PROVINZHAUPTSTADT LEON

Kathedrale Santa Maria de Regla. San Isidoro. Pantheon. Hl. Martin von Leon. Plaza San Marcos. Umweg San Salvador, Oviedo.                   

Einstimmung

Provinzhauptstädte Burgos, Leon und Astorga vgl. Menüpunkt Provinzhauptstadt Burgos

Gotteshäuser Leons: vgl. Menüpunkt KATHEDRALEN > Santa Maria de la Regla und Basilika de San Isidoro.

León

Der mittelalterliche Pilger wird sich garantiert die Zeit genommen haben, León (leonesisch: Llión) in Ruhe zu durchstreifen, staunend ob der Fülle der Sehenswürdigkeiten, einen Vorgeschmack hatte er ja schon in Burgos genießen dürfen. Die frühen Pilger betraten Leon durch das Vorstadtviertel Santa Ana. Die Kirche des Viertels und das angrenzende Hospiz unterstanden zuerst den Rittern des päpstlichen Ordens vom Heiligen Grab, später denen des Johanniterordens.

 

Der heutige Pilger wird höchstens eine zusätzliche Übernachtung einlegen, wenn überhaupt; wie wir: zu wenig. Er wird sich auch nicht mit dem Gedanken auseinandersetzen, einen Abstecher/Umweg nach Oviedo einzuplanen. Unten mehr. 

Wie der Pilger seit dem 16. Jh. wird der 'moderne' Pilger die Stadt über die Puente de San Marcos verlassen, der Fluß Rio Bernesga liegt gleichsam am gleichnamigen Hotel. Er wird, ob er will oder nicht, zunächst unliebsame und unschöne Vororte Leons akzeptieren, bis er sich nach einigen Kilometern entscheiden muss, weiter nach Villandangos del Paramo oder gen Hospital de Orbigo via Villar de Mazarife zu gehen.

Altstadt León.

GESCHICHTLICHER ABRISS: Leon ist wie Rom ursprünglich eine römische Garnison. Sie geht zurück auf die 7. Legion, der „Legio septima gemina pia felix“, die Galba von den hispanischen Truppen errichten ließ, bevor er im Jahre 69 n. Chr. den Kaiserthron bestieg.  Die Garnison hatte im 1. Jahrhundert am linken Ufer des Rio Bernesga ihr Lager bezogen. Es sind noch Teile einer Mauer aus dem 3. Jahrhundert, die das Lager begrenzte, erhalten und zwar an der Ost- wie teilweise an der Westseite. Im 4. Jahrhundert eröffnete der Westgote Leuwigild den Reigen der Eroberung Hispanias. Die Mauren unter Muza beendeten die Herrschaft der Goten im 8. Jahrhundert. Nicht für lange Zeit, denn schon Anno Domini 755 entriss Alfonso I. von Asturien die Stadt den Arabern. Ordono I. (850-866) und sein Nachfolger Alfonso III. der Große besiedelten die Stadt mit Mozarabern. Ordono II. (914-24) verlegte seine Hauptstadt von Oviedo hierher, nannte sich fortan König von León. Almanzor, der berühmte maurische Heerführer, zerstörte bekanntlich im Jahre 983 nicht nur Santiago de Compostela, sondern in 988 auch große Teile der Stadt und die Stadtmauern von León. König Alfonso V. (999-1028) eroberte 1022 die Stadt endgültig zurück. Die Moslems waren für immer vertrieben. Kurzzeitig von Ferdinand I. von Kastilien mit seinem Reich vereinigt, dann von 1157 bis 1230 selbständig, verlor die Stadt ab 1230, weil endgültig an Kastilien angeschlossen, ihren Nimbus als Hauptstadt.

Das hinderte die Bürger nicht, 1199 den Grundstein für die neue Kathedrale Santa Maria de Regla zu legen. Ein Wunderwerk der Baukunst. Dazu mehr im Reisebericht, Etappe 23, und unter der Rubrik Kathedralen. Auch die Basilika San Isidoro nebst angeschlossenem Pantheon ist eine ausführliche Besichtigung wert, wie das Casa de Botines, einem Frühwerk von Antoni Gaudi, wie das Kloster San Marcos, heute ein Fünfsternehotel und, und und.

LEON HEUTE. Plaza Santo Domingo. Freigegebenes Foto.

In León, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León, wohnen derzeit rund 128.000 Einwohner. Die Stadt ist für ihre Feierlichkeiten und Prozessionen besonders zu Ostern bekannt, noch berühmter ist die Karfeitagsprozession mit ihren drei Gruppen, die Johannes, Maria und Christus darstellen. 

Liber Sancti Jacobi, 12. Jh.

