die Guten von Star Wars sagen würden, sind und bleiben die Werte des Camino die Kraft, die die Pilger immer begleiten.

 

Ich hingegen möchte schließen mit einem Rekurs auf Javier-Gomez-Montero`s in 2010 herausgegebenem Buch „Wege und Umwege nach Compostela – Ein literarischer Jakobsweg in Castilla y Leon“:

  •  Gar sehr wollte Gott Spanien ehren, als er den heiligen Apostel dorthin sandte, besser als England und Frankreich wollte er es stellen, denn dort gab es nirgends einen Apostel. *)
  • Seit die Spanier Christus kennenlernten, seit sie nach seinem Gesetz die Taufe empfingen, wollten sie nie mehr unter einem anderen Gesetz leben, und weil sie sich zu ihm bekannten, litten sie manche Pein. *)

*) S. 59. Literarischer spanischer Text um 1250, des Poema de Fernán González.

 

Erzählungen, Gedichte, Essays und Erinnerungen von fünfundzwanzig spanischen Autoren des Zeitraumes 2010/2017; allesamt Träger des El Premio Castilla y León de las Letras (Preis für Briefe). Erstausgabe 2010, deutsche Übersetzung Verlag Ludwig, Kiel 2017.

Das Jakobsland - die autonome Region Kastilien-Leon - macht mehr als die Hälfte des 800 km langen Pilgerwegs aus. Die Autoren begeben sich auf Spurensuche nach den Ursprüngen der Pilgerfahrt. Kindheitserinnerungen wie Landeskundliches und Sprachgeschichtliches fließen in die einzelnen Erzählungen ein, wobei der Apostel Jakobus wie Santiago de Compostela eine dominierende Rolle einnehmen –  der aktuellen Säkularisierung und dem Massentourismus zum Trotz.

 

Ich beschränke mich auf die Erzählung von J. A. Gonzales Sainz. Sie hat mich besonders angesprochen. Zwei Protagonisten, unterschiedlicher sie nicht sein können, kommen vor der Kirche von San Juan de Ortega ins Gespräch. Sie eine Top-Managerin, er ein Angestellter, ein Durchschnittsbürger. Ohne der Geschichte vorgreifen zu wollen, sie lohnt es, in Gänze gelesen zu werden, thematisiert sie doch sehr das von Anton Pombo angesprochene Faszinosum, dass back home erfolgreiche Manager sich auf dem Camino wohlfühlen, dort auch ihre Probleme reflektieren.

 

Bewegend wie Gonzalez Sainz die Geschichte einläutet. 23. September. Tag der Vollkommenheit, der Reinheit, mit der der Lichtstrahl am Morgen die Tagundnachtgleiche durch das Fenster der Kirche fallen läßt auf "Mariä Verkündigung" mit Gabriel, dem Verkündigungsengel: Begegnung und Erfüllung. Schwärmend fügt er hinzu, dass Hände wie Gesichter eine unglaubliche Ausdruckskraft besäßen: Verkündigung der Vollkommenheit und Verheißung einer denkwürdigen Gabe. Unglaublich toll formuliert. Ein außergewöhnlicher Schriftsteller halt.

 

Eine äußerst erfolgreiche und kühl bis kalt agierende Managerin verliebt sich geradezu in die Einfachheit des Pilgerns – auf dem Camino Frances gen Santiago de Compostela. “In den einfachsten Herbergen“, fuhr sie jetzt mit einer merkwürdigen Fröhlichkeit fort, „stellt man dir eine Pritsche zur Verfügung.“ Freundlich aber bestimmt werde sie zugewiesen, ohne Widerspruch akzeptiert. Man dürfe Waschräume und Toiletten benutzen; eine Nacht Unterschlupf, Schutz vor Kälte oder Hitze, geschundene Füße pflegen, morgens ein kleines Frühstück zu sich nehmen, danach wieder der gleiche Trott, das gleiche Ritual: sich wieder auf den Weg machen, Ruhe finden, wohltuende Ruhe für die im Leben gebeutelten – auf tausenderlei Arten – verlorenen Seelen. Wer mag, findet Gesellschaft, findet Stille, wie auf dem Weitermarsch am nächsten Tag.

