RELIQUIENVEREHRUNG GESTERN UND HEUTE   Das Turiner Grabtuch. Das Schweißtuch Jesu.

Santiago de Compostela. Kathedrale. Schrein des heiligen Jakobus.

Vorbemerkungen

"Das sind doch nur Knochen." Gesprochen von Pater F. bei der Vorbereitung der heiligen Messe am Schrein des heiligen Apostels Jakobus in der Kathedrale zu Santiago de Compostela in 2011. Mich schaudert es noch heute bei diesem Satz. Der 'späte' Martin Luther sprach von „tot Ding“, von "Narrenwerk", hat er doch die ganze Wallfahrerei, also das Pilgern, verabscheut.

 

Der Geistliche wollte wohl damit auch zum Ausdruck gebracht haben, dass es doch mehr als zweifelhaft sei, dass es sich bei den hierin befindlichen sterblichen Resten überhaupt um die des heiligen Jakobus handeln könne. Ohnehin, prinzipiell alle Autoren, die irgendetwas über und/oder zum Jakobsweg schreiben, fühlen sich bemüßigt zu betonen, dass es sich um eine Legende handeln müsse. Nicht jedoch Papst Leo XIII. Der Pontifex ließ am 1. November 1884 die Authentizität der in der Kathedrale ruhenden Reliquien des Apostels und seiner getreuen Schüler Atanasio und Teodoro erklären; also für echt einstufen. Die historisch-kritische Exegese/Forschung widersagt sich dieser Ansicht; wie sollte es auch anders sein.  

 

Interessant ist, dass es gleichwohl hundertausende Pilger nicht abhält, nach Santiago de Compostela zu streben: Die Büste des Heiligen umarmen, den Schrein des Jakobus aufsuchen, dort morgens in der Früh - wie wir es vor Jahren durften - einen speziellen Pilgergottesdienst feiern, mit eigens formulierten Fürbitten. 

 

Reliquien im Mittelalter

Der Reliquienkult, die Translation von Reliquien über weite Entferungen, begleitete den Prozess der Christianisierung Europas als prägender Faktor. Reliquien sollten bei der Bekehrung der Heiden helfen und gehörten zur Ausstattung jeder neuen Kirche. Das Wort Reliquie kommt von 'Zurücklassen' von Knochen, Kleidungsstücken von Heiligen und Märtyrern.

 

MÄRTYRERVEREHRUNG IM 2. JAHRHUNDERT

Der Totenkult und die Märtyrerverehrung geht bis ins 2. Jahrhundert zurück. Die ersten Martys, also Zeugen des Lebens Jesu Christi, waren die Apostel; mehrheitlich "umgebracht um des Wortes Gottes und ihres Zeugnisses wegen", so steht es in der Offenbarung 6,9, und deren Seelen am himmlischen Altar ruhen.

Die Märtyrer waren also Glaubenszeugen, die wegen ihres Bekenntnisses zu Jesus Christi seit dem 1. Jahrhundert hingerichtet worden waren. Ab dem 3. Jahrhundert sahen die Gläubigen die Märtyrer auch als himmlische Fürsprecher der Menschen an, die im Himmel für die Menschen die Vergebung der Sünden erflehten und ihnen Schutz und Hilfe Gottes vermitteltelten. Sechs Jahrhunderte später wurde es üblich, Heiligengebeine zu teilen und kleinste Knochenteilchen zu transferieren. Quelle: Credo, Christianisierung Europas. Von der Wirkmacht heiliger Gebeine: Bruno Reudenbach.  

 

Das unabhängige katholische Nachrichtenportal www.kath.de schreibt ergänzend:

„Im Mittelalter übten die sterblichen Überreste von heiligen Menschen eine große Anziehungskraft aus. Es kam zu großen Wallfahrtsbewegungen zu den Gräbern von Petrus und Paulus in Rom, nach Santiago (heiliger Jakobus) de Compostela, ab dem 12. Jahrhundert nach Köln, weil Erzbischof Rainald von Dassel 1158 die Gebeine der Drei Könige, die der Stern zur Krippe in Bethlehem geführt hatte, aus Mailand nach Köln gebracht hatte. Was erhofften sich die Menschen, wenn sie den Sarg berühren oder sehen konnten?