Dann muss man in der Stadt León die ehrwürdigen Reliquien des hl. Bischofs, Bekenners und Doktors Isidor besuchen, der eine fromme Regel für die kirchlichen Kleriker schuf, das spanische Volk mit seinen Lehren erfüllte und die ganze hl. Kirche mit seinen blumenreichen Büchern erfreute. 3

 

Hermann Künig von Vach, 1495

Nach zwei Meilen folgt Leoeyn, eine Stadt, die schon recht groß ist. Darin findest du genügend Spitäler. Gehe in das Spital Sant Thonges wenn es sich ergibt. Auch kann man dort Jakobus-Zeichen kaufen. 1

 

Arnold von Harff, 1499

(…) León. Das ist eine der vier Hauptstädte Spaniens. Dort steht ein sehr schöner Dom Zu Unserer Lieben Frau de Regula. 2

 

Domenico Laffi, 1673

(…) wir begaben uns nach Lione, in 3 Leguas Entfernung, wo wir gegen Mittag ankamen (…) wandten uns sofort an den Bischof, damit er uns die Dimissoriale unterschreibt (…) gingen zur Kathedrale, die sehr schön und alt ist, aber nicht so wie die von Burgos. 5

 

21. Jahrhundert

(...) Staunend stehen wir vor dem Hauptportal der Kathedrale, dem Portal des Jüngsten Gerichts mit Christus als Weltenherrscher und der Mutter Gottes mit dem Jesuskind im Arm. (...)

Fotos:

1. Reihe: Iglesia de Santa Maria del Camino. Innehalten auf dem Pilgerweg zur  

              Kathedrale: Nur noch wenige Meter.

              Heilige Messe an einem Wochentag.

2 Reihe:  Kathedrale Santa Maria de Regla. 

              Fensterpracht von insgesamt 1.800 qm Glasfläche.

3. Reihe: Mauer aus dem 3. Jahrhundert.

4. Reihe: Pantheon. Basilika San Isidoro.

              Säulengang.

5. Reihe: Säulengang Pantheon.

              Elegantes Geschäftshaus in der City.

6. Reihe: Casa de Botines. Werk des Jugendstil-Architekten Antonio Gaudi.

              Hinweisschild an der Plaza San Marcelo.

7. Reihe: Renaissance Palacio de los Guzmanes, 16. Jahrhundert.

              Calle Ancha nahe Plaza de Regla. Haus der Sparkasse.

8. Reihe: Ausschnitt Königliche Ritterfigur.

              Paradores San Marcos. Die platereske Oberfläche wirkt fast wie eine

              gehämmerte Goldschmiedearbeit.

9. Reihe: Hoteleingang Paradores.

              Säulengang Museo San Marcos. 

10.Reihe:San Marcos. Kirche.

              Marienaltar.

11.Reihe:Pilgerdenkmal gegenüber von San Marcos.

              Blick von der Brücke des Rio Barnesega auf die Montes - auf dem   

              Pilgerweg nach Hospital de Orbigo. 

12.Reihe:Pilgerwegzeichen.

              Reminiszenz an meine Route 66-Tour in 2005.

Martin vom Heiligen Kreuz - Hl. Martin von Leon - der spanische Theologe des 12. Jahrhunderts

Hl. Martin von Leon. Buchmalerei, 12 Jh., in den Codices Santo Martino. Gemeinfreies Foto (Quelle Joachim Schäfer).

 

Eine interessante Figur des 12. Jahrhunderts, starb im hohen Alter von etwa knapp 80 Jahren in León am 12. Januar 1203, geboren daselbst um 1125..

 

Was macht diesen heiligen Mann

so interessant?

Seine Pilgerschaft in Spanien (Oviedo, Santiago de Compostela) und weltweit in Frankreich (Chartres, Reims, Paris, Toulouse,Beziers), Italien, England, Irland, Israel/Jerusalem, Antiochia (heutiges Antakya), Konstantinopel (heutiges Istanbul). Ihm wurde vieles angedichtet, Diebstahl einer Kasel (liturgisches Gewand) und gar ein abtrünniger Albigenser (Sekte des 11.-13. Jhs., Untergruppe der Katharerer (an anderer Stelle dazu mehr) zu sein.

Interessant auch, dass er sein Theologiestudium in Paris erst mit knapp Fünfzig aufnahm - zusammen mit Schülern des berühmten Petrus Lombardus (Pietro Lombardo, um 1095/1100 bis 20. Juli 1160; scholastischer Theologe, Leiter der Kathedralschule von Notre Dame in Paris; Hauptwerk 4 Bücher der Sentenzen: einprägsame Aussprüche und Lehrsätze, in Folge Magister sententiarum genannt).

 

Erst 1183, also nach 29 Jahren, kehrte er endgültig  nach León zurück, in sein Kloster der Augustiner-Chorherren, wo er sodann zum Priester und Regularkanoniker (mit Gelübde) geweiht wurde.   

Seine sonstige Vita ist kurz erzählt. Schon als Kind verlor er seine Mutter; sein Vater ging nach dem Tod der Frau zusammen mit ihm ins Kloster San Marcello, León. Im Alter von etwa 19 Jahren wurde Martin (latein.: dem römischen Kriegsgott Mars geweiht) zum Subdiakon geweiht.

