START in SAINT-JEAN-PIED-DE-PORT

Einstimmung

Es lohnt sich, den Ort näher anzuschauen, sich mit seiner Geschichte und seinen Menschen, den stolzen Basken, mit ihrer eigenen Sprache, ihren lukullischen Gerichten, ihrem eigenartigen Ballsport auseinanderzusetzen; wenn man denn Zeit hat. Der Reihe nach.

St.-Jean-Pied-de-Port. Rue de la Citadella.

Baskisch für Saint Jean: Donibane Garaz; deutsch: Heiliger Johann am Fuße des Passes der französischen Pyrenäen. Auf der linken Seite die Kirche Notre-Dame.

Der lateinische Begriff „Port“ wird baskisch mit „Ort, den man passiert“ übersetzt.

 

St. Jean war überwiegend Bestandteil des baskischen Königreichs Navarra, von 1620 bis 1790 allerdings den Franzosen - nomen est omen - zugeschlagen.

 

Nicht ohne Stolz nannten sich sodann die Herrscher König von Frankreich und Navarra. Heute zählt der spanische Teil des Baskenlands zu den wohlhabendsten Gebieten Spaniens.

Saint Jean war von Beginn seiner Gründung im 12. Jahrhundert ein Pilgerort. So siedelten sich schon früh um die Rue d`Espagne herum viele Handwerker an, verdienten ihr Geld mit den Jakobspilgern. Ein Jahrhundert zuvor war die Ortschaft, sie trug damals einen anderen Namen, vom englischen König Richard Löwenherz platt gemacht worden, aus welchen politischen Gründen auch immer.

 

Der älteste Stadtteil gruppiert sich um die Rue de la Citadelle. Die Stadtmauern, von König Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert befestigt, stoßen auf Reste der Mauern aus dem 13. Jahrhundert. Im Zuge dieser Befestigungsarbeiten ließ der König 1680 die Burg in eine Zitadelle umfunktionieren, ebenso dokumentieren die Wehrtürme die strategisch wichtige Lage des navarrischen Grenzortes. Schaut man sich die einzelnen Häuser in der Rue de la Citadelle genauer an, so entdeckt man an ihren Türstürzen die Namen ihrer vormaligen Besitzer, nebst Jahr und Berufsangabe.

Karl der Große querte 

die von jeher strategisch wichtige Hauptstraße von Roncesvalles kommend auf seinem Weg zurück ins Frankenland. Napoleon ließ auf ihr seine Artillerie durchmarschieren, also nannte man sie lange Zeit Straße der Artillerie. Auf dem nahe gelegenen Ibañeta-Pass, 1057 m hoch, eine halbe Fußstunde vor Roncesvalles, spielte sich die Legende um Roland (Roldan) und seinem Schwert im Kampf gegen die Basken ab, die die Nachhut Karls des Großen aus dem Hinterhalt auf der Paßstraße überfallen hatten. Dazu an anderer Stelle mehr (Reisebericht Westwärts 2. und 3. Etappe).

 

Noch ein Gedanke

zum bereits erwähnten, sehr eigenwilligen Ballsport, dem Pelotaspiel. Es wird nur im Baskenland gespielt, mit der bloßen nur mit speziellem Pflaster umwickelten Hand. In früheren Zeiten nutzte man dieses Rückschlagspiel, um aufkommende nachbarschaftliche Zwistigkeiten nicht auf dem Schlachtfeld auszutragen, sondern auf der Spielfläche Frontón.

 

ZURÜCK ZUM PILGER

Dies alles, so befürchte ich, wird den eiligen Pilger nicht interessieren. Er strebt durch das Jakobustor hinweg in die Pyrenäen nach Roncesvalles. Jährlich sollen es 35.000 an der Zahl sein. Vielleicht nahm er sich tags zuvor die Zeit, die sehenswerte Kirche Notre Dame du Bout du Pont (Unsere Dame am Ende der Brücke) zu betreten, einen Blick auf die Zitadelle werfen, und die baskisch zubereiteten Tintenfische zu probieren, gekauft beim Händler in der umtriebigen Markthalle, deren Bestehen man übrigens bis auf das Jahr 1342 zurückverfolgen kann; die Markthalle in Pamplona ist im selben Jahr errichtet worden.