 

GOTTESDIENSTE IN KATAKOMBEN UND KIRCHEN

Schon die ersten christlichen Generationen beerdigten ihre Heiligen dort, wo sie Gottesdienst gefeiert haben, in den Katakomben und später in den ersten Basiliken. In den romanischen Kirchen wurden die Gebeine der Heiligen in der Krypta beigesetzt. Der Altar wurde dann sozusagen über den Gräbern der Heiligen errichtet. Das Bonner Münster erhebt sich über einem alten Soldatenfriedhof; in der Krypta kann man sich noch ein Bild von der ersten kleinen Kapelle machen, die über den Gräbern der Märtyrer errichtet worden war. Wenn die Mittel für den Bau einer Krypta fehlten, spricht man von einer Confessio, "Bekenntnis", denn die Kirche baut auf dem Bekenntnis der Glaubenszeugen auf.

 

IN DER GOTIK BRICHT SICH EINE ANDERE FRÖMMIGKEIT BAHN

Die Menschen wollen sehen. So erhob der Priester die gewandelte Hostie über seinen Kopf, denn er stand vor dem Altar mit dem Rücken zur Gottesdienstgemeinde. Die Wallfahrten nahmen zu, so dass man die Pilger nicht mehr durch die Krypta schleusen konnte. In der ersten gotischen Kirche, Saint Denis, heute ein nördlicher Vorort von Paris, wurden die Gebeine des hl. Dionysius, des ersten Pariser Bischofs, auf den Altar gestellt. Das kann man heute noch im Kölner Dom sehen. Der goldene Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige steht auf dem Hauptaltar.

 

WARUM VEREHR(T)EN DIE MENSCHEN RELIQUIEN?

Warum wollten die Menschen den Sarg eines Heiligen anfassen oder später den Schrein mit seinen Gebeinen sehen? Die Reliquien, das was die Seele des Heiligen auf der Erde zurückgelassen hatte, wird am Ende der Welt bei der Auferstehung der Toten wieder mit der Seele (in einem verklärten Leib) vereint werden. Die Toten werden ihre Gräber verlassen und sich mit ihren Seelen, die im Himmel sind, vereinen. Kirchen mit den Gebeinen der Heiligen sind damit Tore zum Himmel. Die Reliquien werden aus den Gräbern in den Himmel versetzt werden. Wer die Gräber der Heiligen besuchte, sah sich dem Himmel näher und konnte hoffen, mit den Gebeinen der Heiligen in den Himmel aufgenommen zu werden.

 

So materiell der Umgang mit den Reliquien uns heute erscheint, seine Wurzel ist der Glaube an die Auferstehung aller Verstorbenen. Da man sicher sein konnte, dass die Heiligen nicht in der Hölle sein werden, sondern im Himmel, konnten sich die Menschen durch den Besuch der Reliquien auf den Himmel ausrichten.“

Reliquienverehrung heute

Im nachfolgenden beschränke ich mich (zunächst) auf die Beschreibung einiger weniger Reliquien, nämlich des Heiligen Rocks in Trier, des Turiner Grabtuchs, der Heiligen Treppe in Rom und des Volto Santo in Manoppello. Daran kann exemplarisch verdeutlicht werden, dass die Reliquienverehrung des Mittelalters die Angriffe der Reformatoren überdauert hat. Auch heute strömen Hunderttausende nicht nur nach Trier, Turin, Aachen, Rom oder Santiago de Compostela. Für einen aufgeklärten, modernen Christen an sich doch ein Widerspruch? Nein! Gelebte Volksfrömmigkeit.

 

Martin Mosebach, der bekannte katholische Schriftsteller, fasst die Verehrung der Reliquien wie folgt zusammen - im Rahmen seines am 04.07.2014 gehaltenen Referats: "Der geerdete Himmel - Über die Stofflichkeit des Glaubens."

 

„Es geht bei der Verehrung der Reliquien nicht um einen Totenkult - sondern um das Leben. Die Heiligen sind diejenigen, die den Tod nicht schauen mussten, wie es der Erlöser sagt, obwohl sie oft unter schrecklichen Umständen starben. Beispielhaft darf man den heiligen Erzmärtyrer Stephanus nehmen, der im Sterben den Himmel offen gesehen hat.

Obwohl noch von ihren Körpern geschieden, leben ihre Seelen. Was sie zurückgelassen haben, sind nicht Leichen, sondern wie abgelegte Kleider, die noch warm sind von ihren Trägern.

Weil sie mit Gewissheit die Auferstehenden sind, darf auch die Messe, die den Tod und die Auferstehung des Herrn verkündet, über ihren Reliquien gefeiert werden. Ohne die Auferstehung gliche die Reliquienverehrung oft genug befremdlicher Nekrophilie.

Für die Christen ist sie nichts anderes als der Versuch, die Heiligen, die die Erde verlassen haben, bis auf den äußersten Punkt der Materialität zu folgen, bis an die Grenze der irdischen und himmlischen Sphäre und an dieser Grenze in Hoffnung und Erwartung auszuharren.“

Der Heilige Rock von Trier 

Der Tradition nach handelt es sich um das ungeteilte Gewand Jesu Christi, das er vor der Kreuzigung trug; vgl. dazu den Bericht in der Bibel unter Johannes 19,23.

Der Überlieferung nach soll die Mutter von Kaiser Konstantin, Flavia Julia Helena, die Tunika Christi von ihrer Reise ins Heilige Land Anno Domini 327/328 nach Rom mitgebracht haben. Hierüber berichtete unter anderem Ambrosius (geb. 339 in Trier, gestorben am 4. April 397 in Mailand), Kirchenlehrer; als Bischof von Mailand ein begnadeter Prediger; der hl. Augustinus sein begeisterter Zuhörer.

 

Im Jahre 1512, also vor rund 500 Jahren, wurde die Reliquie erstmals den Gläubigen  vorgestellt. Seit dem wallfahren sie nach Trier zum Heiligen Rock. Er wird im Dom zu Trier aufbewahrt.

 

MARTIN LUTHER ZU DEN WALLFAHRTEN

Zur Trierer Wallfahrt 1546 äußerte sich Martin Luther ein Jahr zuvor wie folgt:  

„Wie ist man gelaufen zu den Wallfahrten! (…) Was thät allein die neue Bescheißerei zu Trier, mit Christus Rock? Was hat hie der Teufel großen Jahrmarkt gehalten in aller Welt, und so unzählige falsche Wunderzeichen verkauft? (…) Und das noch das Allerärgest ist, daß sie die Leute hiemit verführet und von christo gezogen haben, auf solche Lügen zu trauen und bauen (…).“

 

Fünfunddreißig Jahre (1510/1511) zuvor hatte er noch eine ganz andere Meinung von Märtyrern; vgl. dazu unten stehender Punkt: Die Heilige Treppe.

 

Johannes Calvin, Reformator aus Genf, nannte die Reliquienverehrung Götzendienst.

So stringent denken heutige protestantische Würdenträger nicht mehr. Sie folgten beispielsweise der Einladung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann und marschierten mit auf der  Heilig-Rock-Wallfahrt 2014.

Papst Franziskus zum Turiner Grabtuch

„Lassen wir uns also von diesem Blick berühren.“ Das sagte Papst Franziskus in einer Videobotschaft nach Turin. Dort wurde Ostern (2014) das sogenannte Grabtuch Jesu öffentlich gezeigt: Die nur eineinhalb Stunden währende Ausstellung geht auf eine Anregung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zurück, wie die Erzdiözese Turin meldet. Das Turiner Grabtuch sollte im „Jahr des Glaubens“ ausgestellt werden, und zwar zu dem dafür sinnträchtigsten Datum, dem Karsamstag, hatte Benedikt XVI. gebeten. Das Tuch zeigt die Spuren eines Gekreuzigten und gilt als eines der Tücher, in denen der Leichnam Jesu nach seiner Passion ins Grab gelegt wurde. Die Echtheit des Grabtuches ist umstritten, Zeichen der Verwesung zeigt der abgedrückte Leichnam nicht. Auch Papst Benedikt XVI. hatte das Grabtuch bei einem Turin-Besuch gesehen.


