PUENTE LA REINA. MATSCH. WIND. KLIMASCHEIDE.

5. Etappe von Pamplona über den Puerto del Perdon nach Puente la Reina: 25 km

Puente la Reina. Straßenfest am Samstag auf der Calle Mayor.

Puerto del Perdon. Tor der Vergebung. Pilgerdenkmal.

 

Etappe 5.

Puente la Reina. Matsch. Wind. Klimascheide.

Die mittelalterliche Brücke von Puente la Reina ist eines der Wahrzeichen des Jakobswegs. Der eigentliche Startpunkt des Camino Frances. Dort möchten wir heute hin, dreiundzwanzig Kilometer. Ich bin zu früh aufgestanden, wecke Elke. „Oh, jetzt schon?“ „Ja.“ Frühstück gibt`s erst um sieben, schade, es kostet nur zwei Euro. Niemand ist auf den Straßen zu sehen. Es regnet `mal wieder, genießen gleichwohl die gestern gekauften köstlichen Kuchen, wirklich. „Hast du deine Füße eingecremt?“ „Natürlich, wo denkst du hin.“ Jeden Morgen, jeden Nachmittag das gleiche Procedere. Ich werde später darauf zurückkommen. Neben dem DuMont habe ich einen zweiten Führer dabei, den von Outdoor. Er hat den Vorteil, dass er auf kleinere Abschnitte herunterbricht. Es ist nämlich kein leichter Weg. Wir werden die Sierra del Perdon überschreiten, einen 1000 m hohen Berg, der als Klimascheide das nördlich grüne Vorgebirgs-Navarra von dem südlich trockenen Mittel-Navarra trennt. So weit, so gut. Auf den Matsch hätte ich allerdings gut und gerne verzichten können, ebenso auf den schwierigen Abstieg, der mehr einem Abwärtsstolpern glich.

 

  

Arnold von Harff, 1499

Von Guendulain nach Puente la Reina, einem Städtchen, drei Lieux einen Berg hoch und wieder hinab, über eine steinerne Brücke.


 

Hermann Künig von Vach, 1495

Nach zwei Meilen kommst du nach Ponteregina (Puente la Reina) (…). Auch findest du eine hübsche Brücke da stehen. 1

 

 

Pilgerkreuz in der Sierra nahe dem Puerto del Perdon.

 

Das Wetter schlägt um, da hilft auch kein Reiseführer; er mag bei sonnigem Wetter gegangen sein. Ständig geht es auf und ab, manchmal mit durchaus gefährlichen Passagen. Elke ist bedient. „Das ist doch abartig“, deklamiert sie. Ich hatte gestern meinen nicht so guten Tag. Nach rund drei Stunden nähert sich das Dorf Zariquiegui. Ab in die Pampa, in den Hang der Sierra, bei schönem Wetter traumhaft, bei Regen und Matsch mehr als bedenklich. Was solls, wir müssen hoch, können ja nicht einfach umkehren, es ist steil, klammere mich ans Gebüsch, was auch nicht gerade dazu einlädt, weil nass und teils stachelig. Jeder Schritt muss passen, ausrutschen darfste nicht, sonst gehts den Berg runter. Vor mir, hinter mir mehr oder weniger leise fluchende Mitpilger.

 

Endlich kommt das Pilgerkreuz, mit einer Bank, ringsherum aufgeschichtete Pilgersteine, Inschrift: Koks, Frans, Belgie; wie auch immer sie zu deuten ist. Langsam erklimmt Elke die Anhöhe, völlig in Gedanken versunken, ihre verdreckten Stiefel unterstreichen das eben Gesagte. Sie scheint erschöpft. Augenblicke darauf ist sie (top-) fit. Elke regeneriert schnell. Ich bin begeistert. Eine halbe Stunde später stehe ich mit ihr, es ist Mittag geworden, im Pulk von Mitpilgern auf dem Kamm, dem Puerto del Perdón, Tor der Vergebung. Die Kapelle beachte ich nicht, wohl aber das moderne metallene Pilgerdenkmal. Etwa zehn Figuren werden es sein. Nahebei der Windpark parque eolico mit gigantischen vierzig Windrädern. Der Blick ins Tal, auf die großflächigen Spargelanbaufelder, ist atemberaubend, ebenso der starke Wind. Der rund dreieinhalb Kilometer Abstieg macht mir arg zu schaffen: meine Knie wackeln; auf dem Geröll kein Wunder. 

 

Muruzábal, eine Stunde vor Puenta la ReinaWas tun? Outdoor empfiehlt einen Umweg von 3 km, um ein absolutes Muss des Camino zu besuchen, die Kirche Eunate. Ich gestehe, bin froh, dass Elke davon abrät. Kurz vor Obanos, will gerade zum Überholen ansetzen, da höre ich englische Stimmen. „Where are you from?“ „From Scotland.“ „Oh, there`re a lot of famous golf courses.“ „For sure, we like golfing.“ „Me too.“ That`s the way I like it.

