Santo Domingo de la Calzada. Kathedrale. Das heutige Paradores, vormaliges Pilgerhospital. Plaza de Espana.(Freigegebenes Foto). Pilgerdenkmal. Ortsausgang: Brücke mit 16 Bögen über den Rio Oja. An dieser Stelle hatte Domingo 1044 seine erste Brücke gebaut incl. einer fast 30 Kilometer langen befestigten Straße.

SANTO DOMINGO DE LA CALZADA und GRANON

Kathedrale - Museum - Hühnermirakel. Paradores.  Pilgerdenkmal. Heroldstrommler.                               

Mittelalterlich - Gotische Kirche 

Einführung                                                       Heilige prägen Ortschaften

Die Orte San Juan de Ortega und Santo Domingo de la Calzada tragen den Namen von Ordensleuten. Beide Mönche waren mittelalterliche Brückenbauer im wahrsten Sinn des Wortes, beide trugen zum Aufschwung des Jakobuswegs bei, pushten ihn, wie man heute sagen würde.  San Juan war Schüler von Santo Domingo.

 

Die Ortschaft San Juan de Ortega ist berühmt für das Lichtspiel in der Kirche und für die Gastfreundschaft des vormaligen, örtlichen Pfarrers eingedenk seines Vorbilds und Klostergründers San Juan de Ortega. Die Stadt Santo Domingo de la Calzada ist vordergründig berühmt für ihr Hühnermirakel. Vielmehr sollte sich der Pilger aber mit dem segensreichen Wirken des Namensgebers der Stadt, also mit dem heiligen Dominikus von der Straße, beschäftigen. Zum Hühnermirakel später mehr.

Santo Domingo de la Calzada

Santo Domingo de la Calzada. Grabmal.

 

DER HEILIGE DOMINIKUS VON DER STRAßE

 

EINFÜHRUNG

Santo Domingo de la Calzada verkörpert zu Recht den Typus des mittelalterlichen Heiligen, der als Pionier des Camino de Santiago nicht nur in die Geschichte eingegangen ist, sondern sie überdauern wird. Ohne ihn, und in seinem Gefolge San Juan de Ortega, wäre der Camino Frances nur schwer zu begreifen. Beide Heiligen wurde Namensgeber der von ihnen gegründeten Orte.

Vorweg. Das Hühner-/Galgenmirakel hat wohl doch nichts, wie in meinem Reisebericht erwähnt, mit dem heiligen Dominikus zu tun, hierauf gehe ich an anderer Stelle detailliert ein. Das Mirakel ist ausschließlich mit dem heiligen Jakobus in Verbindung zu bringen, niedergeschrieben im Codex Calixtinus des   12. Jahrhunderts.

 

Zusammenfassung. Dem heiligen Dominikus schreibt man neben der Stadtgründung (Bau des Pilgerhospitals) im 11. Jahrhundert unter anderem den Bau der Brücke (1044) über den Fluß Oja zu, kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Belorado gelegen, ebenso die Befestigung der Wegstrecke zwischen Najera und Redecilla. Er grundierte Straßen und Wege, baute Brücken, versorgte Pilger, linderte ihre Leiden, machte Ländereien fruchtbar.

Burgos. Santo Domingo de Calzada.

 

IN WELCHER ZEIT LEBTE DOMINIKUS?

Im 11./12. Jahrhundert. Geboren 1019 als Domingo Garcia in Viloria de Rioja, zwischen Granon und Belorado gelegen. A. D. 1601 verfaßte ein Hagiograph namens Luis de la Vega eine erste ausführliche Vita des Heiligen. Anderen Quellen zufolge soll er aus Calabria bei Neapel, aus Ur in Chaldea oder aus der Toskana stammen. Domingo muß ein einfacher Mann gewesen sein. Seine Kindheit verbrachte er als Schäfer, wurde dann Schüler im riojanischen Benediktinerklosters von Valbanera. Wie später das Kloster San Millan de Yuso lehnte Valbanera sein Ansinnen auf Eintritt als Mönch ab - seines minderen Bildungsstandes wegen. Man sollte ergänzen, daß beide Klöster eng miteinander verbunden waren. Ein Eremit kam ihm zu Hilfe, nahm ihn zunächst auf. Später soll der heilige Kardinalbischof Gregor von Ostia seine Betreuung übernommen und ihn zum Priester geweiht haben, so erwähnt es ein Marinaeus Siculus 1530 in seinem De Rebus Hispanie memorabilibus. Für die heutigen Forscher ist Gregor eine erfundene Figur.

