Burgos. El Cid.

GESCHICHTE NEU BEWERTET

DIE KREUZZÜGE                                                                       LEYENDA NEGRA - Die Schwarze Legende                                      DER SPANISCHE BÜRGERKRIEG

Einführung Kreuzzüge

VORBEMERKUNGEN

Auch Bill Clinton *), vormaliger US-Präsident, meinte, sich zu den europäischen Kreuzzügen äußern zu müssen. Zwei Monate nach Nine Eleven (11.09.2001) wählte er dafür das Auditorium der Universität Georgetown/Washington und sagte in etwa: "Die Kreuzzüge seien ein Verbrechen gegen den Islam." Clinton zitierte als Beleg einen mittelalterlichen Bericht über das - vermeintliche - Blutvergießen unter Gottfried von Bouillon 1099 bei der Eroberung Jerusalems.

 

Die New York Times schrieb 1999: "Die Kreuzzüge seien mit Hitlers Gräueltaten vergleichbar."

 

Im selben Jahr marschierten mehrere Hundert fromme Protestanten von Köln ins Heilige Land mit folgendem Schriftzug auf ihren T-Shirts:

„Ich entschuldige mich.“

 

WOFÜR SICH EIGENTLICH ENTSCHULDIGEN?

Diese Art der Beschuldigungen geht auf die Zeit der Aufklärung zurück, als französische und britische Intellektuelle das finstere Mittelalter erfanden, um das eigene Zeitalter zu glorifizieren und die katholische Kirche zu diffamieren. Erst ab jenem Zeitpunkt nahm die große Mehrheit der Moslems überhaupt von den Kreuzzügen Notiz. Von den arabischen Zeitgenossen des späten 11. bis 13. Jahrhunderts waren die Kreuzzüge in weiten Teilen der islamischen Welt noch nicht einmal wahrgenommen worden, weil zu unbedeutend, und wenn, dann nur unter der machtpolitischen Überschrift und nicht als Angriff auf den Islam.

 

AUFKLÄRER SCHIESSEN

SICH AUF KATHOLISCHE KIRCHE IN

Voltaire (1694-1778) verglich die Kreuzzüge u.a. mit einer epidemischen Raserei.1

David Hume (1711-1776), schottischer Philosoph, Historiker und Ökonom, schloss sich Voltaires Argumentation an.

Denis Diderot (1713-1784), französischer Aufklärer, Philosoph und Schriftsteller, setzte allem die Krone auf und sprach von einer Ära tiefster Finsternis und größter Verblendung, etc.

 

Johann Lorenz von Mosheim (1693-1755), lutheranischer Kirchengeschichtler,  hatte wohl den Papst als Antichrist vor Augen, als er deklamierte: "Kreuzfahrer seien die ersten Imperialisten, die unter religiösem Vorwand Land und Beute suchten; die Päpste seien zuerst aus Aberglauben beteiligt, dann aus Gier."

 

RIDLEY SCOTTS MANIPULATION IN 2005

Noch im Jahre 2005 meinte ein Ridley Scott, diese Fake-News filmisch in Szene setzen zu müssen. Im "Königreich der Himmel" "manipulierte er seine ZuschauerInnen mit den Aussagen: Die Kreuzfahrer waren wild und grausam, die Muslime hingegen kultiviert und tolerant. Die europäischen Imperialisten überfielen friedliche Muslime. Sultan Saladin war ein Gentleman und die Kreuzritter Schurken. Seither hassen uns die Muslime mit gutem Grund.  

 

 1   Voltaire

Der französische Schriftsteller Voltaire, eigentlich François-Marie Arouet (1694–1778), gilt als „Vater der Aufklärung“ und als „Papst des Laizismus“.

Ganz anderer Ansicht ist die französische Schriftstellerin und Historikerin Marion Sigaut. Voltaire habe „die Wirklichkeit verzerrt, um seine fixen Ideen zu rechtfertigen. Sein Anliegen war nicht die Wahrheit, sondern die Zerstörung des Christentums; vor allem die katholische Kirche und die Katholiken würden in den Geschichtsbüchern, wie sie an den Schulen benützt werden, verzerrt dargestellt. Auch das sei, unter anderem, ein Erbe der Aufklärung“, so die namhafte Pariser Autorin, die heute in Burgund lebt. Das dazu gehörige Buch aus dem Jahre 2014 trägt den französischen Titel "Voltaire - Une Imposture Au Service Des Puissants" - Voltaire, der aufgeklärte Betrüger im Dienst der Mächtigen. Quelle: Katholisches.Info, Magazin für Kirche und Kultur - 27.01.2016. 

