LOGRONO - NAVARRETE. WIR LASSEN ES GEMÜTLICH ANGEHEN.

9. Etappe von Logroño nach Navarrete: 13 km

Ruine San Juan de Acre. 12 Jh. Im Blickfeld von Navarrete. Früher ein mittelalterliches Hospital, gestiftet von Dona Maria Ramirez. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert zerstört. Der Portikus, das romanische Tor, wurde am Haupteingang des Friedhofs am Ortsausgang integriert; vgl. 10. Etappe.

Navarrete in Sicht.

 

Etappe 9.

Logroño-Navarrete. Wir lassen es gemütlich angehen.

Was kann auf einer Strecke von dreizehn Kilometern schon Großes passieren? An sich nicht viel. Kaum warm geworden - schon am Ziel angekommen. So einen Tag braucht man zwischendurch. Gemütlich verlassen Elke und ich die Altstadt. Nach 6 km kommt der Stausee Pantao la Grajera in Sicht, ein Erholungsgebiet. 30 Minuten darauf führt die Staubstraße durch einen schönen Mandelbaumwald, bis wir kurz vor Navarrete auf die Ruinen des Pilgerhospitals San Juan de Acre des 12. Jhs. stoßen. Nun mal ehrlich. Kann man auf solche mickrigen Ruinen stolz sein? Das erinnert mich an meine erste Budapest-Tour gleich nach der Revolution 1990. An jeder 20-50 cm hohen Steinmauer hatte der Reiseleiter anhalten lassen.

 

Die ersten Eindrücke Navarrete`s sind nicht übel. Gehobene Mittelschicht, scheint mir. Die Wohnanlagen sind allerdings eingezäunt. — Kein Vertun. Auch diese Pilgerherberge ist bereits um die Mittagszeit belegt, halb zwei. Ich: „Komm, lass uns erst mal nen Kaffee oder ne Cola trinken, dort drüben in der Bar, heißt die nicht Los Arcos?“ Neben mir sitzt ein interessantes Paar, von irgendwo her kenne ich den Mann. Beide hängen an ihrem Mobile. Später mehr.

 

Ob wir wohl noch hier ein Zimmer bekommen? Ja. Und was für ein Zimmer. Nach Ventosa, weitere zwei Stunden Weg, möchte ich nicht mehr. Ein Passant führt uns hin, Englisch radebrechend. Die Zimmertür klemmt, sie ist nur mit allergrößter Mühe zuzubekommen. Zur Toilette und Dusche geht’s nach hinten über den Flur. Alles durchweg schmuddelig. An sich eine Zumutung — bezahlen sechsundzwanzig Euro dafür. Es ist kühler geworden, hängen im Zimmer herum, essen so gegen vier Uhr eine Art Omelett, trinken zwei Bier und eine Cola für nur elfzwanzig.

Navarrete. Kirche Mariä Himmelfahrt.

 

In diesem Kaff gibt`s nicht viel zu sehen. Mit Ausnahme der Iglesia de la Asunción de María (Mariä Himmelfahrt), 1553 n. Chr.

In Navarrete lieferten sich Kastilier und Navarresen heftige Schlachten. Wikipedia straft mich allerdings Lügen. Wegen seiner Denkmäler und geschichtlichen Bedeutung wurde der Ort zum Ensemble von künstlerischhistorischer Bedeutung erklärt.

Fotos von links. Navarrete.

1. Reihe: Kurz vor der Stadt.

              Gepflegte Wohngegend von Navarrete.

2. Reihe: Blick auf die Iglesia de la Asuncion.

              Vor der Herberge. Freizeitbewältigung.

 

Bettina Marten schreibt in ihrem Kunst- und Kulturführer Der spanische Jakobsweg, Reclam, auf Seite 145, dass die in der Altstadt befindlichen Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert den Charme der Stadt ausmachen, die übrigens durch König Alfonso VIII. in 1195 wiederbevölkert, sodann aber Zankapfel der dort ansässigen Adelsgeschlechter wurde. Der Name Navarrete spiegelt die Grenznähe zu Navarra wider.