„Mit euch trete auch ich vor das Grabtuch hin”, sagt Papst Franziskus in seiner Videobotschaft. Er wolle auf das Tuch „einen Blick des Gebets” werfen. Und weiter, wörtlich: „Ich würde noch mehr sagen, es ist ein Sichanschauen-Lassen. Dieses Gesicht hat geschlossene Augen; es ist das Gesicht eines Toten, und doch schaut es uns auf geheimnisvolle Weise an und spricht zu uns im Schweigen.” Der Mann des Grabtuchs lade ein, Jesus von Nazareth zu betrachten und uns ins „beredte Schweigen der Liebe zu versenken“. Quelle: www.kbwn.de

 

ERGÄNZUNG AM 5. NOVEMBER 2014

Papst Franziskus besucht am 21. Juni 2015 das Turiner Grabtuch. Dazu sagte der Erzbischof von Turin, Cesare Nosiglia, in der Pressekonferenz des Vatikan: Die Ankündigung, die wir heute bei der Generalaudienz direkt vom Munde des Papstes hörten, hat uns sehr tief berührt und gefreut. Der Papst kommt als Pilger des Glaubens und der Liebe. Zwei Elemente gehören zu diesem Besuch dazu: Einerseits will er das Grabtuch ehren und andererseits kommt er, um bei dieser Reliquie zu beten. Das Grabtuch wird vom 19. April bis zum 24. Juni für alle zugänglich sein und im Turiner Dom ausgestellt.”

 

Zur Echtheit: Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen des sogenannten Turiner Grabtuches liefern aus Sicht des Erzbischofs keinen triftigen Beleg gegen dessen Echtheit. „Die Wissenschaft gibt keine Antworten; die Antworten sind unsichere Zufälle“, sagte er am Mittwoch im Vatikan mit Blick auf die umstrittene C-14-Analyse aus dem Jahr 1988. Die verwendeten Technologien seien womöglich für gültige Beweise gar nicht weit genug entwickelt gewesen und sollten moderneren Methoden weichen.“

 

Zum Schweißtuch "vera ikon" (Wahre Ikone) nach der Auferstehung Jesu Christi (griech.: soudarion), das die Apostel Petrus und Johannes im Grab Jesu gefunden hatten, unten mehr.

 

Fotos von der Santa Sindone.

Das ausgespannte Grabtuch im Duomo di San Giovanni in Turin. Ein 436 mal 110 Zentimer langes Leinen mit Blutspuren. Dazwischen ist schwach des schattenhafte Doppelbild eines bärtigen, nackten Mannes zu erkennen, der nach seinem Tod auf die rechte Seite der Stoffbahn gelegt wurde, bevor er mit der linken Seite des langen Lakens bedeckt wurde.

Volto Santo                                                           Das Schweißtuch Jesu "vera ikone"

Manoppello. Basilika des Heiligen Gesichts auf dem Tarigni-Hügel. 

 

Obwohl mit der Ratio an sich nicht zu begreifen, unglaublich, das Vorstellungsvermögen sprengend. Und dennoch kein Zweifel für den Glaubenden, für mich: Das ist das Göttliche Gesicht Jesu Christi nach seiner Auferstehung.

Das Antlitz Jesu mit offenen (nicht geschlossenen) Augen auf einem Muschelseidentuch (im Foto-Positiv).

 

Das Schweißtuch "vera ikone" das "wahre Bild." Das Gegenstück zum Turiner Grabtuch, das Jesus mit geschlossenen Augen und Merkmalen des Gekreuzigten zeigt.

 

Wir haben an diesem brütendheißen Sommertag im Juli 2015 Glück. Mehr als eine 3/4 Stunde sind Elke und ich die einzigen in der Kirche. Schwester Petra-Maria Steiner kümmert sich liebevoll um uns, erklärte uns alles en Detail, zum Beispiel wie von welcher Position am besten fotografieren; auch führt sie uns ins kleine Museum mit den Abbildungen des Turiner Grabtuchs. En passant erzählt Sr. Petra-Maria von ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen als vormalige Pastoralreferentin im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Klar, dass sie sich hier in Manoppello wohl fühlt. Später kam ein Bus polnischer Katholiken.

Wer mehr wissen will, sollte sich unbedingt von Paul Badde, Journalist in Rom (ehemals für die "Welt") und Herausgeber der katholischen Zeitschrift "Vatican magazin", das kleine Büchlein "Jesus in seinen Grabtüchern" oder seinen spannend geschriebenen Krimi um das Muschelseidentuch "Das Göttliche Gesicht" aus 2006 besorgen; sein Büchlein "Von Angesicht zu Angesicht - Das Antlitz Gottes in Manoppello" aus 2017 fasst den neuesten Stand zusammen; Christiana-Verlag in der Fe-Meidenverlags GmbH, Kißlegg.

