CAMINO PRIMITIVO. Der ursprüngliche Camino. 

Das Schweißtuch Jesu Christi. Glanzstück christlichen Erbes. Mozarabischer Ritus.

"Gehst Du nach Santiago und nicht nach San Salvador, so besuchst Du den Diener und vergisst den Herrn."

Einführung

Die erste Wallfahrt zum Grab des heiligen Jakobus, dem Jünger Jesu, hat der  asturische König Alfonso II. unternommen, auch der Keusche genannt. Von seinem neuen Königssitz Oviedo aus. Nur wenige Jahre nach der Entdeckung des Grabes im Jahre 814. Das jedoch bezweifelt der namhafte Wissenschaftler, Prof. Klaus Herbers, in einem Aufsatz für die Mitgliederzeitschrift der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft "STERNENWEG", Ausgabe Nr. 58, denn: erst in 1077 sei über Alfonsos Besuch berichtet worden, in den sogenannten Concordia de Antealtares.

 

MOZARABISCHER RITUS.

GLANZ DES CHRISTLICHEN ERBES.

Jose Garcia, Korrespondent der "Tagespost" ist nicht so skeptisch, was die Entdeckung des Apostegrabes angeht, er geht differenzierter vor, so sein Bericht vom 21. Oktober: Die Schätze von "San Salvador." - Dazu unten mehr.

 

ANMERKUNG

Zweifel der Wissenschaftler

Komisch ist es schon. Ob über Homer, ob Sokrates, ob über ....: sofern es sich nicht um christliche Daten/Heiligen handelt, die Wissenschaftler akzeptieren mehr oder weniger die benannten Quellen. Bsp. Homer: Herodot (Philosoph 484 - 425 B.C.) ging davon aus, daß Homer 400 Jahre vor ihm gelebt haben muß; die heutige Fassung wurde von einem Aristarchos von Samothrake redigiert: verstorben 144 vor Christus, also ca. 700 nach Jahre Homers Ableben.

 

Im vorliegenden Fall jedoch, und Prof. Herbers ist beileibe nicht der einzige Wissenschaftler, der so denkt und urteilt, genügen rd. zwei Hundert Jahre, um zu deklamieren, daß es die oben geschilderte Entdeckung des Grabes nicht gegeben haben kann, da nicht sofort darüber in den Annalen berichtet worden sei.

 

ZUR ENTDECKUNG

DES GRABES UM 814

Eine Annahme von mehreren. Sie hat für mich einen gewissen Charme, ist doch just in jenem Jahr 814 Kaiser Karl der Große gestorben; ich gehöre nicht zu denjenigen, die Karls Verbindung zum Grab (bitte durchscrollen) in Compostelle a priori ablehnen. Die Mehrzahl der Forscher datiert die Auffindung des Grabes in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts. Wer will das heute schon genau wissen?

Zurück zu Anno Domini 814. Der König wird sich beim Apostel für seine Hilfe bedankt haben, nicht von den Mauren überrannt worden zu sein, wie es den übrigen Landesteilen ergangen war. Wieviele Kerzen wird der König wohl gespendet und angezündet haben, dass es bei diesem für ihn glücklichen Umstand verbleiben möge? Offensichtlich hat ihn sein Herrgott erhört. 

 

So kann man davon ausgehen, dass der CAMINO PRIMITIVO der älteste Abschnitt aller Jakobswege schlechthin ist. Der ursprüngliche Weg: nichts anderes ist mit dem Wort primitivo gemeint. Der König nebst Gefolge dürfte ungefähr 320 Kilometer auf seinem Pferd gesessen sein, wie heute die Fußpilger via Grado, Salas, Tineo, Borres, Pola de Allande, La Mesa, Grandas de Salime, A Fonsagrada, Castro Verde, Lugo, Palas de Rey, Arzua und weiter über den späteren Camino Frances nach Compostell.

*) Freigegebenes Foto, Autor G. Wansorra, 11.02.2011.

 

Vgl. auch den Camino de San Salvador

von Leon nach Oviedo.

