Französischer Grenzstein in den Pyrenäen, 1337 m: Saint-Jacques de Compostelle - 765 kms. Kurz darauf folgt der spanisch/baskische Stein mit der Inschrift: Navarra / Nafarroa. Der später zu erklimmende Cisa-Pass, 1430 m hoch, erinnert den Geschichtsinteressierten an Karl den Großen, der einst ein Frankenheer darüber führte. Über den Ibaneta-Pass (1057 m) geht`s hinunter in das 952 m hochliegende Roncesvalles (baskisch: Orreaga; wörtliche Übersetzung: Tal der Dornensträucher). 

FRANZÖSISCHE JAKOBSWEGE                              Vezelay

Einführung

Die nachstehend benannten französischen Jakobswege waren und sind nicht nur wichtige Transferstrecken auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Heute wie gestern. Nicht wenige Pilger bekommen leuchtende Augen, wenn sie von ihrem Saint-Jacques-de-Compostelle erzählen: Echtes Pilgern.

Die französischen Wege

Chemin de Paris: Paris - SaintJeanPieddePort: 1.000 km

Paris, Orleans, Tours, Poitiers, Saintes, Bordeaux, Ostabat, Saint-Jean-Pied-de-Port. Camino de Navarra. Ab Puente la Reina schließt sich der Camino Frances an, der den Pilger nach Santiago de Compostela führt. Gesamte Strecke: ca. 1.800 Kilometer.

 

Via Lemovicensis: Vézelay - St.-Jean-Pied-de-Port: 1.050 km

Vezelay*), Nevers, Limoges, Périgueux, Mont-de-Marsania; Saint-Jean-Pied-de-Port. Camino de Navarra / Camino Frances. Gesamtstrecke: ca. 1.850 Kilometer.

*) vgl. unten

 

Via Podiensis: Le PuyenVelay  St.-Jean-Pied-de-Port: 740 km

Le Puy-en-Velay, Conques, Moissac, Ostabat, Saint-Jean-Pied-de-Port. Camino de Navarra / Camino Frances. Gesamtstrecke: ca. 1.540 Kilometer.

 

Via Tolosana:  Arles - Col du Somport: 750 km

Arles, Saint Guilhem, Toulouse, Oloron, Puerto de Somport.

Von hier geht es nahtlos weiter über den Camino Aragonés bis nach Puente la Reina. Von dort via Camino Frances nach Santiago de Compostela. Gesamtstrecke: ca. 1.630 Kilometer.

 

FRANZÖSISCHE PYRENÄEN

Huntto. Nebenhaus der in den Pyrenäen gelegenen Albergue, 490 m, kurz hinter St.-Jean-Pied-de-Port. 

Herberge mit Halbpension: abendliches Pilgermenü incl. Frühstück petit-dejeuner.

 

Von hier ging es am Folgetag weiter über den Cisa-Pass (1430 m) ins spanische Roncesvalles.

Fotos:

1. Reihe: Wegweiser. Route Napoleon oder über die Landstraße.

              In den Pyrenäen. Blick von der Herberge in Huntto.

2. Reihe: Herberge Huntto.

              Weiter Richtung Cisa-Pass.

3. Reihe: Barfüßiger Pilger. Regen, Sturm, Matsch.

              Französischer Grenzstein. Beschreibung oben.            

DER ÄLTESTE FRANZÖSISCHE JAKOBSWEG

Der Pyrenäenweg: Narbonne - Col du Somport (Somportpass)

Narbonne-plage, Lagrasse, Carcassonne, Pamiers, Saint-Lizier, Lourdes.

LourdesAsson, Arudy, Oloron Saint-Marie, Bedous, Somportpass (126 km).

Weiter: vgl. Via Tolosana. 

Fotos

1. Reihe: Narbonne. Beginn des Pyrenäenwegs.

              Ruine der Kathdedrale Saint Just. 

2. Reihe: Kathedrale Saint Just.

3. Reihe: Auf dem Pyrenäenweg von Lourdes Richtung Somportpass.

4. Reihe: Kirche von Betharram, kurz hinter Lourdes.

              Innenraum der Kirche

5. Reihe: Der geschundene Christus.

              Eine Station des berühmten Kreuzwegs von Betharram.

6. Reihe: Betharram. Kreuzweg (VIA CRVCIS). Hoch oben liegt die Chapelle

              de Resurrection. Ein beschwerlicher, steiler Weg.  

Vézelay in Burgund

Beispiel für die vielen heiligen Orte des Liber Sancti Jacobi

Vézelay. St. Maria Magdalena.  Freies Bild *)

 

Der mittelalterliche Pilger suchte und fand Trost in den Kirchen und den Kapellen am Rand des Jakobswegs. Hier betete er den Herrn an, versicherte sich der Hilfe der Heiligen, zumeist der Gottesmutter Maria und des Apostels Jakobus. In Vezelay aber richtete er sein Auge auf die heilige Maria Magdalena. Sie wird als diejenige Frau in der Bibel angesprochen, die Jesus mit ihren langen Haaren die Füße getrocknet haben soll, von der Sünderin zur Anhängerin Jesu wurde.

 

Nachstehend deshalb stellvertretend für die vielen im Liber Sancti Jacobi genannten heiligen Orte die Beschreibung des kleinen Dorfes Vézelay in Burgund.

Auch heute leben dort nicht sehr viele Menschen, lt. Wikipedia sind es 434 (Stand 01.01.15).