 

Fakt ist, bis in die beginnende Neuzeit entsprechen alle Jesusbilder auf geheimnisvoller Weise dieser Vorlage von Manoppello. Das Seidentuch, das Schweißtuch war also allen Künstlern über Generationen der Jahrhunderte hinweg bekannt gewesen.

 

EHRUNG DURCH PAPST BENEDIKT XVI.

Papst Benedikt XVI. ehrte das Heiligtum mit seinem Besuch am 1. September 2006 und erhob kurz darauf die örtliche Kirche zu einer päpstlichen Basilika. Auszüge aus dem von ihm an jenem Tag gesprochenen Gebet:

"Herr Jesus, zeige uns, so bitten wir Dich, Dein immer neues Gesicht, geheimnisvoller Spiegel der unendlichen Barmherzigkeit Gottes.(...) Deine Augen ruhen auf uns mit Zartheit und Erbarmen. (...) Geheimnissvoller Blick (...), verborgenes Antlitz in den euachristischen Zeichen und in den Blicken unserer Nächsten, mach`uns zu Pilgern Gottes in dieser Welt."   

 

Papst Benedikt XVI. am 1. September 2006 vor Jesu Antliz in Manoppello. Ein Teil seiner Kurienkardinäle war entsetzt. Der Pontifex maximus ließ sich aber nicht von seinem Besuch abbringen. Knapp 16 Jahre trägt dann sein Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein das Soudarium in einer Prozession; unten mehr.

 

Paul Badde äußert sich zum Papstbesuch u.a. (auf Seite 76) seines in 2017 editierten Büchleins "Von Angesicht zu Angesicht - Das Antlitz Gottes in Manoppello" treffend: "Ganz gewiß wird Benedikt XVI. auch nicht der letzte Papst gewesen sein, der vor dem menschlichen Gesicht Gottes im Schweißtuch Christi wieder seine Knie gebeugt." Den gegenwärtigen Papst dürfte er wohl nicht gemeint haben. Nachstehend mehrere bedeutende Kardinäle/Persönlichkeiten, die das Heiligtum besucht haben: Robert Cardinal Sarah am 17.07.2017; Joachim Kardinal Meisner in 2004 und am 4. April 2005 während der Begräbnisvorbereitungen für Papst Johannes Paul II., der Theologe Prof. Dr. Klaus Berger, Kurt Kardinal Koch aus der Schweiz, Antonius Luis Kardinal Tagle, Erzbischof Manilas und Metropolit der Philippinen am 21. Mai 2017, u.a.v.a.m..

Foto entnommen: https://etnunc.blogspot.de/2016/02/papst-in-manoppello.html

 

Aus dem Evangelium des Johannes, 20,1-9:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;

sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab.

Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen

und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.

Fotos

1. Reihe: Ort Manoppello. Am Tage der Aufnahmen 36 ° heiß.

              Weg der frühen Pilger zum Ort.

2. Reihe: Pilgerbank vormaliger Pilger.

              Basilika des Heiligen Gesichts auf dem Tarigni-Hügel.

3. Reihe: Blick auf den Altar mit dem Volto Santo.

4./5. Reihe: Das Heilige Gesicht Jesu Christi.

5. Reihe: Im Vergleich zum Turiner Grabtuch.

6. Reihe: Statue der Veronika im Petersdom.

              Bildausschnitt vom Schleier.     

7. Reihe: Altar der dt. Kirche auf dem Campo Santo Teutonico.

              Ausschnitt Jesu Abnahme vom Kreuz mit dem Leinentuch.

 

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ERGÄNZUNG JANUAR 17. JANUAR 2016

SCHLEIER VON MANOPPELLO KURZE ZEIT IN ROM

 

"Wir alle sind auf der Suche nach dem Antlitz unseres Herrn, um in ihm einen Weg für unser Leben zu finden", sagte Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch in Manoppello im Jahr 2006. Heute, zehn Jahre später, ist das Antlitz Christi zurück in Rom, das seit dem Fall Roms im Jahr 1527 in einem Kapuzinerkloster in den Abruzzen aufbewahrt wird.