OVIEDO - Start des Camino Primitivo

über Grado, Salas, Embalse de Salime, Castroverde, Lugo, Palas de Rey nach Santiago de Compostela

Was macht Oviedo so interessant? Wir könnten es damit bewenden lassen und lediglich deklamieren, dass hier der Camino Primitivo  seinen Ausgang nimmt, heute die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Fürstentum Asturien mit ca. 221.000 Einwohnern ist. Was macht den Ort also so wichtig für den Gläubigen, gestern wie heute? Es ist das Schweißtuch Jesu.

 

JEDE GESCHICHTE HAT SEINE VORGESCHICHTE  Sie beginnt mit der römischen Siedlung Lucius  Asturum und Mönchen des Jahres 761, einige von ihnen waren aus den von den Moslems gewaltsam eroberten Gebieten im Süden gen Norden geflohen. Sie gründeten nahe einer römischen Straße auf einem Hügel, den die Römer Ovetao nannten, ein Kloster wie eine Einsiedelei. Von hier aus war die Stadt Leon gut zu erreichen. König Fruela I., Sohn von Alfons I., überschrieb den Ort seiner Frau Munia, die wiederum den späteren König Alfons II. hier gebar (783-842).  

Alfons II. machte Oviedo zum Bischofssitz und zu seiner Hauptstadt - wir sprechen vom Jahr 812. Zwei Jahre später wurde in Compostelle das Grab des Apostels Jakobus entdeckt. Und so nahm die Pilgerschaft nach Santiago seinen Lauf. Alfons II. gilt als der erste Pilger/Wallfahrer.

 

Damit sorgte der König nicht nur für einen sich gigantisch entwickelnden Camino de Santiago sondern auch und gerade für eine wirtschaftliche Belebung Oviedos und aller am Weg befindlichen Orte - das gesamte Mittelalter über, auch wenn sein Camino Primitivo nach und nach seine Bedeutung zu Gunsten des Camino Frances verlor.

 

Heute ist er nur ein Nebenweg; für manche eine Verlängerung des Camino del Norte (auch Küstenweg genannt), ausgehend von Irun über Bilbao und Santander. Kurz vor Gijon entscheidet sich der Pilger, weiter auf dem ungefähr 830 Kilometer langen Camino del Norte in Reichweite des Golfs von Biskaya zu bleiben, oder ins Landesinnere nach Oviedo zu den Heiligtümern zu gehen. 

 

König Alfons II. ließ seine neue Hauptstadt seines Königtums Asturien ausbauen: mit vielen Palästen, Kirchen, mit einem Aquädukt, von dem heute noch Reste zu sehen sind. Die heute das Ortsbild dominierende spätgotische Kathedrale mit dem großen Rosettenfenster entstammt dem 14./15. Jahrhundert. Im Zuge der Reconquista, der Rückeroberung der von den maurischen Moslems eroberten Gebiete Hispanias, Asturien selbst war nie von den Mauren besetzt worden, verlor Oviedo im Jahr 912 seine Hauptstadtfunktion an Leon.

 

ZURÜCK ZUR KATHEDRALE EL SALVADOR, der Erlöserkirche, wo der Camino seinen Ausgang nimmt. Sie beherbergt eine Heilige Kammer, die Camara Santa, mit einer sehr wertvollen spanischen Reliquiensammlung:

  • Heilige Truhe
  • das Engelskreuz
  • das Siegeskreuz und
  • das Schweißtuch Jesu.

Allein dieser Reliquien wegen akzeptierten die mittelalterlichen Pilger mit Freude den Umweg über Oviedo.

 

HEUTIGE PILGER UND MEDIEN

NICHT INTERESSIERT AM SAKRALEN? Vom Schweißtuch berichtet der mir vorliegende Pilgerführer interessanterweise nicht.  Wie überhaupt festzustellen bleibt, daß die Medien zwar gelegentlich über die Caminos berichten (der Hype Hape Kerkeling scheint abgeflaut), wie beispielsweise die "Welt" am 10. August 2019 über den Camino Primitivo, jedoch über Oviedos Kathedrale wie über die weiteren des Weges befindlichen Kirchen und Kapellen prinzipiell kein Wort verlieren.

Mögen die Autoren der Pilgerführer ihre Lesern nicht mit diesen Mysterien behelligen, empfinden sie sie selbst al zu vernachlässigende Mythen, Märchen?

