AUTONOME PROVINZ LA RIOJA

Klöster San Millan de la Cogolla. Calahorra.

Einstimmung                                                           La Rioja

Nach dem Fall des Westgotenreiches im 8. Jahrhundert geriet das Land unter maurisch-moslemischer Herrschaft. Die Re-Conquista, die Wieder-Eroberung einstmals christlicher Gebiete wurde gegen Ende des 10. Jahrhunderts seitens des Königreichs Asturien erfolgreich abgeschlossen.  Dieses Zeitfenster dauerte nicht lange und so stritten sich in Folge die Königreiche Navarra und Kastilien um das Land, bis schlußendlich im 11. Jahrhundert, A. D. 1076, Navarra die Rioja Alta, das Gebiet, in dem sich die heutige Stadt Santo Domingo de la Calzada befindet, an König Alfons VI. von Kastilien abtreten mußte.  An anderer Stelle ist zu lesen, daß sich einhundert Jahre später die Könige Alfons VII. von Kastilien und Sancho VI. von Navarra dahingehend geeinigt hätten, daß das Königreich Navarra 1177, also einhundert Jahre später, einen Großteil der Rioja an Kastilien abtreten musste.

 

Wie auch immer, sowohl die Re-Conquista als auch die Repoblacion, also die Wiederbesiedlung der Gebiete, die im Verlauf der Besatzung der Mauren und der Kämpfe zwischen Christen und Moslems teilweise ganz verwüstet und entvölkert waren, sorgte für ein Wiedererblühen der Rioja. 

 

La Rioja des Mittelalters war Durchzugsland, eine strategisch wichtige Grenzzone, was wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den Königreichen Kastilien, Navarra und Aragon führte. Auch die Hospitalgründungen im 10./11. Jahrhundert entlang des Caminos in Sahagun, Villa Vascones, Arconada (Rioja), Najera und Santo Domingo de la Calzada weckten Begehrlichkeiten.

Die Wichtigkeit dieses Abschnitts des Caminos unterstreicht eine Verfügung des Grafen Gomez von Carrion des 15. März 1047, wonach dieser Weg auch von Pilgern nach Rom frequentiert wurde. Er spricht davon, daß zu seinem Seelenheil und dem seiner Eltern zu Ehren der hll. Facundus, Primitivus und Christopherus und allen Heiligen an diesem Ort (Arconada) sowohl ein Kloster wie ein Hospiz für eben jene Pilger, die nach Rom zu Sankt Peter und/oder nach Compostell zum Hl. Jakobus hin-/zurückgehen, erbaut werden soll.

 

Der Name Rioja leitet sich offensichtlich von der Zusammensetzung zweier Worte ab: Rio-Oja = Oja-Fluß, der durch die gleichnamige Region in den Ebro fließt.

 

Im Verlauf der Verwaltungsreform in 1833 gab man der verbliebenen Provinz den Namen Logroño.  Nach Beendigung der Franco-Herrschaft wurde ihr wieder der Name La Rioja zugestanden. Zwei Jahre später, 1982, wurde sie zu einer autonomen Gemeinschaft mit eigenem Statut innerhalb des spanischen Staates erhoben. Die Region zählt zu den kleineren Spaniens mit lediglich 320.000 Einwohnern, davon in Logroño selbst über 150.000; Calahorra: 24.000; Najera: 8.100; Santo Domingo de la Calzada: 6.300.

Der Rioja-Wein                                          Bestandteil des Pilgermenüs

Die Provinz La Rioja ist, nomen est omen, bekannt für ihren Rioja-Wein. Mehr als 20.000 Winzer produzieren dort vornehmlich Rotwein, aber auch zu ca. 15% Rose- und Weißweine. Das Weinanbaugebiet zwischen den beiden Bergketten Urbasa und Demanda am Ebro entlang zählt zu den bedeutendsten Europas. Zum abendlichen Pilgermenü gehört ein Rioja-Wein einfach dazu, meistens gleich als Flasche geordert.

 

In der Hospederia San Martin in Santiago de Compostela, gegenüber der Kathedrale, ist die Flasche Rotwein im Preis des Pilgermenüs inkludiert, allerdings nur je Tisch, sodass sich Pilger allein aus diesem Grund an verschiedene Tische setzen. Vielleicht ein Tipp für Sie? Wer weiß?

Informatives für den Pilger 

Nach der Überquerung des Ebroflusses betritt der Pilger die Provinzhauptstadt Logroño. Mittlerweile eine Stadt mit über 150.000 Einwohnern. Von besonderem Interesse sollten sein die Catedral de Santa Maria de la Redonda, die Iglesia San Bartholome und die Santiagokirche mit der Figur des Matamoros. Ich habe der Stadt ansonsten nicht so viel abgewinnen können, zu städtisch, zuviel Rummel.

 

Von hier geht`s durch die Rioja-Weinberge via Navarrete, Poyo de Roldan, Najera, Azofra, Santo Domingo de la Calzada bis nach Redecilla del Camino. Einundsechzig Kilometer. Die autonome Region Castilla y León schließt sich an.

