Javier. Navarra. Basilika und Burg.

ABSEITS DES CAMINO ARAGONES. Javier. Franz Xaver. Foz de Lumbier. San Salvador de Leyre.

Einstimmung

So wie sich der Pilger - von Puente la Reina de Jaca kommend - spätestens in Artieda entscheidet, ob er den nördlichen Weg geht, oberhalb des Stausees Embalse de Yesa zum Kloster/Monasterio de Leyre und weiter östlich nach Foz Lumbier in die imposante Schlucht, so wird er sich gleichermaßen auf dem südlichen Abschnitt, dem eigentlichen Camino, in Sangüesa Gedanken machen müssen. Ist er geschichtlich und/oder religiös interessiert, wird er den kleinen Umweg nach Javier klaglos auf sich nehmen, zum Sanctuarium des heiligen Franz Xaver, einem der Mitbegründer des Jesuitenordens. 

 

Papst Johannes Paul II. besuchte 1982 - im Rahmen seiner Mammut-Reise nach Spanien - auch Javier, würdigte Franz Xavers Missionserfolge. Hier seine aufrüttelnde Predigt vom 7. November 1982.

Sanctuarium Franz Xaver

Javier. Der heilige Franz Xaver. Etwas zu majestätisch geraten, so gar nicht seines bescheidenen Auftretens gerecht werdend.

 

Spätestens seit der Wahl Papst Franziskus`im Jahr 2013 sind die Jesuiten wieder in aller Munde. Der vormalige Erzbischof Jorge Kardinal Bergoglio war lange Chef der argentinischen Jesuiten, gleichermaßen Professor an der dortigen Jesuitenhochschule.

 

Nur wenige Kilometer vom heutigen Jakobsweg entfernt, nordöstlich von Sangüesa resp. südwestlich des Yesastausees, liegt der Geburtsort des heiligen Francisco de Xavier; neben Ignatius von Loyola einer der Mitbegründer des Jesuitenordens, der Gesellschaft Jesu im 16. Jahrhundert; vgl. ANDERE PILGERWEGE, Camino Ignaciano. 

 

IM MITTELALTER DIREKT AM CAMINO

Im Mittelalter passierten alle Pilger den Geburtsort des Heiligen. Erst der Stausee ließ die alte Wegführung ändern.

Frieden kehrte im Lande ein. Wir sprechen von den Early Middle Ages. Die Jakobspilger aus aller Herren Länder brachten ihre Riten und ihr Wissen mit. Javier prosperierte - in der Landwirtschaft, im Hausbau und auch was die Ausgestaltung der Kunst anging.  Zur Geburt des Heiligen formuliert die englischsprachige Broschüre in etwa wie folgt: "The Castle of Javier is a reliquary of stone and history. On April th, 1506 its walls saw the birth of Saint Francis Xavier, Patron Saint of Navarre and of the missions. Admiring the merloned silhoutee of the fortress means starting a dialogue with the Middle Ages. Walking through its rooms is like feeling the hearbeat of its time."

 

Also: Franz Xaver wurde dort am 7. April 1506 geboren. Der obige Text erklärt, dass die Burg eine Reliquie aus Stein und der damaligen Geschichte sei. Franz Xaver war ein großer Missionar, wurde von seinem "Chef" Ignatius von Loyola nach China geschickt. Franz Xaver ist folgerichtig nicht nur der Patron von Navarra sondern eben auch der Missionare und des spanischen Tourismus. Wie Ignatius wurde er in eine alte, vornehme und begüterte Familie hineingeboren.

Im westlichen Turm der Burg aus dem 8. Jahrhundert; erweitert im 10. und 13. Jahrhundert (entstanden, als die Kämpfe zwischen Christen und Mauren tobten); 1516 von Kardinal Cisneros abgerissen, rekonstruiert im 19. Jahrhundert;  befindet sich die Christuskapelle mit dem lächelnden Christus am Kreuz aus dem 13. Jahrhundert. Am Todestag des Heiligen, er starb am 3. Dezember 1552 auf der Insel Shangchuan nahe der chinesischen Stadt Kanton, soll die Christusfigur aus den Wunden geblutet haben. Christus ist umrahmt von Wandmalereien, die überraschenderweise eindeutig dem Totentanz zuzuschreiben sind; sie waren bis vor kurzem den Spaniern unbekannt. Die Päpste Pius XII. und Johannes Paul II. sind zwei der berühmtesten Besucher der Kapelle.

