AD MILLE FLORES - EL CID                 IMPRESSIONEN

Burgos. Kartäuserkloster Santa Maria de Miraflores.

Kartäuserkloster Santa Maria de Miraflores. An sich von König Heinrich III. als Jagdschloss konzipiert; von seinem Sohn Juan II. umgebaut. Der Entwurf dafür stammte von Hans von Köln (Juan de Colonia), einem der Erbauer der Kathedrale Santa Maria in Burgos. Juans Frau, Königin Isabella die Katholische aus Portugal, sorgte 1441 für die Fertigstellung des Klosters

— ein Juwel gotischer Baukunst. Das Mausoleum des Königspaars unterstreicht die prachtvolle Ausstattung. Das Stammkloster befindet sich in französischen La Chartreuse, daher die Bezeichnung Kartause. Armut, Bescheidenheit und Einfachheit entsprechen dem eigentlichen Ordensideal.

 

Fotos:

Tor zur Kirche im Innenhof. Teil des Mausoleums.

El Cid, 11. Jahrhundert. Bürgerlicher Name Rodrigo Diaz de Vivar. Nationalheld. Wechselte die Seiten, mal für, letztlich wider die Mauren. Seine Grabstätte und die seiner Frau Jimena befindet sich in der Kathedrale Santa Maria in Burgos. Die im Bild gezeigte Statue des Cid ist gut sichtbar in der Innenstadt platziert, nur wenige Minuten von der Kathedrale entfernt am Rio Arlanzon.

 

Berühmte Verfilmung mit Charlton Heston und Sophia Loren in den Hauptrollen, 1961. Sollte man gesehen haben.

 

IMPRESSIONEN

 

Burgos. Hauptstadt der gleichnamigen Provinz der Autonomen Gemeinschaft Kastilien‐Leon. Krönungsstadt der Könige von Kastilien im 11. Jahrhundert. Die Stadt (fast 900 Meter hoch) wurde 850 n. Chr. im Kampf gegen die Mauren gegründet. Im Winter sibirische Kälte, im Sommer Sahara‐Hitze. Während des Spanischen Bürgerkriegs in den 1930zigern war Burgos Basis von General Francos Militärregierung. 2009 schlug die Eta zu. Am 29. Juli wurde vor einer Polizeikaserne eine Bombe gezündet: Keine Toten, aber viele Verletzte. Die Stadt besticht durch Eleganz: elegante Stadtwohnungen mit verglasten Balkonfronten mit leuchtend weiß gestrichenen Holzrahmen. Daneben alte Patrizierhäuser mit Wappen. Ob die Nachfahren der im Spätmittelalter durch den Handel mit Stoffen und Tuchen zu Wohlstand gekommenen Bürger dort noch wohnen? Keine andere spanische Stadt kann sich in dieser Hinsicht mit Burgos messen.

 

Kathedrale Santa Maria. Baubeginn 1221, Abschluss der Bauarbeiten mit der Vollendung des Vierungsturms im A. D. 1567; vgl. auch Seite 45.

 

Capilla Santisimo Christi. Das wundertätige Kruzifix, das in der Seitenkapelle hängt, soll ein burgalesischer Händler aus Flandern mitgebracht haben. Zunächst befand es sich im Konvent des hl. Augustinus außerhalb der Stadt Burgos; dorthin soll sich auch der hl. Dominikus von Silos öfter zurückgezogen haben. In Folge der spanischen Säkularisierung wurde das Kreuz 1835 in eine Seitenkapelle neben dem Westportal der Kathedrale überführt. Das Kruzifix erfreute sich zu allen Zeiten größter Verehrung. Viele Wunderheilungen soll der Besuch des Kreuzes hervorgerufen haben. Gabriel Tetzel, ein spätmittelalterlicher Pilger, beschreibt es 1466 wie folgt: „Wir sahen dort ein großes Wunder (…), ein Kreuz weder aus Holz noch aus Stein (…), gleichgestaltet der eines toten Menschen (…). Wenn man die Haut anlangt, kann man sie dehnen und ziehen, sie hat ein erschreckend realistisches Aussehen(...).“ Er führt weiter aus, dass dieses Kruzifix dem Nicodemus, der Christus von Kreuz genommen hatte, im Schlaf erschienen sein soll. Auch seien an dem Tag, als Tetzel und seine Begleiter das Kreuz sahen, mehrere Wunder geschehen, immer wieder in Verbindung mit dem sog. Antoniusfeuer (Ergotismus oder Mutterkornvergiftung). Quelle: Robert Plötz im Sternenweg Nr. 47, Zeitschrift der Dt. Jakobus‐Gesellschaft.

 

Santiago-Kapelle. Jakobus als Matamoros, 16. Jahrhundert; Jakobus als Maurentöter. Voreilige Kritiker sollten bedenken, dass es muslimische Mauren waren, die das christlich katholische Spanien bereits im 8. Jahrhundert unterwarfen, es teils niederbrannten, Gefangene als Sklaven einsetzten. So mussten die Könige von Cordoba u.a. alljährlich 100 Jungfrauen für die Harems abliefern. Eine Parallele gab es später auf dem Balkan, als christliche Familien ihre jeweils männlichen Erstgeborenen an die muslimischen Osmanen abtreten mussten — als Janitscharen umgeswitcht zur Elitetruppe des Sultans. Unweit des heutigen Logroño kam es zur entscheidenden Schlacht, in deren Verlauf, die Christen waren an sich hoffnungslos unterlegen, der hl. Jacobus als edler Ritter auf einem weißem Pferd am 23. Mai 844 reitend die entscheidende Wende herbei gebracht haben soll — gegen die Streitmacht von Emir Abd ar‐Rahman II.  Mythos oder Wahrheit? Allgemein geht man von einem Mythos, wenn nicht von einer Fälschung aus. So soll ein Geistlicher im 12. Jahrhundert eine entsprechende Urkunde König Ramiro I. von Asturien zugeschrieben haben, die jener am 25. Mai 844 als Privilegio de los Votos ausgestellt haben soll. Wer kann es letztlich verifizieren? Die Schlacht von Clavijo besiegelte auf jeden Fall das Ende des Jungfrauentributs.

 

Wer immer noch nicht ganz überzeugt ist, gehe ein paar Schritte weiter in die Kapelle der hl. Thekla. Dort sieht er einen demütig sitzenden Jakobus mit Umhang und Pilgerstab, genauso wie der heutige Pilger es mag, wie in Carrion de los Condes, wie in Fromista, wie in Boadilla del Camino als Tischfigur in der Herberge En el Camino, wie in Rabanal del  Camino, wie in Santiago de Compostela, wie überall demütig und bescheiden.

 

Iglesia San Nicolas. Gotisch, 15. Jahrhundert. Obwohl die Kirche nur einige wenige Meter von der Kathedrale entfernt liegt, scheint sich keiner dorthin zu verirren. Dabei ist es ein Juwel. Der größte Schatz ist das Hauptretabel aus der Colonia-Werkstatt, A. D. 1505. Der Grabaltar besteht aus 465 Figuren mit dem hl. Nikolaus als Hauptfigur auf seiner Schiffsreise nach Alexandria. Christi Abendmahl mit seinen zwölf Aposteln und die gekrönte Jungfrau Maria inmitten von Engeln sind weitere Protagonisten dieses phantastischen Altars.