Kathedrale San Pedro. Jaca                           Camino Aragones

Vorbemerkungen zu den Portalen

Für die mittelalterlichen Baumeister war es selbstverständlich, über den Portalen ein halbrundes oder spitzbogenförmiges Bogenfeld, das Tympanon, einzuziehen. In der Mitte zumeist platziert der Pantokrator, Christus als Weltenherrscher,  Mariendarstellungen, zumeist getragen, bewacht von Engeln und/oder den vier Evangelisten oder deren Symbolfiguren: Matthäus als Mensch, Markus als Löwe, Lukas der Stier und Johannes als Adler.

 

In der Kathedrale von Jaca ist im Zentrum das Chrismon zu sehen, das  Erkennungszeichen der frühen Christen schlechthin. Die gekreuzten griechischen Buchstaben Chi und Rho XP stehen für den Anfang des Namens Christus.

An den horizontalen Enden des Kreuzes von San Pedro befinden sich Alpha und Omega - das doppelte 'O' mit Bezug zur Vision der Apokalypse. Um das Chrismon herum steht geschrieben, deutsche Übersetzung: "Leser, auf dieser Skulptur erkenne mit Sorgfalt, dass das 'P' der Vater, das 'A' der Sohn und der Doppelte der Heilige Geist ist. Alle drei sind in Wahrheit der eine und gleiche Herr."Quelle: Der spanische Jakobsweg, Ein Kunst- und Kulturführer von Bettina Marten, Reclam 2011.

 

Das Chrismon lädt den gläubigen Christen ein, in das Gotteshaus einzutreten,  der Liturgie, vielleicht sogar einer tridentinischen, beizuwohnen oder einfach nur einen Moment zu verweilen, zu meditieren, zu beten.

Kathedrale San Pedro

San Pedro ist eine der vier ältesten romanischen Kirchen am Camino de Santiago neben San Martin in Fromista, San Isidoro in Leon und der Kathedrale von Santiago de Compostela.

Der genaue Baubeginn liegt im Dunklen; geweiht, obwohl noch im Bau befindlich, Anno Domini 1063 - im Verlauf eines dort abgehaltenen Konzils in Anwesenheit mehrerer Bischöfe wie die von Auch (Südfrankreich), Urgell, Bigorre, Oloron, Calahorra, Leyre, Zaragoza, Roda; 1076 von Sancho Ramirez (1063-1094), König von Navarra-Aragonien, zur offiziellen Bischofsstadt erkoren. Papst Innozenz III. soll in einer Bulle (Urkunde für wichtige Rechtsakte der Päpste) bestätigt haben, dass die Bauarbeiten 1139 beendet worden seien. Umbauten sind für das 15. und 16. Jahrhundert wie für 1790 dokumentiert.

 

Die Entwicklung der romanischen Bauweise auf der iberischen Halbinsel ist maßgeblich der Bauplastik dieser Kathedrale zu verdanken. Sie bewahrte ihre Einheitlichkeit, innen wie außen, obschon der größere Teil vor 1096 datiert und dem Meister von Jaca zugeschrieben wird. Der aufmerksame Pilger wird dessen Stil in mehreren Pilgerorten wiederfinden, zum Beispiel in der Basilika von San Isidoro de Leon.

 

Die Kathedrale, in Form eines lateinischen Kreuzes errichtet, weist drei Schiffe auf. Die Gläubigen verehren heute drei Schreine unter dem Hauptaltar: den der heiligen Eurosia*) und links und rechts die Reliquien des heiligen Indalecio sowie der Brüder Voto und Felix. Indalecio soll ein Schüler des Apostels Jakobus gewesen sein, zudem erster Bischof von Urci (in Almeria) und von Auca (Villafranca Montes de Oca). Voto und Felix werden auch mit San Juan de la Pena in Verbindung gebracht. Das Stufenportal zeigt Daniel und die Löwengrube.

 

*) Die heilige Eurosia ist Patronin der Stadt: 714 nach Christus von den Mauren gefoltert und getötet. Die Kathedrale ehrt die Heilige mit einem Wandbild, auf dem das Martyrium der Eurosia zu sehen ist. Sie war an sich einem noblen Mauren versprochen, lehnte als Christin die Heirat ab, versteckte sich in einer Höhle nach Jaca, wurde gefunden... Sie gilt weiterhin als Patronin gegen Sturm und Gewitter. Jaca wehrte sich erfolgreich gegen die Besetzung durch (moslemischen) Mauren.

Mehr über die Heilige im Heiligenlexikon.de. Papst Leo XIII. bestätigte 1902 Eurosias Verehrung.

Fotos

1. Reihe: Blick auf den Hochaltar

              Schreine der Heiligen Eurosia (Mitte), Indalecio und Voto und Felix

2. Reihe: Die Muttergottes mit dem Kind. Im unteren Bereich Szene aus ihrem

              und Jesu Leben.

              Der Apostel Jakobus als Pilger.

3. Reihe: Christusaltar mit dem  Gekreuzigten.

              Wandbild der heiligen Eurasia: Das Martyrium. Foto von Joachim

              Schäfer für das Ökumenische Heiligenlexikon.

4. Reihe: Altar der Michaelskapelle, 1572. Der untere Bereich ist der heiligen

              Eurosia vorbehalten. 

              Eurosia als unversehrte Frau. 

5./6.Reihe: Eurosia ohne Hände, als Bekämpferin von Dämonen, 

              als Kinderfreundin.