CAMINO SANABRES 

Vollendung der Via de la Plata

Einstimmung

Schon König Alfonso IX. pilgerte auf ihm – im Frühjahr 1295 n. Chr. Sein Ziel: Natürlich das Grab des Apostels Jakobus. Der Camino Sanabrés dürfte ca. 370  Kilometer lang sein. Er beginnt in Granja de Moreruela, ca. 38 km nördlich der Provinzstadt Zamora, Teil der autonomen Region Kastilien-Leon. Gewissermaßen als Fortführung der Via de la Plata -  beginnend im andalusischen Sevilla, im tiefen Südwesten der iberischen Halbinsel. An anderer Stelle mehr über diese geschichtsträchtige und sehenswerte Stadt. In Merida stößt der Camino Mozárabe, kommend von Almeria oder Malaga an der Mittelmeerküste, über Granada resp. Cordoba, auf die Via de la Plata.

 

 

WARUM BEGINNT DER CAMINO SANABRES

IN GRANJA DE LA MORERUELA, NÖRDLICH ZAMORA?

Ein willkürlich gewählter Ort? Wohl kaum. König Alfons III. (866 – 910) und der Heilige Froilán (833 – 904) ließen im 10. Jahrhundert ein Benediktiner-Kloster erbauen - zu Ehren des Apostels Jakobus. Sie nannten es Santiago de Moreruela . Ein Beleg mehr für intensive Beziehung vieler Ordensleute damaliger Zeit, die sie einem der Lieblingsapostel des Herrn entgegenbrachten. Fortan pilgerten sie auf dem heilenden, dem gesunden Weg, dem Camino Sanabres, nach Compostelle.

Das scheint mir eine gute Begründung zu sein.

 

Anno Domini 1143 haben dann die Zisterzienser hier, so wie es heißt, ihr erstes Kloster auf spanischem Boden gegründet, das Monasterio de Santa de Maria. Sie übernahmen das Benediktinerkloster. Die Zisterzienser waren dem Kloster von Clairvaux, im heutigen Frankreich, zugeordnet. Heute zeugen nur noch Ruinen von der Größe und Bedeutung der Klosteranlagen. In 1931 wurde das Monasterio zum Nationaldenkmal (Bien de Interes Cultural) erklärt.

 

Da jedem Jakobsweg rasch eine eminent wichtige wirtschaftliche Bedeutung gesprochen wurde, nutzten viele Reisende und Kaufleute, nicht nur die Jakobspilger, den Sanabrés als Transportweg gen Norden, die Bauern  als Viehtriebstrecke. Von daher etablierte sich recht bald eine Vielzahl von Ortschaften, Hospitälern, Kirchen und Klöstern; zu nennen sind auch die sogenannten Gehsteige (veredas), die auf galicische Bauern zurückgehen und ihrem Weg während der Erntezeit Richtung Kastilien.

Mittelalerliche Geschichte

Zunächst eine Abklärung der Begriffe Sanabres und Mozaraber.

Camino Sanabrés: Der gesunde, heilende Weg.

Mozaraber: Unter maurisch-moslemischer Herrschaft lebende Christen/Katholiken in der Zeit von 711 bis 1492. Unter der Herrschaft der moslemischen Araber lebenden Christen. Christen, die im Mittelalter unter moslemischer Herrschaft im heutigen Portugal und Spanien lebten, hier sei vor allem al-Andalus gemeint, und sich in der äußeren Form der vorherrschenden  Strukturen der Moslems (zunächst) angepaßt haben sollen. Quelle: Einschlägige Internetseiten.

 

Fakt ist, die Berber/Mauren waren die, die ab 711 n. Chr. mit ihrem Übertritt bei Gibraltar das spanische, christlich dominierte Festland mehr oder weniger grausam überrollt haben. Der Name Gibraltar entlehnt sich dem Namen des moslemischen Heerführers Tariq ibn Ziyas: Tariq = Berg des Tarik. Erst in 1492 konnten die Christen ihre Re-Conquista / Rück-Eroberung erfolgreich abschließen – unter den Katholischen Königen Ferdinand II. und Isabella.

 

Der Mythos von den toleranten moslemischen Mauren hält sich bis heute, ist aber defintiv wissenschaftlich nicht mehr haltbar, nur noch Wunschdenken der heutigen Mainstreammacher, in Spanien wie in Deutschland. Mehr hierüber auf meiner Webseite Reconquista.

Die Strecke

Die Pilger werden auf dem Camino Sanabrés auf keine Pilgermassen treffen - eine gelungene Alternative zum Camino Frances.

Eine Alternative auch für diejenigen, die sich der mittelalterlichen Geschichte des Landes stellen wollen. Infolgedessen findet der interessengeleitete Pilger eine Vielzahl von Klöstern vor, die auch heute noch Ziel kleinerer lokaler Wallfahrten sind, die wiederum zur Re-Animierung des Camino Sanabrés beigetragen haben sollen. Den Sanabres zu gehen war für die mittelalterliche Bevölkerung eine besondere Ehre; nicht nur für die Jakobuspilger mit ihrem Ziel Santiago de Compostela.

