BENEDIKTINER-ABTEI CLUNY am Jakobsweg

Einführung

Ohne die Mönche des französischen Klosters Cluny, nahe des heutigen Taize resp. Le Puy en-Velay, hätte der Camino de Santiago wohl kaum den bekannten rasanten Aufschwung genommen.

Die Geschichtsschreibung spricht von riesigen Pilgerströmen, begünstigt gegen Ende des 11. Jahrhunderts durch die erfolgreichen Bemühungen der Mönche von Cluny um die Reconquista/Wiedereroberung und die Wiederbevölkerung des Landes. Das Kloster Cluny gilt mithin als großer Förderer. In seiner Hochzeit im 11. und 12. Jahrhundert waren mehr als 1.200 Abteien von Cluny abhängig - neben Rom das geistige Zentrum jener Zeit. Der Orden unterhielt an den Caminos mehrere Klöster und Hospitäler wie in Najera, Burgo, Fromista, Carrion de los Condes, Sahagun, Astorga, Villafranca del Bierzo resp. San Juan de la Pena.

Die Mönche von Cluny

Eminent wichtig für den Jakobusverehrung

Von unschätzbarer Bedeutung für den Camino de Santiago. Von unschätzbarer Bedeutung für das Mönchstum und seiner Reformbewegung 1 , für Politik, Kunst und für das religiöse Leben seinerzeit mit Auswirkungen auf heute. Geliebt, respektiert, bewundert, gehaßt, zerstört, verwüstet. Wie in den französischen Religionskriegen (Hugenottenkriege) in den Jahren 1562 bis 1574 oder noch ärger während und nach der französischen Revolution von 1789. In 1790 wurde die Abtei geschlossen, in 1793 die Archive verbrannt, 1798 die Abteikirche an einen Händler verkauft, ab 1801 als Steinbruch für den Bau von Straßen und Häusern verwendet; schließlich in 1806 auf dem Gelände von Napoleon ein staatliches Gestüt etabliert. Erst später besann man sich, stellte 1862 das Klostergebäude und den Rest der Kirche unter Denkmalschutz. Heute soll sich dort eine Eliteschule eingerichtet haben.

 

Zwischenbemerkung. Mir ist völlig schleierhaft, dass es heute noch so viele Menschen gibt, die von der Französischen Revolution schwärmen. Sie ist an menschenverachtendem Tun, Grausamkeit und Schreckensherrschaft (massenhafte Morde durch die Guillotine) nicht zu überbieten. Die katholische Kirche sollte total vernichtet werden – und das unter der Maxime der Protagonisten-Jakobiner Maximilien de Robespierre, Georges Danton und Jean Paul Marat: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Genannten sind letztlich alle hingerichtet worden.    

 

ARCHITEKTUR. KULTUR. EUCHARISTIE. Bis zum Bau des Petersdoms in Rom 1506 war die Abteikirche drei Jahrhunderte lang die größte Kirche der westlichen Christenheit. Spitztonnengewölbe, aussagekräftige Kapitelle, hohe Türme, dreiteiliger Aufriß. „Cluny III“, 1130 als Mayor Ecclesia geweiht, bestach durch seine Harmonie, seine gigantische Größe, jetzt fünfschiffig, einem umgehbaren Chor, einem Kranz von sechs Kapellen. Ein „Wandelgang der Engel“, so wurde gesagt. Ich sehe die mittelalterlichen Besucher und Pilger vor mir voll von Verzückung und Staunen ob des Grandiosen zur Ehre Gottes.

 

Verständlich, dass der in Cluny präferierte Baustil, seine Architektur, exportiert wurde, wie die dort gepflegte Musik und die Malerei - eingebunden in den täglichen Eucharistiefeiern zeitgleich parallel in der Kathedrale wie in den Kapellen. Natürlich in der Sprache der katholischen Welt: Latein. Nicht nur in den Kirchen und Klöstern, nein auch in den weltlichen Universitäten wurde selbstverständlich  lateinisch disputiert.

 

GRÜNDUNG. CLUNIAZENSISCHE REFORM. Cluny wurde 910 von Wilhelm I., Herzog von Aquitanien, und Graf Macon gegründet, urkundlich festgehalten am 11. September. Sie versicherten den Mönchen Exemtion (Sonderstellung) und Immunität, schlossen also jegliche weltliche Einmischung aus, verzichteten auf wirtschaftliche Erträge und überließen dem Papst den Schutz des Klosters. Lediglich der erste Abt Bernon wurde vom Herzog bestimmt; danach entschied der Konvent autark. Wie sein Nachfolger Abt Odo verschrieb sich Abt Bernon der cluniazensischen Reform 1 , der geistlichen Reform entsprechend den Vorstellungen des Ordensgründers Benedikt des 5./6. Jahrhunderts. Der moralische Niedergang der Kirche war geradezu körperlich greifbar. Das Lotterleben sollte ein Ende haben, die Regeln des hl. Benedikt wieder Beachtung finden, wieder täglich die Eucharistie feiern, die Frömmigkeit der Mönche fördern, dem irdisch Vergänglichen entsagen: "Bedenke, dass du sterben mußt."