Alle Fotos von Saint-Jean-Pied-de-Port

Reihe 1: Rue de France.

             Jakobustor. Hier betraten die mittelalterlichen Pilger St. Jean.

Reihe 2: Jakobustor. La Porte Saint-Jacques.

             The arrival of pilgrims

Reihe 3: Burgruine. Citadelle.

Reihe 3: Citadelle.

Reihe 4: The Citadel, a strategic militaty position.

             Blick auf die Stadt.

Reihe 5: Saint-Jacques de Compostelle

             Vor dem Pilgerbüro. (Außenfoto oben)

Reihe 5: Rue de la Citadelle.

Reihe 6: Kirche Notre Dame.    

             Heilige Messe. Gerammelt voll.

Reihe 7: Porte Notre Dame. Acces to the Faubourg d`Espagne

             Altes Haus, 18. Jh.

Reihe 8: Altes Haus. 

             Jetzt geht`s endlich los. Der richtige Weg ist erkundschaftet.     

Reihe 9: Porte d`Espagne. Towards the pyrenees. 

             Hinweisschild. Alternative für den Pilger: Über den beschwerlichen

             Col de Lepoeder/Cisapass, auch Route de Napoleon genannt, oder 

             über die Autostraße via Valcarlos, dem an sich alten Pilgerweg.

R.10-12: Impressionen Etappe 2 in den Pyrenäen. Herberge Orisson im Nebel.

              Von dort weiter. Marienstatue der Jungfrau Maria Vierge d`Orisson /    

              Vierge de Biakorri. Blick auf Roncesvalles.      

        

Empfehlungen für die Bergetappe zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Roncesvalles

Diese Etappe weist die größte Anzahl von Notfalleinsätzen auf. Aus diesem Grund, basierend auf dem Zusammenarbeitsabkommen zwischen dem National Institut für Geographie und dem Spanischen Dachverband der Freunde des Jakobswegs, stellt die Internetplattform Caminosantiago.org den Pilgern kostenlos eine Routenkarte zur Verfügung:

  • Es handelt sich um eine Mittel- bis Hochgebirgs-Etappe. Die Pyrenäen können auf zwei Wegen überquert werden:
  • über den Berg (mit einer Höhe von 1.432 m) oder zum Teil durchs Tal (1.057 m).
  • Bei Unwetter ist es unvorsichtig, über den Berg zu gehen.
  • Man sollte lieber den Weg durch das Tal nehmen (Valcarlos), der Landesstraße N-135/D-933 entlang.
  • Bitte immer das wechselhafte Wetter berücksichtigen, das ganze Jahr betreffend resp.  über den Tag hinweg;
  • sich deshalb vor der Abreise darüber erkundigen, denn je nach der Jahreszeit muß mit schweren Schneefällen, Schneestürmen, Regen, Stürmen, Nebel, usw. gerechnet werden.
  • Gleichermaßen wichtig ist die Routenkarte dabei zu haben, um im Notfall die verschiedenen Alternativen abwägen zu können.
  • Man sollte Berg-Funktionsbekleidung anziehen, einen möglichen Unfall einkalkulieren: Schlafsack, Stiefel, atmungsaktive Thermokleidung, reflektierende Elemente, Stöcke, Essen und Trinken für 24 Stunden, vollgeladene Taschenlampe, Handy und GPS, usw.
  • Bitte nicht den Weg allein gehen oder sich von der Gruppe trennen.
  • Es ist ratsam, sich auf Länge und Dauer der Etappe einzustellen: für etwa 28 km zwischen 7 bis 11 Stunden zu Fuß einkalkulieren; möglichst ganz früh morgens starten.
  • Die Notrufnummer lautet 112 (für Spanien und Frankreich).
  • Wenn man einen Notfallansatz anfordert, bitte sich nicht vom Ort entfernen, um die Suche zu ermöglichen.
  • Wenn die angegebene Ortsbestimmung richtig ist, kann im Durchschnitt mit einer Rettungszeit von weniger als 30 Minuten gerechnet werden.
  • Wenn man um Hilfe gefragt hat, aber das Problem selbst gelöst hat, ist es wichtig, wieder anzurufen, um die Rettung abzusagen,

Quelle: Spanischer Dachverband der Freunde des Jakobswegs