 

Auch wenn die Streckenmarkierungen erheblich verbessert worden sind, gelbe Pfeilmarkierungen (Flechas amarillas) wie Jakobsmuscheln (Conchas) als Wegweiser, ist Vorsicht und Obacht geboten, man verläuft sich gerne mal schnell, weil nicht jede Abzweigung ausgeschildert sein soll. Vorsichtshalber sollte man eine entsprechende (GPS-) Navi-App im Mobile gespeichert haben.

 

ÜBERBLICK ENTFERNUNGEN

Via de la Plata

Sevilla bis Merida: rd. 210 Kilomer. Hier mündet der Camino Mozarabe ein. Merida bis Salamanca rd. 290 Kilometer. Salamanca bis Zamora rd. 70 Kilometer. Zamora bis Granja de Moreruela rd. 40 Kilometer.

Camino Sanabres

Granja de Moreuela über Ourense bis Santiago de Compostela rd. 370 Kilometer.

Etappenplan

Etappe 1: Granja de Moreruela - Tábara 25,3 Km

Etappe 2: Tábara - Santa Croya de Tera 22,5 Km

Etappe 3: Santa Croya de Tera - Rionegro del Puente 27,5 Km

Etappe 4: Rionegro Del Puente - Puebla De Sanabria 40,5 Km

Etappe 5: Puebla De Sanabria - Lubián 28,5 Km

Etappe 6: Lubián - A Gudiña 25 Km 

Etappe 7: A Gudiña - Laza 34,5 Km

Etappe 8: Laza - Xunqueira de Ambía 32,7 Km

Etappe 9: Xunqueira de Ambía - Ourense 22,2 Km

Etappe 10:Ourense - Cea 22,1 Km

Etappe 11:Cea - A Laxe 37,3 Km

Etappe 12:A Laxe - Outeiro 33,3 Km

Etappe 13:Outeiro - Santiago 16,3 Km

 

Für engagierte, sportlich trainierte Pilger dürften 28 Kilometer im Tagesschnitt kein Problem bedeuten.

Sehenswürdigkeiten am Camino Sanabres

Das schließt natürlich nicht, relativ nahegelegen Städten wie Salamanca und Zamora einen Besuch abzustatten. Sie sind überbordend von Sehenswürdigkeiten, nicht nur den Camino den Sanatiago und das Mittelalter betreffend. Bitte selbst recherchieren.

 

Granja de Moreruela

Ruinen des Zisterzienser-Klosters Santa Maria de Moreruela. Oben im Text mehr hierüber. An den Säulen des imposanten Kirchenschiffs haben Steinmetze vor Jahrhunderten ihre Monogramme hinterlassen.

 

Tábara

Der kleine Ort begrüßt die Pilger mit einem Haufen aufgeschichteter Steinplatten, einem Altar gleich, dessen eingefügtes Bilnis auf die Nuestra Señora de la Fuente (Unsere liebe Frau vom Brunnen) – hinweist.

 

Die katholische Pfarrkirche Santa Maria de Tabara oder auch Nuestra Senora de la Asuncion genannt (Mariä Himmelfahrt) kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken – in Verbindung mit dem gegen Ende des 9. Jahrhunderts gegründeten Klosters San Salvador, das in seiner Hochzeit mit bis zu 600 Nonnen und Mönchen eines der wichtigsten religiösen Zentren der Region ausmachte.

 

Hier wurde 970 n. Chr. die wertvolle, reich illustrierte Handschrift „Beato de Tabara“ verfaßt, eine Abschrift des nach dem berühmten Mönch Beatus von Liebana benannten Kommentars zur Offenbarung des Johannes. Beatus von Liebana gilt auch als Quelle für die Richtigkeit des Auffindens des Grabes des Apostels in Compostelle.

 

Um 981 wurde das Kloster vom Maurenführer Almanzor zerstört - im Rahmen seines Feldzuges gegen die Christen machte er auch die Stadt des Apostels Santiago de Compostelle platt; nur das Grab blieb verschont. Die erbeuteten ließ er von chrstlichen Sklaven quer durch Hispania schaffen. Der Glockenturm von Tabara ist mozarabischen Ursprungs.

Santa Marta de Tera

Die Jakobsstatue auf dem rückseitigen Portal der Pfarrkirche soll die älteste erhaltene Steinskulptur des Apostels sein. Sie zeigt den Heiligen mit seiner Kleidung, der Tasche mit der Jakobsmuschel, dem Stab in der rechten Hand und der zum Gruß geöffneten Handfläche, weist somit wirkmächtig auf ihre Entstehungszeit, auf das Jahr 1193 hin.

 

Anno Domini 1993, 800 Jahre Geschichte später, ließ man in Spanien anläßlich der Gedenkfeier eigens eine Fünf-Peseten-Münze mit dem Bildnis des Apostels prägen. Eine Huldigung an den Apostel Jakobus von Santa Marta de Tera – fortan Symbol des Camino Sanabrés. Ob die derzeitige sozialistisch geprägte Zentralregierung heute noch gleiches tun würde? Das Fragezeichen ist gesetzt.

 

Beschreibung weiterer Sehenswürdigkeiten

in Kürze