Santiago de Compostela. Aussenfassade der Kathedrale. Puerta Santa. Jakobus mit seinen Getreuen Atanasio und Teodoro auf dem Weg. Weiteres (freigegebene) Foto aus Saragossa: Catedral-basílica de Nuestra Señora del Pilar de Zaragoza: Unsere Liebe Frau von der Säule. Mehr zur ersten Marienerscheinung im Text. 

AUF DEN SPUREN DES HEILIGEN JAKOBUS

DER APOSTEL IN SPANIEN

Logrono. Der Apostel Jakobus im Pilgergewand oben an der Außenfassade der Iglesia de Santiago el Real.

 

Jakobus der Ältere. Jakobus' Evangelisierungsversuche auf spanischem Boden sind offensichtlich nicht sehr erfolgreich gewesen. So will er desillusioniert schon rasch nach Jerusalem zurückkehren, zurück zu den anderen Jüngern und Aposteln.

 

Älteste Marienerscheinung der Geschichte

Der Legende zufolge erscheint ihm am 2. Januar 40 n. Chr. in der Nähe der heutigen Stadt Saragossa die Jungfrau und Gottesmutter Maria und bittet ihn, noch zu warten, weiter zu predigen und an dieser Stelle einen Ort der Verehrung zu errichten. Anderen Quellen zufolge soll die Gottesmutter an jenem Tag, also noch zu ihren Lebzeiten, den Apostel gebeten haben, nach Jerusalem zurückzukehren, um am Apostelkonzil (48 n. Chr.) teilzunehmen.

Bis heute strömen die Menschen zur später erbauten Basilika, um die Säule, auf der die Madonna del Pilar ihren Fuß gesetzt hatte, zu berühren. Der in 2018 unternommene Versuch der sozialistischen Regierung der Autonomen Gemeinschaft Aragon, die Basilika zu verstaatlichen, scheiterte. 

 

Mit dieser ältesten Marienerscheinung der Geschichte wird deutlich, dass von jeher die Verehrung des Apostels Jakobus nicht von der der Gottesmutter Maria, der Madonna, zu trennen ist. Deutlich zu sehen an den vielen Marienkirchen und -kapellen, die den Jakobusweg säumen.

 

Wir wissen von dieser Begebenheit von einem Maximus von Saragossa, Bischof der gleichnamigen Stadt Saragossa von 592-619. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass Jakobus`Jünger Athanasius und Theodorus gleichermaßen als Bischöfe von Saragossa geführt werden, beginnend mit dem Jahr 39 nach Christus. Unten mehr.

 

Erzbischof Isidor von Sevilla

Ein Traktat des Erzbischofs Isidor von Sevilla (um 560 - 636) ergänzt das zuvorgesagte. Die Webseite des Heiligenlexikons gibt einen guten Überblick vom Heiligen: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienI/Isidor_von_Sevilla.htm

Von Isidor selbst existiert eine sehr umfangreiche Enzyklopädie aller Gebiete: von der Grammatik, der Rhetorik, der Mathematik, Musik, Medizin, von Gott, den Engeln und den Heiligen, von der Kirche und den Sekten, von den Menschen, von Tieren, der Welt, der Erde, vom Landbau, Steinen und Metallen, von der Landwirtschaft, vom Krieg, von Schiffen, Gebäuden und Kleidung; Deutsche Nationalbibliothek, copyright by marixverlag, Wiesbaden.

Vgl. aber auch Hauptmenüpunkt REISEBERICHT WESTWÄRTS. Etappe 22.

 

Prof. Michael Mitterbauer bestreitet in seinem 2014 herausgekommenen Buch St. Jakob und der Sternenweg, dass Erzbischof Isidor über das Grab berichtet hätte, ebenso wenig wie Prudentius (348-404), Hydatius von Aquae Flaviae (gest. nach 468), Martin von Braga (515-580) und Julian von Toledo (652-690), hingegen es von Abt Aldhelm vom Malmesbury (gest. 709) Aufzeichnungen seiner Predigten gäbe, wonach der Apostel Jakobus der erste gewesen sei, der die spanischen Völker zum Glauben gebracht hätte.

 

Alkuin. Berater Karls des Großen

Weitere Berichte des 8. Jahrhunderts unterstreichen die Anwesenheit und Predigten des Apostels in Spanien, Jahre vor der Entdeckung der Nekropole in Compostell, dem heutigen Santiago de Compostela. So bezeichnete Alkuin (730-804), Berater und Theologe am Hof Karls des Großen, in einer Hymne den Heiligen als Landespatron Spaniens. Ein asturischer Mönch namens Beatus von Liebena soll ihm berichtet haben.

Vita des Heiligen

Jakobus der Ältere; geboren am See Gennesaret in Galiläa, dem heutigen Jam Kinneret in Israel; Sohn des Zebedäus und seiner Frau Salome, zählt zusammen mit seinem jüngeren Bruder Johannes und Simon Petrus zu den erstberufenen Aposteln und Lieblingsjüngern Jesu Christi:

"Als er (Jesus) weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. (...) Sofort rief er sie. (...) Ich werde euch zu Menschenfischern machen. (...) und folgten Jesus nach." - Markus 1,19a.20.17b.20b.

 

Wegen ihres ungestümen Temperaments nennt Jesus die beiden Brüder Boanerges / Donnersöhne (vgl. Lukas 9,52-54). Jakobus ist dabei, als Jesus im Garten Getsemani sich auf seinen Tod am Kreuz vorbereitet (Markus 14,33). Er war zuvor von Jesus auf den Berg Tabor (Ölberg) mitgenommen worden. Diese Stunde der Verherrlichung, der Verklärung seines Herrn wird ihn sein Leben lang begleitet haben. Das die Vorstellungskraft der Ratio übersteigende Ereignis wird ihm die nötige Kraft gegeben haben, nach Hispania (Spanien) aufzubrechen, den Menschen dort das Evangelium zu verkünden, so wie Petrus später sich in Rom aufhielt, Johannes nach Asien strebte, Thomas in Indien weilte. Bis ins 19. Jahrhundert hielt man an dieser geglaubten Tradition fest, dass also Jacobus major persönlich in Spanien anwesend war. Das hat sich heute geändert. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Die historisch-kritischen Exegeten wissen es genau. Wer weiß es aber definitiv?



