Iglesia San Miguel in Excelsis und San Pedro         Estella/Lizarra

Pfarrkirche San Miguel. Plaza de San Miguel. Die Webseite Spain.info bezeichnet sie als ein Meisterwerk der Romanik in Navarra, 1140/1145 im Übergang zur Gotik. Der Kirchenbau ist schlicht. Wie San Miguel ist auch die Kirche der Madonna von Le Puy (13. Jh.) auf einem Hügel gebaut, in diesem Fall auf dem La Mota. Eine eindrucksvolle, mittelalterliche Treppe führt steil zum Gotteshaus hinauf. Die reich verzierte Nordfassade zählt zu den schönsten Kirchenfassaden Navarras, der Figurenschmuck zu den schönsten Werken der romanischen Plastik in Spanien. Engel mit Weihrauchgefäßen, die Könige der Apokalypse, Propheten und Heilige, und an den Kapitellen der Säulen sind Szenen aus dem Leben Christi dargestellt, der Auferstehung. Die dort vermerkte Inschrift aus dem 12. Jh. lautet in etwa auf Deutsch: "Nicht Gott und Mensch ist das gegenwärtige Bild, das du siehst, sondern Gott und Mensch, den das heilige Bild darstellt." - Also Christus Mensch und Gott zugleich. Ein großfiguriges Relief rechts vom Eingang zeigt die drei Marien und zwei Engel am leeren Grab: "Er ist auferstanden, er ist nicht hier" - "Maria Magdalene Maria Jacobi et altera Maria." Schade, dass wir uns damals nicht mehr Zeit für die Besichtigung genommen haben.   

 

Beachtenswert die Reliefs, die den Kampf des Erzengels Michael, dem Namensgeber der Kirche (hebräisch: Wer ist wie Gott?) darstellen. In der Offenbarung des Johannes tritt Michael im eschatologischen Kontext als Bezwinger des Satans auf. Seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld (Ungarn, Otto der Große) am 10. August 955 gilt der Erzengel Michael als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches, später auch Deutschlands. 

 

Im Inneren der Kirche ist ein gotisches Retabel erhalten, das auf Stuck gemalt ist. Hier sind die Markgrafen Muruzabal und Eguia begraben. Von den Skulpturen am Retabel soll das Bildnis des heiligen Crispin aus dem 17. Jahrhundert hervorgehoben werden.

Iglesia San Pedro de la Rua

Sankt Peter vom Wege, so die deutsche Übersetzung von San Pedro de la Rua. Erbaut auf einem Felsen, die Stadt überblickend, erstmals Anno Domini 1174 als Pfarrkirche erwähnt,  1256 zur Hauptkirche der Stadt ernannt, weil nicht nur die älteste sondern auch die größte Kirche. Die Könige schworen in ihr ihre Treue, ihren Eid auf das Gesetz. Zum Baustil sagt ein englischer Autor: „(…) it combines the Romanesque and Cistercian styles.” Der Chor entstammt dem Ende des 12. Jahrhunderts, die drei Schiffe sind aus dem 13. Jahrhundert. Im quadratischen Kreuzgang sind diverse Reliefs und Kapitelle zu bewundern, das Leben der Heiligen und Christi darstellend.

 

Der Legende nach sollen Sternenzeichen um 1270 dazu geführt haben, das Grab eines unbekannten Pilgers zu öffnen. Anhand der mitgeführten Dokumente und seines Bischofsstabs identifizierte man ihn als einen (griechischen) Bischof aus Patras (1230 n. Chr.), der zudem auch noch die Reliquien des Heiligen Andreas mit sich geführt haben soll, wohl um sie der Kathedrale in Compostela darzubringen. Der Apostel Andreas, Bruder von Simon Petrus, erlitt Anno Domini 62 in Patras das Martyrium. Der Bischof wurde im Kreuzgang von San Pedro begraben, an einem Ort, der ohnehin im Mittelalter als Pilgerfriedhof genutzt wurde. Im Zuge dieser Entdeckung mutierte Estella zu einem Wallfahrtsort eigener Prägung. Neben der Jungfrau von Puy ist Andreas der Schutzpatron von Estella/Lizarra.

 

Das Nordportal (13. Jh.) weist eine Besonderheit auf. Es erinnert mit seinen Zickzackfries an Motive der maurischen Kunst. In der Mitte jedoch wird explizit auf Christus hingewiesen – mit einem Chrismon und den üblichen Szenen der Passion Christi. Die dorthin führende Treppe ist sehr steil, erst im Jahre 1966 angelegt. Von der Etappe erschöpfte Pilger werden sich wohl kaum am Ankunftstag hierauf geschleppt haben; wie wir am Folgetag. Vom Stadtzentrum aus kann der Tempel über eine weit geschwungene Freitreppe erreicht werden. Im Inneren der Kirche sind einige Skulpturen der Heiligen Andreas und Petrus sowie eine gotische Statue der Madonna zu besehen. 

Quelle für alle Kirchen: u.a. Bettina Martens. Der spanische Jakobsweg. Ein Kunst- und Kulturführer. Reclam, 2011.

Fotos

Zwecks Vergrößerung bitte anklicken, v.a. die Portale.

1. Reihe: Auf dem Weg zur Pfarrkirche San Pedro de la Rua.

2. Reihe: Tor und einfache Jakobusfigur von San Miguel.

3. Reihe: Wunderschöne, filigrane Madonnenfigur. San Miguel.

              Mehrsprachiger Pilgersegen am Schluss des Gottesdienstes in der 

              Pfarrkirche von San Miguel.   

4. Reihe: Zwei Süd-Koreaner mit dem Pfarrer in San Miguel.  

4. Reihe: Eingangsbereich Heiliggrabkirche/Iglesia del Santo Sepulcro;

              direkt am Jakobsweg gelegen - von Puente la Reina kommend.

              1123 Sitz der Bruderschaft Del Santo Sepulcro. Imposante Fassade 

              mit dem Hauptportal aus dem frühen 14. Jh. Das Tympanon zeigt 

              das Abendmahl, die drei Marien am Grab Christi, den Abstieg in die

              Vorhölle und den Auferstandenen vor Maria Magdalena, Christus

              am Kreuz; darüber Engel flankiert von jeweils sechs Aposteln.

              Der hl. Jakobus steht in Pilgertracht am Aufgang zum Portal wie

              auch der segende hl. Martin von Tours als Bischof.