 

Zweihundert Jahre zuvor (8. Jahrhundert) war die Rioja nach dem Fall des Westgotenreiches unter maurisch-moslemischer Herrschaft geraten. Die Re-Conquista, die Wieder-Eroberung einstmals christlich dominierter Gebiete wurde Ende des 10. Jahrhunderts seitens des Königreiches Asturien erfolgreich abgeschlossen. In Folge stritten sich die Königreiche Navarra und Kastilien um das Land, bis schlußendlich in 1076 Navarra die Rioja Alta, das Gebiet der heutigen Stadt Santo Domingo de la Calzada, an König Alfons VI. von Kastilien abtreten mußte, der übrigens wie der Heilige in 1109 starb. Diese beiden Protagonisten des Camino de Santiago verbindet vieles.

 

Die Historia Silense *) berichtet um 1100, daß König Sancho III. el Mayor (1000 – 1035) die alte Route über Alava in den Süden über Najera und Briviesca verlegen ließ. Warum? Als Burgos Hauptstadt des kastilischen Königreichs wurde, gab es keinen Grund mehr, den Weg über die unwirtlichen Montes des Oca als natürliche Route für die Verbindung mit dem Königreich Navarra zu meiden. Navarra hatte im 11. Jahrhundert seine Reichsgrenzen bis ungefähr 14 Kilometer an Burgos angenähert. Autor Robert Plötz meint, auf seine Ausführungen stütze ich mich im wesentlichen, daß die kastilischen und navarresischen Heere diesen Weg auch schon viele Male im 10./11. Jahrhundert langgezogen sein müßten. Die Überlieferung hingegen schriebe die Erbauung auch dieses Caminoabschnitts Santo Domingo zu.

 

Wie auch immer. Letztlich schuf König Sancho III. el Mayor den sog. „iter Sancti Jacobi“, den Camino de Santiago als direkte Verbindung von den Pyrenäen bis Najera. Natürlich auch aus strategisch-militärischen Gründen, was wiederum in Folge die Pilger, Handelsleute und Siedler für ihre Streckenbewältigung erfreute. Sein Nachfolger Garcia de Najera eröffnete 1052 in eben dieser Stadt Najera eine Pilgerherberge und ließ die Kirche Santa Maria nebst Kloster erbauen als Dank für seinen Fund eines Muttergottesbildes, so die Legende. Najera wurde Hauptstadt seines Königreichs; der religiöse Schutz war selbstverständlich inkludiert.

Brücke über den Rio Oja.

 

Zurück zu Domingos Mentor. Bischof Gregorios Tod veranlaßte ihn, an einen Ort zu gehen, an dem er mit den Armen Christi alles teilen konnte. Sein Weg führte ihn in das heutige Santo Domingo de la Calzada. Dort lebte Domingo zurückgezogen als Eremit in einem Wald am Ufer der Oja, eine „legua“ (spanische Meile = 5,5727 Kilometer) südlich der Furt, die die Pilger auf ihrem Weg nach Compostell überqueren mußten. Die Mühsal dieser Flußüberquerung soll ihn bewogen haben, eben jene Brücke zu bauen und die vorhandenen Wege zu reparieren. Das wiederum behagte den Bewohnern der umliegenden Ortschaften nicht. Erst die ihm vom Herrgott, so die Legende, gewährten Wunder, brachte die Menschen dazu, ihm beim Bau der Brücke zu helfen. Auch San Jun de Ortega wird eine Mithilfe nachgesagt. Hier muß es sich aber um die Rekonstruktion der Brücke in 1107, jetzt mit Steinträgern und Fachwerk, gehandelt haben. Der erste Brückenbau wird für den Zeitraum 1045 bis 1065 verortet, und dauerte fünf Jahre.  San Juan de Ortega lebte von 1080 bis 1163.

 

Compostela von Rioja. Als Ursprung des Ortes Santo Domingo de la Calzada kann, wie erwähnt, der Bau seines Pilgerhospitals in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelten. Domingo selbst betreute und versorgte die vorbeiziehenden Peregrinos. Nur 1,6 Fußkilometer nördlich von der Kathedrale entfernt befindet sich die Ermita Mesa del Santo, die Kapelle "Tisch des Heiligen". An jenem Ort, wo sich jetzt die Ermita befindet, verteilte Dominikus, also noch vor dem Bau des Pilgerhospitals, auf einer Wiese am Fluß Essen unter den Pilgern. Heute sollen dort noch sechs mächtige Steineichen als Reste eines größeren Waldes stehen.