DIE KREUZZÜGE

Antwort der Christen auf die jahrhundertelangen islamischen Provokationen

Zur Begrifflichkeit des Wortes Kreuzzug. Der Begriff wurde erst im 13. Jahrhundert geprägt, also lange nach dem ersten sog. Kreuzzug. Die zeitgenössischen Protagonisten sprachen von einer Reise ins Heilige Land oder von einer bewaffneten Pilgerfahrt: "expeditio, iter in terram sanctam" bzw. "peregrination" und drückten damit ihre wahre Intention aus, wie wir später sehen werden.

 

Bei meinen nachfolgenden Ausführungen beziehe ich mich unter anderem auf das in 2009 in den USA erschienene Buch „God`s Battallions – The Case for the Crusades.“ In Deutschland erstmalig im April 2013 publiziert unter dem Titel: „Gottes Krieger – Die Kreuzzüge in neuem Licht.“ 

 

Der Autor, Prof. Rodney Stark, ein amerikanischer Religionssoziologe der University of Washington, hatte nichts anderes getan, als eine Vielzahl von Publikationen verschiedener Jahrhunderte in eine Zusammenschau zu bringen. Herauskommen ist eine Abhandlung, die nachhaltig beweist, dass die Kreuzzüge das Ergebnis vorangegangener Provokationen seitens der Muslime waren. Ihren Ursprung, also die der muslimischen Provokationen, sieht Stark bereits in den moslemischen Eroberungskriegen des 7. Jahrhunderts, beginnend mit Mohammed.

 

MOSLEMS GEGEN CHRISTEN IM HEILIGEN LAND

Zur Einstimmung einige Zitate des 4. Kapitels: "Pilger und Verfolgte". Rodney Stark beschreibt die damalige Situation im Heiligen Land, knapp 100 Jahre vor Beginn des ersten Kreuzzugs.  

  • Zerstörung des Heiligen Grabes durch fatimidische Moslems am 18. Oktober 1009; vgl. auch www.kath-info.de/islamgeschichte.html  .
  • Mehr als 30.000 Kirchen wurden auf Geheiß des Kalifen al-Hakim geplündert, eingeäschert; Christen umgebracht, zur Konversion gezwungen. 
  • Christen mussten zwecks Identifikation auf Geheiß des Kalifen ein fast zwei Kilo schweres Kreuz am Hals tragen,
  • die Juden ein ebenso schweres geschnitztes Kalb.
  • Christliche Pilger wie der Abt von Saint-Florent les Saumur, Gerald de Thouars, wurden 1022 hingerichtet;
  • 1026 ein Richard von Saint-Vanne zu Tode gesteinigt, weil er auf islamischem Gebiet die heilige Messe gelesen hatte, etc.
  • 1064 geriet eine große Pilgergruppe unter der Führung von Bischof Gunther von Bamberg bei Caesarea in einen Hinterhalt. Zwei Drittel wurden getötet. Alles im Namen Allahs.
  • 1187. Sultan Saladin enthauptete eigenhändig Rainald von Chatillon. Alle überlebenden Ordensritter (100-200) wurden geköpft, da sie nicht zum Islam konvertieren wollten.

GLEICHE SITUATION IN ÄGYPTEN

Das hier für das Heilige Land Beschriebene kann man auf das koptisch-christliche Ägypten übertragen - relativ früh nach der moslemischen Eroberung Ägyptens des Jahres 640 n. Chr. beginnend. Christen durften keine Kreuze tragen, aus Trotz tätowierten sie sich dann ihr Kreuz auf die Hand, wie heute. Christen durften nur auf Eseln reiten, keine Waffen besitzen. Sie mussten schwarze Kleidung tragen. Der Besitz von (Mess-)Wein für den Gottesdienst war verboten. Vor Gericht waren Christen nur bedingt als Zeugen zugelassen. Die Steuern für Mönche wurden ins Unermessliche getrieben, etc..

Sechs Aufstände wurde von den Moslems in der Zeit von 725 und 829 blutig niedergeschlagen, ganze Dörfer und Hunderte Kirchen von den Arabern niedergebrannt, die Männer hingerichtet, Frauen und Kinder versklavt. Schließlich knickten viele Christen ein - bis zum 9. Jahrhundert war mehr als die Hälfte aller Ägypter zum Islam übergetreten.  

