WAS HEISST PILGERN HEUTE?                          EINE REFLEXION

Nur wenige Meter hinter Morgade - auf dem Weg nach Portomarin. Traumhafter Sonnenaufgang um viertel vor sieben. Herrlich. Weit und breit niemand zu sehen, kein Laut zu hören. Dieser Moment gehörte nur uns allein.

Einstimmung

Ja, der Jakobsweg hat`s bewirkt. Pilgern ist in. Galt Wandern vor nicht langer Zeit noch als spießig, betulich, für ältere Herrschaften mit Hut und Kniestrümpfen, erfährt heute das Walking / Trekking eine Renaissance auch dank einer geschickten TV-Werbekampagne eines großen Outdoor-Bekleidungs-unternehmens. Wandern gilt als trendy, jung, grün, gesund. 

 

Schon seit der Spätantike, verstärkt seit dem 7. Jahrhundert, gibt es Zeugnisse über Pilgerfahrten nach Rom zu den Apostelgräbern. Nicht nur vom europäischen Festland zogen die Gläubigen gen Süden, wie ein Brief des hl. Bonifatius aus dem 8. Jahrhundert für Pilger des Frankenreichs bezeugt, sondern auch von den Britischen Inseln. Um 650 nahm Marculf, ein fränkischer Mönch, in sein Formelbuch einen Text auf, der als Begleitbrief für Rompilger gelten kann. Man solle nicht aus Lust am Umherschweifen unterwegs sein, sondern um an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus zu beten. 

 

Aber was bedeutet Pilgern eigentlich? Ist sich der zeitgemäß (modern) gebende Jakobspilger dessen bewusst, was er da eigentlich macht? In welche Fußstapfen er tritt? Der Versuch einer Annäherung wird uns zu weiteren Einsichten verhelfen.

Die Via sacra des mittelalterlichen Pilgers          Der Versuch einer Annäherung

Museum Augusteum. Oldenburg. Mittelalterlicher Pilger, 16. Jahrhundert.

 

Die Chronik berichtet von einem Oldenburger Bürger (nahe Bremen) namens Gerd der Mutige, der am Ende seines Lebens (1430 bis 1500) nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels gepilgert sei. Auch wird von einer Jacobusbruderschaft gesprochen, der sich vor allem Rückkehrer vom Jakobsweg angeschlossen hätten.

 

Zunächst eine Abklärung der Entstehung des Wortes (ethymologisch): lateinisches Verb ‚peregre': über den eigenen Acker hinausgehen, nicht den realen Acker, nein, die eigene Lebenswelt verlassen, in die Fremde gehen, 'das elent wagen'; vgl. dazu das im Verlauf unseres Reiseberichts immer wieder zitierte mittelalterliche Lied "Wer das elent bawen wel" des 13. Jahrhunderts. Also, der in der Fremde Seiende. Vielleicht hat ihn sein Pfarrer auch an Lukas 9,2 erinnert, wo es heißt: "Und er (Jesus) sandte sie (die Jünger) aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen" - genauso wie es die irischen Wandermönche mehrere Jahrhunderte zuvor gemacht hatten. 

 

Der Gläubige, der sich auf den Weg macht zu einer Wallfahrtsstätte, um ein Christus-Glaubensbekenntnis abzulegen angesichts einer christlichen Gedenkstätte, die entweder Jesus Christus, der Gottesmutter Maria oder eines heiligen Menschen geweiht ist. Schöner drückte es Fabrizio Bisconti am 9. März 2016 aus, wiedergegeben in der Vatikanzeitung L`Osservatore Romano, deutsche Ausgabe vom 15. April 2016: "Sie (die Pilger) sind über die Schwellen ihrer Häuser hinausgetreten, um sich (...) zu den bedeutensten Gedenkstätten der Christenheit auf den Weg zu machen, um dort die Schwellen anderer Pforten zu überschreiten. So setzten sie die 'Therapie der Distanz' in die Praxis um, die Peter Brown, dem Historiker des frühen Christentums, zufolge, den tiefen Sinn des Pilgerns darstellt."

