DOMINGO DE LA CALZADA UND JUAN DE ORTEGA. ZWEI MÖNCHE ALS BRÜCKENKONTRUKTEURE.

13. Etappe von Villafranca Montes de Oca über San Juan de Ortega nach Atapuerca: 19 km

Iglesia San Juan de Ortega. Öffnete erst abends. Solange wollten wir nicht warten. Nur Regen.

Villafranca Montes de Oca. Steiler Aufstieg in die Berge mit Regen und Matsch.

 

Etappe 13.

Domingo de la Calzada und Juan de Ortega. Zwei Mönche als Brückenkonstrukteure.

Juan de Ortega (1080-1163), ein Schüler von Domingo, war nicht nur ein Diener Gottes, er war auch ein Meister seines Fachs — als Brückenkonstrukteur. Er pushte damit das Fremdenverkehrsaufkommen. Seine ersten Brücken von Logroño und Najera ersparten den Pilgern des 11. Jahrhunderts mindestens drei Tage Gehzeit. Eine original erhaltene Brücke steht bei Ages. Isabella die Katholische ließ 1474 ein prachtvolles Grabmal für ihn bauen. Es befindet sich in der Klosterkirche von San Juan de Ortega.

 

Fünf Uhr, wache gerädert auf, habe kaum geschlafen, und es wird noch toller, es regnet in Strömen. Eigentlich hätte die Überschrift zu den Berichten der letzten drei Tage so lauten müssen: Vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die Sch….. Elke öffnet das Fenster, hört Stimmen, das ist gut, so kann ich sie überzeugen, den Aufstieg in die Montes zu wagen. Und das ist richtig so. Es ist ein Erlebnis — trotz des Regens. Knappe drei Stunden brauchen wir bis San Juan de Ortega.

 

Hermann Künig von Vach, 1495

(...) Sei nicht zu erpicht, aus der sprudelnden Quelle zu trinken, denn sie tut vielen Brüdern nicht gut. Darauf sollst du einen Berg (Montes de Oca) hochgehen, beeile dich aber nicht zu sehr.

 

Fuente Mojapan. Service Area in den Montes de Oca: San Juan de Ortega 10,8 km, Burgos 34,8 km, Santiago de Compostela 525,5 km.

 

Die ersten 150 Meter geht`s sehr steil, die darauf folgenden 1,1 km etwas weniger steil nach oben. Keine Menschenseele ist zu sehen, 25 Minuten lang, bis wir im Unterstand eine Pilgerin bemerken, die ihre Sachen richtet, bis uns kurz darauf Shaun aus Denver, Colorado überholt. Ihn sehen und sprechen wir von nun an täglich. Eigentlich unverständlich, ist Shaun doch per se schneller; aber: er macht wesentlich mehr Pausen als wir. In Sahagun verlieren sich unsere Wege, nicht bevor er mich in der Bar Peter aus Bitburg vorstellt. Peter hat mit Blasen zu kämpfen, wie fast alle Pilger. Ich hoffe, davon verschont zu bleiben. An sich ein schöner, einsamer Weg, rechts und links nur Wald, heute allerdings mit Matsch garniert.

 

Halb zehn, San Juan de Ortega kommt ins Blickfeld. Ein Highlight der Reise. Ein Muss für jeden Pilger, vor allem wenn man weiß, dass der vor kurzem verstorbene Pilgerpriester und Herbergsvater Don José Maria Kultstatus erreichte. Wie sein Vorbild widmete er sich der Fürsorge und Speisung der Pilger. Das Grab des hl. Juan befindet sich in der Krypta der Kirche.

 

Die Kirchentür ist geschlossen, Öffnung erst ab 18Uhr. Maßlos enttäuscht wende ich mich ab. „Elke, trinken wir noch einen Kaffee oder ne Cola, und dann nichts wie weg, die Bar dort scheint offen zu sein.“ Richtig, der Mann hinter der Theke verweist auf das Stempelkissen, und schon sieht die Welt etwas rosiger aus. Der Ort ist Geschichte.

 

Und um meine anfänglich totale Enttäuschung zu komplettieren, zitiere ich an dieser Stelle M. Moll von Outdoor: „Zweimal im Jahr zur Tagundnachtgleiche am 21. März und am 27. September wiederholt sich das Wunder des Lichts, das eine architektonische Meisterleistung des Mittelalters ist: Um 17Uhr beleuchtet ein Lichtstrahl die Verkündigungsszene auf dem Kapitell links neben der Apsis. Danach wandert der Lichtstrahl über die Geburt Christi zum Besuch der Heiligen Drei Könige, um nach zehn Minuten wieder für eine halbes Jahr zu verschwinden.“

  

Ages. Vor der Herberge.

 

Es regnet unaufhörlich. Langsam regt sich der Hunger. Heute morgen gab`s natürlich kein Frühstück, woher auch. Die Spanier servieren nicht vor acht. Kuchen, Kekse, O-Saft, Red Bull sorgten dafür, wenigstens nicht mit leerem Magen zu starten. So, was jetzt machen? Wo übernachten? In Atapuerca, überschaubare 6,3 km? Weiter nach Burgos, zusätzliche 10 km, also knapp 30 km heute? Nein, da streikt meine liebe Elke; obwohl: sie ist körperlich ausgesprochen gut beinand.

 

Ein weltberühmter Ort kündigt sich an. Atapuerca — Heimat der ersten Europäer. Hier wurden 800.000 Jahre alte menschliche Reste gefunden. Mittlerweile gehen wir ohne Regencape. Die Sonne ist durchgekommen.

Atapuerca. Herberge El Peregrino.

 

Das abendliche Pilgermenü im Restaurant comosapiens ist spitze — für lediglich je zehn Euro drei Gänge plus Wein, fast schon sternereif. Ich werde den Reiseführern berichten. „Please, tell your cook, it was wonderful,“ so ich zum Ober. „Oh, that`s my wife, thank you.“ Minuten später revanchiert sich der Ober / Eigentümer für unser Kompliment und bringt uns die von uns beiden vergessenen Umhängetaschen in die Herberge zurück.

 

 

Wer das elent bawen wel, 13. Jh., Strophe 8

So ziehen wir durch Soffeien hinein, man geit uns weder grot noch wein, die seck stänt uns gar läre; wo ein brouder zu dem andern kumt, der sagt im böse märe.

 

Fotos von links.

1. Reihe: Denkmal zum Spanischen Bürgerkrieg.

              Camino durch/über die Montes des Oca.       

2. Reihe: Ages. Noch 518 km bis Santiago.

              Atapuerca.

3. Reihe: Herberge Atapuerca.

4. Reihe: Weitere Herberge im Ort.

              Iglesia in üblicher Bauweise.

5. Reihe: Restaurant Como sapiens. Hervorragend.

 

Zum Foto Denkmal Spanischer Bürgerkrieg:

Es handelt sich um ein Denkmal für in 1936 erschossene Republikaner, die gegen das Franco-Regime kämpften, mit dem Text: "Nicht ihr Tod war sinnlos, sondern ihre Erschießung. Mögen sie in Frieden ruhen."   

Auf der 15. Etappe von Burgos nach Hornillos del Camino werden wir mit einem von den Republikanern ermordeten Priester, einem Märtyrer der katholischen Kirche, konfrontiert.

Vgl. auch Hauptmenüpunkt ÜBER UNS > Religiöses. Katholizität. > Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs