Unsere Jakobsmuschel mit dem Santiago-Kreuz. Santiagokreuz von Clavijo.

DER ORDEN DES SANTIAGO

Einstimmung. Das Santiago-Ritterkreuz

Cross of Saint James. Freigegebenes Foto.

 

Das Santiago-Ritterkreuz ist nach wie vor präsent. Am Camino Frances. Nicht wenige Jakobspilger sind irritiert. Über Jakobus als Matamoros / Maurentöter sowieso (vgl. dazu Menüpunkt Mauren. Reconquista. Matamoros), und nun trägt man gar eine Jakobsmuschel am Rucksack, die mit dem Emblem des Santiago-Ordens geschmückt ist, dem in Schwertform stilisierten Ritterkreuz. Was hat es damit auf sich?

 

Die drei oberen Enden des Kreuzes symbolisieren Lilien - als Zeichen der Liebe Jesu Christi. Wir alle sind also Träger der Liebe Gottes. Das Schwert, seinerzeit durchaus von realer Bedeutung, könnte man heute als Symbol der inneren Kraft sehen, für seinen Glauben stehen, ihn bekennen.

 

Der Orden ist zunächst zum Schutz der Pilger - gegen die einfallenden Moslems (Mauren/Sarazenen) - gegründet worden; vgl. Vorseite DIE RITTERORDEN - Abschnitt: Die Ritterorden retten das christliche Europa. Der Santiago-Orden wurde später mehr denn je gegen die islamischen Eroberer an den oft weit entfernten Grenzen von Leon-Kastilien eingesetzt.

 

Nachtrag 2019.

Zeitung entwertet Santiago-Ritterkreuz als Dolchkreuz

Jakobsmuschel mit Emblem in der Kritik

Pilger, die künftig die Jakobsmuschel mit dem Abbild des Santiago-Kreuzes auf ihren Rucksäcken tragen, werden sich wohl auf Diskussionen einstellen müssen.

Warum? Mehr Menüpunkt Wissenwertes und Aktuelles vom Jakobsweg

Vita des Santiago-Ordens

Die Schlacht von Clavijo vor Augen - Jakobus soll der Legende nach auf einem weißen Pferd reitend am 23. Mai 844 das Heer der Christen zum Sieg gegen die Mauren geführt haben -, nannte sich der 1170 im Jahre des Herrn von König Alfons VIII. gestiftete Ritterorden zunächst „Santiago vom Schwert.“

Papst Alexander III. bestätigte fünf Jahre später die Gründung. Das heutige Paradoros ausgangs der Stadt Leon war längere Zeit Versammlungsort der Ritter, also nah dran am Camino de Santiago - vgl. auch Menüpunkt REISEBERICHT Etappe 23.

 

Der älteste Ritterorden Spaniens wurde bereits 1158 unter König Sancho III. von einem Zisterzienser Abt namens Raimundo Serrat ursprünglich gegründet zwecks Verteidigung des Schlosses Calatrava in Neukastlilien gegen die Mauren. Daher sein Name Calatravaorden. Die Mitglieder kleideten sich zunächst wie Mönche, später trugen sie einen weißen Mantel mit einem roten Lilienkreuz.

 

Infolge ihrer Erfolge im Rahmen der Re-Conquista, der Rückeroberung der von den Mauren/Moslems eroberten Gebiete, wurde der Orden unter anderem durch Schenkungen der Fürstenhäuser immer reicher und mächtiger. Das weckte Begehrlichkeiten. Während der Templerorden geradezu in einem Geniestreich liquidiert wurde (an einem einzigen Freitag, dem 13. Oktober 1307, vgl. dazu den Unterpunkt Templerorden), schaffte es der Santiago-Orden immerhin bis ins 16. Jahrhundert zu bestehen.

 

Im einzelnen. Skandale hatten die Reputation des Ordens erschüttert, so jedenfalls sahen es die katholischen Könige. Der Orden hatte für sie seinen Zweck erfüllt, die Pilger beschützt, die Sicherheit auf dem Jakobsweg hergestellt. Anstatt den Orden zu zerschlagen, wie es Anfang des 14. Jahrhunderts der französische König Philipp IV. mit Unterstützung des frankophilen Papstes Klemens V. getan hatten, lösten die spanische Könige das Problem wesentlich eleganter. Auf die Bitte von König Ferdinand II. und Isabella I. hin übertrug Papst Alexander VI. im Jahre 1499, nach dem Tod des letzten Hochmeisters, die Verwaltung des Ordens auf das Königspaar, namentlich auf König Ferdinand; die Strippen im Hintergrund hatte Isabella gezogen. Nach und nach konnte Ferdinand II. den Orden somit in aller Stille auflösen, bis 1523 schlußendlich Papst Hadrian VI. die Hochmeisterwürde, inclusive des Alcantara- und Calatravaordens, auf die spanische Krone vereinigen konnte.

Organisation des Santiago-Ordens

Zur Zeit kann ich das Foto (gemeinfrei) noch nicht richtig deuten. Zu sehen ist ein Ritter mit Schwert, ein Königspaar und andere Personen, vielleicht der Großmeister darunter.

 

Dem Orden stand ein Großmeister vor, ausgestattet mit großer Machtfülle. Ihm zur Seite, das gilt prinzipiell für alle geistlichen Ritterorden, stand das Kapitel, ein Rat der angesehensten Brüder.

 

Ihr Habit bestand aus einem weißen Augustinermantel mit aufgenähtem roten Kreuz und Muschel als Sinnbild der Pilgerschaft nach Santiago de Compostela. Sie lebten nach der Regel des heiligen Augustinus.

Sie verpflichteten sich auf die Gelübde der Armut und des Gehorsams, nicht jedoch auf das der Keuschheit. Als Novum kann es gelten, dass der Orden auch die Ehefrauen der Ritter als Mitglieder akzeptierte.

 

Das Parador von Leon. Ein Pilgerhospital?

Leon. 5 Sterne-Hotel Paradores. Plaza San Marco.

Im 12. Jahrhundert Versammlungsort der Ordensritter.

 

Der heutige Pilger wird

auf seinem Weg nach Compostela, wie oben bereits angedeutet, direkt wie indirekt an den Santiago-Orden erinnert.

 

So auch in Leon. Kurz bevor er die Stadt verlässt, die alte Pilgerbrücke über den Rio Bernesga quert, wandert sein Blick nach rechts zum Pilgerkreuz und zum 5-Sterne-Hotel Parador de Leon. Das Hotel war ursprünglich einmal ein Pilgerhospital gewesen. Das angeschlossene Kloster San Marcos, Baubeginn im 16. Jahrhundert, ergänzt ein Gebäude des 12. Jahrhunderts, das weiland als Versammlungsort des Santiago-Ordens genutzt worden war.