An seinem Festtag, dem 25. Juli, liest die römisch-katholische Kirche alljährlich als Erste Lesung aus dem Korintherbrief des heiligen Paulus (2 Kor 4,7-15), den Psalm 126, und aus dem Evangelium nach Matthäus 20,20-28; Text unten. 1

Die orthodoxe Kirche gedenkt seiner am 30. April, die koptische Kirche am 12. April und die äthiopische Kirche am 28. Dezember.

 

Nach seiner Rückkehr aus Spanien erlitt der Apostel um 43/44 nach Christus als zweiter nach Stephanus das Martyrium. Herodes Agrippa I. ließ ihn enthaupten; vgl. dazu die Apostelgeschichte der Bibel: Apg 12,1-2.

 

Obwohl sein enthaupteter Leib nicht begraben werden durfte, konnte sein Leichnam der Legende zufolge gerettet werden. Seine Jünger Theodorus und Athanasius führen ihn mit Hilfe von Engeln zurück übers Meer nach Spanien ins römisch-galizische Iria Flavia, heute Padron. Dort legten sie ihn auf einen großen Stein, der dieser Last nachgab und zu einem Sarkophag wurde - bis er schließlich seinen letzten Weg auf einem Ochsenkarren zum Ort des heutigen Santiago de Compostela nahm. Die andere Variante, wonach der Leichnam des Apostels erst sehr viel später aus Furcht vor den "Mohammedanern" nach Spanien verbracht worden sei, wird unten unter dem Punkt "Kaiser Justinian rettet den Leib des Apostels" erläutert.

Wiederentdeckung des Grabes                               in Compostell

Selbstverständlich kann heute nicht mit Sicherheit das Datum der Auffindung des Grabes bestimmt werden. Das in 2002 bei Reclam von Joachim Heinzle herausgegebene Büchlein "Das Mittelalter in Daten von 750 - 1520" spricht von 813 n. Chr., in dem das (vermeintliche) Grab des Apostels Jacobus des Älteren in Galicien entdeckt worden sei.

 

Die italienischen Schriftsteller Gioia und Nando Lanzi deklamieren in ihrem Bildband  "Der Jakobsweg" aus 2012 by WEG (in der Übersetzung von Elke Müller) auf Seite 36, dass das Grab des Apostels im Todesjahr Karls des Großen 814 n. Chr. aufgefunden worden sei. Nicht unwichtig für diejenigen, wie mich, die auf Kaiser Karl setzen.  Die Mehrzahl der Wissenschaftler und Forscher datiert die Auffindung für die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts.

 

Martyrium des Floro von Lyon

Das älteste Zeugnis , das die Wiederentdeckung des Grabes bezeugt, verorten die Italiener im Martyrologum des Floro von Lyon (gestorben um 860), wo zu lesen ist:

„Die heiligen Gebeine des allerheiligsten Apostels, die nach Spanien gebracht wurden, und zwar in den äußersten Teil jenes Landes, der gegenüber dem britannischen Meer liegt, werden durch einen allgemein verbreiteten Kult verehrt.

Dies wird auch bei Ado (850-860) im Libellus de festivitatibus SS Apostolorum berichtet. In beiden Texten wird der 25. Juli als Fest des Heiligen angegeben. Ein weiteres Zeugnis findet sich im Martyrologium des Usuardus (gestorben 877), entstanden um 875, das die Überarbeitung durch Papst Urban VIII. aus dem Jahre 1631 übernahm.“ Ende des Zitats. 

 

Zunächst wurde der Ort des Grabes „Arcis Marmaricis“ genannt - Marmorbögen. Über „locus Sancti Jacobi“ der Jahre 850-880 und „villa Sancti Jacobi“ von 900 bis 1040 resp. „civitas Sancti Jacobi“ um Anno Domini 1150 herum bis eben zum heute bekannten Ortsnamen Santiago de Compostela. Erste Legenden über das gefundene Grab finden sich bereits in den Königsurkunden des 9. Jahrhunderts. Zum Beispiel in der sog. Concordia von Antealtares, die Anno Domino 1077 zwischen dem Bischof von Iria Flavia und dem Kloster Antealtares geschlossen worden war. Danach sollten die Mönche des Klosters das Grab pflegen und betreuen. Die volle Legendenentfaltung ist dann im 12. Jahrhundert mit dem Erscheinen des Codex Calixtinus resp. des Liber Sancti Jacobi zu beobachten. Dazu anderer Stelle mehr.

 

Die TU-Dresden

(s.u.) geht weiter zurück, nämlich in das 4./5. Jahrhundert. Danach hätten die Kirchenschriftsteller Didymus der Blinde und seine Schüler Hieronymus und Theodoret von Kyros ganz allgemein von der Missionierung der Apostel von Jerusalem aus bis nach Illyrien und nach Spanien berichtet.

Im 5. Jahrhundert sei erstmals in hebräischer Sprache die Jakoubslegende schriftlich festgehalten worden, die die Reisen und Wunder Jakobi beinhaltete. Die Niederschrift wurde dem ersten Bischof von Babylon, Abdias, zugeschrieben. Über das Griechische wurde diese Quelle von Julius Africanus in das Lateinische übersetzt. Dieser Text war mit großer Wahrscheinlichkeit in Spanien bekannt, ohne daß ihm besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Zwischen 600 und 700 verbreiteten sich in Westeuropa lateinische Apostelverzeichnisse, deren Ursprung in griechisch-byzantinischen Katalogen lag. Jedem Apostel wurde ein spezielles Missionsgebiet zugewiesen. Die lateinische Übersetzung übernahm im wesentlichen die griechische Tradition, erlaubte sich allerdings Modifizierungen zum Beispiel hinsichtlich der Zuweisung Spaniens an Jakobus Zebedäus. 

Schließlich wurde im Jahre 821 auf dem Konzil von Oviedo die Gründung einer von Toledo unabhängigen asturischen Kirche mit gotisch-mozarabischer Kirchenordnung beschlossen, die sich auf Jakobus als Gründungsvater berief.