 

Was zeichnet/e Vézelay aus?

Was macht Vézelay so interessant, für uns, für den mittelalterlichen Pilger, für die Katholiken? Hier versammelten sich die mittelalterlichen Pilger für ihren rd. 1.050 Kilometer langen Weg nach Saint-Pied-de-Port in den Pyrenäen, und es ging ja noch weiter - bis nach Santiago de Compostela rund weitere 800 Kilometer. Sie sprachen vor Antritt ihrer langen Reise ins Ungewisse zuvor ihr Gebet in der La Basilique Sainte Marie-Madeleine, gerne gerichtet an die Namensgeberin der Basilika, an die Gottesmutter Maria, an den Herrn. Man spricht von bis zu 10.000 Pilgern täglich. Die Stadt blühte auf, alle Bedürfnisse konnten befriedigt werden. Auch die weniger guten.

 

Reliquien. Kloster.

Seit dem 9. Jahrhundert, so ist es bezeugt, befinden sich die Reliquien Maria Magdalenas in der Klosterkirche. Hoch oben auf dem Berg gelegen, empfing sie von weitem gut sichtbar, und tut es noch heute, die vielen Jakobswegpilger. Seit 1979 ist sie - päpstlicherseits zur Basilika minor erhoben - Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die im Ort ansässige Benediktinerabtei kann ihre Wurzeln bis ins Jahr 858 zurückverfolgen. Graf Gerhard von Vienne gründete dort (zunächst) ein Nonnenkloster zu Ehren Jesu Christi und der Jungfrau Maria, mit den Patronen Petrus und Paulus. Später wurde aus dem Frauen- ein Männerkloster. Die Normannen mit ihren Raubzügen machten es möglich/notwendig: männliche Verteidigung des Klosters mit den kostbaren Kelchen und wertvollen Manuskripten.

Die Verehrung Maria Magdalenas breitete sich im 11. und 12. Jahrhundert aus. Sie wurde damit, neben der Jungfrau und Gottesmutter Maria, zu der am meisten verehrten Heiligen.

 

Bernhard von Clairvaux ruft

in Vézelay zum Zweiten Kreuzzug auf.

Geschehen mit einer eindrucksvollen Predigt im Jahr des Herrn 1146. Vierundvierzig Jahre später in 1190 trafen sich in Vezelay der französische König Philipp II. und der englische Königssohn Richard Löwenherz, um von dort zu einem weiteren, koordinierten, Kreuzzug ins Heilige Land aufzubrechen. Warum von Vezelay? Maria Magdalena soll ja nach Christi Tod der Legende zufolge vor der Verfolgung der christlichen Gemeinde von Jerusalem nach Frankreich geflohen sein. Jetzt, über 1.000 Jahre später, wollte man den wieder einmal vor allem den in Jerusalem von den Moslems verfolgten Christen helfen. Nicht missionieren.

 

Basilika St. Maria Magdalena.

Hier kann auch der heutige Pilger auftanken, meditieren, beten, der Hektik des Lebens entfliehen. Dazu überschreitet er die sogenannte Vorkirche, einem Übergangsort vom Profanen zum Sakralen, durch das große Mittelschiff, ergriffen von der Pracht des Göttlichen, gen Osten, der Sonne  entgegen, hin zum Tabernakel, zum Allerheiligsten, durch. In der Vorkirche übernachteten die Pilger, hier feierten diejenigen Gläubigen die Heilige Messe mit, die zeitweilig vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen waren. Hier versammelten sich diejenigen Gläubigen, die den Wunsch hatten, Teil der Kirche zu werden oder wieder in den Schoß der Kirche zurückzukehren.

 

Wie heute noch die Priester/Zelebranten der MISSA TRIDENTINA zu Beginn der Heiligen Messe die Gläubigen mit dem Weihwasser „Asperges me“ im Rahmen einer Prozession besprengen, so war es auch weiland üblich, vor jedem Gottesdienst mit einer Prozession quasi den Weg der Apostel nach Galiläa nachzugehen, um dort (also im sakralen Kirchenraum) dem Auferstandenen zu begegnen. Leider wird dieser Brauch in den meisten Diözesankirchen nicht mehr gepflegt; Vaticanum II (1962-1965) läßt grüßen.

 

Portale. Krypta.

Das rechte Nebenportal zeigt die Geburt und Anbetung Jesu durch die Könige, das linke die Erscheinungen des Herrn nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Das große Mittelportal beschäftigt sich mit der Ausgießung des Heiligen Geistes an die Apostel, die von den Völkern der Erde umgeben sind, denen das Evangelium zu verkünden ist. Auch dieser Anspruch ist verlorengegangen gegangen – für viele Kleriker wie Gläubige spätesten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Jahre 1962 bis 1965.

Die Krypta der Basilika mit den Reliquien bietet den Gläubigen an, in Stille zu beten, zu meditieren: den Lärm der Welt vergessen. Quelle: Artikel in der "Tagespost" vom 25.10.2018. Barbara Stühlmeyer:Der Brennpunkt am Jakobsweg.

Fotos

Alle freigegeben, teils unter Nennung des jeweiligen Internetbezugs. *)

Auch in der römischen Basilika Papst Clemens` XII., 1730-1740, sind Reliquien der Maria Magdalena ausgestellt, wie beispielsweise der Fußabdruck.