Iglesia Santa Maria la Real                                      O Cebreiro

Santa Maria la Real de O Cebreiro ist die älteste Pilgerkirche am Camino de Santiago. Alfons II. der Keusche stiftete Anno Domini 836 sowohl Kirche wie Kloster und Pilgerhospital. Berühmt ist das Hostienwunder des 13. Jahrhunderts, das Papst Innonez VIII. im 15. Jahrhundert offiziell anerkannte, vgl. unten stehenden Artikel, Etappe 28 - Camino duro. Der harte Weg. O Cebreiro sowie den Menühauptpunkt CAMINO FRANCES > Galicien.

 

Die Kirche stand zu allen Zeiten unter dem Schutz der Könige und genoss somit königliche Privilegien. Die rechteckigen Apsiden und die Arkaden entstammen dem 9. Jahrhundert wie das Taufbecken; hier sollte nicht nur der Kopf sondern der Täufling selbst untergetaucht werden - in Anlehnung an Jesu Taufe im Jordan durch Johannes den Täufer. Die aus Bruchsteinmauerwerk errichteten Seitenwände der heutigen Kirche und die Westfassade mit Kapelle sind späteren Datums.

 

In der Kapelle des Heiligen Wunders ist die Figur Santa Maria de Remedios aus dem 12. Jh. zu sehen sowie das Doppelreliquiar Kelch mit Patene und das Bergkristallfläschen als Geschenk der Katholischen Könige Isabella und Ferdinand. Jedes Jahr wallfahren am 8./9. September mehrere Tausend Gläubige zur Passhöhe, um dem Hostienwunder zu gedenken und die Jungfrau Maria zu ehren.

 

In der linken Benediktiner-Kapelle ist am Fuß des Altars das Grab des Pfarrers Don Elias Valina Sampedro (1929 - 1989) zu finden, der maßgeblich die moderne Jakobuswallfahrt pushte, indem er von 1984 an weite Strecken des Camino Frances neu markierte.

Das Hostienwunder im 13. Jahrhundert

O Cebreiro. Iglesia Santa Maria. Altar zu Ehren des Hostienwunders.

 

Vorbemerkung: In den Vatikanischen Museen Roms, genauer gesagt im Apostolischen Palast, ist ein Wunderwerk des 'göttlichen' Raffael (Raffael Santi, geb. 1483) zu bewundern, das nahezu die gleiche Geschichte wie die vom O Cebreiro wiedergibt. Raffael war Anno Domini 1508 von Papst Julius II. mit der Ausmalung des Palastes beauftragt worden. Das "Wunder von Bolsena" erzählt die Geschichte eines Mirakels aus 1263: Ein Priester aus Böhmen bekommt Zweifel an der realen Präsenz Christi im Allerheiligsten Altarsakrament, sieht jedoch dann, wie die konsekrierte (geweihte) Hostie zu bluten beginnt. Dieses Wunder war mitentscheidend, dass Papst Urban IV. in 1264 das Fronleichnamsfest (Herrenleichnam) einsetzte, das 'Hochfest des Leibes und Blutes Christi', das jeweils zehn Tage nach Pfingsten gefeiert wird; vgl. auch die Transsubstantiationslehre (Wandlung bei der Eucharistiefeier) unter Menüpunkt ÜBER UNS > Religiöses. Katholizität > Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche > Sakramente. Bitte durchscrollen.

 

Zum Wandlungswunder

auf dem galicischen Cebreiropass  

Bereits im 9. Jahrhundert hatte ein französischer Schlossherr namens Giraldo de Aurillac im Zuge des Camino de Santiago auf der Passhöhe des Cebreiro (rd. 1300 Meter ü. M.), vier Tagesmärsche von Compostela entfernt, eine Benediktinerabtei mit Pilgerhospiz und Spital gegründet. Andere Quellen sprechen von König Alfons II. dem Keuschen, der hier 836 ein Pilgerhospital und ein Kloster zu dessen Betreuung gestiftet haben soll.

 

Im Weiler Baja Mayor, am Abhang des Cebreiro, machte sich im 13. Jahrhundert ein frommer Bauer wie an jedem Tag auf den Weg zur Heiligen Messe auf die Passhöhe des Cebreiro. Weder Wind und Wetter, Hitze und Schnee konnten ihn abhalten. Als der Klosterkaplan an jenem Tag schon die Wandlungsworte der Heilige Messe sprach, schneite der fromme Bauer im wahrsten Sinn des Wortes in die Kirche. Anstatt sich über seinen einzigen Gottesdienstbesucher zu freuen, der Bauer war trotz Schneegestöbers zur hl. Messe gekommen, sprach er zu sich voll des Unglaubens: „Wahrlich ein Narr, wer bei solchem Unwetter daherkommt, nur um ein wenig Brot und Wein zu sehen!“

 

Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, verwandelte sich vor seinen erschrockenen Augen die Brotgestalt der heiligen Hostie sichtbar in Fleisch und die Gestalt des Weines sichtbar in Blut. Mit diesem Wunder wollte der Herrgott offensichtlich den eucharistischen Glauben des Bauern stärken und den stolzen priesterlichen Zweifel bekehren. Das Wunder wurde sodann von den Jakobspilgern publik gemacht.

 

Die zu Fleisch gewordene heilige Hostie blieb mehr als zweihundert Jahre lang auf derselben Patene (flache Schale, mit der dem Gläubigen die Hostie vom Priester zur Kommunion gereicht wird) und der zu Blut geronnene Wein in demselben Kelch, worin sich das Wunder vollzogen hatte. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden die kostbaren Reliquien in gesonderten Gefäßen in einen kostbaren Reliquienschrein überführt. Es handelte sich um ein Geschenk der Königin Isabella >die Katholische< und ihren Königsgatten Ferdinand von Kastilien. Auf ihrem Pilgerweg nach Compostela hatten sie 1486 auf der Passhöhe von Cebreiro Halt gemacht.

 

Pater Yepes O.S.B. beschrieb im 17. Jahrhundert die beiden Gegenstände in etwa wie folgt: „(…) In der einen Ampulle befand sich das kaum eingetrocknete, blutrote Blut (…) und in der anderen Ampulle das aus der heiligen Hostie gewordene Fleisch, welches zwar eingetrocknet, aber noch rot ist.“

 

Das Blutwunder wurde von den Päpsten Innozenz VIII. (1484 - 1492) und Alexander VI. (1492-1503) anerkannt. Jedes Jahr findet zu Ehren des Hostienwunders jeweils am 8./9. September eine Wallfahrt statt. Dieser galicische ‚Heilige Gral‘ ging in das galicische Wappen ein und war offensichtlich Inspiration für Richard Wagners monumentales Werk Parsifal.

Fotos:

Blick in den Innenraum. Monstranz und Taufbecken.