CATEDRAL DE SANT´IAGO DE COMPOSTELA Santiago de Compostela

Einstimmung

Der mittelalterliche Verfasser des Liber Sancti Jacobi Codex Calixtinus, Aymeric Picaud, schwärmte im 12. Jahrhundert nicht von ungefähr von der schon damals perfekten Verfasstheit der Kathedrale. Sie sei in der Breite, Höhe und Länge von nicht beschreibbarer Fertigung. Überwältigt vom Anblick der prunkvollen Schönheit des compostelanischen Domes sei dem Pilger alle Mühe der zurückliegenden Pilgerzeit abgefallen. Allein der Besuch der Kathedrale sei an sich schon Grund genug gewesen, die Strapazen des Jakobuswegs auf sich zu nehmen. 

DIE KATHEDRALE DES APOSTELS JAKOBUS

Mit dem Kathedralbau wurde neuesten Erkenntnissen zufolge *) nicht erst Anno Domini 1077 begonnen, sondern bereits 1065/66 über den Resten einer älteren Kirche des 9. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit sind immer wieder An- und Umbauten vorgenommen worden, sodass prinzipiell alle wichtigen Baustile zu finden sind: Romanik, Altgotik, Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus.

 

Die gewaltige Kathedrale ist knapp einhundert Meter lang, die Querschiffbreite beträgt dreiundsechzig Meter, die Höhe des gewölbten Langhausmittelschiffs dreiunddreissig Meter, andere Autoren sprechen von vierundzwanzig.

Wie auch immer: monumental im positiven Sinne bleibt es allemal. 

Fünf Kapellen strahlen vom halbkreisförmigen Chor im Osten aus. Weitere vier Kapellen schließen sich an. *) Zeitschrift STERNENWEG Nr. 56 aus 2015, Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft e.V. Vergleiche auch Menüpunkt CAMINO FRANCES > Das Ziel. 

WESTSEITE. PRAZA DO OBRADOIRO

17. Jh. Die von Meister Mateo im 12. Jh. konstruierte Fassade zum Plaza do Obradoiro wird von Architekt Fernando de Casas ersetzt; die beiden mittelalterlichen Türme werden in die Höhe geschraubt, unterbrochen vom Einbau großer Fenster im Mittelbereich; sie sollen das Innere der Kathedrale heller machen. Über den Fenstern wird der Apostel mit seinen Jüngern Anastasio und Teodoro plaziert, daneben zwei Engel mit dem Kreuz des Santiago-Ordens. Die Urne, die das Grab des Apostels darstellen soll, ist mittig zu sehen, nahebei der Stern des Pelayo, der an dieser Stelle 813 das seltsame Lichterspiel beobachtet hatte.

PORTICO DE LA GLORIA - Das Portal der Herrlichkeit

Staunend steht der Pilger vor dem Haupteingang mit der beeindruckenden, mächtigen Renaissance-Treppe des 17. Jahrhunderts. Von hier steigt er hoch zur Loggia und durchschreitet ehrfürchtig den von Meister Mateo im 12. Jahrhundert geschaffenen Portico de la Gloria, das Portal der Herrlichkeit.

 

Steinerne Bibelfiguren mit Christus als Pantokrator inmitten der vier Evangelisten, der zwölf Apostel, einiger Engel und Seligen; mit den vierundzwanzig Ältesten aus der Offenbarung des Johannes, der Apokaylpse im Torbogen.

Auf dem Sockel ein bärtiger Mann (Samson, Adam oder Gilgamesch), der mit zwei Löwen am Höllenschlund kämpft. Auf der Rückseite die Figur des O Santo d`os Croques.

Über dem Sockel die Wurzel Jesse (also der Stammvater Isais, Vater von David) als Symbol für die Menschwerdung aus der Jungfrau Maria.

Darüber die Heilige Dreifaltigkeit und schlussendlich Jakobus unterhalb des sitzenden Christus.

Links von ihm sind zu sehen die Versuchungen, die Propheten Jeremias, Daniel, Jesaja, Moses mit der Gesetzestafel.