El-Hakim, oben bezeichneter Fatimiden-Kalif von 996-1021, ließ auch in Ägypten Tausende Kirchen abbrennen, seinen koptischen Wesir köpfen, den koptischen Papst Zacharias den Löwen vorwerfen. Einiges erinnert an den römischen Kaiser Nero, der im 1. Jahrhundert die Christen als Straßenfackeln verbrennen, und andere Christen seinen Zirkuslöwen als Fraß zuwerfen ließ.

 

Und dennoch sprechen viele modernen Wissenschaftler vom "goldenen Zeitalter" eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Moslems und Kopten während der Fatimidenzeit. Die Fatimiden gehörten übrigens der Schia an, der zweitgrößten Konfession des Islam. Sie führten ihre Herkunft und Legitimation auf Fatima, der Tocher des Propheten, zurück. 988 gründeten sie im heutigen Kairo die al-Azhar Universität, heute noch das geistige Zentrum der sunnitisch-moslemischen Welt. 

Nicht wenige Wissenschaftler attestieren El-Hakim eine gewisse Schizophrenie, um so von seinem islamischen Hintergrund abzulenken-

Fotos.

lks.: Burg Krak-des-Chevaliers, 1187 von Saladin eingenommen.

re.:  Saladin enthauptet Rainald de Chatillon.  

AUCH ALTABT GREGOR

HENCKEL DONNERSMARCK WIDERSPRICHT 

DER GÄNGIGEN MEINUNG ÜBER DIE KREUZZÜGE

Es ist schon überraschend, dass sich der Altabt des Zisterzienser Stiftes Heiligenkreuz in Österreich *) so dezidiert gegen die tradierten Vorstellungen des Mainstreams ausgesprochen hat. Geschehen im Rahmen einer Veranstaltung vom 26. November 2015 in Heiligenkreuz zum Thema "Das Ritterideal" - ausgerichtet von der Statthalterei Österreich des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

 

Der Redner beklagte in seinem Vortrag "Die Gründungscharismen der Ritterorden und der Einfluss des heiligen Bernhard von Clairvaux " (1091 - 20. August 1153), dass wir heute nicht genügend Verständnis für die damalige Situation aufbrächten, vielmehr das Mittelalter aus der der Sicht des 20./21. Jahrhunderts deuten wollen.

Sein Diktum, das ich später ausführlicher behandeln werde: Der Kreuzritter handelte allein aus religiösen Gründen, um die heiligen, christlichen Stätten Jerusalems von den moslemischen Seldschuken zu befreien.

 

Zum Autor: Er ist laut Autorenverzeichnis des unten bezeichneten Büchleins Prälat, Dipl.-Kfm. (Einschub: in seinem früheren Arbeitsleben), Mag. theol., Altabt des Stiftes Heiligenkreuz, Ehrenkonventualkaplan im Souveränen Malteser-Ritter-Orden und Spiritual des Großpriorats von Österreich, Aumonier-Vicaire des Ordens vom Goldenen Vlies. Quelle: Karl Lengheimer (hg.) Das Ritterideal - Von Bernhard von Clairvaux bis in die Gegenwart -, Be&Be-Verlag, Heiligenkreuz im Wienerwald, 2016.

 

*) Der monastische Orden der Zisterzienser, Abkürzung OCist für Ordo Cisterciensis, fühlt sich dem geistlichen Erbe des Mutterklosters Citeaux in Frankreich (gegründet 1098), verpflichtet - an sich entstanden als Reformkloster aus der Tradition der Benediktiner, namentlich des Klosters in Cluny.

Papst Urban II. - 1095 in Clermont

Clermont-Ferrand. Kathedrale.

 

Jedes Ereignis hat eine Vorgeschichte. Jedoch: Diese Vorgeschichte ist offensichtlich vielen zu kompliziert und letztlich doch so einfach, sie stört gleichwohl die vorherrschende Sicht heutiger Wissenschaftler.

Also beginnen fast alle Historiker mit der Rede Papst Urbans II., die er am 27.11.1095 im Rahmen einer Bischofssynode (Konzil) vor den Toren des französischen Clermont gehalten hat.