Begleitet von einer großen Zahl an Pilgern ist das Schweißtuch der Veronika am gestrigen Samstag vom Petersdom zur Kirche Santo Spirito getragen worden - von Erzbischof Georg Gänswein, dem Sekretär von Papst em. Benedikt XVI.; genauer: eine in einem früheren Rahmen des Originals gefassten und im Laser-Verfahren erstellte, maßstabgetreue Kopie des kostbaren Schleiers, der in der ganzen katholischen Welt auch verehrt wird als "Volto Santo”: Das Schweißtuch Veronikas, in dem das wahre Gesicht Gottes auf Erden zu sehen ist." http://de.catholicnewsagency.com/story/das-gesicht-der-liebe-erzbischof-ganswein-uber-das-heimgekehrte-tuch-christi-0399

Text entnommen CNA Deutsch/EWTN News, 17. Januar 2016. Predigt des Erzbischof: 2 

Die Heilige Treppe - Lateranpalast Rom

Einer der berühmtesten Rompilger war Martin Luther, 1510/1511: "Sei gegrüßt, Du heiliges Rom, ja, rechtschaffen heilig, von den heiligen Märtyrern und ihrem Blut, das da vergossen ist!"

 

MARTIN LUTHER UND DIE HEILIGE TREPPE

Selbstverständlich rutschte auch Luther kniend die achtundzwanzig Stufen der Heiligen Treppe hinauf. Er sprach auf jeder Stufe ein Vaterunser eingedenk der Hoffnung, einen damit verbundenen Ablass zu erhalten.

 

MARIAHILF IN PASSAU

Desgleichen tun auch die heutigen PilgerInnen. Wie man auf dem Foto sieht - kniend jede einzelne Stufe hinauf zum Gedenken an die Leiden Christi. Wie die Marien-Pilger eintausend Kilometer nördlich auf der Wallfahrtsstiege zur Wallfahrskirche Mariahilf in Passau. Diese „Himmelsleiter“ führt als gedeckter Treppengang von der Passauer Innstadt auf die Bergeshöhe. Die Pilger beten die Stufen hinauf und nähern sich so dem Gnadenort auf eine besonders eindringliche Weise.

 

PONTIUS PILATUS

Die Heilige Treppe (La Scala Sancta) in Rom wird dem Palast des Pontius Pilatus zugeschrieben. Sie soll Jesus Christus betreten haben im Rahmen seines gegen ihn angestrebten Prozesses. Pontius Pilatus wusch an dieser Treppe seine Hände in Unschuld. Der Überlieferung nach hat die Mutter Kaiser Konstantins, die heilige Helena, die Treppe 326/327 n. Chr. nach Rom gebracht.

 

Die Treppe führt/e zur Hauskapelle der Päpste, der Sancta Sanctorum, in der eine Vielzahl bedeutender Reliquien liegt/lag.

Hinweis: Der Romkenner weiß, dass sich die Heilige Treppe nicht in/an der Lateranbasilika befindet, sondern in den Resten des gegenüberliegenden Lateranpalastes, in der heutigen Kirche SS. Salvatore della Scala Santa. 

 

ERGÄNZUNG FEBRUAR 2015

Herausgeber Paul Badde vom Vatican-Magazin betitelt seinen Artikel auf Seite 85 - Ausgabe 1/2015 mit NON EST IN TOTO SANCTIOR ORBE LOCVS.

 „Auf der ganzen Welt gibt es keinen heiligeren Ort heißt es über der ‚Heiligen Treppe‘ auf Latein in der ‚allerheiligsten‘ alten Papstkapelle neben dem Lateran, die eine Schatzkammer der Kirchengeschichte ist.“

 

Meine Stichworte: Märchenhafte Sammlung von Reliquien. Der Raum selbst sei eine Reliquie. Einer der ältesten Reste des antiken Papstpalastes, der seine letzte Gestalt aber erst von Papst Nikolaus III. (1277-1280) erfahren habe; erstmalig im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt, reiche aber bis ins Rom des 4. Jahrhunderts mit Kaiser Konstantin zurück. Der älteste Sakralraum, nach den Katakomben, hätte im Mittelalter den Namen ‚Sancta Sanctorum‘ erhalten. Weiter führt er aus, dass dort immer noch ein Pergament mit einer Ikone aus der Zeit um 450 zu sehen sei; Papst Stefan II. hätte die Ikone im Jahr 756 in einer Prozession durch Rom getragen, als Schutz gegen die Lombarden.