 

 

NACHWEIS

Archäologische Grabungen

Die TU Dresden deklamiert im Rahmen ihrer Abhandlung zur Kunstgeschichte Spanien (Webseite eingesehen am 12.06.2006), daß zwischen 1878 und 1894 erste Grabungskampagnen in der Kathedrale von A. Lopez und J. Labin vorgenommen worden seien, die sich im Kultraum unterhalb des Chores konzentriert hätten. Vorbild der Verifizierung des Grabes seitens der Katholischen Kirche wäre die Wiederentdeckung der Gebeine des hl. Franziskus von Assisi zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewesen. Weitere Kampagnen seien zwischen 1946 bis 1958 durchgeführt worden. Die jüngsten Untersuchungen ließen, so die Autoren der Studie, folgende Befunde zu:

 

  • Auf dem Gelände läßt sich eine Besiedlung bis in das 1. Jahrhundert nach Christi zurückverfolgen.
  • Spätestens zu Beginn des 5. Jahrhunderts wurde die Siedlung aufgegeben und das Areal bis in das 6./7. Jahrhundert als Nekropole benutzt.
  • Nach einer längeren Pause wurden erst im frühen 9. bis in das 12. Jahrhundert hinein an dieser Stelle Bestattungen vorgenommen.
  • Die zweite Nekropole ist in Zusammenhang mit dem Apostelkult zu sehen.
  • Der gesamte Grabkomplex, der heute unterhalb des Hauptaltares zu lokalisieren ist, bestand aus einem rechteckigen Kompartiment, das in der Mitte von einem Korridor geteilt wird, der sich im hinteren Teil zu einer Kammer öffnet. Um dieses Kompartiment verläuft ein Gang.
  • Der Mauerverband wurde von verschiedenen Forschern in das 1. Jahrhundert datiert, somit also in die Zeit der Anlandung des Apostels;
  • von anderen aber unter Verweis auf zeitgenössische Bauten wie Lourosa, Celanova und andere in das 9./10. Jahrhundert, also in die Zeit der Entdeckung der Grabstätte.
  • Im Westkompartiment des Kultraumes wurden drei gemauerte Grabkammern gefunden. Allerdings bleibt unklar, ob es sich hierbei tatsächlich um die Gräber des Apostels und seiner beiden Begleiter handelt.

 

Prof. Klaus Herbers ist skeptischer. Er schreibt in seinem Nachwort: Der Jakobsweg - Ein Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert (Reclam 2008): Es habe - zum Nachweis des Jakobusgrabes – zwei Grabungen in den Jahren 1879 und 1946-1959 gegeben. Es sei ein Mausoleum aus dem 1./2. Jahrhundert nachgewiesen - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Grab des Bischofs Theomir (um 800-843). Es müsse jedoch offenbleiben, ob es sich tatsächlich um das Grab des Apostels handelte. Wahrscheinlicher sei es, daß man die gefundenen Knochenreste einer römischen Begräbnisstätte einfach' mit den Reliquien des Jakobs gleichgesetzt hätte. Prof. Herbers fragt sich nun, warum die Jakobstradition gerade im 9. Jahrhundert ihren Beginn nahm? Warum nicht früher? Warum nicht später?

 

Meine Zwischenbemerkung: Von Sokrates gibt es keinerlei Aufzeichnungen, im wesentlichen nur diejenigen seines Schülers Platon. Keiner zweifelt resp. schreibt Sokrates` bekanntesten Satz (in der Verkürzung) „Ich weiß, daß ich nichts weiß“ einem anderen antiken Gelehrten zu. Man beachte: Sokrates starb 399 B.C., also rund 1200 Jahre vor dem Grabfund des Apostels, und erst eine von Apollodor von Athen, gestorben 119 B.C., verfaßte Chronik berichtet beispielsweise von den Lebensdaten Platons. Mein Eindruck: Alles was mit der christlich-katholischen Geschichte, seinem Glauben zu tun hat, wird gerne von historisch-kritischen Exegeten bezweifelt.

 

Zurück zu Prof. Herbers. Er bringt das Auffinden des Grabes mit den damaligen geschichtlichen Ereignissen zusammen, namentlich mit den moslemischen Eroberungen der spanischen Halbinsel beginnend in 711. Nur Asturien blieb davon bekanntlich verschont. Und da von hier im 9. Jahrhundert die Rückeroberung / Reconquista Spaniens seitens der Christen gestartet worden sei, sei es dem König Asturiens mehr als recht gewesen, dass das Jakobusgrab gefunden werden und er den heiligen Apostel Jakobus für sich und die Rückeroberung / Reconquista vereinnahmen und kriegerisch einsetzen konnte; vgl. u.a. die Geschichte von Clavijo. 

 

Grabinschrift entdeckt

1989 veröffentlichte der Graf von Quiros, Don Isidoro Millan Gonzalez-Pardo, einen Artikel, in dem er eine detaillierte Abhandlung ankündigte, wonach in der Kathedrale von Santiago eine Grabinschrift entdeckt worden sei: "Athanasios martyr" - Der Märtyrer Athanasios. Die Inschrift könne ins 1. Jahrhundert datiert werden.  Athanasios war, zusammen mit Theodoros, ein Schüler des Apostels Jakobus. Die angekündigte detaillierte Abhandlung ist bislang nicht erschienen, Graf von Quiros vielmehr in 2002 verstorben. Gleichwohl stützt sich das Erzbistum Santiago auf seine Forschungen. Die Wissenschaft ist skeptisch.

Die Legenda aurea

… bringt die Gründung von Santiago de Compostela mit der Sage um die Bekehrung der Königin Lupa von Galicien in Verbindung. Hier eine Kurzfassung entsprechend der „Legenda aurea“ (Goldene Legende) des Jacobus de Voragine, zwischen 1263 und 1273 verfasst:

Die Jünger des Apostels bitten die Königin, den Leichnam Jakobus` in ihre Obhut nehmen zu dürfen. Sie misstraut den Männern, spielt zunächst falsch, wird jedoch sodann durch ein von den Jüngern erwirktes Wunder im Zeichen des Kreuzes bekehrt. Sie hatte vor den Wagen mit dem Sarkophag anstatt zahmer Rinder wilde Stiere spannen lassen, die den Leichnam zu Boden hätten werfen und die Jünger töten sollen.

