LEON, DIE SCHÖNSTE KATHEDRALE SPANIENS. EIN GRUND MEHR, SCHNELLER ZU GEHEN.

22. Etappe von Mansilla de las Mulas über Puente de Villarente nach León: 20 km

León. Kathedrale Santa Maria de Regla. Die hohen Glasfenster deuten auf das Ziel des irdischen Pilgerweges des Menschen und der Kirche hin: dem Himmel entgegen.

 

1.800 qm Gesamtfläche der Buntglasfenster, davon drei große Rosetten mit einem Durchmesser von je acht Metern. In den Fenstern erscheint die siegreiche Kirche mit ihren Heiligen und Zeugen der Wahrheit.

 

Jedes Glasfenster verwandelt sich in eine Quelle mit tausend Farben, voll von einer transzendendalen Nachricht: Wird das Licht zum Wort oder das Wort zum Licht? Oder wie es der mittelalterliche Pilger empfunden haben mag: vom Sichtbaren zum Unsichtbaren.

León. Kathedrale Santa Maria de Regla.

 

Etappe 22
León. Die schönste Kathedrale Spaniens ruft. Ein Grund mehr, schneller zu gehen. 

Nach vier Stunden und zwanzig Minuten stehen wir vor der Kathedrale. Es ist zwanzig vor zwölf. Die Stadt ist voller Touristen, Schülergruppen, Pilger, viele bekannte Gesichter. Elke postiert für ein Foto direkt vor dem Gotteshaus: geschafft, aber glücklich, in dieser schönen Stadt, voll von Sehenswürdigkeiten und Geschichte angekommen zu sein. Edilesa beschreibt es 1998 so: „Der Dom zu Leon — Licht und Glauben.“

 

Zurück.  Der Weg nach León zählt sicherlich nicht zu den interessantesten. DuMont weiß: „Der Marsch nach León hat seine eigenen Reize, aber vor allem will man zügig gehen, um mehr Zeit in Leon zu haben, reich an Kunstschätzen, darunter die schönste gotische Kathedrale Spaniens.“ Dem kann ich mich vorbehaltlos anschließen. Zurück zu Mansilla. 6Uhr15. Elke wird in wenigen Minuten die Stadt über die mittelalterliche Esla‐Brücke verlassen, einen letzten Blick auf die Stadtmauern lenken und als Zwischenziel Puente Villarente ansteuern, das 6,3 km von Mansilla de la Mulas entfernt liegt. Von dort wird sie weitere 13 km benötigen, um direkt vor der Kathedrale anzukommen. Die Strecke ist einfach und leicht, nur einmal gilt es eine kleine Passhöhe zu überwinden, den Alto del Portillo: von 800 über 840 auf 900 m, und wieder hinunter auf 840 leonesische Höhenmeter. Die Brücke über den Rio Porma in Puente Villarente ist mehr als problematisch. Wenn sie (Elke) Pech hat, sausen ihr die Fahrzeuge, womöglich Lkw, Zentimeter am Körper vorbei. Sie hat Glück, nutzt einen Moment der Verkehrsruhe. Wenn besagter Alto del Portillo erst mal erreicht ist, erahnt man die nahe Stadt Leon. Links und rechts grüne Felder und im Hintergrund die Montes de Leon. Von hier sollen es bis nach Santiago noch 307 km sein, so steht es eingemeißelt am Brunnen. Das wage ich zu bezweifeln. Jeder Reiseführer spricht von mindestens 315 km — errechnet von Leon bis zur Stadtmitte.

 

Vorort León. Zwei Fußgängerbrücken vor uns, linke Hand liegt die regionale Hauptverwaltung einer Großbank. Ein gediegenes Anwesen mit Grünflächen und einem Springbrunnen. Nobel geht die Welt zugrunde. Prinzipiell geht`s eine lange Straße hinunter, Bordstein hoch, Bordstein runter. Rechts sehen wir die San Pedro‐Kirche, heute ein Museum. Der Mitarbeiter stempelt mir die Pilgerpässe ab. Weiter geht`s. Die festliche Versammlung, die sich uns in den Weg stellt, alle tragen Trachten, einer spielt die Trompete, ist letztlich nur ein Intermezzo auf dem Weg zum Plaza de la Regla, wo die schönste Kathedrale Spaniens steht — die Catedral Santa Maria de Regla.

  

Kathedrale. Portal des Jüngsten Gerichts. Christus als Pantokrator, als Weltenherrscher.