Fakt ist, überall am Camino sieht der Pilger, ob er will oder nicht, sakrale Bauten stehen. Das muß ihn doch stutzig machen; vielleicht sja pätestens während der Pilgermesse in Santiago! 

 

"WER DAS ELENT BAWEN WEL" Mittelalterliches Lied (13. Jh.) der Jakobuspilger, Strophe 25: "Den Finstern Stern wellen wir lan stan und wellen zu Salvater ein gan, groß wunderzaichen an schawen; so ruofen wir got und sant Jakob an, und unser liebe Frawen." Den finstern Stern lassen wir stehn und gehen nach San Salvador; große Wunderzeichen anzuschauen. So rufen wir Gott und Sankt Jakob an; und Unsere Liebe Frau.

DAS SCHWEIßTUCH JESU - DAS SANTO SUDARIO

Die Echtheit wird bestritten, von Kritikern als Fälschung bezeichnet, na klar doch. Es soll Übereinstimmungen mit dem Turiner Grabtuch aufweisen, weist allerdings nur Blut- und Wasserflecken auf, zeigt kein Abbild. Seit 1113 wird es in der San-Salvador-Kathedrale aufbewahrt.

 

Das Sudarium Domini (das heilige Schweißtuch) wurde unter anderem im Chronicon Regum Legionensium des Bischofs Pelagius (gest. 1153) erwähnt; anderen Quellen zufolge ist das heilige Tuch Jesu bereits seit 812 urkundlich bezeugt. Es soll 614 nach Christus - vor den Persern gerettet - von Palästina nach Alexandria überführt und bereits 616 über Nordafrika nach Spanien verbracht worden sein. Bis 711 wurde es in Toledo verehrt, dann vor dem Ansturm der Mauren in den Norden gebracht, nach Asturien.

 

Das Tuch wird dreimal jährlich gezeigt: Karfreitag, am 14. September, dem Tag der Kreuzerhöhung und 21. September, dem Tag des Apostels Matthäus.

Wer tiefer in die Thematik des Bluttuches einsteigen möchte, dem empfehle ich das vom bekannten Autor und Journalist Michael Hesemann in 2010 editierte Buch mit „Das Bluttuch Christi - Wissenschaftler auf den Spuren der Auferstehung.“

 

Neben diesem UNESCO-Weltkulturerbe sind von Bedeutung die Kirche San Tirso aus der Zeit um 800 nach Christus, präromanisch, die alte Ostfassade ist noch erhalten, und die Balesquida-Kapelle aus dem 13. Jahrhundert am Rande des Plaza de Alfonso II el Casto, dem Platz König Alfons II. dem Keuschen.

 

NACHTRAG 2017

Die Tagespost titelte am 15.04.2017:

  • Spuren des Gekreuzigten in Oviedo und Turin.
  • Spanische Wissenschaftler weisen Übereinstimmungen des Schweißtuchs von Oviedo mit dem Turiner Grabtuch nach. 

Den ganzen Artikel können Sie im Anhanglesen.

 

Der - mittlerweile eingestellten - Monatszeitschrift 30giorni - können Sie darüberhinaus einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema entnehmen.

 

VOLTO SANTO MANOPPELLO

Bitte ergänzend die Webseite RELIQUIENVEREHRUNG GESTERN UND HEUTE anklicken und weiterscrollen bis zum Pkt.: VOLTO SANTO - DAS HEILIGE TUCH JESU "VERA IKONE".

Es geht auf das Vorhandensein dreier Tücher ein: Das Schweißtuch der Veronika. Das Bluttuch von Oviedo. Das Volto Santo von Manoppello.

Fotos

Alle freigegeben, u.a. von Joergsam, eigenes Werk, CC BY-SA3.0 resp. 30giorni.