 

Nach der Bekehrung integriert sie in ihrem Palast eine kostbar ausgestattete Grabkirche zu Ehren des heiligen Jakobus. Ihr weiteres Leben ist von nun an den guten Werken gewidmet. Die Szene, die die Jünger des Jakobus mit der Königin Lupa zeigt, ist auf einem Bild im Vatikan, in der Biblioteca Apostolica Vaticana, zu sehen (Ungarisches Legendarium um 1335-40 n. Chr.). Besagtes Detail soll nur 10,5 x 8 cm groß sein.

EIN EREMIT BEGRÜNDET DEN JAKOBSWEG          

Kathedrale Santiago. Grabstelle eines Bischofs.

 

Ein Eremit begründet den Wallfahrtsweg nach Compostela. Für die einen ist es der Einsiedler Pelagius, der, geführt durch seinen Traum, letztlich die Pilgerwanderungen nach Santiago de Compostela initiierte. Andere sehen in Karl dem Großen, Charlesmagne, den Initiator.

 

Pelagius lebte im 9. Jahrhundert auf der iberischen Halbinsel nahe dem Hafen Iria Flavia. Himmlische Zeichen hatten ihn veranlasst, nach dem Apostelgrab des Heiligen Jakobus zu suchen. Genannt wird der Zeitraum 812-814. Der Legende zufolge entdeckte er zusammen mit Bischof Theodomir auf einem Feld drei Sarkophage. Kein Zweifel: Die beiden waren davon überzeugt, die Gräber des Heiligen Jakobus und seiner Gefährten Athanasius und Theodorus gefunden zu haben. Getreu der Überlieferung hatten ja die Gefährten den Leichnam des Heiligen mit Hilfe der Engel von Jerusalem über das Mittelmeer gebracht.

 

Theodomir und Pelagius nennen das Feld Campus stellae. Sternenfeld deshalb, weil sie ein Sternenregen zu dem Feld geleitet haben soll. Anderen Quellen zufolge leitet sich der Name Compostela vom lateinischen compositum (kleiner Friedhof) ab. Diese Variante macht gleichermaßen Sinn. Wie auch immer, König Alfons II. der Keusche ließ sogleich auf dem Sternenfeld/Friedhof eine Kirche bauen. Die Pilgerschaft nahm so ihren Lauf, immens verstärkt durch Jakobus` erfolgreichen Einsatz als „Miles Christi“ (Ritter und Streiter Christi). Die damit verbundene Legende, Stichwort Matamoros,  wird auf der nächsten Seite ausführlich dargestellt. Eine Legende mit Wirkung. Fortan wurde Jakobus als der "Herr Spaniens" bezeichnet.

Vorgeschichte

Der Reihe nach. Alles hat eine Vorgeschichte. Compostela, die levitische, klerikale Stadt, die apostolische Stadt und die Stadt der Pilger. Bedingt durch die Übermacht der Mauren waren einige Kleriker in die nördlichen, nicht von den Mauren besetzten Gebiete ausgewandert. So auch der Mönch Beatus aus Toledo. Er verkündete 776 die alte Theorie von der Apostolizität der spanischen Kirche, weil der Heilige Jakobus hier gepredigt habe. Er versuchte damit, die spanische Kirche quasi zu Lasten der römischen aufzuwerten.

 

Um 782 nach Christus wird Bischof Egila von Karl dem Großen (768-814) und Papst Hadrian (772-795) nach Spanien gesandt, um eine Reform der iberischen Kirche durchzuführen, verbunden mit der Bekämpfung der adoptianistischen Thesen, wonach Jesus von Gott adoptiert worden sei. Spaniens Kirche sollte wieder den römischen Usancen angeglichen werden. Der Adoptianismus, also im Prinzip die Leugnung der Trinität, war offensichtlich dem Entgegenkommen des Bischofs aus Toledo der maurisch-muslimischen Besatzer gegenüber geschuldet. Sidestep: Auch heute gibt es analoge Diskussionen maßgeblicher Kirchenkreise. Mir ist ein bekannter Professor und Jesuit gut in Erinnerung, der 2011 anlässlich seines Vortrags über die katholische Kirche den Anwesenden empfohlen hatte, in Diskussionen mit Andersgläubigen die Trinität erst gar nicht zu thematisieren. 

 

Wie auch immer, Bischof Egila und Mönch Beatus fühlen sich vom Apostel Jakobus als dem Rechtgläubigen unterstützt in den erfolgreichen Bemühungen, gegen die Häretiker vorzugehen, ebenso wie auf weltlicher Ebene Alfons II. von Asturien explizit die Neuorientierung des Landes anhand der Normen des Alten Testaments vorantrieb: Asturien als das gelobte neue Israel, das von der göttlichen Vorsehung als Bewahrer der Verheißungen des heiligen Bundes erwählt wurde.

 

Die asturische Kirche nahm in Folge eine Art Schutzherrschaft des heiligen Jakobus für sich in Anspruch, untermauert in den Konzilien von Regensburg (792) und Frankfurt (794): Die galicische Kirche sah sich von der spanischen Kirche separiert. Jakobus galt fortan als der Missionar und Verkünder des Evangeliums.

Und jetzt wird es interessant. Laut Kirchenvater Hieronymus, 4./5. Jahrhundert, Verfasser der Vulgata, der Übersetzung der Bibel ins Lateinische, ruhen die Apostel dort, wo sie auch gepredigt haben. Iria Flavia war die westlichste Diözese des asturischen Reiches, nie war je ein Muslim dort gewesen. So hatte sich Gott also in seinem Apostel Jakobus offenbart und dessen Gebeine von Pelagius auffinden lassen. "Ist beim Herrn etwas unmöglich?" Nein, das lässt schon das Alte Testament Gott bei den Eichen von Mamre zu Abraham sagen im Buch Genesis Kapitel 18,1. Ein gleichlautender Satz wird auch Jesus Christus zugeschrieben. Lukas 18,27: "Was bei den Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich."