 

„Wissen Sie, mein Leben lang erreiche ich alles, indem ich es befehle, klipp und klar, denn ich verfüge über genügend Mittel und Unmengen von Mitarbeitern, und die Ziele, die ich verfolge, zeigen mir, wenn sie erreicht sind, neue auf. Doch hier suche ich genau das Gegenteil: über nichts zu verfügen, nicht zu befehlen, ohne Abhängigkeiten oder Hast, ohne Überfluß, Berechnung, Interessen oder Luxus.“ Traum? Ja. Wunschvorstellung? Ja. Realität? Ja.

 

Montag. 29. März 2021: Eintritt in die Karwoche. Semanta Santa 2021. 

GEDANKEN ZU OSTERN: CHRISTUS WAHRHAFT AUFERSTANDEN

ODER NAIVE VORSTELLUNG?

Erzbischof Josef Kardinal Ratzinger, nachmaliger Papst Benedikt XVI., predigte hierüber Ostersonntag, 26. März 1978, in München. Seine über dreiundvierzig Jahre alten Gedanken sind es wert, hier an dieser Stelle in Erinnerung gerufen zu werden. -  Vgl. Joseph Ratzinger. Gesammelten Schriften. Predigten. Verlag Herder, 2019. Band 14/1, S. 454 ff.  

 

Um es vorweg zu sagen, natürlich ist Jesus Christus wahrhaft auferstanden. „Was wäre denn gewesen“, so der Erzbischof, „wenn Jesus nicht erstanden wäre? Dann würde die Geschichte am Karfreitag enden, dann wäre er verwest und ein Gewesener.“

Es hätte kein Christentum geben können. Alles nur Lug und Betrug: seitens der Frauen Ostersonntag am Grab, seitens der Apostel, seitens der Jünger, seitens Paulus. Der bedeutendste Missionar aller Zeiten als Transporteur des größten Betruges der Geschichte. Nein!

 

„Psalm 16,10: Du läßt deinen Frommen die Verwesung nicht schauen." – "Zum Kern der Botschaft gehört, dass wirklich das universale Gesetz der Geschichte, der Tod und die Verwesung aus den Angeln gehoben worden sind.“  

 

MODERNE AUSLEGUNG

Wie legen nun die Zweifler, die ungläubig Gewordenen, die Modernisten, gar so manche Pfarrer (evangelische wie auch katholische) auf der Kanzel und in die Katechese hinein, die Osterbotschaft aus? „Sie (die Auslegung) sagt, Ostern bedeute natürlich nicht, dass da ein Toter auferstanden sei, sondern dies sei nur eine altertümliche Umschreibung dafür, dass die Sache Jesu auch nach seinem Tode weitergeht.“  

 

Die Jünger hätten diese Erkenntnis, nachdem sie die Phase der Entmutigung und der Depression endlich überwunden hatten, in der Form von montierten Auferstehungsgeschichten erzählt. Es könne ja nicht sein, drei Jahre lang einem Irrtum, der Lüge eines Mannes aus Nazareth aufgesessen zu sein. Für Ratzinger ist diese Deutung ein psychologischer Kitschroman des 20. Jahrhunderts.

 

Wie kommen nun die Protagonisten zu solchen haarsträubenden Erklärungen? Es ist das moderne Weltbild, das sie treibt, die unfehlbare Wissenschaft. Zu Ende gedacht hieße es, Gott überhaupt in Frage zu stellen. Es geht doch nicht um irgendein 2000 Jahre altes Mirakel. Es geht darum, ob Gott ist, ob Gott allmächtig ist, in die Naturgesetze eingreifen kann.