Rechts gegenüber in der Laibung der Apostel Petrus, dann Paulus, Jakobus der Jüngere, Johannes der Evangelist, weitere Apostel wie Bartholomäus und Thomas, Engel mit Posaunen, jeweils neben dem Torbogen Engel, die Bibelgeschichten erzählen, das Jüngste Gericht und wilde Tiere wie Bären, Löwen, Adler. Letztgenannte Tiere könnten aber auch die Evangelisten darstellen: Stier (Bär) für Lukas, Löwe für Markus, Adler für Johannes und der Mensch für Matthäus.

 

Ein einzigartiges Meisterwerk von Meister Mateo. Noch einmal zurück zu unserem  Pilgerapostel Jakobus. Jakobus hält in der rechten Hand eine Schriftrolle und stützt sich mit der linken auf einen Stab in T-Form, der bei der legendären Bekehrung des Zauberers Hermogenes vorkommt, aber auch als Hirtenstab der Erzbischöfe von Compostela gilt. Neben dem Weltenherrscher Christus steht der Apostel im Vordergrund. Der heilige Jakobus empfängt die Pilger nahezu in Augenhöhe.

DER HOCHALTAR

Der Hochaltar von 1672 ist aus Alabaster, Jaspis und Silber. Er umschließt eine sitzende Statue des Apostels Jakobus. Die stark übermalte Plastik könnte im 12. Jahrhundert entstanden sein.

Die 1765 gestiftete kostbare Pelerine aus Silber, mit Diamanten und anderen Edelsteinen besetzt, verdeckt den Korpus fast vollständig.

 

Hinter dem Altar führt eine Treppe hinauf zur Silberbüste des Heiligen, die der gläubige Pilger berührt, umfasst, ein Gebet spricht. Das Innere besticht darüber hinaus durch die romanische Schlichtheit mit vielen Seitenkapellen und Grabstätten mehrerer Heiliger und Bischöfe. Im Querschiff wird an Festtagen der Botafumeiro, das Weihrauchfass, geschwenkt: imposant.  

 

DREIZEHN KAPELLEN

Neben dem bestechend schönen und voluminösen Hochaltar besticht die Kathedrale durch weitere dreizehn Kapellen. Im nachfolgenden im wesenlichen  die Google-Übersetzung der spanischen Plattform caminosantiago.org

 

In der Apsis, die von rechts nach links durch den Chorumgang um den Hochaltar herumgeht, befinden sich sieben 7 Kapellen: Nuestra Señora del Pilar, Mondragón, Azucena, Salvador, Nuestra Señora la Blanca, San Juan und San Bartolomé. Im Querschiff auf der linken Seite sind es sechs Kapellen, namentlich La Concepción, Espiritu Santo, Corticela, San Andrés, San Antonio und Santa Catalina. Im Mittelschiff kommen weitere  vier Kapellen hinzu: die der Kommunion, des Christus von Burgos, der Reliquien und die Kapelle von San Fernando oder der Schatz, sio die deutsche Übersetzung.
 

Die Kapellen wurden zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Stilen errichtet, die charakteristischsten sind die Kapellen von Azucena oder San Pedro, Salvador, San Juan, San Bartolomé und Corticela im romanischen Stil. Die Kapellen von Ntra, Mrs. La Blanca, Concepción oder Prima und Reliquias, auch Mondragón oder Piedad, Espiritu Santo oder Virgen de la Soledad und San Fernando oder del Tesoro, sind gotischen Stils. Die Kapelle San Bartolomé oder Santa Fe, im Renaissancestil durchwebt  von der Romanik. Die Kapelle von Cristo de Burgos im protobarocken Stil. Die Kapellen Ntra. Sra. del Pilar, San Andrés und San Antonio im Barockstil und die Kapellen Comunión und Santa Catalina im neoklassizistischen Stil.

 

In der Apsis rechts finden wir die erste der sieben Kapellen.

