PILGERHERBERGEN - ALBERGUES                 Hostals und Hotels 

Molinaseca. Gemeindeherberge San Roque. Völlig überfüllt. Es war nachts noch so warm, dass die an sich Beklagenswerten eben nicht klagten, vielmehr sich freuten, einen Schlafplatz ergattert zu haben.

Einstimmung                                                Herberge oder Hotel? Zu Fuß oder mit dem Bus?

Puristen lehnen es kategorisch absich überhaupt mit dem Gedanken einer Hotelübernachtung zu beschäftigen. Ich halte das für übertrieben. Auch weiland im Mittelalter gab es neben dem mehr oder weniger „normalen“, nicht selten mittellosen Jakobspilger, den vermögenden Peregrino, der sich eine komfortablere Unterkunft hat leisten können. Das Gros ging zu Fuß, andere, wie Ritter Arnold von Harff im 15. Jahrhundert, ließen sich von ihrem Pferd tragen, manche temporär auf einem Pferdekarren mitnehmen. Auf heute übersetzt hieße das: zu Fuß, mit dem Fahrrad, sehr wenige Spanier auf dem Pferd; Auto und Bus dürften an dieser Stelle zu vernachlässigen sein. Also: Übernachtungen nicht nur in Pilgerherbergen, gleichermaßen in einfachen Hostals und Hotels. Warum nicht?

 

Im Nachfolgenden erzählen wir von unseren Erfahrungen. Inwieweit sie übertragbar sind, möge jeder für sich selbst herausfinden und entscheiden.

 

Der Mix macht es, wie bei den unterschiedlich langen Etappen. In unserem Fall waren sie `mal dreizehn, `mal achtunddreißig Kilometer lang. Immer der Situation, dem Wetter (Sonne, Hitze, Schnee, Kälte, Regen), der Kondition, der Gesundheit (Blasen, Verletzungen), der Psyche, den örtlichen Gegebenheiten (Berge, mittelalterliche Maultierwege) geschuldet.

 

Mancher Leser wird konträre Erfahrungen gesammelt haben.

In Erinnerung gebliebene Pilgerherbergen

Die nachstehend genannten Albergues verdienen unserer Meinung nach eine besondere Würdigung. Zuvor und/oder danach gegangene Pilger werden möglicherweise gegenteilige Erfahrungen gesammelt haben. Eine Momentaufnahme halt, die an anderen Tagen eine andere sein kann.

So beklagten beim Pilgertreff 2011 in Santiago, organisiert von der Pilgerseelsorge des Bistums Rottenburg-Stuttgart, nicht wenige der anwesenden Pilger laute, grölende, betrunkene, rücksichtslose Wanderer: in den Herbergen, auf den Rast- und Marktplätzen, bis spät in die Nacht. Der Spaß stand offensichtlich im Fokus. Was die Unsauberkeit angeht, ist an vorderster Stelle die Xunta-Herberge in Melide zu nennen: verdreckte Küche, unsaubere Schlafräume; versifft; so jedenfalls unsere Erfahrung in 2006. 

 

Gleichwohl überwiegt ein positiver Eindruck. So wird uns die Herberge in Huntto in den Pyrenäen allein deshalb in Erinnerung bleiben, weil wir dort von einer Holländerin in die Geheimnisse von Chigong eingeführt worden sind. Terradillos de los Templarios zeichnete sich durch einen guten Service aus. In Molinaseca lagen die "späten" Pilger auf dem Boden, überall verstreut, weil sie auch draußen nicht eine Liege gefunden hatten. Es war sehr heiß. Wir waren die letzten gewesen, die einen regulären Schlafplatz ergattern konnten. 

Roncesvalles: Refugio "Itzandegia"

Die Albergue in Roncesvalles, 

eine alte Abtei, verwöhnte uns mit morgendlicher sakraler Aufweckmusik, mit einer besonderen Akustik, mit absoluter Ruhe.

 

Kurzum: eine traumhafte Atmosphäre trotz Vollbelegung mit mehr als 100 Betten und zusätzlich ausgelegten Matratzen vor den Sanitärräumen. 

Die Website von Roncesvalles ergänzte in 2014 wie folgt: "(...) der Real Colegiata von Roncesvalles zugehörend. Ein restaurierter Salon ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert. Verfügt über 100 Etagenbetten (...). Man muss das Beglaubigungsschreiben der Pilger vorweisen und das Einschreibungsticket." Preis 5 Euro. Komplettiert wurde der Gesamteindruck durch das abendliche Pilgermenü mit den anregenden Gesprächen unter anderem mit dem Bruderpaar aus Bayern und durch den anrührenden Pilgergottesdienst.