 

Als Almansor, Heerführer des muslimischen Kalifen, 997 nach Christus in den Norden Hispanias kam, Compostela platt machte, einäscherte, ließen seine moslemischen Soldaten das Grab des Apostels unversehrt. Kirchliche Chroniken berichteten, dass die maurischen Besatzer vor dem Grab des Heiligen entsetzt zurückgewichen seien und eine Seuche fast alle von ihnen dahingerafft habe. nmöglich.

ES KÖNNTE AUCH GANZ ANDERS GEWESEN SEIN Karl der Große und das Jakobusgrab

Karlsschrein im Aachener Dom.

Auf den Dachschrägen sind auf acht aufgetriebenen Reliefs Szenen aus dem Leben des Kaisers dargestellt. Oben links erscheint Jakobus dem schlafenden Kaiser und verspricht ihm Galicien; auf dem rechten Teil sieht Karl die Sternenstraße, die ihn auffordert, zum Grab des Apostels zu ziehen. Wie einst die Weisen aus dem Morgenland auf ihrer Reise einem Stern nach Bethlehem zum neugeborenen Immanuel gefolgt waren , so folgte Karl  dem "Sternenweg" und öffnete damit den Pilgerweg. Auf einen anderen Seite ist zu sehen, wie der Kaiser die Hilfe des Apostels bei der Belagerung von Pamplona erbittet. 

 

Von Kaiser Karl dem Großen, zu jener Zeit König der Franken, wird gesagt, er habe im Traum den Auftrag erhalten, die Sarazenen, die muslimische Besatzungsmacht zu vertreiben, das Jakobusgrab wieder allen Christen zugänglich zu machen.

 

Sein Traum wird in etwa wie folgt wiedergegeben: Karl sah in mehreren Nächten am Himmel eine Sternenstraße. Sie führte vom Friesischen Meer über Deutschland und Italien, dem heutigen Frankreich bis nach Galicien. Seine Frage nach der Deutung wurde dann von einer schönen männlichen Lichtgestalt, die sich als Apostel Jakobus, Jünger Christi, vorstellte, wie folgt beantwortet: Er, Karl, solle mit einem großen Heer zum Kampf gegen die ungläubigen Heiden nach Galicien ziehen zwecks Befreiung "meiner Straße", zum Besuch "meiner Kirche" und "meines Grabes". Hernach, also nach ihm, würden die Menschen dorthin wandern/pilgern und um Vergebung ihrer Sünden bitten, vom Lob Gottes berichten und seinen Wundern - bis zum Ende der irdischen Zeit.  

 

MODERNE EXEGETEN

Die modernen Exegeten bezweifeln das, sprechen gar von Unterlagenfälschung - im Zusammenhang mit dem Pseudo Turpin / Liber Sancti Jacobi. Darüber an anderer Stelle mehr. Fakt ist, Karls Berater und Hof-Theologe Alkuin besingt in einem seiner Hymnen, dass der Apostel Jakobus Landespatron Spaniens ist.

 

KARL DER GROSSE

Fakt ist weiterhin, Karl der Große war 778 n. Chr. auf Wunsch einiger Sarazenen nach Spanien aufgebrochen, um Saragossa von rivalisierenden Moslems zu befreien. Vor Ort stellte sich plötzlich die Situation anders dar, man ließ ihn nicht in die Stadt hinein. Er musste umkehren. Aus Rache für seinen heute nicht erklärbaren Angriff auf das christliche Pamplona wurde er bei Roncesvalles von baskischen (christlichen) Rebellen aus dem Hinterhalt überfallen und vernichtend geschlagen. Seine einzige große Niederlage. An anderer Stelle wird die hiermit verbundene Legende um Roland , seinem treuen Mitstreiter, besungen.

 

Einige Jahre später schickte Karl der Große erneut ein Heer nach Spanien und bezwang die Mauren südlich von Barcelona. Diese neue Ära des christlichen Spaniens wurde bekannt als Marca Hispania.

 

Kaiser Justinian rettet den Leib des Apostels

Katharinenkloster. Sinaihalbinsel. Reproduktion eines 1990 aufgenommen Fotos.

 

Andere Quellen, wie weiland die Katholische Kirche, bringen Kaiser Justinian I. (527 - 565)  ins Spiel. Er soll die Reliquien des Apostels, die nach einer anderen Lesart um das Jahr 70 nach Christus auf den Berg Horeb verbracht sein sollen, dem Sinai-Kloster Raithu vermacht haben, das sich daraufhin den Namen Jakobuskloster gab. Heute ist es als das berühmte Katharinenkloster bekannt. Das nebenstehende Foto wurde in 1990 gemacht. Damals konnte man noch ohne Angst die Sinaihalbinsel bereisen.

 

AUS ANGST VOR DEN MOSLEMS NACH SPANIEN VERBRACHT

Im Zuge des Sarazenenangriffs brachten Mönche des 7. Jahrhunderts die Gebeine vom Sinaikloster nach Spanien, nach Saragossa (Madonna del Pilar). Andere Quellen sprechen von der Kirche Santa Maria in Merida in der Estremadura. Dort sollen in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts tatsächlich die Reliquien eines wenn auch nicht näher bezeichneten Jacobus bewahrt worden sein.  Als die Mauren dann ab 711 auch Spanien bis auf einige Königreiche im Norden wie Leon und Asturien überrannten, vergrub man die Gebeine in einer römisch-suebischen Nekropole bei Iria  Flavia nahe dem heutigen Santiago des Compostela.

 

Dies jedenfalls vermutet Prof. Dr. Hermann J. Hüffer und bezieht sich dabei auf P. Gams und dessen spanischer Kirchengeschichte und auf den Benediktinerprior J. Perez de Urbel. Alles nachzulesen im Buch "Die große Wallfahrt des Mittelalters" von Vera und Hellmut Hell, 1. Ausgabe 1964 resp. 3. überarbeitete und ergänzte Ausgabe von 1979.

Jakobus und die erste Marienerscheinung in Saragossa - 40 nach Christus

Basilica del Pilar. Freigegebenes Foto.

 

Jakobus der Ältere und die erste Marienerscheinung der Geschichte

in Saragossa 40 n. Chr. zu Lebzeiten der Gottesmutter Maria.