Rechtlich abgesichert wurde Domingos Lebenswerk durch König Alfons VI., der ihn hier 1076 besuchte, seine Taten bewunderte und ihm in Folge den nötigen Grund und Boden übertrug. Die Ortschaft wuchs kräftig. Am 12. Mai 1109 verstarb der Heilige. Die Ortschaft trug mittlerweile den Namen Burgo de Santo Domingo. Auch nach seinem Tod hörte San Domingo nicht auf, die Pilger zu beschützen. Mehrere Mirakel werden seinem posthumen Wirken zugesprochen: beispielsweise einem französischen Pilger, den er vom schlechten Geist befreite, einem deutschen Pilger namens Bernard, dem er Ende des 14. Jahrhunderts sein Augenlicht wiedergab.

 

Ab 1120 ging der Ort in die Verantwortung der Diözese von Najera-Calahorra über, nachdem zuvor Papst Honorius III. (1216-1227) die Kirche von Santo Domingo am 8. Dezember 1216 (Marienfest Mariä Empfängnis) unter seinen päpstlichen Schutz gestellt hatte.

Noch zu Lebzeiten Domingos weihte Don Pedro Nazar, Bischof von Calahorra, 1106 die Kirche ein - zu Ehren des Salvadors (Erlösers) und Santa Maria, wie vom Heiligen gewünscht. Der Kirchenbau gilt als einer der frühesten gotischen Bauten in Spanien, beeinflußt von der Architektur des Südwesten Frankreichs. Santo Domingos Grab befindet sich im südlichen Querschiff der Kathedrale. Der 1767 errichtete Glockenturm ist barocker Art. Die Stadt wird ihrer Bedeutung für den Camino Frances auch "Compostela von Rioja" genannt. Zu guter Letzt seine Ehrentitel: Bienaventurado/Seliger (1521), confesor/Bekenner (1599), santisimo confesor/heiligster Bekenner, Abrahan de la Rioja (1702), ingeniero del cielo/Baumeister des Himmels (1940.)

 

FAZIT Ein großer Mann. Eine "große" Stadt: Santo Domingo de la Calzada mit der Kathedrale und dem Museum, der Pilgerbrücke, dem Parador-Hotel, den Pilgerherbergen, dem Pilgerdenkmal -  eines der Highlights am iter francorum / Camino Frances schlechthin. Für Elke und mich so wichtig, daß wir im Mai 2018 die Stadt ein zweites Mal besuchten, diesmal als Touristenpilger, begleitet von unserem sechs Monate später plötzlich verstorbenen Sohn Stefan. Ich werde Santo Domingo de la Calzada immer mit Stefan in Verbindung bringen, mit dem Paradores, mit Saint Jean, Roncesvalles und Pamplona, mit Puente la Reina, mit Clavijo, wie mit vielen anderen Orten entlang des Camino de Santiago in Navarra und La Rioja. Ich vermisse Stefan.  

 

*) eine mittelalterliche lateinisch verfaßte Erzählung um 1100, berichtet von der Zeit der Westgoten (409 – 711) bis zu König Alfons VI. von Leon und Kastilien. Jedoch in erster Linie ein Bericht über seinen Vater Ferdinand (1037-1065) - zurückgreifend auf den heiligen Isidor von Sevialla, Julian von Toledo und auf die Vitas sanctorum patrum Emeritensium (6./7. Jh., Paul von Merida berichtet hierin über mehrere Bischöfe) und der Chronik von Alfons III.)  

Quelle u.a.: Robert Plötz. Jakobus-Studien. Pilgerheilige und ihre Memoria. Abschnitt Santo Domingo de la Cazada. Narr Verlag, Tübingen, 2012.

 

Hermann Künig von Vach, 1495

In den Spitälern ist man dir gern zu Diensten, ausgenommen im Spital des hl. Jakobus, da ist das Personal durchweg bösartig. Die Spitalfrau tut den Pilgern viele Gemeinheiten an, aber die Betten sind sehr gut. 

 

Bitte weiterblättern

Haupt-Menüpunkt REISEBERICHT WESTWÄRTS

NACH GALICIEN

Etappe 10 - Santo Domingo de la Calzada. Eine liebestolle Wirtstochter macht Geschichte.