DIE KAPELLE VON NTRA. FRAU DER SÄULE
Sie wurde 1696 von Domingo de Andrade in Auftrag gegeben auf Wunsch des Erzbischofs von Santiago Fray Antonio Monroy, General der Dominikaner und wohlhabender Gönner des Barocks in Galizien, für seine Beerdigung mit einer betenden Statue des Fernández Sande, Mexiko.

Die Kapelle ist im galicischen Barockstil, fertiggestellt von Fernando de Casas y Novoa im Jahre 1715, mit einem guten Aussehen, Wänden und Gewölben, die mit Porto-Marmor, Jaspis und Alabaster verziert sind, einem hohen Altarbild aus Marmor mit verschiedenen Bildern und einem Fresko der Jungfrau hoch oben, an der Seitenwand abwechselnd Jakobsmuscheln und Sterne, ausgeführt von Romay.
Weitere Merkmale: Achteckige Steinkuppel, bronzene Türgitter, in der oberen Ecke eine große Muschel mit dem Kreuz von Santiago, Erzbischof Beltrán de Guevara, der 1623 starb, Berater von König Felipe II. und Felipe III., ist ebenfalls dort begraben; ein Projekt von Fernández Lechuga.

 

DIE KAPELLE VON MONDRAGON
Am Eingang sticht das markante gotische Gitter hervor, das im oberen Teil reich ausgearbeitet ist und ein markantes künstlerisches Design des Franzosen Guillen Bourse aufweist.

Der Altar wurde 1521 von Canon Mondragón geschaffen und zeigt ein Altarbild aus Lava-Terrakotta vom Vesuv-Vulkan, das 1521 vom sevillanischen Meister Miguel de Ramón stammt, mit lebensgroßen Figuren der Virgen de las Angustias und die Kreuzabnahme mit gestreckter Christus Position.

 

Die Kapelle, Patronat des Markgrafen von Santa Cruz,

hat ein schönes Rippengewölbe und einen Spitzbalkon.

DIE KAPELLE VON LA AZUCENA ODER SAN PEDRO

Im romanischen Stil deponierte Bischof Gelmirez darin die Reliquien von San Silvestre, die er "pio latrocinio" in Braga (Portugal) mitgenommen hatte; der Altar ist ein churrigueresker Entwurf von Fernando de Casas y Novoa, inklisve dem Bildnis der Jungfrau der Lilie.
Das Grab gehört Doña Mencía de Andrade, dem Werk von Juan Bautista Celma.


DIE HEILIGE TÜR ODER DIE TÜR DER VERGEBUNG
Im Codex Calixtinus wurde sie "San Paio" genannt, eine der sieben kleineren Türen, die sich in der Kathedrale befanden. Es öffnet nur im Heiligen Jahr, damit Pilger die Gnade der Vergebung erlangen können.

DIE ERLÖSERKAPELLE - El Salvador
Zwischen zwei romanischen Statuen von Meister Mateo, die, aus dem Lateinischen übersetzt, eine Kartusche anbringen: „Die Völker werden kommen und dir Ehre ausrufen, Herr“, befindet sich die Kapelle von El Salvador, zentral in der Apsis, begonnen zum Zeitpunkt des Baues der der Kathedrale im Jahr 1075.

Sie behält ihren  romanischen Stil, mit schönen Kapitellen, die auf Latein den Bau des Tempels in der Zeit von Alfonso VI zitieren, als Don Diego Peláez Bischof war.

Hohes Tonnengewölbe, gestützt von einem Bogen, Altaraufsatz aus platereske polychromem Marmor mit neun Heiligenstatuen, 1532 vom Erzbischof von Compostela D. Alonso III. de Fonseca gestiftet, ausgeführt von Juan de Álava.

 

AUFFINDEN DER ÜBERRESTE DES APOSTELS

Vor der auf dem Boden mit einem Stern markierten Kapelle fand Kanoniker López Ferreiro 1874 die verborgenen Überreste des Apostels. Diese Kapelle wurde vom König von Frankreich gestiftet, weshalb sie unter diesem Namen bekannt ist. Das Grab auf der linken Seite ist das des Ratsherrn D. Francisco Treviño aus dem Jahr 1511. Die Kommunion und die Compostela wurden vom Kanoniker „latineiro dos seelos“ an die Pilger überbracht.

