JUDICA PSALM

Hannover. St. Clemens Basilika. Kurz vor der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus: der Altar geostet, das Kruzifix gut sichtbar auf dem Altar. Auch Alte Messe oder Tridentinische Messe genannt.  

Einstimmung auf den Psalm 42, 1-5                Judica me, Deus

Die Heilige Messe nach der außerordentlichen Form des Römischen Ritus kennt ein Stufengebet, das Priester/Zelebrant und Messdiener / Ministranten zu Beginn einer jeden Messe abwechselnd beten. Es eignet sich vorzüglich bei der Vorbereitung des Jakobswegs.

 

Das Stufengebet stimmt nicht nur auf die einzigartige Aura dieses Christus-zentrierten Ritus‘ ein, es fordert die Gläubigen nicht nur auf, den eigenen Alltag und damit die Gottverlassenheit der Welt hinter sich zu verlassen, nein: mit dem Stufengebet wenden wir uns direkt dem Herrn zu, wir pilgern mit dem Herrn hin zum Tempelberg, zum Heiligtum des Herrn, oder anders ausgedrückt, wir pilgern mit dem Herrn zur Kathedrale des Herrn nach Santiago de Compostela, die dem heiligen Apostel Jakobus geweiht ist.

 

Wohl dem Pilger1, der sich mit dieser Heiligen Messe und seinem jahrtausendalten Ritus auf seinen Jakobsweg einstimmen kann. Er spürt den Aufbruch, der mit seiner Pilgertour verbunden sein wird. Er spürt, dass er seine Ängste und Sorgen und tiefen Zweifel auf seinem Camino de Santiago abstreifen wird (spätestens am Cruz de Ferro). Unterwegs wird er sich an das Große Credo (Glaubensbekenntnis) von Konstantinopel erinnern, das während der Messe gebetet worden war: Jesus - Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott.

Text inspiriert durch Martin Mosebachs Buch Der Ultramontane - Alle Wege führen nach Rom, 2012.

Judica me, Deus 

 

Sacerdos: Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta: ab homine iniquo et doloso erue me.

 

Priester: Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich.

Ministri: Quia tu es, Deus, fortitudo mea; quare me repulisti, et quare tristis incedo, dum affligit me inimicus?

Messdiener: Gott, Du bist meine Stärke. Warum denn willst Du mich verstoßen? Was muss ich traurig gehen, weil mich der Feind bedrängt?

Sacerdos: Emitte lucem tuam et veritatem tuam: ipsa me deduxerunt, et adduxerunt in montem sanctum tuum et in tabernacula tua.

Priester: Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt.

Ministri: Et introibo ad altare Dei: ad Deum, qui laetificat juventutem meam.

Messdiener: Dort darf ich zum Altare Gottes treten, zu Gott, Der mich erfreut von Jugend auf.

Sacerdos: Confitebor tibi in cithara, Deus, Deus meus: quare tristis es, anima mea, et quare conturbas me?

Priester: Dann will ich Dich mit Harfenspiel lobpreisen, Gott, mein Gott. Wie kannst Du da noch trauern, meine Seele, wie mich mit Kummer quälen?

Ministri: Spera in Deo, quoniam adhuc confitebor illi: salutare vultus mei, et Deus meus.

Messdiener: Vertrau auf Gott, ich darf Ihn wieder preisen; Er bleibt mein Heiland und mein Gott.

Sacerdos: Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto.

Priester: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.

Ministri: Sicut erat in principio, et nunc, et semper: et in saecula saeculorum. Amen.

Messdiener: Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Sacerdos: Introibo ad altare Dei.

Priester: Zum Altare Gottes will ich treten.

Ministri: Ad Deum, qui laetificat juventutem meam.

Messdiener: Zu Gott, Der mich erfreut von Jugend auf.

 

Das „Judica me Deus...“ des Psalms 42 (Text entnommen Wikipedia) drückt den Wunsch nach Reinigung und Abgrenzung von der gottfremden Welt aus. Der „homo iniquus et dolosus“ ist der ‚alte‘ Mensch, der nach Erlösung ruft. Den Weg der Erleuchtung finden wir ausgedrückt in der Bitte: „Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt.“ Das Ziel dieses Aufstieges ist die Einigung: „Dort darf ich zum Altare Gottes treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“ Text teilweise entnommen: http://www.alte-messe.de/html/stufengebet.html

 

1 Pilger: Die Pilgerinnen mögen sich bitte gleichermaßen angesprochen fühlen, danke.