 

VEREHRUNG VON MÄRTYRERN

Das frühe Christentum verehrte anfangs nur die Märtyrer, also die Blutzeugen ihres Christseins. Später, als das Staatschristentum in Folge der Entscheidung von Kaiser Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert etabliert worden war, gewannen die Orte mit Marienerscheinungen an Bedeutung. Die von Jacobus de Voragine, Domikanermönch und Erzbischof von Genua (1230-1298), zusammengestellte "Legenda aurea" thematisiert anschaulich die mittelalterliche Heiligenverehrung. Der Manesse Verlag, Zürich, Herausgeber des Werks schreibt: "Wie kein zweites Werk des Mittelalters hat diese Sammlung von Heiligenlegenden aus dem 13. Jahrhundert Literatur und Kunst späterer Generationen beeinflusst." Unser Heiliger Jakobus nimmt in diesem Werk natürlich den entsprechend gebührenden Raum ein.

 

RELIGIÖSE MOTIVE IM VORDERGRUND

Festzuhalten ist, dass die frühen Pilger eindeutig aus rein religösen Gründen nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela pilgerten, was die Auswirkung politischer und wirtschaftlicher Tragweite nicht ausschloss. Das ging soweit, dass die Kölner Pilger zu jener Zeit im Hochmittelalter "frates" (Ordensbruder) genannt wurden - man rechnete die Pilger einer Art geistlichem Stand zu. Aufzeichnungen eines Cäsarius von Heisterbach (1180-1240) belegen dies. Prof. Michael Mitterauer unterschreibt meinen Ansatz in seinem 2014 im Böhlau Verlag herausgekommenen Buch "St. Jakob und der Sternenweg - Mittelalterliche Wurzeln einer großen Wallfahrt."

 

Die mittelalterlichen Gläubigen hatten eine intensive Jenseitsvorstellung. Sie begaben sich auch und gerade der Toten wegen auf Pilger-Wallfahrt, für die verstorbenen Seelen, post mortem. So wie es heute ja noch üblich ist, für die Verstorbenen zu beten. Die volkstümliche Überlieferung sprach davon, dass Jakobus die Seelen der Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits begleiten würde. Wer allerdings schon zu Lebzeiten im Haus des Heiligen in Galicien gebetet hatte, dem widerfuhr eine besondere Auserwählung. Sie hatten von vielen Wundern gehört, die der heilige Jakob an den Pilgern auf ihren Wegen nach Galicien vollbracht hatte, zumeist in der Gestalt eines Pilgers. Sie nannten den Jakobsweg ebenso Milchstraße, caminus stellarum resp. iter Stellarum, die in Finisterre endete; für den einfachen Pilger das Ende der Welt. (Der Gebildete wusste seit Jahrhunderten, dass die Erde einem Globus gleicht.) Vgl. dazu auch den Traum Karls des Großen. 

 

Nicht von ungefähr nannte noch ein Domenico Laffi des 17. Jahrhunderts sein Tagebuch "Viaggio in Ponente A`San Giacomo di Galitia e Finisterrae"; übersetzt in etwa mit "Ausflug nach Westen zum Hl. Jakobus von Galicien und nach Finisterra"; von James Hall lapidar übersetzt mit "A Journey to the West."