Fotos

1. Reihe: Umgebung San Giovanni in Laterano. Der höchste Obelisk Roms.

              SS. Salvatore della Scala Santa. Gebäude der Heiligen Treppe.

2. Reihe: Heilige Treppe kniend hinauf. Auf jeder Stufe ein Gebet plus Vaterunser.

              Zurück über die Treppe (links) gehend.

3. Reihe: Verschlossene Eisentür zum Sanctorum.   

              Kapelle des Sancta Sanctroum und Achereopita-Bild.

4. Reihe: Frei zugängliche Kapelle.

              Wandbild.

                    

1 Hinweis. Man nimmt an, dass die vormalige Volksfrömmigkeit aus dem Begriff "vera ikon" den Namen Veronika gebildet hat. Was insoweit auch Sinn macht, als Jesus ja beim Kreuzweg heiligen Frauen begegnet ist, die ihn beweinten: vgl. die 6. und 8. Kreuzwegstation.  

 

2  Predigt Erzbischof Georg Gänswein, 17. Januar 2016, Kirche Santo Spirito, Rom: Schleier von Manoppello: "Das Gesicht der Liebe".

"Omnis terra" heißt dieser Sonntag nach den Worten des 65. Psalms am Beginn dieser heiligen Messe: "Omnis terra adoret te, Deus, et psallat tibi!" Auf deutsch: "Die ganze Erde bete Dich an, o Gott, und singe Dir Loblieder!" So hieß dieser Sonntag auch schon vor 800 Jahren. Und auch damals schon wurde wie heute in allen katholischen Kirchen das Evangelium von der Hochzeit von Kana verlesen.  Seitdem sind Weltreiche untergegangen und wie Herbstlaub verweht. 92 Päpste hat die Kirche danach gesehen. Gewaltige Revolutionen und Kriege haben Europa erschüttert, fatale Spaltungen die Christenheit zerrissen. Da scheint die Ruhe fast ein Wunder, mit der wir in der Liturgie dieses Sonntags heute immer noch wie damals singen: Jubelt Gott, alle Lande!

In diesem Jubel erinnern wir heute aber auch noch daran, dass Papst Innozenz III. vor 808 Jahren hier erstmals das heilige Schweißtuch Christi von Sankt Peter nach Santo Spirito tragen ließ. Es war der heilige Schleier, der uns das "menschliche Gesicht Gottes" zeigt, von dem Papst Benedikt XVI. nicht müde wurde zu sprechen - oder das "lebendige Gesicht vom Erbarmen des Vaters",  dem Papst Franziskus nun dieses Jubeljahr gewidmet hat.  Und gleich damals schon, im  Januar des Jahres 1208,  wurde dieses göttliche Gesicht hier in dieser Kirche mit dem tätigen Erbarmen der Menschen verknüpft, die der heilige Johannes Paul II. 1994 dem "göttlichen Erbarmen" geweiht hat, in Verehrung der heiligen Faustyna Kowalska , deren Reliquien wir hier verehren.  Der Papst aus Polen war auch ein Seher, wie wir heute hier noch einmal mehr erfahren.

Vor 808 Jahren nämlich, bei dieser allerersten Prozession, ließ Papst Innozenz III. das heilige Bild eben nicht zu den Adligen Roms hintragen, sondern zu den kranken Pilgern und den Armen der Stadt, deren wichtigstes Haus schon damals dieses Ospedale Santo Spirito war. Und er verfügte, dass der päpstliche Almosenverwalter an jeden der 300 Kranken und an 1000 eingeladene Arme aus der ganzen Stadt, die der Zeremonie beiwohnten, aus dem Schatz der Opfergaben für Sankt Peter je drei Denare aushändigen sollte: einen für Brot, einen für Wein und einen für Fleisch. Auch knüpfte  er große Ablässe an den Besuch des "Wahren Bildes" und an diese Prozession.. Es war praktisch eine Vorwegnahme der Heiligen Jahre, die erst später,  unter Papst Bonifaz VIII im Jahr 1300, in Rom eingeführt wurden. All dies begann damals hier!

