PROVINZSTÄDTE PONFERRADA und VILLAFRANCA DEL BIERZO

Templerburg. Ritter. Ausstellung.                                                  

Das kleine Santiago. Camino duro. Parador.

Ponferrada

Burg und Basilika de la Encina (1614). Freigegebenes Foto.

Die Bedeutung Ponferradas steht und fällt mit der Burg der Templer. Im

11. Jahrhundert sorgte Bischof Ormundo aus Astorga für den Bau einer Brücke über den Fluss Sil für die Jakobsweg-Pilger. Die Burg wurde vermutlich 1185 nach Christus gebaut. Fortan sorgten Tempelritter für Ruhe und Ordnung und ermöglichten so den Pilgern die Weiterreise. Das war bei Gott nicht einfach. Inmitten gold- und silberhaltiger Täler mutierte der Ort zu einem strategisch wichtiger Punkt. Noch bis zum Jahre 1248 erhoben die Bischöfe den Wegezoll. Der Codex Calixtinus/Liber Sancti Jacobi des 12. Jahrhunderts geht auf den Ort ein. 

 

In der Nähe der modernen Brücke erinnert die Hospitalstraße daran, dass Königin Isabella die Katholische an jener Stelle das königliche Hospital Santa Ana gründete. Oben führt der Weg nach links zur Kirche Santa Andrea. 

 

Im Zuge der Auflösung des Ordens im 15. Jahrhundert entspann sich ein munteres Bäumchen-wechsle-dich-Spiel, das damit endete, dass die Katholischen Könige Ferdinand II. und Isabella I. Stadt und Burg in ihren Besitz nahmen.

Heute zählt die Stadt mit knapp 65.000 Einwohnern (Stand 2019) zum Kreis (Comarca) El Bierzo, zur Provinz León und ist letztlich der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León zugeordnet. In 1857 lebten hier gerademal 3.565 Einwohner, über 1900: 7.188, 1950: 23.773 zu 2017 mit 65.788; jetzt also etwas abnehmend.

Der Ortskern ist als Kulturgut in der Kategorie Conjunti historico-artistico anerkannt.

 

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Die 27. Etappe wird uns herausfordern. Hitze, Staub, Hitze, Staub, Hitze.

 

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Die in der Templerburg befindliche Ausstellung vermittelt einen guten Überblick über die mittelalterliche Vergangenheit.

Villafranca del Bierzo

Villafranca del Bierzo wurde im Mittelalter der vielen Kirchen, Klöster und Pilgerherbergen wegen (San Roque, San Juan, etc.) das 'kleine Santiago' resp. 'Klein-Compostela' genannt. Cordula Rabe spricht in ihrem Reiseführer von vier Kirchen, sechs Klöstern und mindestens ebenso vielen Pilgerhospizen.

Wer es bis hierher, zur Puerta del Perdon der Santiagokirche, geschafft hatte, aber erkrankte und den rd. hundertfünfzig langen Weg nicht mehr bis nach Compostell aufnehmen konnte (gar begraben werden musste, der Friedhof liegt nahebei), der bekam bereits hier die Absolution dank eines Sonderrechts des spanischen Papstes Calixtinus III. (1455-1458).

Die im 11. resp. 12. Jahrhundert unter Alfonso VI. gegründete Stadt wurde wie Estella in Navarra von den Franken besiedelt: villa de francos. Die weiland vom Kloster Cluny in Frankreich aus gesandten Benediktinermönche, sie siedelten am Eingang zum Engen Tal des Rio Valcarce, nahmen sich der Betreuung der Pilger an und kultivierten den Weinanbau. Heute steht nach wie vor neben der Betreuung der Pilger der Weinanbau im Vordergrund.

 

Die Santiago-Kirche (11./12. Jh.) war die erste Kirche, die die ankommenden Pilger in Villanfranca del Bierzo aufsuchten; die einzige, die sich noch in ihrer romanischen Form erhalten hat. Es hat zwei Portale. Das Nordportal trägt den Namen Gnadenpforte (puerta del pardon). Warum? Siehe oben zweiter Satz. Das Portal weist zwei Bögen auf, der innere stilisierte Blätter und Blüten, der äußere eine Reihe Apostelfiguren, Pilgerszenen, Heiligenstatuen. Die Kapitelle verweisen auf das Neue Testament, u.a. mit den drei Königen/Weisen aus dem Morgenland, die offenscihtlich in Richtung Kalvarienberg, der Kreuzigungsstätte Jesu Christi, reisen. Das Tor soll wie in Santiago die Heilige Pforte nur in Heiligen Jahren geöffnet werden. Im Inneren befindet sich eine Statue des Apostels in vollem Pilgerornat.