 

IM SPÄTMITTELALTER MASSENPHÄNOMEN

Im Spätmittelalter wuchs die Pilgerschaft zu einem Massenphänomen heran; mutierte zu einer gigantischen Völkerwanderung von Millionen Christen. Die betreffenden Wallfahrtsorte konnten teilweise dieser Menschenmassen nicht mehr Herr werden, die Infrastruktur war dafür einfach (noch) nicht geschaffen. In Aachen, wo alle sieben Jahre die reichen Reliquienschätze gezeigt wurden, wurden an einem Tag schon mal 142.000 Pilger gezählt. In schweizerischen Einsiedeln hat man 1466 während der vierzehntägigen Gedenkfeier der Engelweih 130.000 Pilgerzeichen ausgegeben. Begünstigt wurde dieses Phänomen, wie oben erwähnt, durch die positive, religöse Grundeinstellung der Menschen, die Gläubigen  suchten den Kontakt zu den verstorbenen Heiligen 1, namentlich zum Apostel Jakobus. Sie pilgerten, um wieder gesund zu werden oder zu danken, vielfach der Buße wegen. So pilgerte ein Wilhem von Vercelli 1125/26 barfuß und in Ketten nach Santiago, bevor er dann in Süditalien ein Kloster gründete; später Apostel des Mezzogiorne genannt. 

Und, das ist uns modernen Menschen völlig fremd, Diebe und sonstige Straffälliggewordene wurden, wohlgemerkt!, von den weltlichen Gerichten, vor allem aus den nordwestlichen Gebieten Europas, mit Strafauflagen nach Compostell geschickt. Nein, auch heute werden Strafgefangene auf den Pilgerweg geschickt, auf den St. Olavsweg in Norwegen von Oslo nach Trondheim. So in der ARD-Alpha-Sendung am 25. Oktober 2017 (Wiederholung von 2013) mit eindrucksvollen Bildern und Interviews der Protagonisten beschrieben, wonach ein evangelischer Gefängnispastor eine größere Gruppe Gefangener auf dem Weg begleitete mit dem Ziel der Selbstfindung, Reflexion über das bisherige und künftige Leben.

 

Jakobus war im religiösen Leben Europas omnipräsent geworden - bis in die Neuzeit hinein. Die Konzile von Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449) untermauerten die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen. Später veränderten sich die Beweggründe: weg vom Religiösen und hin zur Bildungs- und Informationsreise der Bessergestellten, wie heute. Aber auch Bettler und  Landstreicher fühlten sich angezogen. Viele kritisierten diese Entwicklung schon in der Vorreformationszeit; wie heute.

 

BRUDERSCHAFTEN HELFEN

Zurück zu den Annehmlichkeiten des Camino de Santiago. Viele Bruderschaften kümmerten sich um die Pilger, ganze Gewerbe lebten von den Pilgerströmen. Die Hilfsbereitschaft der am Wege Ansässigen war einzigartig. Der christliche, an seinen Herrgott glaubende und die Gottesmutter Maria verehrende, Pilger sah sich auf einer einzigen Wanderung hin zum ewigen Leben.

 

AUSWIRKUNG DER REFORMATION

Sidestep. Die Reformation selbst bewirkte später keinen rapiden Abfall der Pilgerzahlen. Das war auch den politischen Gegebenheiten geschuldet: Kriege zwischen den katholischen und protestantischen Ländern wie Spanien, Holland, Schweden, Frankreich, dem Haus Habsburg, etc. Gleichwohl, Luthers Einwirken, er hielt vom Pilgern absolut nichts, hat schon einen Einfluss auf das Zurückgehen der Pilgerzahlen genommen.

Frühe Pilger                                   Dreihundertsechzig Pferdewechsel nach Jerusalem

Rom. Petersdom. Kaiserin Helena. Mutter Kaiser Konstantins des Großen.

 

Das Heilige Land zog von jeher die Menschen an, trotz der Entfernung. Vor allem für die aus dem Westen Kommenden war es ein schwieriges Unterfangen. So ist es nicht verwunderlich, dass zunächst die Pilger aus dem näher gelegenen christlichen Osten den weiten Weg nach Jerusalem wagten.

