Iglesia de Sancti Spiritus                                 Melide

Die Iglesia de Sancti Spiritus (Heiliger Geist) steht in der Altstadt. Ein ehemaliger Franziskanerkonvent aus dem 14. Jahrhundert ist der Erbauer. In diesem Zusammenhang stellt sich doch die Frage, warum ausgerechnet hier, nahe Santiago de Compostela, sich Franziskaner niedergelassen haben - schon rund einhundert Jahre nach dem Tod des Ordensgründers Franz von Assisi (1181-1226)? Die historisch-kritischen Exegeten unserer Zeit bestreiten nämlich vehement Franz` Pilgertour.

 

Cordula Rabe vom Rother Führer spricht von hochherrschaftlichen Gruften, die sich in der Kirche befinden sollen. Wir interessierten uns für die neben dem Altar angebrachten Wandmalereien, die den heiligen Jakobus als Matamoros zeigen, nicht das einzige Mal am Camino. Fast in jeder Kirche sieht man ihn als Maurentöter. Jakobus als einfacher Pilger passt doch viel besser zum Zeitgeist?

 

Man muss das verstehen. Versuchen wir, uns einmal vorurteilslos in die damalige Zeit zurückzuversetzen. Zunächst wird das iberische Volk im 8. Jahrhundert von den Muslimen überrannt mit all den - an anderer Stelle dieser Website - benannten grausamen Begleiterscheinungen.

Dann versucht man sich zu arrangieren. Das klappt aber nicht. Die den Christen und Juden auferlegten Drangsale, Sondersteuern wie Erniedrigungen, sind offensichtlich auf Dauer nicht hinnehmbar.

 

Der Mythos von den toleranten Mauren ist nach neuesten wissenschaftlich grundierten Erkenntnissen ohnehin nur ein Märchen. So wird also in höchster Not der heilige Jakobus inständig um Hilfe angefleht, genauso wie die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria. Jakobus mutiert sodann zum Retter auf einem weißen Pferd in die Schlacht reitend. Zum Miles Christi. Ritter Christi.

 

Stolz über ihren Sieg in Clavijo machten sie aus ihn einen Maurentöter, nichtsahnend, dass Jahrhunderte später just ihre christlichen Glaubensbrüder und -schwestern ihnen dies zum Vorwurf machen werden. Es ist ja so einfach, Geschichte aus der heutigen Brille zu betrachten und zu kritisieren.

Unsere Großeltern sind 1914 singend und marschierend in den 1. Weltkrieg gezogen, gesegnet von den evangelischen Pastoren Berlins. Fakt ist, die Reconquista, die Rückeroberung war erfolgreich. Es kehrte Ruhe ein. Spätestens 1492.

Bitte das Foto anklicken. Trotz geringer Qualität sieht man sehr gut die Figuren, die den liebevoll geschmückten Altar beschützen.