Stadtfest im Mai

Das Stadtfest findet jeweils in den ersten zwei Wochen des Monats Mai statt. Auf unserer Pilgertour hatten wir kein Glück, dem Schauspiel beizuwohnen; im Mai 2018 als Touristenpilger sehr wohl. 

 

Mit Dudelsack- und Heroldstrommelmusik. Ein Ausrufer mit einer Trommel läuft durch die Altstadtstraßen und erinnert laut rufend und trommelnd an Santo Domingo, als jener weiland nach Pilgern suchte, ihnen zu helfen, ihnen Unterschlupf zu gewähren. Am späten Nachmittag wird der Trommler von jungen Familien mit ihren Kindern begleitet; in den frühen Morgenstunden allein.

Das werden die Pilger und Hotelgäste in diesen zwei Wochen des Mai aushalten müssen. Möglichweise werden einige Pilger sich nicht gar so sehr echauffieren, aus dem Schlaf gerissen worden zu sein, so können sie mutterseelenallein den Weg nach Belorado meditieren. Quelle: Info Paradores  (08.05.18)

Festjahr 2019/2020

Feier des 1000. Geburtstags des heiligen Domingo Garcia vom 25. April 2019 bis 13. Januar 2020 - Die Höhepunkte:

  • Ausstellung von Juli bis September: Der hl. Domingo als Ingenieur des Camino. Ausstellungszentrum der Kirche San Francisco.
  • Ausstellung mit sämtlichen Szenen des Hühnerwunders mit Playmobil-Figuren.
  • Im Oktober Internationaler Kongreß "Santo Domingo de la Calzda. Vida, contexto historico y devocion.
  • Der freistehende Turm wird zugänglich sein und eine Ausstellung über Glocken und Turmuhren anbieten.

Mehr via http://catedralsantodomingo.com/ Quelle: Mitglieder-Internetportal der Deutschen Jakobus-Gesellschaft

Fotos:

1. Reihe: Auf dem Weg von Najera nach Santo Domingo de la Calzada.

              Ortsanfang von Santo Domingo.

2. Reihe: Hotel Paradores.

Reihe 2a:Erläuterungen zur Fassade der Kathedrale und zum Parador. 

3. Reihe: Kathedrale El Salvador.

              Blick auf den Hochalter mit dem hässlich modernen Tischaltar in Front.

4. Reihe: Das Hühnerwunder. Käfig mit lebenden Hühnern.

5. Reihe: Erläuterungen zur Kathedrale.

              Jakobusfigur ohne Hut.

6. Reihe: Matamoros.

              Glockenturm der Kathedrale (nicht direkt verbunden)

7. Reihe: Nebengebäude mit Kapelle. 

              Pilgerdenkmal.

8. Reihe: Erläuterungen zum Denkmal; Foto im Großformat she. oben.

              Ausschnitt helfender Santo Domingo.

9. Reihe: Ausschnitt Pilgerdenkmal: Santo Domingo nimmt sich eines Pilgers an.                  Gegenüber eine riesengroße Jakobsmuschel. 

10.Reihe: Hoch oben von der Kirche aus fotografiert.

              Alte Befestigungsanlagen.

Granon

Granon. Kurz hinter Santo Domingo de la Calzada.

 

Stellvertrend für die vielen kleineren Orte am Camino hier ein Blick auf das mittelalterlich anmutende Granon. Die in 885 von König Alfonso III. erbaute Burg sollte vor den Angriffen der moslemischen Umayyaden schützen. Noch heute zeugen verschiedene Wappenschilden an den Wohngebäuden aus dem 16. und 17. Jahrhundert von der Bedeutung des Ortes, die dieser auch und gerade für die vorüberziehenden Pilger hatte und wohl noch hat: Waschplätze und Brunnen inklusive.

Für die von allen gelobte Pilgerherberge blieb uns leider keine Zeit. Der Terminplan sah anderes vor.

Auch die gotische Kirche, dem hl. Johannes dem Täufer geweiht, soll sehenswert sein, besonders der mit vielen Figuren ausgestattete Renaissance-Hochaltar. 

 

Zwanzig Minuten später verlässt der Pilger die Region La Rioja, wechselt nahtlos über in die Provincia Burgos, Metropole der Autonomen Gemeinschaft von Kastilien-Leon.

HINWEIS

Zum Galgen-/Hühnerwunder bitte nächste Seite aufschlagen - oben links.