Das gesamte Neue Testament mit Jesu Christi-Offenbarung ansonsten reif für die Tonne. Übrig bliebe ein außergewöhnlicher Wanderprediger, ein Revoluzzer seiner Zeit, nicht mehr und nicht weniger als ein Mahatma Ghandi, als ein Siddhartha Gautama (Buddha), als …

 

GOTT EIN HANDELNDER GOTT

Die Naturwissenschaft sollte ihre Grenzen kennen. Gott ist ein handelnder Gott, ein trinitarischer Gott mit Jesus Christus als wahrem Sohn Gottes. Das ist die Wirklichkeit. Wie die Apostel, die vielen Jünger, die Jesus begleitenden heiligen Frauen, glauben und leben wir hin auf das ewige Leben. Dazu der spätere Papst: „Das Wort vom ewigen Leben ist zu leise geworden in der Kirche, als schämten wir uns dessen. Aber wir brauchen uns dessen nicht zu schämen. Christus ist wahrhaft auferstanden!“

 

ALMA REDEMPTORIS MATER

– Erhabene Mutter des Erlösers

Schließen möchte ich mit vorgenannter Marianischer Antiphon, belegt seit dem 12. Jahrhundert, die vorzugsweise in der Weihnachtszeit gebetet wird. Sie geht auf die Jungfrau und Gottesmutter ein, wie auf Gottes schöpferischen Eingriff in die Natur:

Erhabene Mutter des Erlösers, du allezeit offene Pforte des Himmels und Stern des Meeres, komm, hilf deinem Volke, das sich müht, vom Falle aufzustehn. Du hast geboren, der Natur zum Staunen, deinen heiligen Schöpfer. Unversehrte Jungfrau, die du aus Gabriels Munde nahmst das selige Ave, o erbarme dich der Sünder.

 

Osterfreitag, 9. April 2021. DIE TOUGHEN

SIND JETZT UNTERWEGS

194 Pilger im März. Möglicherweise waren es mehr, sie mochten sich vielleicht nicht outen, weil auf verbotenen Wegen. Bekanntlich dürfen die Spanier gegenwärtig ihre Regionen nicht verlassen, zumindest nicht profaner Reisen wegen. Und sie taten es doch, so die spanische Presse vom 7. April 2021.

 

Die nicht so Toughen, oder sollte ich sagen, die Vernünftigen bleiben zu Hause, schreiben ihre Wünsche auf, reflektieren Touren vergangener Jahre. Bemühen Stichworte wie Motive, Abenteuer, Spaziergang, Wanderung, langes Lernen, Weiterbildung, von A nach B gehen, Jakobsweg/Reise: langsamer Lehrer nach Theodore Monod, Transformationsprozesse, Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, Selbstachtung, Gruppenzugehörigkeit (stabile Umgebung), Streß, Langeweile, Psyche, Moral, körperliche Anstrengungen, kein Glück ohne Freiheit, keine Freiheit ohne Mut, endlose Suche,  Camino-Therapie, Santiago-Therapie.

Kurzum: Der Jakobsweg, der einzige Weg, der reicher macht.

 

Wir leben in einer irren Zeit. Mehltau hat sich über das Land gelegt. Vage erinnert man sich an die einst so selbstverständlich genommene freiheitliche, plurale Gesellschaft mit divergierendem Meinungsaustausch.

 

Die katholische Kirche steht wieder einmal im Fokus der Leitmedien. Dem emeritierten Papst Benedikt XVI. wird Vertuschung vorgeworfen. Bullshit. Gerade er war es, der den Kampf zu seinem Hauptanliegen machte, als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation wie als Papst. Mehr hierüber via Verlinkung: http://die-tagespost.de/216137.