 

WARUM ABER BEGINNEN DIESE WISSENSCHAFTLER NICHT MIT DEM ANFANG DIESER GESCHICHTE? Warum nicht mit Mohameds Eroberungsfeldzügen. Warum nicht mit dem moslemischen Überfall auf das christlich-jüdische Jerusalem im Jahr 638 n. Chr.. Warum nicht mit der Zerstörung der christlichen Heiligtümer wie der Jerusalemer Grabeskirche im Jahr 1009? Heute würde man von Terroranschlägen sprechen.

 

Warum erwähnen Mainstream-Wissenschaftler nicht den (moslemischen) Sarazenenangriff auf Rom in 846 mit der Entehrung des Altares von St. Peter? Mehr hierüber auf der nächsten Seite unten. 

 

Dabei gibt es ernstzunehmende Aufzeichnungen mehrerer Chronisten besagter Zeit wie die des Fulcher von Chartres, des Ekkehard von Aura und des Benediktinermönchs Robert von Reims.

 

Welche Rede Papst Urban II. nun wirklich wortgetreu gehalten hat, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Danach soll der Papst nicht ausdrücklich zur Befreiung Jerusalems aufgerufen haben, wohl aber die Anwesenden mit flammenden Worten ermahnt haben, den verfolgten Christen im Osten zur Hilfe zu eilen.  Warum?

 

KAISER ALEXIOS I. KOMNENOS ERBITTET HILFE

Der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos hatte Papst Urban II. über Graf Robert von Flandern ein Sendschreiben übermitteln lassen mit der Bitte, ihm und dem  bedrohten Konstantinopel beizustehen. Die zum Islam übergetretenen seldschukischen Türken stünden rund einhundertfünfzig Kilometer vor der Stadt; zuvor hätten sie Jerusalem erobert. Der Kaiser schildert die Situation drastisch und detailliert. Er spricht von grausamen Folterungen, denen die christlichen Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land ausgesetzt wären. Davon, dass Christen von den Moslems vergewaltigt und ihre Bäuche aufgeschlitzt, ihre Kirchen einschließlich der Altäre und Taufbecken geschändet worden seien.

 

Einschub im September 2014: Geschichte wiederholt sich eben doch - vgl. die Gräueltaten der moslemischen IS-Terrororganisation im Irak und in Syrien mit dem Ziel der vollständigen Ausrottung der dort lebenden Christen.

 

BISCHOFSSYNODE VON CLERMONT. 

VORRANGIG MIT INNERKIRCHLICHEN THEMEN BESCHÄFTIGT

Die vom 18. bis 28. November 1095 von Urban II. geleitete Bischofssynode hatte in erster Linie innerkirchliche Themen auf der Agenda, wie die Zerrüttung der Kirche, die weiland auch das politische System Europas tangierte. Die Bischofssynode vom Frühjahr des selben Jahres in Piacenza hatte nämlich kein Ergebnis erbracht.

So mahnte der Papst, völlig unabhängig von seinem Aufruf, den Bedrängten zu helfen, mit eindringlichen Worten seine Brüder, in ihren Ländern den von den heiligen Vätern eingeführten Gottesfrieden zu erneuern, ihn in jeder Diözese strikt durchzusetzen.

"Doch wenn einer, der von Habgier oder Hochmut befallen ist, diesen Frieden bereitwillig bricht, möge er sich kraft Gottes Amtsgewalt und mit Billigung der Entscheide des Konzils unter die Exkommunizierten einreihen." 

 

Ebenso sollen die Sätze gefallen sein: "Danach müssen wir besonders erwägen, wie schwer derjenige bestraft werden muss, der einem anderen etwas stiehlt, ob er etwa zu Höllenstrafen verdammt ist, weil er mit dem eigenen Besitz nicht freigiebig umgegangen ist."

 

"Haltet die Kirche in all ihren Rängen gänzlich frei von weltlicher Macht."

 

Rom. Patriarchalbasilika St. Paul vor den Toren, 2010. Bildnis Papst Urban II. (1088-1099). Er starb vor der Eroberung Jerusalems durch das christliche Heer.

 

Papst Urban II. in Clermont zu den Anwesenden:

„Werdet Soldaten des lebenden Gottes.“

Die Antwort der Anwesenden: "Deus lo vult!" - Gott will es!