 

Der Westflügel der Burg ist längst der Wallfahrtskirche gewichen. Vor dem Marienaltar zeigt die Bodentafel die Stelle seiner Geburt an - am 7. April 1506.

Über eine kurze Rampe gelangt der Pilger in die Burg, tritt ein in das Dunkle der ehemaligen Pferdestallungen. Eine Vielzahl von beleuchteten Schaukästen läßt die Besucher teilhaben an den Lebensstationen des Heiligen: Taufe, betend in der Christuskapelle der Burg, Abschied von der Familie, das Zusammentreffen mit dem Ordensgründer Ignatius von Loyola, Besuche in Asien, schlußendlich der Tod.

Prunkstück des sakralen Museums ist das vom Barockmaler Godfried Maes (17. Jh.) geschaffene Bild "Die Predigt des heiligen Franziksus." Weiter geht der Rundgang in den "Großen Saal" und ins Zimmer des Protagonisten. Als weiteres Prunkstück kann die Kapelle des heiligen Christus angesehen werden mit dem Pein und Schmerz gezeichneten Gekreuzigten aus Nußbaumholz. Die Wände des 15. Jhs. stellen den Totentanz dar. Die Skelette sollen die Macht des Todes über den Menschen symbolisieren. Zum Zeitpunkt des Todes von Franz Xaver auf Shangchuan soll das Bildnis Blut geschwitzt haben, so die Überlieferung. 

In der nahegelegenen Pfarrkirche Mariä Verkündigung wird Franz Xaver gezeigt, als er sich vom portugiesische nKönig Johann II. verabschiedet. Neben dem Taufbecken befindet sich an der Wand eine Tafel mit den Worten: "Wenn ein furchtloser Apostel nach Indien und Japan ging - hier war es, wo sein Herz der Nächstenliebe entflammt wurde. Glücklich sei, wer in diesem heiligen Becken getauft wird." 

 

VITA DES JESUITEN

Franz Xaver studiert ab 1525 in Paris an der Sorbonne, lernt Ignatius von Loyola kennen und gründet zusammen mit ihm, Peter Faber und wenigen weiteren den Jesuitenorden. 1539 hilft er Ignatius bei der Ausarbeitung der jesuitischen Ordenssatzung. Als der portugiesische König Johann III. 1539 Papst Paul III. um Missionare für die portugiesischen Besitzungen in Ostindien bittet, folgt er zwei Jahre später dessen Ruf. Zuvor zum apostolischen Nuntius für das ganze Asien ernannt, schifft Franz Xaver sich von Lissabon nach Indien ein, landet 1542 in Goa, wirkt dort einige Jahre, um dann später sowohl in Japan wie in China zu missionieren - letztlich nicht sehr erfolgreich.

 

Seine Briefe wecken gleichwohl bei vielen Gläubigen eine neue Begeistung für die Mission. Franz Xaver gilt als der Vorreiter zeitgemäßer katholischer Mission: für die Inkulturation, für das Kennenlernen und Verstehen des Volkes, für das Respektieren seiner Sprache, der Religionen und Riten. Franz war von der Vision des Propheten Jesaja beseelt, mitzuhelfen, die göttliche Ordnung, die der Mensch durch den Sündenfall verdorben hatte, durch die Verkündigung des Evangeliums wiederherzustellen. Alles weitere kann der interessierte Leser dem Internet entnehmen.

Fotos

Reihe 1: Hinweisschilder zum Areal.

Reihe 2: Papst Johannes Paul II.

Reihen 3+4: Eingangsbereich der Basilika.

Reihe 4+5: Basilika.

Reihe 6: Burg.

Reihe 7: Kapelle mit dem lächelnden Christus (15. Jh.) und den berühmten        Wandmalereien des Totentanzes; bis vor kurzem in Spanien unbekannt.