 

Medien überschlagen sich unisono mit der Nachricht, dass die Kirche eine Austrittswelle zu beklagen habe, auch und gerade wegen der Mißbrauchsaufklärung im Erzbistum Köln, namentlich Kardinal Woelki. Bullshit. Lesen Sie die Tagespost, die einzige Zeitung, so ihr Anspruch, die diese Behauptungen verifiziert hat. Fakt ist allerdings auch, dass die Kirche von ihren eigenen Gremien, zumeist Laiengruppierungen, angegriffen wird. Anstatt die Kräfte zu bündeln, zu evangelisieren, werden bisherige Glaubensgewißheiten in Abrede gestellt, der Vatikan auf das schärfste kritisiert. Das Schisma droht. Die eingeschriebenen Kirchenmitglieder scheint es nicht zu stören; es gehen eh nur, wenn überhaupt, rund 10% plus minus in die sonntäglichen Gottesdienste.

 

Man paßt sich an, will Teil des Großen sein, übt den vorauseilendem Gehorsam. Lucas Wiegelmann von der „Welt“ am 7. April 2021: „Bräsige Weltverbesserer, die die Kirche nur als ein böses, zu demokratisierendes Herrschaftssystem betrachten. Die aus der Kirche am liebsten einen neuen grünen Ortsverband machen wollen und zur notdürftigen Begründung ein paar Bibelzitate auf ihre Flyer drucken.“ Die Bischöfe stört`s nicht. Im Gegenteil, sie schwimmen mit wie Lemminge. Letzten Donnerstag (2. April 2021) auf Servus TV: der Herr Bischof aus Tirol nickte zustimmend, als die Schamanin sich erklärte. Die Repräsentanten der katholischen Kirche machen sich klein, akzeptieren, dass sie nur noch ein Anbieter unter vielen sind, wobei das Angebot jeweils freibleibend betrachtet wird. Ein Armutszeugnis. Nun, einige Bischöfe wie jene aus Passau, Regensburg, Köln, Eichstätt, Görlitz wehren sich (noch), bleiben der tradierten Offenbarung Jesu Christi treu.

 

Der Historiker Roberto de Mattei vertrat beim „Rome Life Forum 2020“ die These, dass die durch das Virus ausgelöste Krise erwiesen habe, wie sehr der Weltepiskopat (also die Bischöfe und Kardinäle aller Kontinente) bereits dem Atheismus verfallen sei. Er zeigte sich sicher, dass die religiöse und die moralische Krise im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils eine größere Züchtigung sei als die beiden Weltkriege und mit logischer Konsequenz in die Katastrophe zum Pontifikat von Papst Franziskus geführt habe. Quelle: Tagespost, 4. Juni 2020, S. 12. Ein Schelm, wer sich nichts dabei denkt, dass die Kurie vor wenigen Wochen die Einzel-Zelebration in St. Peter untersagt hat - nichts anderes denn ein indirekter Angriff auf die Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus, sprich Missa Tridentina, sprich Messe aller Jahrhunderte. Gerade die jungen Menschen, die Familien mit Kleinkindern, die diese Meßfeier bevorzugen, sollen indirekt angegangen werden. Zur Missa Tridentina verweise ich auf den betreffenden Menüpunkt.

 

Für Cora Stephan, Schriftstellerin und Publizistin, sollte Deutschland als christlich geprägtes Land so bleiben. Aber, und das ist ihr Diktum: „die katholische wie die evangelische Kirche sind dabei, sich selbst abzuschaffen. Auch sie (die Kirchen) machten gern jede Mode mit, die sich fortschrittlich nennt, und hätten nicht bemerkt, dass sich mittlerweile andere Gruppen für die Moral zuständig fühlten.“ Quelle: Tagespost, 25. März 2021, S. 18. Alexander Riebel sagt in gleicher Ausgabe (S. 22): „Wie gut, dass christliche Liebe nicht im Bistum Limburg (Bischof Bätzing) definiert wird, sondern eine biblische Grundlage hat.“ Lucas Wiegelmann deklamiert in der „Welt“ vom 25. Februar 2021: „Eine Kirche, die die spirituellen Bedürfnis ihrer Mitglieder ins Zentrum ihrer Arbeit stellt, muß ein anderes Selbstbewußtsein ausstrahlen, wenn sie überzeugen will. Sonst kann sie sich das Grübeln über die Gründe der Austrittszahlen sparen.“