 

 

BISCHOF MELITTO, 2. JAHRHUNDERT

Als einer der frühen Pilger gilt ein Bischof aus Sardes (2. Jahrhundert) mit Namen Melito. Melito stellte den ersten christlichen Kanon (Zusammenstellung) des Alten Testaments zusammen. Von ihm ist seine Jerusalemer Osterpredigt erhalten, in der er unter anderem die großen heiligen Stätten des Landes aufzählt.

 

KIRCHENVÄTER IN JERUSALEM

Berühmt sind die Osterpredigten und Katechesen des Hl. Cyrill von Jerusalem, die er, später zum Kirchenlehrer ernannt, als Bischof von Jerusalem 348 in der Heilig-Grab-Kirche gehalten hat. Auch reiste der große Theologe Origenes (185-254; er gilt als Begründer der allegorischen Auslegungsmethode der Heiligen Schrift) ins Heilige Land und sprach vom Wunsch der Christen, auf Christi Spuren zu wandeln.

  

REISEHANDBUCH ITINERARIUM BURDIGALENSE - 333

Im Reisehandbuch "Itinerarium Burdigalense" aus 333 n. Chr. wird erstmals von einer Pilgerreise eines aus dem Westen kommenden Christen ins Heilige Land berichtet – von Bordeaux über den Landweg nach Jerusalem. Er überquerte die Alpen Richtung Thrakien, Byzanz und dem Bosporus. Demzufolge wird er über 5.000 Kilometer unterwegs gewesen sein mit 360 Pferdewechseln. Seine Aufzeichnungen über die Heiligen Stätten sind erhalten.

 

KAISERIN HELENA

Erst Kaiserin Helena, Mutter Konstantins des Großen, beförderte schlussendlich die Beliebtheit des Pilgerns, des Wallfahrens. Von ihr wird gesagt, dass sie im 4. Jahrhundert (um 326) die Kreuzreliquien Christi Jesu aufgefunden habe. Geweihte Frauen, vornehme, reiche Römerinnen machten sich sodann auf den Weg, wie eine Pilgerin namens Egeria. 

 

Helena, eine mutige Frau, der es offensichtlich nichts ausmachte, obwohl 70jährig, diese lange, mühevolle und gefährliche Reise auf sich zu nehmen. Sie sorgte für die Freilegung der Hinrichtungsstätte Golgatha in Jerusalem wie die der Geburtsgrotte in Bethlehem, und brachte, wie oben erwähnt, Teile des Heiligen Kreuzes mit, inklusive der dreisprachigen Urteilstafel "Jesus von Nazareth - König der Juden"; nicht zu vergessen die komplette Treppe des Palastes des Pontius Pilatus in Jerusalem, die Jesus beschritten haben soll. Die katholische Kirche gedenkt der heiligen Helena am 18. August jeden Jahres.

Auf diesen Umstand hat noch einmal der Vatikankenner und Herausgeber der Zeitschrift vatican magazin, Paul Badde, am 24. August 2017 in der katholischen Tageszeitung Die Tagespost hingewiesen: Unser Leben mit den Heiligen.

Bekannte Wallfahrtsorte gestern wie heute 

Kloster und Wallfahrtsort Maria Laach. Refugium von Konrad Adenauer, dem späteren Bundeskanzler, während der Nazizeit.

 

Das Kloster ist bekannt für die Verehrung der Edith Stein: Jüdin, Philosophin, Konvertitin zum katholischen Glauben in 1922, Karmeltin, Märtyrerin (ermordet in Auschwitz) und Mitpatronin Europas (1891-1942. Edith Stein hatte das Kloster in 1933 besucht.

 

Von jeher kennt die katholische Christenheit die Wallfahrts-/Pilgerorte:

  • Jerusalem im Heiligen Land: Grabes- und Auferstehungskirche Jesu Christi 

  • Rom: Papstkirche (Laterankirche und Petersdom) und Sankt Paul vor den Toren der Apostelfürsten Petrus und Paulus

  • Santiago de Compostela: Kathedrale des heiligen Apostels Jakobus des Älteren

  • Köln: Dom mit dem Schrein der Heiligen Drei Könige

     

    Später rückten die Marienwallfahrtsorte in den Fokus der Gläubigen. Nachstehend eine kleine Auswahl der bekanntesten:

     

  • Mariazell in Österreich/Steiermark, 12. Jh.