 

Die Colegiata Santa Maria wird von cluniazensischen Mönchen errichtet worden sein. Dona Urraca verlieh der Kirche im Jahre 1120 den zehnten Teil des Wegezolls, den die Stadt einnahm. Im 14. Jahrhundert in Ruinen, im 16. Jahrhundert durch den Grafen von Villafranca neu erbaut, im 18. Jahrhundert vollendet. Vom ehemaligen Franziskanerkloster ist nur die Kirche San Francisco übriggebleiben, in ihr zu bewundern eine prächtige eingelegte Holzdecke (Mudejar-Artesonado). Der Convento de la Anunciada wird vom Klarissenorden geführt. Die barocke Klosterkirche entstammt dem 17. Jh. Hinter den Klostermauern steht mit 33 Meter Höhe einer der größten und ältesten Zypressen Europas, gepflanzt kurz nach der Klostergründung im Jahre 1606.

Jesuiten gründeten im 17. Jh. den Konvent San Nicola el Real. Sehenswert der barocke Hauptaltar, der Kreuzgang und ein kleines Wissenschaftsmuseum. Mehr über die Kirche.

Die Familie des Marques von Villafranca, Don Pedro de Toledo y Osorio, erbaute im 15. Jahrhundert die große viereckige Burg mit vier gewaltigen Rundtürmen mit Zinnenkranz und kegelförmigen Dachabschluss.

 

Geschichtliches. Während der Napoleonischen Kriege (1800 bis 1814) hatten sich die Engländer und Spanier zusammengetan. Tatort Villafranca: Die Disziplin des englischen Heeres nimmt aufgrund der französischen Übermacht Napoleons dramatisch ab, General Sir John Moore verliert die Kontrolle über sein Heer, ist enttäuscht über die Spanier. Die Engländer mutieren, fast möchte man es so ausdrücken, zu Barbaren. Alle versuchen, ihr Leben zu retten, manchmal zu Lasten der sie begleitenden Frauen. Spanische wie auch englische Depots werden geplündert, Klöster ausgeraubt, Häuser zerstört und geplündert, Burgen angegriffen, als wäre Spanien und nicht Frankreich der Feind. Noch nie zuvor hatte sich ein britisches Heer so mordend und brandschatzend aufgeführt; deutsche und irische Söldner waren partiell davon mehr oder weniger ausgenommen. Die Truppen verlassen Villafranca del Bierzo, Sir John Moore stirbt auf dem Rückzug in La Coruna am 16. Januar 1809. Hundert Jahre lang haben die Bauern jenen Winter nicht vergessen, sprechen vom Hunger, von Bränden. James A. Michener schildert dies alles recht anschaulich in seinem Reisebuch Iberia aus 1968. Der Rückzug über den Paß Cebreiro muß grauenvoll gewesen, im kältesten Monat des Winters 1809; die Leichen bleiben am Wegesrand liegen, Pferde mußten zu Hunderten getötet werden; die mitgeführten Goldmünzen, weil zu schwerer Ballast, den Abhang hinuntergeworfen. Die Soldaten plündern jedes spanische Dorf, legen sich mit der erbeuteten Weinflasche in den Graben, wohlwissend, dass sie aus ihrem Rausch nicht mehr aufwachen werden. Btte lest selbst.  

 

In Villafranca del Bierzo scheiden sich die (Pilger-) Geister. Die einen wählen nach O Cebreiro den bequemen, aber verkehrsreichen Weg entlang der Hauptstraße, die anderen entscheiden sich wie wir für den Camino duro, für einen Schotterweg von 500 Meter auf 930 Höhenmeter und später dann von 610 auf 1.250 Meter, also für die Hammertour. Für den Hotel-Rezeptionisten folgerichtig nicht nachvollziehbar, er hatte nur mitleidig mit dem Kopf geschüttelt, als ich ihm davon erzählte. Das erinnerte mich an die Einheimischen auf Mallorca, die damals von den verrückten Deutschen sprachen, als diese in der Mittagsgluthitze Tennis spielten. 

Villafranca del Bierzo. Camino de Pradela. Auch Camino duro - der harte Weg zum O Cebreiro genannt.

Links zur alternativen Straßenroute über die N-VI und Trabadelo - Camino de Pereje.

 

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Etappe 28 - Camino duro. Der harte Weg. O Cebreiro. Bunter Vogel.

Fotos:

1./2. R.:  Santiagokirche. Westportal. Leider geschlossen.

              Nordportal mit der Gnadenpforte.

3. Reihe: Friedhof.

              Die Burg aus Bruchstein als Palastfestung.

4. Reihe: Die Burg.

              Calle del Agua. Früher wirtschaftliches Zentrum mit Adelspalästen,

              Kirchen wie der San Nicolas.

5. Reihe: Impressionen.

6. Reihe: Mittelalterliche Brücke Ortsausgang Richtung O Cebreiro.

              Blick auf Villafranca del Bierzo.             

7. Reihe: Camino duro. Der harte Weg.

              Weiter auf dem Camino duro.

8. Reihe: Parador de Villafranca del Bierzo. In 2006 ein Dreisternehotel.

              Nach der anstrengenden Etappe mit über 30 km ein Genuss; Hostals

              und Herbergen waren alle completo.

              Jahre später war das Parador zum Viersternehotel mutiert.