Unterhalb des Hauptaltars befindet sich der Schrein mit den Reliquien des Apostels und seiner beiden Jünger Athanasius und Theodosius. 1879 wieder aufgefunden, von Papst Leo XIII. am 01.11.1884 als authentisch erklärt, von der neueren historischen Forschung (natürlich) bezweifelt.

 

Die Krypta mit einer kleinen Kapelle wurde Ende des 19. Jahrhunderts zugänglich gemacht, Jahrzehnte später erweitert. Die kleine Silbertruhe wurde 1886 von compostelanischen Schmieden in einer Mischung aus frühchristlichem und romanischem Stil angefertigt. 

Pilgergottesdienst

Impressionen der Pilgermesse inkl. Schwenken des Botafumeiro, des Weihrauchfasses, normalerweise nur an hohen Gedenktagen. Wir hatten zweimal Glück. 

An jenem Tag war es so überfüllt, dass die Pilger auf dem Fußboden und/oder auf ihren Rucksäcken saßen.

Dass Innere der Kathedrale

Fotos

1. Reihe: Blick auf den Hauptaltar.

              Blick zurück auf den Haupteingang.

2. Reihe: Chorumgang.

              Säulen.

3. Reihe: Marienaltäre. In der Nähe des Hauptaltares.

4. Reihe: Marienaltar. 

              Kreuzabnahme Jesu.

5. Reihe: Grabstätte des Priors Juan Vidals (1582), rechts von dem

              Azabacheria-Tor.

              Grabstätte des Bischofs von Qurense (1468) Alonso Lopez

              de Valladolid. 

6. Reihe: Kommunionskapelle von 1769. Retabel mit Bildnis des Herzen Jesu.

              Gottesdienst in einer der vielen Kapellen.

7. Reihe: Der hl. Jakobus zu Pferd von Jose Gambino, 18. Jh. 

              Corticela Kapelle. 9. Jh. von Alfons II. gegründet. Ab 1527 Pfarrkapelle

              für Ausländer und Basken.

              Oberhalb des Altars die Madonna mit dem Jesuskind.

8. Reihe: Marienaltar und Marienstatue.

9. Reihe: Corticela-Kapelle. Grabstätten.

10.Reihe: Innentor mit dem Christusmonogram.     

IM MUSEUM

RUNDGANG UM DIE KATHEDRALE

Freiwillige HelferInnen der Diözese Rottenburg-Stuttgart bieten seit einigen Jahren in den Sommermonaten unter anderem einen spirituellen Rundgang um die Kathedrale an.

 

Einige Stichworte dazu:

  • Heutiger Haupteingang auf der Westseite mit dem Obradoiro-Platz und der Obradoiro–Fassade;

  • im Süd-Osten der Platerias-Platz mit der Schatzfassade und die Platerias-Fassade mit Turm und Uhr;

  • im Osten der Quintana-Platz mit dem Königlichen Tor; einige Schritte weiter das Heilige Tor (geöffnet nur in Compostelanischen Jahren, wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt);

  • das Abades- oder Corticela-Tor;

  • und schlussendlich im Norden das eigentliche Pilgertor (zumindest während des Mittelalters) mit der Azabacheria-Fassade.

Vor allem die Platerias-Fassade und das Heilige Tor sind geschmückt mit wirklich gut erhaltenen und aussagekräftigen Figuren und Motiven des Alten und Neuen Testaments.

 

Der wirklich Interessierte wird das Angebot der Pilgerseelsorger annehmen.

Hinweis

Weitere Fotos und detaillierte Beschreibung der Prazas vgl. auch Hauptmenüpunkte CAMINO FRANCES > Das Ziel: Santiago de Compostela.

und REISEBERICHT WESTWÄRTS > Letzte Etappe.