JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE.

Einstimmung                                                           

El camino comienza en su casa - Der Weg beginnt in deinem Haus

Der Jakobsweg beginnt vor der Haustür.

 

Mehr denn je trifft dieser Satz zu für die Pilger aus Übersee, aus den USA, Kanada, Süd-Korea, Mexiko, Brasilien, Japan, Australien.

So haben wir nicht von ungefähr Pilger kennengelernt, die wochenlang unterwegs waren, bevor sie überhaupt den beliebten Start-Ort des Camino des Santiago Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen erreichten; unter anderem von Würzburg, Freiburg und Hannover - zu Fuß oder mit dem Fahrrad. 

Die Mundpropaganda sprach gar von einem Pilger aus Weißrußland. Gerade diese Jakobspilger schwärmten von den französischen Wegen des Chemin de Saint-Jacques - inklusive Abstecher zum Marien-Wallfahrtsort Lourdes in den Pyrenäen. Der Caminho de Portugues nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderrolle ein. Gemeinsam ist allen das Ziel Santiago de Compostela.

 

An dieser Stelle bewusst drei Zitate aus Gonzalo Torrente Ballesters Pilger-Lesebuch von 1948 (mehr über ihn via Menüpunkt Literatur):

  • "Wer sich einzig und allein auf wissenschaftliche Erklärungen verlässt, wird nur sehr wenig über Compostela erfahren.
  • Einzig diejenigen, die sich die Fähigkeit zu staunen bewahrt haben, finden den Weg in die Stadt.
  • Betrachtet, was ihr seht, als ein Geschenk."

 

Jeder Mensch wird seine eigene ihm vorgegebene Straße des Lebens gehen. Für den Christgläubigen - nomen est omen - nimmt der Glaube durch die Gnade die Antworten und Wahrheiten vorweg, die andere erst nach einem langen, bisweilen  

gewundenen oder nicht zusammenhängenden Weg finden. So begreift es Paolo Asolan, Priester und Jakobspilger in 2002.

 

Ein Lob ist den Ehrenamtlichen und Mitgliedern der deutschen Jakobus - Gesellschaften und Vereinigungen auszusprechen. Mit viel Liebe und Engagement zeichnen sie das größer werdende Netz der deutschen Pilgerwege aus, geben wertvolle Tipps.  

Motive der modernen Jakobspilger

Direkt vor uns zwei Pilger, mit denen wir immer wieder einige Wegstrecken (hier: auf dem Weg nach La Faba) gegangen sind. So unterschiedlich ihre Motive, den Camino zu gehen, so unterschiedlich ihre Vita: Er ein strenger Richter aus Bayern; sie eine Frau aus Norddeutschland, die schon viel auf der Via de la Plata erlebt hat. 

 

Freude am Wandern? Menschen kennenlernen? Sportive Betätigung? Weil es gerade en vogue ist? Just for fun? Zwecks Selbstfindung?

 

Weil die Reise auf den Spuren der Jakobswege eine faszinierende Entdeckungsreise in die europäische Kultur und Geschichte sein kann?

 

Oder aus religiösen Gründen? Als "Peregrino autentico"? Weil man einfach dem Herrgott für sein bisheriges Leben danken will. Auf dem Weg. Auf dem Camino Frances. In Santiago in der Kathedrale. Am Grab des Apostels.

 

Die Homepage des Klosters Einsiedeln, einer der Hauptorte des Schweizer Jakobsweges, drückt es (2013) klassisch wie folgt aus, ich zitiere: 

 

  • Beim Pilgern nehmen Menschen sich Zeit, hören nach Innen und spüren im Gehen dem eigenen Lebensweg nach. 
  • Die Motive für eine Pilgerreise können sehr unterschiedlich sein. Einige suchen Antwort auf die grossen Fragen nach dem Sinn, nach Gott und der Liebe,
  • manche wollen nur ein Stück Freiheit wieder gewinnen, und oft ist der Grund für eine Pilgerreise den Menschen selbst verborgen und enthüllt sich erst auf dem Weg selbst.
  • Auch wenn die Gründe für den Aufbruch unterschiedlich sind, in vielem sind Pilger auf der ganzen Welt einander ähnlich:
  • Sie sind Suchende, sie vertrauen auf die Kraft und Erfahrungstiefe alter Wege und Orte, sie nehmen sich Zeit, um ihrer Beziehung zu sich selbst und zu Gott Raum zu geben.

Motive der mittelalterlichen Pilger

Nach Jerusalem wandert man, um Jesus zu finden, nach Rom geht man zum Papst, doch auf dem Pfad nach Santiago de Compostela sucht man sich selbst. Spanisches Sprichwort.

 

Sie waren durchweg christlicher Art: auf dem Weg zum Apostel. 

Mehr darüber im Menüpunkt

AUF DEN SPUREN DES HEILIGEN JAKOBUS

Verzweigung "Geschichte der Jakobspilgerschaft."                                          Bitte durchscrollen, danke.

Der Weg entsteht beim Gehen

Das Besteigen eines Berges ist die Kunst der Langsamkeit.

"Ich fühle, dass ich bin.

Ich habe den Ruf des Weges gehört, verarbeitet, könnte immer so weiter gehen." - unbekannter Autor.

 

Der "pelegrino autentico" sieht das Ziel vor Augen: den Reliquienschrein des Apostels in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Für anders motivierte Pilger ist der Weg das Ziel. 

 

Und doch. Der heilige Jakobus wird, ob man es will oder nicht, ständiger Begleiter auf dem Weg sein. Überall am Wegesrand stößt man auf ihn. In den Kapellen, in den Kirchen, in den wuchtigen Kathedralen. So manches an den Heiligen gerichtete Stoßgebet hilft auch heute die Strapazen des Weges überstehen.

 

ÜBER 800 KILOMETER

Denn eines sollte dem Pilger vor Antritt des Camino de Santiago, spätestens in Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen, klar sein. Über achthundert, teils strapaziöse, Kilometer liegen vor ihm. Ist er sich dessen wirklich bewusst? Achthundert Kilometer reich an Historie, Geschichten und Heiligenlegenden. Von Navarra, durch La Rioja, via Burgos und León, den Provinzstädten von Kastilien-León, durch unendlich scheinende Getreidefelder der Meseta, der heißen spanischen Hochebene, durch das Land der Maragatos, über die Montes de León mit dem Cruz de Ferro, auf dem Camino duro, dem harten Weg, nach O Cebreiro, durch mittelalterlich anmutende, verarmte Bauerndörfer ins hügelige, grüne, bewaldete, häufig regnerische Galicien.

 

Je weiter er Compostela entgegenschreitet, je mehr wird er auf freundliche Mitpilger treffen, die nicht den sportiven Beweggrund ihres Caminos in den Focus rücken, die nachdenklich geworden sind, sich fragen, warum sie wirklich den Camino gehen, die ihm gleichwohl möglicherweise einen Herbergsschlafplatz streitig machen. Nicht selten wird er also schon um die Mittagszeit die ersten Rucksäcke vor den Herbergstüren abgestellt sehen. Dann wird er weiter gehen, im nächsten Ort ein Refugium suchen, gegebenenfalls ein günstiges Hostal ansteuern.

 

HUNDERTTAUSENDE PILGER GESTERN WIE HEUTE

In 2006, unserem ersten Jakobsweg, ließen sich etwas mehr als 100.000 Pilger in Santiago registrieren; davon pilgerten über 82.000 auf dem Camino Frances. In 2015 waren es schon über 262.000 (davon auf dem CF über 172.000) und in 2018 gezählte 327.342. Auch darüber wird er nachdenken (müssen).

 

 

Im Mittelalter klagten die Mauren, sie hatten bis 1492 große Teile Hispanias unter ihrer Kontrolle, darüber, daß die Zahl der Gläubigen, die sich auf dem Weg nach Santiago befänden, und derer, die von dort zurückkämen, derart groß sei, daß fast kein Fleckchen auf der gesamten befestigten Straße gen Westen mehr frei sei.

 

ZUM SCHLUSS DIE PILGERMESSE

Die Pilgermesse in der Kathedrale des Santiago de Compostela ist bewegend. Emotionaler Höhepunkt für den Peregrino autentico wie für Nichtgläubige, Agnostiker und Atheisten. 

Was erwartet Sie auf den folgenden Seiten?

Die obigen Themen werden Sie hoffentlich schon entsprechend eingestimmt haben. Die Motive mögen sich über die Jahrhundert geändert haben, der Weg bleibt der gleiche.  Wenn Sie einen Blick nach links werfen, werden Sie feststellen, dass Sie viel Geschichtliches erwartet.

  • Pilger, wer ruft dich? Welche geheime Macht  lockt dich an?

  • Auf den Spuren des heiligen Jakobus. Translation. Eine Legende. Jakobus in Spanien. Entdeckung des Grabes. Geschichte der Jakobspilgerschaft. Historisch-kritische Exegese.

  • Die Ritterorden. Calavatra. Santiago-Orden. Templer. Verfolgte Pilger.

  • Reconquista. Muslimische Eroberungen. Rückeroberung. Karl Martell. Karl der Große. Matamoros. Schlacht von Clavijo. Moses Maimonides. Muslimische Feldzüge gestern und heute.

  • Pilgerwege mittelalterlicher Zeitzeugen. Codex Calixtinus. Ritter Arnold. Hermann Künig von Vach. Domenico Laffi. Deutschsprachige Pilger. Wallfahren im Mittelalter.

  • Hell leuchtendes Mittelalter. Verknüpfung von Glauben und Wissen. Menschenrechte. Soziales. Innovative Epoche der Menschheit. Schriftreform. Dombaumeister. Erde als Globus. Bedeutende Theologen und Heilige. Franken retten antike Schriften.

  • Jakobswege. Spanien. Portugal. Frankreich. Deutschland.

  • Marien-Wallfahrtsorte Lourdes und Fatima. 

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