Sevilla. Catedral de Santa Maria de la Sede.

VIA DE LA PLATA. SILBERWEG.                      SEVILLA.

Einstimmung

„Laßt uns eine Kirche bauen, so groß, daß jeder, der sie sie sieht, uns für verrückt hält“*) , so die Financiers der Kathedrale von Sevilla ausgangs des 14. Jahrhunderts. In Sevilla, im tiefsten Süden Spaniens, startet der Jakobsweg quer durch Spanien rund 1.000 Kilometer gen Norden Richtung des im äußersten Westen gelegenen Santiago de Compostela. Genauer gesagt die Via de la Plata oder auch Silberweg genannt.  *) Quelle: Arte-TV, 2018.

 

Warum nun dieser imposante Bau?

Aus Dank gegenüber der Jungfrau Maria und der Re-Conquista, die Sevilla unter der Führung König Ferdinands III. im 13. Jahrhundert den moslemischen Mauren wieder entreißen konnte. 500 Jahre zuvor hatten sich die Moslems den ganzen Süden Hispanias und damit auch Sevilla einverleibt - gewaltsam, teils sehr brutal den Christen entzogen. Dazu an anderer Stelle mehr.

 

Santa Maria de la Sede

Die Kathedrale wurde folgerichtig der Muttergottes geweiht - der Santa Maria de la Sede (die sitzende Jungfrau Maria). So verbindet sich die Marienfrömmigkeit der Bevölkerung Sevillas mit der der katholischen Spanier entlang des Wegs von Andalusien, durch die heiße Extremadura, durch das Kernland Spaniens Kastilien-Leon bis hin nach Galicien und seinr Metropole Santiago de Compostela. Überall findet der Peregrino Marienkapellen und -kathedralen, in denen die Gläubigen zu Maria beten (nicht anbeten), Dankgebete aussprechen, um Marias Hilfe bitten, um ihre Fürsprache bitten beim Herrn.

Kathedrale von Sevilla

Catedral de Santa Maria de la Sede. Freigegebenes Wikipediafoto.

Erbaut zwischen 1401 – 1519 auf den Resten der Großen maurischen Moschee. Die größte gotische Kirche Spaniens, drittgrößte der Welt: Länge 115 m. Breite 76 m. Höhe des mittleren Kirchenschiffes (insgesamt sind es fünf) 42 Meter.  Man hatte damals auf Geheiß des Königs ganz bewußt die Moschee nicht abreißen lassen, vielmehr auch und gerade die Grundmauern impliziert.

 

Lediglich im Inneren wurden nennenswerte Kurskorrekturen im Hinblick der künftigen Nutzung als katholisches Gotteshaus vorgenommen, ebenso wurde der Turm auf die Bedürfnisse der katholischen Kirche zugeschnitten (Glocken, etc.).

 

Grabmal Kolumbus. Kapellen.

Innen u.a. das Grabmal des Christoph Kolumbus, getragen von vier Sargträgern, die die Königreiche Kastilien, Leon, Aragon und Navarra verkörpern. Weiterhin von Interesse die Capilla de la Virgen de la Antigua mit dem Virgen-Fresko und die Königskapelle Capilla Real als Grabkapelle für König Ferdinand III., Königin Beatrix und den Söhnen, u.a. das von König Alfons X.

 

Das größte Altarretabel der Welt

In der Capilla Mayor befindet sich das größte Altarretabel der Welt von unermeßlichem Wert, entstanden von mehreren Meistern zwischen 1482 – 1564. 23 m hoch und 20 m breit. Unten mittig das imposante Bild der Virgen de la Sede (Jungfrau vom Sitz).

 

Gotik in der Renaissance

Man beachte, der Umbau der Kathedrale und die Erstellung des gotischen Altarretabels geschah zur Zeit der Renaissance (15./16. Jh.), in der in Italien die Gotik mittlerweile verabscheut wurde, die Künstler sich selbst feierten, ihre Namen unter die Gemälde und Kunstwerke setzten, sich nahezu Gott-gleich sahen, die Bedeutung der Kirche im Schwinden war, man sich um jeden Preis emanzipieren wollte - zu Lasten der Kirche.

Ganz anders die Situation im spanischen Sevilla. Hier arbeiteten die Künstler weiterhin ausschließlich zur Ehre Gottes, sodass vielfach gar nicht bestimmbar ist, welche Baumeister für diese großartigen Werke verantwortlich zeichneten.

Via de la Plata. Silberweg.

Nachstehend einige wenige - nomen est omen - Anhaltspunkte, die in die Planung des Pilgerwegs einfließen dürften. Der Silberweg soll nicht ganz einfach sein, allein schon der Länge wegen. Die Infrastruktur ist noch nicht so ausgebaut wie auf dem Camino Frances. Auch wird vielfach berichtet, wie einsam der Weg sein kann. Davon berichtete uns u.a. eine Mitpilgerin des Jahres 2006, wie nannten sie - lieb gemeint - Bunter Vogel, die auch von speziellen weiblichen Erfahrungen erzählte.

 

Wer sich also für die Via de la Plata entscheidet, wird eine gute Kondition haben müssen, mental gut drauf sein, sich sehr gut vorbereiten, viel Zeit investieren können. Insoweit ist es auch verständlich, daß nur relativ wenige Pilger auf dem Silberweg unterwegs sind. Gemessen an der Gesamtzahl des Jahres 2018 (327.342) waren es 9.126, entsprechend 2,79%.

Buen Camino.

 

38 – 45 Etappen für ca. 1.000 Kilometer

Sevilla – Merida – Aldeanueva – Salamanca - Zamora -  Granja de Moreruela – Ouerense Santiago de Compostela; also nicht über Astorga auf dem Camino Frances.

 

Andalucia / Andalusien

von Sevilla bis El Real de la Jara: ca. 80 km

 

Extremadura

von El Real de la Jara bis Calzada de Bejar: ca. 345 km

 

Castilla y Leon / Kastilien - Leon

von Calzar de Bejar bis Lubian: ca.  325 km

 

Galicia / Galicien

von Lubian bis Santiago de Compostela: ca. 225 km

Weitere 3 Etappen von Santiago nach Finisterre.

 

Kurzbeschreibung der wichtigsten Städte

Sevilla

UNESCO-Welterbe, Opernkulisse, Gärten, größte Kirche Spaniens mit größtem Altarretabel (UNESCO-Welterbe), Christoph Kolumbus, maurisches Erbe; Re-Conquista.

Zafra

Kloster Santa Maria del Valle, Alabastergrabmal des Erbauers, antike römische Siedlung, Amphitheater mit Mosaikfußböden.

Merida

Römermuseum (UNESCO-Welterbe), Theater, Arena, Äquadukt.

Salamanca

Alte Universitätsstadt (UNESCO-Welterbe), zwei Kathedralen, Paläste, Plaza Mayor, originale Römerstraße - Via de la Plata.

Zamora

Altstadt, arabische Festung, Kathedrale.