 

Puente la Reina. Pilgerdenkmal.

 

In Gares, baskisch für Puenta la Reina,

empfängt uns das Pilgerdenkmal, das heute, wie schon erwähnt, den Beginn des Camino Frances markieren soll, denn eigentlich treffen die wichtigsten Jakobswege ja in Eunate oder spätestens in Obanos zusammen. Ich setze mich durch, marschiere schnurstracks zum Drei-Sterne Hotel Jakue, buche. Im Keller ist eine private Herberge mit achtundzwanzig Betten untergebracht. Ich verzichte wohlwollend. Das Hotel ist seinen Preis wert, das Dinner teuer aber vorzüglich, die Rezeptionistin ausgesprochen hilfsbereit; eine singuläre Erfahrung. Die Puente la Reina durchquerende Calle Mayor ist mittelalterlichen Ursprungs, sehr eng, die Autofahrer stört es wenig. Uns auch nicht, genießen einen Cappuccino, telefonieren mit Gero, schreiben Karten: an meine Mutter, an Anne, an …

 

Puente la Reina. Santiago Beltza. Der Schwarze Heilige. Iglesia Santiago el Mayor.

 

Nebenan feiern Einheimische ein Straßenfest,

junge Menschen tanzen auf dem großen Platz abseits der Hauptstraße. Faszinierend. Resultat: Die Kirchen sind mittlerweile geschlossen worden.

 

So wie es im polnischen Tschenstochau die Schwarze Madonna gibt, so wird hier in der Iglesia Santiago el Mayor der Santiago Beltza aus dem 14. Jh. verehrt, der Schwarze Heilige; die ehemalige Templerklosterkirche del Crucifijo (13./14. Jh.) bleibt uns gleichermaßen jetzt versperrt. Schade. 

 

Brücke der Königin - Puente la Reina. Puente romanico.

 

Erbauerin der wohl bekanntesten und meist fotografierten mittelalterlichen Brücke des Jakobswegs soll Königin Dona Mayor gewesen sein, Ehefrau des Königs Sancho Mayor; erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Brücke zog die mittelalterlichen Pilgermassen magisch an, wie sie es heute gleichermaßen tut. Sie ist romanisch, weist sechs Rundbögen und fünf Pfeiler auf. Fachleute bewundern den charakteristischen Saumsattelentwurf.

 

Die teils reich verzierten Wohnhäuser an der Hauptstraße, der Rua Mayor, spiegeln sehr schön die Pilgertradition wider. Nicht zu vergessen die Kirchen Cruzifijo, Santiago el Mayor mit der romanischen Fassade aus dem 12. Jahrhundert und San Pedro, die als architektonische Schmuckstücke gelten. In San Pedro Apostol wird die Statue der hl. Jungfrau von Puy verehrt. Mit ihr wird der Chori, ein kleines Vögelchen in Verbindung gebracht.

 

Bis ins 19. Jahrhundert stand auf der Brücke eine kleine Kapelle mit eben dieser Statue, zu der immer wieder besagtes Vögelchen flog, um der Jungfrau das Gesicht zu säubern.

 

Der Flecken wurde zunächst von den Franken besiedelt, dann seitens des Königs Garcia IV. den Templern geschenkt; zu Beginn des 14. Jhs. ging die Stadt an die Johanniter über. Eine Quelle behauptet, die Stadt sei perfekt symmetrisch und rechtwinklig angelegt. Über den Arga hinweg führt der Jakobsweg linke Hand weiter in Richtung Estella / Villamayor de Monjardin. Mañeru und Cirauqui werden uns immer im Gedächtnis bleiben.

 

 

Fotos 

1. Reihe: Frühmorgens in Pamplona im Regen Richtung Cizur Menor.

              Matsch. Matsch.

2. Reihe: Kurz vor dem Perdon-Kamm.

              Pilgerdenkmal Tor der Vergebung.

3. Reihe: Blick vom Puerto del Perdon.          

              Knotenpunkt Puente la Reina.

4. Reihe: Auf dem Weg in den Ort.

              Iglesia del Crucifijo (Kruzifixkirche) mit dem Y-Kreuz aus dem

              Rheinland (14. Jh.). Früher war sie der Heiligen Maria von den

              Wiesen gewidmet (Iglesia Santa Maria de las Vegas) und stand

              unter der Schirmherrschaft der Tempelritter. Nach der Ächtung

              des Ordens wurde sie zur Iglesia Santo Christo.  

5. Reihe: Santiago-Kirche. Oben abgebildet der Schwarze Heilige

              Santiago Beltza.

6. Reihe: Ruhiges und fröhliches Puente la Reina.

7. Reihe: San Pedro Apostol - mit einem Bild der Nuestra Senora del Puy,

              Unsere Liebe Frau vom Vogel; vgl. dazu obigen Bericht.

8. Reihe: Puente (Brücke) la Reina.