GEBETE UND LIEDER                                    Psalmen, Jüdisches Reisegebet, Grundgebete 

Santiago de Compostela. Kathedrale. Alpha und Omega. Das Christussymbol. Jesus umfasst als der Erste und der Letzte das Leben der Welt. Anfang und Ende.

Einführung

Der Fundus an Pilgergebeten und Pilgerliedern ist enorm. Man muss nur ein wenig die bekannten Gebete und Psalmen betrachten. Für die nicht so religiös Bewanderten sind an dieser Stelle einige Gebete notiert: Das Gebet an den heiligen Jakobus. Die Hymne zum Apostel Jakobus. Ein mittelalterliches Pilgerlied. Das Vaterunser. Mariengebete wie das Ave Maria. Das Glaubensbekenntnis. Der Judica Psalm. Gebete für Reisende und Flüchtlinge.  

Vorbemerkungen zu den Psalmen

Es spricht nichts dagegen, den nachstehenden Psalm 121 "Gott ist bei dir!" auf den Jakobusweg zu übertragen: also „Ein Lied, zu singen auf dem Weg nach Santiago de Compostela.“ Eine Metapher für das „himmlische Jerusalem“, für Gottes Herrlichkeit.   

 

Erich Zenger, Kommentator des Stuttgarter Psalter, 2005 Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart, schreibt: „Mit der Psalmenfolge 121 - 123 sucht der Beter einen Weg aus der in Psalm 120 beklagten Welt des Hasses und des Todes (Hilferuf aus einer chaotischen Welt). Die drei Psalmen bilden in der Abfolge ihrer Szenerie eine Klimax*):

 

  • die Berge - Ps 121

  • Jerusalem - Ps 122

  • der Himmel - Ps 123

 

Die in Psalm 121 vorausgesetzte Situation ist das Unterwegssein bzw. das Aufbrechen zu einer (Pilger-)Reise. (…) Im Kontext der Wallfahrtspsalmen wird der Psalm transparent für den realen bzw. poetischen Weg der Gottsuche. (…)."

*) ein rhetorisches Stilmittel bestehend aus einer stufenartigen Steigerung.

Psalm 121 - Gott ist bei dir!

Ein Lied, zu singen auf dem Weg nach Jerusalem 

»Ich blicke hinauf zu den Bergen:

Woher wird mir Hilfe kommen?«

»Meine Hilfe kommt vom HERRN,

der Himmel und Erde gemacht hat!

Und du sollst wissen:

Der HERR lässt nicht zu, dass du zu Fall kommst.

Er gibt immer auf dich Acht.

Er, der Beschützer Israels,

wird nicht müde und schläft nicht ein;

er sorgt auch für dich.

Der HERR ist bei dir,

hält die Hand über dich,

damit dich die Hitze der Sonne nicht quält

und der Mond dich nicht krank macht.

Der HERR wendet Gefahr von dir ab

und bewahrt dein Leben.

Auf all deinen Wegen wird er dich beschützen,

vom Anfang bis zum Ende,

jetzt und in aller Zukunft!« 

Psalm 122 - Friedenswunsch für Jerusalem

Ein Lied Davids, zu singen auf dem Weg nach Jerusalem 

Wie habe ich mich gefreut,

als man zu mir sagte:

»Komm mit,

wir gehen zum Haus des HERRN!«

Nun sind wir angelangt,

wir haben deine Tore durchschritten

und stehen in dir, Jerusalem.

Jerusalem, du herrliche Stadt,

von festen Mauern geschützt!

Zu dir ziehen sie in Scharen,

die Stämme, die dem HERRN gehören.

Dort soll ganz Israel ihn preisen,

so wie er es angeordnet hat.

In Jerusalem ist das höchste Gericht,

dort regiert das Königshaus Davids.

Wünscht Jerusalem Glück und Frieden:

»Allen, die dich lieben, soll es gut gehen!

In deinen Mauern herrsche Sicherheit und Wohlstand,

deinen Häusern bleibe die Sorge fern!«

Weil ich meine Brüder und Freunde liebe, sage ich:

»Ich wünsche dir Glück und Frieden!«

Weil in dir das Haus des HERRN, unseres Gottes, steht,

freue ich mich, wenn es dir gut geht.

Psalm 123 - Bitte um Erbarmen

Ein Lied, zu singen auf dem Weg nach Jerusalem 

Ich richte meinen Blick hinauf zu dir,

zum Himmel hinauf, wo du thronst.

Voll Erwartung blicken die Knechte

auf die Hand ihres Hausherrn;

aufmerksam schauen die Augen der Magd

auf die Hand ihrer Herrin.

So blicken wir zu dir, HERR, unser Gott,

bis du uns dein Erbarmen zeigst!

Erbarm dich, HERR, hab Erbarmen mit uns!

Wir haben genug Verachtung erlebt,

viel zu viel hinunterschlucken müssen

vom Spott unserer satten, sorglosen Feinde,

vom Hohn vermessener Unterdrücker!

 

Quelle: Gute Nachricht Bibel

Jüdisches Reisegebet

Nachfolgendes jüdisches Reisegebet passt gut in den Kontext der obigen Psalmen. Bibelkundige wissen, dass sie dem Alten Testament entnommen, ursprünglich in hebräischer Sprache formuliert waren, das Befinden, den Glauben der damals lebenden Israeliten / Juden widerspiegelte. Jesus und seine Mutter, die Jungfrau Maria, bezogen sich immer wieder auf die Thora, auf das Alte Testament. Ihre Spiritualität speiste sich vor allem aus den Psalmen. Die Christen des Neuen Testaments lasen nicht von ungefähr viele der Psalmen durchscheinend auf Christus.

 

Herr, unser Gott und Gott unserer Väter, möge es Dein Wille sein, uns in Frieden zu leiten,

unsere Schritte auf den Weg des Friedens zu richten

und uns wohlbehalten zum Ziel unserer Reise zu führen.

 

Behüte uns vor aller Gefahr, die uns auf dem Weg bedroht.

Bewahre uns vor Unfall und vor Unglück, das über die Welt Unruhe bringt.

Segne die Arbeit unserer Hände.

Lass uns Gnade und Barmherzigkeit vor Deinen Augen finden; Verständnis und Freundlichkeit bei allen die uns begegnen.

Höre auf die Stimme unseres Gebetes.

Gepriesen seist du, o Gott, der Du unser Gebet erhörst. Amen.