 

PAPST URBAN II. MAHNT FRIEDEN AN

In diesem Zusammenhang appellierte Urban II. an die Verwalter geistlicher Ämter, ehrlich und frei von Heuchelei zu sein. "Ihr seid das Salz der Erde. Seid wahre Hirten, wachet nach jeder Seite über die Herde, die Euch anvertraut ist. Seid klug, weitblickend, maßvoll, gelehrt, friedensstifend, wahrheitssuchend, fromm, gerecht, unparteiisch und rein. Denn wie sollen Ungelehrte andere zu Gelehrten machen, Maßlose andere maßvoll und Unreine andere rein machen? Wie kann einer, der den Frieden hasst, Frieden herbeiführen?"

 

ADELSFAMILIEN ZAHLTEN

Vielfach wird seitens der Historiker konstatiert, dass die Kreuzzüge von unversorgten Söhnen des Adels organisiert worden seien. Das war mitnichten so, schlichtweg falsch. Die Kreuzzüge wurden organisiert von den Häuptern bedeutender Familien unter dem Einsatz immenser persönlicher Kosten. Für viele bedeutete es den Ruin. Die später im Heiligen Land gegründeten christlichen Königreiche konnten sich nur durch enorme Zuschüsse am Leben erhalten. 

 

Der berühmt-berüchtigte Niccolo Machiavelli (1469-1527) schreibt dazu:

"(...) wandte er (Papst Urban II.) sich zu einer ehrenvollen Unternehmung, ging mit dem ganzen Klerus nach Frankreich und versammelte zu Clermont eine große Menge Volkes, der er eine Rede gegen die Ungläubigen hielt, wodurch er die Gemüter so sehr entflammte, daß sie Asien den Sarazenen zu entreißen beschlossen. (...) Viele Könige und viele Völker trugen durch Geld dazu bei, und viele Privaten dienten ohne allen Sold, so viel vermochte damals über die Gemüter der Menschen die Religion und das Beispiel ihrer Oberhäupter. (...) Auch der Orden der Templer entstand, der vor kurzer Zeit durch ihre schlechten Sitten unterging. (...)" - Quelle: Gesammelte Werke in einem Band, Wunderkammer  Verlag, Neu-Isenburg 2008 für Zweitausendeins, Hrg. Dr. Alexander Ulfig.

Papst Urban II. betet auf dem Konzil von Clermont 1095. Freigegebenes Foto. Autor: Jean Colombe (1430-1493). Zurzeit in der Bibliotheque nationale de France.

Manfred Lütz, der bekannte Bestseller-Autor, bestätigt in seinem neuesten Buch Der Skandal der Skandale (2018), dabei die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigend, dass Papst Urban II. in Clermont mitnichten zur Missionierung aufgerufen habe, sondern nur zur Sicherstellung des freien Zugangs zu den heiligen christlichen Jerusalemer Stätten.

Moslemische Expansionen ab dem 7. Jahrhundert

Katar. Fanar, Quatar Islamic Cultural Centre, Eigenaufnahme 2009: Karte zur Ausdehnung des Islam.

 

RODNEY STARK BEGINNT seine Geschichtsschreibung mit dem

7. Jahrhundert, nicht wie viele pro-islamisch motivierte westliche Historiker mit dem 1. Kreuzzug unter der Ägide von Papst Urban im 11. Jahrhundert. 

 

Der Autor beginnt mit den islamischen  Expansionen im Nahen Osten, Ägypten, Nordafrika, Spanien, Süditalien, Sizilien, Korsika, Zypern, Rhodos, Kreta, Sardinien.

Der Gegenangriff der Christen erfolgte im 8. Jahrhundert mit dem Ergebnis, dass manche Gebiete rückerobert werden konnten und zuvor praktiziertes christliches Leben wieder Einzug hielt.

 

VORBEMERKUNG - MOHAMEDS DIKTUM

Mohamed (570 - 632) hatte seine Kämpfer kurz vor seinem Tod wie folgt motiviert: "Mir wurde aufgetragen, alle Männer so lange zu bekämpfen, bis sie anerkennen: Es gibt keine Gottheit außer Allah."

Dieser Satz ist kongruent mit Sure 9,5: "Tötet die Götzendiener (…) und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf."

 

SYRIEN

In der Schlacht am Jarmuk, die im August 636 n. Chr. sechs Tage dauerte, wird das syrische Damaskus vollständig unterworfen. Kenner des Neuen Testaments wissen um die Bedeutung der Stadt für die Christenheit - Stichwort: Saulus/Paulus. Der moslemische Kalif (Kalif bedeutet Nachfolger) machte Damaskus  zur Hauptstadt des islamischen Reichs.