DIE ETAPPEN

Die Eingangsfrage, was Oviedo so interessant macht, ist mühelos übertragbar auf den Camino Primitivo. Raimund Joos formuliert es recht poetisch und gleichzeitig sehr deutlich, indem er postuliert:

Versteckt in den Bergen Asturiens und Galiciens, verborgen wie ein Geheimnis, das man nur wenigen Freunden preisgibt, führt der Camino Primitivo - der älteste  aller Jakobswege - von Oviedo Richtung Santiago. Er wird nie mit dem Ruhm und den Pilgerzahlen des Camino Francés und den meisten anderen ”Nebenwegen“ konkurrieren können, denn er ist für die Pilger vorbehalten, die bereit sind, die Mühen des wohl härtesten Jakobsweges auf sich zu nehmen."
 

Was erwartet den Pilger?

Auf jeden Fall viel Mühe und körperliche Fitness. Es ist der anspruchsvollste Jakobsweg. Aber es lohnt sich: eine faszinierende Berglandschaft, wie hoch oben in den Pyrenäen am Somportpass Hohlwege und verschlungene Pfade, Bergwiesen, Täler und Almen, und das alles fern der üblichen Alltagsgeräusche. Ein Genuss für denjenigen, der sich nicht dem Mainstream verpflichtet fühlt, vielmehr dem Pilgern auf einsamen Höhen.

 

In Palas de Rei geht`s weiter auf dem allen bekannten Camino Frances. Von dort sind es dann nur noch rund 70 Kilometer, die Orte Furelos, Melide, Arzua und Pedrouzo passierend, bis zum ersehnten Ziel Santiago de Compostela. Bis Palas de Rei wird der Pilger in zehn Etappen ungefähr 230 Kilometer bewältigt haben. Die beiden letzten Etappen verlangen noch einmal Ausdauer: 32 Kilometer bis Lugo, der über 2.000 Jahre alten Römerstadt, und 36 Kilometer bis Palas de Rei.

 

Ich werde mich im nachfolgenden weniger auf die Strecken mit den anspruchsvollen Pässen, den teils extremen Steigungen und den Bergpanoramen der nordspanischen Landschaft beschäftigen. Mein Fokus liegt auf der Geschichte der am Wegesrand liegenden Orte.

 

Welche Orte,

welche Sehenswürdigkeiten, welche Kirchen sollte man sich näher anschauen?

Natürlich zunächst Oviedo, wie oben beschrieben.

 

Es folgt der Weg durch Llampaxuga mit einer mittelalterlichen Kapelle. Grado schließt sich an, zurück verfolgbar bis in die Bronzezeit. Die Stadtgründung wird mit dem Jahr 1256 angegeben, mit sehenswerte Kapellen und Kirchen. Ein Schlenker auf die heutigen Bedürfnisse darf nicht fehlen: In Cornella am Ufer des Narcea gibt`s den berühmten Lachs.

 

Als weitere Station bietet sich Salas an, bereits Anno Domini 896 urkundlich notiert, heute wie gestern mit mehreren Pilgerherbergen ausgestattet. Die Kirche Iglesia de San Martin entstammt dem 10. und das Kloster Monasterio de San Salvador dem 12. Jahrhundert. Auch interessant ist der Palast Valdes Salas. Tineo, der nächste Übernachtungsort, ist - natürlich - sehr alt; 780 erwähnt, seine Ursprünge gehen bis in die Steinzeit.  

 

Pola de Allande sorgt insoweit für eine Überraschung, als dass es trotz der relativ wenigen Einwohner für mehrere Bauten und Kirchen verschiedener Zeiten gut ist. Na klar, König Alfons IX. ließ den Pilgerweg extra an/durch diesen Ort führen.

 

Am Stausee Embalse de Salime endet die Provinz Asturien. Übrigens, der jeweilige Kronprinz Spaniens ist immer auch Prinz von Asturien.

 

In Grandas de Salime gilt es, die Reste einer Burg zu besichtigen. Die erste Besiedlung, wie schon zuvor des Öfteren erwähnt, geht zurück bis zur Bronzezeit.

 

Lugo mit mehr als 100.000 Einwohnern kann durch verschiedene Stadttore betreten werden, hin zu römische Stadtmauern. Dort steht der Gedenkstein eines heiligen Petrus. Er soll König Alfons II. bei dessen erster Wallfahrt begleitet haben. Zuvor sollte man in Castro Verde Halt gemacht haben mit der Kathedrale von Castroverde.