  • Montserrat in Spanien, 12. Jh.

  • Loreto in Italien, 13. Jh.

  • Altötting in Bayern (schwarze Madonna), 1330

  • Tschenstochau in Polen (schwarze Madonna), 1388

  • Einsiedeln in der Schweiz (schwarze Madonna), 14. Jh.

  • Guadalupe in Mexiko, 1531

  • Lourdes in Frankreich, 1858

  • Fatima in Portugal, 1917

Pilgern heute                                               Unterwegs auf dem Jakobsweg für das Seelenheil?

Am Rande des Caminho Portugues.

 

Die Menschen pilgern seit eh und je, seit Jahrhunderten, sind mobil, sind neugierig, wollen das gewohnte Leben unterbrechen, neue Orientierung finden, intensiver mit der Natur in Berührung kommen, neue Kontakte knüpfen, der Reise- und Abenteuerlust folgen.

 

Der gläubige Christ kämpft wie jeder andere Pilger auf dem Weg, ob er ihn nun Wallfahrt oder Jakobsweg nennt, mit seinen Sehnsüchten, Hoffnungen, Enttäuschungen, seinen physischen Entbehrungen - im Bewusstsein der Transzendenz. Er wird die Gegenwart Jesu Christi, seines Herrgottes, bewusster erfahren, möglicherweise eine Glaubensvertiefung durchleben. Er wird nicht wie der Tourist Service einfordern - sondern ihn dankbar annehmen. Er wird sich gleichwohl vor Augen halten, dass er heute eine Privilegierter ist, der im Bedarfsfall  Krankheit und Unfall auf eine top Infrastruktur wie Telefon, Taxi, ärztliche Betreuung, Krankenhaus, Flug-Rücktransport, etc. problemlos zurückgreifen kann, also keine gefahrvolle Pilgerreise unternimmt wie es ein Fray Martin Sarmiento in 1689 so eindrucksvoll beschrieben hat.

 

Millionen Menschen machen sich auch heute auf den Weg, in allen Erdteilen. Ob als Christen, als Muslime, als Juden, als Hindus, als Buddhisten. Sie machen sich auf den Weg zu heiligen Orten, Bergen, Flüssen, Gräbern, Gedächtnisstätten heiliger Menschen. Jährlich mehr als 500.000 Deutsche auf Europas Pilgerwegen, zehntausende auf dem Camino de Santiago.

 

DIE GROSSEN WALLFAHRTSFESTE DER JUDEN

im Alten Testament sind beredte Beispiele der langen Tradition: Im Frühjahr Pessach, das Paschafest/Fest der ungesäuerten Brote in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten; im Herbst Jom Kippur, das Versöhnungsfest, das wichtigste Fest der Juden in Anlehnung an das 3. Buch Mose; fünf Tage nach dem Versöhnungstag Sukkot, das Laubhüttenfest zur Ehre des Herrn; im November/Dezember Chanukka, das Tempelweihfest in Erinnerung an die Wiedereinweihung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahre 164 vor Christus. Die Isisverehrung in Ägypten (4. Jh. vor Chr.) und die Pilgerfahrten der alten Griechen zum berühmten Artemisheiligtum in Ephesus runden das Bild ab.

 

BENEDIKT XVI. - EIN EINFACHER PILGER 

Papst Benedikt XVI. drückte es nach seinem Rücktritt am 8. Februar 2013 in seiner letzten Ansprache an die Gläubigen in Castel Gandolfo wie folgt aus: "Von jetzt an bin ich nur noch ein einfacher Pilger, der die letzte Etappe seiner Pilgerreise auf dieser Erde beginnt!"