 

Eine Bremer - sich katholisch nennende Initiative- , ihr Protagonist konnte die kruden Vorstellungen im Regional-TV zum Besten bringen, fordert die Katholiken zum Austritt aus der Kirche auf, solange bis sich die katholische Kirche demokratisiert hätte, solange nicht alle ihre Vorstellungen realisiert worden seien: Frauenpriestertum, Wegfall des Zölibats, Wahl der Bischöfe durch das Volk, etc. Der Herr Protagonist scheint sich noch nie mit der Verfaßtheit der Katholischen Kirche befaßt zu haben. Die Kirche denkt nicht in Monaten, sie denkt in Jahrzehnten und Jahrhunderten. Die Kirche ist auch keine NGO, keine Partei, sie ist von Jesus Christus gestiftet worden und eben Jesu Christi-Offenbarung steht nicht zur Disposition.

 

Georg Weigel, ein bekannter katholischer US-amerikanischer Publizist, beklagt in seinem Aufsatz Der katholische Konflikt vom 11. März in der Tagespost: Deutschland falle vom Glauben ab. Das Glaubenserbe werde verraten. Als Instrument bediene man (Bischöfe wie Laien und Theologen) sich des Synodalen Weges. Es gelte das postmoderne Credo: deine Wahrheit, meine Wahrheit. Alles sei relativ, anything goes.

Selbst das Vaterunser bleibt von den sog. Erneuerern nicht verschont. Die Bitte „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“ wird als politische Aussage gedeutet.

Jetzt sollte eigentlich die Stunde des Papstes schlagen: deutliche Worte statt Verklausulierungen.

 

Zum Schluß dieses Abschnitts einige philosophische Gedanken, inspiriert von Prof. em. Dieter Hattrups Aufsatz in der Tagespost, 18. März 2021, S. 25. Es geht um die Theodizeefrage. Hat Gott uns die Pandemie geschickt?  Die oft zitierte philosophische Formulierung lautet bekanntlich: Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft. Oder er kann es und will es nicht: Dann ist Gott mißgünstig, was ihm fremd ist. Oder er will es nicht und kann es nicht: Dann ist er schwach und mißgünstig zugleich, also nicht Gott. Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

 

Prof. Hattrup thematisiert zunächst die Anklage als umgekehrte Zustimmung. Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Kernfrage Martin Luthers. Diese Frage kippte dann schnell um: Wie bekommt Gott einen gnädigen Menschen? Hervorgerufen durch die Trennungsphilosophie der Neuzeit. Alle Dinge sollen getrennt sein, sowohl Objekte wie Subjekte. Gott wirke nicht in den Personen, keine Person wirke in einer anderen Person. Der Mensch sei völlig von Gott getrennt; es gäbe keinen Anteil an Gottes Leben. Die Lehre der Konkurrenz also Humus für den Atheismus. Der Mensch könne nur noch ein Ziel haben, nämlich die Stelle Gottes einnehmen. Bei Luther heiße es daher vom Menschen, ich zitiere Prof. Hattrup: „Von Natur aus kann er (der Mensch) Gott nicht Gott sein lassen; er muß vielmehr Gott nicht Gott sein lassen, um selbst Gott zu sein.“  Und weiter: Luther sei kein Atheist, er wolle am Abgrund stehen bleiben, aber noch einen Schritt weiter und der Mensch stieße Gott vom Thron.“

 