 

Von Lugo geht`s dann nach Palas de Rey. Die weitere Beschreibung bitte meinem Reisebericht WESTWÄRTS NACH GALICIEN entnehmen.

 

 

ÜBERSICHT

ETAPPEN CAMINO PRIMITIVO

ASTURIEN. Oviedo > Llampaxuga - Grado - Cornella - Salas - Tineo - Pola de Allende - Grandas de Salime/Stausee Embalse de Salime

GALICIEN. Castroverde - Lugo: ca. 10 Etappen mit 230 km 

 

CAMINO FRANCES. Palas de Rey - Furelos - Melide - Arzua - Pedrouzo;

ca. 70 Kilometer bis Santiago de Compostela.

NACHTRAG OKTOBER 2021

MOZARABISCHER RITUS *)  In KATHEDRALE VON OVIEDO. GLANZ DES CHRISTLICHEN ERBES.

Von einer Glanzleistung, was die Verteidigung Hispanias im 8. Jahrhundert angeht, kann allerdings keinesfalls gesprochen werden. Tariq Ibna Ziyad hatte 711 nach Christus leichtes Spiel, nach dem die Meerenge von Gibraltar überwunden, das Heer des westgotischen Königs Rodrigo vernichtend zu schlagen. Über 780 Jahre dauerte es, bis endlich in 1492 die Katholischen Könige Ferdinand und Isabella die moslemischen Besatzer Spaniens final besiegen konnten - im Rahmen der Re-Conquista.

 

Die "Albeldense-Chronik" berichtet ausgangs des 9. Jahrhunderts vom ersten Sieg der Christen über die Moslems bei Covadonga in 718. Geburtsstunde des Königreichs Asturien. König Alfons II. (791-842) festigte seine Grenzen, sodass er in den Jahren 795-798 Gesandte an Karl dem Großen schicken und fortan seinen Königssitz - Regia Sedis - nach Oviedo verlegen konnte mit dem Ergebnis, dass Oviedo als Hauptstadt nunmehr einen Bischofssitz erhielt; König Alfons I. (739-757) hatte Oviedo zwar gegründet, nicht aber zur Hauptstadt erkoren.

 

Die Weihe des Altars der neuen Kathedrale wurde von dem namentlich belegten Bischof Fruminio am 13. Oktober 821 vorgenommen. Der Neubau ersetzte die von König Fruela (757-768) erbaute Kirche San Salvador (Erlöserkirche), die 794 von den Moslems zerstört worden war. Von dieser Kathdrale des 9. Jahrhunderts ist nichts übriggeblieben; sie wurde ersetzt durch einen romanischen Bau aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Die heute zu bewundernde gotische Kathedrale entstammt der Epoche Ende des 14. Jhs. bis zum 16. Jahrhundert. 

 

CAMARA SANTA

Glanzstück ist die "Camara Santa", die Heilige Kammer des 9. Jahrhunderts, im 12. Jahrhundert umgestaltet. Konzipiert als Palastkapelle, vgl. Aachener Pfalzkapelle. Sie besteht aus zwei Kapellen, die obere ist dem heiligen Michael geweiht. Sie besticht durch das Tonnengewölbe und den zwölf romanischen Apostelkulpturen.

 

Was aber macht die Kammer so wertvoll? Es ist der Domschatz mit dem Engels- und Siegeskreuz, dem Achatschrein und vor allem dem Reliquienschrein, dem "Acra Santa" - gerettet in Toledo vor den marodierenden Moslems, verbracht nach Oviedo. Auch sind Teile aus den Gewändern Jesu und Mariens, wie Dornen aus der Dornenkrone und Kreuzsplitter darunter.

 

Das Heilige Schweißtuch, das "Santo Sudario" war und ist es, dass so viele Jakobspilger den Umweg über Oviedo unbedingt eingeplanen ließ.

"Gehst Du nach Santiago und nicht nach San Salvador, so besuchst Du den Diener und vergisst den Herrn."