 

Staunend stehe ich vor dem Hauptportal, es wird sich erst später öffnen, vor dem Portal des Jüngsten Gerichts mit Christus als Weltenherrscher, ein bekanntes Motiv des Mittelalters. Darunter die Mutter Gottes mit dem Jesuskind im Arm. „Wollen wir nicht erst ins Hostal, dann nehmen wir uns Zeit, für die Besichtigung, für die Heilige Messe um sechs?“ „Einverstanden, für ein paar Außenfotos haben wir aber doch noch Zeit, oder?“ „Ja.“ Zum Beispiel für das Portal des hl. Franziskus, das des hl. Johannes, links und rechts vom Hauptportal. An der südlichen Flanke befinden sich u.a. die Portale des Todes und der Apokalypse.

 

 

Ankunft in León.

Liber Sancti Jacobi, 12. Jh.

Dann muss man in der Stadt León die ehrwürdigen Reliquien des hl. Bischofs, Bekenners und Doktors Isidor besuchen, der eine fromme Regel für die kirchlichen Kleriker schuf, das spanische Volk mit seinen Lehren erfüllte und die ganze hl. Kirche mit seinen blumenreichen Büchern erfreute. 3

 

Hermann Künig von Vach, 1495

Nach zwei Meilen folgt Leoeyn, eine Stadt, die schon recht groß ist. Darin findest du genügend Spitäler. Gehe in das Spital Sant Thonges wenn es sich ergibt. Auch kann man dort Jakobus-Zeichen kaufen. 1

 

Arnold von Harff, 1499

(…) León. Das ist eine der vier Hauptstädte Spaniens. Dort steht ein sehr schöner Dom Zu Unserer Lieben Frau de Regula. 2

 

Domenico Laffi, 1673

(…) wir begaben uns nach Lione, in 3 Leguas Entfernung, wo wir gegen Mittag ankamen (…) wandten uns sofort an den Bischof, damit er uns die Dimissoriale unterschreibt (…) gingen zur Kathedrale, die sehr schön und alt ist, aber nicht so wie die von Burgos. 5

 

 

León. Der Name León hat seinen Ursprung im lateinischen legio; die Römer hatten dort ihr Truppenlager. Eroberung durch die Mauren A.D. 712 Rückeroberung 856. Seit 914 Hauptstadt des christlichen Asturiens. Für 200 Jahre bis ins 11. Jhdt. wichtigste christliche Stadt, die Mitte Spaniens. 1230 vereinigte sich das Königreich mit Kastilien. 

 

León. Gotische Bischofs-Kathedrale Santa Maria de Regla. Der Grundriss des im 13. Jahrhundert wieder errichteten Doms erinnert an den der Kathedrale von Reims. Erster Baumeister war Meister Enrique, der zuvor zwischen 1243 und 1260 schon am Bau der Kathedrale in Burgos mitgewirkt hatte. Vielleicht die schönste Kathedrale Spaniens.

 

Von der ersten im 10. Jhdt. errichteten Kirche, finanziert von König Ordonos II. als Dank für seinen Anno Domini 916 über die Mauren errungenen Sieg, ist prinzipiell nichts übrig geblieben. 999 wurde König Alfons V. im Dom gekrönt. Nach der Übersiedlung der Reste des heiligen Isidors nach Leon bezahlte König Ferdinand I. im Jahre 1067 den Ausbau der mittlerweile stark zerstörten Kathedrale. 1253 wurde dann mit dem Bau des heute vorfindlichen Tempels begonnen. Die hohen Glasfenster deuten auf das Ziel des irdischen Pilgerweges des Menschen und der Kirche hin: dem Himmel entgegen.

 

Mir fällt es an dieser Stelle schwer, die Fülle und Schönheit der Glasfenster zu beschreiben. Wahrscheinlich sind die ersten Glasfenster französischer Herkunft. Bis zu Ende des 14. Jhdts. bildeten sie eine große ästhetische Einheit ab. Ende des 19. Jhdts. wurden sie restauriert: 1.800 qm Gesamtfläche der Buntglasfenster, davon drei große Rosetten mit einem Durchmesser von je acht Metern.

 

In den Fenstern erscheint die siegreiche Kirche mit ihren Heiligen und Zeugen der Wahrheit. Jedes Glasfenster verwandelt sich in eine Quelle mit tausend Farben und voll von einer transzendentalen Nachricht: Wird das Licht zum Wort oder das Wort zum Licht?

Basilika San Isidor

Meisterwerk romanischer Baukunst des 10.12. Jahrhunderts. Nationalheiligtum. Seit 1063 Grabstätte des heiligen Isidor (560636), Erzbischof von Sevilla, letzter Kirchenvater des Westens; mit ihm endete die Epoche der Patristik. Seine Schwester Florentina war Nonne in einem spanischen Frauenkloster, das bereits damals nach den Regeln des heiligen Augustinus geführt wurde.