 

Wie kann das erklärt werden? Durch Bilokation (bilocatio). Es bedeutet das gleichzeitige Gegenwärtigsein einer lebenden Person an zwei verschiedenen Orten. Diese Marienerscheinung ist durchaus nicht als singuläre Erscheinung zu betrachten. Gleiches wird von mehreren Heiligen berichtet wie beispielsweise von Antonio von Padua (portug. Franziskaner 1195-1231) und Franz Xaver (span. Jesuit 1506-1552). Für den Naturwissenschaftler ist Bilokation natürlich Unsinn. Hingegen der Gläubige sich möglicherweise automatisch an die Heilige Kommunion erinnert - an die gleichzeitige Gegenwart Christi in allen konsekrierten Hostien auf der ganzen Welt. Ein Mysterium.

DIE LEGENDE IM JAHRE 40 NACH CHRISTUS. Jakobus, verzweifelt wegen seiner missionarischen Misserfolge, betet am Ufer des Flusses Ebro, am Ort der heutigen Stadt Saragossa. Plötzlich umgibt ihn ein helles Licht. Die darin deutlich zu sehende Jungfrau Maria, umgeben von Engeln, ermuntert ihn, die Evangelisierung fortzusetzen. Viele Menschen würden durch ihn, Jakobus, zum rechten Glauben kommen.

Auf Geheiß der Gottesmutter läßt Jakobus sodann an der Stelle der Erscheinung eine Kapelle bauen – inclusive der von Maria hinterlassenen Säule aus Jaspis (Edelstein). Auf der Säule befindet sich eine Madonnenstatue mit Kind. Und deshalb spricht man heute nach wie vor von der Jungfrau auf der Säule / Virgen del Pilar.  Maria lebte zu jenem Zeitpunkt physisch in Jerusalem, ihre leibliche Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit hatte noch nicht stattgefunden.

ECHTHEIT DES WUNDERS Mehrere Päpste gingen von der Echtheit des Wunders aus. Calixtus III. ermunterte die Gläubigen seiner Zeit im 15. Jahrhundert, nach Saragossa zu pilgern. Der Vatikan (die Heilige Ritenkongregation) bekräftigte 1723 die Authentizität der Erscheinung und nicht zuletzt Papst Clemens XII. erlaubte 1730 den Spaniern die Feier des Festes „Unserer Lieben Frau auf dem Pfeiler / Virgen del Pilar“ - und zwar jeweils am 12. Oktober jeden Jahres in Saragossa, in Spanien wie in allen spanisch sprechenden Völkern Amerikas als Fest der gemeinsamen Abstammung, Kultur und Ideale.

Immer wieder werden Wunder mit eben jener Mariensäule in Verbindung gebracht. Eines der eindrücklichsten ereignete sich während des Spanischen Bürgerkriegs, als kommunistische Republikaner der Volksfront bestehend aus Kommunisten, Stalinisten, Sozialisten und Anarchisten ( http://www.jakobspilger-westwaerts.de/wir-katholisches-historisches/lesenswertes-geschichtliches-neu-bewertet/spanischer-bürgerkrieg-märtyrer-christen-im-nazireich/) 1936 auch und gerade die Marienkirche in Saragossa in Schutt und Asche bombardieren wollten. Keine einzige Bombe explodierte jedoch nachhaltig.

Gleichermaßen wird von einem Bettler aus Calanda (Aragon) berichtet, der im 17. Jahrhundert unaufhörlich an der Mariensäule gebetet hatte, da er als Beinamputierter keine Arbeit fand. Auf wundersame Weise war eines Tages sein Bein wiederhergestellt. Der Heilung folgte eine lange offizielle Untersuchung, festgehalten im Dokumentarwerk Navals inklusive der vollständigen Kopie des Prozesses.

GESCHICHTE SARAGOSSAS

Metropole Aragons am Ebro, südlich ca. 175 Kilometer von Logrono resp. Pamplona gelegen, von Huesca sind es ca. 73 km. Die Iberer nannten den Ort Salduba. Die ersten römischen Soldaten sind für das Jahr 23 vor Christus (BC) nachgewiesen. Kaiser Augustus (Gaius Octavius, 63 BC – 14 AD) ließ dort ein Militärlager errichten, er nannte es fortan Cäsaraugusta.  Die Stadt wurde heimgesucht von zahlreichen Verfolgungen, ob nun von den Römern im Rahmen der „weltweiten“ Christenverfolgungen unter anderem unter Kaiser Diokletian im 3. wie auch im 4. und 5. Jahrhundert. Das Martyrium der hl. Engracia aus Portugal wird auf das Jahr 303 AD datiert.

 

In Folge etablierten sich als Herrscher die Sueben und die Westgoten – bis die Stadt 716 von den moslemischen Mauren eingenommen und vom Kalifen von Cordoba beherrscht wurden. Stellvertretend sei an dieser Stelle der Märtyrertod der hl. Natalie von Cordoba erwähnt. Sie starb zusammen mit ihrem Mann Aurelius durch die Hand moslemischer Sarazenen - vermutlich am 27. Juli 852. Erst in 1118 gelang es dem aragonesischen König Alfons I., die Stadt den Christen zurückzugeben – im Rahmen der Re-Conquista, der Rück-Eroberung. Auch die spätere Belagerung der napoleonischen Franzosen der Jahre 1808-1809 konnte die Bewohner nicht hindern, ihren katholischen Glauben zu leben, obschon ca. 50.000 Einwohner (die Hälfte der Stadt) ihr Leben lassen mussten. Seit dieser Zeit darf sich Zaragossa „siempre heroica“ nennen: stets heldenhaft.

 

LINKSKOALITION WILL KATHEDRALE VERSTAATLICHEN

Im März 2018 beabsichtigte die neugewählte Linkskoalition der Autonomen Gemeinschaft Aragon, bestehend aus Sozialisten, den Linkspopulisten Podemos und der linksnationalen Regionalpartei Chunta Aragonesista, den Katholiken Saragossas und damit Spaniens einen weiteren Nadelstich zu versetzen auf ihrem Weg zur völligen Laizität des Landes, der Entchristlichung.  Wie die oben bezeichnete Volksfrontregierung des Jahres 1935 wollten die Linken jetzt endgültig ihr Vorhaben umsetzen und die berühmte Basilika del Pilar, Konkathedrale des Erzbistums Saragossa, enteignen und verstaatlichen. Gott es gedankt ist der durchsichtige Versuch, vordergründig der Kathedrale ein allgemeingültiges Interesse zuzuschreiben, gescheitert.