 

JERUSALEM 

638 nach Christus eroberte Kalif Umar ibn al Chattab die Heilige Stadt der Christen und Juden. Die Christen dürfen in Jerusalem bleiben, die Juden zunächst nicht. Später wird das Ansiedlungsverbot aufgehoben.

 

ÄGYPTEN

Das ägyptische Alexandrien fällt 645 n. Chr. ohne Gegenwehr an die Moslems, begünstigt durch den Verrat eines Offiziers. Sie richten ein Massaker unter den Einwohnern an, legen Brände, bis die halbe Stadt zerstört ist.

 

AFRIKA - KARTHAGO

EINE  CHRISTLICHE STADT FÄLLT DEN MOSLEMS ZU

Zwischen 698 und 705 erobern moslemische Berber mit einer Armee von 40.000 Kämpfern die Stadt Karthago. Hier, im heutigen Tunesien und Algerien, hatte im 4./5. Jahrhundert einer der größten Kirchenlehrer der Christenheit gewirkt: der heute noch in den Universitäten oft zitierte Philosoph Augustinus von Hippo. Nicht zu vergessen der Afrikaner Tertullian, der Ende des 2. und Beginn des 3. Jahrhunderts die christliche Literatur in lateinischer Sprache begündete, wenige Jahrzehnte später der heilige Cyprian von Karthago, dem "ersten Bischof, der in Afrika die Krönung durch das Martyrium erhielt". Er litt wie viele seiner christlichen Zeitgenossen unter der grausamen Verfolgung der römischen Kaiser Decius (250) und Valerian (257-258). Cyprian schrieb übrigens über die Einheit der katholischen Kirche, die ihr Fundament in Petrus habe und ihre vollkommene Verwirklichung in der Eucharistie finde (Brief 63,13).

 

HISPANIA/SPANIEN

Anno Domini 711 wird das heutige Spanien von rund 7.000 bis 10.000 moslemischen Kriegern unter der Befehlsgewalt des Berbers Tariq ibn Ziyad überrannt. Nach ihm wird Gibraltar benannt; es bedeutet nichts anderes denn Felsen des Tariq.

 

Wer mehr über die Schlachten in Spanien, insbesondere die von Tours und Poitiers 721 resp. 732 und über die Reconquista (Rückeroberung) lesen will, den bitte ich, den Pkt. Die Ritterorden. Mauren. Reconquista. aufzuschlagen.

 

 

ITALIEN - ROM

Seeschlacht von Ostia 849. Paolo Veronese. Der dritte arabisch-moslemische Angriff auf Rom.

 

ITALIEN. ROM. St. PETER - 9.  Jh.

In dem von Klaus Herbers in 2011 herausgebenen Buch Pilger, Päpste, Heilige, Narr Verlag, wird auf Seite 25 über die (moslemischen) Sarazenenangriffe auf Rom berichtet. Sie verwüsteten und plünderten danach in 846 besonders das Viertel um St. Peter, entehrten den Altar von St. Peter, sodass die Christen, so heißt es dort, den Apostelfürsten nicht in angemessener Weise mehr verehren konnten. Als Folge ließ Papst Leo IV. (847-855) Mauern um St. Peter errichten, nach dem Vorbild der aurelianischen Mauern, nicht nur als Schutz vor feindlicher Bedrohung, sondern auch um die Pilgerverehrung gerade in unruhigen Zeiten sicherzustellen.

 

ITALIEN - SAN DAMIANO

Auch die heilige Klara (1193 in Assisi geboren, Bewunderin von Franz von Assisi, Ordensfrau seit 1212, gestorben am 11. August 1253) wurde von moslemischen Sarazenen bedroht. Als um das Jahr 1240 sarazenische Truppen das Tal von Spoleto mit dem Kirchlein von San Damiano stürmten, flehte sie unter Tränen ihren Herrgott an, sie doch zu verschonen. Die Sarazenen ergriffen die Flucht, als sie die ihnen entgegen getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten Sakrament sahen.

Parallelen gibt es in Santiago de Compostela, als die Truppen des Almanzor bei ihrem Angriff auf Stadt und Kathedrale das Grab des Apostels unangetastet ließen. die Reliquien waren allerdings schon zuvor entnommen, also gerettet worden.