 

DER WEG DER HEILIGEN

Wird sich der Pilger bewußt sein, dass vor ihm auf diesem Weg schon sehr viele heilige Söhne der Kirche liefen? San Formerio, SanPrudencio de Armentia, San Millan de la Cogolla, Santo Domingo de Silos, Santo Oria de Villavelayo, San Gregorio Ostiense und last but not least Santo Domingo de la Calzada wie San Juan de Ortega.

Auch Franz von Assisi hinterließ hier sein Spuren, gründete unterwegs einen Konvent.

 

Zu den vorgenannten Orten

bitte oben links in der vertikalen Spalten anklicken.

Durch die Rioja

Auf dem Weg von Los Arcos nach Logroño, der Provinzhauptstadt.

 

Stundenlang ist fast keiner weit und breit zu sehen, und was noch wichtiger ist, es ist still. Kein Geplapper. 

 

Genauso hatten wir es uns vorgestellt. Zeit zum Meditieren: Nichts Existentielles, nein, nur den Gedanken freien Lauf lassen oder gar nicht denken; Fauna und Flora beobachten.

 

Jedoch: Auf der 19. Etappe von Carrion de los Condes nach Calzadilla de la Cueza wird alles anders sein. Das Geschnattere raubte einem die Sinne. Lesen Sie mehr in unserem Reisebericht WESTWÄRTS NACH GALICIEN, Seite 64.

Der Liber Sancti Jacobi / Codex Calixtinusein lateinisch verfaßter Pilgerführer des 12. Jahrhunderts schreibt unheilvoll: "(...) und hinter Los Arcos (...) fließt ein Strom, dessen Wasser den Pferden und Mannen, die aus ihm trinken, den Tod bringt." (3)   

 

Ritter Arnold von Harff geht 1499 auf die heutige Provinzhauptstadt Logrono ein: " (...) nach Logrono 1 Lieu (Entfernungsangabe), einer Stadt des Königs von Spanien. Hier reitet man über eine steinerne Brücke. Der Fluss heißt Ebro. Dort endet das Königreich von Navarra. In Logrono untersucht man dich, ob du Handelsgüter bei dir hast. Für sie musst du Zoll zahlen." (2)

Abseits des Camino

Von Mauren zerstörte Klöster, Kirchen und Ortschaften

San Millan de la Cogolla - UNESCO-Weltkulturerbe

südlich von Ciruena (Azofra-Santo Domingo) - ca. 12 km

mit den Klöstern San Millan de Suso (oberes Kloster) und Yuso (unteres Kloster)

Der Heilige lebte von 473 bis 574, zunächst als Schafhirte, im MIttelalter Patron Kastiliens. Nach seinem Tod mutierte der Ort - in der Zeit vom 6. Jh. bis zum 12. Jh. - von der Einsiedelei des Heiligen letztlich zu zwei berühmten Klöstern.

 

Involviert waren vor allem die Könige Sancho II. Garces (938 - 995) und Garcia III. (1016 - 1054). Letzterer ließ das von den Moslems unter Al-Masur in 1001 zerstörte Kloster wieder aufbauen. Garcia III. gründete gleichermaßen das Kloster Santa Maria la Real de Najera.

 

Hier in diesem Kloster schrieb ein Mönch um das Jahr 977 den ersten Text auf westaragonesisch, entstanden aus dem Vulgärlatein, mit ersten baskischen Begriffen. Die Klosterbibliothek umfasst ca. 10.000 Bände. Interessant auch das Prozessionskreuz des 10. Jhs.

Der Edilesa-Pilgerführer des Jahres 1999 weist darauf hin, nicht den Kenotaph (Erinnerungszeichen ohne sterbliche Überreste) des Heiligen aus dem 12. Jh. zu verpassen. Das untere Yuso-Kloster wartet mit romanischem Elfenbein, dem Kreuzgang und der Kirche im Renaissancestil, mit viel Barockmalereien, flämischen Kupferarbeiten, neoklassischen Fresken und Eisenschmiedekunstwerken auf.  Die romanische Grabstätte des Heiligen jedoch steht im Vordergrund (Foto 2. Reihe)

 

Der Pilger kann sich bereits in Najera entscheiden, entlang der Straße parallel zum Fluß Richtung Cardenas zu gehen, oder spätestens in Ciruena, den Abzweig Richtung Süden mit ca. 12 km. Es sollte sich lohnen. Je nach Weg und/oder Straße dürfte der Pilger dann ungefähr mit 36 km rechnen müssen. Der direkte Piglerweg über Azofra liegt bei 21 km.

 

Freigebene Fotos  *)

Calahorra

südöstlich von Logrono - ca. 51 km.

Berühmte spanische Stadt, zitiert von El Cid, mit einem historischen Zentrum voller Sehenswürdigkeiten: Kathedrale, Kirchen, Klöster der vergangenen Jahrhunderte.

 

Bereits im 8. Jh. wurde der Ort von den Mauren erobert - lange Zeit das Bollwerk der Moslems. Die vermeintliche und viel beschworene Toleranz der Moslems zeigte sich darin, dass um 932 nach Christus der Kalif von Cordoba, Abd ar-Rahman III., alle Kirchen incl. der Kathedrale niederreißen ließ. Über einhundert Jahre später (1045) eroberte König Garcia III. von Navarra Calahorra im Rahmen der Re-Conquista endlich zurück.

 

Umweg wohl nur mit dem Bus oder Taxi ratsam.