 

Für die zweite Kirche, die erste scheint zu klein gewesen zu sein, nahmen die Mönche die Bauten von Hirsau im Schwarzwald zum Vorbild und zwar von 954 bis 981. Den Bau der oben erwähnten Cluny III verantworteten die Äbte Hugo und Peter in der Zeit von 1080 bis 1130. Die Klosterkirche wurde auf unsagbare 187 Meter Länge ausgerichtet, sie hatte eine dreischiffige basilikale Vorhalle, ein fünfschiffiges Langhaus, zwei Querschiffe, den oben erwähnten Chor und acht Türme. Eine Mauer umgab die zu seiner Zeit größte Klosteranlage. 1258 endete die Selbstständigkeit der Mönche, nunmehr war sie der Obhut der französischen Könige anheimgestellt. Heute kann die Anlage in Teilen besichtigt werden.

 

Einschub. Wie sieht`s denn heute aus? Hat sich viel verändert? Schon als Kardinal und Erzbischof von München-Freising erinnerte und mahnte Joseph Ratzinger den Klerus, als Papst Benedikt XVI. ganz deutlich in seiner Freiburger Rede 2011, dem Weltlichen nicht zuviel Bedeutung zu schenken, Bescheidenheit zu üben. Hat`s was gebracht? Nein. Viele Klöster “beeindrucken“ durch angeschlossene First-Class- und Wellness-Hotels, durch internationale weltliche Symposien, durch Management. Die Klöster, die nicht vergreisen, vielmehr auf junge Männer und Frauen eine enorme Anziehungskraft ausüben, sind diejenigen, die den traditionellen Katholizismus nicht außeracht lassen, (teils) die Messe aller Zeiten zelebrieren, fromm und bescheiden leben.

 

ARMENFÜRSORGE.

MESSE FÜR FREMDE PILGER. Die Mönche von Cluny beteten viel, gerne die Psalmen, führten das Totengedenken ein, den Allerseelentag, wie er auch heute noch begangen wird. Sie kümmerten sich um die Armenfürsorge. Viele der Armen lebten dauerhaft dort. In der „Messe der fremden Pilger“ wurden den Anwesenden die Füße gewaschen, getrocknet und geküßt; Nahrung, Wein, wie der Handkuß und genügend Geld für den Weg bis zum nächsten Kloster zählten dazu. Also: Nächstenliebe pur. Auch heute sollte sich jeder Jakobspilger gewiß sein können, problemlos im Kloster Unterschlupf zu finden.   

 

EINFLUSS auf den CAMINO DE SANTIAGO. Die Äbte von Cluny übten auf Kaiser, Könige, Fürsten und Päpste großen Einfluß aus. Es entstand der Cluniazensische Verband, der letztlich aus rd. 1.200 Klöstern, Abteien, Prioraten mit 10-20.000 Mönchen bestehen sollte, dirigiert von Cluny. Untermauert von einem dreibändigen Regelwerk, der „Constitutiones Cluniacenses“ des hl. Ulrich von Zell der Jahre 1079 bis 1086. „Wo der Wind eintritt, tritt auch der Abt von Cluny ein“ – so ein Sprichwort, das die Bedeutung und Wichtigkeit der Mönche von Cluny dokumentiert.

 

Heutige Hardliner und Kritiker der spanischen Re-Conquista, des Camino de Santiago mit seinem Matamorus/Maurentöter, werden voll auf ihre Kosten kommen, wenn ich abschließend subsumiere, dass Cluny wegweisenden Einfluß ausübte – zum Wohle der Wallfahrten, zum Wohle der Pilgerschaft, zum Wohle der Re-Conquista von den moslemischen Mauren, zum Wohle der Re-Katholisierung weiter Gebiete Spaniens.

Ohne „Cluny“ wahrscheinlich keine Wiederbesiedelung, keine Klöster und Hospize am Jakobsweg in Najera, Burgo, Fromista, Carrion de los Condes, Sahagun, Astorga, Villafranca del Bierzo resp. San Juan de la Pena.

 

1Reformbewegung. Der Terminus wird heute anders interpretiert im Sinne von Um- und Neugestaltung. Re-Form bedeutet an sich zurück-bilden, Wiederherstelleng der ursprünglichen Form.