Situation Jerusalems

Christliche Chronisten verzeichnen für fast jede Generation Verfolgungen, Schikanen, Massaker, Verwüstungen, denen sie seitens der moslemischen Herrscher ausgesetzt waren. Moslemischen Quellen zufolge waren an den Pogromen gegen die Christen leider auch Juden beteiligt.

 

Moshe Gils, israelischer Mediävist und Wirtschaftshistoriker (1921-2014), nennt in seiner Abhandlung "History of Palestine", die die Jahre 634 bis 1099 umfasst, nachstehend kurz skizzierte Vorfälle:

  • Frühes 8. Jahrhundert: Der Gouverneur von Saesura lässt siebzig Pilger aus Kleinasien hinrichten - bis auf sieben, die zum Islam konvertiert waren.

  • Kurze Zeit später werden sechzig Pilger in Jerusalem gekreuzigt.

  • Im späten 8. Jahrhundert wird von einem moslemischen Überfall auf das Kloster Theodosium bei Bethlehem berichtet. Sie töteten die Mönche und zerstörten zwei Kirche.

  • Im Jahre 776 des Herrn wurden zwanzig Mönche des Klosters von Mar Saba bei lebendigem Leib verbrannt - von den Moslems.

  • 809 gab es mehrfache Überfälle in der Heiligen Stadt: Klöster und Kirchen werden zerstört, die Klosterangehörigen getötigt, vergewaltigt.

  • Ebenso Anno Domini 813.

  • Am Palmsonntag des Jahres 923 wird von einer neuen Welle moslemischer Greueltaten berichtet.

Symbolische Darstellung der Eroberung Jerusalems - in England des 12. Jahrhunderts begonnen und in Spanien zwei Jahrhunderte später fertiggestellt.

 

Die Bilder zeigen oben: Jesus in Jerusalem und die Zerstörung des Tempels; in der Mitte die Enthauptung der Juden durch die Feinde des Herrn und unten die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer.

 

JERUSALEM IM 11. BIS 13. JAHRHUNDERT

KALIF AL-HAKIM, 1009

Das Fass zum Überlaufen brachte der schon erwähnte fatimidische Kalif al-Hakim, der es 1009 nach Christus nicht mehr bei der nur den Christen auferlegten Religionssteuer beließ. Er veranlasste die Zerstörung der konstantinischen Auferstehungskirche. Das Heilige Grab, damals eine komplett erhaltene Felsenhöhle, ließ er schleifen und dem Feuer aussetzen. In seinem Reich wurden in den Folgejahren dreißigtausend (30.000) Kirchen enteignet, geplündert, die Christen aus den öffentlichen Ämtern gedrängt oder zur Annahme des Islam gezwungen. Wer mag es den Christen verdenken, dass sie sich wehrten?

 

DIE TEMPLER

SULTAN SALADIN. KAISER FRIEDRICH II.

Die Templer, 1119 von Hugo de Payens gegründet mit dem Ziel, das Heilige Land vor den Moslems zu schützen, schafften es, diesem hehren Anspruch nur bis 1291 gerecht zu werden. In der Schlacht von Akkon am 8. Mai wurden sie schlußendlich von den moslemischen Mamelucken vernichtend besiegt.

Dazu schreibt der moslemische Chronist Abu `l-Mahasin : "(...) die Mamluken hielten nicht ihr Wort, dem Kommandeur und den Templern war sicheres Geleit zugesagt: sie wurden enthauptet."

Bestätigt wird diese Aussage durch Saladins Sekretär, Imad ad-Din. Er schreibt über das Schicksal der gefangengenommenen Kreuzritter, Templer wie  Johanniter:

„Er [Saladin] gab Befehl, alle zu enthaupten. Er zog es vor sie zu töten, anstatt zu Sklaven zu machen. Bei ihm war eine ganze Schar von Gelehrten und Sufis, und mehrere fromme und asketische Männer: Jeder von diesen bat ihn, zumindest einen umbringen zu dürfen“.

 

Knapp einhundert Jahre zuvor, 1189, war die Heilige Stadt bereits trotz furiosen Widerstands von zwei (2) Rittern*) und sehr vielen Flüchtlingen in die Hände Saladins gefallen - mit Hilfe des Verrats der griechischen Bevölkerung; sie hatten die Tore geöffnet. Als Dank dafür ließ Sultan Saladin alle lateinischen Kirchen in griechisch-orthodoxe umwidmen.

