Iglesia Maria del Camino                                 Carrión de los Condes

Die Kirche Santa María del Camino liegt direkt am Jakobsweg. Erbaut um 1150. Sie gilt als die älteste der Stadt. Vier Jahrhunderte später erfolgten Umbauten im Barockstil. Das Gotteshaus war der Virgen de las Victorias geweiht, später umbenannt in Santa Maria del Camino. Die Fassade des Südportals thematisiert die muslimischen Tributforderungen an Andersgläubige, die zu einem nennenswerten Anteil die Basis des maurischen Haushaltes bedeuteten.

 

Was war geschehen: Die unterworfenen Christen mussten zu jener Zeit im Mittelalter alljährlich den maurischen Harems einhundert junge Mädchen (Tributo de las 100 Doncellas) zur Verfügung stellen. Die dem Grunde nach stimmige Geschichte mutierte zu einer Legende, wonach zwei Stiere einen Jahrgang besagter Mädchen vor der Auslieferung gerettet haben sollen.

 

Erstmalig wird im Rahmen der Schlacht von Clavijo (nahe Logrono) im 9. Jahrhundert vom Tribut der 100 Jungfrauen an die Muslime gesprochen = 50 Adlige, 50 aus dem Volk. Müde der alljährlich stattfindenden Übergabe sollen die ansässigen Mädchen die männlichen Einwohner geradezu gezwungen haben, sich nun endlich gegen die Mauren aufzulehnen, indem sie vorgaben, selbst in den Kampf zu ziehen. König Ramiro I. von Asturien führte die christliche Streitmacht an und besiegte letztlich dank der Hilfe des heiligen Santiago die Mauren unter Abd ar-Rahman II.; vgl. auch REISEBERICHT WESTWÄRTS NACH GALICIEN > Etappe 14. Als hätten wir nicht genug…

 

Die Kirche fasziniert durch die schönen Marie-Statuen. Filigranarbeit vom Feinsten. Der mittelalterliche Pilger vertraute nicht von ungefähr auf das mütterliche Lächeln der Virgenes del Camino. Überall am Wegesrand sah er die Augen der Madonna herabblicken von den Eremitagen, von den Kapellen, von den beeindruckend schönen und mächtigen Kathedralen. Das vermittelte ihm Sicherheit und Geborgenheit. Maria, Sedes Sapientiae, die Weisheit Gottes.  

 

Das Hauptportal der Kirche an der Südseite fasziniert weiterhin durch die vielen Figuren, die auch die obige Geschichte widerspiegeln: Stiere, bärtige Männer (Mauren), Jungfrauen, aber auch im Fries über dem Portal die der Heiligen Drei Könige, Herodes, die Könige vor der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, an den Seiten des Portals zwei Reiter: der Samson des Alten Testaments gegen den Löwen, der heilige Jakobus des Neuen Testaments als matamoros zu Pferd gegen die Mauren.

Der Hauptaltar aus dem Jahr 1684, hölzern, vergoldet, zeigt den heiligen Franziskus, Maria Immaculada(die Unbefleckte), Johannes den Täufer und den Evangelist Johannes.

Fotos:

1. Reihe: Blick auf den Hauptaltar.

              Gekrönte Muttergottes.

2. Reihe: Jakobus als Matamoros.

              Marienfigur.

3. Reihe: Beichtstuhl.

              Jakobus als Pilger mit Stock und Kalebasse.