Interessante, schwierige Gedankengänge. Andererseits wird es keinem bewußt schauenden Menschen entgehen, dass die mehrheitlich moderne Gesellschaft bewußt und/oder unbewußt schon lange Gottes Position eingenommen hat. Zu glauben, dass die Wissenschaft sagen könne, was Wirklichkeit ist, ist schon lange nicht mehr haltbar, wird aber gegenwärtig gerne (Stichworte: Klima und Pandemie) wieder bemüht. Einen moralischen Menschen allein durch Vernunft, durch Erziehung oder seinen Willen zu erschaffen, ist schlechterdings unmöglich. „Die Wirklichkeit behält sich etwas vor, sie ergreift uns von sich aus. Das ist die Erkenntnis Gottes“ – so der Autor des Essays und er bemüht dabei den Philosophen Paul Feyerabend (1924-1994: „Ich war ein rabiater Atheist, aber jetzt im Augenblick – keine Spur“).  

 

Also, hat Gott uns nun die Pandemie geschickt, als Strafe? Ich weiß es nicht. Für Atheisten stellt die Frage sich eh nicht. Nachfolgende Generationen werden sie wohl eher beantworten können. Sie ist auf jeden Fall wert, gestellt zu werden, sollte nicht a priori rigoros abgebügelt werden - eine Reflexion allemal angebracht.

 

10. April 2021. Samstag der Osteroktav.

PILGERN IM GEIST UND IN DER WAHRHEIT

Mir gefällt der Pastoralbrief des Erzbischofs Julian Barrio Barrio vom Heiligen Compostelanischen Jahr 2010. Eine gute Vorbereitung auf das HEILIGE JAHR 2021.2022.

 

Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. - Lk 24,33-35.

 

Seine Exzellenz Monsignore Barrio nähert sich dem Jakobspilger, in dem er ihn bewußt an die Geschichte der Emmausjünger von Lukas 24, 13-35) heranführt: Zweifel und Unsicherheiten auf dem Weg werden abgelöst vom Erkennen des Herrn am Tisch der Eucharistie: Vom Wanderer zu Hause zum Pilger in Santiago.

 

Die einzelnen Kapitel tragen folgende Überschriften:

I. Die Auferstehung, Fundament und Ziel christlicher Pilgerschaft

II. Die geistige Nahrung des Pilgers

III. Die Pilgerschaft, Ereignis der Verkündigung und Antwort auf den Anruf auf dem Weg

IV. Der Pilger und seine Teilhabe am Leben des Auferstandenen

V. Das Zeugnis und die gemeinschaftlich Erfahrung des Glaubens

VI. Pilgerschaft und die Sendung des Christen

VII. Die Jakobuspilgerschaft heute

 

So ist der Weg nach Santiago für den, der im Geist und in der Wahrheit pilgert, ein geeigneter Ort, um mit Gott ins Gespräch zu kommen;
  • er ist ein Zeichen, das ihm hilft, sich von Gott geschaffen durch Christus befreit zu fühlen.
  • Und er ist eine Erfahrung, in der der Pilger lernt, zu geben und zu empfangen.
  • Wenn der Pilger zu den Seinen nach Hause zurückkehrt, in seine Gemeinde und in seine Berufswelt, werden sicher viele sein Verhalten beobachten und in ihm die wirksame Gegenwart der Liebe Gottes wahrnehmen, die er ohne Zweifel auf dem Weg der Pilgerschaft erfahren hat und die am grab des Apostels ihre Vollendung fand ...

13. April 2021. ZEITEN WIEDERHOLEN SICH

- Stoßrichtung Katholische Kirche

Auf keinen Fall ist derzeit in Spanien von einer aktiven Kirchenverfolgung zu sprechen, wie Anno Domini 1926/31 und folgende; vgl. Webseite SPANISCHER BÜRGERKRIEG: Abertausende Katholiken, Priester, Bischöfe, Ordensleute aus Haß auf Kirche und Glauben ermordet; 20.000 Kirchen, Klöster zerstört  – von der sozialistischen Volksfront/Frente popular, von den Roten Brigaden bestehend aus Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten und Freimaurern ; vgl. Etappe 15.