 

Der im Jahre 1229 von Kaiser Friedrich II. mit Sultan Al-Kamil ausgehandelte Vertrag, wonach Jerusalem, Bethlehem und Nazareth wieder unter christlicher Herrschaft kommen sollte, hielt nur 15 Jahre. Am 23. August 1244 überrannten türkische mit dem Sultan verbündete Nomaden aus Asien die schwache Verteidigungskraft, töteten alle Franken und entweihten die heiligen christlichen Stätten.

 

*) Zwei Jahre zuvor hatte Saladin im Kampf um Tyrus resp. um die Wasserstelle in Hattin alle gefangenen Templer und Johanniter enthaupten oder versklaven lassen. 

 

ZUSAMMENFASSUNG

Die 1095 n. Chr. von Papst Urban II. initiierten Kreuzzüge fanden also, so Prof. Stark, nicht ohne vorhergehende Provokationen seitens der Moslems statt, und sie hatten auch noch hernach, wie oben ausgeführt, ihre volle Berechtigung. Korrekterweise sollte man nicht von Kreuzzügen sprechen. Dieser Begriff wurde erst sehr viel später kreiert. Die zeitgenössischen Protagonisten sprachen von einer Reise ins Heilige Land oder von einer bewaffneten Pilgerfahrt: "expeditio, iter in terram sanctam" bzw. "peregrination" und drückten damit ihre wahre Intention aus.

  • Sie sind nicht die erste Runde des europäischen Kolonialismus gewesen.

  • Sie sind nicht wegen Land, Beute oder aus Bekehrungsabsichten geführt worden, sondern aus religiösen Gründen und als Buße für begangene Sünden.

  • Die (sog.) Kreuzritter waren keine Barbaren, die die - vermeintlich - kultivierten Moslems schlecht behandelten.

  • Es gab auf beiden Seiten nicht akzeptable Auswüchse. Diese aber nur den Christen anzulasten, ist schlichtweg Geschichtsklitterung.

  • Sultan Salafin, der in Lessings Parabel Nathan der Weise als honoriger Herrscher beschrieben wird, tötete eigenhändig mehrere Ritter, obwohl er ihnen zuvor sicheres Geleit zugesichert hatte.

SITUATION HEUTE - PRÄSIDENT ERDOGAN

Ergänzung am 2. Juni 2015. "Erdogan will über Jerusalem die Fahne des Islam wehen lassen." Und weiter heißt es im gleichlautenden Artikel in der "Welt" vom 01.06.15: "Eroberung heißt Mekka. Eroberung heißt Sultan Saladin, heißt, in Jerusalem wieder die Fahne des Islam wehen zu lassen. (...) Alle, die behaupten, Jerusalem sei die heilige Stadt der Juden, sollen sich noch einmal dafür schämen. Saladin ist das Symbol unserer Einigkeit. (...) um (mit ihm und) mit Gottes Hilfe diese Botschaft zu senden: Jerusalem gehört für immer den Kurden, den Türken, den Arabern, den Muslimen."

 

Besonders empfehle ich das Studium des Kapitels 3 des oben beschriebenen Buches, in welchem Autor Stark nachvollziehbar beschreibt, dass die moslemischen Araber mitnichten den Europäern überlegen waren. Die meisten von uns plapperten Tradiertes nach und sprächen vom finsteren Mittelalter. Für Rodney Stark ein Mythos, ein Märchen; vgl. dazu auch den Menühauptpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. > Hell leuchtendes Mittelalter.

 

*) Zu Bill Clintons Bemerkungen über die Kreuzzüge. In diesem Kontext passt gut die Aussage seiner Frau Hillary Clinton während ihrer Präsidentschaftskandidatur in 2015: "Tiefverwurzelte kulturelle Codes, religiöse Überzeugungen und strukturelle Phobien haben sich zu ändern. Die Regierungen müssen ihre Möglichkeiten nützen, um die überlieferten religiösen Dogmen neu zu definieren." Quelle: Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, Oktober 2016.  Und sie redete prinzipiell nicht nur der westlichen Säkularisierung das Wort, sondern suchte jede Gelegenheit, den Islam positiv darzustellen.

 

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Die nächste Seite beschäftigt sich mit den ersten vier sog. Kreuzzügen, beginnend in 1096 nach Christus.