 

BASILKA DEL PILAR

Als nachweisbar gilt ein Kirchenbau des 9. Jahrhunderts. Da aber Saragossa, wie oben erwähnt, im 8. Jahrhundert von den (moslemischen) Mauren erobert worden war, muss der Kirchenbau spätestens unter westgotischer Herrschaft zwischen 466 bis 718 errichtet worden sein. Aus Dankbarkeit über die - ebenfalls oben beschriebene - Wiedereroberung in 1118 wurde sogleich über die bestehende Kirche eine neue, prachtvolle, romanische Kirche gesetzt. Die letzte Überarbeitung zum heutigen Bild wurde in der Zeit von 1681 bis 1754 umgesetzt, aufbauend auf den Bau des Jahres 1515 in gotischem Stil. Die Kathedrale zählt nach wie vor zu den bedeutendsten Spaniens. 

 

Zahlreiche Kuppeln (gedeckt mit farbigen Keramikplatten), überragt von der Mittelkuppel, und vier hohe Ecktürme bestimmen das Bild. Die Kathedrale verfügt, wie alle größeren Kirchen, über zahlreiche Seitenkapellen. In der Santa Capilla (Heiligen Kapelle) sind die Szenen der Marienerscheinung dargestellt, reich ausgestattet mit Marmor und Silber. Das Zentrum wird bestimmt von der Alabasterstatue der Virgen del Pilar auf einer mit Silber beschlagenen Marmorsäule. Sie wird jeden Tag in einen anderen prächtigen Mantel gehüllt. Genau an jener Stelle, an der der Apostel Jakobus der Ältere seine Madonnenstatue aufgestellt hatte. Die Sacristia de la Virgen beherbergt Votivgaben zahlreicher Gläubiger inklusive kostbarer Kronen und Kleidungsstücke sowie Büsten von Heiligen.             

Quelle: u.a. kath-zdw.ch

Historisch-kritische Exegese 

Mainstream-Wissenschaft

Die historisch-kritischen Exegeten und die allzu willigen Follower des veröffentlichten Mainstreams werden alle oben beschriebenen Ereignisse Mythen (Märchen) abtun, ebenso die Vision des Einsiedlers beurteilen, gar Geschäftemacherei der Regierenden vermuten. Der frei von Vourteilen Herangehende wird sich von diesen Exegeten nicht allzu sehr beeindrucken lassen. 

 

Der historisch-kritische Exeget lehnt das metaphysische Weltbild, den Supernaturalismus ab, lehnt also das Übersinnliche, das Glaubende ab: weil die Natur übersteigend, weil rational nicht begreifbar, weil außergesetzmäßig. Viele katholische Theologen schlossen sich diesem Trend der zumeist evangelisch orientierten Exegeten der vergangenen Jahrhunderte an. Auch heute denken noch viele so. Aber längst nicht mehr alle.

 

THEOLOGIEPROFESSORIN ETA LINNEMANN

Dazu passt sehr gut die Äußerung der Theologieprofessorin Eta Linnemann bereits aus dem Jahre 1994, prominente Schülerin des noch prominenteren evangelischen Theologen Rudolf Bultmann:

"Es wird eine Zeit kommen, in der man  die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden (2 Tim 4,3)."

Eta Linnemann widerrief alles, was sie auf der Basis dieser (modernen) Theologie publiziert hatte, festgehalten in ihrem Buch, mir vorliegend in der 2. Auflage 1999 bei CLV Bielefeld, mit dem Titel " Original oder Fälschung - Historisch-kritische Theologie im Licht der Bibel."

 

KANONISCHE EXEGESE

Die Theologie der Kirchenväter (maßgeblicher Protagonist Papst Benedikt XVI.) erfährt regen Zulauf. Die kanonische Exegese hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bibeltexte im Gesamtzusammenhang zu verstehen und zu deuten, also nicht in einzelne Bücher und Bibelstellen zu unterteilen: den göttlich inspirierten Verfassern der Heiligen Schrift wieder vertrauen, wieder Jesus Christus als den trinitarischen Gottessohn verstehen, nicht als bloße Metapher.  Dem Herrgott sei`s gedankt.

 

ÜBRIGENS

Die historisch-kritische Exegese vermittelt sehr gerne den Eindruck, dass erst sie mit Beginn des 18./19. Jahrhunderts die Bibel wissenschaftlich aufgearbeitet hätte. Dem möchte ich die Ausführungen von Prof. Bruno Reudenbach entgegenhalten, publiziert in seinem 1998 auf dem Markt gekommenen Buch „DAS GODESCALC-EVANGELISTAR - Ein Buch für die Reformpolitik Karls des Großen.“

 

Er verweist auf Bischof Eusebius von Caesarea (um 260-339), Historiker, Hoftheologe und Ratgeber Kaiser Konstantins des Großen. Danach ist Eusebius Erfinder der Kanontafeln: Um die in den vier Evangelien jeweils übereinstimmenden Textstellen leichter auffindbar und vergleichbar zu machen, gab er allen vier Evangelien abschnittweise fortlaufende Ordnungsnummern. Diese stellte er dann in Tabellen, canones, zusammen, aus denen entsprechend ablesbar ist, ob ein Abschnitt nur bei einem Evangelisten vorkommt oder ob und wann an welcher Stelle es Parallelen in den anderen Evangelien gibt. Die damaligen Exegeten/Kirchenväter und - lehrer sahen allerdings keinen Grund, an den Aussagen der Evangelisten und Aposteln zu zweifeln. Sie vertrauten ihnen im Glauben an Jesus Christus, wie Papst Benedikt XVI., der vor absoluter Wissenschaftsgläubigkeit warnt.

 

1 Lesungen am 25. Juli zu Ehren des Apostels Jakobus

Brief des Apostels Paulus an die Korinther

2 Kor 4,7-15

 

Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.

Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht;

wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.

Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.