Danach haben diese Prozessionen und Ausstellungen des Schleierbildes bis zum Beginn der Neuzeit nicht mehr aufgehört. Bald waren die Pilger kaum noch zu zählen, die das Gesicht Gottes in Rom betrachten wollten.  Dante hat später bei diesen Prozessionen das heilige Gesicht kennen gelernt. Es ist das Antlitz, vor dem er die "kosmische Reise" seiner Göttlichen Komödie enden lässt, wie Papst Benedikt XVI. vor 10 Jahren sagte, als er seine Enzyklika "Gott ist die Liebe" vorstellte. Es war das Gesicht der Liebe, die "die Sonne bewegt und die anderen Sterne", wie er in der berühmtesten Zeile der italienischen Literatur festhielt: "l'amor che move il sole e l'altre stelle".

Es ist die Liebe Gottes, der sich "wie ein Bräutigam über seine Braut" auf uns freut, wie wir eben in den Worten Jesaias gehört haben, und die Kraft  des Heiligen Geistes, über dessen verschiedene Gnadengaben uns der heilige Paulus vorhin in dieser Kirche zum Heiligen Geist wieder aufgeklärt hat. Nirgends aber spricht dieser Geist deutlicher und klarer als in dem schweigenden Antlitz Christi, vor dem wir uns heute hier versammelt haben. 

Denn "das ist die Berufung und die Freude eines jeden Getauften: den anderen Jesus zeigen und bringen", haben wir von Papst Franziskus am 3. Januar gehört. Das aber ist genau das, dessen Zeugen wir heute werden dürfen, wenn uns die tapferen Kapuziner aus Manoppello hier "Jesus zeigen und bringen", in dessen Gesicht Gott selbst uns sein Antlitz zeigt.

Danach möchte ich zu dem Evangelium von der Hochzeit zu Kana, zu dem schon so viel Lehrreiches gesagt wurde,  hier nur noch eines hinzu fügen. Denn wen will heute noch wundern, dass Jesus sein erstes öffentliches Wunder ausgerechnet der Ehe und Familie widmete, die heute so sehr in Gefahr sind, dass Papst Franziskus ihnen gerade zwei eigene Synoden widmete! Vielmehr sollten wir ab jetzt dieses erste Wunder – noch in der weihnachtlichen Festzeit  - wohl am besten als eine notwendige Erweiterung vom Geheimnis der Menschwerdung Gottes begreifen! Dass wir nämlich erst in einer Familie zum Menschen werden! Mit einer Mutter und einem Vater, und – wenn wir Glück haben – noch mit Brüdern und Schwestern. Deshalb haben christliche Künstler auch immer wieder das Gesicht Jesu dem Gesicht seiner Mutter nachgestaltet, und umgekehrt. Denn wenn Gott der Vater Jesu ist, muss und kann sein Gesicht ja nur ihrem Gesicht gleichen. Es ist aber dieses uralte Gesicht, das heute auf fast schon wunderbare Weise nach Santo Spirito in Sassia zurück gekehrt ist, wo es nahezu identisch scheint mit dem Gesicht der Göttlichen Barmherzigkeit, das hier seit mehr als zwei Jahrzehnte verehrt wird.

Es ist eine Kopie jenes alten Originals, das Papst Innozenz III. den Pilgern gezeigt hat und das seit über 400 Jahren in den Abruzzen an der Adria verwahrt wird, an Italiens  Peripherie, von wo es heute erstmals wieder an den Ort zurückgetragen wurde, wo der Kult seiner öffentlichen Verehrung den Anfang nahm. Unzählige Kopien haben von hier aus die Kenntnis der Christen von einem wahren Bild Gottes in die ganze Welt getragen haben. Und darin liegt wohl der tiefste Sinn dieser Stunde. Vor Rom wurde das heilige Schweißtuch in Konstantinopel aufbewahrt, davor in Edessa, davor in Jerusalem. Dieses Gesicht darf eben nicht der Schatz von einzelnen sein, nicht einmal von Päpsten. Es ist das Alleinstellungsmerkmal der Christen. Nur wir wissen, wie Gott aussieht – und wie und wer er ist. Das Gesicht Christi ist darum der vornehmste und kostbarste Schatz der ganzen Christenheit, und mehr noch der ganzen Erde. Omnis Terra! Zu diesem Gesicht werden wir uns immer aufmachen müssen. Immer als Pilger. Immer zur Peripherie. Und immer mit nur einem einzigen Ziel vor Augen: jene Stunde, in der wir von Angesicht zu Angesicht vor ihm stehen werden.  Amen. Quelle: CNA Deutsch.