TRIUMPH VON WILLE UND WOLLEN ÜBER VORSTELLUNG.

7. Etappe von Estella via Villamayor de Monjardin nach Los Arcos: 21km

Blick auf das Monasterio de Santa Maria la Real de Irache. Kurz hinter Estella. Eines der ältesten Navarras. Die heutige Kirche stammt aus dem späten 12. Jahrhundert. Noch vor der Gründung Estellas wurde hier ein Bollwerk der Reconquista etabliert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass an der Nordseite des Chors ein Kapitell den Kampf Rolands mit dem muslimischen Riesen Ferragut zeigt, wie in Estellas Palast der Könige. Die zahlreichen Pilger schätzen das Kloster.

Das zweite Foto zeigt den implizierten Weinbrunnen. Bericht dazu unten. 

Weinkellerei Irache. Kostenloser Rotwein aus dem Pilgerbrunnen.

 

Etappe 7.

Triumph von Wille und Wollen über Vorstellung.

Camino de Logroño, so heißt die Straße, auf der die Pilger Estella verlassen, voller Vorfreude auf das Erreichen des Klosters Irache/Iraxe, keine halbe Stunde entfernt. Wie wird der Wein schmecken, billiger Hauswein gar? Auf jeden Fall dürfen sie nicht allzu lange dort verweilen, keinen Becher zu viel trinken. Los Arcos will heute erreicht sein, und das sind immerhin noch einundzwanzig Kilometer; sollte an sich gut zu schaffen sein.

 

Rückblende: Insgeheimen hatte ich es ja erhofft. Ich kenne meine Elke nun seit über 20 Jahren, immer ein wenig impulsiv. Überrascht hat`s mich dennoch, als sie mir morgens unvermittelt zuflüstert: „Du, ich möchte weitermachen. Komm, lasst uns weiterlaufen.“ „Na klar, darauf habe ich doch nur gewartet.“ Mensch, was war ich froh. Im Nachhinein denke ich, der gestrige Gottesdienst war es, der sie beeinflusst hat. Ein engagierter, sprachbegabter Pfarrer hatte nämlich — nach Beendigung der offiziellen Messfeier — alle Pilger zu sich gebeten. Mindestens 20 Menschen folgten seiner Einladung, strebten nach vorne, jeder bekam den Wortlaut des Pilgersegens in seiner Sprache ausgehändigt: u. a. für Amerikaner, Australier, Holländer, Koreaner, Deutsche, Franzosen, Italiener. In Los Arcos, einen Tag später, werden wir ähnliches erleben. Nach dem Ortsausgang queren wir die N 111 Richtung Monasterium, das Hotel Irache interessiert uns nicht. Vor unseren Augen entfaltet sich in voller Pracht eine riesige Klosteranlage.

 

 

Monasterio Irache. Die letzten Mönche verließen das Benediktinerkloster 1985. Seine Glanzzeit erlebte es von 1056—1098. Sein damaliger Abt San Veremundo, also ein Heiliger, setzte sich in bemerkenswerter Weise für die Armen ein. Wie er das machte, erinnert sehr an die hl. Elisabeth von Thüringen gut einhundert Jahre später. Domenico Laffi wird auf seiner Durchreise ganz sicher die dort untergebrachte Universität bewundert haben. Mit dem Kloster wird eines der ältesten Hospitäler der Pilgerstraße verbunden. Von 1569 bis 1824 wurde hier gelehrt. Heute empfiehlt sich der Besuch der romanischen Kirche, Baubeginn im 12. Jahrhundert, in der Form eines lateinischen Kreuzes mit drei halb-kreisförmigen Apsiden, zwei Portalen und vielen Motiven. Das Kloster selbst besitzt über 7000 Kunstwerke sowie eine Kutschensammlung. Im spanischen Bürgerkrieg (1937), als das Kloster die gefangenen kommunistischen Anführer beherbergte, wurde es von den Inhaftierten restauriert und lässt jetzt eine schöne Steinsetzung ohne Putz wieder erkennen. An der West- und Nordseite haben sich romanische Portale erhalten. Der alte Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert ist durch einen Neubau ersetzt worden.Fein profilierte Pfeiler sind an ihrem oberen Ende von Reliefbändern umzogen, auf denen unter anderem Christi Geburt und die Flucht nacht Ägypten dargestellt sind.