So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.

Doch haben wir den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben und darum reden wir.

Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch (vor sein Angesicht) stellen wird.

Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre

 

 

Evangelium nach Matthäus

Mt 20,20-28

 

Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte.

Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen.

Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es.

Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die mein Vater diese Plätze bestimmt hat.

Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder.

Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

 

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Kommentar Papst Benedikt XVI.

zum Evangelium des Matthäus 20,20-28: „Ihr werdet meinen Kelch trinken“

 

Jakobus, der Sohn des Zebedeus, auch Jakobus der Ältere genannt, gehört zusammen mit Petrus und Johannes zur Gruppe jener drei bevorzugten Jünger, die Jesus an bedeutenden Augenblicken seines Lebens teilnehmen ließ. Er durfte, zusammen mit Petrus und Johannes, an der Agonie Jesu im Garten Getsemani und am Ereignis der Verklärung Jesu teilhaben.

Es handelt sich also um Situationen, die sehr verschieden voneinander sind: In einem Fall erlebt Jakobus zusammen mit den beiden anderen Aposteln die Herrlichkeit des Herrn, er sieht ihn mit Mose und Elija sprechen, er sieht in Jesu den Glanz der göttlichen Herrlichkeit aufleuchten;

im anderen Fall steht er vor dem Leiden und der Erniedrigung, er sieht mit eigenen Augen, wie sich der Sohn Gottes erniedrigt und gehorsam ist bis zum Tod.

Die zweite Erfahrung war für ihn sicherlich eine Gelegenheit, um im Glauben zu reifen und die einseitige, triumphalistische Interpretation der ersten Erfahrung zu korrigieren: Er musste erkennen, dass der vom Volk Israel als Triumphator erwartete Messias in Wirklichkeit nicht nur von Ehre und Herrlichkeit umgeben war, sondern auch von Leid und Schwäche.

Die Herrlichkeit Christi verwirklicht sich gerade am Kreuz, in der Teilhabe an unseren Leiden. Dieses Heranreifen des Glaubens wurde vom Heiligen Geist an Pfingsten vollendet, sodass Jakobus, als für ihn die Stunde des höchstens Zeugnisses gekommen war, sich ihm nicht entzog.

Am Anfang der vierziger Jahre des ersten Jahrhunderts ließ König Herodes Agrippa, ein Enkel Herodes des Großen, nach dem Bericht des Lukas einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten (Apg 12,12).

Vom heiligen Jakobus können wir also vieles lernen: die Bereitschaft, den Ruf des Herrn anzunehmen, auch wenn er uns auffordert, das >Boot<  unserer menschlichen Sicherheiten zu verlassen (vgl. Mt 4,21); die Begeisterung, ihm auf den Wegen zu folgen, die er uns zeigt, jenseits unserer illusorischen Anmaßung; die Bereitschaft, mutig für ihn Zeugnis abzulegen, wenn es sein muss, bis zum höchste Opfer des Lebens. So steht Jakobus der Ältere vor uns als beredtes Vorbild großherziger Treue zu Christus. Er, der anfangs durch seine Mutter die Bitte ausgesprochen hatte, zusammen mit seinem Bruder neben dem Meister in dessen Reich zu sitzen, war der erste, der den Kelch des Leidens trank, das Martyrium mit den Aposteln teilte.   

Quelle: Generalaudienz Papst Benedikt XVI. vom 21. Juni 2006: 

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Kommentar Hl. Johannes Chrysostomos (345-407)

einer der berühmtesten Kirchenlehrer des Katholizismus, Bischof von Konstantinopel. 

Seinen Kelch trinken, um zu seiner Rechten zu sitzen

„Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen!“ (Mk 10,37). Wie kommt es nun, dass unser Evangelist erzählt, ihre Mutter sei hinzugetreten? Es wird eben beides geschehen sein. Sie werden ihre Mutter zugezogen haben, um ihrer Bitte mehr Nachdruck zu geben […] Christus wendet sich in seiner Antwort zunächst gegen diese Anschauung, indem er ihnen einen gewaltsamen Tod, Gefahren aller Art und sonstige fürchterliche Dinge in Aussicht stellt. „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?“, fragt er. Verwundere dich aber nicht, dass die Apostel so unvollkommen waren. Noch war ja der Herr nicht am Kreuz gestorben, noch war der Hl. Geist nicht über sie gekommen. Willst du sehen, wie tugendhaft sie waren, so musst du sie nachher betrachten, und du wirst finden, dass sie dann über jede Seelenschwäche erhaben sind. Drum eben deckt der Herr auch ihre Unvollkommenheit auf, damit du erkennst, was sie durch die Gnade geworden sind. […]

„Ihr wisst nicht, um was ihr bittet“, wie groß, wie wunderbar es ist, wie sehr es auch die himmlischen Kräfte übersteigt. Dann fährt er fort: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ Siehst du, wie rasch er sie von ihrem Begehren abbringt und von etwas ganz Entgegengesetztem mit ihnen spricht? Er will sagen: Ihr redet mit mir von Rang und Ehrenstellen, ich rede mit euch von Kampf und Mühen.

Beachte ferner, wie er sie auch durch die Art und Weise der Frage aufmuntert und anspornt. Er sagte nicht: Könnt ihr es ertragen, hingemordet zu werden? Seid ihr imstande, euer Blut zu vergießen? Sondern wie? „Könnt ihr den Kelch trinken?“ und dann zu ihrer Ermutigung: „den ich trinke“, um sie bereitwilliger zu machen durch den Hinweis darauf, dass er es mit ihnen tun werde. […] Aber, wie schon erwähnt, musst du sie später anschauen und du wirst finden, dass sie alle Verkehrtheiten abgelegt haben. Höre z.B., wie eben dieser Johannes, der jetzt ein solches Anliegen vorgebracht hatte, in der Apostelgeschichte überall dem Petrus den Vortritt lässt […] Jakobus lebte nicht mehr gar lange. Gleich von allem Anfange war er so voll Eifer, dass er alle menschlichen Schwächen ablegte, und erreichte eine so große Tugendhaftigkeit, dass man ihn bald umbrachte.

Quelle: Evangelium Tag für Tag, 25. Juli 20178 

 

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