Reihen 8.9: Impressionen der Ausstellung.

Reihen 10.11: Impressionen Basilika. Burg.

Foz de Lumbier

Zwischen Sangüesa und Monreal, nördlich der Wegstrecke des Camino Aragonés, befindet sich die Schlucht Foz de Lumbier, jenseits vom Rio Aragón und Rio Irati.

 

Diejenigen PilgerInnen sind sehr gut zu verstehen, die gerne den Umweg von einigen Kilometern auf sich nehmen. Mit viel Glück sieht man nämlich Raubvögel, ganze Geierkolonien, aus der Nähe. Die Tiere weisen teils eine Spannbreite bis zu 2,80 m auf. An diesem Tag mochten sie nicht zu uns herunterkommen. Sie flogen hoch oben über gigantische Schluchten. Auch bei über 30° Hitze ein Muss für jeden Interessierten. Die Bilder mögen es ein wenig verdeutlichen.

Fotos:

Alle von der Schlucht.

Auf den Fotos 2 und 7 sind die großen Greifvögel zu sehen. 

San Salvador de Leyre. Eindrucksvolles Kloster Nordspaniens. Ein Juwel. Kräuterlikör.

Monasterio San Salvador de Leyre.

Für uns war leider an jenem Tag ein ausführlicher Besuch nicht zu stemmen, mußten uns entscheiden: Leyre oder Javier.

 

Der Weg zu ihm führt quasi vorbei am "Pyrenäen-Meer", besser bekannt als der Stausee (Embalse) von Yesa. Schon der heilige Eulogius fand im 9. Jahrhundert, wie nicht anders zu erwarten, ein blühendes Klosterleben vor. Es werden  aberzig Mönche gewesen sein, die an diesem heiligen Ort nach der Regel des heiligen Benedikts von Nursia beteten und arbeiteten: Ora et labora. Derzeit leben etwas mehr 20 Benediktiner hier.

 

Mir scheint, die Bedeutung des Klosters dermaßen groß zu sein, dass es sich lohnt, hierauf näher einzugehen. Ich beziehe mich dabei auf einen Text von Andreas Drouve in der TAGESPOST vom 2. Dezember 2021 (Gedichte in Stein) und einigen freigegebenen Wikipediafotos.

 

Schmuckstück ohne Wenn und Aber

ist die romanische Krypta des 11. Jahrhunderts mit wuchtigen Säulen und Kapitellen. Ein Sarkophag mit den sterblichen Überresten der Könige von Navarra unterstreicht die Wichtigkeit des Klosters, die ihm seitens der Herrschenden beigemessen wurde. Gleichermaßen beeindruckend das Bildnis "Unserer Lieben Frau von Leyre" wie der Standort inszeniert, als dass das Licht durch die Alabasterfenster fällt auf das Bildnis fällt; die Säulen im Altarbereich geneigt. Jeden Abend um 19Uhr stimmen die Ordensleute ihre gregorianischen Gesänge an; wie schön wäre es doch, wenn sie sich wieder der über 1.500 Jahre allten Missa Tridentina zuwendeten - von nicht überbietbarer Schönheit, Erhabenheit und tradierter tiefer Gläubigkeit.

 

Ein letzter Blick fällt auf das Hauptportal,

der Klosterkirche, dem Pórtico del Monasterio de Leyre en Yesa en la provincia de Navarra. Beim Nähertreten wird der Pilger der Einladung Christus`folgen, sich bekreuzigen, gar das Vaterunser sprechen. Warum? Im Tympanon (Bogenfeld) sieht er den segnenden Heiland in einem Gewand mit feinsten Faltenwürfen; in Begleitung die figürlichen Darstellungen von Mariä Heimsuchung, einem Ungeheuer, einem Dämon und des Apostels und Evangelisten Johannes - platziert zwischen zwei Löwen, Jonas und dem Wal aus dem Alten Testament, wie trompetenden Engeln. Wahrhaftig ein Gedicht in Stein. 

 

Ach ja, das Profane soll auch nicht verschwiegen werden: die Mönche verkaufen nach einem alten Geheimrezept proudzierten Kräuterlikör. Ein beliebtes Mitbringsel.