 

Nach der Überlieferung handelt es sich um das Leinentuch, das Jesus nach der Kreuzabnahme über das Gesicht gelegt worden ist - übrigens nicht zu verwechseln mit dem Muschel-Seidentuch von Manoppello. Paul Badde vermutet in ihm das Tuch der Maria Magdalena. Dazu an anderer Stelle mehr. Zeitgenössische Studien verweisen auf Übereinstimmungen des Schweißtuchs von Oviedo mit dem Grabtuch von Turin.

 

Das Schweißtuch wird erstmals in 570 erwähnt, von Antonio di Pacenca; 614 n. Chr. infolge des Perser-Einfalls (Sassaniden-Großkönig Chrosrau II.) nach Alexandrien verbracht, bis es von dort nach Spanien kam.

 

MOZARABISCHER RITUS

am 13. Oktober 2021

Das Tuch wird, für den gläubigen Jakobspilger nicht ganz unwichtig zwecks Planung seines Wege, dreimal jährlich gezeigt: Karfreitag, am Fest der Kreuzerhöhung (14. September) und am Fest des Apostels Matthäus (21. September).

Liturgischer Höhepunkt der 1200-Jahrfeier der Kathedrale war, neben der Feier am 21. September, die Feier der Heiligen Messe nach dem mozarabischen Ritus, dem damals gültigen Ritus von Oviedo.

Gut, dass dieser Ritus nicht in Vergessenheit gerät und nach wie vor in einigen Kirchen des Bistums gefeiert werden darf, den Anordnungen von Papst Franziskus, vgl. dazu sein Motu Proprio Traditionis custodes (Wächter der Tradition) vom 16. Juli  2021 zuwider. Ohne die Tradition geht`s halt nicht, das weiß auch Bischof Jesus Sanz Montes von Oviedo:

  • "Der mozarabische Ritus ist eine Erinnerung an unsere christlichen Brüder und Schwestern, die den ersten Stein der Kathedrale gelegt haben.
  •  Für mich ist es sehr bewegend, uns mit allen den Brüdern und Schwestern zu vereinen, die später kamen, mit der ganzen Geschichte."

Quelle: Jose Garcia. Die Schätze von San Salvador. Die Tagespost vom 21. Oktober 2021. Der Autor beruft sich Miguel Calleja, Geschichtsprofessor an der Universität Oviedo.

 

*) Mozarabischer Ritus. Auch genannt: Westgotische Liturgie, altspanische Liturgie auf der iberischen Halbinsel. Mozarabisch (unter den Arabern lebend) deshalb, weil sich die Christen den neuen arabischen Herren in ihrer äußeren Lebensform anpassten. Gleichermaßen bekannt als Toledianischer Ritus (Toledo) oder Isidorianischer Ritus (Isidor von Sevilla resp. Leon). Die Liturgie ist seit dem 4. und 5. Jahrhundert in Toledo bekannt. Zunächst bei den Arianern (Lehre des Arius, 3./4. Jh., bestreitet Wesensgleichheit der göttlichen  Dreifaltigkeit), dann ab 589 romtreu. Das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert bestätigte den mozarabischen Ritus, gleichermaßen übrigens den Ambrosianischen von Mailand.

 

Vgl. auch Menüpunkt FRÜHMITTELALTERLICHE THEOLOGIE

1   Spuren des Gekreuzigten in Oviedo und Turin 

Spanische Wissenschaftler weisen Übereinstimmungen des Schweißtuchs von Oviedo mit dem Turiner Grabtuch nach

 

VON ANDREA SCHULTZ 

Die Tagespost vom 15.04.2017, Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur

Berlin (DT) Spanischen Wissenschaftlern aus der Katholischen Universität Murcia (UCAM) und dem Spanischen Zentrum für Grabtuchforschung (CES) ist kürzlich mittels eines neuartigen Rasterelektronenmikroskops der Nachweis gelungen, dass das Schweiß- oder Bluttuch von Oviedo und das Grabtuch von Turin dieselbe Person umhüllten. Dass die Maße der Abdrücke auf dem Turiner Grabtuch und dem Schweißtuch von Oviedo übereinstimmen, hatte bereits Michael Hesemann in seinem 2010 erschienenen Buch „Das Bluttuch: Wissenschaftler auf den Spuren der Auferstehung“ unterstrichen. Das „Santo Sudario“ (Schweißtuch) befindet sich seit 1113 in der San-Salvador- Kathedrale im nordspanischen Oviedo. Es trägt kein Bild, sondern Blut- und Wasserflecken, die durchaus von einem Gekreuzigten stammen könnten.