 

 

Domenico Laffi, 1670/73

(…) befindet sich das äußerst große und wunderbare Kloster San Benito (Irache), das sehr reich ist und wie eine Stadt aussieht, da es eine große Mauer besitzt (…) Wir setzen unseren Weg fort bis Il Arco del Re (Los Arcos) (…) dem letzten Ort des Königreiches Navarra.

 

 

Der Becher Rotwein kann kommen. Der Weinbrunnen gehört der Weinkellerei Irache. Auch hier gilt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Nach siebzig Litern ist nämlich — neudeutsch — Schicht im Schacht. Was nun folgt, sorry, es ist wirklich so gewesen, subsumiere ich unter der Überschrift: beschämend. In aller Ruhe füllen die „Spanier“ sich den kostenlosen Wein ab - in wohl eigens dafür beschafften großen Trinkgefäßen. Die sich bildende Warteschlange interessiert sie nicht. Ich bescheide mich mit einem Schluck. Klar, dass man das Geschehene noch `mal Revue passieren lassen möchte. Auch als Pilger ist man Mensch. Über dieses Nachkarten hinweg, was ja auch durchaus mit einem Vorteil verbunden sein kann, man nimmt die Anstrengungen des Weges nicht wahr, ....

Fuente de los Moros. Maurenbrunnen. 12. Jhdt., gotisch, vor kurzem restauriert.

 

..., nähert sich Villamayor de Monjardin. Um 9Uhr15 hüllt sich die oben auf dem Berg befindliche massige Burg noch im Nebel. Ein Blick in meine Aufzeichnungen sagt mir, dass Karl der Große hier 778 einen großen Sieg gegen die Einheimischen errungen hat. Im Rahmen der Reconquista hat dann König Sancho I. Anno Domini 908 das Castillo nicht nur rückerobert, es zudem als Bollwerk gegen die Mauren ausbauen lassen. Auch wenn Elke heute gut drauf ist, der gestrige Tag scheint vergessen, ich bin weniger gut drauf, mir ist alles viel zu anstrengend, bin ich froh, dass sie —heute— mal nicht meine geschichtlichen Interessen teilt und gar vorschlägt, einen Abstecher zum Berg zu machen. So begnüge ich mich, den Maurenbrunnen Fuente de los Moros in Augenschein zu nehmen.

Villamayor de Monjardin. Iglesia de San Andrés Apóstol.

 

Tatort Iglesia de San Andrés Apóstol, Villamayor de Monjardin: Elke steuert auf die Marienfigur zu, steckt zwei Kerzen an! Und überhaupt, ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Elke mutiert mehr denn je zu einer Marien-Liebhaberin. Das war mir schon 1997 in Kanada aufgefallen; sie als überzeugte lutherische Protestantin?! Die Messe in Los Arcos ist sehr gut besucht, der vorgeschaltete Rosario (Rosenkranzgebet) ebenso. Ich schätze, mindestens 30-40 Pilger sind darunter. Wir alle warten auf den Camino-Segen. Tatsächlich, der junge Co-Zelebrant, ein deutsch sprechender Pilger, reiht sich bei uns ein, lässt sich gleichermaßen vom örtlichen Priester, der verwundert dreinschaut, segnen; Bildchen mit Text inklusive.

Los Arcos. Pilgermesse. 

 

Santa Maria, Los Arcos. Eine der bedeutendsten Kirchen Navarras, zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert errichtet. Sie vereint von der Spätromantik und Frühgotik bis hin zur Renaissance und dem Barock viele unterschiedliche Baustile. Beachtenswert ist der Hochaltar aus dem 17. Jh., auf dem eine gotische Marienfigur thront, sowie eine der spektakulärsten Orgeln Navarras. Wie immer in solchen Gebäuden fehlt es nicht an einem herrlichen Kreuzgang, in diesem Fall aus dem 16. Jahrhundert.

 

Liber Sancti Jacobi, 12. Jh.

(…) und hinter Los Arcos (…) fließt ein Strom, dessen Wasser den Pferden und Mannen, die aus ihm trinken, den Tod bringt.

Fotos von links

1. Reihe: Burg Monjardin.

              Iglesia de San Andres Apostol. Monjardin.

2. Reihe: Wegweiser.

3. Reihe: Iglesia Santa Maria. Los Arcos.

              Figur des hl. Petrus am Hauptportal.

4. Reihe: Jakobus als Pilger.

              Europakarte aus dem 17. Jh. 

5. Reihe: Impressionen Los Arcos.