 

Von Bischof Isidor sind folgende Worte überliefert: 

Vor allem muss er (der Bischof) die hervorragendste aller Gaben, die Liebe, erwerben, ohne die jede Tugend Lüge ist. Der Schutz jeder Heiligkeit ist die Liebe, und die Demut ist der Ort, an dem sie wohnt.“

 

Panteon Real

Romanische Fresken in der Grablege der Könige von LeonAsturien.

Das Pantheon wird auch gerne als Sixtinische Kapelle bezeichnet. Es ist der Basilika San Isidor angegliedert.

Casa de Botines

Werk des katalanischen JugendstilArchitekten Antonio Gaudi; gestorben 1926 bei einem Unfall.

 

Seine berühmtesten Bauten sind in Barcelona (Casa Battilo, Casa Mila, Sagrada Familia) und in Astorga mit dem Bischofspalast zu bewundern. Der Temple Expiatori de la Sagrada Familia (Sühnekirche der Heiligen Familie) ist erst am 7.11.2010 von Papst Benedikt XVI. eingeweiht worden; Baubeginn 1882, geplante Fertigstellung 2026. Der Vatikan ehrte den Künstler ein weiteres Mal, in dem er ihm um die Jahreswende 2011/2012 eine Ausstellung widmete, wohlgemerkt: im Vatikan.

Zu Antoni Gaudis Sagrada Familia unten mehr.

 

Palacio de los Guzmanes

Renaissance. Erbaut im 16. Jahrhundert von Rodrigo Gil de Hontanon. Heute Sitz der Provinzregierung.

 

Die Familie Guzmanes, reich, katholisch, prägte lange Zeit das politische und gesellschaftliche Leben Leóns.

 

Fotos von links

 

1. Reihe: Pilgerinnen auf dem Weg nach Leon.

              Brücke Puente Villarente.

2. Reihe: Restaurant "Viel Glück." Der Besitzer sprach kein Deutsch.

              Brunnen vor dem Alto del Portillo.

3. Reihe: Geschäftsviertel Leon.

              Muschel als Pilgerwegzeichen

4. Reihe: Kathedrale Santa Maria de Regla.

              Westportal (Hauptportal) 

5. Reihe: Portal des hl. Franziskus.

              Glasfenster der Kathedrale.

6. Reihe: Seitenkapelle. Gottesdienst um 18:00h.

              Ein Deacon (Diakon) aus USA teilt die Kommunion aus.

7. Reihe: Schwangere Jungfrau Maria.

              Säulengang des Panteon.

8. Reihe: Reminiszenz an meine Route 66-Tour 2005.

 

Sagrada Familia. Dauerbaustelle zu Ehren Gottes.

Die Münchner tz (Foto: action press) untermauert das Gesagte in ihrer Ausgabe vom 23. Oktober 2015 auf Seite 26 mit dem Hinweis, dass nach 144 Jahren die Sagrada Familia fertig sein soll. Jordi Fauli sei bereits der neunte Architekt, der den Bau begleite. Der höchste Turm solle 172,5 Meter hoch sein.

 

Damit werde dem Wunsch Antonio Gaudis Rechnung getragen, wonach die römisch-katholische Sühnekirche (Sagrada Familia) auf keinen Fall höher sein soll als Barcelonas Hausberg Montjuic mit seinem 180 Metern. Das Werk des Menschen soll nicht größer werden als das Werk Gottes.

 

Die Bauzeit von 144 Jahren ist nicht ungewöhnlich. Hier einige vergleichbare Kathedralen:

 

> Grabeskirche in Jerusalem: Neun Jahre von 326-335;

> Frauenkirche München: 20 Jahre von 1468-1488;

> Basilika in Assisi: 25 Jahre von 1228-1253;

> Kathedrale von Sevilla: 118 Jahre von 1401-1519;

> Mailänder Dom: 118 Jahre von 1401-1519;

> Petersdom in Rom: 120 Jahre von 1506-1626;

> Stephansdom Wien: 126 Jahre von 1137-1263;

> Notre Dame de Paris: 182 Jahre von 1163-1345;

> St. Paul`s Cathedral in London: 213 Jahre von 1087-1300; 

> Kölner Dom: 632 Jahre von 1248-1880.

 

Die Bauzeit der am Camino de Santiago befindlichen Kathedralen ist vergleichbar mit den oben genannten.

> Kathedrale Burgos: 39 Jahre von 1221-1260, letztlich fertiggestellt 1567.         > Kathedrale Leon: 48 Jahre von 1255-1303, letztlich fertiggestellt 1439.  

> Kathedrale Santiago de Compostela: Wiederaufbau 1075-1120, die Figuren des Portico de la Gloria wurden bis 1188 von Meister Mateo zugefügt.