Astorga: San Javier

Astorga. Privatherberge San Javier.

 

San Javier war für uns ein Glücksfall: interessante, informative Gespräche mit Söhnke, dem beredten Mitarbeiter der Herberge, der später eine eigene Herberge führen wollte (ich weiß nicht, ob er jemals seinen Plan hat realisieren können); nette, ruhige Mitpilger, auch abends beim Rotwein. Jahre später behaupteten viele das Gegenteil: laut, unsauber.

 

Und außerdem. Ich weiß nicht, warum er es tat: Söhnke gab uns einen Schlafraum nur für uns zwei Beide. Herrlich. Kein Geschnarche. Absolute Stille. Viel Raum und Platz. Söhnke muss auch seinen Chef instruiert haben, denn alle nachkommenden Pilger wurden an "unserer" Tür vorbeigeführt. Einen kleinen Wermutstropfen einzugießen kann ich mir gleichwohl nicht verkneifen. Die Duschen waren entweder extrem heiß oder kalt. Der Hofraum hätte ein wenig aufgeräumter sein können. Dennoch, für uns stimmte der Gesamteindruck, das Frühstück war auch nicht schlecht. 

Rabanal del Camino: Senora del Pilar

Rabanal del Camino. Privatherberge der Senora del Pilar. 

 

Señora del Pilar ist eine anerkennenswert freundliche und hilfsbereite Herbergschefin (gewesen). Nicht nur, dass sie persönlich Elkes Blasen mit Nadel und Faden bekämpft hat, hier pulsierte in angenehmer Form das örtliche, gesellschaftliche Leben. Draußen an der Hauptstraße wurde Musik gemacht, getanzt, wie in Puente la Reina. Vielleicht lag es daran, wie gleichermaßen in Roncesvalles, dass just an diesem Tag viele Pilger, keine lauten Wanderer, unterwegs schienen: die Kirche war jedenfalls zu den Gottesdiensten und Stundengebeten rappelvoll.

 

Zitat aus unserem Reisebericht: „Die klösterlichen Stundengebete sind Elke und mir nicht fremd, fahren ja schon seit Jahren nach Tettenweis ins Nonnenkloster zum Meditieren. Die Vesper ist für sieben, die Komplet für halb zehn angesetzt, Salve Regina inklusive. Schade, dass der Pilgersegen nur in Spanisch erteilt wird. Neben mir schluchzt leise eine junge Spanierin, die Tränen kullern die Wangen hinunter. Welche Gedanken mögen wohl in ihr vorgehen? Sie ist uns schon in Astorga aufgefallen.“  

Casa Morgade

Casa Morgade. Zwischen Sarria und Portomarin gelegen.

 

Die Aufzählung bemerkenswerter Unterkünfte wäre unvollständig, würden wir nicht die Casa Morgade erwähnen.

 

Hier sind die Besitzerinnen ganz auf die Pilger eingestellt: Gemeinschaftsschlafraum,  Doppelzimmer, gute Betten, abends tolles, preiswertes Pilgermenü, sehr freundlicher Service, englischsprachig.

Wir waren begeistert. Sicher  lag`s daran, dass an diesem Abend wieder einmal alles stimmte, das Ambiente, das Gespräch mit Paul aus Toronto am lodernden Caminfeuer, das Glas Rotwein in der Hand; Paul ging den Weg aus Dankbarkeit; der Spaziergang zuvor durch den Ort; vor allem der nächste Morgen mit dem Sonnenaufgang. Dazu mehr im Reisebericht: 30. Etappe: Frauenpower. Kaminfeuer. Beim nächsten Camino steht diese Casa wieder auf unserer Agenda.  

Hostals / Hotels

Warum sich nicht gelegentlich ein gutes Hotel gönnen? Einmal die Woche. Zum Beispiel das Parador in Santo Domingo de la Calzada, das Meson el Cid direkt an der Kathedrale in Burgos, das Parador in Leon, Plaza San Marcos (wir gönnten uns nur einen Cappuccino), das Parador de Villafranca de Bierzo (damals noch ein Dreisternehotel; alle Herbergen und Hostals waren "completo") und als Highlight das Paradores in Santiago de Compostela direkt vis a vis der Kathedrale. Über die weniger guten Hostals, auch auf dem Caminho Portugues, manche waren wirklich nicht zu ertragen, werde ich hier an dieser Stelle nicht berichten.