 

Nach dem Tod seines Vater in 1154 begab er sich auf seine lange Pilgerreise unter anderem nach Oviedo (Camino Primitivo) und Santiago de Compostela. Leider sind über seine dort gesammelten Eindrücke keine schriftlichen Notizen bekannt. In Rom besuchte er die 7 Pilgerkirchen, als da sind: San Pietro in Vaticano, Sao Paolo fuori le Mura (St. Paul vor den Toren),  San Sabastinano fuori le Mura, San Giovanni in Laterano (Lateranbasilika der Päpste), Santa Groce in Gerusalemme, San Lorenzo fuori le Mura und schlußendlich Santa Maria Maggiore. Aufgrund seines asketischen Lebens fiel er Papst Hadrian IV. auf. Später diente Martin in Jerusalem als Pfleger in einem Krankenhaus.

 

Sein Hauptaugenmerk legte Martin, zurück in León, auf die rechtgläubige Feier des hl. Altarsakraments; wechselte eben wegen Differenzen in liturgischen Fragen in Kloster San Isidoro; lebte weiterhin in Askese, schlief auf dem Boden, besuchte nachts Kranke.

 

Zusammen mit der Unterstützung von sieben Mitbrüdern begann Martin ab 1185 sein großes Werk Veteris ac Novi Testamenti Concordia – Übereinstimmungen von Altem und Neuem Testament zu schreiben. Auch gilt er als Autor des ersten biblischen Kommentars in Spanien nach Beatus von Liébana (berühmter Mönch und Theologe des 8. Jhs. mit seinem Hauptwerk über die biblische Apokalypse; gestorben 798) und wurde folgerichtig als der wichtigste spanische Theologe des 12. Jahrhunderts bezeichnet. 

Martins Altar in San Isidoro in Leon. Fotoquelle: Lancastermerrin88). Ich ärgere mich rückblickend, dass ich weiland in 2006 ausgerechnet von diesem Altar kein Foto gemacht habe.

 

In der Basilika San Isidoro erbaute Martin das Oratorium des heiligen Kreuzes und auf dem Friedhof des Klosters die Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit. Schon zu Lebzeiten wirkte er Wunder, weshalb ihm  sogar König Alfons V.  huldigte. Im Alter litt er an Rheuma. Martins Mitbruder Lukas - später Bischof von Tui – berichtete von ihm in seinem Buch über Isidor von Sevilla (560 bis 636; vgl. auch Webseite). Martins Verehrung begann schon kurz nach seinem Tod. Auch an seinem Grab ereigneten sich Wunder, bereits 1203 wurde darüber eine Kapelle errichtet und seine Gebeine an deren Altar übertragen; diese wurde 1253 durch eine größere Kapelle ersetzt.

 

Erst 1959 genehmigte Rom die Verehrung in San Isidoro, 1962 die in der gesamten Diözese León. Im Martyrologium Romanum (Verzeichnis  aller Heiligen) von 2001/2004 ist Martin als heilig bezeichnet.

Inspiriert durch einen Artikel in der Tagespost (Internetportal 12.01.23) Mehr lesen; sonstige Quelle: Heiligenlexikon

Umweg Leon - San Salvador, Oviedo

"Gehst Du nach Santiago und nicht nach San Salvador, so besuchst Du den Diener und vergisst den Herrn."

Die Strophe 25 des mittelalterlichen Lieds "Wer das elent bawen wel" (13. Jh.) beschreibt gleichermaßen die Wichtigkeit des Umwegs nach Oviedo

"Den Finstern Stern wellen wir lan stan und wellen zu Salvater ein gan, groß wunderzaichen an schawen; so ruofen wir got und sant Jakob an, und unser liebe Frawen." Den finstern Stern lassen wir stehn und gehen nach San Salvador große Wunderzeichen anzuschauen. So rufen wir Gott und Sankt Jakob an und Unsere Liebe Frau. 

Warum also den Umweg nehmen?

Die Erlöserkirche, Catedral El Salvador, beherbergt wertvolle Reliquien in der Heiligen Kammer, der Camara Santa: die Heilige Truhe, das Engelskreuz, das Siegeskreuz und vor allem das Schweißtuch Jesu. Mehr hierüber via Camino Primitivo.

 

Zum Camino San Salvador.

Man verlässt Leon kurz hinter dem Parador Hotel und folgt der betreffenden Ausschilderung. 4-6 Tage wird man einplanen müssen für rund 120 Fußkilometer. Die Webseite der American PILGRIMS on THE CAMINO spricht von einer spektakulären Landschaft. Noch nicht überlaufen, relativ gut ausgeschildert, ausreichende Unterkunftsmöglichkeiten. Über die Bruderschaft St. James kann gegen Spende ein Online-Ratgeber  bezogen werden.