Kathedrale Santa Maria de Regla                       León

Gotische Bischofs-Kathedrale Santa Maria de Regla. Der Grundriss des im 13. Jahrhundert wieder errichteten Doms erinnert an den der Kathedrale von Reims. Erster Baumeister war Meister Enrique, der zuvor zwischen 1243 und 1260 schon am Bau der Kathedrale in Burgos mitgewirkt hatte. Vielleicht die schönste Kathedrale Spaniens.

 

In römischer Zeit stand hier eine Thermenanlage, über der König Ordono II. (994-24) im 10. Jahrhundert einen Palast mit Kirche bauen ließ, als Dank für seinen Anno Domino 916 über die Mauren errungenen Sieg. Im Jahre 999 wurde König Alfons V. im Dom gekrönt. Nach der Übersiedlung der Reste des heiligen Isidors nach León bezahlte König Ferdinand I. im Jahre 1067 den Ausbau der mittlerweile stark zerstörten Kathedrale. Bischof Manrique de Lara legte 1199 den Grundstein für den Bau einer neuen Kirche, die Arbeiten wurden aber erst in 1253/1255 aufgenommen und besonders von König Sancho IV. (1284-95) gefördert. 1303 wurde die Kathedrale eingeweiht.

 

Die Westfassade entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Drei spitzbogige Portale führen hinter einer offenen Halle in das Gotteshaus. Die Reliefs dürften zwischen 1270 und dem 14. Jahrhundert entstanden sein. Die Einflüsse der Pariser, Reimser und Chartreser Schule sind evident. Am Mittelportal ist die Auferstehung Christi und das Jüngste Gericht dargestellt, an den Seitenportalen die Szenen aus dem Leben Marias. Die Capilla de Santiago, die von der ersten Kapelle des nördlichen Chorumgangs aus zugänglich ist, wurde von Juan de Badajoz im 16. Jahrhunderts erbaut. Im linken Teil des Mittelportals, gekrönt von Baldachinen, erscheinen die Apostel Johannes, Jakobus der Ältere und Petrus. Jakobus ist mit den üblichen Insignien wie Hut, Beutel und Stab des Pilgers ausgestattet. Petrus hält den Schlüssel, Johannes ein Fäßchen (nicht wie sonst mit einem Kelch) als Hinweis auf sein bevorstehendes Martyrium im siedenden Öl. Alle Figuren entstammen verschiedener Meister verschiedener Zeiten. An der Jakobusfigur rieben die Pilger ihre Medaillen und Kruzifixe.  

 

Die hohen Glasfenster deuten auf das Ziel des irdischen Pilgerweges des Menschen und der Kirche hin: dem Himmel entgegen. Mir fällt es an dieser Stelle schwer, die Fülle und Schönheit der Glasfenster zu beschreiben. Wahrscheinlich sind die ersten Glasfenster französischer Herkunft. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts bildeten sie eine große ästhetische Einheit ab. Ende des

19. Jahrhunderts wurden sie restauriert: 1.800 qm Gesamtfläche der Buntglasfenster, davon drei große Rosetten mit einem Durchmesser von je acht Metern. Es gibt nach Meinung von Kennern kein Gotteshaus, das im Verhältnis zum Stein so viele Fenster hat. Das Bauwerk hätte schon längst einstürzen müssen. Kardinal Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., drückte es weiland so aus: "Dieses Gebäude besitzt mehr Glas als Stein, mehr Licht als Glas und mehr Glauben als Licht." 

 

In den Fenstern erscheint die siegreiche Kirche mit ihren Heiligen und Zeugen der Wahrheit. Jedes Glasfenster verwandelt sich in eine Quelle mit tausend Farben und voll von einer transzendentalen Nachricht: Wird das Licht zum Wort oder das Wort zum Licht?

 

Fotos:

1. Reihe: Die wunderschöne Kathedrale Santa Maria.

              Einer der beiden Türme.

2. Reihe: Ausschnitt: Gratia Plena: (Ave Maria) voll der Gnade

              Rosettenfenster Außenblick.

3. Reihe: Portico de Nuestra Senora La Blanca. Haupteingang mit der

              Gottesmutter im Blickfeld. Auch Portal des Jüngsten Gerichts genannt.  

              Ausschnitt Christus als Weltenherrscher.

4. Reihe: Ausschnitt Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind.

              Franziskustor.

5. Reihe: Innenbereich der Kathedrale.

              Blick auf den Hauptportal.

6. Reihe: Rosettenfester Blick von innen.

              Wuchtige Säulen.

7. Reihe: Glasfenster. Filigranes Meisterwerk.

              Wird das Licht zum Wort oder das Wort zum Licht?

8. Reihe: Glasfenster.

9. Reihe: Bänke des Chorraums mit den Figuren des Aten und Neuen

              Testaments.

11.Reihe:Die schwangere Jungfrau Maria im hinteren Chorbereich.

              Die Gottesmutter mit dem Leichnam Jesu in der Capilla de Santiago;

              hier wird alltags die Heilige Messe gefeiert; vgl. Reisebericht,

              23. Etappe.

12.Reihe:Krippendarstellung.

              Plan der Kathedrale.