 

Nach älteren Untersuchungen stammt dieses Bluttuch aus der Zeit Christi und wurde im palästinensisch- syrischen Raum hergestellt. Bereits vor einem Jahr hatten CES-Wissenschaftler mittels Rasterelektronenmikroskops auf dem Schweißtuch von Oviedo ein Pollenkorn der Art Helichrysum Sp. (Strohblume) nachgewiesen, die ebenfalls auf dem Turiner Grabtuch gefunden wurde. Außerdem wurde eine spätere Kontaminierung mit diesem Pollen ausgeschlossen, weil das Pollenkorn mit dem Blut verbunden ist. Es muss also auf das Schweißtuch zur gleichen Zeit wie das Blut gelangt sein, und nicht etwa zu einem späteren Zeitpunkt.  

 

Zu den jetzigen Forschungen erläutert Alfonso S´anchez Hermosilla, Abteilungsleiter für Histopathologie am Rechtsmedizinischen Institut Murcia und Leiter des CES-Forschungsteams, dass das Schweißtuch von Oviedo Blutflecken der Gruppe AB enthält. Das ist dieselbe Blutgruppe, zu der die Blutspuren auf dem Turiner Grabtuch gehören. Die Blutflecken auf beiden Tüchern stimmen darüber hinaus zu hundert Prozent überein – dies sei nur zu erklären, wenn beide Tücher dasselbe Gesicht zugedeckt hätten, stellt S´anchez Hermosilla fest. Diese Flecken seien zwar bereits bekannt gewesen, so der Wissenschaftler, aber bislang nicht eingehend untersucht worden.

 

Die Forschungen haben darüber hinaus ergeben, dass der von beiden Tüchern umhüllte Mann eine Wunde im rechten Brustkorb aufweist. Sie wurde von einem spitzen Gegenstand – möglicherweise einer Lanze – verursacht. Zugefügt wurde die Verletzung erst nach dem Tod, und als der Tote sich in einer senkrechten Lage befand. Die durch diese Verletzung verursachten Blutgerinnsel sowie der Austritt von Lungen-Herzbeutel-Flüssigkeit hinterließen Flecken sowohl auf dem Grabtuch von Turin (durch den Kontakt mit der Eintritt- und Austrittöffnung) als auch auf dem Schweißtuch von Oviedo (durch die Austrittöffnung). Der Forschungsbericht führt dazu aus: „In der rechten Lunge bahnte sich die Waffe einen Weg durch die Luftwege des Zwischen-Parenchymgewebes. Als Folge davon fanden die genannten menschlichen Flüssigkeiten einen aufsteigenden Weg.“ Schließlich traten sie durch Mund und Nase des Leichnams aus, und verursachten die auf dem Schweißtuch von Oviedo nachgewiesenen Flecken.

 

Auf dem Grabtuch von Turin bildeten sich solche But- und Flüssigkeitsflecken, als die Waffe herausgezogen wurde, und die menschlichen Flüssigkeiten durch die Ein- beziehungsweise Austrittöffnung austraten. Zu den Blutgerinnseln stellt der UCAM-Forschungsbericht fest: „In den Leichen von Menschen, die einen langen Todeskampf erlitten haben, sind vor allem in der rechten Herzvorkammer große Blutgerinnsel nachweisbar, die den Gerinnseln sehr ähnlich sind, die den Seitenfleck auf dem Turiner Grabtuch verursachten.“

 

Die Art der durch den spitzen Gegenstand verursachten Verletzung bestätigt außerdem, dass der Täter ein erfahrener Schütze war. Denn er brauchte nur einen „Gnadenstoß“ – auf dem Grabtuch sind keine Verletzungen durch wiederholte Versuche nachweisbar. Die Ergebnisse der Forscher der Katholischen Universität Murcia (UCAM) und des Spanischen Zentrums für Grabtuchforschung (CES) stimmen außerdem mit den Aussagen aus dem Evangelium überein: „Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ (Johannes 19,33–34)