 

Faszinosum Jakobsweg

Der Jakobsweg übt nach wie vor eine ungebrochene Faszination aus für suchende Pilger aus Europa, aus Übersee. Viele sehen in ihm den eigentlichen Vorläufer Europas. "Mit seinen gewaltigen Pilgerscharen aus aller Herren Länder umfasste der Jakobsweg die eigentliche  "mittelalterliche Christenheit." Er schuf wesentlich das mit, was wir heute Abendland nennen. Santiago de Compostela stellt somit einen der entscheidenden Faktoren für die Einheit des Abendlandes dar."           So beschreibt es Prof. Dr. Hermann J. Hüffer in seinem Vorwort zum 1964 erstmals herausgekommenen Buch/Bildband der Autoren Vera und Hellmut Hell "Die große Wallfahrt des Mittelalters."

 

Niemand kann diesen Weg vergessen, ob er nun des Wanderns wegen zu Hause aufgebrochen ist, Menschen kennenlernen möchte, sich sportiv ausleben will. Oder zwecks Selbstfindung. Weil es gerade en vogue ist. Aus religiösen Gründen, der Buße, des Dankes wegen. Oder weil er eine faszinierende Entdeckungsreise in die europäische Kultur und Geschichte im Blick hat - wie oben angedeutet. 

 

PILGERSTATISTIK / MOTIVATION 

Die Pilgerstatistik spricht davon davon, dass ca. 38% aus religiösen, 54% aus religiösen und kulturellen Gründen pilgern. Nur rund 8% gaben ausschließlich kulturelle Gründe an. Da scheint mir ein wenig euphemistisch zu sein, weil auch konträr zu den Diskussionsbeiträgen in den Pilgerforen und zu den Gesprächen auf dem Camino. Die Pilger, die sich offensiv zu ihrem Christsein äußern, sind in der Minderheit. Es scheint schick zu sein, zu betonen, man/frau ginge auf keinen Fall aus religiösen Gründen. 

Je weiter der einzelne Peregrino sich dann allerdings auf seinem langen, anstrengenden Weg Santiago de Compostela nähert, je nachdenklicher wird er. Der Weg ist also ohne Zweifel profaniert worden. Seitens der spanischen Bevölkerung entlang des Camino steht der wirtschaftliche Ertrag im Vordergrund, was per se, zumal in Anbetracht der Armut IN vieleN Ortschaften, überhaupt nicht verwerflich ist.

 

CAMINO FRANCES VERLIERT AN ZUSPRUCH

Der Camino Frances hat deutlich an Anziehungskraft verloren. Aufgrund des Massenandrangs, der in manchen Monaten festzustellen ist, weichen die Pilger auf andere Wege aus, auf den Caminho Portugues, Camino Norte und Camino Primitivo, Camino Ingles, auf die Via de la Plata. So profitieren auch diese Regionen vom Pilgerboom. Neuerdings ist der Ignatiusweg eine gute Alternative; vgl. obigen Hauptmenüpunkt ANDERE PILGERWEGE. 

Pilgern Anno Domini 2006

Ein lang gehegter Traum beginnt konkret zu werden, wird schließlich für uns wahr. Pilgern im Geist und in der Wahrheit. Über achthundert Kilometer von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela als "peregrino autenticos"? Weil wir schlichtweg dem Herrgott für`s bisherige Leben danken wollen. Auf dem Weg. Während der Gottesdienste, ob Laudes, Vesper oder Heilige Messe am Rande des Camino de Santiago. Am Grab des Apostels Jakobus. Während des bewegenden Pilgergottesdienstes in der Kathedrale von Santiago de Compostela.  

 1 vgl. auch Menüpunkt Reliquienverehrung heute

 

Mehr zum Thema PILGERN ist dem Menüpunkt JAKOBSWEGE. GESTERN UND HEUTE. > Auf den Spuren des Heiligen Jakobus zu entnehmen.