 

Heute geht man subtiler vor, die PSOE, die sozialistische Arbeiterpartei von Premierminister Pedro Sanchez, verlangt gar von Monsignore Juan Antonia Reig Pla, Bischof von Alcala de Henares unweit Madrid, seine Aussagen, seine Predigt am Josefstag, 19. März 2021, zurückzunehmen. Warum?

 

Der Bischof sprach von einem „Gesetzes-Tsunami“, der in den letzten Jahren „das kulturelle und geistige Erbe Spaniens untergraben habe: „Ehe für alle“. Einführung der straffreien Abtreibung. Assistierte Re-Produktionstechniken. LGTBI-Gesetze. „Recht“ auf aktive Sterbehilfe. Rahmenschulgesetz. Weitere Gesetze würden folgen, die den Transhumanismus begünstigten. Der Bischof sieht eine „Struktur der Sünde“ – einen „Krieg der Mächtigen gegen die Schwachen“ – eine Art “Verschwörung gegen das Leben.“ Harte Worte fürwahr.  

 

Der Bischof bezog sich dabei auf die Enzyklika „Evangelium vitae“ von Papst Johannes Paul II. vom 25. März 1995. Die sozialistische Regierung beruft sich hingegen auf die Zustimmung der Mehrheit ihrer Bürger. Ist das ein ernstzunehmendes Argument? Nein. Meinungen der Demoskopie sind völlig unerheblich, wenn es um den Schutz von Leben geht.

 

In einem einst katholischen Land wird es als Mut bezeichnet, dass ein Bischof sein Wort erhebt, das Recht der Christen verteidigt, den Glauben zu bekennen und zu verteidigen. Wo bleibt eigentlich der Aufschrei der Europäischen Bischofskonferenz? Die konservative Plattform „Hazteo-ir.org hat zur Unterstützung des Bischofs aufgerufen. Quelle: Jose Garcia. Die Tagespost. 8. April 2021. S. 6.

Parallelen tun sich auf in Deutschland und Österreich. Ungefähr neunzig Prozent der Bischöfe bleiben fern, wenn Katholiken in Berlin, Wien und/oder München für das Leben demonstrieren. Denselben Bischöfen scheint es offenbar gleichermaßen egal zu sein, dass ihre Glaubensbrüder und -schwestern all over the world verfolgt werden.  

 

Catholic Daily Reflections, 13. April 2021. Es geht im Text um Nikodemus, der Jesus - gemäß Johannes 3, 9-11 - fragt: How can this happen?” Jesus answered and said to him, “You are the teacher of Israel and you do not understand this? Amen, amen, I say to you, we speak of what we know and we testify to what we have seen, but you people do not accept our testimony.”

Im weiteren Verlauf geht es darum, unter welchem starken Druck sich Nikodemus seitens der Pharisäer befunden haben muß, zumal er selbst ein Pharisäer war. Wie konnte er es wagen, des nachts Jesus aufzusuchen?

So also ist die nachfolgende Bitte „Reflect, today“ zu verstehen, die an die Leser von heute gerichtet ist. Der amerikanische Autor spürt offensichtlich auch den Druck, unter dem sich die US-Katholiken befinden.  

“Reflect, today, upon any way in which you, too, need a “holy push” from our Lord. What form of worldly pressure do you experience in life? Do friends, neighbors, family members or co-workers impose upon you in some way a peer pressure that is contrary to the life of true holiness? If so, ponder the ultimate courage of Nicodemus, Saint Paul and Gamaliel. Let their witness inspire you and allow our Lord to challenge you where you need it the most so that you, too, will receive the “holy push” that you need to be a more faithful follower of Jesus.”